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Nach der Sonne schauen
Roman
von Martina Hefter
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Erscheinungstermin 17.10.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
Bitte nicht vor dem 17.10 besprechen!
Auf der Suche nach Schönheit in der Welt: Der neue Roman von Martina Hefter
Mit präziser Leichtigkeit und schlichter Eleganz erzählt Martina Hefter von einer Frau, die in einer ehemaligen Tagebaulandschaft eine neue Zukunft findet. Sie erzählt von der Notwendigkeit, sich gegen die Zudringlichkeiten der Gegenwart zur Wehr zu setzen, sie erzählt von inneren Kämpfen und jenen Momenten, die uns aneinander binden – oder voneinander lösen.
Die Installationskünstlerin Iona Bartschok zieht sich den Sommer über ins Leipziger Umland zurück. Die Landschaft hier besitzt eine eigensinnige Lebendigkeit: eine ehemalige Tagebau-Region, künstlich geflutet, von Abraumhalden und einem immerwährenden Wind geprägt. Iona will in dieser Umgebung an einem neuen Projekt arbeiten. Aber sie sucht auch Abstand, nachdem ein Maler öffentlich eines ihrer wichtigsten Kunstwerke, ein Baumhaus, mit dem Wort "Bullshit" besprüht und beschädigt hat. Sie bezieht eine umgebaute Industriehalle, deckt sich mit Lebensmitteln ein, wird nur von einem Bildschirmhund begleitet, den ihr Vermieter an der Wand installiert hat. Doch dann läuft ihr Bella zu, eine Hündin aus Fleisch und Blut, die ihr nicht mehr von der Seite weicht. Eines Tages steht eine weitere Fremde vor der Tür: Nova, die kämpferische Nichte des Vermieters. Und während draußen der Wind zunimmt, der Regen die Straßen flutet, drängt sich mit aller Macht das Leben zurück in die Halle.
Bitte nicht vor dem 17.10 besprechen!
Auf der Suche nach Schönheit in der Welt: Der neue Roman von Martina Hefter
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Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783608967081 |
| PREIS | 25,00 € (EUR) |
| SEITEN | 272 |
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Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Rezensent*in 427080
Nach der Sonne schauen
von Martina Hefter
Und dann stand Robyn still
Auf den neuen Roman der Gewinnerin des Deutschen Buchpreises war wohl jeder gespannt und Martina Hefter enttäuscht nicht.
Die Protagonistin des Buches ist Künstlerin und dabei in einer abgelegenen Halle nahe Leipzig eine Installation zu kreieren. Sie verbringt ihre Zeit überwiegend alleine, nur mit der Hündin Bella, die ihr zugelaufen ist.
Also viel Zeit um nachzudenken und zu reflektieren, auch über den Angriff auf ein Kunstwerk von ihr, das angesprüht wurde.
Eine innere Spannung ist durchgängig im Text zu spüren. Dabei wird die Künstlichkeit gegenüber der Natürlichkeit diskutiert,
Das Kunst-Sujet ist sehr ansprechend, insbesondere weil Martina Hefter es unverkrampft gestaltet. Sie schafft auch so eine eigenständige Atmosphäre.
Ich denke, wer „Hey Guten Morgen, wie geht es dir“ mochte, für den ist auch das neue Buch genau das Richtige.
Buchhändler*in 1477326
"Nach der Sonne schauen" ist übervoll an Ideen, Utopien, Dystopien, Zeitfragen und Gedanken über das menschliche Dasein. Ganz besonders auffallend sind dabei der Umgang mit den Themen KI (der "Hund" Robyn) und der Klimakrise (Erinnerungen an den weichenden Schnee in der Kindheit, der sintflutartige Regenguss in der Gegenwartshandlung), welche dem im Jetzt spielenden Roman eine zukünftige wie dystopisch Note gibt ohne futuristische Ideen entwickeln zu müssen. Die Halle des Umspannwerks und damit ein Relikt aus vergangenen Tagen genügt als Projektionsfläche für diese Zukunftsspekulationen.
Durch die häufigen wie nicht formal angegebenen Zeitsprünge verlangt die Autorin eine aufmerksame Lektüre ihres Romans. Ähnlich wie in ihrem Vorgängerroman wird die sporadische Handlung genutzt um Gedanken zu platzieren und der Protagonistin Platz zum Nachdenken und Erinnern zu geben. Die typische Aussteiger-Szenerie wird von Martina Hefter sprachlich wie inhaltlich in ganz eigener Weise bespielt und frei von nostalgischen Fantasien geschildert. Dazu trägt auch die formal sehr akkurate wie schnörkellose Sprache bei, welche faszinierenderweise dennoch starke und große emotionale Bilder zeichnet.
Wenn man die Autorin schon einmal lesen hören konnte ist es unmöglich diesen Roman ohne die Vorstellung ihrer spröden Lesestimme im Kopf zu behalten.
Eine kurze aber nachhaltige Leseerfahrung welche sich durch die Lektüre der zuletzt veröffentlichten Gedichte von Hefter sicher noch thematisch passend ergänzen lässt.
»Kammern der Schönheit, das wär’s doch«
Martina Hefters Ich-Erzählerin auf Mission in der Leipziger Tieflandsbucht –
»Ohne die Liebe zum Pathos würde es Tätowierungen nicht geben, niemand, der die Nüchternheit liebe, könne jemals auf die Idee kommen, Bilder in seinen Körper stechen zu lassen, die nie wieder verschwinden«. Wie kaum eine andere Autorin schafft es Martina Hefter, Phänomene unserer Zeit, wie hier die Popularität von Tattoos, mit etwas Größerem, Allgemeingültigen, Archaischen unseres Menschseins zu verbinden.
Die Rohheit der Elemente beeinflusst im Buch das Schicksal der Handelnden: Schnee, Wind, Regen/Flut, Sonne. Das ist nicht nur »Nature Writing«, sondern die Verarbeitung von ewigen Mythen des Ausgesetztseins des Menschen. Die Ich-Erzählerin wächst in den Allgäuer Bergen mit 15 Milchkühen auf und zieht später zum Kunststudium nach Leipzig. Symbolisiert werden diese Lebensphasen durch die zwei Baumhäuser, die sie baut. Eines als Kinderbaumhaus und eines als Kunstobjekt. Beide werden beschädigt, aber ihre Schöpferin kann viel aushalten. »Ich bin die, die zwei Baumhäuser gebaut hat. Zweimal exakt die gleiche Größe, bis auf den Millimeter genau, sechs Quadratmeter, mit den Pfählen drei Meter vierzig hoch. Zweimal die gleichen, etwas schiefen Leitern, zweimal die Nägel an den gleichen Stellen, zweimal die gleichen leichten Verziehungen im Holz.«
Die Ich-Erzählerin stellt fest, dass das zweite Baumhaus, als Kunstobjekt und Anverwandlung der Natur einem Raum schafft, in dem die (erwachsenen) Betrachtenden wieder zu Kindern werden. Sie klettern hinein, verweilen und fangen an, sich Geschichten zu erzählen – wie in einer Steinzeithöhle. Manchmal setzt die Künstlerin sich dazu und lauscht.
Der Zyklus des denaturierten Menschen unserer Zeit besteht also darin, dass bereits den Kindern die Verbindung zur Natur (symbolisiert durch das Baumhausbauen als Fähigkeit, sich in der Natur zu beheimaten) weggenommen wird, um ihnen später die Sehnsucht nach der verlorenen Natur als Kunst wieder verkaufen zu können, wenn sie erwachsene Konsumenten geworden sind.
»Die Welt in 5000 Jahren« heißt das Kunstprojekt, dem sich die Ich-Erzählerin in ihrer provisorischen Atelierbehausung (eine zugige, leerstehende Lagerhalle) nähern will. Eigentlich alleine, aber ans Housesitting gekoppelt ist eine Hunde-KI-App, die sie mit Aufmerksamkeit füttern soll und dann läuft ihr auch noch eine richtige Hündin, Bella, zu. Und – wie die Urzeitmenschen – entdeckt die Künstlerin den Wert dieser Verbindung, als ein Unwetter die beiden überrascht. »Und trotzdem waren diese zwei Stunden auch schön. Weil ich zum ersten Mal dachte, dass es gut war, mit einer Hündin etwas auszuhalten«.
Sie schläft so gut, wie sonst nie, »traumlos und irgendwie ernsthaft«, jedenfalls solange, bis die nächste Generation in der Halle auftaucht in Gestalt von Nova, der Nichte des Vermieters. Nova kann zwar keine Baumhäuser bauen, aber Tattoos stechen. Sie kennt deren archaische Bedeutung und weiß, »dass sich Seelen im Totenreich an ihren Tätowierungen erkannten, ein Geheimzeichen, das einen verband und einem sagte, woher man gekommen und wer man gewesen sei.« Womöglich auch in 5000 Jahren noch.