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Ein Mädchen verließ das Zimmer
Roman | Die literarische Sensation aus Dänemark
von Ulrikka S. Gernes
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Erscheinungstermin 29.01.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
Als Erwachsene blickt Tanja auf ihre gestohlene Jugend zurück und fragt sich: Warum hat niemand sie beschützt?
Auf einer Vernissage in Kopenhagen begegnet sie als 14-Jährige dem charismatischen Schriftsteller Eg, einem Freund der Familie. Er macht ihr Komplimente, spricht mit ihr wie mit einer Frau. Eg beginnt, ihr lange, gefühlvolle Briefe zu schreiben. Tanja ist neugierig und erlebt ihre erste Verliebtheit. Doch das Erwachen von Sexualität wird zu einer verwirrenden und schmerzhaften Erfahrung, die sie für immer prägen wird.
Ulrikka S. Gernes erzählt schnörkellos und doch poetisch von einer Frau, die versucht, eine Verbindung zu dem Mädchen herzustellen, das sie einmal war. Eine radikal mutige Geschichte über Macht und Resilienz, die in Dänemark Tausende Leserinnen und Leser eroberte.
Als Erwachsene blickt Tanja auf ihre gestohlene Jugend zurück und fragt sich: Warum hat niemand sie beschützt?
Auf einer Vernissage in Kopenhagen begegnet sie als 14-Jährige dem...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783989410824 |
| PREIS | 24,00 € (EUR) |
| SEITEN | 384 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
"Doch etwas ist in Bewegung geraten, und ich kann es nicht mehr aufhalten."
Tanja blickt als erwachsener Mensch, als Mutter auf ihre ihr genommene Jugend zurück und stellt sich nun genau diesem Stück Leben, welchem sie beraubt wurde und noch immer ist. Sie sieht hin, will alles aufarbeiten, nicht mehr Wegsehen. Eine Geschichte über Resilienz, Macht-, Emotionalen und Sexuellen Missbrauch, die Wütend macht. Ich hab das Buch in beinahe einem Sitz gelesen, wollte schreien und brüllen, meinen E-Reader durch das Zimmer werfen und hab es auch genau so gemacht. Eine so massive Geschichte, die unverblümt hinausschreit und sich gehört verschafft - und das mehr als zurecht.
Tanja wächst in den ländlichen Gebieten Dänemarks als jüngste Tochter einer Künstlerfamilie heran. Der Vater oftmals wortkarg, emotionslos und scheut nicht vor Gewalt. Die Mutter um Harmonie bemüht, stellt dieses über beinahe allem anderen. Auf einer Ausstellung ihres Vaters 1980 trifft die 14-einhalb jährige Tanja auf Eg, ein Schriftsteller und Freund ihrer Eltern, ein erwachsener Mann, ein 46 jähriger Mann. Er bewundert Tanjas Eleganz, Schönheit, ihre jugendliche Reinheit, ihr Vorhaben, Lyrikerin zu werden und bietet ihr einen Briefwechsel zwischen ihnen an. Tanja kann es kaum erwarten, diesen anzunehmen, endlich ist da jemand, der sich für sie, nur sie interessiert! Das immer mehr Post von dem beinahe 50 jährigen Mann tagtäglich in ihr Haus flattert, an ihre Tochter adressiert, hinterfragen die Eltern kaum, zumindest wird nie ein Wort darüber gesprochen, was das alles zu bedeuten hat. Natürlich wissen sie darüber bescheid, dass ihr erwachsener Bekannter eine Beziehung zu ihrer jugendlichen Tochter hegt, es wird jedoch kein Schritt dagegen unternommen. Immer wieder wird dies Normalisiert. Auch Egs engste männliche Freunde sind (natürlich, was auch sonst) mit jungen Frauen verbunden - diese sprühen nämlich vor Energie, geben ihnen ihre "verlorene Kindheit" zurück, bla bla bla. Auch an Lolita Witzen kommt es den Männern nicht zu kurz. Immer wieder wird Tanja vorgeführt, nie spricht sich jemand dagegen aus. Nicht Egs Verleger, nicht seine Mutter, nicht seine Tochter, die kaum älter ist als Tanja selbst. Doch als Tanja selbst versucht auszubrechen, scheint sie gegen Wände zu rennen, wieder und wieder und wieder. Und immer gleich sind auch Egs Worte die er zu ihr spricht und schreibt. Erzählt von seiner wahrhaften, überirdischen Liebe zu ihr, die sonst niemand verstehen könnte, erzählt von Naturerlebnissen, Vögeln, bla bla bla. "Ich suchte nach etwas, das von mir handelte, von dem, was passiert war." Doch zu finden war nichts davon.
Gaslighting, Macht-gehabe, nicht zu seinen Taten stehend und von sich selbst geblendet. Was das alles mit ihrem Leben zu tun haben soll, mit ihrer Freiheit, scheint Eg nicht zu interessieren. Doch Tanja will endlich nicht mehr wegsehen. Und stellt sich dieser Zeit des unglaublich tief sitzenden Missbrauchs.
Der Roman spielt zwischen den 1980er und späten 2010er Jahren in (hauptsächlich) Dänemark, springt zwischen Zeiten, Dialogen und Briefverkehr umher und jede einzelne Stimme erzählt mit einer solchen Wucht, Klarheit und Schonungslosigkeit. Ein fulminantes Roman Debüt der dänischen Autorin Ulrikka S. Gernes, der ins Deutsche von Ursel Allenstein übersetzt wurde und Lesenden lange in Erinnerung bleiben wird.
Jutta R, Buchhändler*in
Der Roman „Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes erzählt von Tanja, die als Erwachsene auf ihre Jugend in den 1980er‑Jahren zurückblickt. In einer Familie, die mehr mit sich selbst als mit ihr beschäftigt ist, gerät sie als Vierzehnjährige in eine Beziehung zu einem deutlich älteren Schriftsteller – eine Verbindung, die sie emotional überfordert und ihr Leben nachhaltig prägt.
Der persönliche Eindruck bleibt für mich der stärkste Teil des Buches: Die leise, eindringliche Erzählweise, Tanjas innere Zerrissenheit und die schonungslose Rückschau haben mich sehr berührt. Die Autorin schafft es, die Ambivalenz zwischen Sehnsucht, Manipulation und Machtgefälle literarisch feinfühlig darzustellen, ohne zu vereinfachen.
Das Lesen hat mich emotional immer wieder stark gefordert. Dies ist ein wichtiges und packendes Buch, das mich noch lange beschäftigen wird.
Nicht einmal, als es vorbei war, hatte es ein Ende ... 4,5 ⭐️
„Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes ist ein Buch, dessen Inhalt einen noch lange nicht loslässt nach dem Ende. Besonders wenn man selbst Kinder hat, stellt man sich dieselbe Frage wie die Ich-Protagonistin Tanja, die sich als Erwachsene rückblickend fragt: Warum hat damals niemand sie beschützt?
Sie ist erst 14 Jahre alt, als sie auf einer Vernissage den faszinierenden Schriftsteller Eg kennenlernt, einen Freund ihrer Eltern, von dem ihre Mutter sagt: „Er ist jemand, in den man sich leicht verlieben kann.“ Und genau das passiert, Tanja verliebt sich in Eg, denn er macht ihr Komplimente und behandelt sie nicht wie ein Kind. Zwischen den beiden entsteht eine sehr emotionale Brieffreundschaft. Ihre Eltern sind zwar nicht begeistert davon, denken sich aber nichts dabei. Doch Tanja ist neugierig und genießt die erste, intensive Verliebtheit. Sie geht eine se*uelle Beziehung mit Eg ein, die von niemandem verhindert wird, auch nicht von ihren Eltern. Die Erlebnisse werden ihr gesamtes weiteres Leben beeinflussen.
„Plötzlich erscheint es mir einleuchtend, dass ich zu einer Kinderpsychiaterin gehe; denn meine Probleme haben wahrscheinlich etwas mit meiner Kindheit zu tun. Es wäre gut, dieses Kind zu reparieren.“
Der Inhalt des Romans schockiert mich: Wie konnte das sein? Es war kein Geheimnis, dass der fast 50jährige Mann eine Beziehung mit einem 14jährigen Mädchen hat; er hat sich offen mit Tanja gezeigt; sogar Tanjas Eltern wussten irgendwann davon: „‘Sie ist doch verdammt noch mal viel zu jung für ihn.‘ - ‚Dagegen lässt sich schwer etwas sagen‘, entgegnete Tom [....]. ‚Ihre Eltern sind beide darüber im Bilde.‘“ - Wieso hat niemand eingegriffen und sie beschützt?
„Das Problem war, dass ich nichts war, keine Form hatte, oder einen Inhalt, oder eigene Kraft, dass ich keine Worte hatte, dass ich niemand war, nicht existierte. Ich wollte mein Leben zurückhaben, obwohl es leer war, denn ich hatte es gar nicht gelebt. In meinem Leben gab es kein Davor, zu dem ich zurückkehren konnte. Ein Mädchen verließ mit vierzehn das Zimmer und wurde nicht mehr gesehen. Ein weißer Fleck auf der Karte. Ein nasser Fleck auf dem Laken. Eine leere Puppe.
Ein Loch in der Welt.“
Erst als Tanja erwachsen und selbst Mutter ist, versteht sie, dass es damals keine gleichberechtigte Beziehung war, dass es ein Verbrechen war, mit dem sie sich auseinandersetzen muss, auch wenn der Täter nie vor Gericht stehen wird.
„Meine Verweigerung ist enorm.
Dabei weiß ich genau, dass es nur noch schlimmer wird, wenn ich es nicht ausspreche.
Die Geschichte existiert genau da, in dieser Kiste. Und in mir. Auch wenn ich sie nicht erzähle.
Ich habe sie jahrelang mit mir herumgeschleppt, es wäre eine Erleichterung, sie loszuwerden.
Es ist, als würde mir die Sprache fehlen. Als würde sich auch die Sprache weigern. Es auszusprechen. Der Sprache fehlen die Worte. Vielleicht muss ich zu anderen Mitteln greifen.
Ich gieße Gips in die Erinnerungslücken, muss herausfinden, was sie enthalten. Die Form eines knapp fünfzehnjährigen weiblichen Körpers kommt zum Vorschein, das Mädchen liegt zusammengekauert da, die eine Hand auf der Wange. Schläft es, ist es tot?
Alles ist schon geschehen. Das Mädchen gleicht einer Wolke, die über einen Bergrücken hinwegfliegt. Der weiße Abguss eines schwarzen Lochs.“
„Ein Mädchen verließ das Zimmer“ ist ein lange nachhallender, intensiver Roman über Missbrauch, Manipulation und Macht.
„Ich bin an der Stelle, wo die Erzählung zerbricht. In meinem Haus gibt es keine tragenden Wände. Ich bin ein Verbrechen, das durch die Gegend irrt und nach seinem Tatort sucht.“
Vielen Dank an den Gutkind Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
Rezensent*in 1518830
Ein Mädchen verließ das Zimmer ist ein stilles, aber zutiefst verstörendes Buch. Ohne Effekthascherei erzählt der Roman von einer Erfahrung, die sich leise ins Leben einer jungen Protagonistin einschreibt – und dort dauerhaft Spuren hinterlässt.
Im Mittelpunkt steht die Erinnerung einer erwachsenen Frau an eine Begegnung in ihrer Jugend, die sie zugleich prägte und beschädigte. Was zunächst wie Aufmerksamkeit, Nähe und Anerkennung wirkt, entpuppt sich nach und nach als Beziehung mit einem massiven Machtgefälle. Gerade diese schleichende Entwicklung macht den Text so eindringlich: Es gibt keinen klaren Bruch, kein offensichtliches Drama, sondern ein langsames Verschieben von Grenzen, das erst im Rückblick seine ganze Tragweite offenbart.
Die Sprache ist nüchtern, präzise und von großer emotionaler Klarheit. Ulrikka S. Gernes verzichtet auf moralische Kommentare und überlässt es den Leser:innen, die Situation einzuordnen. Dadurch entsteht eine besondere Spannung: Man liest mit dem Wissen der Gegenwart, während das erzählte Mädchen noch mitten in ihrer Verwirrung steckt. Diese Perspektive macht den Roman ebenso beklemmend wie glaubwürdig.
Ein Mädchen verließ das Zimmer handelt von Verletzlichkeit, von dem Wunsch, gesehen zu werden, und von der Verantwortung Erwachsener gegenüber jungen Menschen. Es ist ein Buch, das nicht anklagt, sondern sichtbar macht – und gerade deshalb so nachhaltig wirkt. Ein literarisch anspruchsvoller Roman, der lange nachhallt und Fragen stellt, die unbequem, aber notwendig sind.
Mirja B, Rezensent*in
Als Tanja 14 ist, lernt sie den Schriftsteller Eg kennen, der über 30 Jahre älter ist und glaubt, dass sie zusammengehören. Erst im Rückblick als Erwachsene wird ihr bewusst, welche Grenzen Eg überschritten und wie er sie manipuliert hat. Die Autorin schildert dies sehr eindrücklich. Als Außenstehende fand ich es immer wieder sehr beklemmend und hätte die junge Tanja am liebsten geschüttelt, damit sie erkennt, dass sie missbraucht wird. Erschreckend ist auch das Verhalten ihrer Eltern bzw. dass sie gar nicht habdeln. Auch andere Erwachsene schreiten nicht ein sondern sehen es sogar positiv. Manche Szenen sind nur schwer auszuhalten. Es ist aber wichtig, dass mehr über missbräuchliches Verhalten geschrieben und gesprochen wird. In diesem Buch kann man die schrittweise Entwicklung sehr gut nachverfolgen.
EIN MÄDCHEN VERLIESS DAS ZIMMER
Ulrikka S. Gernes
ET: 29.01.26
Warum hat man sie nicht beschützt?
Im Mittelpunkt steht die 14-jährige Tanja, die auf der Vernissage ihres Vaters den 48-jährigen Autor Eg kennenlernt, einen Freund der Familie. Nach einem kurzen Gespräch tauschen sie ihre Adressen aus, und es beginnt ein intensiver Briefwechsel. Eg versteht es meisterhaft, mit Worten Nähe zu erzeugen und Aufmerksamkeit zu schenken. Schritt für Schritt gerät Tanja in eine emotionale Abhängigkeit, die sie selbst als etwas Besonderes und Erwähltes erlebt. Die Skepsis ihrer Mutter kann sie lange abwehren, bis schließlich auch die letzten Nachfragen verstummen.
Mit 15 schläft Tanja erstmals mit Eg, schwänzt die Schule und richtet ihr Leben zunehmend auf ihn aus. Was für sie wie Liebe erscheint, entpuppt sich als toxisches Geflecht aus Manipulation, Macht und Abwertung. Eg rechtfertigt sein Verhalten mit der Idee einer „höheren“ emotionalen Bindung, die über monogamen Beziehungen stehe, und erwartet Verständnis für seine Seitensprünge und Bedürfnisse. Tanja erkennt lange nicht, wie sehr sie dominiert wird – und wie tief diese Beziehung ihr weiteres Leben prägen wird.
„Du bist Niemand. Wenn du mit mir an Orten wie diesem bist, bin ich jemand. Verstehst du, was ich meine? […] Wir dürfen einander nicht einschränken, Tanja. Unsere Liebe unterliegt nicht diesen ganzen möglichen oder unmöglichen Normen. Unsere Liebe ist darüber erhaben, sie kann viel mehr umfassen als andere Beziehungen.“ (S. 172)
Ulrikka S. Gernes erzählt diese Geschichte leise, präzise und ohne moralischen Zeigefinger. Gerade diese Zurückhaltung macht das Buch so erschütternd. Die Autorin zeigt eindringlich, wie Grenzüberschreitungen nicht als solche wahrgenommen werden, wenn sie sich als Zuwendung tarnen, und wie das Umfeld durch Wegsehen mitschuldig wird. Der klare, ruhige Stil entfaltet eine enorme Sogwirkung; viele Sätze hallen lange nach, weil sie die Mechanismen emotionaler Abhängigkeit so schonungslos offenlegen.
Was für ein Buch. Eines, das man nicht einfach zuklappt, sondern das weiterarbeitet. Man ist dankbar, dass dieses Schicksal nicht das eigene oder das der eigenen Tochter ist.
Fazit:
Ein starkes, schmerzhaftes und verstörendes Debüt, das wichtige Fragen stellt, ohne einfache Antworten zu liefern. Große Leseempfehlung.
5/5
Er ist 48, sie ist 14.
Und die Frage, die sich durch jede Seite zieht:
Warum beschützt sie niemand?
Dieses Buch ist schwer auszuhalten.
Es erzählt von einer fehlgeleiteten Faszination, von Manipulation, von einem Machtgefälle, das so eindeutig ist, dass die Schuldfrage rational nie zur Debatte steht. Und doch entsteht beim Lesen etwas anderes: Wut. Ohnmacht. Ungläubigkeit.
Nicht nur wegen ihm.
Sondern wegen all der anderen.
Eltern.
Freunde der Eltern.
Verwandte.
Unzählige Erwachsene.
So viele Menschen. Und niemand greift konsequent ein.
Zunächst scheint es, als würde halbherzig reagiert. Doch das verläuft im Sand. Gründe? Bleiben diffus. Und genau darin liegt die eigentliche Beklemmung: Wie viele Zeichen müssen sichtbar sein, bevor jemand klar handelt?
Natürlich ist die moralische Einordnung eindeutig. Ein 48-Jähriger und eine 14-Jährige – daran gibt es nichts zu relativieren.
Aber das Buch stellt eine unangenehmere Frage:
Wie verlässlich ist unser eigener moralischer Kompass im Alltag?
Wie oft hinterfragen wir Situationen wirklich?
Wie oft sehen wir weg, weil es bequemer ist?
Vielleicht geht es nicht nur um Schuld.
Vielleicht geht es um Verantwortung.
Lyrikerin Ulrikka S. Gernes legt mit diesem Romandebüt die literarische Verarbeitung ihres eigenes Traumas vor: Im Buch ist es die 14-jährige Tanja, die in dem 1980ern dem 46-jährigen Eg, einem charismatischen Schriftsteller und Freund ihrer Eltern verfällt. Sie wird von ihm über mehrere Jahre missbraucht und gegroomt, besonders brutal hier die Akzeptanz dieser "Beziehung" zwischen Eg und seiner jungen "Muse". Thematisch hat mir das gut gefallen, vor allem die Annäherung der Autorin an ihre eigene Geschichte. Denn so hat sie letztlich ihr Ziel erreicht: Sie hat mit ihren eigenen Waffen, der Macht des gedruckten Wortes, letztlich wortwörtlich die Herrschaft über ihre eigene Geschichte wiedererlangt.
Mehr zum Buch in unserer ausführlichen Besprechung @ Papierstau Podcast: #340: Der literarische Wohlstandsverband.
Andrea S, Buchhändler*in
Eine 14jährige, die in einer Künstlerfamilie groß wird, lernt auf einer Vernissage den mehr als 30 Jahre älteren Eg kennen und ist fasziniert von diesem Mann. Zwischen den beiden entsteht ein Briefkontakt, der für Tanja bald zum einzigen Lebensinhalt wird. Eg zieht sie durch seine Art zu schreiben in den Bann, auch wenn sie nicht immer alles von seinen metaphorischen Briefen versteht, verliebt sie sich in den viel älteren Mann. Auch, wenn zumindest ihrer Mutter den engen Kontakt der beiden am Anfang skeptisch beobachtet, wird nichts wirklich hinterfragt und so treffen sich Eg und Tanja zum ersten Mal wieder, als Tanja gerade 15 geworden ist. Bei diesem Treffen kommt es auch zum ersten Sex.
In Einschüben blickt die heutige Tanja auf ihre Kindheitstanja zurück und es wird immer deutlicher, wie sehr dieses Verhältnis sie damals traumatisiert hat und sie damit völlig alleine gelassen wurde. Die Briefe von Eg sind an manchen Stellen kaum zu ertragen, weil er mit Worten umzugehen weiß und eigentlich nichts anderes tut, als sein Fehlverhalten zu legitimieren, in dem er von einer besonderen Verbindung spricht und immer wieder Tanja selbst als treibende Kraft darstellt. So ist Tanja diesem manipulativen und dominierenden Mann völlig ausgeliefert und bekommt von niemandem Unterstützung. Im Gegenteil. Freunde von Eg nehmen sie völlig natürlich als seine neue Freundin auf, ich meine mich lediglich an eine Stelle zu erinnern, an der es heißt "Ist sie nicht noch etwas jung" . Die Treffen zwischen den beiden werden häufiger und Tanjas Mutter gibt ihr lieber Geld für Kondome, als das Gespräch mit ihrer Tochter zu suchen.
Das Buch ist harte Kost, geschrieben ohne erhobenen Zeigefinger, ohne moralisch zu werten. Das ist auch nicht nötig, die Briefe von Eg und sein Verhalten am Ende sprechen für sich. Ich weiß gar nicht, ob ich den Roman im klassischen Sinne "gut" fand. Aber es ist auf jeden Fall ein aufrüttelndes Buch und auch ein Apell an uns alle, genau hin zu sehen. Nicht weg zu schauen, Gespräche zu suchen, Dinge zu hinterfragen. Tanjas Leben hätte sicher eine andere Richtung nehmen können, wenn es Menschen gegeben hätte, die sich um sie gesorgt und sie beschützt hätten.
Carolin F, Rezensent*in
Trotz teilweise total absurder Aufforderungen seitens Eg spürt man von Anfang an, wie die kurze Begegnung mit ihm eine unglaubliche Anziehung ausgelöst hat. Diese bringt einen Stein ins Rollen, welcher durch gemeinsame Interessen und die gegenseitige Bewunderung angetrieben wird.
Die Manipulation und die Rechtfertigung ihres Verhaltens gegenüber der eigenen Eltern, wurden total realistisch dargestellt, sodass man wirklich spürt, wie sie sich von arg begehrt fühlt und auch endlich von einer Person die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr sonst in ihrem Alltag fehlt.
Der poetische Schreibstil und die eingebauten Briefe & Gedichte haben die Beziehung und Emotionen der beiden wunderbar widergespiegelt.
Zum Inhalt möchte ich gar nicht mehr vorwegnehmen, davon dürft ihr euch gerne selbst überzeugen! Es gab allerdings ein paar Szenen, die für die Storyline nicht entscheidend waren und meiner Meinung nach gerne hätten ausgelassen werden dürfen.
Wie in der Einleitung schon erwähnt, war das kein leichtes Buch. Ich habe es trotzdem wirklich gern gelesen, auch - oder gerade weil - die Thematik so erschreckend und aufwühlend war.
⭐️ F A Z I T
Es war ein innerer Zwiespalt zwischen „Ich muss es weglegen“ und „ich bin total gefesselt“. Eine Geschichte , die einerseits die Augen öffnet, zugleich verstörend ist und auf jeden Fall nachhallt.
Die Thematik lässt sich auch sehr gut auf die heutige Zeit, insbesondere das Internet-Zeitalter, übertragen und ist daher in meinen Augen zeitlos.
Von mir gibt’s 4,5 ⭐️ !
Wichtig: seid euch über die Thematik (Kindes-)Missbrauch bewusst, bevor ihr zum Buch greift!
Bibliothekar*in 772281
Das Buch beschreibt sehr intensiv, wie ein erwachsener 50-jähriger Mann ein 14-jähriges Mädchen von sich abhängig macht und vor allem die Eltern des Mädchens dabei einfach zuschauen. Es ist beklemmend zu lesen, wie geschickte es Eg anstellt, Tanja zu umgarnen und sich gefügig zu machen. Aber auch wie leichtfertig die Eltern sich „einlullen“ und beruhigen lassen. Man möchte sie während des Lesens manchmal einfach schütteln – und kann sich gleichzeitig so gut vorstellen, wie schnell man selbst das Spiel mit sich spielen lassen würde. Es ist ein heftiges Buch und deshalb bestimmt nicht für jeden geeignet, aber dennoch so geschrieben, dass ich es gerne weiterempfehle.
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