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Ich, die ich Männer nicht kannte
Roman
von Jacqueline Harpman
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Erscheinungstermin 14.03.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
»Ein wahres Wunder« New York Times
Der internationale Sensationserfolg
Tief unter der Erde werden neununddreißig Frauen gefangen gehalten. Während das elektrische Licht Tag und Nacht verschwimmen lässt, sitzt ein junges Mädchen – die vierzigste Gefangene – allein und ausgestoßen in der Ecke. »Ich, die ich Männer nicht kannte« ist so feministisch wie »Der Report der Magd« und so existentiell wie »Die Wand«: Ein moderner Klassiker, internationaler Verkaufserfolg und BookTok-Hit in neuer deutscher Übersetzung.
In einem unterirdischen Gefängnis sitzen neununddreißig Frauen. Was übertage geschehen ist, wissen sie nicht: Wurde die Welt verlassen, von einem Virus verwüstet? Die Frauen können sich nicht erinnern, wie sie in den Käfig gelangt sind, haben jegliches Zeitgefühl verloren und nur eine vage Ahnung von ihrem alten Leben. Ihre Aufseher, sechs schweigsame Männer in Uniform, sprechen nicht mit ihnen und berühren sie nur, um sicherzustellen, dass keine von ihnen versucht, sich das Leben zu nehmen. Eines Tages ertönt ein Alarm, und die Wachen verschwinden; die Tür steht offen. Als erste wagt jene vierzigste Gefangene den ersten Schritt, die nichts als das Gefängnis kannte. Doch anders als erhofft, finden die Frauen draußen nicht die Freiheit, sondern eine Welt, die sie nicht wiedererkennen und in der sie lernen müssen, sich gemeinsam zurechtzufinden.
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783608966701 |
| PREIS | 24,00 € (EUR) |
| SEITEN | 224 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Buchhändler*in 1288973
ein absolut phänomenales buch, das sollte pflichtlektüre in der schule werden. ich habe noch nie etwas gelesen, was diesem buch auch nur nah kommen würde. wow.
Buchhändler*in 1209150
Vierzig Frauen leben eingesperrt in einem unterirdischen Bunker, bewacht von schweigenden Männern mit Waffen. Sie wissen nicht, wo sie sind, wie sie dorthin kamen oder was mit der Welt draußen geschehen ist. Eine von ihnen ist jünger als die anderen, ohne Erinnerung an ein „Davor“. Als eines Tages die Wachen verschwinden, wagen die Frauen die Flucht - hinaus in eine leere, verstörend stille Welt, in der es offenbar keine Zivilisation mehr gibt. Was folgt, ist kein klassischer Überlebenskampf, sondern eine existenzielle Suche nach Sinn, Identität und Menschlichkeit.
Dieses Buch hat mich schlicht umgehauen. Selten hat mich ein Roman so berührt und gleichzeitig so beschäftigt. Die Sprache ist klar und nüchtern, fast sachlich - und gerade dadurch entfaltet sich eine enorme emotionale Wucht. Jede Beobachtung, jeder Gedanke der Erzählerin trifft direkt ins Herz. Man liest nicht nur, man fühlt mit: die Einsamkeit, die Fremdheit gegenüber der Welt, das vorsichtige Lernen von Freiheit. Für mich reiht sich der Roman ganz selbstverständlich neben "Die Wand" und "Der Report der Magd" ein: Bücher, die nicht nur Geschichten erzählen, sondern sich ins Gedächtnis einbrennen. "Ich, die ich Männer nicht kannte" ist leise, klug und zutiefst menschlich - und wird mich noch lange begleiten.
Ein Buch, das man nicht vergisst.
Rezensent*in 1518830
Buchrezension: Ich, die ich Männer nicht kannte
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein stilles, verstörendes und zugleich zutiefst philosophisches Werk, das lange nach der Lektüre nachhallt.
Der Roman erzählt von einer namenlosen Erzählerin, die gemeinsam mit neununddreißig anderen Frauen seit ihrer Kindheit in einem unterirdischen Bunker gefangen gehalten wird. Bewacht von stummen, gesichtslosen Wärtern, kennen die Frauen nichts anderes als diesen engen Raum, strenge Regeln – und das völlige Fehlen von Männern, Erinnerungen oder Erklärungen. Die Protagonistin ist die jüngste unter ihnen und zugleich die einzige, die noch Fragen stellt. Fragen nach der Welt draußen, nach Vergangenheit, nach Sinn.
Harpman verzichtet bewusst auf klassische Spannung oder detaillierte Welterklärungen. Stattdessen entwickelt sie eine beklemmende Atmosphäre durch Reduktion: Sprache, Raum und Handlung sind minimalistisch, fast karg. Gerade dadurch entfaltet der Text seine enorme Wirkung. Die Gefangenschaft wird weniger als physischer Zustand denn als existenzieller begriffen – als Sinnbild für Unwissen, Anpassung und die menschliche Sehnsucht nach Freiheit und Erkenntnis.
Besonders eindrucksvoll ist die psychologische Zeichnung der Frauen. Während viele sich mit den Umständen arrangieren und Trost in Routinen finden, bleibt die Erzählerin innerlich wach. Ihre Beobachtungen sind nüchtern, präzise und von einer fast schmerzhaften Klarheit. Sexualität, Liebe und Identität werden nicht romantisiert, sondern als etwas grundsätzlich Unbekanntes und Abwesendes beschrieben – was dem Roman seine ungewöhnliche, fast sterile Emotionalität verleiht.
Ich, die ich Männer nicht kannte ist keine leichte Lektüre. Es ist ein Buch, das Geduld verlangt und Leserinnen und Leser mit Unbehagen konfrontiert. Doch gerade darin liegt seine Stärke. Harpman stellt existenzielle Fragen: Was macht ein Leben aus? Was bleibt vom Menschsein ohne Erinnerung, Beziehung und Freiheit? Und ist Hoffnung ein Akt des Widerstands oder eine Illusion?
Ein eindringlicher, zeitloser Roman, der sich jeder eindeutigen Interpretation entzieht – und genau deshalb so kraftvoll ist. Besonders empfehlenswert für Leser*innen, die literarische Dystopien, feministische Perspektiven und philosophische Tiefe schätzen.
Mareike A, Rezensent*in
„Es war nicht der Körper, der aufgab, sondern die Seele.“
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt - über den Sinn des Lebens, die Rolle der Frau, Gemeinschaft, Verlust, Einsamkeit und den Tod. Eine durchweg spannende, dystopische und zeitlose Geschichte, die am Ende viele Fragen bewusst unbeantwortet lässt.
Ich habe es an einem Tag und in einer einzigen Sitzung durchgelesen und konnte es nicht aus der Hand legen.
Die Geschichte wird noch lange in mir nachhallen.
Dieses Buch ist kurz, nüchtern geschrieben und dabei sehr intensiv. Es ist eines dieser Bücher, die man schnell liest und dann lange mit sich herumträgt. Es werden viele große Fragen thematisiert: Was bedeutet Freiheit wirklich? Wer sind wir ohne Beziehungen, ohne Vergangenheit, ohne Zugehörigkeit? Und wie hält man Hoffnung aus, wenn sie eigentlich irrational ist?
Die Geschichte wird von einer namenlosen Erzählerin erzählt, die als einziges Kind mit 39 Frauen in einem Bunker eingesperrt ist. Bewacht, ohne Wissen über die Welt, ohne Geschichte, ohne irgendeine Form von Normalität. Und genau das ist der Punkt: Sie kennt nichts anderes. Sie wurde ohne Kultur, ohne gesellschaftliche Regeln, ohne Vergangenheit großgezogen und fühlt sich deshalb fundamental anders an als die anderen Frauen, die sich erinnern können.
Was mich richtig getroffen hat: Wie sehr dieses Buch zeigt, dass Menschsein ohne Verbindung kaum funktioniert. Ohne Geschichte, ohne Austausch, ohne Hoffnung. Überleben wird hier nicht romantisiert, es ist einfach nur ein ständiges Aufschieben des Todes. Mehr nicht.
Besonders stark fand ich die Darstellung der Beziehungen zwischen den Frauen. Weibliche Freundschaft unter extremen Bedingungen wird hier überraschend lebensnah und unsentimental gezeigt. Die Frauen haben Erinnerungen an ihr früheres Leben, an Liebe, Familie, Normalität, im starken Kontrast zur Erzählerin, die all das nur aus Erzählungen kennt. Dass nicht jede Figur bis ins Detail ausgearbeitet ist, stört nicht, im Gegenteil, es verhindert Überforderung und lenkt den Fokus klar auf die Erzählerin und ihre Entwicklung.
Das Buch hat zwei sehr unterschiedliche Teile (mehr sage ich nicht), die sich atmosphärisch stark voneinander abheben. Beide sind düster, aber es gibt diese winzigen Momente von Triumph, die fast wehtun, weil sie so selten sind. Das Worldbuilding ist dabei extrem bildhaft, ich hatte alles ständig vor Augen. Und obwohl vieles im Rückblick erzählt wird, wird kaum etwas offen vorweggenommen. Man ahnt Dinge, lange bevor man sie „weiß“.
Eine Besonderheit dieses Buchs ist, dass nichts erklärt wird. Gar nichts. So viele Fragen bleiben offen. Warum das alles passiert ist, was genau draußen los ist, keine Antworten. Und ja, das ist frustrierend. Aber genau dadurch fühlt sich alles so unsicher und verstörend an. Der Leser hofft genauso wie die Figuren. Wer klare Plot-Auflösungen braucht, wird wahrscheinlich nicht zufrieden sein. Ich persönlich hätte mir auch ein paar mehr Antworten gewünscht.
Eine sehr besondere Geschichte, die ich so bisher noch nicht gelesen habe und sehr zum Nachdenken anregt.
Ich habe das Buch auf Englisch bereits sehr gerne gelesen und empfohlen und mich gefreut das es auf Deutsch erscheint.
Es ist ein spannendes Gedankenexperiment über das Mensch-sein.
Was macht uns aus, wer sind wir, was brauchen wir?
Ein zeitloser, dystopischer und faszinierend philosophischer Roman.
Die Geschichte dreht sich um 40 Frauen, die in einem Käfig gefangen sind, nicht wissen warum und keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Bis es ihnen gelingt zu entkommen. Die Protagonistin hat die Welt jedoch nie kennengelernt und so widmet sich das Buch der Frage was es bedeutet ein Mensch zu sein.
Der Schreibstil des Buches ist eher ruhig und es geht viel um das was einen zum nachdenken und hinterfragen anregt. Bei mir kamen immer wieder die tieferen philosophischen Fragen auf, was Leben bedeutet und wer man ist, wenn man nicht durch die Gesellschaft vordefiniert werden würde.
Obwohl das Buch eigentlich schon älter ist, finde ich sind die Inhalte weiterhin relevant und die Geschichte zeitlos.
Renate S, Rezensent*in
40 Frauen sind in einem unterirdischen Käfig mit permanenter Überwachung untergebracht. Die Wächter sprechen nicht mit ihnen,das Licht brennt ständig, es gibt keine Privatsphäre. Als plötzlich die Sirenen heulen, ist der Käfig zufällig offen und die Frauen gelangen in eine dystope Welt. Eine von ihnen ist ein junges Mädchen, das nichts anderes kennt.
Dieses erzählt in Ichform. Die Sprache drückt das sich wiederholende, das vergebliche Suchen nach Menschen, nach Bekanntem gut aus, die Ausweglosigkeit bleiben das ganze Buch dominant. Dadurch ergibt sich auch eine gewisse Langeweile und man hofft auf ein unerwartetes Ereignis
Chris B, Rezensent*in
Vierzig Frauen, null Antworten – und trotzdem ein Sog
Mit „Ich, die ich Männer nicht kannte" legt Jacqueline Harpman eine Dystopie vor, die so karg ist wie die Landschaft, durch die ihre Protagonistinnen irren – und genauso unerbittlich.
Vierzig Frauen, eingesperrt in einem unterirdischen Käfig, bewacht von stummen Männern in Uniformen. Warum? Keiner weiß es. Die Erzählerin – die jüngste, die vierzigste Gefangene – kennt nichts anderes als dieses Leben. Sie hat nie die Welt da draußen gesehen, nie einen Mann berührt, nie wirklich gelebt. Als eines Tages ein Alarm ertönt und die Wachen verschwinden, ist sie die erste, die den Schritt ins Unbekannte wagt. Doch die Freiheit, die sie finden, ist keine Erlösung – draußen wartet eine postapokalyptische Leere, in der die Frauen auf weitere verlassene Bunker stoßen, aber niemals auf Antworten.
Die namenlose Erzählerin ist eine faszinierend distanzierte Beobachterin. Aufgewachsen ohne Erinnerung an die alte Welt, ohne je Liebe oder körperliche Nähe erfahren zu haben, bleibt sie seltsam losgelöst. Sie dokumentiert das langsame Sterben ihrer Gefährtinnen mit einer nüchternen Sachlichkeit, die erschüttert. Und doch – oder gerade deshalb – entwickelt man beim Lesen eine merkwürdige Verbundenheit mit ihr.
Ich war ehrlich gesagt hin- und hergerissen: Die repetitive Sprache und die ewigen Wiederholungen haben mich stellenweise fast zum Abbruch gebracht. Andererseits – was erwartet man von einer Frau, die Lesen und Schreiben nur rudimentär gelernt hat? Die Trostlosigkeit wird nie aufgelöst, nichts wird erklärt, und genau das ist zugleich frustrierend und auf seltsame Weise schön. Für alle, die „Der Report der Magd" oder „Die Straße" mochten und existenzielle Leere aushalten können.
Ein Buch, das nachhallt – ob man will oder nicht.
Petra S, Rezensent*in
Eine bewegende Dystopie über den Sinn des Lebens
Was für ein überraschender und beeindruckender Roman: Es geht um 39 Frauen, die in einem unterirdischen Käfig eingesperrt und bewacht werden Jegliche Berührung ist ihnen verboten. Während 38 Frauen davon als Erwachsene in den Käfig kamen und zumindest bruchstückhafte Erinnerung an ein normales Leben davor haben, ist auch ein Mädchen dabei, das im Käfig groß wurde. Jeder Tag läuft gleich ab bis einmal ein Alarm ertönt, die Wächter fliehen und dabei das Gitter offen lassen. Doch draußen erwartet die Gruppe auch nur eine leere Welt ohne andere Menschen. Es beginnt ein Kampf um Hoffnung, Zuversicht und nach dem Sinn ihres Seins.
Dieses Buch rührt an vielen Fragen unserer Existenz: Was macht ein Leben aus, was macht es lebenswert? Kann man leben ohne dass das eigene Leben einen Sinn und Zweck hat? Wie wichtig sind Nähe und Freundschaft? Die Sprache ist nüchtern , sachlich und distanziert und spricht einen dadurch umso tiefer an. Man fühlt die Ausweglosigkeit und Einsamkeit fast körperlich. Und dennoch hat mich das Buch nicht runtergezogen, da es auch zeigt, wie anpassungsfähig der Mensch doch ist und wie die Neugierde am Leben einen wach und gesund hält.
Dieser Roman macht was mit einem: das ist nicht nur Lesen, das ist Spüren. Zwar keine leichte Lektüre aber eine sehr bewegende!
Ich, die ich Männer nicht kannte“ ist ein faszinierender Roman!
Auf so wenigen Seiten wird eine unglaublich intensive Geschichte erzählt, die noch lange nachhallt. Es ist eines dieser Bücher, die einen sofort in ihren Bann ziehen und zum Nachdenken anregen, ohne dabei jemals belehrend zu wirken.
Der Schreibstil ist super eingängig, man kann direkt mit der Protagonistin mitfühlen und will wissen wie es weiter geht. Das Buch arbeitet komplett ohne Kapitel. Eigentlich bin ich Fan von kurzen Kapiteln, aber ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand lege und habe es in einem Rutsch weggelesen. Am besten liest man das Buch mit so wenig Wissen über die Handlung wie möglich und lässt sich einfach darauf ein.
Am Ende bleibt man mit so vielen Fragen zurück – und trotzdem hat man das Gefühl, dass irgendwie alles gesagt wurde. Genau diese Mischung aus Offenheit und Vollständigkeit macht das Buch für mich so besonders.
Ein stilles, kraftvolles, unvergessliches Leseerlebnis!
Anna G, Buchhändler*in
Dieses Buch ist besonders!
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ war eine etwas andere Geschichte. Sie bringt den Leser zum Nachdenken und ist äußerst interessant geschrieben
Leni -, Rezensent*in
Die Protagonistin hat keinen Namen und kein Alter, mit 39 anderen Frau wächst sie in einem Bunker auf, ohne zu wissen, warum sie dort gefangen gehalten werden. Berührungen sind verboten und die Frauen sprechen selten über die Vergangenheit, zu sehr schmerzen die Erinnerungen. Eine berührende Coming-of-Age Story, die zum Nachdenken anregt, traurig macht und einen trotzdem manchmal zum lächeln bringt. Diese Geschichte wird sicherlich lange nachhallen.
Rezensent*in 1976619
„Ich, die Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist ein packender Roman über Gefangenschaft, Geheimnisse und fragwürdige Freiheit, der einen sofort in den Bann schlägt.
Neununddreißig Frauen sitzen jahrelang in einem unterirdischen Gefängnis, bewacht von Männern, ohne Erinnerung an ihre Vergangenheit oder die Welt draußen – bis die Wachen verschwinden und die Tür offen steht. Die junge Erzählerin, die das Gefängnis als ihre einzige Welt kennt, tritt als Erste hinaus und entdeckt eine fremde, verwüstete Oberwelt, in der die Gruppe ums Überleben ringt.
Die flüssige Erzählung weckt Neugier – was führte zu dieser Isolation, und ist die erlangte Freiheit echt?
Das düstere Cover begeistert: Eine Gesichtshälfte im Schatten, die andere erhellt, der Kreis wie ein Lichtstrahl aus dem Wüstenverlies – pure Symbolik!
Das Buch wurde durch BookTok zu einem viralen Hit, da es als vergessener Klassiker (ursprünglich 1995 erschienen) neu entdeckt und mit modernen Themen wie Feminismus und Frauenrechten verknüpft wurde. BookTok-Videos heben die dystopische Erzählung von Isolation und weiblicher Solidarität hervor, die Parallelen zu „Der Report der Magd“ aufweist und durch Promis wie Dua Lipa beworben wurde.
Die Isolation der Frauen steht auch für die Suche nach Identität ohne soziale Spiegelung – was bleibt von Menschlichkeit, wenn Kultur, Beziehungen und Geschichte fehlen?
5 Sterne von mir, klare Leseempfehlung!
Rezensent*in 1751887
Das Buch hat im letzten Jahr glücklicherweise so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass es nun auch hierzulande noch einmal erscheinen wird.
Die Tatsache dass es bereits in den 90er-Jahren geschrieben wurde, aber heutzutage besser zu funktionieren scheint als damals, hat mich von Anfang an sehr neugierig gemacht.
Nachdem ich das Buch beendet habe, verstehe ich auch wieso, denn es spricht a) Themen an die zeitlos und essentiell sind und b) trifft es gleichzeitig so sehr den Kern unserer Zeit wie kaum ein anderes Buch...
"Ich, die ich Männer nicht kannte" hat mich tief berührt. Es erzählt davon, Teil einer Gemeinschaft und trotzdem einsam zu sein und das ist etwas, was ich sehr gut nachempfinden kann.
Menschen sind mMn niemals so einsam gewesen wie sie es heutzutage sind. Was paradox klingt, wenn man bedenkt, wie viel stärker wir uns miteinander vernetzen können, als es Früher der Fall gewesen ist.
In dem Buch steckt sehr viel, was ein "Overthinker" wie ich problemlos auf das eigene Leben und die Welt um sich herum projezieren kann, was das Buch für mich wiederum sehr nahbar gemacht hat. Es hat eine Mehrdeutigkeit die wahnsinnig spannend zu lesen war.
Auch ist der Schreibstil so großartig, dass ich beim Lesen ab und an pausieren musste, um mein inneres "Freuden-Feuerwerk" zünden zu können. Ich habe so viele Textstellen markiert wie bei kaum einem anderen Buch und kann einfach nicht glauben, dass dieses Wunderwerk von Literatur bereits vor so langer Zeit erschienen sein soll!
Ich bewundere sehr, wie Harpman es geschafft hat, solch eine kraftvolle Geschichte mit so einfachen Mitteln zu erzählen und mich trotz all dem Schrecken und Schrecklichem, Schönheit spüren und wahrnehmen hat lassen.
Ein großer Vorteil des Buches ist sicherlich auch, dass es zwar sehr gehaltvoll, aber nicht wahnsinnig komplex ist. Deswegen kann es ohne Probleme eine breite Masse ansprechen, sofern man mit der Frustration zurechtkommt, keine Antworten zu bekommen..
Auch die Übersetzung von Luca Homburg ist absolut gelungen.
Mich hat "Ich, die ich Männer nicht kannte" in einen Zustand tiefster Melancholie und Reflektion versetzt und ich glaube, ich werde noch sehr sehr lange an das Buch zurückdenken.
Rezensent*in 318242
Puhhh. Das war richtig seltsam – aber in a good way? Ich hab das Buch verschlungen, und auch wenn ich mich schwertue, es zu bewerten, muss es wohl auf 5 Sterne rauslaufen, auch wenn (oder gerade weil?) so vieles offenbleibt. Es gibt kaum Erklärungen, kaum Orientierung, und genau das macht die Geschichte aus. Ich geh dann jetzt mal meine Gedanken ordnen.
Vielen Dank an Netgalley und Klett-Cotta für das kostenlose Rezensionsexemplar!
Rezensent*in 1519782
Der Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte" wurde von Jacqueline Harpman verfasst und erscheint am 14. März 2026 im Klett-Cotta Verlag. Das Buch umfasst 224 Seiten und das Cover ist passend zum Titel gestaltet. In der Geschichte geht es um neununddreißig Frauen, die ohne Erinnerungen in einem unterirdischen Gefängnis leben. Als ihre Wächter verschwinden, wagt eine von ihnen den Schritt nach draußen. Dort treffen die Frauen auf eine fremde Welt und müssen sich gemeinsam darin zurechtfinden. Der Schreibstil der Autorin ist lebendig, anschaulich und gefühlvoll. Klassische Kapitel sucht man vergeblich; der Roman ist als fortlaufender, dichter Text gestaltet. Diese Erzählweise verstärkt das Empfinden von Zeitlosigkeit und Orientierungslosigkeit auf eindrucksvolle Weise. Die Spannung ist eher zurückhaltend. Im Mittelpunkt stehen weniger dramatische Ereignisse, sondern vielmehr die dichte Atmosphäre. Die Charaktere sind präzise und nachvollziehbar gezeichnet. Vor allem die Hauptprotagonistin beeindruckt: Ihre Gedankenwelt ist authentisch, ihre Gefühle von Freiheit und Einsamkeit wirken tief und bewegend. Man kann sich mühelos in ihre emotionale Lage hineinversetzen. Insgesamt ist das Buch ein guter, zeitloser Roman, der zum Nachdenken anregt.
Buchhändler*in 1181627
Das erstaunlichste Buch, dass ich seit langem gelesen habe. Auch nachdem ich es zu Ende gelesen habe, weiß ich noch nicht, ob ich es mag oder nicht. Aber es hat einen Sog, der einen in die Geschichte zieht und der noch lange nachwirkt. Ein Buch über das man sprechen wird.
Buchhändler*in 1547423
Ein literarische Meisterwerk. Ein Buch welches einem nicht aus dem Kopf geht. Was ist Menschlichkeit, wie verhält man sich? Fragen auf die es keine richtige Antwort gibt. Was wäre wenn wir anders aufgewachsen wären? Dann würden wir uns auch anderes verhalten. Ein Buch welches widerspiegelt über was die Menschen nachdenken sollten, über ihr Verhalten. Es hat leider nicht für 5 Sterne gereicht, da mir die Auflösung der Lage der 40 Frauen gefehlt hat.
Kerstin H, Rezensent*in
Ein kleines Büchlein mit großem Tiefgang.
In „Ich, die ich Männer nicht kannte“ darf man keine klaren Antworten erwarten. Man muss dieses Buch einfach auf sich wirken lassen und darüber nachdenken, dann entfaltet es seine Genialität.
Ich möchte gar nichts von der Geschichte erzählen, denn sonst würde ich vielleicht schon zu viel verraten. Der Klappentext reicht.
Ich für meinen Teil war sehr überrascht von dem Buch, hatte irgendwie etwas anderes erwartet und war dann aber von der Stimme der Erzählerin, von allen nur „die Kleine“ genannt, wie gebannt. Auch wenn nicht sonderlich viel passiert, passiert doch sehr sehr viel und ich weiß das klingt seltsam, aber doch ist es irgendwie genau das was ich empfunden habe.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war wie gebannt von der Erzählung. Dabei habe ich fast vergessen, dass es nicht wirklich der Lebensbericht einer Frau ist, die nie Männer kennen gelernt hat, sondern ein Werk der Fiktion, das übrigens bereits Mitte der 1990er Jahre auf Französisch erschien.
Nach dem Lesen musste ich eine Weile meine Gedanken dazu sortieren. Das Buch wirkt ein wenig wie ein Rohrschach Test: Jeder und Jede muss eine eigene Interpretation finden und wird etwas eigenes in dem Text sehen. Was ich auch bestätigt fand, als ich später in einem Subreddit eine lebhafte Diskussion zum Text gefunden habe (in der unter anderem öfter die Idee mit dem Rohrschachtest fiel). Denn ich hatte ganz klar das Bedürfnis über das „Erlebte“ zu sprechen, mich auszutauschen und zu hören wie andere diesen Text empfunden haben.
Auch ein Blick auf die Historie der Autorin ist hilfreich.
Ein wenig hat mich die Lektüre an „Die Parabel vom Sämann“ erinnert. Zumindest vom Gefühl her.
Wer gerne beim Lesen eigene Schlüsse ziehen will, wer gern nachdenkt und Bücher nicht nur zur reinen, schnellen und einfachen Unterhaltung liest, sondern auch von ihnen berührt werden will, wird mit „Ich, die ich Männer nicht kannte“ seine Freude haben.
Wer in seinen Büchern für alles eine Lösung haben möchte und es andernfalls unbefriedigend findet, sollte stattdessen zu einem anderen Buch greifen.
Für mich war es auf jeden Fall ein Highlight, umso mehr ich darüber nachdenke, um so größer wird diese Gewissheit.
Pia E, Buchhändler*in
Dieses Buch war ganz anders als ich erwartet hatte und das hat meine Freude daran ein wenig geschmälert um ehrlich zu sein.
Nichtsdestotrotz ist es ein wunderbar geschriebenes Buch, absolut wunderschöne Sprache erzählt von einer willensstarken Protagonistin, die im Laufe des Textes die Welt aber auch sich selbst erkundet. Mitunter krass emotional mit existenziellen Fragen und Gedanken, die noch lange im Gedächtnis bleiben!
Eine große Empfehlung für alle, die ein eher in sich gekehrtes, ruhiges, und sprachlich ansprechendes Buch suchen <3
Buchhändler*in 1125225
Dieses Buch hat mich auf so viele Arten bewegt und auch Tage später noch nicht losgelassen. Es ist wunderschön, traurig, tragisch und erzählt eine Geschichte in der die Hoffnung nie aufgegeben wird.
Dieses Buch wird mir lange im Gedächtnis bleiben.Ich muss gestehen,dass ich vorher noch nie etwas von der Autorin gehört habe.Umso mehr freut es mich, sie jetzt literarisch kennen zu lernen.Da sie vor ihrem Tod viel geschrieben hat,wird vielleicht noch mehr von ihr ins Deutsche übersetzt.
Vom Ton her möchte ich dieses Buch zu meinen Herzensbüchern "Die Wand" und "Die Entbehrlichen" stellen.
In diesem Buch geht es um Gemeinschaft,um Resilienz,um Hoffnung,ums Überleben,den Tod und darum,dass es nicht immer Antworten auf Fragen gibt.Am Ende des Buches sind einige Fragen geklärt,aber viele andere nicht
Obwohl nicht viel passiert,es ein eher ruhiges Buch ist,fand ich es sehr spannend.Ich hatte immer Sorge,dass der Erzählerin der Geschichte noch irgendwas Schlimmes zustösst, in ihrem Drang neue Dinge zu entdecken.
Ich werde das Buch sehr gerne empfehlen.
Das Buch hat mich begeistert. Ein Leben so voller Ungewissheit, Langeweile und unermüdlichem Weitermachen, Hoffnung. Die Sinnlosigkeit und fehlenden Antworten können einen sogar als Leser verrückt machen, während die Neugier der Erzählerin mich erfreuten. Ich habe mich gefragt, ob die Autorin beim Schreiben eine Antwort auf all die Fragen und Erklärung für diese Welt hatte oder selber aus dieser Position der Unverstehenden geschrieben hat?
An einige Stellen erkennt man, dass das Buch schon etwas älter ist, zb das die meisten Frauen Hausfrauen und wenig gebildet waren, mich würde auch interessieren, wie das Buch heutzutage geschrieben worden wäre.
Mir gefiel auch, dass es sich trotz des eigentlich gruseligen Settings nicht wie ein Thriller las. Alles war so ereignisarm und langsam, dass ich bei Lesen nicht unter Spannung stand.
Maria H, Rezensent*in
Dies Buch ist heftig. Die Geschichte handelt von vierzig Frauen, die in einem unterirdischen Käfig untergebracht sind und ständig bewacht werden. Sie haben keine Privatsphäre und der Schlaf-Wachrhythmus wird durch eine Lampe gesteuert. Eines Tages heulen die Sirenen und die Wärter sind verschwunden. Die Käfigtür ist unverschlossen und so können die Frauen ins Freie gehen. Unter ihnen ist ein junges Mädchen, das nur das Leben im Käfig kennt. Die Frauen versorgen sich mit Lebensmitteln aus der Vorratskammer der Wächter und machen sich auf den Weg in eine unbekannte Zukunft. Sie versuchen andere Menschen und Dörfer zu finden. Es ist nüchtern und gut beschrieben, wie die Frauen ihr Leben organisieren. Auch das Erkennen, als sie viele solcher Käfige mit den darin verstorbenen Personen finden, dass es wohl keine Überlebenden gibt, ist grausam. Das Buch ist heftig und auch spannend. Auf jeden Fall, viel Stoff zum Nachdenken.
I Who Have Never Known Men by Jacqueline Harpman tells the story of an unnamed woman whose life begins, as far as she can remember, in captivity. As a young girl, she is imprisoned underground with thirty-nine adult women, guarded by silent men. None of the women know why they are there or what events led to their imprisonment. The older women remember fragments of their former “normal” lives—families, relationships, a world above ground—but the protagonist does not, having been confined since early childhood. In the sterile, artificial environment of the bunker, they lose all sense of time. They are forbidden to touch one another, forbidden any intimacy or comfort. One day, an alarm suddenly sounds, the guards disappear, and the gate stands open. The women seize their chance to escape. What follows is not merely a physical journey into an unknown landscape, but a profound search for identity, meaning, and the essence of humanity itself.
This novel truly surprised me in the most positive way—and I did not expect that. It raises countless questions, most pressingly why the women were imprisoned in the first place, yet it offers very few clear answers. Normally, that lack of explanation would frustrate me. Here, however, it works brilliantly. The absence of resolution mirrors the protagonist’s own incomplete understanding of her world. The mystery is not a narrative flaw; it is the point. The silence surrounding their fate becomes part of the existential weight the novel carries.
Harpman’s prose is precise and restrained, yet the emotional impact is immense. The story derives its power less from dramatic events and more from the inner life of its narrator. Experiencing the world through her perspective—someone who has never known society, love, or friendship—creates an unsettling but deeply moving intimacy. Her observations are rational, almost clinical at times, yet beneath them lies a quiet longing for connection and comprehension. This longing crystallizes in one of the novel’s most haunting lines:
“Perhaps, somewhere, humanity is flourishing under the stars, unaware that a daughter of its blood is ending her days in silence.”
In this sentence, the vastness of the world and the smallness of the individual collide. It captures both the unbearable isolation of the protagonist and the painful possibility that life continues elsewhere, indifferent to her existence. Through her voice, the novel confronts the reader with fundamental questions about identity, isolation, control, freedom, and the importance of thought itself. What defines a person when memory, history, and social structures are stripped away? What remains of humanity in total isolation?
One idea that has stayed with me in particular is the novel’s stark reflection on mortality and death. At one point, the narrator states,
“Survival is never more than putting off the moment of death.”
This line encapsulates the book’s unflinching honesty. Death is not portrayed as an unexpected tragedy but as an inevitability that life merely postpones. In this way, survival loses its heroic glamour and becomes something quieter, almost mechanical. And yet, within that bleakness lies a subtle affirmation: if survival is only a delay, then meaning must be found not in permanence but in the act of living and thinking itself.
I Who Have Never Known Men is a novel that lingers long after the final page. It unsettles, provokes, and refuses easy comfort. Rather than offering answers, it leaves the reader alone with profound and often uncomfortable questions. For me, that is precisely what makes it extraordinary.
Thank you to NetGalley and the publisher for the advanced review copy (German ebook). This review reflects my honest opinions.
Rezensent*in 780093
Die vierzigste Gefangene kannte die Männer nicht
Sie waren eingesperrt, ohne zu wissen, warum. 39 Frauen, die sich nicht oder nur sehr vage an das Davor erinnern können. Und da ist „die Kleine“, die vierzigste Gefangene, die von klein auf hier war, die für sie alle als so etwas wie ein Zeitmesser fungiert. Jede hat ihren eigenen Käfig, den Tagesrhythmus bestimmen die Wärter, unter deren permanenter Aufsicht sie sind. Sie kommen immer zu dritt außer bei der Ablöse, da sind sie zu sechst - sie sprechen nie. Nicht mit ihnen und nicht miteinander. Eines Tages ertönt ein Alarm, die Wachen verschwinden, in der Tür steckt der Schlüssel. Die Frauen sind frei – aber sind sie das wirklich?
Aus Sicht der Kleinen schrieb die Psychoanalytikerin und Schriftstellerin Jacqueline Harpman diesen erstmals 1995 erschienenen Roman. Sie nimmt ihre Leser mit eine dystopische Welt, geprägt von allumfassender Überwachung, einhergehend mit dem Verlust von Freiheit und jeglicher Individualität.
Auch wenn gefühlt nicht viel passiert, passiert doch eine ganze Menge. Nun, da sie draußen sind, sind sie auf sich gestellt. Ihr ganzes Leben hatten sie sich danach gesehnt und jetzt scheinen sie überfordert zu sein mit dem Überleben, mit dem Weiterleben, das sie von nun an selbst in der Hand haben. Die einzelnen Persönlichkeiten kristallisieren sich heraus, es geht um das Miteinander, um das Frau-sein in all seinen Facetten, um das Alter, um Krankheit und den Tod, der unweigerlich zum Leben gehört. Von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit lese ich, die Atmosphäre ist eher beklemmend. Es ist eine sonderbare Welt, in der sie lebten und auch jetzt leben, nachdem sie den unterirdischen Bunker verlassen konnten.
Trotz der düsteren Grundstimmung hat dieser Roman eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Die Ich-Erzählerin kennt nichts außer Gefangenschaft, in der es galt, Regeln einzuhalten, in der keine Fragen gestellt werden durften, in der Berührungen verboten waren. Kann man sich davon befreien? Eine spannende Frage, ein fesselnder Roman, der sehr nachdenklich stimmt.
Lehrende*r 1190115
Die düstere Atmosphäre im Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Es geht um vierzig Frauen, die unter der Erde gefangen gehalten und von Wärtern werden. Eines Tages verschwinden die Wärter und die Frauen müssen sich inmitten einer öden Landschaft ein neues Leben aufbauen. Erzählt wird alles aus der Sicht der Jüngsten der Gruppe, die schon als kleines Kind im Gefängnis aufgewachsen ist und keine Erinnerung an ihr vorheriges Leben hat.
Besonders gefallen hat mir die Sogwirkung des Romans. Da viel im Unklaren bleibt, wollte ich immer weiterlesen, um zu erfahren, was es mit der Situation der Frauen auf sich hat. Die Übersetzung von Luca Homburg ist dabei sehr gelungen und transportiert die kühle, präzise Sprache.
Ein bisschen hat mich der Roman an „Die Wand“ von Marlen Haushofer erinnert, da auch hier Isolation, weibliche Perspektiven und ein Leben jenseits der bekannten Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Allerdings ist bei Haushofer aus meiner Sicht die feministische Dimension noch stärker ausgeprägt. Das Ende des Romans hat mich zwiespältig zurückgelassen. Insgesamt ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ damit eine sehr düstere und durchaus deprimierende Dystopie, die weniger Antworten liefert als Fragen stellt.
Johanna L, Buchhändler*in
Eine anspruchsvolle Lektüre, die lange nachhallt, ähnlich wie "Der Report der Magd" oder "Die Straße". Das Buch hat mich von Anfang an sehr eingenommen und ich habe danach noch lange über diese Dystopie nachdenken müssen. Es ist eine anspruchsvolle Lektüre, brutal und hart, aber gleichzeitig zärtlich und philosophisch.
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist eines dieser Bücher, das man nicht einfach liest und wieder weglegt. Es ist sehr leise, fast still, und entfaltet gerade dadurch am Ende eine enorme Wucht.
Der Vergleich mit Der Report der Magd hatte mich neugierig gestimmt, auch wenn ich am Ende sagen muss: Es gibt Parallelen, aber nicht viele. Aber die Grundstimmung in diesen Werken ist eine ähnliche.
Die Ausgangssituation ist beklemmend: Neununddreißig Frauen leben unter der Erde in einem Käfig, bewacht von schweigsamen Männern. Zeit existiert nicht mehr. Ihre Vergangenheit ist bruchstückhaft oder ganz ausgelöscht. Die vierzigste Gefangene, ein junges Mädchen, kennt nichts anderes als dieses Gefängnis. Als sich die Tür eines Tages öffnet, beginnt eine Reise und ganz neue Erfahrung für die Frauen, besonders aber auch für das Mädchen.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Ton des Romans. Er ist sachlich, fast nüchtern, und genau deshalb so verstörend. Stattdessen beobachtet die Erzählerin die Welt mit einer beinahe wissenschaftlichen Klarheit. Gefühle werden nicht ausgestellt, sondern eher seziert. Das erzeugt eine Distanz, die gleichzeitig sehr intensiv wirkt. Es passt aber eben sehr gut zu ihrer Realität: Als Mädchen, das nie körperliche Nähe kennengelernt hat, ist sie zu allem generell sehr distanziert. Ihre Gedanken und Meinungen sind deshalb fast schmerzhaft, weil sie eben nie echte Menschliche Beziehungen kennengelernt hat, keine richtige Freundschaft, Liebe, Familie. Sondern nur zwanghafte Beziehungen in Form dieser Gefangenschaft. Dennoch soll sie eben Teil einer Gemeinschaft sein, was sie auf ihre Weise schafft.
Dieses Buch ist kein Plot-getriebener Roman. Wer Spannung im klassischen Sinn sucht, wird hier nicht fündig. Stattdessen geht es um grundlegende Fragen wie: Wie bilden wir unsere eigene Identität, welche Rolle spielen andere Menschen dabei in unserem Leben. Wie bilden sich Beziehungen und Gesellschaften, wie entsteht Moral? Warum entschieden wir, wie wir entscheiden? Und wie agieren Frauen in einer Welt ohne Männer? Welche Sorgen bleiben, welche gehen? Und was ist der Sinn des Lebens, wenn so viel nicht mehr ist.
Gerade die Perspektive der Erzählerin hat mich nachhaltig beschäftigt. Sie kennt Männer nicht. Sie kennt keine romantische Liebe, keine gewachsenen Geschlechterbilder, keine sozialen Rollen. Dadurch entsteht eine fast philosophische Betrachtung des Menschseins. Vieles, was wir als selbstverständlich betrachten, erscheint hier plötzlich absurd. Männer sind physisch kaum präsent und dennoch schwebt ihre frühere Macht als Konzept im Raum. Die eigentliche Kraft liegt jedoch in der Frage, wie Frauen miteinander leben, streiten, altern und sterben, wenn sie auf sich selbst zurückgeworfen sind.
Für mich ist Ich, die ich Männer nicht kannte ein moderner Klassiker, der weniger durch gedankliche Tiefe überzeugt. Ein nachhaltiges Leseerlebnis.
Was habe ich da bitte gelesen? „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist für mich ganz klar ein Jahreshighlight und ein Buch, das sich sowohl in seiner Erzählweise als auch in seinem Inhalt radikal von vielem abhebt, was ich sonst lese. Schon der Titel hat meine Neugier geweckt. Das Cover wirkt eher nichtssagend, fast unscheinbar. Und dann der Inhalt: Wow! Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Jacqueline Harpman erschafft eine dystopische Welt, die rätselhaft bleibt und gerade dadurch eine ungeheure Sogwirkung entfaltet. Ich habe das Buch mit angehaltenem Atem gelesen, bin den Gedanken der namenlosen Protagonistin durch eine verstörende Welt gefolgt und habe einer Erklärung bzw. einer Auflösung, regelrecht entgegengefiebert.
Im Zentrum steht eine Erzählerin, die als junges Mädchen unter seltsamen Umständen eingesperrt lebt und sich (nach einem einschneidenden Ereignis) in einer fremden, verlassenen Welt zurechtfinden muss. Sie kennt keine Männer, kennt keine gesellschaftlichen Strukturen, keine Geschichte. Und genau aus dieser Leerstelle heraus beobachtet und reflektiert sie alles mit einer beeindruckenden Klarheit. Aus dem wissbegierigen, klugen Mädchen wird eine strebsame, analytische Frau, die sich ihr Leben Schritt für Schritt erschließt. Ihre Entwicklung war sehr sehr inspirierend. Sie stellt Fragen, wo andere resignieren würden. und denkt weiter, wo andere sich mit dem Gegebenen abfinden. Die Atmosphäre des Romans ist beklemmend und oft von einer stillen Einsamkeit durchzogen. Das Buch lebt von Gedanken, von innerer Entwicklung und von existenziellen Fragen: Was bedeutet Freiheit? Was macht Identität aus? Wie entsteht Wissen? Und was bleibt vom Menschsein, wenn alle gewohnten Strukturen wegfallen?
Das Ende ist eher unbefriedigend, denn viele Fragen bleiben offen. Er liefert keine einfachen Antworten, sondern fordert dazu auf, weiterzudenken. Und vielleicht liegt gerade darin seine Stärke. Trotz der düsteren Grundstimmung ist das Buch auf seltsame Weise mutmachend. Es zeigt, wie viel Kraft im Denken, im Lernen und im selbstbestimmten Handeln liegt. Dieses Buch ist nicht neu und verdient doch heute mehr Aufmerksamkeit denn je. Es macht auf leise, aber eindringliche Weise klar, worauf es wirklich ankommt. Mich hat es nachhaltig beeindruckt und meine Sicht auf die Welt ein Stück weit verändert. Ein außergewöhnlicher dystopischer Roman, der noch lange nachhallt.
Natalie W, Rezensent*in
Der Roman erzählt von einer jungen Frau, die gemeinsam mit anderen Frauen unter völlig unklaren Umständen gefangen gehalten wird – ohne zu wissen, warum oder von wem. Als sich ihre Situation verändert, beginnt für sie eine neue, fremde Realität, in der sie die Welt und sich selbst erst verstehen muss.
Die Geschichte ist durchgehend düster, trostlos und sehr reduziert erzählt. Es geht weniger um äußere Ereignisse als um existenzielle Fragen: Was macht einen Menschen aus? Wie entsteht Identität, wenn man kaum Prägung erfahren hat? Was bedeuten Freiheit, Gemeinschaft und Einsamkeit?
Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken gebracht. Gleichzeitig fiel es mir stellenweise schwer weiterzulesen, weil die Atmosphäre schwer ist und das Tempo ruhig bleibt. Trotzdem: ein intensives, ungewöhnliches Buch, das definitiv im Kopf bleibt.
Rezensent*in 1807869
Dieses Buch sollte man definitiv lesen, wenn man psychisch stabil ist.
Die Autorin greift wirklich sehr tiefgehende Themen auf, die noch lange im Kopf bleiben werden.
Diese Themen sind z.B. Isolation, Identität und Freiheit. Jacqueline Harpmann schafft eine beklemmende Atmosphäre und bearbeitet existentielle Fragen.
Die Hauptprotagonistin ist namenlos und nimmt eine "Erzählerrolle" ein. Sie ist die vierzigste Frau und die einzige, die gar nicht wirklich weiß was Leben eigentlich bedeutet.
Dadurch wird hier sprachlich auf große Gefühle verzichtet und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb haut es den Leser einfach um.
Ein Buch, das erschüttert und zum nachdenken anregt.
Dieses Buch ist hoffnungslos, depressiv und interessant. Es erinnert mich an Kafka. Nicht nur, weil die Handlung furchtbar grausam für die Charaktere ist, sondern auch weil wie bei Kafka viele Fragen unbeantwortet bleiben. Es ist auf jeden Fall ein fauler Schreibstil.
Was mir besonders an dem Buch gefallen hat, sind die großen Fragen des Lebens, die sich jeder schon mal gestellt hat und man kommt dann auch wie die Protagonistin ins Grübeln.
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist ein Buch, das sich nicht so einfach in eine Schublade stecken lässt. Es ist eine Dystopie, ja, aber eine so stille, gnadenlose und existenzielle, dass Vergleiche mit „Der Report der Magd“ zwar naheliegen, dem Kern des Buches aber kaum gerecht werden. Die Geschichte beginnt in einem unterirdischen Käfig, in dem 39 Frauen und ein junges Mädchen, die namenlose Erzählerin, gefangen gehalten werden. Bewacht von schweigenden Männern, ohne Zeitgefühl und ohne Hoffnung auf Antworten. Als ihnen nach Jahren die Flucht in eine trostlose, menschenleere Oberwelt gelingt, beginnt keine Heldenreise, sondern ein tiefgreifendes Nachdenken darüber, was es eigentlich bedeutet, ein Mensch zu sein.
Was mich an diesem Roman zutiefst beeindruckt hat, ist die radikale Perspektive der Erzählerin. Da sie als Einzige keine Erinnerung an die Welt „davor“ hat, blickt sie mit einem fast klinischen, völlig unvoreingenommenen Auge auf die Konzepte von Liebe, Scham, Weiblichkeit und Gemeinschaft. Während die älteren Frauen unter dem Verlust ihrer Vergangenheit leiden, ist die Erzählerin eine Tabula Rasa. Harpman schreibt so präzise und bar jeder Sentimentalität, dass die Einsamkeit der Frauen und die Weite der kargen Landschaft förmlich spürbar werden. Es ist ein Buch über das Überleben in seiner pursten Form – ohne Zivilisation, ohne Geschichte und ohne Männer.
Allerdings ist dieses Buch keine leichte Kost und wird sicherlich die Geister scheiden. Wer eine klassische Spannungskurve oder eine logische Auflösung der Rätsel erwartet (Wer hat sie eingesperrt? Was ist mit der Welt passiert?), wird enttäuscht werden. Harpman verweigert jede einfache Antwort und lässt den Leser stattdessen in einer quälenden Ungewissheit zurück, die das Gefühl der Isolation der Protagonistin perfekt spiegelt. Die Langsamkeit der Erzählung und die repetitive Natur ihres Daseins sind Teil der künstlerischen Botschaft, können aber zwischendurch auch für Längen sorgen, die Durchhaltevermögen erfordern.
Insgesamt ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ ein verstörendes Meisterwerk der feministischen Literatur.. Es ist ein philosophisches Experiment, das die Grundfesten unserer Identität hinterfragt: Sind wir noch Menschen, wenn niemand Zeuge unseres Lebens ist? Ein Buch für alle, die Dystopien suchen, die nicht durch Action, sondern durch ihre psychologische Tiefe und existenzielle Wucht bestechen.
★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
4.5 Sterne.
Das Buch reiht sich ein - hinter Alles, was wir geben mussten und Station Eleven als stille Bücher, die mich tief berühren. Ich konnte nicht aufhören zu lesen (was vielleicht auch daran lag, dass es im Grunde nur 3 Kapitel gab und mein Hirn es nicht geschafft hat, selbst Aufhörpunkte zu suchen). Hätte ich nicht arbeiten müssen, hätte ich es vielleicht sogar an einem Stück durchgelesen. Jetzt kann ich nur noch gegen eine Wand starren. Ich finde gar keine Worte für dieses Ende.
Besonders ergreifend ist das Thema des Hoffnungsfunken in der Hoffnungslosigkeit. Das Aufrechtstein in der Verzweiflung und die Neugier als Antrieb. Das Buch hat nur 200 Seiten und ich wünschte wirklich aus tiefstem Herzen, dass es mehr Antworten auf die Fragen gäbe, die das Buch stellt. Aber ich denke, auch das gehört zur Kunst dieses Werks.
Absolute Gänsehaut. Ich glaube, das Buch bleibt noch lange bei mir. Ich bin immer noch nicht sicher, welche Sternebewertung ich geben soll. Einige Dinge (insbesondere die Bedeutung der Weiblichkeit und damit Zusammenhängendes) werden sehr konservativ betrachtet, was an der Zeit liegt, zu der dieses Buch geschrieben wurde. Letztendlich fühlen sich 4.5 Sterne wohl am besten an, denn Boy oh Boy habe ich hier viel GEFÜHLT.
Tausend Dank an NetGalley für mein allererstes Rezensionsexemplar 🥰
Der dystoptische Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ der Autorin Jacqueline Harpman, handelt von 39 Frauen und einem Kind, welche unter der Erde in einem Keller gefangen gehalten werden. Nach einem schlimmen Ereignis, an das sich keine der Frauen mehr genau erinnern kann, wachen sie alle in einem Käfig auf. Die namenlose Erzählerin, welche das einzige Kind ist, kann sich im Gegensatz zu den anderen nicht an das alte Leben erinnern. Bewacht wird die Gruppe von männlichen Wärtern, die nicht mit ihnen reden. Die einzige Kontaktaufnahme sind die Peitschen, mit denen sie darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden. Keine Berührungen, Schlafen wenn das Licht ausgeht, kein Suizid.
Nach einem Alarm, bei dem die Wärter plötzlich die Flucht ergreifen, gelingt es den Frauen, ihr Gefängnis zu verlassen und zu flüchten. Als sie das Tageslicht erblicken, finden sie nicht die gleiche Welt vor, an die sie sich erinnern. Es gibt keine Zivilisation, keine richtigen Jahreszeiten, kein Zeichen von anderen Lebewesen. Nun müssen die Frauen sich ein neues Leben aufbauen, mitten im Nirgendwo.
Der Schreibstil ist einfach aber trotzdem sehr ergreifend. Es wird in der Ich-Perspektive erzählt.
Mich hat der Roman und damit das Schicksal dieser Frauen sehr getroffen.
Das dystopische Setting ist erdrückend und schockierend, aber trotzdem fühlt man total diese Neugier und Zuversicht der Erzählerin. Es ist für mich ein einzigartiges und geniales Buch, was mich aber trotzdem total unzufrieden zurückgelassen hat. Man weiß am Ende, wie die Erzählerin selbst, nicht viel mehr als vorher.
Um ehrlich zu sein ist es gar nicht so leicht, dieses Buch zu beschreiben, zusammenzufassen oder zu bewerten. Vor allem weil es so anders ist als die meisten anderen und weil man beim Lesen so viele verschiedene Gedanken oder Gefühlszustände durchmacht, wie man es selten hat.
Die Geschichte folgt dem Leben eines Mädchens, das mit 39 anderen Frauen in einem Käfig groß wird, in dem jeder Tag dem letzten gleicht und sogar Berührungen verboten sind. Doch sie unterscheidet sich von den anderen und genau deshalb, oder auch durch Zufall verändert das das Leben aller.
Mich hat dieses Buch beim Lesen wirklich unglaublich gefesselt. Ich hatte von Anfang an so viele Fragen und ich musste unbedingt eine Antwort bekommen, deshalb konnte ich das Buch einfach nicht weglegen.
Auch wenn mein Kopf immer noch so voll mit sehr vielen Fragen ist, kann ich das Buch weiterempfehlen, da es mich Tage später immer noch zum Nachdenken gebracht hat und das ist meiner Meinung nach meist ein gutes Zeichen.
Ionela K, Rezensent*in
„Es war das erste Mal, dass ich ihnen aufmerksam zuhörte, und ich war erstaunt, wie viel sie redeten, wie oft sie dasselbe mit anderen Worten wiederholten, nur um zu überspielen, dass sie einander schon lange nichts mehr zu sagen hatten. Aber ein Mensch muss sprechen, sonst hört er auf, ein Mensch zu sein - das ist mir in den Letzten Jahren klargeworden.“
Ich, die ich Männer nicht kannte ist ein fesselnder Roman, der die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die in einem Keller lebt, ohne Erinnerungen an das Leben außerhalb. Der Roman wird aus der Perspektive der „Kleinen“ erzählt, wie sie liebevoll von den anderen 39 Frauen genannt wird. Diese Erzählweise macht die Geschichte besonders intim und lässt den Leser tief in die Gedanken und Gefühle der Protagonistin eintauchen.
Was mich an diesem Buch besonders beeindruckt hat, ist die unerschütterliche Kraft der Frauen, die jahrelang im Keller lebten und trotzdem nicht aufgaben. Sie wussten, dass sie höchstwahrscheinlich in diesem Keller sterben würden, aber sie kämpften weiter. Besonders faszinierend ist die Entwicklung der Kleinen. Als sie in den Keller kam, war sie noch sehr jung und hatte keinerlei Erinnerungen an das Leben außerhalb. Im Laufe der Geschichte wird sie älter und beginnt, sich selbst und die Welt um sie herum zu hinterfragen.
Ein zentrales Thema des Buches ist die Frage nach Wissen und Entdeckung. Auch in der Gefangenschaft strebt die Kleine nach mehr – nach Antworten, nach der Welt jenseits des Kellers. Ihre Neugier treibt sie an, selbst als sie später mit den anderen Frauen aus dem Keller entkommt und sie auf der Suche nach einem neuen Leben sind. Ihr Durst nach Wissen und das Bedürfnis, mehr zu erfahren, lassen sie auch dann nicht los, als sie sich zurückhält, um den älteren Frauen keine Sorgen zu bereiten.
Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie die Frauen der Kleinen alles beibringen, was sie wissen. Sie lehren sie nicht nur Überlebensstrategien, sondern auch, wie man sich in einer Welt voller Unsicherheit behauptet. Die Kleine lernt von ihnen nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern auch die Werte von Mut, Hoffnung und Widerstandsfähigkeit.
Der Roman zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie der Mensch in den widrigsten Umständen überlebt und wie das Streben nach Wissen und Entdeckung selbst in der größten Not nicht erlischt. Ich, die ich Männer nicht kannte ist eine kraftvolle Geschichte über Überlebenswillen, die Suche nach Identität und das Streben nach einem besseren Leben. Dieses Buch hat mich tief berührt und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Vielen Dank für das eBook.
Rezensent*in 513931
Neununddreißig Frauen werden in einem unterirdischen Gefängnis festgehalten, ohne zu wissen, warum oder wie sie dorthin gelangt sind. Bewacht von schweigsamen Männern in Uniform, verlieren sie jedes Zeitgefühl und fast jede Erinnerung an ihr früheres Leben. Eines Tages verschwinden die Wächter, und die Tür steht offen. Gemeinsam wagen die Frauen den Schritt nach draußen – doch statt Freiheit erwartet sie eine fremde, verlassene Welt, in der sie lernen müssen, neu zu leben und miteinander zurechtzukommen.
Dieses Buch war für mich extrem bedrückend, aber gleichzeitig tief berührend. Die Atmosphäre ist von Anfang an düster und beklemmend, und gerade die Perspektive der jungen Erzählerin macht vieles noch eindringlicher. Harpman schreibt nüchtern und ruhig, wodurch das Grauen umso stärker wirkt.
Was besonders nachhallt, ist nicht nur das Schicksal der Frauen, sondern die Frage, was Menschsein eigentlich bedeutet, wenn alle bekannten Strukturen wegfallen. Das Buch bleibt sehr im Kopf, und man denkt auch nach dem Lesen noch lange darüber nach – über Freiheit, Gemeinschaft und darüber, wie zerbrechlich unsere gewohnte Welt ist.
Kein leichtes Buch, aber ein sehr starkes und eindrucksvolles.
Aylin M, Rezensent*in
Das Buch erzählt die Geschichte aus Sicht eines jungen Mädchens ohne Namen, die gemeinsam mit 39 anderen Frauen in einem unterirdischen Bunker gefangen gehalten wird. Bewacht von schweigenden, bewaffneten Männern kennen die Frauen weder den Grund ihrer Gefangenschaft noch die Welt außerhalb ihrer Zelle. Die Erzählerin ist die jüngste und das einzige Kind unter ihnen und die Einzige, die nie ein Leben in Freiheit kannte.
Als ich angefangen habe zu lesen, hatte ich keine Ahnung, wo die Geschichte endet wird.
Dieses Buch regt unglaublich zum Nachdenken an z.B. über den Lebenswillen und Lebenssinn, über die Frage, ob Nahe zu anderen Menschen und Liebe lebensnotwendig sind, Einsamkeit, sowie aktive Sterbehilfe bei Leid und Krankheit.
Obwohl die Sichtweise der Hauptprotagonistin vergleichsweise neutral und kühl schien, hat mich das Buch zu Tränen gerührt.
Spoiler:
Das Buch hat ein offenes Ende. Vieles bleibt unbeantwortet.
Doch ich glaube, genau darin liegt der Sinn, da es nicht für alles eine Erklärung gibt und gerade in Extremsituationen ein Happy End nicht selbstverständlich ist.
Vielleicht ist es genau diese Ungewissheit, die das Buch so anders und besonders macht.
Buchhändler*in 1668530
Über das Buch „Ich, die ich Männer nicht kannte“ habe ich im englischsprachigen Raum schon sehr viele Meinungen gelesen und war schon gespannt, wie mir die Geschichte gefallen wird. Ich war von Seite eins an gefesselt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe die ganze Zeit darüber nachdenken müssen, was wohl passiert war und warum die Frauen dort in einem Keller eingesperrt wurden. Aus dem Grund war ich am Ende auch leider enttäuscht, dass man als Leser*in überhaupt gar keine Erklärung für irgendwas bekommt. Es stellen sich einem immer mehr Fragen, die bis zum Schluss alle offen blieben, Den philosophischen Hintergrund rund um die Gruppe der Frauen und vor allem der Hauptfigur fand ich dennoch sehr interessant, insbesondere was es überhaupt bedeutet, ein Mensch zu sein. Dieses Buch würde ich trotzdem empfehlen, jedoch nur mit dem Hinweis, dass es ein offenes Ende hat.
Die Überlebenden
In einem unterirdischen Käfig werden 39 Frauen und ein junges Mädchen seit vielen Jahren gefangen gehalten. Irgendwann ist etwas passiert, was ihr normales Leben beendet hat, aber keiner weiß was. Die Frauen haben noch vage Erinnerungen an die Zeit vor der Gefangenschaft, das Mädchen nicht. Es wurde als Kleinkind mit den Frauen eingesperrt und ist jetzt 12-15 Jahre alt. Es kennt nicht einmal seinen Namen. Die Wärter arbeiten in zwei Schichten und bringen ihnen geringe Mengen von Nahrungsmitteln. Gesprochen wird kein Wort. Die Frauen wissen nicht, warum man sie gefangen hält und haben jede Hoffnung auf eine normale Zukunft verloren. Immer brennt das Licht, und sie haben keine Möglichkeit, Tag und Nacht zu unterscheiden. Es fehlt jegliche zeitliche Orientierung. Eines Tages ertönt ein Signal kaum dass die Wärter die Käfigtür geöffnet haben. Als erste verlässt das Mädchen das Gefängnis, später alle anderen. Draußen sehen sie eine karge Wildnis, in der sie nichts wiedererkennen. Das Mädchen ist von allen die Mutigste und erkundet als erste den Bunker und die Umgebung. Später werden sich alle auf immer ausgedehntere Wanderungen machen in der Hoffnung, auf Menschen und Siedlungen zu stoßen. Sie finden im Laufe der Jahre an die Hundert Bunker, aber keine lebenden Menschen. Die Gruppe wird immer kleiner, weil eine Frau nach der anderen stirbt oder so krank und schwach wird, dass das Mädchen Sterbehilfe leistet. Irgendwann ist sie die letzte Überlebende.
Ich habe diese packende Geschichte mit Zügen eines Science Fiction Romans mit großem Interesse gelesen. Mir gefällt die Art, wie die Autorin sie erzählt und welche Themen dabei behandelt werden. Die Frauen lernen mitmenschliches Verhalten und stehen einander bei. Sie fragen sich, welchen Sinn menschliches Leben und speziell ihr Überleben hat. Ihre Fragen werden nicht beantwortet, und niemand weiß, ob das Geschehen überhaupt auf dem Planet Erde anzusiedeln ist. Ein sehr empfehlenswerter Roman, der 31 Jahre nach der Erstveröffentlichung zu recht große Beachtung findet.
Phantastisches, dystopisches buch bei dem viele Fragen offen bleiben (in a good way!). Man muss sich daruf einlassen und man darf nicht mit ein em happy end rechnen. ich fand es super!
Nadine D, Buchhändler*in
Ein Gedankenexperiment, dass mich sehr beschäftigt hat. Natrülich treibt einen auch um,iwie man selbst gehandelt hätte, versucht selbst Fragen zu stellen.und doch geht es einem wie der Protagonistin, dass stets aus einer Frage neue resultieren. Ein besonderer Lesegenuss für alle Alter, für Frauen und Männer.
Buchhändler*in 1008330
Eins meiner absoluten Lieblingsbücher kommt endlich auf Deutsch raus! Eine Geschichte von was es heißt zu leben, super toll geschrieben und man wird noch lange darüber nachdenken!
Ein Buch voller offener Fragen
In einem Keller werden 39 Frauen und eine Jugendliche gefangen gehalten. Warum weiß man nicht. Die namenslose Erzählerin ist schon als Kleinkind in den Keller gekommen, sie kennt das normale Leben nicht und vermisst es deshalb auch nicht. Das unterscheidet sie von den anderen Frauen.
Eines Tages kommen die Frauen überraschenderweise frei und stehen jetzt der Aufgabe gegenüber sich selbst versorgen zu müssen.
Die Erzählerin ist eine interessante Persönlichkeit. Sie hat zwar nie eine Bildung durch Schule oder Eltern genossen, aber ihre angeborene Intelligenz und Neugier, lassen sie Dinge hinterfragen. Besonders Eine der Frauen versucht ihren Wissensdurst zu befriedigen und ihr ein bisschen Bildung zu vermitteln.
Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd, obwohl eigentlich nicht viel passiert. Ich wollte immer weiter lesen, um die vielen Fragen beantwortet zu bekommen, die sich beim Lesen ergeben. Aber da ist man schon beim Problem, das dieses Buch mit sich bringt. Man bekommt kaum Antworten.
Im Klappentext wird von einem feministischen Buch gesprochen, doch diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Feministisch empfinde ich an dieser Geschichte nichts.
Fazit:
Ein sehr interessantes Buch, aber düster und beklemmend, das einen mit vielen unbeantwortet Fragen zurück lässt.
Buchhändler*in 1558578
Wow, für mich jetzt schon ein absolutes Highlight des Jahres. Ich bin so froh dass dieses Buch nun endlich ins Deutsche kommt! Unfassbar gute Dystopie die mich noch lange beschäftigen wird!
39 Frauen und ein Mädchen sind in einem unterirdischen Verlies eingesperrt – ein Käfig ohne Tageslicht, ohne Beschäftigung, ohne Berührung. Der Alltag besteht aus Nahrungszubereitung und Gesprächen, die oft ins Leere laufen, weil es nichts zu erzählen gibt. Bewacht werden sie von sechs Wärtern, deren Peitschenhiebe jede Übertretung der unzähligen Regeln bestrafen.
Die Frauen erinnern sich nur bruchstückhaft an ihr Leben vor der Gefangenschaft, wissen weder, wie noch warum sie hier gelandet sind. Dennoch kreisen ihre Gedanken unablässig um die „alte Welt“, um Erklärungen, um Sinn.
Das namenlose Kind, „die Kleine“, beobachtet und hört zu. Sie bleibt Außenseiterin, denn die Welt, von der die Erwachsenen sprechen, hat sie nie gekannt. Sie kann nur erahnen, was gemeint ist, wenn von den Selbstverständlichkeiten des Lebens die Rede ist. Eines Tages ertönt ein Alarm, die Wächter fliehen – und die Gefangenen können gehen. Mehr sei nicht verraten.
Harpman entwirft eine düstere, existenzielle Dystopie, deren Abgründe so eindringlich beschrieben sind, dass sie tief verstört. Erzählt wird die Geschichte von der Kleinen in einem einzigen, langen Kapitel – eine formale Entscheidung, die die Monotonie und Geschlossenheit dieser Welt eindrucksvoll spiegelt.
Kein Buch für schwache Nerven, aber eines, das lange nachhallt – auf beklemmende Weise großartig.
Jacqueline Harpmans noch junge namenlose Icherzählerin ist die Jüngste von 40 Frauen, die in einem Kellerverlies gefangen gehalten werden. Die anderen Frauen können noch von einem Leben vor der Gefangenschaft erzählen. Das Mädchen hat an seine Kindheit keine Erinnerungen und auch Erzählungen über die Anfangszeit der Haft werden weniger, weil einseitige Ernährung, mangelnde Bewegung und fehlender Körperkontakt die Frauen in Gleichgültigkeit erstarren lässt. Die ältere Thea fühlt sich zwar verpflichtet, sich um das Mädchen zu kümmern, aber sie kann oder will der Erzählerin nicht berichten, was sie für ein Kind war, als sie zu der Frauengruppe kam.
Als eines Tages ein Alarmton zu hören ist und die Wachen verschwinden, die mit der Androhung von Peitschenhieben erfolgreich geherrscht hatten, gelangen die Frauen durch offene Türen an die Oberfläche. Völlig unvorbereitet, eine fremde Umgebung zu erkunden und zugleich dauerhaft die für ihr Überleben nötigen Mittel „Wasser, Nahrung, Wärme“ zu beschaffen, erkundet das gesamte Rudel gemeinsam die Außenwelt. Strom scheint unbegrenzt zur Verfügung zu stehen, ein Fluss existiert, aber die sternförmige Erkundung der Erdoberfläche, die stets zum Konserven-Depot zurückführen muss, wirkt ziellos. Die Erzählerin, die für eine evtl. folgende Generation Aufzeichnungen hinterlässt, berichtet rückblickend, wie sie selbst hartnäckig versuchte, die anderen Frauen zu befragen und häufig als Antwort erhielt: das musst du nicht wissen, es gibt keine Männer, daher musst du über deinen Körper nichts wissen. Erstaunlich, dass ausgerechnet dieses Mädchen konsequent nach Wissen strebt, zählen lernen will und als einzige in Grenzen abstrakt zu denken versucht. Der Gruppe gelingt es, in kleinen Etappen ihren Radius zu vergrößern und mehr über das System der Kellergefängnisse zu erkunden. Die Frauen müssen sich jedoch mit dem Altern aller abfinden und mit der Aussicht, in absehbarer Zeit als Gruppe auszusterben.
Fazit
Der Bericht der Frau, die mit circa 15 Jahren aus ihrem Kellergefängnis freikommt, trieb mich anfangs beim Lesen durch viele offene Fragen vorwärts. Wo befinden sich die Frauen, auf einem fernen Planeten? Wie kann ein Kind in Gefangenschaft aufwachsen ohne feste Bindung und ohne Erinnerungen, aus denen es ein Selbstbild aufbauen könnte? Wie überlebt eine Gruppe, die vorhandene Vorräte konsumiert, aber keinen Plan für die Zukunft hat? Warum interessiert sich niemand für die Herkunft der Konserven und der Militärstiefel, die vermutlich Etiketten trugen. Warum gibt es in einer Gruppe von 40 Personen so wenig handwerkliche und gärtnerische Fähigkeiten? Schließlich bleibe ich mit der Frage zurück, was eine Frau in einer Welt ohne Männer sein kann - und die Erzählerin könnte grübeln, ob im Matriarchat der weibliche Körper als Quelle von Krankheiten nicht nur eine unnütze Last ist …
Angesichts aktueller Kriege, Gefangenenlager und oligarchischer Autokratien eine so beklemmende wie hochaktuelle Lektüre – dystopisch, spekulativ und feministisch durch ihren Focus auf Beziehungen zwischen Frauen. Den häufig behaupteten Bezug auf Atwoods Report der Magd finde ich jedoch wenig hilfreich.
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Neuübersetzung von Luca Homburg
Frühere Ausgabe: Die Frau, die die Männer nicht kannte, Hoffmann und Campe 1998, 978-3-455028843, Übersetzerin: Brigitte Große
Agata W, Rezensent*in
Dieser dystopische Roman erzählt von 40 Frauen, die seit Jahren in einem unterirdischen Gefängnis eingesperrt sind und von Männern überwacht werden. Sie wissen nicht wie lange sie schon eingesperrt sind, da sie keinem normalen Tagesrhythmus folgen. Eine der Frauen ist von klein auf in dem Gefängnis und kennt das Leben in der normalen Welt nicht. Die anderen Frauen sind schon älter und können sich an ihr vorheriges Leben gut erinnern. Die Frauen leben auf engstem Raum und müssen strengen Regeln folgen, wie beispielsweise dem Verbot von Körperkontakt. Eines Tages kommt es zu einer radikalen Wendung und die Türen des Gefängnisses öffnen sich und die Männer sind verschwunden.
Die Frauen trauen sich aus dem unterirdischen Gefängnis raus und entdecken eine Welt, die sich nicht wieder erkennen.
Ein zutiefst bewegender Roman, der durch eine beklemmende Stimmung charakterisiert ist. Die Geschichte bleibt lange im Kopf und regt zum nachdenken an.
Ich habe dieses Buch auf englisch zu Zeiten des Lockdown gelesen, was wirklich ein Zufall war. Ich griff nach diesem Buch, aufgrund des Titels. Stellte mir darunter eine feministische Dystopie vor, aber letztendlich war ich nicht auf das Ende vorbereitet. Es ist im Grunde eine beklemmende Reflexion über Isolation, Unterdrückung und das Wesen der Freiheit. Nach über fünf Jahren denke ich sehr oft über dieses Buch nach und empfehle es jeden. Lange habe ich nach einer alten deutschen Ausgabe gesucht, weil ich es unbedingt auf deutsch lesen wollte. Die Möglichkeit, dieses Buch jetzt auf deutsch lesen zu dürfen, hat mich noch mal ganz anders auf den Inhalt blicken lassen.
Dieses Buch trägt durchweg so eine Traurigkeit. Gleichzeitig geht es um den Sinn des Lebens. Über Hoffnung bis erkennen, was am Ende bleibt, wenn Menschen, die wir lieben nicht mehr da sind oder Dinge und Routinen verschwinden, die uns Comfort und Ablenkung gaben. Wo man zu beginn noch so viele Fragen stellt von "Was ist passiert?" Oder "Wie werden die Frauen überleben?"- bleibt am Ende eine Erkenntnis und ich denke, dass jeder für sich selbst daraus seine eigene Bedeutung erschließen wird.
Die Geschichte nimmt ihren Anfang in einem unterirdischen Bunker, in dem 39 Frauen und ein junges Mädchen in einem Käfig gefangen gehalten werden. Die einzigen Männer in dieser düsteren Umgebung sind die Wärter, die jedoch außer der Überwachung und der Essenslieferung keinerlei Kontakt zu den Gefangenen haben. Während sich die Frauen noch an ihr früheres Leben vor der Gefangenschaft erinnern können, kennt das Mädchen nichts anderes als diesen trostlosen Ort. Sie weiß nicht, wie der Himmel aussieht oder wie es sich anfühlt Frische Luft einzuatmen. Keiner von ihnen weiß, warum sie dort festgehalten werden. Für die Frauen scheint ihr Schicksal endlos und unausweichlich – bis sich plötzlich eine Möglichkeit zur Flucht und damit der Freiheit auftut. Die Tür steht offen, und die Wärter sind verschwunden...
Dies ist kein klassisches dystopisches Abenteuer, sondern eine zurückhaltende, nachdenkliche Auseinandersetzung mit Isolation, Hoffnung sowie dem tief verwurzelten menschlichen Drang nach Sinn, Zugehörigkeit und Verständnis. Der Roman schwimmt zwischen flüchtigen Momenten des Optimismus und anhaltenden Perioden der Verzweiflung. Im Kern steht die philosophische Betrachtung der Existenz: die Suche nach Bedeutung in einer Welt, die man nie vollends ergründen kann.
Die Protagonistin ist anders. Sie ist so anders, weil sie vieles, was so selbstverständlich scheint, schlichtweg nicht kennt. Dennoch umtreibt sie eine großer Hunger nach wissen. Nicht denken und spüren würde für sie Stillstand und Leere bedeuten. Gleichermaßen lernt sie mit Einsamkeit umzugehen, als sie irgendwann ganz alleine ist. Das Buch lässt einen über die eigene Existenz nachdenken und darüber, wie wir durch das, was wir erlebt haben, geprägt werden. Es ist ebenso schön wie erschütternd, dass man nie erfährt, warum Dinge geschehen und warum alles so ist, wie es ist.
Obwohl es sich so schnell liest und eigentlich in wenigen Sätzen erklärt ist, lädt diese Geschichte zum nachdenken ein.
Es ist eine düstere dystopische Geschichte, die mich nie wirklich losgelassen hat. Sie wirft unbequeme Fragen über das Überleben, die Einsamkeit und darüber auf, was übrig bleibt, wenn alles Vertraute verschwunden ist.
Vielen Dank für die Möglichkeit dieses Meisterwerk lesen zu dürfen. Ich bedanke mich für dieses Renzensionsexemplar von Kett-Cotta über NetGalley. Die geäußerte Meinung ist meine eigene.
Buchhändler*in 1339637
Ich weiß gar nicht so genau wie ich das Buch beschreiben soll...faszinierend, interessant (im positiven Sinne)? Auf jeden Fall ist es ein Kontrast zu dem was ich sonst so lese und war definitiv mal was anderes, aber richtig gut gemacht.
Anfangs musste ich mich kurz an den Schreibstil gewöhnen, irgendwie erzählend aber auch fast schon sachlich. Doch dann bin ich nur so durch die Seiten geflogen.
Die Geschichte war sehr intensiv und hat mich von Anfang bis Ende gepackt und mitgerissen, das Sprichwort "Die Hoffnung stirbt zuletzt" passt hier sehr gut.
40 Frauen, ein Keller das Warten auf das Ende und ganz viele Fragezeichen.
Das Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen und es wird mich bestimmt noch etwas beschäftigen. Ich fand es richtig gut und könnte mir vorstellen es irgendwann nochmal zu lesen.
Joulina W, Rezensent*in
Ich, die ich Männer nicht kannte ist ein stilles, verstörendes und gleichzeitig unglaublich kluges Buch. Eine namenlose Erzählerin, eingesperrt mit anderen Frauen in einem unterirdischen Käfig, ohne Erinnerung an die Welt davor – und ohne Wissen darüber, was draußen noch existiert. Was wie eine dystopische Ausgangssituation klingt, wird bei Harpman zu einer existenziellen, philosophischen Erkundung von Identität, Körper, Freiheit und Menschlichkeit.
Mich hat vor allem die Nüchternheit der Sprache getroffen. Keine Effekthascherei, kein Pathos – nur Beobachtung, Denken, Überleben. Gerade diese Klarheit macht das Buch so intensiv. Es geht weniger um Action als um das, was bleibt, wenn alles wegfällt: Sprache, Gemeinschaft, Fragen ohne Antworten. Dieses Buch ist unbequem, leise und von einer erschütternden Kraft. Für mich ganz klar 5 von 5 Sternen – eines dieser Werke, die sich still ins Gedächtnis brennen.
Rezensent*in 1901992
Tief unter der Erde, eingesperrt in einem Käfig, leben vierzig Frauen. Sie haben keine Erinnerung daran, wie sie dorthin gekommen sind, und jegliches Zeitgefühl ist längst verloren gegangen. Unter ihnen ist ein junges Mädchen, die vierzigste Gefangene, die als einzige keine eigene Erinnerung an die Welt davor hat. Als sich ihnen eines Tages die Chance zur Flucht bietet, wird ausgerechnet sie zum Schlüssel für ihr Überleben in einer fremden, oberirdischen Welt.
Ich habe dieses Buch im Rahmen meines Buchclubs gelesen - während die anderen zur englischen Ausgabe griffen, durfte ich die deutsche Übersetzung lesen. Ehrlich gesagt hatte ich zu Beginn ein paar Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Der Funke wollte anfangs nicht so recht überspringen, doch das änderte sich schlagartig. Je weiter die Handlung voranschritt, desto mehr entwickelte das Buch einen Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte, bis ich es am Ende gar nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Es ist eine unglaublich intensive und beklemmende Dystopie, die mich tief bewegt und zum Nachdenken angeregt hat. Die Protagonistin, die gleichzeitig unsere Erzählerin ist, dabei zu beobachten, wie sie wächst, lernt und täglich ihre eigenen Grenzen verschiebt, war eine faszinierende Erfahrung. Ihr Trotz gegenüber den älteren Frauen, die ihr das Geheimnis um die Existenz von Männern vorenthalten, und ihr unbedingter Wille, die Situation mit Logik zu begreifen, machen sie zu einem bewundernswerten Charakter.
Was Jacqueline Harpman hier auf wenigen Seiten schafft, ist beeindruckend: Ohne die Fachbegriffe dafür überhaupt zu erwähnen, stößt sie Debatten über Geschlechterrollen, Bildungssysteme, Kapitalismus und sogar das Ende des Lebens an.
Normalerweise frustriert es mich, wenn Fragen unbeantwortet bleiben, aber hier hat mich die Ungewissheit eher noch tiefer in die Geschichte hineingezogen. Dennoch muss ich gestehen, dass ich das Buch mit dem Wunsch schloss, nur einen winzigen Hinweis mehr über die Hintergründe zu erfahren. Ich liebe offene Enden und Fan-Theorien, aber hier fehlte mir dieser eine kleine „Brotkrumen“, weshalb es für mich nicht ganz für eine 5-Sterne-Bewertung gereicht hat.
Insgesamt ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ ein kurzes, aber gewaltiges Werk, das seiner Zeit weit voraus war. Es ist eine einzigartige Geschichte, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Herzlichen Dank an NetGalley und den Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar!
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1378524
Ich, die ich Männer nicht kannte hat mir sehr gut gefallen, weil es trotz seiner Kürze unglaublich intensiv und eindringlich ist. Die nüchterne, klare Sprache verstärkt die beklemmende Atmosphäre und lässt die Gedanken und Gefühle der Figuren umso stärker wirken. Besonders spannend fand ich die radikalen und ungewöhnlichen Ansichten über Freiheit, Menschlichkeit und Existenz.
Rezensent*in 532703
„Warum sind wir eigentlich hier?“
Vierzig Frauen befinden sich in einem Kellergewölbe. Durch einen Zaun sind sie von Männern getrennt, die Wärter. Nachts legen sie ihre vierzig Matratzen auf den Boden, um schlafen zu können. Und so geht es jeden Tag weiter. Bis sie einen Ausweg finden.
Jacqueline Harpmans 1995 erschienener Roman könnte sich nach der knappsten Inhaltszusammenfassung in der Teenager-Dystopie-Abteilung wiederfinden. Die Autorin hätte es reißerischer schreiben können, als actiongeladene Version voller Kämpfe, Geheimnisse und Intrigen. All das ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ nicht. Der Roman ist beinahe eine philosophische Abhandlung über Einsamkeit, die Rolle in der Gesellschaft und Zivilisation (ähnlich wie „Die Wand“ von Marlen Haushofer). Die Handlung spielt sich in der Gedankenwelt der jüngsten Frau ab. Sie denkt anders als ihre Mitgefangenen. Durch sie erlernen wir beim Lesen das Zählen, Handwerken und Schreiben neu.
Das Buch geht selbstbewusst damit um, dass es keine Antworten auf die zentralen Fragen der Hauptfigur (und auch des Lesers) liefern kann. Und das muss es auch nicht. Enden können offen sein und zum Nachdenken anregen. Manche könnten behaupten „Du magst das Buch nicht, weil du es nicht verstanden hast“. Meiner Meinung nach muss man es auch nicht verstehen. Auf 224 Seiten sollen wir nur der namenlosen Erzählerin zuhören, sie auf einen jahrzehntelange Reise begleiten und dieses Gedankenspiel mitmachen. Es muss nicht immer alles auserzählt werden, um genossen werden zu können.
Rezensent*in 887085
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein einzigartiges Buch, das sich keiner Kategorie so wirklich unterordnen will. Im Kern wohl am nächsten dran an einer dystopischen Erzählung, versetzt einen der Roman in eine befremdliche neue Realität und zwingt einen dazu sich mit Überleben, Freiheit und der ganz essenziellen Frage auseinanderzusetzen, was es überhaupt bedeutet Mensch zu sein. Man begegnet der namenlosen Erzählerin in einem Keller, in dem sie eingesperrt mit 39 anderen Frauen lebt, ein jeder Aspekt ihres Lebens von einer unbekannten Entität bestimmt. Es ist die einzige Realität, die sie je kannte. Bis sich eines Tages eine Tür öffnet und die Frauen in eine Welt entlässt, die nur Fragen, niemals Antworten für sie bereithält.
Der Schreibstil ist schlicht und gerade zu Anfang war ich überrascht, wie sachlich er sich anfühlt. Es war fast, als bestünde eine greifbare Distanz zwischen mir und der Erzählerin, ein Befremden angesichts ihrer ungewöhnlichen Stimme. Bis man etwas mehr darüber erfährt, welche Umstände sie geformt haben. Erst dann begreift man, wie einzigartig ihre Erzählstimme eigentlich ist. Was bleibt? Was macht einen aus, wenn sich sämtliche Erfahrungen des Lebens in einem abgegrenzten, künstlichen Raum mit den immer selben Leuten beschränken? Wenn man nie erlebt hat, wie sich die Sonne auf der Haut anfühlt oder das Gras unter den Füßen. Weshalb Wörter lernen wie Vogel oder Flugzeug, wenn man beides nie gesehen hat und niemals sehen wird. Unsere Erzählerin, die so beraubt von Einflüssen und Erfahrungen ist, die wir in unserem Alltag meist für selbstverständlich halten, bringt all das und mehr in ihrer Stimme zusammen. Es fällt schwer in Worte zu fassen, wie sich das beim Lesen angefühlt hat. Noch schwerer es in so banale Kategorien wie gut oder schlecht einzuteilen. Es war einfach anders. Einzigartig. Ich habe mich beim Lesen an McCarthys The Road und Emily St. John Mandels Station Eleven erinnert gefühlt, wobei Einsamkeit und Ungewissheit hier irgendwie ungleich viel schlimmer und drückender ausgearbeitet sind.
Über den Inhalt an sich will ich nicht viel sagen. Ich finde je weniger man weiß was einen erwartet, desto besser. Was ich aber ansprechen will ist mit welcher Erwartungshaltung man an dieses Buch rangehen sollte. Es ist definitiv kein comfort-read, kein gemütlich-zum-einkuscheln-und-mal-zwischendurch-lesen Buch. Wer in Büchern einen runden Abschluss, ein großes Finale oder happy-end sucht und alle offenen Fragen beantwortet haben will, wird hier nicht fündig. Und auch wenn man es bei dem Titel vielleicht vermuten könnte, findet in dem Roman keine tiefgreifende Auseinandersetzung damit statt, warum eine Welt ohne Männer besser oder schlechter wäre. Es ist schlicht ein weiterer Umstand im Leben der Protagonistin. Das Patriachat oder starre Geschlechterrollen lernt sie nicht kennen, weil sie Männer nicht kennt. Da darf der Titel gerne wörtlich verstanden werden. Das alles soll aber keineswegs abschrecken, denn lässt man sich drauf ein, kann Ich, die ich Männer nicht kannte eine unglaublich tolle Leseerfahrung werden. Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt, unaufgeregt ist und dennoch intensiv und über den man noch lange nachdem man die letzte Seite hinter sich gelassen hat nachdenken wird.
40 Frauen leben in einem Käfig. Werden von 3 Männern Tag und Nacht bewacht. Sie dürfen einander nicht berühren, sie dürfen keine Gefühlausbrüche zeigen, sie haben keinerlei Privatssphäre. Ein 15jähriges Mädchen ist unter ihnen. Niemand kann sich erinnern, wie und warum sie in diesen Keller, in diesen Käfig, gekommen sind. Nur ab und an taucht eine vage Erinnerung an ein früheres Leben auf. Das Mädchen kann sich nur an diesen Käfig erinnern, sie hat noch nicht einmal einen Namen. Jacqueline Hartman erzählt in 'Ich, die ich Männer nicht kannte' eine außergewöhnliche Dystopie. Es erinnert ein wenig an 'Die Wand', es erinnert ein wenig an 'Der Report der Magd' und doch ist es soviel mehr, obwohl kaum etwas passiert. Doch die Suche nach Sinn und Ursache ist so intensiv und packend erzählt, dass man diesen schmalen Band nicht aus der Hand nehmen möchte. Sie erzählt von Hoffnung und Freundschaft, Verzweiflung und Einsamkeit, Unwissenheit und Wissensdurst und von einer mutigen Frau, die sich irgendwann einer grenzenlosen Einsamkeit stellt. Nicht unbedingt ein Wohlfühlbuch, aber ein Buch, das gedanklich noch lange nachklingt.
Vierzig Frauen werden in einem Käfig unter der Erde gefangen gehalten. Sie bekommen von ihren Bewachern, die nie mit ihnen sprechen, nur die nötigsten Dinge zum Überleben. Das Licht brennt Tag und Nacht und niemand weiß, welche Tageszeit gerade ist.
Die Frauen hatten vor dieser Gefangenschaft alle ein ganz normales Leben, sie können sich an ihre Vergangenheit erinnern, nur die Ich-Erzählerin nicht, denn sie wurde bereits als Kind zusammen mit den Frauen eingesperrt.
Niemand weiß, wer ihre Wächter sind, niemand weiß, wo sie sich befinden und warum sie in diesem Käfig gelandet sind, doch inzwischen sind Jahre vergangen und das Leben hat sich auf Essen, Kochen und Schlafen reduziert.
Eines Tages jedoch, als die Wächter gerade den Käfig aufschließen wollen, um Lebensmittel zu verteilen, ertönt ein Alarmsignal und die Bewacher verschwinden. Sie lassen die Frauen allein. Dass sie den Schlüssel vergessen, grenzt an ein Wunder. Endlich befreit, entdecken die ehemaligen Gefangenen die Umgebung ihres Gefängnisses, doch es ist nicht die Welt, die sie kannten…
Ich habe diesen Roman mit einer großen Neugier gelesen, denn ich wollte natürlich wissen, was den Frauen passiert ist und habe mir zusammen mit ihnen dieselben Fragen gestellt. Wer hat sie eingesperrt und warum?
Ob sie beantwortet wurden? Das verrate ich nicht, doch das Lesen lohnt sich, obwohl die Erzählerin ein ziemlich trostloses Dasein fristet und das Schicksal der Frauen keine Minute lang positiv wird. Beim Lesen stellt sich die Frage, was Menschsein bedeutet, wenn man nur auf das Nötigste reduziert wird und wie man selbst in dieser Situation reagieren würde.
Ein beeindruckendes aber auch bedrückendes Buch, das einen mit mehr Fragen als Antworten zurück lässt. Trotzdem eine klare Leseempfehlung.
Eine ganz einzigartige Geschichte!
Durch die Sicht einer namenslosen Erzählerin erfährt der Lesende, dass eine Gruppe von vierzig Frauen seit Jahren in einem Kellerraum gefangen gehalten wird. Die Frauen können sich nicht erinnern wie sie dorthin gekommen sind oder was in den letzten Jahren außerhalb des Kellerraums geschehen ist. Als dann ein ungewöhnliches Ereignis stattfindet begeben sich die Frauen auf die Suche nach Antworten...
Diese Geschichte ist sehr einzigartig geschrieben und packt einen von Beginn an! Zusammen mit der Hauptfigur stellt man sich immer wieder neue Fragen, auf die man verzweifelt Antworten sucht. Daher ist die Geschichte definitiv packend und man kann sie gar nicht aus der Hand legen.
Ein Minuspunkt für mich ist leider das offene Ende. Definitiv lädt dieses zum nachdenken an und auch für einen Leseclub ist das Buch sicherlich empfehlenswert, da es viel Spielraum für Diskussionen bietet. Wenn man in diese Geschichte startet sollte man sich jedoch bewusst darüber sein, dass es keine typische Dystopie ist, sondern eher ein philosophisches Gedankenexperiment. Wer actiongeladene Handlungen und konkrete Antworten auf Fragen sucht, wird hier nicht fündig. Dennoch findet man hier eine Geschichte, die im Gedächtnis bleibt.