Bitte melden Sie sich an, um Ihr wertvolles Feedback zu geben.
Jetzt anmelden oder registrieren.
Nach der Sonne schauen
Roman
Sie müssen sich anmelden, um zu sehen, ob dieser Titel für Anfragen zur Verfügung steht. Jetzt anmelden oder registrieren
NetGalley-Bücher direkt an an Kindle oder die Kindle-App senden.
1
Um auf Ihrem Kindle oder in der Kindle-App zu lesen fügen Sie kindle@netgalley.com als bestätigte E-Mail-Adresse in Ihrem Amazon-Account hinzu. Klicken Sie hier für eine ausführliche Erklärung.
2
Geben Sie außerdem hier Ihre Kindle-E-Mail-Adresse ein. Sie finden diese in Ihrem Amazon-Account.
Erscheinungstermin 17.10.2026 | Archivierungsdatum N/A
Sprechen Sie über dieses Buch? Dann nutzen Sie dabei #NachderSonneschauen #NetGalleyDE! Weitere Hashtag-Tipps
Zum Inhalt
Bitte nicht vor dem 17.10 besprechen!
Auf der Suche nach Schönheit in der Welt: Der neue Roman von Martina Hefter
Mit präziser Leichtigkeit und schlichter Eleganz erzählt Martina Hefter von einer Frau, die in einer ehemaligen Tagebaulandschaft eine neue Zukunft findet. Sie erzählt von der Notwendigkeit, sich gegen die Zudringlichkeiten der Gegenwart zur Wehr zu setzen, sie erzählt von inneren Kämpfen und jenen Momenten, die uns aneinander binden – oder voneinander lösen.
Die Installationskünstlerin Iona Bartschok zieht sich den Sommer über ins Leipziger Umland zurück. Die Landschaft hier besitzt eine eigensinnige Lebendigkeit: eine ehemalige Tagebau-Region, künstlich geflutet, von Abraumhalden und einem immerwährenden Wind geprägt. Iona will in dieser Umgebung an einem neuen Projekt arbeiten. Aber sie sucht auch Abstand, nachdem ein Maler öffentlich eines ihrer wichtigsten Kunstwerke, ein Baumhaus, mit dem Wort "Bullshit" besprüht und beschädigt hat. Sie bezieht eine umgebaute Industriehalle, deckt sich mit Lebensmitteln ein, wird nur von einem Bildschirmhund begleitet, den ihr Vermieter an der Wand installiert hat. Doch dann läuft ihr Bella zu, eine Hündin aus Fleisch und Blut, die ihr nicht mehr von der Seite weicht. Eines Tages steht eine weitere Fremde vor der Tür: Nova, die kämpferische Nichte des Vermieters. Und während draußen der Wind zunimmt, der Regen die Straßen flutet, drängt sich mit aller Macht das Leben zurück in die Halle.
Bitte nicht vor dem 17.10 besprechen!
Auf der Suche nach Schönheit in der Welt: Der neue Roman von Martina Hefter
...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783608967081 |
| PREIS | 25,00 € (EUR) |
| SEITEN | 272 |
Links
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Rezensent*in 427080
Nach der Sonne schauen
von Martina Hefter
Und dann stand Robyn still
Auf den neuen Roman der Gewinnerin des Deutschen Buchpreises war wohl jeder gespannt und Martina Hefter enttäuscht nicht.
Die Protagonistin des Buches ist Künstlerin und dabei in einer abgelegenen Halle nahe Leipzig eine Installation zu kreieren. Sie verbringt ihre Zeit überwiegend alleine, nur mit der Hündin Bella, die ihr zugelaufen ist.
Also viel Zeit um nachzudenken und zu reflektieren, auch über den Angriff auf ein Kunstwerk von ihr, das angesprüht wurde.
Eine innere Spannung ist durchgängig im Text zu spüren. Dabei wird die Künstlichkeit gegenüber der Natürlichkeit diskutiert,
Das Kunst-Sujet ist sehr ansprechend, insbesondere weil Martina Hefter es unverkrampft gestaltet. Sie schafft auch so eine eigenständige Atmosphäre.
Ich denke, wer „Hey Guten Morgen, wie geht es dir“ mochte, für den ist auch das neue Buch genau das Richtige.
Buchhändler*in 1477326
"Nach der Sonne schauen" ist übervoll an Ideen, Utopien, Dystopien, Zeitfragen und Gedanken über das menschliche Dasein. Ganz besonders auffallend sind dabei der Umgang mit den Themen KI (der "Hund" Robyn) und der Klimakrise (Erinnerungen an den weichenden Schnee in der Kindheit, der sintflutartige Regenguss in der Gegenwartshandlung), welche dem im Jetzt spielenden Roman eine zukünftige wie dystopisch Note gibt ohne futuristische Ideen entwickeln zu müssen. Die Halle des Umspannwerks und damit ein Relikt aus vergangenen Tagen genügt als Projektionsfläche für diese Zukunftsspekulationen.
Durch die häufigen wie nicht formal angegebenen Zeitsprünge verlangt die Autorin eine aufmerksame Lektüre ihres Romans. Ähnlich wie in ihrem Vorgängerroman wird die sporadische Handlung genutzt um Gedanken zu platzieren und der Protagonistin Platz zum Nachdenken und Erinnern zu geben. Die typische Aussteiger-Szenerie wird von Martina Hefter sprachlich wie inhaltlich in ganz eigener Weise bespielt und frei von nostalgischen Fantasien geschildert. Dazu trägt auch die formal sehr akkurate wie schnörkellose Sprache bei, welche faszinierenderweise dennoch starke und große emotionale Bilder zeichnet.
Wenn man die Autorin schon einmal lesen hören konnte ist es unmöglich diesen Roman ohne die Vorstellung ihrer spröden Lesestimme im Kopf zu behalten.
Eine kurze aber nachhaltige Leseerfahrung welche sich durch die Lektüre der zuletzt veröffentlichten Gedichte von Hefter sicher noch thematisch passend ergänzen lässt.
»Kammern der Schönheit, das wär’s doch«
Martina Hefters Ich-Erzählerin auf Mission in der Leipziger Tieflandsbucht –
»Ohne die Liebe zum Pathos würde es Tätowierungen nicht geben, niemand, der die Nüchternheit liebe, könne jemals auf die Idee kommen, Bilder in seinen Körper stechen zu lassen, die nie wieder verschwinden«. Wie kaum eine andere Autorin schafft es Martina Hefter, Phänomene unserer Zeit, wie hier die Popularität von Tattoos, mit etwas Größerem, Allgemeingültigen, Archaischen unseres Menschseins zu verbinden.
Die Rohheit der Elemente beeinflusst im Buch das Schicksal der Handelnden: Schnee, Wind, Regen/Flut, Sonne. Das ist nicht nur »Nature Writing«, sondern die Verarbeitung von ewigen Mythen des Ausgesetztseins des Menschen. Die Ich-Erzählerin wächst in den Allgäuer Bergen mit 15 Milchkühen auf und zieht später zum Kunststudium nach Leipzig. Symbolisiert werden diese Lebensphasen durch die zwei Baumhäuser, die sie baut. Eines als Kinderbaumhaus und eines als Kunstobjekt. Beide werden beschädigt, aber ihre Schöpferin kann viel aushalten. »Ich bin die, die zwei Baumhäuser gebaut hat. Zweimal exakt die gleiche Größe, bis auf den Millimeter genau, sechs Quadratmeter, mit den Pfählen drei Meter vierzig hoch. Zweimal die gleichen, etwas schiefen Leitern, zweimal die Nägel an den gleichen Stellen, zweimal die gleichen leichten Verziehungen im Holz.«
Die Ich-Erzählerin stellt fest, dass das zweite Baumhaus, als Kunstobjekt und Anverwandlung der Natur einem Raum schafft, in dem die (erwachsenen) Betrachtenden wieder zu Kindern werden. Sie klettern hinein, verweilen und fangen an, sich Geschichten zu erzählen – wie in einer Steinzeithöhle. Manchmal setzt die Künstlerin sich dazu und lauscht.
Der Zyklus des denaturierten Menschen unserer Zeit besteht also darin, dass bereits den Kindern die Verbindung zur Natur (symbolisiert durch das Baumhausbauen als Fähigkeit, sich in der Natur zu beheimaten) weggenommen wird, um ihnen später die Sehnsucht nach der verlorenen Natur als Kunst wieder verkaufen zu können, wenn sie erwachsene Konsumenten geworden sind.
»Die Welt in 5000 Jahren« heißt das Kunstprojekt, dem sich die Ich-Erzählerin in ihrer provisorischen Atelierbehausung (eine zugige, leerstehende Lagerhalle) nähern will. Eigentlich alleine, aber ans Housesitting gekoppelt ist eine Hunde-KI-App, die sie mit Aufmerksamkeit füttern soll und dann läuft ihr auch noch eine richtige Hündin, Bella, zu. Und – wie die Urzeitmenschen – entdeckt die Künstlerin den Wert dieser Verbindung, als ein Unwetter die beiden überrascht. »Und trotzdem waren diese zwei Stunden auch schön. Weil ich zum ersten Mal dachte, dass es gut war, mit einer Hündin etwas auszuhalten«.
Sie schläft so gut, wie sonst nie, »traumlos und irgendwie ernsthaft«, jedenfalls solange, bis die nächste Generation in der Halle auftaucht in Gestalt von Nova, der Nichte des Vermieters. Nova kann zwar keine Baumhäuser bauen, aber Tattoos stechen. Sie kennt deren archaische Bedeutung und weiß, »dass sich Seelen im Totenreich an ihren Tätowierungen erkannten, ein Geheimzeichen, das einen verband und einem sagte, woher man gekommen und wer man gewesen sei.« Womöglich auch in 5000 Jahren noch.
Jan S, Lehrende*r
Martina Hefter gelingt mit „Nach der Sonne schauen“ ein zutiefst berührender Roman, dessen atmosphärische Erzählung den Leser von der ersten Seite an unweigerlich in den Bann zieht. Sie schreibt über innere Kämpfe, Kunst und die Sehnsucht nach Verbundenheit in ihrem gewohnt eleganten, poetischen und gleichzeitig leichtfüßigen Stil.
In „Nach der Sonne schauen“ zieht sich die Installationskünstlerin Iona Bartschok in eine alte Industriehalle in einer rauen, vom Tagebau geprägten Natur zurück, um Ruhe und Inspiration zu finden. Der Versuch der Isolation scheitert jedoch schnell, als die kämpferische Nova auftaucht und zeitgleich heftige Unwetter aufziehen. Inmitten von Naturkatastrophen und inneren Umbrüchen bricht die Gegenwart mit all ihren Krisen unaufhaltsam in Ionas Rückzugsort ein.
Mit einer ungemein kraftvollen Sprache, die gleichzeitig von einer feinen Zärtlichkeit getragen wird, leuchtet Hefter die stillen Winkel des menschlichen Miteinanders aus. Im Zentrum steht dabei eine eindringliche Auseinandersetzung über die Einsamkeit und die universelle menschliche Sehnsucht nach Nähe, die in einer zunehmend isolierten Welt oft so schwer zu greifen ist. Das Buch hallt noch lange nach und zeigt auf meisterhafte Weise, wie verletzlich und doch widerstandsfähig wir auf der Suche nach echter Verbindung sind und wie heilsam Einsamkeit sein kann.
wow ich habe tatsächlich schon lange keine Geschichte gelesen die mich so berührt hat. keine Ahnung was drinnen war aber ich habe es gefühlt.
Die Protagonisten waren sympathisch, ehrlich, warmherzig und hatten einfach Charme.
Ich habe es binnen ein paar Stunden gelesen und geliebt.
perfekt für den Sommer
Ganz klare Leseempfehlung
Von Landschaften, die heilen und Menschen, die es versuchen.
Das Buch „Nach der Sonne schauen“ habe ich nicht einfach nur gelesen, ich bin von Anfang an darin eingetaucht. Man ist beruhigt und beunruhigt zugleich. Die Hauptfigur ist Installationskünstlerin und lebt, eigentlich vorübergehend für ein neues Projekt, allein in einer Halle am Rand eines künstlichen Sees. Dieser Ort soll die Grundlage ihres neuen Kunstobjekts werden. Auch aus diesem Grunde beschreibt die Autorin die Natur, die Lage und die Gegebenheiten rund um die Halle bis ins kleineste schöne Detail.
Der Wind, der nie zur Ruhe kommt. Stare, die aufgrund scheinbar zufälliger Schüsse immer wieder in den Himmel steigen. Schafe, die auf dem Grundstück einer Photovoltaik-Anlage untergebracht sind und scheinbar grundlos pink angesprüht wurden. Man spürt die Unruhe der Erzählerin im Wetter, im Licht, im Knacken der Bäume.
Als eines ihrer Kunstwerke, das Baumhaus, einer mutwilligen Beschädigung zum Opfer fällt, gerät ihr Weltbild ins Wanken. Und dann ist da Bella, eine Streunerin, für die sie gerne Bio-Hähnchen für 30 Euro im Supermarkt kauft, obwohl sie sich doch gar nicht mit Hunden auskennt. Mit Kühen und Kälbern, ja, aber nicht mit Hunden. Das könnte auch Robyn gemerkt haben, der KI-Hund, um den sie sich eigentlich während der Abwesenheit des Eigentümers der Halle kümmern sollte, wenn er Gefühle hätte und eben keine künstliche Intelligenz wäre.
Es ist ein Buch über das Aushalten, über das Weiteratmen, über das Sich-nicht-Verlieren, selbst wenn die Welt ringsum bröckelt. Es erzählt von Landschaften, die heilen und von Menschen, die es versuchen.
Nach der Sonne schauen -Martina Hefter
Die Installationskünstlerin Iona Bartschok hat sich zurückgezogen. Sie wohnt in der Nähe der Kohlehalden um Leipzig, dem ehemaliger Tagebau Witznitz II in einer alten Industriehalle.
Sie möchte das Modell dieser Landschaft gestalten: „Die Landschaft in fünftausend Jahren“.
Iona ist eine bekannte Künstlerin, nicht nur in der Leipziger Kunstszene.
Nach dem Angriff auf eines ihrer Werke, sie nennt es den „Vorfall“, erzählt sie die Geschichte ihres Baumhauses, dem Kunstprojekt, und ihrer Herkunft auf einer Alm, dem „echten“ Baumhaus.
Während ihrer Zeit in dem ehemaligen Umspannwerk wird sie begleitet von einem „KI Compagnion“ und einem echter Hund, Bella, die ihr zugelaufen ist.
Auch Nova, eine junge Frau aus Leipzig findet bei ihr Quartier.
Um sie herum erleben sie Extremwetterlagen, extreme Trockenheit, Starkregen, der nicht enden will, den unberechenbaren Wind. Und sie erleben die Fragilität der Natur sowie ihrer eigenen Existenz.
„Wie alles aus den Fugen geraten war, nur wegen eines Regens. Wie dünnhäutig ich geworden war. Etwas von mir kam zum Vorschein, von dem ich gern gesagt hätte, dass es mir fremd sei. Aber im Grunde war es das nicht, und ich wusste das auch.“
Verletzlichkeit, Endlichkeit,
Die teilweise, düstere, bedrohliche Stimmung, wechselt mit Momenten voller Melancholie und Poesie, die Verbundenheit der Autorin mit der Natur, ihre Liebe zu Tieren, sind in jeder Zeile spürbar. Und die Sorge um unsere Zukunft auf dieser Erde schwingt ebenso mit.
„Ich hätte eigentlich sehr gern geweint und getrauert, um uns alle.“
Es ist ein besonderes, feinfühliges Buch voller Symbolik und Impulsen zum Nachdenken, das die Verletzlichkeit der Menschen und der Natur zeigt. Selten von mir erwähnt: ein besonders schönes Cover.
1. Auflage 2026, Erscheinungstermin: 17.10.2026, 272 Seiten
Klett-Cotta
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1276476
Martina Hefter überrascht mit jedem Buch aufs Neue. Denn ganz gleich, welches Thema sie sich vornimmt, in welchem Genre sie unterwegs ist, ob in der Lyrik, ob im Roman, jedes Buch ist ein ganz eigenes, neues Lese-Erlebnis. Und doch auch wieder ein echtes "Hefter-Werk": stilsicher, pointiert, humorvoll und klug. Daher: Lasst und alle mal nach der Sonne schauen ...
Martina Hefters "Nach der Sonne schauen" ist ein kurzer Roman, der viele Gedanken über das menschliche Dasein, unsere Gegenwart und mögliche Zukünfte versammelt. Besonders beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich aktuelle Themen in die Geschichte eingeflochten werden, wie Künstliche Intelligenz in Gestalt des Hundes Robyn der aber niemals einen echten Hund ersetzen kann und der Klimakrise (in Form von Rückblicken und dem Kunstprojekt der Protagonistin mit dem Titel "Die Welt in 5000 Jahren" welches anhand eines Moors versinnbildlicht wird). Erinnerungen an schneereiche Winter treffen auf sintflutartigen Regen und verleihen dem Roman eine leise dystopische Stimmung.
Die vielen, nicht gekennzeichneten Zeitsprünge gut zu einer Erzählweise, die weniger von Handlung als von Erinnerungen und Gedanken lebt.
Sehr gefallen hat mir die klare, schnörkellose Sprache. Gerade durch die Präzision und Klarheit entstehen starke Bilder und eine große emotionale Wirkung.
Eine Künstlerin, die wie gestrandet in einer Halle neben einem Campingplatz wirkt. Ich lerne sie zunächst unentschlossen kennen, aber das schwächt sie nicht. Es ist ein Innehalten nach einer künstlichen Katastrophe, die ihr gut tut.
Ein schönes, ruhiges Buch über den Zeitraum, der benötigt wird, wenn sich Lebenswege nicht sichtbar zeigen. Danke für das Leseexemplar.
Rezensent*in 2141504
Auf das neue Buch von Martina Hefter war ich wahnsinnig gespannt. 2024 hat sie mit „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ absolut verdient den Deutschen Buchpreis gewonnen. „Nach der Sonne schauen“ ist mindestens genauso gut.
Mich konnte das Buch sehr berühren. Der Schreibstil war angenehm und passend. Ich war so in der Geschichte drin - ich konnte es einfach nicht mehr weglegen. Die Figuren sind detailreich und realistisch gezeichnet. Das Cover ist eines der schönsten und ungewöhnlichsten Cover in diesem Jahr. Es gefällt mir ausgesprochen gut.
Ein toller Roman einer großartigen Autorin! Ein perfektes Herbstbuch mit Anspruch. Große Empfehlung!
***Ein KI-Hund & Menschsein***
Im Mittelpunkt des neuen Romans von Martina Hefter steht die Installationskünstlerin Iona Bartschok, die sich für einige Zeit ins Leipziger Umland zurückzieht. Dort arbeitet sie an einem neuen Kunstprojekt und trifft unter anderem auf Robyn, einen KI-generierten Hund auf einem Bildschirm. Mehr möchte ich über die Handlung eigentlich gar nicht erzählen, denn schnell wird deutlich, dass es hier ohnehin um wesentlich mehr geht als um die Frage, was Iona in diesem Sommer erlebt.
Die Autorin beschäftigt sich mit Kunst und Natur, mit Erinnerung und Verlust, mit Beziehungen zwischen Menschen und Tieren und immer wieder mit der Frage, was Menschsein eigentlich bedeutet. Und ausgerechnet ein künstlich erzeugter Hund gehört dabei zu den Figuren, über die ich am meisten nachgedacht habe.
***Literarische Qualität***
Martina Hefter erzählt nicht geradlinig. Gedanken führen zu Erinnerungen, Beobachtungen zu neuen Fragen, Gegenwart und Vergangenheit greifen ineinander. Wer einen Roman erwartet, der seine Handlung möglichst zügig vorantreibt, dürfte sich deshalb erst einmal an den Rhythmus gewöhnen müssen. Ich mochte diese Art des Erzählens grundsätzlich sehr. Martina Hefter beobachtet genau und verbindet scheinbar beiläufige Situationen mit größeren Fragen. Man merkt ihrer Prosa auch an, dass sie nicht nur Schriftstellerin, sondern ebenso Lyrikerin und Performerin ist. In einem Interview mit der Klassik Stiftung Weimar spricht sie selbst darüber, wie eng Schreiben, Bewegung und Performance für sie zusammengehören. Auch beim Lesen hatte ich häufig das Gefühl, dass Motive weniger linear entwickelt werden, sondern auftauchen, verschwinden und später in veränderter Form wiederkehren. Irgendwann habe ich allerdings angefangen, über genau diese Wiederholungen nachzudenken. Denn so sehr dieses Kreisen zur Figur und zum Roman passt, hätte ich mir an einigen Stellen eine stärkere Straffung gewünscht. Manche Gedanken werden mehrfach variiert, ohne dass für mich jedes Mal wirklich etwas Neues hinzukam. Dadurch zog sich das Buch für mein Empfinden stellenweise etwas in die Länge. Das ist für mich auch der größte Kritikpunkt an einem Roman, dessen Sprache und Komposition ich ansonsten sehr gern mochte.
***Psychologische Tiefe***
Besonders interessant fand ich, wie widersprüchlich die Autorin ihre Hauptfigur erzählt. Iona denkt, urteilt, zweifelt, erinnert sich, reagiert manchmal ungerecht und hinterfragt sich an anderer Stelle wieder selbst. Ihre Gedanken bewegen sich immer wieder zwischen sehr persönlichen Erfahrungen und viel größeren Fragen. Was bedeutet Verantwortung? Wann entsteht Verbundenheit? Warum entwickeln wir Gefühle für bestimmte Menschen, Tiere oder sogar Dinge? Was können wir kontrollieren und was eben nicht? Martina Hefter beantwortet diese Fragen nicht für ihre Leserschaft. Sie lässt sie nebeneinanderstehen. Das mochte ich ausgesprochen gern. Der Roman vertraut darauf, dass man Widersprüche aushalten kann. Menschen können gleichzeitig fürsorglich und egoistisch sein, vernünftig und irrational, hoffnungsvoll und resigniert. Und manchmal wissen sie selbst nicht genau, warum ihnen etwas so viel bedeutet.
***Gesellschaftliche Relevanz***
Am spannendsten war für mich der Umgang mit künstlicher Intelligenz. Der KI-Hund Robyn wirkt zunächst beinahe unspektakulär. Und gerade deshalb funktioniert diese Idee so gut. Denn irgendwann geht es gar nicht mehr nur darum, was künstliche Intelligenz kann. Viel interessanter ist die Frage, was Menschen in ihr sehen. Wir wissen zwar, dass etwas programmiert ist, und reagieren trotzdem emotional darauf. Wir geben technischen Systemen sogar Namen, erkennen Persönlichkeiten in ihnen, sprechen mit ihnen und schreiben ihnen Absichten zu. Martina Hefter macht daraus aber keine Warnung. Sie interessiert sich vielmehr dafür, was diese Reaktionen über uns Menschen erzählen. Das fand ich reizvoll, weil das Thema KI inzwischen häufig entweder mit großer Begeisterung oder mit ähnlich großer Angst diskutiert wird. Nach der Sonne schauen verweigert sich dieser einfachen Einteilung. Daneben ist dieses Buch voller Gedanken und beschäftigt sich u. a. mit Klimaveränderungen, dem Umgang mit Natur und Tieren, Kunst, Gewalt, Verantwortung und der Frage, wie wir in einer Welt leben wollen, von der wir längst wissen, dass wir sie grundlegend verändert haben. Erstaunlicherweise hatte ich trotz der vielen Themen selten den Eindruck, dass Martina Hefter eine gesellschaftliche Debatte einfach nur in ihre Geschichte einbauen wollte. Vieles entsteht aus Ionas Wahrnehmung und ihren persönlichen Erfahrungen heraus.
***Persönliche Wirkung***
Ganz mühelos habe ich Nach der Sonne schauen nicht gelesen. Es gab Passagen, in denen ich mir gewünscht hätte, dass der Roman schneller weitergeht. Manche Gedankenschleife hätte für mich kürzer sein dürfen. Zwischendurch musste ich mich deshalb ein wenig zurück in die Geschichte holen. Und trotzdem hat mir das Buch gefallen. Besonders die Beziehung zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz hat mich beschäftigt. Was braucht es, damit wir Verbundenheit empfinden? Und wird ein Gefühl dadurch weniger echt, weil sein Gegenüber es nicht erwidern kann?
Aber auch darüber hinaus kreist der Roman immer wieder um etwas sehr Grundsätzliches: Was bedeutet es eigentlich, Mensch zu sein? Ich habe die Figuren im Buch gern beim Denken begleitet. Nicht alles hat mich gleichermaßen überzeugt. Aber vieles hat mich beschäftigt.
Leise, eigenwillig und überraschend berührend
Es ist ist kein Roman, bei dem ständig etwas passieren muss. Und genau das hat mir gefallen.
Iona zieht sich zurück, weil sie Abstand braucht. Sie möchte allein sein, arbeiten und irgendwie wieder zu sich finden. Doch dann kommen Bella, die Hündin, und Nova in ihr Leben. Plötzlich lässt sich das Leben nicht mehr aussperren.Besonders Bella hat es mir angetan. Sie bringt etwas ganz Echtes in diese ansonsten etwas künstliche, zurückgezogene Welt.
Ich mochte die ruhige Sprache und diese besondere Landschaft im Leipziger Umland. Vieles wirkt zunächst unscheinbar, bekommt aber beim Lesen eine eigene Bedeutung. Für mich geht es vor allem um Rückzug, Verletzlichkeit und die Frage, wie viel Nähe wir zulassen können, wenn wir eigentlich unsere Ruhe haben wollen. Kein einfacher Wohlfühlroman, aber ein stilles, besonderes Buch über das Leben, das manchmal einfach wieder zur Tür hereinkommt, obwohl man es gar nicht eingeladen hat.
Claudia F, Beschäftigte*r in der Buchbranche
‚Nach der Sonne schauen‘ , der neue Roman von Martina Hefter ist wunderbar erzählt. Die Geschichte von Iona, die sich für einen Sommer in einer abgelegenen Halle im Leipziger Umland zurückzieht und von der Realität überrascht wird, ist toll dargestellt. Beim lesen konnte ich mich sehr gut in die verschiedenen Szenen einfühlen. Die Sprache vermittelt eine Leichtigkeit, die das lesen sehr angenehm macht.
Ein sehr schönes Buch, das ich gerne weiterempfehlen werde.
Karin J, Buchhändler*in
In dem Roman "Nach der Sonne sehen" von Martina Hefter berichtet die Ich-Erzählerin von ihrem Leben in der Provinz in Ostdeutschland, wo sie nach einer Sprühattacke auf eines ihrer Kunstwerke eine Auszeit nimmt. Sie lebt in einer alten Halle, hat einen Auftrag, mit dem sie nicht weiterkommt, ein Hund läuft ihr zu und per App sieht sie sich ab und zu ihren von KI generierten künstlichen Hund an. Sie reflektiert über ihre Schwierigkeiten, akzeptiert zu werden, da sie relativ autark mit ihren Eltern auf einer Alm aufgewachsen ist und sich somit von anderen unterscheidet. Eigentlich passiert nichts Besonderes, weitere Personen kommen später z.T. aufgrund eines Unwetters in die Halle. Die Ich-Erzählerin sorgt sich um die Natur, die durch den Klimawandel leidet. Sie wirkt eher zögerlich in ihren Handlungen und ist von Selbstzweifeln geplagt.
Es fällt mir immer schwer, einen Roman zu beurteilen, der mir nicht gefallen hat. Ich gebe in diesem Fall vier Sterne, weil ich den Schreibstil der Autorin so gerne mag. Dennoch hat mich diese Geschichte nicht abgeholt. Ich fand es stellenweise langatmig und langweilig. Nach einer schier endlosen Schilderung der Landschaft, habe ich gehofft, dass nun endlich etwas passieren würde. Aber dann geht es über viele Seiten um die Hündin Bella und den ki generierten Hund Robyn. Die ich Erzählerin, eine Künstlerin, bekommt irgendwie nichts auf die Reihe. Das neue Kunstprojekt stockt. Die Beschädigung ihres aktuellen Werkes „das Baumhaus“, trifft sie tiefer als sie zugibt. Im zweiten Teil der Geschichte, als Nova in die Halle mit einzieht, plätschert der Roman weiter vor sich hin., Es ist eine ruhig erzählte Geschichte, die mal in die Vergangenheit abschweift mal in in der Gegenwart bleibt, aber ohne jegliche Höhepunkte. Ich bedauere wirklich, dass ich mit diesem Buch absolut nichts anfangen konnte, das ich voller Vorfreude begonnen habe.
Bibliothekar*in 1985351
Die etablierte Künstlerin Iona Bartschok zieht sich nach einem „Vorfall“ auf einer Ausstellung, bei dem ihr Kunstwerk beschmiert und verunglimpft wurde, in eine zu einer Wohnung umgebauten ehemaligen Halle auf einem verlassenen Tagebau zurück. Ihr ursprüngliches Vorhaben, sich dort ihrem neuen Projekt zu widmen, rückt schon bald in den Hintergrund. Mit der ihr zugelaufenen Hündin Bella unternimmt sie Streifzüge durch das Umland, immer wieder stören Camper die Ruhe auf ihrem Grundstück. Auch die Nichte des Vermieters lässt sich einige Zeit bei ihr nieder. Mit ihr gemeinsam statuiert sie gewissermaßen ein feministisches Exempel. Das Leben in nicht unmittelbarer Nähe zu den Versorgungsmöglichkeiten der Großstadt muss gemanagt werden. Über all dem zeigt die Natur die unheilvollen Zeichen des Klimawandels. Eine feministisch verdichtete, stellenweise etwas düstere, aber kraft- und spannungsvolle Aktualisierung des Klassikers von Marlen Haushofer.
Lehrende*r 491806
Nach "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" ist "Nach der Sonne schauen" wieder ein Roman, den die Autorin im Milieu bildender bzw. performender Künste angesiedelt hat. Hier kennt sie sich offenbar aus und vermag spannende und sensible Einblicke zu gewähren. Die Protagonistin lebt diesmal nicht an der Grenze des Prekariats, sondern kann von ihren Installationen offenbar recht gut leben und genießt auch ein gewisses Standing in der kundigen Szene. Dennoch wird eins ihrer persönlichsten Kunstwerke von einem Kollegen mit einem beleidigenden Schriftzug besprüht. Nach diesem "Vorfall" zieht die Künstlerin sich für längere Zeit in eine abgelegen im ehemaligen Tagebaugebiet stehende umgebaute Betriebshalle zurück, möchte dort eigentlich an ihrem neuen Projekt arbeiten und kommt dann doch ganz anders als geplant ins Nachdenken und Tun.
Mir hat gefallen, wie zart und leicht Martina Hefter wieder ihre Geschichte spinnt, die Protagonistin ihre Gedanken und Gefühle entfalten lässt, Entwicklungen anbahnt. Der Roman hat dabei auf mich durchaus ein wenig wie die in ihm erwähnten Kunstwerke von Christiane Löhr gewirkt - sanft, fragil, aber dabei von einer Kraft getragen, die man nicht sieht und wo ich mich beim Betrachten frage: Woher kommt die? Was hält diese zarten Gebilde aus Gräsern zusammen?
Auch Martina Hefters Romane verbinden Sanftheit und Wut, Schmerz und Versöhnung, gesellschaftliche Utopie und Dystopie - und das auf eine meist sehr stille Art. Manchmal kracht das Leben doch auf lautere Weise in die Blase der Protagonistin, auch das weiß sie interessant und philosophisch zu reflektieren, und bei alledem eröffnet sich mir eine Welt, von der ich sonst in meinem hektischen Alltag mit leider nur wenig Theater- oder Ausstellungsbesuchen wenig mitbekomme. Dafür bin ich der Autorin sehr dankbar.
Gegen Ende hatte dieser Roman für meinen Geschmack zunächst ein paar Leerstellen zu viel gelassen. Das hat mich aber nach ein paar Tagen des Sich-setzen-Lassens nicht mehr gestört; ich habe im Gegenteil noch gern über diese losen Fäden nachgedacht. Und wie die Protagonistin am Ende die Situation um den "Vorfall" löst, hat mir besonders gut gefallen.
Ich danke dem Verlag herzlich für das Rezensionsexemplar und freue mich schon auf den nächsten Roman von Martina Hefter.
LeserInnen dieses Buches mochten auch:
Marc-Uwe Kling; Johanna Kling; Luise Kling
Belletristik, Fantasy & Science Fiction, Krimis, Thriller, Mystery
Marc-Uwe Kling
Humor & Satire, Politik & Zeitgeschehen, Unterhaltung & Popkultur