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Geteiltes Haus
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Erscheinungstermin 19.08.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
Eine deutsch-tschechische Familiensaga aus dem Sudetenland – basierend auf einer wahren Geschichte
Zum Gastlandauftritt Tschechien auf der Frankfurter Buchmesse 2026
Benetzko im Riesengebirge in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Hier wachsen zwischen Regimewechseln und verheerenden Kriegen auch Zdenka und Anežka auf. Die eine tschechisch, die andere deutsch, werden sie beide eigensinnige Frauen, die im Laufe der Jahrzehnte mit so einigem kämpfen und hadern – wildernden Männern, keifenden Schwiegermüttern, desertierenden Kindern oder ihren Nationalitäten – und vieles verlieren, aber niemals ihre Freundschaft.
Benetzko im Sudetenland. Hier begegnen sich Wilderer und freigeistige Frauen, Stofffabrikanten und spiritistische Damen, hier heiraten Tschechen Deutsche und – nur um sich dann darüber zu streiten, welche Nationalität sie bei der Volkszählung angeben sollen, wer zuerst die neue Schule bauen wird und wer einen Hund namens Masaryk getötet hat.
Inmitten geheimer Romanzen, Desertionen aus der Armee, beiläufigem Verrat und Namensänderungen kosten kleine Entscheidungen am Ende Menschenleben.
Ausgehend von der Geschichte ihrer eigenen Familie – von kostbaren Erinnerungen und traurigen Memoiren, von Fotos, vergilbten Zeitungen und Archivfunden – webt die Autorin eine mitreißende Familiensaga.
»Im Riesengebirge wurde Tschechisch und Deutsch gesprochen, und die Schicksale von Familien kreuzten sich, vermischten sich und prallten aufeinander. All das hallt in diesem außergewöhnlichen Roman nach.«
Jaroslav Rudiš
Eine deutsch-tschechische Familiensaga aus dem Sudetenland – basierend auf einer wahren Geschichte
Zum Gastlandauftritt Tschechien auf der Frankfurter Buchmesse 2026
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Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783257074000 |
| PREIS | 28,00 € (EUR) |
Auf NetGalley verfügbar
Durchschnittliche Bewertung von 33 Mitgliedern
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Buchhändler*in 2057187
Das Buch beleuchtet in einem sehr eindrücklichen, literarischen Stil ein wichtiges Kapitel deutsch-tschechischer Geschichte. Beim Mitfühlen mit den Charakteren und Miterleben derer Einzelschicksale wird deutlich, wieviel sinnloses Leid das Naziregime auch hier angerichtet hat - und wie zerrissen die Bevölkerung zwischen nationalen Identitäten und Interessen war. Ich werde das Buch definitiv empfehlen!
Buchhändler*in 2014546
Fantastisch !!!!!!!!
Eine großartige Familien Saga im Riesengebirge.
Zwei Familien, eine tschechisch - die andere Deutsch.
Verrate nichts, einfach lesen -genießen und weiter empfehlen !!!!!!!!!
Claudia F, Beschäftigte*r in der Buchbranche
‚Geteiltes Haus‘ basiert auf wahren Begebenheiten. Es erzählt die deutsch-tschechische Geschichte einer Familie aus dem Sudetenland. Die Charaktere sind toll dargestellt, die Geschichte sehr emphatisch erzählt. Trotz des großen Umfang des Buches war es nie langweilig, die Schicksale der Familien sind eindrucksvoll un einfühlsam dargestellt. Ein sehr guter Roman, sehr empfehlenswert
Simone F, Rezensent*in
In „Geteiltes Haus“ erzählt Alice Horáčková anhand der Familien Hollmann und Honců aus Benetzko die wechsel- und leidvolle Geschichte des Sudetenlandes zwischen dem späten 19. Jahrhundert und dem Ende des Zweiten Weltkrieges.
Der allwissende Erzähler, der gelegentlich Zukünftiges vorwegnimmt, wechselt kapitelweise den Fokus zwischen verschiedenen Personen, zumeist Mitgliedern der Familie, und begleitet sie durch die Jahrzehnte. Hierdurch entwickelte beim Lesen einen engeren Bezug zu den Figuren, und fand es sehr spannend, ihre Entwicklung mitzuerleben. Leider waren einige relativ einfach gezeichnet, so dass bereits im Kindesalter erkennbar war, wer später einmal Opportunist:in, Kriegsgewinnler:in, überzeugter Nazi, Widerständler:in oder Mitläufer:in werden würde.
Unangenehm war mir, dass gerade in der ersten Hälfte Sexualität sehr oft thematisiert wurde, insbesondere auch Nötigungen, die der Frau dann doch „gefielen“. Auch diverse spiritistische Sitzungen und das Hin und Her um die Dorfchronik haben mich weniger interessiert. Stattdessen hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin mehr Hintergrundinformationen zu den politischen Ereignissen zwischen 1918 und 1939 eingeflochten hätte. Sofern das Buch vor allem tschechische Leser:innen als Zielgruppe hat, ist es wohl verständlich, dass die wichtigsten Geschehnisse dieser Zeit als Grundwissen vorausgesetzt werden. Bei einem internationalen Publikum wäre zumindest ein Anhang hilfreich gewesen (Heinlein-Bewegung, erste und zweite Mobilmachung im September 1938 etc.).
Aus der Danksagung lässt sich schließen, dass Alice Horáčková die Geschichte ihrer Familie als Grundlage genommen hat. Leider gibt es kein Nachwort, in dem die Autorin näher darauf eingeht, welche Begebenheiten real sind und welche fiktional. Auch Informationen zur Art ihrer Recherche (Archive? Zeitzeugengespräche?) wären sehr interessant gewesen. Ich habe letztlich ein Interview von ihr gefunden, das mir bei der Einordnung geholfen hat (Noble Notes Magazine).
Insgesamt lässt mich „Geteiltes Haus“ zwiegespalten zurück: Einerseits war es bereichernd, mehr über das Sudetenland zu erfahren und dieses Buch auch als Anstoß zu sehen, sich intensiver damit auseinanderzusetzen. Andererseits fand ich die Schwerpunktsetzung manchmal etwas unglücklich.
Rezensent*in 2042432
„Geteiltes Haus“ ist ein beeindruckendes und tief bewegendes Buch über eine Dorfgemeinschaft im Riesengebirge, die lange Zeit mehr verbindet als trennt. Tschechen und Deutsche leben hier zunächst als Einheit – als Berggemeinschaft, in der Herkunft keine entscheidende Rolle spielt. Doch mit den politischen Umbrüchen und den beiden Weltkriegen verändert sich dieses Gleichgewicht zunehmend.
Im Mittelpunkt stehen zwei starke, eigensinnige Frauen, deren Freundschaft all den Spannungen trotzt. Ihre Lebenswege sind geprägt von Verlust, Herausforderungen und persönlichen Kämpfen, aber auch von einer bemerkenswerten Widerstandskraft. Besonders eindrücklich ist, wie das Buch zeigt, dass Konflikte nicht plötzlich entstehen, sondern sich schleichend entwickeln – indem Menschen immer mehr auf ihre Nationalität reduziert werden, statt als Individuen gesehen zu werden.
Die wechselnden Perspektiven machen die Geschichte besonders lebendig und nachvollziehbar. Man versteht die unterschiedlichen Sichtweisen, ohne dass das Buch einfache Antworten liefert. Auch der große zeitliche Rahmen ist ein echter Gewinn: Über mehrere Jahrzehnte hinweg erlebt man hautnah, wie sich Stimmungen verändern und wie sich das Leben der Dorfbewohner mit den historischen Ereignissen wandelt.
Ein großartiges, vielschichtiges Buch über Freundschaft, Identität und die zerstörerische Kraft von Grenzen in den Köpfen – absolut verdient fünf Sterne.
Buchhändler*in 1779414
Was für ein Roman! Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich "Geteiltes Haus" gefesselt. Ich wollte einfach nicht, dass dieses Buch endet.
Meisterhaft verbindet Horáčková die Geschichte von Benetzko im Riesengebirge mit den individuellen Schicksalen seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Immer wieder kommen wir dabei auf die Freundschaft zwischen Anežka und Zdenka zurück, die trotz aller Widrigkeiten die Jahre überdauert. Doch "Geteiltes Haus" stellt eher ein Soziogramm der gesamten Dorfgemeinschaft dar. Das wird spätestens mit dem Aufstieg der NSDAP und der Annektierung tschechischer Gebiete deutlich. In diesem Zuge können wir ganz genau beobachten, wie die einzelnen Figuren sich verhalten. Wer profitiert (mit Freuden)? Wer leistet Widerstand? Wer denunziert? Das Buch ist in der heutigen Zeit durchaus als eindringliche Warnung zu lesen, was passiert, wenn die "kleinen" Leute aufhören, kritisch zu denken und die Augen vor dem Leid anderer verschließen.
Trotz der Länge des Romans, liest er sich sehr schnell. Das liegt einerseits daran, dass er einfach unfassbar gut ist und man das Lesen einfach genießt. Hinzu kommt aber auch, dass die Kapitel sehr kurz sind und jeweils immer verschiedene Figuren in den Fokus rücken. So ist permanent Abwechslung geboten und die Seiten fliegen nur so dahin.
"Geteiltes Haus" ist bis jetzt ganz klar mein Highlight in 2026!
Buchhändler*in 1454805
Man sagt: Kriege werden von Männern gemacht.
Ich hatte bei der Lektüre des Romans "Geteiltes Haus" den Gedanken: Kriege werden von Macht- und Geldgier befeuert.
Alice Horácková schildert in ihrem Roman die Geschichte und die politischen Wirren Tschechiens in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts aus der Sicht zweier Freundinnen, die in schwierigen Zeiten die Familie und das Leben aufrecht halten.
Ein großer Roman über eine dunkle Zeit und der Stärke der Frauen.
Was für ein Wälzer! Aber auch super interessant. Man begleitet verschiedene Leute eines kleinen Dorfes während einiger Jahre in Krieg und Frieden, in Armut und Wohlstand. Es hat ernste Momente, dramatische, aber auch humorige. Ein wunderbares Zeitspiel einer Stadt.
Maria H, Rezensent*in
Dies Buch beinhaltet eine beeindruckende und bewegende Geschichte über ein Dorf im Riesengebirge. Hier leben Tschechen und Deutsche miteinander in einer Dorfgemeinschaft, doch die beiden Weltkriege verändern alles. Der Zeitrahmen der Geschichte geht über einige Jahrzehnte und zeigt den Wandel der Dorfgemeinschaft durch die politischen Ereignisse. Im Buch wird gut beschrieben, wie sich die Konflikte schleichend entwickeln und die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt und ist dadurch sehr lebendig und interessant geschrieben.
"Geteiltes Haus" von Alice Horáčková ist ein Roman, der auf der Familiengeschichte der Autorin beruht.
Auf über 800 Seiten beschreibt die Autorin die Geschehnisse in Benetzko im Sudetenland über den Zeitraum von der K.-u.-k.-Monarchie bis zur Nachkriegszeit. Der Roman ist zum einen eine Familiensaga, zum anderen aber auch ein Zeitdokument der besonderen Art. In Benetzko leben Zdenka und Anežka, die eine tschechisch, die andere deutsch. Um deren Familien und natürlich sie selbst geht es in diesem Roman. Die Autorin beschreibt spannend und fesselnd die Geschichte in einer Region, die mir nicht näher bekannt ist. Natürlich haben wir alle wohl schon einige historische Romane aus dieser Zeit gelesen, trotzdem ist der Roman etwas besonderes. Er zeigt nicht nur die Schicksale von Zdenka und Anežka und ihren Familien auf, er beschreibt auch sehr eindrücklich, wie aus Freunden aus zwei Nationen Feinde werden können. Wir erleben Denunziationen, Machtgehabe, Rache, Widerstand und vieles mehr.
Horáčková lässt uns an ihrer Familiengeschichte aus verschiedenen Perspektiven teilhaben. Dabei geht sie sehr empathisch auf die unterschiedlichen Gefühle der verschiedenen Protagonist*innen ein. Daneben beschreibt sie aber auch das schwere Leben im Riesengebirge. "Ein halbes Jahr schneit es, den Rest des Jahres ist es kalt" Wir erfahren von Wilderern, aber auch von ungeliebten Schwiegermüttern, von Profiteuren und Benachteiligten dieser schrecklichen Zeit. Trotz der über 800 Seiten ist mir der Roman nie langweilig geworden. Einmal begonnen, wollte ich ihn auch nicht mehr weglegen.
Ich empfehle dieses Zeitdokument sehr gerne weiter! Es zeigt, wie schnell aus Freundschaften Feindschaften werden können, was politische Indoktrination bewirken kann. Es zeigt aber auch, dass trotz den Unterschiede Freundschaften bestehen können. Mich hat der Roman sehr beeindruckt. Leider werden genau die Personen, die es eigentlich lesen sollten, es nicht lesen...
Ein großartiger Roman, der die 5 Sterne verdient hat! Ich bin übrigens mit Google-Earth extra nach Benetzko "gereist", um mir ein besseres Bild von der Landschaft zu machen.
Librairie P, Buchhändler*in
Sehr interessantes Buch über ein Land dessen Geschichte ich bisher nicht wirklich gekannt habe. Durch die kurzen Kapitel liest es sich gut und ich fand das Lesen kurzweilig!
Mit „Geteiltes Haus“ erzählt Alice Horáčková die Geschichte zweier Familien im Sudetenland und spannt dabei einen eindrucksvollen Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die politischen Umbrüche, sondern vor allem die Menschen, deren Schicksale eng mit der wechselvollen Geschichte der Region verbunden sind.
Besonders gelungen fand ich die wechselnden Perspektiven, durch die man die verschiedenen Familienmitglieder über viele Jahrzehnte begleitet. Dadurch entsteht eine enge Bindung zu den Figuren und man erlebt hautnah mit, wie politische Entwicklungen ihr Leben und ihre Entscheidungen beeinflussen. Allerdings wirkten einige Charaktere recht eindimensional, sodass sich ihre spätere Rolle, ob Mitläufer, Widerständler oder überzeugter Nationalsozialist, schon sehr früh abzeichnete.
Die deutsch-tschechische Freundschaft und das Zusammenleben unterschiedlicher Nationalitäten bilden das Herzstück der Geschichte. Gerade dieser Blick auf den Alltag im Sudetenland macht den Roman besonders lesenswert und regt dazu an, sich intensiver mit diesem oft wenig beleuchteten Kapitel der Geschichte auseinanderzusetzen.
Weniger überzeugen konnten mich einige inhaltliche Schwerpunkte. Vor allem in der ersten Hälfte des Romans nimmt die Darstellung von Sexualität und übergriffigen Situationen vergleichsweise viel Raum ein, was ich stellenweise als unangenehm empfand. Auch die spiritistischen Sitzungen und die Handlung rund um die Dorfchronik konnten mein Interesse nicht dauerhaft fesseln. Stattdessen hätte ich mir mehr historische Einordnung der politischen Ereignisse zwischen 1918 und 1939 gewünscht. Gerade Leserinnen und Leser, die mit der Geschichte des Sudetenlandes nicht vertraut sind, hätten von zusätzlichen Erläuterungen oder einem historischen Anhang sicherlich profitiert.
Spannend fand ich, dass der Roman auf der Familiengeschichte der Autorin basiert. Umso mehr hätte ich mir ein Nachwort gewünscht, das erklärt, welche Ereignisse auf historischen Quellen beruhen und welche fiktional ausgestaltet wurden. Das hätte der Geschichte noch mehr Tiefe verliehen.
Insgesamt hat mich „Geteiltes Haus“ mit seiner atmosphärischen Erzählweise und den bewegenden Familienschicksalen durchaus beeindruckt. Auch wenn ich mir an einigen Stellen eine andere Gewichtung der Themen und mehr historische Hintergründe gewünscht hätte, ist es ein lesenswerter Roman, der die Geschichte des Sudetenlandes auf persönliche und eindringliche Weise erlebbar macht.
Geteiltes Haus von Alice Horáčková aus dem Diogenes Verlag ist ein eindrucksvoller historischer Roman, der die Geschichte einer Familie mit den bewegenden Ereignissen des 20. Jahrhunderts verknüpft. Vor der Kulisse des Sudetenlandes erzählt die Autorin von Menschen, deren Leben durch politische Umbrüche, Krieg und Vertreibung nachhaltig verändert wird. Dabei entsteht eine emotionale Geschichte über Heimat, Zusammenhalt, Verlust und die Frage, wie sehr die Vergangenheit das Leben kommender Generationen prägt.
Im Mittelpunkt stehen Zdenka und Anežka, die trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft eng miteinander verbunden sind. Während Zdenka aus einer tschechischen Familie stammt, wächst Anežka in einer deutschsprachigen Familie auf. Ihre Freundschaft muss immer wieder schwere Belastungen überstehen, als die Spannungen zwischen Deutschen und Tschechen zunehmen. Ergänzt wird ihre Geschichte durch zahlreiche weitere Figuren – Eltern, Geschwister, Nachbarn und Dorfbewohner –, die alle auf unterschiedliche Weise mit den politischen Veränderungen und deren Folgen konfrontiert werden. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild einer Gemeinschaft, die langsam auseinandergerissen wird.
Der Roman begleitet seine Figuren über viele Jahrzehnte. Zunächst schildert Alice Horáčková den Alltag in einem Dorf, in dem Menschen verschiedener Nationalitäten noch weitgehend friedlich zusammenleben. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verändern sich jedoch die Beziehungen zwischen den Bewohnern grundlegend. Misstrauen, Angst und ideologische Überzeugungen führen dazu, dass Freundschaften zerbrechen und Familien auseinandergerissen werden. Nach Kriegsende stehen viele Menschen schließlich vor dem Verlust ihrer Heimat und müssen sich ein neues Leben aufbauen. Die historischen Ereignisse werden dabei nicht trocken erzählt, sondern aus der Sicht der Betroffenen erlebbar gemacht, wodurch die Geschichte besonders berührend wirkt.
Besonders überzeugt hat mich die lebendige Darstellung der Figuren. Sie wirken authentisch, haben Ecken und Kanten und entwickeln sich im Laufe der Handlung glaubwürdig weiter. Auch die detaillierten Beschreibungen der Landschaft und des dörflichen Lebens schaffen eine dichte Atmosphäre, sodass man sich leicht in die Zeit und den Ort hineinversetzen kann. Die Autorin verbindet persönliche Schicksale gekonnt mit historischen Fakten, ohne dass die Geschichte an Emotionalität verliert.
Etwas anspruchsvoll ist die große Anzahl an Figuren und die verschiedenen Zeitebenen. Gerade zu Beginn erfordert der Roman Aufmerksamkeit, um alle Beziehungen und Familienverbindungen einordnen zu können. Sobald man jedoch in die Geschichte eingetaucht ist, entwickelt der Roman eine starke Sogwirkung.
Insgesamt ist Geteiltes Haus ein bewegender und hervorragend recherchierter Familienroman, der eindrucksvoll zeigt, welche tiefen Spuren Krieg, Nationalismus und Vertreibung im Leben gewöhnlicher Menschen hinterlassen. Wer historische Romane mit vielschichtigen Charakteren, emotionalen Schicksalen und einem authentischen Blick auf die Geschichte des Sudetenlandes schätzt, findet hier eine fesselnde und nachdenklich stimmende Lektür
Inge H, Rezensent*in
Grenzgebiet
Geteiltes Haus, ist ein opulentes Werk der Schriftstellerin Alice Horáckov
.
Es ist eine Familiengeschichte im Grenzgängerischen Tschechin und Deutschland. Die Familien wohnen verhältnisgleich Anfang des zwanzigsten Jahrhundert gut miteinander.
Es gibt etliche Vermischungen.
Die Familie Hollmann wird besonders intensiv beschrieben.
Da wird gewildert, das ist bei den Hollmanns schon gang und gebe.
Die Söhne sind auch noch ordentlich Weiberhelden. Mit der Treue nehmen
sie es nicht so wichtig.
Dann kommt der zweite Weltkrieg und die Nazis übernehmen das Regime.
Da sieht man auch die Charaktere der Menschen.
Da meinen sie , warum sollen sie den Besitz der Juden nicht übernehmen, sonst nimmt es jemand anderes.
Das sind mir zwar keine neuen Berichte, die habe ich so schon gelesen.
Außerdem habe ich vielen von Verwandten erfahren, deshalb ist es immer ziemlich erschreckend, weil ich weiß, so war es wirklich.
Nach dem Krieg ändert sich die Stimmung, und viele Deutsche müssen dran glauben.
Die Autorin hat alles stimmig beschrieben.
So ist es ein Stück Zeitgeschichte.
Die deutsch-tschechische Grenze im Riesengebirge scheint lange Zeit nur theoretisch vorhanden gewesen zu sein. Manchmal erinnert# sich dann doch jemand und je nach dem, wer das ist, hat das Folgen.
In Benetzko leben Deutsche und Tschechen schon immer zusammen und Zdenka und Anežka sind Freundinnen, schon immer. Auch wenn eine deutsch und die andere tschechisch ist, wachsen sie zusammen auf, gehen in die gleiche Kirche und verlieben sich in Hollmanns Jungs.
Das kann man hier hautnah miterleben. Wunderbar lebendig schildert Alice Horáčková das Leben in dieser abgelegenen Region, wo man sich im Wirtshaus trifft, kauzige Typen ihre Traditionen pflegen und das Wildern Ehrensache ist.
Mit dem Zweiten Weltkrieg gerät auch das Leben in Benetzko aus den Fugen. Plötzlich müssen sie Feinde sein, die Menschen, die doch gestern noch zusammen die Schulbank gedrückt haben. Da muss eine tschechische Schule her für Tschechenkinder, Juden kann man gar nicht mehr brauchen und manch ein Hollmann tritt in die Partei ein. Die falsche. Die Grenze verschiebt sich ständig, wer will sich da noch auskennen?
In dieses Buch taucht man ein, über 800 Seiten sehr lebendige Geschichte. Es gibt schon mächtig viele Menschen, am Anfang knabbert man ein bisschen und wünscht sich eine Landkarte und mehrere Familienstammbäume. Aber man gewöhnt sich dran, lebt sich ein und landet mitten in einem epischen Wälzer, der Spaß macht und nie zu enden scheint. Super kurze Kapitel fliegen nur so dahin.
Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, originell und schlagfertig. Man gewinnt sie schnell lieb und kann das Schicksal ganzer Familien verfolgen. Die Handlung schildert hauptsächlich die Kriegswirren und wirkt sehr authentisch. Selbst wenn man meint, man hätte schon reichlich Weltkriegsbücher gelesen, ist dieser Blickwinkel doch neu.
Das ist Geschichtsunterricht der allerbesten Sorte. Ich habe viel gegoogelt und viel gelernt.
Julia F, Rezensent*in
Dieses Buch ist eine Wucht nicht nur was die Seitenanzahl betrifft, sondern auch im Bezug auf die Geschichte und vor allem die Zeit die es umspannt.
Über mehrere Epochen und Kriege hinweg begleiten wir die Freundinnen Zdenka und Anežka, sowie ihre Familien.
Sicherlich ist dieses Buch kein Buch welches man mal eben so weg liest. Allein schon aufgrund des Themas, ist es doch schon etwas anspruchsvollere Kost. Am Ende lohnt es sich aber definitiv dieses Buch zu lesen.
Die Autorin schreibt in einer sehr ruhigen, nüchternen Art. Diese Geschichte lebt nicht von großen spektakulären Ereignissen und doch konnte ich es nur schwer aus der Hand legen, nicht zuletzt da ich Geschichtlich einiges so noch nicht wusste.
Alice Horáčková hat dieser Geschichte eindeutig den Raum gegeben den sie benötigt um erzählt zu werden, mit all ihren kleinen Einzelheiten! Für mich persönlich hatte das Buch keine längen und hat sich flüssig weggelesen.
Ein wirklich beeindruckender Roman! Auch wenn ich zum Ende hin ein paar Tränen wegblinzeln musste.
Elgin M, Buchhändler*in
Dieser fast 900 Seiten umfassende Roman erzählt auf eindrückliche Weise das Leben der Menschen im Riesengebirge vor dem 1. Weltkrieg bis in die 50iger Jahre. Tschechen und Deutsche leben miteinander, die Regime ändern sich, Grenzen werden neu gezogen. Nicht nur auf den Landkarten, sondern und vorallem auch in den Köpfen der Menschen.
Mich hat das Buch von der ersten Seite an begeistert.
Da die Großeltern meines Mannes daher stammen, ist mir das Schicksal der Menschen aus dieser Region nicht fremd. Aber sich auf diese Weise damit auseinanderzusetzen, hatte für mich absoluten Mehrwert. Es ist ein so wichtiges Buch, um Geschichte zu begreifen und um nicht zu vergessen, was Kriege und Fanatismus anrichten können!
Ich wünsche diesem Buch viele Leser!!
Beste Freundinnen teilen alles? Zdenka ist Tschechin, Anežka Deutsche. Das hat in ihrer Schulzeit keine Rolle gespielt, aber die Geschichte wird sie etwas anderes lehren. Sie wachsen im Riesengebirge, Sudetenland auf. Von vier Generationen der Familie Hollmann erzählt der Roman, vom ersten Weltkrieg bis zum Ende des Nazi-Regimes. Die Freundinnen sind neugierig, sie probieren sich selbst und verschiedene Liebhaber aus, schlittern in zweifelhafte Ehen. Aber welche Ehe ist schon gut? Damit trösten und arrangieren sie sich. Zdenka und Anežka teilen sogar den Vater eines Sohnes, das wissen aber außer der Mutter nur die Leser, für alle anderen bleibt es bis zum Schluss geheim. Die Frauen sind selbständig, machen sich ihre eigenen Gedanken, wehren sich gegen die Einvernahme durch Ehemänner und Politik. Aber auch sie erleben, wie die Kriege und die Besetzung durch die Nazis die Familien auseinander treibt. Wie sich ethnische Grenzen bilden, Nachbarn aufeinander losgehen, sich denunzieren und ans Messer liefern. Wie die Söhne beider Seiten im Krieg sterben und die Friedfertigen verfolgt werden. Sie schaffen es gegen alle Widerstände beste Freundinnen zu bleiben und mit Rat und Trost zu Hilfe zu eilen, wenn es ganz schlimm wird. Eine spannende Familiensaga aus dem Sudetenland, einer Gegend, die zum historischen Begriff wurde, aber durch diesen Roman voller Emotionen und menschlicher Höhen und Tiefen erlebbar wird.
Sudentenland
Dieser Roman beginnt zu einer Zeit vor dem „Großen Krieg“, als die Familien oft noch viele Kinder bekamen. Wie Albert und Amalie Hollmann aus dem Riesengebirge, von deren zehn Kindern nur fünf überlebten. Das Schicksal dieser Familie begleiten wir vom Kaiserreich über die Erste Tschechoslowakei bis zur Ausweisung der Deutschen aus dem Land.
Alice Horácková wurde 1980 in Prag geboren und studierte Sozialwissenschaften an der Karls-Universität. „Geteiltes Haus“ ist ihr erstes ins Deutsche übersetze Buch. Darin erzählt sie anhand des Familienschicksals politische Geschichte und taucht tief ein in all die Querelen und Ungerechtigkeiten, die das Leben der Menschen erschwerten. Ganze Familien wurde damals in zwei Lager gespalten; die einen stellten sich auf die Seite der tschechoslowakischen Bevölkerung, die anderen nahmen die deutsche Position ein.
Mich hat das Buch – vor allem die politische Situation unter Hitler, die mit einigen Dokumenten belegt ist - sehr aufgewühlt und zu weiterer Recherche animiert. Alles anhand einer realen Familienchronik zu erzählen, war ein guter Schachzug der Autorin, denn dadurch ließen sich die Zusammenhänge sehr authentisch nachverfolgen.
Fazit: Wer mehr über die Geschichte der aus der Tschechoslowakei Vertriebenen erfahren will, ist hier sehr gut aufgehoben! Allerdings braucht man ab und zu ein dickes Fell, um die Situation ertragen zu können.
Über dieses Buch bin ich zufällig gestolpert und habe es dann ganz bewusst als Lektüre mit in den Urlaub genommen - es ging nämlich nach Tschechien, genau genommen nach Westböhmen, wo die deutsch-tschechische Grenze verläuft. Zwar ist das nicht direkt die Region der Romanhandlung, dennoch ging es mir sehr nahe, beim Lesen des Romans an der deutsch-tschechischen Grenze zu sein.
Dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und bewegt. Die knapp 900 Seiten fliegen dank der sehr kurzen Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven nur so dahin. Der Roman behandelt in sehr bewegender Weise die Schicksale der Menschen im Riesengebirge von vor dem 1. Weltkrieg bis in die 50er Jahre hinein. In Benetzko leben schon immer Tschechen und Deutsche zusammen. Sie gehen zusammen zur Schule, sie streiten und diskutieren, sie versöhnen und lieben sich. Sie heiraten, bekommen Kinder, sie sterben. So nimmt das Leben seinen Lauf, auch das der Freundinnen Anezka und Zdenka. Meisterhaft verbindet die Autorin die Geschichte dieser Grenzregion mit den individuellen Schicksalen ihrer Familien und der Menschen um sie herum. "Geteiltes Haus" ist das Soziogramm eines Dorfes, das in den geschichtlichen Wirren der Jahrzehnte immer mehr aus den Fugen gerät. Freunde werden zu Feinden, der eine denunziert und profitiert, der andere leistet Widerstand und bangt um seine Existenz. Absolut beängstigend zu lesen war der Aufstieg der NSDAP und wie dieser in den Köpfen sowohl kleiner als auch machthabender Leute sein Gift verstreute.
Dieses Buch lässt Geschichte lebendig werden. Man fiebert mit den Figuren mit, gewinnt sie lieb, verabscheut sie und kann dabei niemals aufhören atemlos weiterzulesen. Und zu googeln, denn einiges hatte ich bisher nicht auf dem Schirm. Für mich ein absolutes Highlight 2026, das ich im Herzen behalten und auf jeden Fall nochmal lesen möchte.
Zum Inhalt:
In Benetzko im Sudetenland wohnen sowohl Deutsche als auch Tschechen. Es gilbt freidenkende Frau, Wilderer, Stofffabrikanten und viele mehr und bei der Volkszählung wird gar darüber gestritten, welche Nationalität man eigentlich einträgt. Als auch hier der Krieg einzieht, wird es schwierig, denn für welche Seite soll man sich entscheiden? Viele Geschichten auch neben dem Kriegsgeschehen verändern die Menschen.
Meine Meinung:
Das war mal ein ganz schöner Wälzer, der einen aber mit der wirklich interessanten Geschichte in den Bann zog und nicht langweilig wurde. Das erschreckende und auch bemerkenswerte ist aber, dass das ganze auf einer wahren Geschichte beruht und das macht es dann auch noch mehr berührend und mehr als einmal fragt man sich, wie man all das Erlebte verkraften konnte, wenn man es denn dann überhaupt überlebt hat. Man möchte die Zeit nicht miterlebt haben, weil es wirklich schrecklich gewesen sein muss. Die Autorin hat ein wirklich berührendes Buch geschrieben, dass lesenswert ist.
Fazit:
Berührende Geschichte
Zerbrochen
Wenn man im Riesengebirge oder im Erzgebirge unterwegs ist, begegnen sie einem immer wieder. Die Zeugen vergangener Generationen aus einer Zeit, wo sie dem kargen Boden Ernten abtrotzten, sich um ihre Tiere sorgten, ihre Familien versorgten. In Orten wie Königsmühle kann man die vergangene Zeit spüren. Auch wenn Alice Horáckovás Buch im Riesengebirge spielt, dieses Drama, dass Dorfgemeinschaften und Familien entzweite, ereignete sich an all diesen Orten.
Mir hat besonders gut gefallen, wie die Autorin anhand der Freundschaft der beiden Mädchen Zdenka und Anezka die damalige Zeit wiedergibt, und zwar aus der Sicht der einfachen Leute – der Dorfgemeinschaft, wo vielmals ganz andere Dinge im Vordergrund standen und nicht die Politik. Aber diese streckte ihre Tentakel auch in diese Dörfer aus und aus Freunden wurden Konkurrenten, Spione – all die hässlichen Seiten zeigten sich. Und ich habe immer mehr verstanden, wie es zu dem Bruch; dem Hass gekommen ist. Einfach aus den Handlungen der Einwohner. Die einen hilflos, die anderen Gewinner bis sich das Blatt wendete und was blieb übrig?
Ein Buch, dass ich lange wirken lassen musste. Es ist traurig, es war zum Teil verstörend, aber es öffnet die Augen und mahnt eindringlich mit leiser Stimme. Der Schreibstil ist am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig. Er ist zum einen erzählend, hält sich aber kaum mit großen Bildern aus. Zum Teil klingt er wie eine monotone Zeugenaussage.
Mir hat es sehr gut gefallen und beim nächsten Besuch in der Region werde ich vielleicht einen Hauch eines Echos diesen Romans spüren.
Rezensent*in 2011402
„Geteiltes Haus“ von Alice Horáčková ist ein Roman, der mich vor allem durch seine besondere historische Kulisse und die vielen persönlichen Schicksale beeindruckt hat. Im Mittelpunkt stehen Zdenka und Anežka, zwei Frauen, die im Riesengebirge aufwachsen und deren Freundschaft trotz Kriegen, politischen Umbrüchen und persönlichen Schicksalsschlägen bestehen bleibt.
Besonders interessant fand ich, wie die große Geschichte mit den ganz persönlichen Geschichten der Menschen verbunden wird. Das Sudetenland, die unterschiedlichen Nationalitäten und die Veränderungen durch die beiden Weltkriege werden nicht einfach nur als historische Fakten erzählt, sondern anhand der Figuren greifbar gemacht. Dadurch habe ich beim Lesen auch einiges über diese Zeit erfahren, über die ich bisher gar nicht so viel wusste.
Allerdings braucht man für das Buch etwas Zeit und Aufmerksamkeit. Durch die vielen Figuren und Lebensgeschichten musste ich mich manchmal erst orientieren. Trotzdem hat mich die Geschichte zunehmend gepackt und vor allem die Freundschaft der beiden Frauen fand ich sehr schön erzählt.
Für mich ist „Geteiltes Haus“ ein eindrucksvoller und atmosphärischer Roman über Freundschaft, Familie, Heimat und eine bewegte Zeit, der bei mir noch eine Weile nachgewirkt hat.
Anja N, Buchhändler*in
Geteiltes Haus
von Alice Horáčková
Hier kam soviel zusammen, was mich dazu bewogen hat, dieses Buch zu lesen.
Der passende Verlag, Gastland FBM, das Sudetenland (nicht so oft bespielt in den letzten Jahren) und eine wahre Familiengeschichte. Was soll ich sagen, es lohnt sich sehr durch die Vielzahl an Seiten zu gleiten. Tolle Story interessante und vielseitige Charaktere, plus die Sprache - für mich stimmt es hier.
»Macht euch keine Sorgen!«
Die Tschechische Autorin Alice Horáčková hat die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in ein Buch gefasst, zwischen zwei Briefen die Geschichte der Sudetendeutschen, der Tschechen aus dem Sudetenland und ihrer Heimat beschrieben. »Macht euch keine Sorgen!« könnte der Spruch sein, der über jedem Kapitel schwebt, die vielen Kapitel haben aber andere Überschriften, sie sind alle kurz und prägnant, lassen den Leser manchmal ahnen, dass man sich doch Sorgen machen müsste, wenn es heißt "Zur Front" oder "Das Hakenkreuz". Man erlebt die Zeit wie ein heimlich das Tagebuch der besten Freundin Lesender, so vertraut werden einem die Protagonisten. Anežka und Zdenka, das Örtchen Benetzko im Riesengebirge und seine Bewohner, die Honcůs und die Hollmanns und viele andere.
Jedes Kapitel für sich liest sich wunderschön, traurig und auch manchmal lustig, aber insgesamt waren es zu viele Kapitel, das Buch nahm für mich überhaupt kein Ende, mein Interesse wurde von der Vielzahl der kleinen und großen Ereignisse regelrecht aufgefressen.
Fazit: Ein großer Roman, der Geschichte anhand der kleinen Geschichten und der kleinen Menschen erzählt, die einst im Sudetenland friedlich miteinander lebten. Das 20. Jahrhundert hat diesen Frieden zerrissen.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Ich habe ein Faible für osteuropäische Literatur und Familiensagas. Dementsprechend hat Nino Haratischwili mit »Das achte Leben« neue Maßstäbe bei mir gesetzt, an denen sich Bücher ähnlichen Métiers messen lassen müssen – gerade dann, wenn sie ähnlich umfangreich sind.
Angezogen von diesem Leitstern widmete ich mich in den letzten vier Wochen also dem Roman »Geteiltes Haus« von Alice Horáčková. Ich quälte mich ein wenig durch die ersten 100, 200 Seiten. Der Roman ist zwar sehr gut geschrieben und lässt sich durch die sehr kurzen Kapitel mit stets wechselnden Perspektiven und Handlungsorten fantastisch motivierend lesen, doch gerade am Anfang kam ich mit der schieren Menge an Figuren gar nicht zurecht. Erst nach dem Lesen der letzten Seite fand ich heraus, dass es ganz am Ende der Ausgabe ein grobes Personenverzeichnis gegeben hätte – das hätte mir den Einstieg sicherlich erleichtert.
Ich brachte also das erste Viertel emotions- und anteilnahmelos hinter mich, bis die beiden indirekten Hauptfiguren Zdenka und Anežka erwachsen geworden waren – und hatte mich nun endlich mit dem Roman warmgelaufen. Ab da begleitete ich interessiert die Dorfgesellschaft der kleinen Ortschaft Benetzko im Riesengebirge durch die Umbrüche der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
»Geteiltes Haus« spielt im vom Riesengebirge geprägten Sudetenland. Stets werden hier Berge hinauf- und heruntergelaufen, Stürme erlebt, dem Schlamm und Schnee getrotzt und Wege gefunden, sich selbst zu helfen – nicht nur im bergigen Wald, sondern auch im Alltag. Das Gebiet wird mit den Jahren nämlich immer mehr zum Schauplatz einer konfliktreichen und von Kriegen geprägten Geschichte: Die Handlung beginnt während der k.u.k.-Monarchie und zieht sich über den ersten Weltkrieg, die Gründung dreier Republiken und den zweiten Weltkrieg mit Anschluss des Sudetenlands an Deutschland bis zur Nachkriegszeit, wobei den Jahren 1938 bis 1945 fast die Hälfte des Buchs gewidmet wird.
Vor der Lektüre wusste ich wirklich nichts über das Sudetenland – das hat sich nun geändert. Das provinzielle Grenzgebiet ist geprägt vom Zusammenleben tschechischer und deutscher Einwohner*innen, die eigentlich friedlich Tür an Tür leben, einander heiraten und beide Sprachen sprechen. Wie dieses Zusammenleben immer wieder kippt, schildert Alice Horáčková detailliert und wahrlich meisterinnenhaft. Durch Konflikte und Kriege werden Nachbarn plötzlich zu Feinden, Familien gespalten, Dörfer geteilt, Freundschaften zerstört, neue Allianzen geschmiedet. In meinen Augen sind es diese Schilderungen dieser wechselnden Gewissheiten und Machtverschiebungen, die das Buch tragen – und nicht die Freundschaft zwischen Zdenka und Anežka, die im Klappentext und in vielen Kritiken so hervorgehoben wird.
Was ich leider erst beim Recherchieren nach dem Lesen des Romans herausgefunden habe und gern direkt vorweg gewusst hätte: Alice Horáčková schreibt in »Geteiltes Haus« nicht nur über real existierende Orte und tatsächlich so geschehene Ereignisse im Großen wie im Kleinen, sondern auch über Personen, die es so oder so ähnlich tatsächlich gegeben hat – sie bringt hier nämlich auch ihre eigene Familiengeschichte auf Papier. Die Personen im Buch haben tragen sogar ihre ›echten‹ Namen. Es muss ein enormer Recherche-Aufwand nötig gewesen sein, um Personen, Ereignisse und Orte so detailreich und geschichtsgetreu festhalten zu können.
Ich muss gestehen: An meinen Leitstern »Das achte Leben« reicht »Geteiltes Haus« definitiv nicht heran. Vor allem fehlt mir die emotionale Bindung zu allen Figuren, die selbst über die knapp 900 Seiten hinweg einfach nicht entstehen will. Aber ich weiß nun wesentlich mehr über die Geschichte des Sudetenlands und Tschechiens vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg, was davor wirklich ein blinder Fleck in meinem Geschichtswissen war. Und nicht zuletzt hat mir Alice Horáčková mal wieder glasklar vor Augen geführt, was Nationalstolz, Landesgrenzen, Schwarz-Weiß-Denken und Ausgrenzung für fatale Folgen haben können.
Eine Familiengeschichte – und gleichzeitig ein Stück deutsch-tschechischer Geschichte.
In einem kleinen Dorf an der deutsch-tschechischen Grenze leben Deutsche und Tschechen seit Generationen miteinander. Die Familien sind längst miteinander verbunden, und trotzdem schwelen Spannungen unter der Oberfläche. Immer wieder fühlt sich eine Seite benachteiligt.
Mit dem Erstarken des Nationalsozialismus und schließlich der Einverleibung Tschechiens ins Deutsche Reich kippt das fragile Gleichgewicht. Plötzlich sehen diejenigen, die sich zuvor zurückgesetzt fühlten, ihre Chance gekommen. Alte Ressentiments brechen auf, Nachbarn werden zu Gegnern – und eine Dorfgemeinschaft beginnt auseinanderzufallen.
Nur wenige schaffen es, ihrem moralischen Kompass treu zu bleiben und Menschlichkeit über Herkunft, Zugehörigkeit und das eigene Schicksal zu stellen.
Doch die Geschichte wechselt ihre Vorzeichen. Nach dem Untergang des Dritten Reiches schlägt das Pendel in die andere Richtung aus – mit ebenso schmerzhaften Konsequenzen. Und am Ende zerbricht daran auch eine Familie.
Eine Familiensaga zwischen Deutschland und Tschechien, zwischen Nationalismus und Judenverfolgung, wirtschaftlichen Interessen und Moral. Vor allem aber eine Geschichte darüber, wie schnell ein vermeintliches „Wir“ und „Ihr“ eine Gemeinschaft spalten kann.
Ein historischer Roman, der zeigt, wie schwierig es sein kann, in unmenschlichen Zeiten menschlich zu bleiben.
Rezensent*in 1518956
Wer Familiengeschichten mit politischem Unterton mag, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen!
Die Geschichte spielt im deutsch-tschechischen Grenzgebiet in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen einerseits Zdenka und Anežka, deren Briefwechsel auch den Rahmen für die Erzählung bildet, andererseits aber auch die drei Hollmann-Brüder Emil, Vinzenz und Hans. Die Autorin zeigt so nicht nur weibliche Lebensrealitäten in schwierigen politischen Situationen auf, sondern auch wie sich die zwei Weltkriege sowie der aufkommenden Nationalsozialismus ganz unterschiedlich auf den Werdegang der Männer auswirken. Die Kapitel sind kurz und prägnant, laden dabei aber immer zum Weiterlesen ein, so dass ich dieses doch recht umfangreiche Buch wie im Nu durchgelesen habe; auch die große Zahl an Figuren macht es sehr abwechslungsreich und ermöglicht es viele unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen kennenzulernen. Besonders gut gefallen hat mir, wie feinfühlig und nuanciert die Autorin vorführt, wie sich Nationalismus und Patriotismus vor allem in einem Grenzgebiet ad absurdum führen und auch Konflikte innerhalb der Familie verursachen. Nachdem ich an einer vom Diogenes Verlag organisierten Online-Lesung mit Alice Horáčková teilgenommen habe, in der sie u. a. über ihre Recherchearbeit und die Inspiration durch ihre eigene Familiengeschichte gesprochen hat, konnte ich die erzählte Geschichte sogar noch mehr wertschätzen. Keine Wunder, dass sie so authentische wirkt und mich tatsächlich auch sehr berührt hat. Ganz große Leseempfehlung!
Sabine S, Journalist*in
Die Blüten eines fanatischen Nationalismus
Der Roman umspannt den Zeitraum von der K.u.K. Monarchie Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg. Der Schauplatz ist das Sudetenland im Riesengebirge, genauer gesagt der Ort Benetzko, wo sowohl tschechoslowakische als auch deutsche Familien während der Kaiserzeit weitgehend friedlich miteinander lebten. Die Autorin greift hier autofiktional ihre eigene Familiengeschichte auf.
Im Mittelpunkt stehen Anezka Braun, die Tochter des Bürgermeisters, und Zdenka Honcu, deren Vater nach dem frühen Tod der Mutter allein für das Mädchen sorgt. Anezka und Zdenka sind dicke Freundinnen. Wir begleiten die Mädchen zur Schule, bei ihren täglichen Pflichten. Als Teenager sehnen sie sich nach Liebe und lassen sich mit Männern ein, die eigentlich nicht zu ihnen passen. Die beiden jungen Frauen heiraten die Brüder Hans und Vinzenz Hollmann, Kinder lassen nicht lange auf sich warten – ein typisches Frauenschicksal. Anezka hat mit Hans den klügeren Bruder an ihrer Seite, der es versteht, Geschäfte zu machen und Geld zu verdienen. Vinzenz ist von eher grobschlächtigem Kaliber, er neigt zu Gewalt und Wichtigtuerei.
Die Geschichte macht vor Benetzko nicht halt. Im Lauf der Jahre steht das Sudetenland mal unter Tschechoslowakischer Herrschaft (Erste und Zweite Tschech. Republik von 1918 – 1939 und ab 1945) und mal unter Deutscher Herrschaft in der Zeit des Nationalsozialismus. Die politischen Umstürze bringen für die Bevölkerung Spannungen und Unfrieden mit sich, weil die jeweils „unterlegene“ Volksgruppe systematisch unterdrückt wird. Sie darf ihre Sprache nicht mehr sprechen, muss ihre nationale Identität verleugnen und sich strikt anpassen. Aus Freunden werden Feinde, die Muster gleichen sich immer wieder.
Die Autorin zeigt das in eindringlichen Szenen auf. Sie bleibt dicht bei ihren Figuren und erzählt ergebnisorientiert immer von den Menschen aus. Es geht ihr darum zu zeigen, wie die geänderte politische Lage das soziale Miteinander beeinflusst, prägt und letzten Endes spaltet. Rasant gleiten wir in kurzen, eindringlichen Kapiteln durch die Zeit. Den größten Raum nimmt die Zeit des beginnenden Nationalsozialismus mit dem Zweiten Weltkrieg ein. Profiteure, Kriegsgewinnler, Opportunisten, Spitzel und Deserteure, Hunger und Not, Deportationen und Enteignungen spiegeln ein grausames Szenario wider. Mit dem verlorenen Krieg werden die Sudetendeutschen enteignet und teilweise brutal aus dem Land vertrieben. Am Ende landet Anezka in Bayern, wo man sie und ihre Lieben abfällig „Böhmacken“ nennt.
Der Roman liest sich spannend. Es gibt reichlich Handlung, so dass man einen interessanten Abriss der Deutsch-Tschechoslowakischen Geschichte bekommt. Die ständigen Perspektivwechsel beleuchten beide Seiten, bringen aber auch eine gewisse Sprunghaftigkeit mit sich. Horackowa erzählt geradlinig und schnörkellos. Manche Charaktere wirken dadurch wie Scherenschnitte, sie haben kaum Facetten und zeigen wenig Innensicht.
Diese fehlende Figurentiefe führt dazu, dass die reinen Fakten, die die Verwerfungen in Monarchie, Republik und Diktatur mit sich bringen, viel stärker in den Vordergrund rücken und nachwirken. Es gibt kaum Pufferzonen oder Ablenkungen, abgesehen von ein paar humorvollen Szenen und Dialogen.
Übertriebener Nationalstolz führt offenbar immer ins Verderben. Für mich war es lehrreich, die Geschichte des Nationalsozialismus noch einmal aus einer für mich neuen Perspektive zu lesen. Die Autorin bemüht sich um eine neutrale Position, indem sie das Schicksal der beiden Familien rekonstruiert, sich aber jeglicher persönlichen Bewertung enthält.
„Geteiltes Haus“ ist ein Roman, der eine breite Leserschaft ansprechen sollte. Er erscheint genau zum richtigen Zeitpunkt, zur Frankfurter Buchmesse 2026, bei der Tschechien das Gastland sein wird. Sophia Marzolff ist für die Übersetzung aus dem Tschechischen verantwortlich.
Eva K, Journalist*in
Tschechien ist in diesem Jahr das Gastland der Frankfurter Buchmesse - und mit "Geteiltes Haus" von Alice Horackova können sich Leser*innen schon einmal auf das Land mit seiner wechselvollen Geschichte einstellen. In ihrem Roman zeigt Horackova in der Lebensgeschichte und der Freundschaft zweier Frauen und ihrer Familien auch ein halbes Jahrhundert Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es ist ein faszinierender Blick "von unten" in eine mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs untergegangene Welt.
Die Tschechin Zdenka und die Deutsche Anezka wachsen in dem Dorf Benezko im Riesengebirge auf, sind seit ihrer Kindheit befreundet. Die Sudeten sind eine Grenzlandschaft wie so viele Regionen im damaligen Ostmitteleuropa, in dem unabhängig von staatlichen Grenzen verschiedene Nationalitäten zusammenleben - mal in einem Schmelztiegel, mal in verhärteten nationalistischen Auseinandersetzung verfeindet.
Auch Zdenka und Anezka erleben die Wechselfälle der Geschichte - Vor dem Ersten Weltkrieg ist Benezko Teil der KuK-Monarchie, mit der Unabhängigkeit der Tschechoslowakei finden sich die deutschen Einwohner des Ortes plötzlich als nationale Minderheit wieder. Das Erstarken der Nationalsozialisten in Deutschland findet auch in den Sudeten Widerhall bei nationalistischen Deutschen, die "heim ims Reich" wollen. Mit dem "Anschluss" sind es die Tschechen, die nunmehr diskriminiert und in ihrer sprachlich-kulturellen Eigenständigkeit verfolgt werden. Die brutale Besatzungspolitik im Zweiten Weltkrieg, Zwangsarbeit und Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung führen nach 1945 zu blutiger Rache an den Deutschen und der Vertreibung, die alle trifft, unabhängig von ihrem Verhalten während des Krieges.
Horackova beschreibt diese historischen Umbrüche im Kleinen, aus der Sicht der beiden Frauen und dem Leben ihrer Familien. Während sich einige klar für die Zugehörigkeit zu einer Seite entscheiden, fällt das anderen viel schwerer. Wenn in der Familiengeschichte immer wieder Deutsche und Tschechen untereinander geheiratet haben, ist ein Bekenntnis zu einer Nationalität nicht einfach. Der Riss zieht sich durch Familien, trennt Freunde, lässt Beziehungen scheitern. Die Frage nach der Identität wird plötzlich zum Grund für Konflikte und das Ende des bisherigen Zusammenlebens.
Es ist die Wärme und Menschlichkeit der Freundschaft zwischen Zdenka und Anezka, die auch politisch-ethnische Spannungen und historische Umbrüche überdauert. Das macht "Geteiltes Haus" zutiefst menschlich und bringt zugleich ein Stück Geschichte näher, die im Bewusstsein der jüngeren Generationen der Gegenwart vermutlich schon unendlich weit zurückliegt, in den Familien der alten Grenzlandbevölkerung aber nach wie vor erinnerte Familiengeschichte ist. Ein großartiges Buch.
Bibliothekar*in 2091307
Ein überwältigenden Buch!
Erzählt wird die Geschichte der Bewohner eines Dorfes im Riesengebirge mit tschechischen und deutschen Bewohnern . Die Autorin verbindet sehr gekonnt persönliche Schicksale mit historischen Entwicklungen vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zu der Zeit nach dem 2. Weltkrieg.
Ein Buch für alle, die Familiengeschichten mit starken, widersprüchlichen Charakteren und literarische Erzählungen mögen.