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Ich, die ich Männer nicht kannte
Roman
von Jacqueline Harpman
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Erscheinungstermin 14.03.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
»Ein wahres Wunder« New York Times
Der internationale Sensationserfolg
Tief unter der Erde werden neununddreißig Frauen gefangen gehalten. Während das elektrische Licht Tag und Nacht verschwimmen lässt, sitzt ein junges Mädchen – die vierzigste Gefangene – allein und ausgestoßen in der Ecke. »Ich, die ich Männer nicht kannte« ist so feministisch wie »Der Report der Magd« und so existentiell wie »Die Wand«: Ein moderner Klassiker, internationaler Verkaufserfolg und BookTok-Hit in neuer deutscher Übersetzung.
In einem unterirdischen Gefängnis sitzen neununddreißig Frauen. Was übertage geschehen ist, wissen sie nicht: Wurde die Welt verlassen, von einem Virus verwüstet? Die Frauen können sich nicht erinnern, wie sie in den Käfig gelangt sind, haben jegliches Zeitgefühl verloren und nur eine vage Ahnung von ihrem alten Leben. Ihre Aufseher, sechs schweigsame Männer in Uniform, sprechen nicht mit ihnen und berühren sie nur, um sicherzustellen, dass keine von ihnen versucht, sich das Leben zu nehmen. Eines Tages ertönt ein Alarm, und die Wachen verschwinden; die Tür steht offen. Als erste wagt jene vierzigste Gefangene den ersten Schritt, die nichts als das Gefängnis kannte. Doch anders als erhofft, finden die Frauen draußen nicht die Freiheit, sondern eine Welt, die sie nicht wiedererkennen und in der sie lernen müssen, sich gemeinsam zurechtzufinden.
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783608966701 |
| PREIS | 24,00 € (EUR) |
| SEITEN | 224 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Buchhändler*in 1288973
ein absolut phänomenales buch, das sollte pflichtlektüre in der schule werden. ich habe noch nie etwas gelesen, was diesem buch auch nur nah kommen würde. wow.
Buchhändler*in 1209150
Vierzig Frauen leben eingesperrt in einem unterirdischen Bunker, bewacht von schweigenden Männern mit Waffen. Sie wissen nicht, wo sie sind, wie sie dorthin kamen oder was mit der Welt draußen geschehen ist. Eine von ihnen ist jünger als die anderen, ohne Erinnerung an ein „Davor“. Als eines Tages die Wachen verschwinden, wagen die Frauen die Flucht - hinaus in eine leere, verstörend stille Welt, in der es offenbar keine Zivilisation mehr gibt. Was folgt, ist kein klassischer Überlebenskampf, sondern eine existenzielle Suche nach Sinn, Identität und Menschlichkeit.
Dieses Buch hat mich schlicht umgehauen. Selten hat mich ein Roman so berührt und gleichzeitig so beschäftigt. Die Sprache ist klar und nüchtern, fast sachlich - und gerade dadurch entfaltet sich eine enorme emotionale Wucht. Jede Beobachtung, jeder Gedanke der Erzählerin trifft direkt ins Herz. Man liest nicht nur, man fühlt mit: die Einsamkeit, die Fremdheit gegenüber der Welt, das vorsichtige Lernen von Freiheit. Für mich reiht sich der Roman ganz selbstverständlich neben "Die Wand" und "Der Report der Magd" ein: Bücher, die nicht nur Geschichten erzählen, sondern sich ins Gedächtnis einbrennen. "Ich, die ich Männer nicht kannte" ist leise, klug und zutiefst menschlich - und wird mich noch lange begleiten.
Ein Buch, das man nicht vergisst.
Rezensent*in 1518830
Buchrezension: Ich, die ich Männer nicht kannte
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein stilles, verstörendes und zugleich zutiefst philosophisches Werk, das lange nach der Lektüre nachhallt.
Der Roman erzählt von einer namenlosen Erzählerin, die gemeinsam mit neununddreißig anderen Frauen seit ihrer Kindheit in einem unterirdischen Bunker gefangen gehalten wird. Bewacht von stummen, gesichtslosen Wärtern, kennen die Frauen nichts anderes als diesen engen Raum, strenge Regeln – und das völlige Fehlen von Männern, Erinnerungen oder Erklärungen. Die Protagonistin ist die jüngste unter ihnen und zugleich die einzige, die noch Fragen stellt. Fragen nach der Welt draußen, nach Vergangenheit, nach Sinn.
Harpman verzichtet bewusst auf klassische Spannung oder detaillierte Welterklärungen. Stattdessen entwickelt sie eine beklemmende Atmosphäre durch Reduktion: Sprache, Raum und Handlung sind minimalistisch, fast karg. Gerade dadurch entfaltet der Text seine enorme Wirkung. Die Gefangenschaft wird weniger als physischer Zustand denn als existenzieller begriffen – als Sinnbild für Unwissen, Anpassung und die menschliche Sehnsucht nach Freiheit und Erkenntnis.
Besonders eindrucksvoll ist die psychologische Zeichnung der Frauen. Während viele sich mit den Umständen arrangieren und Trost in Routinen finden, bleibt die Erzählerin innerlich wach. Ihre Beobachtungen sind nüchtern, präzise und von einer fast schmerzhaften Klarheit. Sexualität, Liebe und Identität werden nicht romantisiert, sondern als etwas grundsätzlich Unbekanntes und Abwesendes beschrieben – was dem Roman seine ungewöhnliche, fast sterile Emotionalität verleiht.
Ich, die ich Männer nicht kannte ist keine leichte Lektüre. Es ist ein Buch, das Geduld verlangt und Leserinnen und Leser mit Unbehagen konfrontiert. Doch gerade darin liegt seine Stärke. Harpman stellt existenzielle Fragen: Was macht ein Leben aus? Was bleibt vom Menschsein ohne Erinnerung, Beziehung und Freiheit? Und ist Hoffnung ein Akt des Widerstands oder eine Illusion?
Ein eindringlicher, zeitloser Roman, der sich jeder eindeutigen Interpretation entzieht – und genau deshalb so kraftvoll ist. Besonders empfehlenswert für Leser*innen, die literarische Dystopien, feministische Perspektiven und philosophische Tiefe schätzen.
Mareike A, Rezensent*in
„Es war nicht der Körper, der aufgab, sondern die Seele.“
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt - über den Sinn des Lebens, die Rolle der Frau, Gemeinschaft, Verlust, Einsamkeit und den Tod. Eine durchweg spannende, dystopische und zeitlose Geschichte, die am Ende viele Fragen bewusst unbeantwortet lässt.
Ich habe es an einem Tag und in einer einzigen Sitzung durchgelesen und konnte es nicht aus der Hand legen.
Die Geschichte wird noch lange in mir nachhallen.
Dieses Buch ist kurz, nüchtern geschrieben und dabei sehr intensiv. Es ist eines dieser Bücher, die man schnell liest und dann lange mit sich herumträgt. Es werden viele große Fragen thematisiert: Was bedeutet Freiheit wirklich? Wer sind wir ohne Beziehungen, ohne Vergangenheit, ohne Zugehörigkeit? Und wie hält man Hoffnung aus, wenn sie eigentlich irrational ist?
Die Geschichte wird von einer namenlosen Erzählerin erzählt, die als einziges Kind mit 39 Frauen in einem Bunker eingesperrt ist. Bewacht, ohne Wissen über die Welt, ohne Geschichte, ohne irgendeine Form von Normalität. Und genau das ist der Punkt: Sie kennt nichts anderes. Sie wurde ohne Kultur, ohne gesellschaftliche Regeln, ohne Vergangenheit großgezogen und fühlt sich deshalb fundamental anders an als die anderen Frauen, die sich erinnern können.
Was mich richtig getroffen hat: Wie sehr dieses Buch zeigt, dass Menschsein ohne Verbindung kaum funktioniert. Ohne Geschichte, ohne Austausch, ohne Hoffnung. Überleben wird hier nicht romantisiert, es ist einfach nur ein ständiges Aufschieben des Todes. Mehr nicht.
Besonders stark fand ich die Darstellung der Beziehungen zwischen den Frauen. Weibliche Freundschaft unter extremen Bedingungen wird hier überraschend lebensnah und unsentimental gezeigt. Die Frauen haben Erinnerungen an ihr früheres Leben, an Liebe, Familie, Normalität, im starken Kontrast zur Erzählerin, die all das nur aus Erzählungen kennt. Dass nicht jede Figur bis ins Detail ausgearbeitet ist, stört nicht, im Gegenteil, es verhindert Überforderung und lenkt den Fokus klar auf die Erzählerin und ihre Entwicklung.
Das Buch hat zwei sehr unterschiedliche Teile (mehr sage ich nicht), die sich atmosphärisch stark voneinander abheben. Beide sind düster, aber es gibt diese winzigen Momente von Triumph, die fast wehtun, weil sie so selten sind. Das Worldbuilding ist dabei extrem bildhaft, ich hatte alles ständig vor Augen. Und obwohl vieles im Rückblick erzählt wird, wird kaum etwas offen vorweggenommen. Man ahnt Dinge, lange bevor man sie „weiß“.
Eine Besonderheit dieses Buchs ist, dass nichts erklärt wird. Gar nichts. So viele Fragen bleiben offen. Warum das alles passiert ist, was genau draußen los ist, keine Antworten. Und ja, das ist frustrierend. Aber genau dadurch fühlt sich alles so unsicher und verstörend an. Der Leser hofft genauso wie die Figuren. Wer klare Plot-Auflösungen braucht, wird wahrscheinlich nicht zufrieden sein. Ich persönlich hätte mir auch ein paar mehr Antworten gewünscht.
Eine sehr besondere Geschichte, die ich so bisher noch nicht gelesen habe und sehr zum Nachdenken anregt.
Ich habe das Buch auf Englisch bereits sehr gerne gelesen und empfohlen und mich gefreut das es auf Deutsch erscheint.
Es ist ein spannendes Gedankenexperiment über das Mensch-sein.
Was macht uns aus, wer sind wir, was brauchen wir?
Ein zeitloser, dystopischer und faszinierend philosophischer Roman.
Die Geschichte dreht sich um 40 Frauen, die in einem Käfig gefangen sind, nicht wissen warum und keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Bis es ihnen gelingt zu entkommen. Die Protagonistin hat die Welt jedoch nie kennengelernt und so widmet sich das Buch der Frage was es bedeutet ein Mensch zu sein.
Der Schreibstil des Buches ist eher ruhig und es geht viel um das was einen zum nachdenken und hinterfragen anregt. Bei mir kamen immer wieder die tieferen philosophischen Fragen auf, was Leben bedeutet und wer man ist, wenn man nicht durch die Gesellschaft vordefiniert werden würde.
Obwohl das Buch eigentlich schon älter ist, finde ich sind die Inhalte weiterhin relevant und die Geschichte zeitlos.
Renate S, Rezensent*in
40 Frauen sind in einem unterirdischen Käfig mit permanenter Überwachung untergebracht. Die Wächter sprechen nicht mit ihnen,das Licht brennt ständig, es gibt keine Privatsphäre. Als plötzlich die Sirenen heulen, ist der Käfig zufällig offen und die Frauen gelangen in eine dystope Welt. Eine von ihnen ist ein junges Mädchen, das nichts anderes kennt.
Dieses erzählt in Ichform. Die Sprache drückt das sich wiederholende, das vergebliche Suchen nach Menschen, nach Bekanntem gut aus, die Ausweglosigkeit bleiben das ganze Buch dominant. Dadurch ergibt sich auch eine gewisse Langeweile und man hofft auf ein unerwartetes Ereignis
Chris B, Rezensent*in
Vierzig Frauen, null Antworten – und trotzdem ein Sog
Mit „Ich, die ich Männer nicht kannte" legt Jacqueline Harpman eine Dystopie vor, die so karg ist wie die Landschaft, durch die ihre Protagonistinnen irren – und genauso unerbittlich.
Vierzig Frauen, eingesperrt in einem unterirdischen Käfig, bewacht von stummen Männern in Uniformen. Warum? Keiner weiß es. Die Erzählerin – die jüngste, die vierzigste Gefangene – kennt nichts anderes als dieses Leben. Sie hat nie die Welt da draußen gesehen, nie einen Mann berührt, nie wirklich gelebt. Als eines Tages ein Alarm ertönt und die Wachen verschwinden, ist sie die erste, die den Schritt ins Unbekannte wagt. Doch die Freiheit, die sie finden, ist keine Erlösung – draußen wartet eine postapokalyptische Leere, in der die Frauen auf weitere verlassene Bunker stoßen, aber niemals auf Antworten.
Die namenlose Erzählerin ist eine faszinierend distanzierte Beobachterin. Aufgewachsen ohne Erinnerung an die alte Welt, ohne je Liebe oder körperliche Nähe erfahren zu haben, bleibt sie seltsam losgelöst. Sie dokumentiert das langsame Sterben ihrer Gefährtinnen mit einer nüchternen Sachlichkeit, die erschüttert. Und doch – oder gerade deshalb – entwickelt man beim Lesen eine merkwürdige Verbundenheit mit ihr.
Ich war ehrlich gesagt hin- und hergerissen: Die repetitive Sprache und die ewigen Wiederholungen haben mich stellenweise fast zum Abbruch gebracht. Andererseits – was erwartet man von einer Frau, die Lesen und Schreiben nur rudimentär gelernt hat? Die Trostlosigkeit wird nie aufgelöst, nichts wird erklärt, und genau das ist zugleich frustrierend und auf seltsame Weise schön. Für alle, die „Der Report der Magd" oder „Die Straße" mochten und existenzielle Leere aushalten können.
Ein Buch, das nachhallt – ob man will oder nicht.
Petra S, Rezensent*in
Eine bewegende Dystopie über den Sinn des Lebens
Was für ein überraschender und beeindruckender Roman: Es geht um 39 Frauen, die in einem unterirdischen Käfig eingesperrt und bewacht werden Jegliche Berührung ist ihnen verboten. Während 38 Frauen davon als Erwachsene in den Käfig kamen und zumindest bruchstückhafte Erinnerung an ein normales Leben davor haben, ist auch ein Mädchen dabei, das im Käfig groß wurde. Jeder Tag läuft gleich ab bis einmal ein Alarm ertönt, die Wächter fliehen und dabei das Gitter offen lassen. Doch draußen erwartet die Gruppe auch nur eine leere Welt ohne andere Menschen. Es beginnt ein Kampf um Hoffnung, Zuversicht und nach dem Sinn ihres Seins.
Dieses Buch rührt an vielen Fragen unserer Existenz: Was macht ein Leben aus, was macht es lebenswert? Kann man leben ohne dass das eigene Leben einen Sinn und Zweck hat? Wie wichtig sind Nähe und Freundschaft? Die Sprache ist nüchtern , sachlich und distanziert und spricht einen dadurch umso tiefer an. Man fühlt die Ausweglosigkeit und Einsamkeit fast körperlich. Und dennoch hat mich das Buch nicht runtergezogen, da es auch zeigt, wie anpassungsfähig der Mensch doch ist und wie die Neugierde am Leben einen wach und gesund hält.
Dieser Roman macht was mit einem: das ist nicht nur Lesen, das ist Spüren. Zwar keine leichte Lektüre aber eine sehr bewegende!
Ich, die ich Männer nicht kannte“ ist ein faszinierender Roman!
Auf so wenigen Seiten wird eine unglaublich intensive Geschichte erzählt, die noch lange nachhallt. Es ist eines dieser Bücher, die einen sofort in ihren Bann ziehen und zum Nachdenken anregen, ohne dabei jemals belehrend zu wirken.
Der Schreibstil ist super eingängig, man kann direkt mit der Protagonistin mitfühlen und will wissen wie es weiter geht. Das Buch arbeitet komplett ohne Kapitel. Eigentlich bin ich Fan von kurzen Kapiteln, aber ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand lege und habe es in einem Rutsch weggelesen. Am besten liest man das Buch mit so wenig Wissen über die Handlung wie möglich und lässt sich einfach darauf ein.
Am Ende bleibt man mit so vielen Fragen zurück – und trotzdem hat man das Gefühl, dass irgendwie alles gesagt wurde. Genau diese Mischung aus Offenheit und Vollständigkeit macht das Buch für mich so besonders.
Ein stilles, kraftvolles, unvergessliches Leseerlebnis!
Anna G, Buchhändler*in
Dieses Buch ist besonders!
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ war eine etwas andere Geschichte. Sie bringt den Leser zum Nachdenken und ist äußerst interessant geschrieben
Leni -, Rezensent*in
Die Protagonistin hat keinen Namen und kein Alter, mit 39 anderen Frau wächst sie in einem Bunker auf, ohne zu wissen, warum sie dort gefangen gehalten werden. Berührungen sind verboten und die Frauen sprechen selten über die Vergangenheit, zu sehr schmerzen die Erinnerungen. Eine berührende Coming-of-Age Story, die zum Nachdenken anregt, traurig macht und einen trotzdem manchmal zum lächeln bringt. Diese Geschichte wird sicherlich lange nachhallen.
Rezensent*in 1976619
„Ich, die Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist ein packender Roman über Gefangenschaft, Geheimnisse und fragwürdige Freiheit, der einen sofort in den Bann schlägt.
Neununddreißig Frauen sitzen jahrelang in einem unterirdischen Gefängnis, bewacht von Männern, ohne Erinnerung an ihre Vergangenheit oder die Welt draußen – bis die Wachen verschwinden und die Tür offen steht. Die junge Erzählerin, die das Gefängnis als ihre einzige Welt kennt, tritt als Erste hinaus und entdeckt eine fremde, verwüstete Oberwelt, in der die Gruppe ums Überleben ringt.
Die flüssige Erzählung weckt Neugier – was führte zu dieser Isolation, und ist die erlangte Freiheit echt?
Das düstere Cover begeistert: Eine Gesichtshälfte im Schatten, die andere erhellt, der Kreis wie ein Lichtstrahl aus dem Wüstenverlies – pure Symbolik!
Das Buch wurde durch BookTok zu einem viralen Hit, da es als vergessener Klassiker (ursprünglich 1995 erschienen) neu entdeckt und mit modernen Themen wie Feminismus und Frauenrechten verknüpft wurde. BookTok-Videos heben die dystopische Erzählung von Isolation und weiblicher Solidarität hervor, die Parallelen zu „Der Report der Magd“ aufweist und durch Promis wie Dua Lipa beworben wurde.
Die Isolation der Frauen steht auch für die Suche nach Identität ohne soziale Spiegelung – was bleibt von Menschlichkeit, wenn Kultur, Beziehungen und Geschichte fehlen?
5 Sterne von mir, klare Leseempfehlung!
Rezensent*in 1751887
Das Buch hat im letzten Jahr glücklicherweise so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass es nun auch hierzulande noch einmal erscheinen wird.
Die Tatsache dass es bereits in den 90er-Jahren geschrieben wurde, aber heutzutage besser zu funktionieren scheint als damals, hat mich von Anfang an sehr neugierig gemacht.
Nachdem ich das Buch beendet habe, verstehe ich auch wieso, denn es spricht a) Themen an die zeitlos und essentiell sind und b) trifft es gleichzeitig so sehr den Kern unserer Zeit wie kaum ein anderes Buch...
"Ich, die ich Männer nicht kannte" hat mich tief berührt. Es erzählt davon, Teil einer Gemeinschaft und trotzdem einsam zu sein und das ist etwas, was ich sehr gut nachempfinden kann.
Menschen sind mMn niemals so einsam gewesen wie sie es heutzutage sind. Was paradox klingt, wenn man bedenkt, wie viel stärker wir uns miteinander vernetzen können, als es Früher der Fall gewesen ist.
In dem Buch steckt sehr viel, was ein "Overthinker" wie ich problemlos auf das eigene Leben und die Welt um sich herum projezieren kann, was das Buch für mich wiederum sehr nahbar gemacht hat. Es hat eine Mehrdeutigkeit die wahnsinnig spannend zu lesen war.
Auch ist der Schreibstil so großartig, dass ich beim Lesen ab und an pausieren musste, um mein inneres "Freuden-Feuerwerk" zünden zu können. Ich habe so viele Textstellen markiert wie bei kaum einem anderen Buch und kann einfach nicht glauben, dass dieses Wunderwerk von Literatur bereits vor so langer Zeit erschienen sein soll!
Ich bewundere sehr, wie Harpman es geschafft hat, solch eine kraftvolle Geschichte mit so einfachen Mitteln zu erzählen und mich trotz all dem Schrecken und Schrecklichem, Schönheit spüren und wahrnehmen hat lassen.
Ein großer Vorteil des Buches ist sicherlich auch, dass es zwar sehr gehaltvoll, aber nicht wahnsinnig komplex ist. Deswegen kann es ohne Probleme eine breite Masse ansprechen, sofern man mit der Frustration zurechtkommt, keine Antworten zu bekommen..
Auch die Übersetzung von Luca Homburg ist absolut gelungen.
Mich hat "Ich, die ich Männer nicht kannte" in einen Zustand tiefster Melancholie und Reflektion versetzt und ich glaube, ich werde noch sehr sehr lange an das Buch zurückdenken.
Rezensent*in 318242
Puhhh. Das war richtig seltsam – aber in a good way? Ich hab das Buch verschlungen, und auch wenn ich mich schwertue, es zu bewerten, muss es wohl auf 5 Sterne rauslaufen, auch wenn (oder gerade weil?) so vieles offenbleibt. Es gibt kaum Erklärungen, kaum Orientierung, und genau das macht die Geschichte aus. Ich geh dann jetzt mal meine Gedanken ordnen.
Vielen Dank an Netgalley und Klett-Cotta für das kostenlose Rezensionsexemplar!
Rezensent*in 1519782
Der Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte" wurde von Jacqueline Harpman verfasst und erscheint am 14. März 2026 im Klett-Cotta Verlag. Das Buch umfasst 224 Seiten und das Cover ist passend zum Titel gestaltet. In der Geschichte geht es um neununddreißig Frauen, die ohne Erinnerungen in einem unterirdischen Gefängnis leben. Als ihre Wächter verschwinden, wagt eine von ihnen den Schritt nach draußen. Dort treffen die Frauen auf eine fremde Welt und müssen sich gemeinsam darin zurechtfinden. Der Schreibstil der Autorin ist lebendig, anschaulich und gefühlvoll. Klassische Kapitel sucht man vergeblich; der Roman ist als fortlaufender, dichter Text gestaltet. Diese Erzählweise verstärkt das Empfinden von Zeitlosigkeit und Orientierungslosigkeit auf eindrucksvolle Weise. Die Spannung ist eher zurückhaltend. Im Mittelpunkt stehen weniger dramatische Ereignisse, sondern vielmehr die dichte Atmosphäre. Die Charaktere sind präzise und nachvollziehbar gezeichnet. Vor allem die Hauptprotagonistin beeindruckt: Ihre Gedankenwelt ist authentisch, ihre Gefühle von Freiheit und Einsamkeit wirken tief und bewegend. Man kann sich mühelos in ihre emotionale Lage hineinversetzen. Insgesamt ist das Buch ein guter, zeitloser Roman, der zum Nachdenken anregt.
Buchhändler*in 1181627
Das erstaunlichste Buch, dass ich seit langem gelesen habe. Auch nachdem ich es zu Ende gelesen habe, weiß ich noch nicht, ob ich es mag oder nicht. Aber es hat einen Sog, der einen in die Geschichte zieht und der noch lange nachwirkt. Ein Buch über das man sprechen wird.
Buchhändler*in 1547423
Ein literarische Meisterwerk. Ein Buch welches einem nicht aus dem Kopf geht. Was ist Menschlichkeit, wie verhält man sich? Fragen auf die es keine richtige Antwort gibt. Was wäre wenn wir anders aufgewachsen wären? Dann würden wir uns auch anderes verhalten. Ein Buch welches widerspiegelt über was die Menschen nachdenken sollten, über ihr Verhalten. Es hat leider nicht für 5 Sterne gereicht, da mir die Auflösung der Lage der 40 Frauen gefehlt hat.
Kerstin H, Rezensent*in
Ein kleines Büchlein mit großem Tiefgang.
In „Ich, die ich Männer nicht kannte“ darf man keine klaren Antworten erwarten. Man muss dieses Buch einfach auf sich wirken lassen und darüber nachdenken, dann entfaltet es seine Genialität.
Ich möchte gar nichts von der Geschichte erzählen, denn sonst würde ich vielleicht schon zu viel verraten. Der Klappentext reicht.
Ich für meinen Teil war sehr überrascht von dem Buch, hatte irgendwie etwas anderes erwartet und war dann aber von der Stimme der Erzählerin, von allen nur „die Kleine“ genannt, wie gebannt. Auch wenn nicht sonderlich viel passiert, passiert doch sehr sehr viel und ich weiß das klingt seltsam, aber doch ist es irgendwie genau das was ich empfunden habe.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war wie gebannt von der Erzählung. Dabei habe ich fast vergessen, dass es nicht wirklich der Lebensbericht einer Frau ist, die nie Männer kennen gelernt hat, sondern ein Werk der Fiktion, das übrigens bereits Mitte der 1990er Jahre auf Französisch erschien.
Nach dem Lesen musste ich eine Weile meine Gedanken dazu sortieren. Das Buch wirkt ein wenig wie ein Rohrschach Test: Jeder und Jede muss eine eigene Interpretation finden und wird etwas eigenes in dem Text sehen. Was ich auch bestätigt fand, als ich später in einem Subreddit eine lebhafte Diskussion zum Text gefunden habe (in der unter anderem öfter die Idee mit dem Rohrschachtest fiel). Denn ich hatte ganz klar das Bedürfnis über das „Erlebte“ zu sprechen, mich auszutauschen und zu hören wie andere diesen Text empfunden haben.
Auch ein Blick auf die Historie der Autorin ist hilfreich.
Ein wenig hat mich die Lektüre an „Die Parabel vom Sämann“ erinnert. Zumindest vom Gefühl her.
Wer gerne beim Lesen eigene Schlüsse ziehen will, wer gern nachdenkt und Bücher nicht nur zur reinen, schnellen und einfachen Unterhaltung liest, sondern auch von ihnen berührt werden will, wird mit „Ich, die ich Männer nicht kannte“ seine Freude haben.
Wer in seinen Büchern für alles eine Lösung haben möchte und es andernfalls unbefriedigend findet, sollte stattdessen zu einem anderen Buch greifen.
Für mich war es auf jeden Fall ein Highlight, umso mehr ich darüber nachdenke, um so größer wird diese Gewissheit.
Pia E, Buchhändler*in
Dieses Buch war ganz anders als ich erwartet hatte und das hat meine Freude daran ein wenig geschmälert um ehrlich zu sein.
Nichtsdestotrotz ist es ein wunderbar geschriebenes Buch, absolut wunderschöne Sprache erzählt von einer willensstarken Protagonistin, die im Laufe des Textes die Welt aber auch sich selbst erkundet. Mitunter krass emotional mit existenziellen Fragen und Gedanken, die noch lange im Gedächtnis bleiben!
Eine große Empfehlung für alle, die ein eher in sich gekehrtes, ruhiges, und sprachlich ansprechendes Buch suchen <3
Buchhändler*in 1125225
Dieses Buch hat mich auf so viele Arten bewegt und auch Tage später noch nicht losgelassen. Es ist wunderschön, traurig, tragisch und erzählt eine Geschichte in der die Hoffnung nie aufgegeben wird.
Dieses Buch wird mir lange im Gedächtnis bleiben.Ich muss gestehen,dass ich vorher noch nie etwas von der Autorin gehört habe.Umso mehr freut es mich, sie jetzt literarisch kennen zu lernen.Da sie vor ihrem Tod viel geschrieben hat,wird vielleicht noch mehr von ihr ins Deutsche übersetzt.
Vom Ton her möchte ich dieses Buch zu meinen Herzensbüchern "Die Wand" und "Die Entbehrlichen" stellen.
In diesem Buch geht es um Gemeinschaft,um Resilienz,um Hoffnung,ums Überleben,den Tod und darum,dass es nicht immer Antworten auf Fragen gibt.Am Ende des Buches sind einige Fragen geklärt,aber viele andere nicht
Obwohl nicht viel passiert,es ein eher ruhiges Buch ist,fand ich es sehr spannend.Ich hatte immer Sorge,dass der Erzählerin der Geschichte noch irgendwas Schlimmes zustösst, in ihrem Drang neue Dinge zu entdecken.
Ich werde das Buch sehr gerne empfehlen.
Das Buch hat mich begeistert. Ein Leben so voller Ungewissheit, Langeweile und unermüdlichem Weitermachen, Hoffnung. Die Sinnlosigkeit und fehlenden Antworten können einen sogar als Leser verrückt machen, während die Neugier der Erzählerin mich erfreuten. Ich habe mich gefragt, ob die Autorin beim Schreiben eine Antwort auf all die Fragen und Erklärung für diese Welt hatte oder selber aus dieser Position der Unverstehenden geschrieben hat?
An einige Stellen erkennt man, dass das Buch schon etwas älter ist, zb das die meisten Frauen Hausfrauen und wenig gebildet waren, mich würde auch interessieren, wie das Buch heutzutage geschrieben worden wäre.
Mir gefiel auch, dass es sich trotz des eigentlich gruseligen Settings nicht wie ein Thriller las. Alles war so ereignisarm und langsam, dass ich bei Lesen nicht unter Spannung stand.
Maria H, Rezensent*in
Dies Buch ist heftig. Die Geschichte handelt von vierzig Frauen, die in einem unterirdischen Käfig untergebracht sind und ständig bewacht werden. Sie haben keine Privatsphäre und der Schlaf-Wachrhythmus wird durch eine Lampe gesteuert. Eines Tages heulen die Sirenen und die Wärter sind verschwunden. Die Käfigtür ist unverschlossen und so können die Frauen ins Freie gehen. Unter ihnen ist ein junges Mädchen, das nur das Leben im Käfig kennt. Die Frauen versorgen sich mit Lebensmitteln aus der Vorratskammer der Wächter und machen sich auf den Weg in eine unbekannte Zukunft. Sie versuchen andere Menschen und Dörfer zu finden. Es ist nüchtern und gut beschrieben, wie die Frauen ihr Leben organisieren. Auch das Erkennen, als sie viele solcher Käfige mit den darin verstorbenen Personen finden, dass es wohl keine Überlebenden gibt, ist grausam. Das Buch ist heftig und auch spannend. Auf jeden Fall, viel Stoff zum Nachdenken.
I Who Have Never Known Men by Jacqueline Harpman tells the story of an unnamed woman whose life begins, as far as she can remember, in captivity. As a young girl, she is imprisoned underground with thirty-nine adult women, guarded by silent men. None of the women know why they are there or what events led to their imprisonment. The older women remember fragments of their former “normal” lives—families, relationships, a world above ground—but the protagonist does not, having been confined since early childhood. In the sterile, artificial environment of the bunker, they lose all sense of time. They are forbidden to touch one another, forbidden any intimacy or comfort. One day, an alarm suddenly sounds, the guards disappear, and the gate stands open. The women seize their chance to escape. What follows is not merely a physical journey into an unknown landscape, but a profound search for identity, meaning, and the essence of humanity itself.
This novel truly surprised me in the most positive way—and I did not expect that. It raises countless questions, most pressingly why the women were imprisoned in the first place, yet it offers very few clear answers. Normally, that lack of explanation would frustrate me. Here, however, it works brilliantly. The absence of resolution mirrors the protagonist’s own incomplete understanding of her world. The mystery is not a narrative flaw; it is the point. The silence surrounding their fate becomes part of the existential weight the novel carries.
Harpman’s prose is precise and restrained, yet the emotional impact is immense. The story derives its power less from dramatic events and more from the inner life of its narrator. Experiencing the world through her perspective—someone who has never known society, love, or friendship—creates an unsettling but deeply moving intimacy. Her observations are rational, almost clinical at times, yet beneath them lies a quiet longing for connection and comprehension. This longing crystallizes in one of the novel’s most haunting lines:
“Perhaps, somewhere, humanity is flourishing under the stars, unaware that a daughter of its blood is ending her days in silence.”
In this sentence, the vastness of the world and the smallness of the individual collide. It captures both the unbearable isolation of the protagonist and the painful possibility that life continues elsewhere, indifferent to her existence. Through her voice, the novel confronts the reader with fundamental questions about identity, isolation, control, freedom, and the importance of thought itself. What defines a person when memory, history, and social structures are stripped away? What remains of humanity in total isolation?
One idea that has stayed with me in particular is the novel’s stark reflection on mortality and death. At one point, the narrator states,
“Survival is never more than putting off the moment of death.”
This line encapsulates the book’s unflinching honesty. Death is not portrayed as an unexpected tragedy but as an inevitability that life merely postpones. In this way, survival loses its heroic glamour and becomes something quieter, almost mechanical. And yet, within that bleakness lies a subtle affirmation: if survival is only a delay, then meaning must be found not in permanence but in the act of living and thinking itself.
I Who Have Never Known Men is a novel that lingers long after the final page. It unsettles, provokes, and refuses easy comfort. Rather than offering answers, it leaves the reader alone with profound and often uncomfortable questions. For me, that is precisely what makes it extraordinary.
Thank you to NetGalley and the publisher for the advanced review copy (German ebook). This review reflects my honest opinions.
Rezensent*in 780093
Die vierzigste Gefangene kannte die Männer nicht
Sie waren eingesperrt, ohne zu wissen, warum. 39 Frauen, die sich nicht oder nur sehr vage an das Davor erinnern können. Und da ist „die Kleine“, die vierzigste Gefangene, die von klein auf hier war, die für sie alle als so etwas wie ein Zeitmesser fungiert. Jede hat ihren eigenen Käfig, den Tagesrhythmus bestimmen die Wärter, unter deren permanenter Aufsicht sie sind. Sie kommen immer zu dritt außer bei der Ablöse, da sind sie zu sechst - sie sprechen nie. Nicht mit ihnen und nicht miteinander. Eines Tages ertönt ein Alarm, die Wachen verschwinden, in der Tür steckt der Schlüssel. Die Frauen sind frei – aber sind sie das wirklich?
Aus Sicht der Kleinen schrieb die Psychoanalytikerin und Schriftstellerin Jacqueline Harpman diesen erstmals 1995 erschienenen Roman. Sie nimmt ihre Leser mit eine dystopische Welt, geprägt von allumfassender Überwachung, einhergehend mit dem Verlust von Freiheit und jeglicher Individualität.
Auch wenn gefühlt nicht viel passiert, passiert doch eine ganze Menge. Nun, da sie draußen sind, sind sie auf sich gestellt. Ihr ganzes Leben hatten sie sich danach gesehnt und jetzt scheinen sie überfordert zu sein mit dem Überleben, mit dem Weiterleben, das sie von nun an selbst in der Hand haben. Die einzelnen Persönlichkeiten kristallisieren sich heraus, es geht um das Miteinander, um das Frau-sein in all seinen Facetten, um das Alter, um Krankheit und den Tod, der unweigerlich zum Leben gehört. Von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit lese ich, die Atmosphäre ist eher beklemmend. Es ist eine sonderbare Welt, in der sie lebten und auch jetzt leben, nachdem sie den unterirdischen Bunker verlassen konnten.
Trotz der düsteren Grundstimmung hat dieser Roman eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Die Ich-Erzählerin kennt nichts außer Gefangenschaft, in der es galt, Regeln einzuhalten, in der keine Fragen gestellt werden durften, in der Berührungen verboten waren. Kann man sich davon befreien? Eine spannende Frage, ein fesselnder Roman, der sehr nachdenklich stimmt.
Lehrende*r 1190115
Die düstere Atmosphäre im Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Es geht um vierzig Frauen, die unter der Erde gefangen gehalten und von Wärtern werden. Eines Tages verschwinden die Wärter und die Frauen müssen sich inmitten einer öden Landschaft ein neues Leben aufbauen. Erzählt wird alles aus der Sicht der Jüngsten der Gruppe, die schon als kleines Kind im Gefängnis aufgewachsen ist und keine Erinnerung an ihr vorheriges Leben hat.
Besonders gefallen hat mir die Sogwirkung des Romans. Da viel im Unklaren bleibt, wollte ich immer weiterlesen, um zu erfahren, was es mit der Situation der Frauen auf sich hat. Die Übersetzung von Luca Homburg ist dabei sehr gelungen und transportiert die kühle, präzise Sprache.
Ein bisschen hat mich der Roman an „Die Wand“ von Marlen Haushofer erinnert, da auch hier Isolation, weibliche Perspektiven und ein Leben jenseits der bekannten Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Allerdings ist bei Haushofer aus meiner Sicht die feministische Dimension noch stärker ausgeprägt. Das Ende des Romans hat mich zwiespältig zurückgelassen. Insgesamt ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ damit eine sehr düstere und durchaus deprimierende Dystopie, die weniger Antworten liefert als Fragen stellt.
Johanna L, Buchhändler*in
Eine anspruchsvolle Lektüre, die lange nachhallt, ähnlich wie "Der Report der Magd" oder "Die Straße". Das Buch hat mich von Anfang an sehr eingenommen und ich habe danach noch lange über diese Dystopie nachdenken müssen. Es ist eine anspruchsvolle Lektüre, brutal und hart, aber gleichzeitig zärtlich und philosophisch.
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist eines dieser Bücher, das man nicht einfach liest und wieder weglegt. Es ist sehr leise, fast still, und entfaltet gerade dadurch am Ende eine enorme Wucht.
Der Vergleich mit Der Report der Magd hatte mich neugierig gestimmt, auch wenn ich am Ende sagen muss: Es gibt Parallelen, aber nicht viele. Aber die Grundstimmung in diesen Werken ist eine ähnliche.
Die Ausgangssituation ist beklemmend: Neununddreißig Frauen leben unter der Erde in einem Käfig, bewacht von schweigsamen Männern. Zeit existiert nicht mehr. Ihre Vergangenheit ist bruchstückhaft oder ganz ausgelöscht. Die vierzigste Gefangene, ein junges Mädchen, kennt nichts anderes als dieses Gefängnis. Als sich die Tür eines Tages öffnet, beginnt eine Reise und ganz neue Erfahrung für die Frauen, besonders aber auch für das Mädchen.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Ton des Romans. Er ist sachlich, fast nüchtern, und genau deshalb so verstörend. Stattdessen beobachtet die Erzählerin die Welt mit einer beinahe wissenschaftlichen Klarheit. Gefühle werden nicht ausgestellt, sondern eher seziert. Das erzeugt eine Distanz, die gleichzeitig sehr intensiv wirkt. Es passt aber eben sehr gut zu ihrer Realität: Als Mädchen, das nie körperliche Nähe kennengelernt hat, ist sie zu allem generell sehr distanziert. Ihre Gedanken und Meinungen sind deshalb fast schmerzhaft, weil sie eben nie echte Menschliche Beziehungen kennengelernt hat, keine richtige Freundschaft, Liebe, Familie. Sondern nur zwanghafte Beziehungen in Form dieser Gefangenschaft. Dennoch soll sie eben Teil einer Gemeinschaft sein, was sie auf ihre Weise schafft.
Dieses Buch ist kein Plot-getriebener Roman. Wer Spannung im klassischen Sinn sucht, wird hier nicht fündig. Stattdessen geht es um grundlegende Fragen wie: Wie bilden wir unsere eigene Identität, welche Rolle spielen andere Menschen dabei in unserem Leben. Wie bilden sich Beziehungen und Gesellschaften, wie entsteht Moral? Warum entschieden wir, wie wir entscheiden? Und wie agieren Frauen in einer Welt ohne Männer? Welche Sorgen bleiben, welche gehen? Und was ist der Sinn des Lebens, wenn so viel nicht mehr ist.
Gerade die Perspektive der Erzählerin hat mich nachhaltig beschäftigt. Sie kennt Männer nicht. Sie kennt keine romantische Liebe, keine gewachsenen Geschlechterbilder, keine sozialen Rollen. Dadurch entsteht eine fast philosophische Betrachtung des Menschseins. Vieles, was wir als selbstverständlich betrachten, erscheint hier plötzlich absurd. Männer sind physisch kaum präsent und dennoch schwebt ihre frühere Macht als Konzept im Raum. Die eigentliche Kraft liegt jedoch in der Frage, wie Frauen miteinander leben, streiten, altern und sterben, wenn sie auf sich selbst zurückgeworfen sind.
Für mich ist Ich, die ich Männer nicht kannte ein moderner Klassiker, der weniger durch gedankliche Tiefe überzeugt. Ein nachhaltiges Leseerlebnis.
Was habe ich da bitte gelesen? „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist für mich ganz klar ein Jahreshighlight und ein Buch, das sich sowohl in seiner Erzählweise als auch in seinem Inhalt radikal von vielem abhebt, was ich sonst lese. Schon der Titel hat meine Neugier geweckt. Das Cover wirkt eher nichtssagend, fast unscheinbar. Und dann der Inhalt: Wow! Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Jacqueline Harpman erschafft eine dystopische Welt, die rätselhaft bleibt und gerade dadurch eine ungeheure Sogwirkung entfaltet. Ich habe das Buch mit angehaltenem Atem gelesen, bin den Gedanken der namenlosen Protagonistin durch eine verstörende Welt gefolgt und habe einer Erklärung bzw. einer Auflösung, regelrecht entgegengefiebert.
Im Zentrum steht eine Erzählerin, die als junges Mädchen unter seltsamen Umständen eingesperrt lebt und sich (nach einem einschneidenden Ereignis) in einer fremden, verlassenen Welt zurechtfinden muss. Sie kennt keine Männer, kennt keine gesellschaftlichen Strukturen, keine Geschichte. Und genau aus dieser Leerstelle heraus beobachtet und reflektiert sie alles mit einer beeindruckenden Klarheit. Aus dem wissbegierigen, klugen Mädchen wird eine strebsame, analytische Frau, die sich ihr Leben Schritt für Schritt erschließt. Ihre Entwicklung war sehr sehr inspirierend. Sie stellt Fragen, wo andere resignieren würden. und denkt weiter, wo andere sich mit dem Gegebenen abfinden. Die Atmosphäre des Romans ist beklemmend und oft von einer stillen Einsamkeit durchzogen. Das Buch lebt von Gedanken, von innerer Entwicklung und von existenziellen Fragen: Was bedeutet Freiheit? Was macht Identität aus? Wie entsteht Wissen? Und was bleibt vom Menschsein, wenn alle gewohnten Strukturen wegfallen?
Das Ende ist eher unbefriedigend, denn viele Fragen bleiben offen. Er liefert keine einfachen Antworten, sondern fordert dazu auf, weiterzudenken. Und vielleicht liegt gerade darin seine Stärke. Trotz der düsteren Grundstimmung ist das Buch auf seltsame Weise mutmachend. Es zeigt, wie viel Kraft im Denken, im Lernen und im selbstbestimmten Handeln liegt. Dieses Buch ist nicht neu und verdient doch heute mehr Aufmerksamkeit denn je. Es macht auf leise, aber eindringliche Weise klar, worauf es wirklich ankommt. Mich hat es nachhaltig beeindruckt und meine Sicht auf die Welt ein Stück weit verändert. Ein außergewöhnlicher dystopischer Roman, der noch lange nachhallt.
Natalie W, Rezensent*in
Der Roman erzählt von einer jungen Frau, die gemeinsam mit anderen Frauen unter völlig unklaren Umständen gefangen gehalten wird – ohne zu wissen, warum oder von wem. Als sich ihre Situation verändert, beginnt für sie eine neue, fremde Realität, in der sie die Welt und sich selbst erst verstehen muss.
Die Geschichte ist durchgehend düster, trostlos und sehr reduziert erzählt. Es geht weniger um äußere Ereignisse als um existenzielle Fragen: Was macht einen Menschen aus? Wie entsteht Identität, wenn man kaum Prägung erfahren hat? Was bedeuten Freiheit, Gemeinschaft und Einsamkeit?
Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken gebracht. Gleichzeitig fiel es mir stellenweise schwer weiterzulesen, weil die Atmosphäre schwer ist und das Tempo ruhig bleibt. Trotzdem: ein intensives, ungewöhnliches Buch, das definitiv im Kopf bleibt.
Rezensent*in 1807869
Dieses Buch sollte man definitiv lesen, wenn man psychisch stabil ist.
Die Autorin greift wirklich sehr tiefgehende Themen auf, die noch lange im Kopf bleiben werden.
Diese Themen sind z.B. Isolation, Identität und Freiheit. Jacqueline Harpmann schafft eine beklemmende Atmosphäre und bearbeitet existentielle Fragen.
Die Hauptprotagonistin ist namenlos und nimmt eine "Erzählerrolle" ein. Sie ist die vierzigste Frau und die einzige, die gar nicht wirklich weiß was Leben eigentlich bedeutet.
Dadurch wird hier sprachlich auf große Gefühle verzichtet und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb haut es den Leser einfach um.
Ein Buch, das erschüttert und zum nachdenken anregt.
Dieses Buch ist hoffnungslos, depressiv und interessant. Es erinnert mich an Kafka. Nicht nur, weil die Handlung furchtbar grausam für die Charaktere ist, sondern auch weil wie bei Kafka viele Fragen unbeantwortet bleiben. Es ist auf jeden Fall ein fauler Schreibstil.
Was mir besonders an dem Buch gefallen hat, sind die großen Fragen des Lebens, die sich jeder schon mal gestellt hat und man kommt dann auch wie die Protagonistin ins Grübeln.
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist ein Buch, das sich nicht so einfach in eine Schublade stecken lässt. Es ist eine Dystopie, ja, aber eine so stille, gnadenlose und existenzielle, dass Vergleiche mit „Der Report der Magd“ zwar naheliegen, dem Kern des Buches aber kaum gerecht werden. Die Geschichte beginnt in einem unterirdischen Käfig, in dem 39 Frauen und ein junges Mädchen, die namenlose Erzählerin, gefangen gehalten werden. Bewacht von schweigenden Männern, ohne Zeitgefühl und ohne Hoffnung auf Antworten. Als ihnen nach Jahren die Flucht in eine trostlose, menschenleere Oberwelt gelingt, beginnt keine Heldenreise, sondern ein tiefgreifendes Nachdenken darüber, was es eigentlich bedeutet, ein Mensch zu sein.
Was mich an diesem Roman zutiefst beeindruckt hat, ist die radikale Perspektive der Erzählerin. Da sie als Einzige keine Erinnerung an die Welt „davor“ hat, blickt sie mit einem fast klinischen, völlig unvoreingenommenen Auge auf die Konzepte von Liebe, Scham, Weiblichkeit und Gemeinschaft. Während die älteren Frauen unter dem Verlust ihrer Vergangenheit leiden, ist die Erzählerin eine Tabula Rasa. Harpman schreibt so präzise und bar jeder Sentimentalität, dass die Einsamkeit der Frauen und die Weite der kargen Landschaft förmlich spürbar werden. Es ist ein Buch über das Überleben in seiner pursten Form – ohne Zivilisation, ohne Geschichte und ohne Männer.
Allerdings ist dieses Buch keine leichte Kost und wird sicherlich die Geister scheiden. Wer eine klassische Spannungskurve oder eine logische Auflösung der Rätsel erwartet (Wer hat sie eingesperrt? Was ist mit der Welt passiert?), wird enttäuscht werden. Harpman verweigert jede einfache Antwort und lässt den Leser stattdessen in einer quälenden Ungewissheit zurück, die das Gefühl der Isolation der Protagonistin perfekt spiegelt. Die Langsamkeit der Erzählung und die repetitive Natur ihres Daseins sind Teil der künstlerischen Botschaft, können aber zwischendurch auch für Längen sorgen, die Durchhaltevermögen erfordern.
Insgesamt ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ ein verstörendes Meisterwerk der feministischen Literatur.. Es ist ein philosophisches Experiment, das die Grundfesten unserer Identität hinterfragt: Sind wir noch Menschen, wenn niemand Zeuge unseres Lebens ist? Ein Buch für alle, die Dystopien suchen, die nicht durch Action, sondern durch ihre psychologische Tiefe und existenzielle Wucht bestechen.
★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
4.5 Sterne.
Das Buch reiht sich ein - hinter Alles, was wir geben mussten und Station Eleven als stille Bücher, die mich tief berühren. Ich konnte nicht aufhören zu lesen (was vielleicht auch daran lag, dass es im Grunde nur 3 Kapitel gab und mein Hirn es nicht geschafft hat, selbst Aufhörpunkte zu suchen). Hätte ich nicht arbeiten müssen, hätte ich es vielleicht sogar an einem Stück durchgelesen. Jetzt kann ich nur noch gegen eine Wand starren. Ich finde gar keine Worte für dieses Ende.
Besonders ergreifend ist das Thema des Hoffnungsfunken in der Hoffnungslosigkeit. Das Aufrechtstein in der Verzweiflung und die Neugier als Antrieb. Das Buch hat nur 200 Seiten und ich wünschte wirklich aus tiefstem Herzen, dass es mehr Antworten auf die Fragen gäbe, die das Buch stellt. Aber ich denke, auch das gehört zur Kunst dieses Werks.
Absolute Gänsehaut. Ich glaube, das Buch bleibt noch lange bei mir. Ich bin immer noch nicht sicher, welche Sternebewertung ich geben soll. Einige Dinge (insbesondere die Bedeutung der Weiblichkeit und damit Zusammenhängendes) werden sehr konservativ betrachtet, was an der Zeit liegt, zu der dieses Buch geschrieben wurde. Letztendlich fühlen sich 4.5 Sterne wohl am besten an, denn Boy oh Boy habe ich hier viel GEFÜHLT.
Tausend Dank an NetGalley für mein allererstes Rezensionsexemplar 🥰
Der dystoptische Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ der Autorin Jacqueline Harpman, handelt von 39 Frauen und einem Kind, welche unter der Erde in einem Keller gefangen gehalten werden. Nach einem schlimmen Ereignis, an das sich keine der Frauen mehr genau erinnern kann, wachen sie alle in einem Käfig auf. Die namenlose Erzählerin, welche das einzige Kind ist, kann sich im Gegensatz zu den anderen nicht an das alte Leben erinnern. Bewacht wird die Gruppe von männlichen Wärtern, die nicht mit ihnen reden. Die einzige Kontaktaufnahme sind die Peitschen, mit denen sie darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden. Keine Berührungen, Schlafen wenn das Licht ausgeht, kein Suizid.
Nach einem Alarm, bei dem die Wärter plötzlich die Flucht ergreifen, gelingt es den Frauen, ihr Gefängnis zu verlassen und zu flüchten. Als sie das Tageslicht erblicken, finden sie nicht die gleiche Welt vor, an die sie sich erinnern. Es gibt keine Zivilisation, keine richtigen Jahreszeiten, kein Zeichen von anderen Lebewesen. Nun müssen die Frauen sich ein neues Leben aufbauen, mitten im Nirgendwo.
Der Schreibstil ist einfach aber trotzdem sehr ergreifend. Es wird in der Ich-Perspektive erzählt.
Mich hat der Roman und damit das Schicksal dieser Frauen sehr getroffen.
Das dystopische Setting ist erdrückend und schockierend, aber trotzdem fühlt man total diese Neugier und Zuversicht der Erzählerin. Es ist für mich ein einzigartiges und geniales Buch, was mich aber trotzdem total unzufrieden zurückgelassen hat. Man weiß am Ende, wie die Erzählerin selbst, nicht viel mehr als vorher.
Um ehrlich zu sein ist es gar nicht so leicht, dieses Buch zu beschreiben, zusammenzufassen oder zu bewerten. Vor allem weil es so anders ist als die meisten anderen und weil man beim Lesen so viele verschiedene Gedanken oder Gefühlszustände durchmacht, wie man es selten hat.
Die Geschichte folgt dem Leben eines Mädchens, das mit 39 anderen Frauen in einem Käfig groß wird, in dem jeder Tag dem letzten gleicht und sogar Berührungen verboten sind. Doch sie unterscheidet sich von den anderen und genau deshalb, oder auch durch Zufall verändert das das Leben aller.
Mich hat dieses Buch beim Lesen wirklich unglaublich gefesselt. Ich hatte von Anfang an so viele Fragen und ich musste unbedingt eine Antwort bekommen, deshalb konnte ich das Buch einfach nicht weglegen.
Auch wenn mein Kopf immer noch so voll mit sehr vielen Fragen ist, kann ich das Buch weiterempfehlen, da es mich Tage später immer noch zum Nachdenken gebracht hat und das ist meiner Meinung nach meist ein gutes Zeichen.
Ionela K, Rezensent*in
„Es war das erste Mal, dass ich ihnen aufmerksam zuhörte, und ich war erstaunt, wie viel sie redeten, wie oft sie dasselbe mit anderen Worten wiederholten, nur um zu überspielen, dass sie einander schon lange nichts mehr zu sagen hatten. Aber ein Mensch muss sprechen, sonst hört er auf, ein Mensch zu sein - das ist mir in den Letzten Jahren klargeworden.“
Ich, die ich Männer nicht kannte ist ein fesselnder Roman, der die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die in einem Keller lebt, ohne Erinnerungen an das Leben außerhalb. Der Roman wird aus der Perspektive der „Kleinen“ erzählt, wie sie liebevoll von den anderen 39 Frauen genannt wird. Diese Erzählweise macht die Geschichte besonders intim und lässt den Leser tief in die Gedanken und Gefühle der Protagonistin eintauchen.
Was mich an diesem Buch besonders beeindruckt hat, ist die unerschütterliche Kraft der Frauen, die jahrelang im Keller lebten und trotzdem nicht aufgaben. Sie wussten, dass sie höchstwahrscheinlich in diesem Keller sterben würden, aber sie kämpften weiter. Besonders faszinierend ist die Entwicklung der Kleinen. Als sie in den Keller kam, war sie noch sehr jung und hatte keinerlei Erinnerungen an das Leben außerhalb. Im Laufe der Geschichte wird sie älter und beginnt, sich selbst und die Welt um sie herum zu hinterfragen.
Ein zentrales Thema des Buches ist die Frage nach Wissen und Entdeckung. Auch in der Gefangenschaft strebt die Kleine nach mehr – nach Antworten, nach der Welt jenseits des Kellers. Ihre Neugier treibt sie an, selbst als sie später mit den anderen Frauen aus dem Keller entkommt und sie auf der Suche nach einem neuen Leben sind. Ihr Durst nach Wissen und das Bedürfnis, mehr zu erfahren, lassen sie auch dann nicht los, als sie sich zurückhält, um den älteren Frauen keine Sorgen zu bereiten.
Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie die Frauen der Kleinen alles beibringen, was sie wissen. Sie lehren sie nicht nur Überlebensstrategien, sondern auch, wie man sich in einer Welt voller Unsicherheit behauptet. Die Kleine lernt von ihnen nicht nur praktische Fähigkeiten, sondern auch die Werte von Mut, Hoffnung und Widerstandsfähigkeit.
Der Roman zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie der Mensch in den widrigsten Umständen überlebt und wie das Streben nach Wissen und Entdeckung selbst in der größten Not nicht erlischt. Ich, die ich Männer nicht kannte ist eine kraftvolle Geschichte über Überlebenswillen, die Suche nach Identität und das Streben nach einem besseren Leben. Dieses Buch hat mich tief berührt und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Vielen Dank für das eBook.
Rezensent*in 513931
Neununddreißig Frauen werden in einem unterirdischen Gefängnis festgehalten, ohne zu wissen, warum oder wie sie dorthin gelangt sind. Bewacht von schweigsamen Männern in Uniform, verlieren sie jedes Zeitgefühl und fast jede Erinnerung an ihr früheres Leben. Eines Tages verschwinden die Wächter, und die Tür steht offen. Gemeinsam wagen die Frauen den Schritt nach draußen – doch statt Freiheit erwartet sie eine fremde, verlassene Welt, in der sie lernen müssen, neu zu leben und miteinander zurechtzukommen.
Dieses Buch war für mich extrem bedrückend, aber gleichzeitig tief berührend. Die Atmosphäre ist von Anfang an düster und beklemmend, und gerade die Perspektive der jungen Erzählerin macht vieles noch eindringlicher. Harpman schreibt nüchtern und ruhig, wodurch das Grauen umso stärker wirkt.
Was besonders nachhallt, ist nicht nur das Schicksal der Frauen, sondern die Frage, was Menschsein eigentlich bedeutet, wenn alle bekannten Strukturen wegfallen. Das Buch bleibt sehr im Kopf, und man denkt auch nach dem Lesen noch lange darüber nach – über Freiheit, Gemeinschaft und darüber, wie zerbrechlich unsere gewohnte Welt ist.
Kein leichtes Buch, aber ein sehr starkes und eindrucksvolles.
Aylin M, Rezensent*in
Das Buch erzählt die Geschichte aus Sicht eines jungen Mädchens ohne Namen, die gemeinsam mit 39 anderen Frauen in einem unterirdischen Bunker gefangen gehalten wird. Bewacht von schweigenden, bewaffneten Männern kennen die Frauen weder den Grund ihrer Gefangenschaft noch die Welt außerhalb ihrer Zelle. Die Erzählerin ist die jüngste und das einzige Kind unter ihnen und die Einzige, die nie ein Leben in Freiheit kannte.
Als ich angefangen habe zu lesen, hatte ich keine Ahnung, wo die Geschichte endet wird.
Dieses Buch regt unglaublich zum Nachdenken an z.B. über den Lebenswillen und Lebenssinn, über die Frage, ob Nahe zu anderen Menschen und Liebe lebensnotwendig sind, Einsamkeit, sowie aktive Sterbehilfe bei Leid und Krankheit.
Obwohl die Sichtweise der Hauptprotagonistin vergleichsweise neutral und kühl schien, hat mich das Buch zu Tränen gerührt.
Spoiler:
Das Buch hat ein offenes Ende. Vieles bleibt unbeantwortet.
Doch ich glaube, genau darin liegt der Sinn, da es nicht für alles eine Erklärung gibt und gerade in Extremsituationen ein Happy End nicht selbstverständlich ist.
Vielleicht ist es genau diese Ungewissheit, die das Buch so anders und besonders macht.
Buchhändler*in 1668530
Über das Buch „Ich, die ich Männer nicht kannte“ habe ich im englischsprachigen Raum schon sehr viele Meinungen gelesen und war schon gespannt, wie mir die Geschichte gefallen wird. Ich war von Seite eins an gefesselt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe die ganze Zeit darüber nachdenken müssen, was wohl passiert war und warum die Frauen dort in einem Keller eingesperrt wurden. Aus dem Grund war ich am Ende auch leider enttäuscht, dass man als Leser*in überhaupt gar keine Erklärung für irgendwas bekommt. Es stellen sich einem immer mehr Fragen, die bis zum Schluss alle offen blieben, Den philosophischen Hintergrund rund um die Gruppe der Frauen und vor allem der Hauptfigur fand ich dennoch sehr interessant, insbesondere was es überhaupt bedeutet, ein Mensch zu sein. Dieses Buch würde ich trotzdem empfehlen, jedoch nur mit dem Hinweis, dass es ein offenes Ende hat.
Die Überlebenden
In einem unterirdischen Käfig werden 39 Frauen und ein junges Mädchen seit vielen Jahren gefangen gehalten. Irgendwann ist etwas passiert, was ihr normales Leben beendet hat, aber keiner weiß was. Die Frauen haben noch vage Erinnerungen an die Zeit vor der Gefangenschaft, das Mädchen nicht. Es wurde als Kleinkind mit den Frauen eingesperrt und ist jetzt 12-15 Jahre alt. Es kennt nicht einmal seinen Namen. Die Wärter arbeiten in zwei Schichten und bringen ihnen geringe Mengen von Nahrungsmitteln. Gesprochen wird kein Wort. Die Frauen wissen nicht, warum man sie gefangen hält und haben jede Hoffnung auf eine normale Zukunft verloren. Immer brennt das Licht, und sie haben keine Möglichkeit, Tag und Nacht zu unterscheiden. Es fehlt jegliche zeitliche Orientierung. Eines Tages ertönt ein Signal kaum dass die Wärter die Käfigtür geöffnet haben. Als erste verlässt das Mädchen das Gefängnis, später alle anderen. Draußen sehen sie eine karge Wildnis, in der sie nichts wiedererkennen. Das Mädchen ist von allen die Mutigste und erkundet als erste den Bunker und die Umgebung. Später werden sich alle auf immer ausgedehntere Wanderungen machen in der Hoffnung, auf Menschen und Siedlungen zu stoßen. Sie finden im Laufe der Jahre an die Hundert Bunker, aber keine lebenden Menschen. Die Gruppe wird immer kleiner, weil eine Frau nach der anderen stirbt oder so krank und schwach wird, dass das Mädchen Sterbehilfe leistet. Irgendwann ist sie die letzte Überlebende.
Ich habe diese packende Geschichte mit Zügen eines Science Fiction Romans mit großem Interesse gelesen. Mir gefällt die Art, wie die Autorin sie erzählt und welche Themen dabei behandelt werden. Die Frauen lernen mitmenschliches Verhalten und stehen einander bei. Sie fragen sich, welchen Sinn menschliches Leben und speziell ihr Überleben hat. Ihre Fragen werden nicht beantwortet, und niemand weiß, ob das Geschehen überhaupt auf dem Planet Erde anzusiedeln ist. Ein sehr empfehlenswerter Roman, der 31 Jahre nach der Erstveröffentlichung zu recht große Beachtung findet.
Phantastisches, dystopisches buch bei dem viele Fragen offen bleiben (in a good way!). Man muss sich daruf einlassen und man darf nicht mit ein em happy end rechnen. ich fand es super!
Nadine D, Buchhändler*in
Ein Gedankenexperiment, dass mich sehr beschäftigt hat. Natrülich treibt einen auch um,iwie man selbst gehandelt hätte, versucht selbst Fragen zu stellen.und doch geht es einem wie der Protagonistin, dass stets aus einer Frage neue resultieren. Ein besonderer Lesegenuss für alle Alter, für Frauen und Männer.
Buchhändler*in 1008330
Eins meiner absoluten Lieblingsbücher kommt endlich auf Deutsch raus! Eine Geschichte von was es heißt zu leben, super toll geschrieben und man wird noch lange darüber nachdenken!
Ein Buch voller offener Fragen
In einem Keller werden 39 Frauen und eine Jugendliche gefangen gehalten. Warum weiß man nicht. Die namenslose Erzählerin ist schon als Kleinkind in den Keller gekommen, sie kennt das normale Leben nicht und vermisst es deshalb auch nicht. Das unterscheidet sie von den anderen Frauen.
Eines Tages kommen die Frauen überraschenderweise frei und stehen jetzt der Aufgabe gegenüber sich selbst versorgen zu müssen.
Die Erzählerin ist eine interessante Persönlichkeit. Sie hat zwar nie eine Bildung durch Schule oder Eltern genossen, aber ihre angeborene Intelligenz und Neugier, lassen sie Dinge hinterfragen. Besonders Eine der Frauen versucht ihren Wissensdurst zu befriedigen und ihr ein bisschen Bildung zu vermitteln.
Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd, obwohl eigentlich nicht viel passiert. Ich wollte immer weiter lesen, um die vielen Fragen beantwortet zu bekommen, die sich beim Lesen ergeben. Aber da ist man schon beim Problem, das dieses Buch mit sich bringt. Man bekommt kaum Antworten.
Im Klappentext wird von einem feministischen Buch gesprochen, doch diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Feministisch empfinde ich an dieser Geschichte nichts.
Fazit:
Ein sehr interessantes Buch, aber düster und beklemmend, das einen mit vielen unbeantwortet Fragen zurück lässt.
Buchhändler*in 1558578
Wow, für mich jetzt schon ein absolutes Highlight des Jahres. Ich bin so froh dass dieses Buch nun endlich ins Deutsche kommt! Unfassbar gute Dystopie die mich noch lange beschäftigen wird!
39 Frauen und ein Mädchen sind in einem unterirdischen Verlies eingesperrt – ein Käfig ohne Tageslicht, ohne Beschäftigung, ohne Berührung. Der Alltag besteht aus Nahrungszubereitung und Gesprächen, die oft ins Leere laufen, weil es nichts zu erzählen gibt. Bewacht werden sie von sechs Wärtern, deren Peitschenhiebe jede Übertretung der unzähligen Regeln bestrafen.
Die Frauen erinnern sich nur bruchstückhaft an ihr Leben vor der Gefangenschaft, wissen weder, wie noch warum sie hier gelandet sind. Dennoch kreisen ihre Gedanken unablässig um die „alte Welt“, um Erklärungen, um Sinn.
Das namenlose Kind, „die Kleine“, beobachtet und hört zu. Sie bleibt Außenseiterin, denn die Welt, von der die Erwachsenen sprechen, hat sie nie gekannt. Sie kann nur erahnen, was gemeint ist, wenn von den Selbstverständlichkeiten des Lebens die Rede ist. Eines Tages ertönt ein Alarm, die Wächter fliehen – und die Gefangenen können gehen. Mehr sei nicht verraten.
Harpman entwirft eine düstere, existenzielle Dystopie, deren Abgründe so eindringlich beschrieben sind, dass sie tief verstört. Erzählt wird die Geschichte von der Kleinen in einem einzigen, langen Kapitel – eine formale Entscheidung, die die Monotonie und Geschlossenheit dieser Welt eindrucksvoll spiegelt.
Kein Buch für schwache Nerven, aber eines, das lange nachhallt – auf beklemmende Weise großartig.
Jacqueline Harpmans noch junge namenlose Icherzählerin ist die Jüngste von 40 Frauen, die in einem Kellerverlies gefangen gehalten werden. Die anderen Frauen können noch von einem Leben vor der Gefangenschaft erzählen. Das Mädchen hat an seine Kindheit keine Erinnerungen und auch Erzählungen über die Anfangszeit der Haft werden weniger, weil einseitige Ernährung, mangelnde Bewegung und fehlender Körperkontakt die Frauen in Gleichgültigkeit erstarren lässt. Die ältere Thea fühlt sich zwar verpflichtet, sich um das Mädchen zu kümmern, aber sie kann oder will der Erzählerin nicht berichten, was sie für ein Kind war, als sie zu der Frauengruppe kam.
Als eines Tages ein Alarmton zu hören ist und die Wachen verschwinden, die mit der Androhung von Peitschenhieben erfolgreich geherrscht hatten, gelangen die Frauen durch offene Türen an die Oberfläche. Völlig unvorbereitet, eine fremde Umgebung zu erkunden und zugleich dauerhaft die für ihr Überleben nötigen Mittel „Wasser, Nahrung, Wärme“ zu beschaffen, erkundet das gesamte Rudel gemeinsam die Außenwelt. Strom scheint unbegrenzt zur Verfügung zu stehen, ein Fluss existiert, aber die sternförmige Erkundung der Erdoberfläche, die stets zum Konserven-Depot zurückführen muss, wirkt ziellos. Die Erzählerin, die für eine evtl. folgende Generation Aufzeichnungen hinterlässt, berichtet rückblickend, wie sie selbst hartnäckig versuchte, die anderen Frauen zu befragen und häufig als Antwort erhielt: das musst du nicht wissen, es gibt keine Männer, daher musst du über deinen Körper nichts wissen. Erstaunlich, dass ausgerechnet dieses Mädchen konsequent nach Wissen strebt, zählen lernen will und als einzige in Grenzen abstrakt zu denken versucht. Der Gruppe gelingt es, in kleinen Etappen ihren Radius zu vergrößern und mehr über das System der Kellergefängnisse zu erkunden. Die Frauen müssen sich jedoch mit dem Altern aller abfinden und mit der Aussicht, in absehbarer Zeit als Gruppe auszusterben.
Fazit
Der Bericht der Frau, die mit circa 15 Jahren aus ihrem Kellergefängnis freikommt, trieb mich anfangs beim Lesen durch viele offene Fragen vorwärts. Wo befinden sich die Frauen, auf einem fernen Planeten? Wie kann ein Kind in Gefangenschaft aufwachsen ohne feste Bindung und ohne Erinnerungen, aus denen es ein Selbstbild aufbauen könnte? Wie überlebt eine Gruppe, die vorhandene Vorräte konsumiert, aber keinen Plan für die Zukunft hat? Warum interessiert sich niemand für die Herkunft der Konserven und der Militärstiefel, die vermutlich Etiketten trugen. Warum gibt es in einer Gruppe von 40 Personen so wenig handwerkliche und gärtnerische Fähigkeiten? Schließlich bleibe ich mit der Frage zurück, was eine Frau in einer Welt ohne Männer sein kann - und die Erzählerin könnte grübeln, ob im Matriarchat der weibliche Körper als Quelle von Krankheiten nicht nur eine unnütze Last ist …
Angesichts aktueller Kriege, Gefangenenlager und oligarchischer Autokratien eine so beklemmende wie hochaktuelle Lektüre – dystopisch, spekulativ und feministisch durch ihren Focus auf Beziehungen zwischen Frauen. Den häufig behaupteten Bezug auf Atwoods Report der Magd finde ich jedoch wenig hilfreich.
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Neuübersetzung von Luca Homburg
Frühere Ausgabe: Die Frau, die die Männer nicht kannte, Hoffmann und Campe 1998, 978-3-455028843, Übersetzerin: Brigitte Große
Agata W, Rezensent*in
Dieser dystopische Roman erzählt von 40 Frauen, die seit Jahren in einem unterirdischen Gefängnis eingesperrt sind und von Männern überwacht werden. Sie wissen nicht wie lange sie schon eingesperrt sind, da sie keinem normalen Tagesrhythmus folgen. Eine der Frauen ist von klein auf in dem Gefängnis und kennt das Leben in der normalen Welt nicht. Die anderen Frauen sind schon älter und können sich an ihr vorheriges Leben gut erinnern. Die Frauen leben auf engstem Raum und müssen strengen Regeln folgen, wie beispielsweise dem Verbot von Körperkontakt. Eines Tages kommt es zu einer radikalen Wendung und die Türen des Gefängnisses öffnen sich und die Männer sind verschwunden.
Die Frauen trauen sich aus dem unterirdischen Gefängnis raus und entdecken eine Welt, die sich nicht wieder erkennen.
Ein zutiefst bewegender Roman, der durch eine beklemmende Stimmung charakterisiert ist. Die Geschichte bleibt lange im Kopf und regt zum nachdenken an.
Ich habe dieses Buch auf englisch zu Zeiten des Lockdown gelesen, was wirklich ein Zufall war. Ich griff nach diesem Buch, aufgrund des Titels. Stellte mir darunter eine feministische Dystopie vor, aber letztendlich war ich nicht auf das Ende vorbereitet. Es ist im Grunde eine beklemmende Reflexion über Isolation, Unterdrückung und das Wesen der Freiheit. Nach über fünf Jahren denke ich sehr oft über dieses Buch nach und empfehle es jeden. Lange habe ich nach einer alten deutschen Ausgabe gesucht, weil ich es unbedingt auf deutsch lesen wollte. Die Möglichkeit, dieses Buch jetzt auf deutsch lesen zu dürfen, hat mich noch mal ganz anders auf den Inhalt blicken lassen.
Dieses Buch trägt durchweg so eine Traurigkeit. Gleichzeitig geht es um den Sinn des Lebens. Über Hoffnung bis erkennen, was am Ende bleibt, wenn Menschen, die wir lieben nicht mehr da sind oder Dinge und Routinen verschwinden, die uns Comfort und Ablenkung gaben. Wo man zu beginn noch so viele Fragen stellt von "Was ist passiert?" Oder "Wie werden die Frauen überleben?"- bleibt am Ende eine Erkenntnis und ich denke, dass jeder für sich selbst daraus seine eigene Bedeutung erschließen wird.
Die Geschichte nimmt ihren Anfang in einem unterirdischen Bunker, in dem 39 Frauen und ein junges Mädchen in einem Käfig gefangen gehalten werden. Die einzigen Männer in dieser düsteren Umgebung sind die Wärter, die jedoch außer der Überwachung und der Essenslieferung keinerlei Kontakt zu den Gefangenen haben. Während sich die Frauen noch an ihr früheres Leben vor der Gefangenschaft erinnern können, kennt das Mädchen nichts anderes als diesen trostlosen Ort. Sie weiß nicht, wie der Himmel aussieht oder wie es sich anfühlt Frische Luft einzuatmen. Keiner von ihnen weiß, warum sie dort festgehalten werden. Für die Frauen scheint ihr Schicksal endlos und unausweichlich – bis sich plötzlich eine Möglichkeit zur Flucht und damit der Freiheit auftut. Die Tür steht offen, und die Wärter sind verschwunden...
Dies ist kein klassisches dystopisches Abenteuer, sondern eine zurückhaltende, nachdenkliche Auseinandersetzung mit Isolation, Hoffnung sowie dem tief verwurzelten menschlichen Drang nach Sinn, Zugehörigkeit und Verständnis. Der Roman schwimmt zwischen flüchtigen Momenten des Optimismus und anhaltenden Perioden der Verzweiflung. Im Kern steht die philosophische Betrachtung der Existenz: die Suche nach Bedeutung in einer Welt, die man nie vollends ergründen kann.
Die Protagonistin ist anders. Sie ist so anders, weil sie vieles, was so selbstverständlich scheint, schlichtweg nicht kennt. Dennoch umtreibt sie eine großer Hunger nach wissen. Nicht denken und spüren würde für sie Stillstand und Leere bedeuten. Gleichermaßen lernt sie mit Einsamkeit umzugehen, als sie irgendwann ganz alleine ist. Das Buch lässt einen über die eigene Existenz nachdenken und darüber, wie wir durch das, was wir erlebt haben, geprägt werden. Es ist ebenso schön wie erschütternd, dass man nie erfährt, warum Dinge geschehen und warum alles so ist, wie es ist.
Obwohl es sich so schnell liest und eigentlich in wenigen Sätzen erklärt ist, lädt diese Geschichte zum nachdenken ein.
Es ist eine düstere dystopische Geschichte, die mich nie wirklich losgelassen hat. Sie wirft unbequeme Fragen über das Überleben, die Einsamkeit und darüber auf, was übrig bleibt, wenn alles Vertraute verschwunden ist.
Vielen Dank für die Möglichkeit dieses Meisterwerk lesen zu dürfen. Ich bedanke mich für dieses Renzensionsexemplar von Kett-Cotta über NetGalley. Die geäußerte Meinung ist meine eigene.
Buchhändler*in 1339637
Ich weiß gar nicht so genau wie ich das Buch beschreiben soll...faszinierend, interessant (im positiven Sinne)? Auf jeden Fall ist es ein Kontrast zu dem was ich sonst so lese und war definitiv mal was anderes, aber richtig gut gemacht.
Anfangs musste ich mich kurz an den Schreibstil gewöhnen, irgendwie erzählend aber auch fast schon sachlich. Doch dann bin ich nur so durch die Seiten geflogen.
Die Geschichte war sehr intensiv und hat mich von Anfang bis Ende gepackt und mitgerissen, das Sprichwort "Die Hoffnung stirbt zuletzt" passt hier sehr gut.
40 Frauen, ein Keller das Warten auf das Ende und ganz viele Fragezeichen.
Das Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen und es wird mich bestimmt noch etwas beschäftigen. Ich fand es richtig gut und könnte mir vorstellen es irgendwann nochmal zu lesen.
Joulina W, Rezensent*in
Ich, die ich Männer nicht kannte ist ein stilles, verstörendes und gleichzeitig unglaublich kluges Buch. Eine namenlose Erzählerin, eingesperrt mit anderen Frauen in einem unterirdischen Käfig, ohne Erinnerung an die Welt davor – und ohne Wissen darüber, was draußen noch existiert. Was wie eine dystopische Ausgangssituation klingt, wird bei Harpman zu einer existenziellen, philosophischen Erkundung von Identität, Körper, Freiheit und Menschlichkeit.
Mich hat vor allem die Nüchternheit der Sprache getroffen. Keine Effekthascherei, kein Pathos – nur Beobachtung, Denken, Überleben. Gerade diese Klarheit macht das Buch so intensiv. Es geht weniger um Action als um das, was bleibt, wenn alles wegfällt: Sprache, Gemeinschaft, Fragen ohne Antworten. Dieses Buch ist unbequem, leise und von einer erschütternden Kraft. Für mich ganz klar 5 von 5 Sternen – eines dieser Werke, die sich still ins Gedächtnis brennen.
Rezensent*in 1901992
Tief unter der Erde, eingesperrt in einem Käfig, leben vierzig Frauen. Sie haben keine Erinnerung daran, wie sie dorthin gekommen sind, und jegliches Zeitgefühl ist längst verloren gegangen. Unter ihnen ist ein junges Mädchen, die vierzigste Gefangene, die als einzige keine eigene Erinnerung an die Welt davor hat. Als sich ihnen eines Tages die Chance zur Flucht bietet, wird ausgerechnet sie zum Schlüssel für ihr Überleben in einer fremden, oberirdischen Welt.
Ich habe dieses Buch im Rahmen meines Buchclubs gelesen - während die anderen zur englischen Ausgabe griffen, durfte ich die deutsche Übersetzung lesen. Ehrlich gesagt hatte ich zu Beginn ein paar Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Der Funke wollte anfangs nicht so recht überspringen, doch das änderte sich schlagartig. Je weiter die Handlung voranschritt, desto mehr entwickelte das Buch einen Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte, bis ich es am Ende gar nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Es ist eine unglaublich intensive und beklemmende Dystopie, die mich tief bewegt und zum Nachdenken angeregt hat. Die Protagonistin, die gleichzeitig unsere Erzählerin ist, dabei zu beobachten, wie sie wächst, lernt und täglich ihre eigenen Grenzen verschiebt, war eine faszinierende Erfahrung. Ihr Trotz gegenüber den älteren Frauen, die ihr das Geheimnis um die Existenz von Männern vorenthalten, und ihr unbedingter Wille, die Situation mit Logik zu begreifen, machen sie zu einem bewundernswerten Charakter.
Was Jacqueline Harpman hier auf wenigen Seiten schafft, ist beeindruckend: Ohne die Fachbegriffe dafür überhaupt zu erwähnen, stößt sie Debatten über Geschlechterrollen, Bildungssysteme, Kapitalismus und sogar das Ende des Lebens an.
Normalerweise frustriert es mich, wenn Fragen unbeantwortet bleiben, aber hier hat mich die Ungewissheit eher noch tiefer in die Geschichte hineingezogen. Dennoch muss ich gestehen, dass ich das Buch mit dem Wunsch schloss, nur einen winzigen Hinweis mehr über die Hintergründe zu erfahren. Ich liebe offene Enden und Fan-Theorien, aber hier fehlte mir dieser eine kleine „Brotkrumen“, weshalb es für mich nicht ganz für eine 5-Sterne-Bewertung gereicht hat.
Insgesamt ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ ein kurzes, aber gewaltiges Werk, das seiner Zeit weit voraus war. Es ist eine einzigartige Geschichte, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Herzlichen Dank an NetGalley und den Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar!
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1378524
Ich, die ich Männer nicht kannte hat mir sehr gut gefallen, weil es trotz seiner Kürze unglaublich intensiv und eindringlich ist. Die nüchterne, klare Sprache verstärkt die beklemmende Atmosphäre und lässt die Gedanken und Gefühle der Figuren umso stärker wirken. Besonders spannend fand ich die radikalen und ungewöhnlichen Ansichten über Freiheit, Menschlichkeit und Existenz.
Rezensent*in 532703
„Warum sind wir eigentlich hier?“
Vierzig Frauen befinden sich in einem Kellergewölbe. Durch einen Zaun sind sie von Männern getrennt, die Wärter. Nachts legen sie ihre vierzig Matratzen auf den Boden, um schlafen zu können. Und so geht es jeden Tag weiter. Bis sie einen Ausweg finden.
Jacqueline Harpmans 1995 erschienener Roman könnte sich nach der knappsten Inhaltszusammenfassung in der Teenager-Dystopie-Abteilung wiederfinden. Die Autorin hätte es reißerischer schreiben können, als actiongeladene Version voller Kämpfe, Geheimnisse und Intrigen. All das ist „Ich, die ich Männer nicht kannte“ nicht. Der Roman ist beinahe eine philosophische Abhandlung über Einsamkeit, die Rolle in der Gesellschaft und Zivilisation (ähnlich wie „Die Wand“ von Marlen Haushofer). Die Handlung spielt sich in der Gedankenwelt der jüngsten Frau ab. Sie denkt anders als ihre Mitgefangenen. Durch sie erlernen wir beim Lesen das Zählen, Handwerken und Schreiben neu.
Das Buch geht selbstbewusst damit um, dass es keine Antworten auf die zentralen Fragen der Hauptfigur (und auch des Lesers) liefern kann. Und das muss es auch nicht. Enden können offen sein und zum Nachdenken anregen. Manche könnten behaupten „Du magst das Buch nicht, weil du es nicht verstanden hast“. Meiner Meinung nach muss man es auch nicht verstehen. Auf 224 Seiten sollen wir nur der namenlosen Erzählerin zuhören, sie auf einen jahrzehntelange Reise begleiten und dieses Gedankenspiel mitmachen. Es muss nicht immer alles auserzählt werden, um genossen werden zu können.
Rezensent*in 887085
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein einzigartiges Buch, das sich keiner Kategorie so wirklich unterordnen will. Im Kern wohl am nächsten dran an einer dystopischen Erzählung, versetzt einen der Roman in eine befremdliche neue Realität und zwingt einen dazu sich mit Überleben, Freiheit und der ganz essenziellen Frage auseinanderzusetzen, was es überhaupt bedeutet Mensch zu sein. Man begegnet der namenlosen Erzählerin in einem Keller, in dem sie eingesperrt mit 39 anderen Frauen lebt, ein jeder Aspekt ihres Lebens von einer unbekannten Entität bestimmt. Es ist die einzige Realität, die sie je kannte. Bis sich eines Tages eine Tür öffnet und die Frauen in eine Welt entlässt, die nur Fragen, niemals Antworten für sie bereithält.
Der Schreibstil ist schlicht und gerade zu Anfang war ich überrascht, wie sachlich er sich anfühlt. Es war fast, als bestünde eine greifbare Distanz zwischen mir und der Erzählerin, ein Befremden angesichts ihrer ungewöhnlichen Stimme. Bis man etwas mehr darüber erfährt, welche Umstände sie geformt haben. Erst dann begreift man, wie einzigartig ihre Erzählstimme eigentlich ist. Was bleibt? Was macht einen aus, wenn sich sämtliche Erfahrungen des Lebens in einem abgegrenzten, künstlichen Raum mit den immer selben Leuten beschränken? Wenn man nie erlebt hat, wie sich die Sonne auf der Haut anfühlt oder das Gras unter den Füßen. Weshalb Wörter lernen wie Vogel oder Flugzeug, wenn man beides nie gesehen hat und niemals sehen wird. Unsere Erzählerin, die so beraubt von Einflüssen und Erfahrungen ist, die wir in unserem Alltag meist für selbstverständlich halten, bringt all das und mehr in ihrer Stimme zusammen. Es fällt schwer in Worte zu fassen, wie sich das beim Lesen angefühlt hat. Noch schwerer es in so banale Kategorien wie gut oder schlecht einzuteilen. Es war einfach anders. Einzigartig. Ich habe mich beim Lesen an McCarthys The Road und Emily St. John Mandels Station Eleven erinnert gefühlt, wobei Einsamkeit und Ungewissheit hier irgendwie ungleich viel schlimmer und drückender ausgearbeitet sind.
Über den Inhalt an sich will ich nicht viel sagen. Ich finde je weniger man weiß was einen erwartet, desto besser. Was ich aber ansprechen will ist mit welcher Erwartungshaltung man an dieses Buch rangehen sollte. Es ist definitiv kein comfort-read, kein gemütlich-zum-einkuscheln-und-mal-zwischendurch-lesen Buch. Wer in Büchern einen runden Abschluss, ein großes Finale oder happy-end sucht und alle offenen Fragen beantwortet haben will, wird hier nicht fündig. Und auch wenn man es bei dem Titel vielleicht vermuten könnte, findet in dem Roman keine tiefgreifende Auseinandersetzung damit statt, warum eine Welt ohne Männer besser oder schlechter wäre. Es ist schlicht ein weiterer Umstand im Leben der Protagonistin. Das Patriachat oder starre Geschlechterrollen lernt sie nicht kennen, weil sie Männer nicht kennt. Da darf der Titel gerne wörtlich verstanden werden. Das alles soll aber keineswegs abschrecken, denn lässt man sich drauf ein, kann Ich, die ich Männer nicht kannte eine unglaublich tolle Leseerfahrung werden. Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt, unaufgeregt ist und dennoch intensiv und über den man noch lange nachdem man die letzte Seite hinter sich gelassen hat nachdenken wird.
40 Frauen leben in einem Käfig. Werden von 3 Männern Tag und Nacht bewacht. Sie dürfen einander nicht berühren, sie dürfen keine Gefühlausbrüche zeigen, sie haben keinerlei Privatssphäre. Ein 15jähriges Mädchen ist unter ihnen. Niemand kann sich erinnern, wie und warum sie in diesen Keller, in diesen Käfig, gekommen sind. Nur ab und an taucht eine vage Erinnerung an ein früheres Leben auf. Das Mädchen kann sich nur an diesen Käfig erinnern, sie hat noch nicht einmal einen Namen. Jacqueline Hartman erzählt in 'Ich, die ich Männer nicht kannte' eine außergewöhnliche Dystopie. Es erinnert ein wenig an 'Die Wand', es erinnert ein wenig an 'Der Report der Magd' und doch ist es soviel mehr, obwohl kaum etwas passiert. Doch die Suche nach Sinn und Ursache ist so intensiv und packend erzählt, dass man diesen schmalen Band nicht aus der Hand nehmen möchte. Sie erzählt von Hoffnung und Freundschaft, Verzweiflung und Einsamkeit, Unwissenheit und Wissensdurst und von einer mutigen Frau, die sich irgendwann einer grenzenlosen Einsamkeit stellt. Nicht unbedingt ein Wohlfühlbuch, aber ein Buch, das gedanklich noch lange nachklingt.
Vierzig Frauen werden in einem Käfig unter der Erde gefangen gehalten. Sie bekommen von ihren Bewachern, die nie mit ihnen sprechen, nur die nötigsten Dinge zum Überleben. Das Licht brennt Tag und Nacht und niemand weiß, welche Tageszeit gerade ist.
Die Frauen hatten vor dieser Gefangenschaft alle ein ganz normales Leben, sie können sich an ihre Vergangenheit erinnern, nur die Ich-Erzählerin nicht, denn sie wurde bereits als Kind zusammen mit den Frauen eingesperrt.
Niemand weiß, wer ihre Wächter sind, niemand weiß, wo sie sich befinden und warum sie in diesem Käfig gelandet sind, doch inzwischen sind Jahre vergangen und das Leben hat sich auf Essen, Kochen und Schlafen reduziert.
Eines Tages jedoch, als die Wächter gerade den Käfig aufschließen wollen, um Lebensmittel zu verteilen, ertönt ein Alarmsignal und die Bewacher verschwinden. Sie lassen die Frauen allein. Dass sie den Schlüssel vergessen, grenzt an ein Wunder. Endlich befreit, entdecken die ehemaligen Gefangenen die Umgebung ihres Gefängnisses, doch es ist nicht die Welt, die sie kannten…
Ich habe diesen Roman mit einer großen Neugier gelesen, denn ich wollte natürlich wissen, was den Frauen passiert ist und habe mir zusammen mit ihnen dieselben Fragen gestellt. Wer hat sie eingesperrt und warum?
Ob sie beantwortet wurden? Das verrate ich nicht, doch das Lesen lohnt sich, obwohl die Erzählerin ein ziemlich trostloses Dasein fristet und das Schicksal der Frauen keine Minute lang positiv wird. Beim Lesen stellt sich die Frage, was Menschsein bedeutet, wenn man nur auf das Nötigste reduziert wird und wie man selbst in dieser Situation reagieren würde.
Ein beeindruckendes aber auch bedrückendes Buch, das einen mit mehr Fragen als Antworten zurück lässt. Trotzdem eine klare Leseempfehlung.
Eine ganz einzigartige Geschichte!
Durch die Sicht einer namenslosen Erzählerin erfährt der Lesende, dass eine Gruppe von vierzig Frauen seit Jahren in einem Kellerraum gefangen gehalten wird. Die Frauen können sich nicht erinnern wie sie dorthin gekommen sind oder was in den letzten Jahren außerhalb des Kellerraums geschehen ist. Als dann ein ungewöhnliches Ereignis stattfindet begeben sich die Frauen auf die Suche nach Antworten...
Diese Geschichte ist sehr einzigartig geschrieben und packt einen von Beginn an! Zusammen mit der Hauptfigur stellt man sich immer wieder neue Fragen, auf die man verzweifelt Antworten sucht. Daher ist die Geschichte definitiv packend und man kann sie gar nicht aus der Hand legen.
Ein Minuspunkt für mich ist leider das offene Ende. Definitiv lädt dieses zum nachdenken an und auch für einen Leseclub ist das Buch sicherlich empfehlenswert, da es viel Spielraum für Diskussionen bietet. Wenn man in diese Geschichte startet sollte man sich jedoch bewusst darüber sein, dass es keine typische Dystopie ist, sondern eher ein philosophisches Gedankenexperiment. Wer actiongeladene Handlungen und konkrete Antworten auf Fragen sucht, wird hier nicht fündig. Dennoch findet man hier eine Geschichte, die im Gedächtnis bleibt.
Buchhändler*in 1048013
Vierzig Frauen werden seit Jahren in einem Keller unter der Erde gefangen gehalten. Jeweils drei Wärter patrouillieren Tag und Nacht um den Käfig, lassen ihre Peitschen knallen und berühren die Insassinnen nur, um sicherzustellen, dass sich keine umbringt. Die Frauen erinnern sich nur vage an ihr früheres Leben und wissen weder, wie sie in den Keller gelangt sind, noch zu welchem Zweck sie hier ihr sinnloses Dasein fristen.
Ein junges Mädchen – das einzige Kind unter all den Frauen – sitzt etwas abseits der Gruppe. «Die Kleine» kennt nichts anderes als das Leben im Keller und fühlt sich oft ausgeschlossen, wenn sich die Frauen über ihre Erinnerungen an die frühere Welt austauschen. Doch als ein Alarm alle Wärter fliehen lässt und die Tür des Käfigs plötzlich offen steht, ist sie eine der ersten, die den Mut aufbringt, die lange Treppe nach draussen zu steigen. Doch was die Frauen oben erwartet, ist nicht die Welt, die sie von früher kannten.
Ein ungewöhnlicher und etwas dystopischer Roman, der einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Ein faszinierender Lesegenuss!
Lehrende*r 1986056
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ hat mich von der ersten Seite an fasziniert. Ich konnte es nicht aus derHand legen und habe es in einem Rutsch gelesen. Mit gerade mal 141 Seiten enthält dieser Roman viele existenzielle Themen, die mich als Leserin beschäftigt haben - auch nach dem Beenden des Buches. Was macht einen Mensch aus? Was macht ein Leben lebenswert? Was treibt uns an? Die perfekte Lektüre für Diskussionen, den Buch-Club oder einfach zum Nachdenken und Grübeln.
Buchhändler*in 1176457
Ein verstörendes, sprachlos machendes Buch. Schwer zu rezensieren, ohne zu viel zu verraten. 40 Frauen in einem Gefängnis – scheinbar ohne Grund, ohne Vorgeschichte. Dann die Möglichkeit einer Befreiung – und die Geschichte nimmt eine völlig unerwartete Richtung.
Es hat mich sehr an Die Wand von Marlen Haushofer erinnert – ebenfalls ein Buch, das lange nachwirkt und einen mit mehr Fragen als Antworten zurücklässt.
Ob ich es als feministisches Werk feiern würde? Eher nicht. Aber als ein starkes, kompromissloses Buch, das man gelesen haben sollte – auf jeden Fall.
Was für ein Buch!
Ich begann diese Reise mit Verwirrung, Entrüstung und Wut und beendete sie weinend.
Wir folgen einem namenlosen Mädchen, das in einem unterirdischen Käfig mit 39 Frauen eingesperrt lebt, bewacht von namenlosen Wächtern, die sie mit allem Nötigen versorgen, aber auch jegliche körperliche Nähe unterbinden. In diesem furchtbaren Szenario, das mich sehr an die Affenexperimente erinnert, in denen Affenjungen nur eine Drahtmutter zur Verfügung stand, wächst das Kind zu einem Teenager heran.
Wir begleiten sie in ihrer Entwicklung, die zunächst noch von den alten Ideen geprägt ist, die die Älteren aus der Welt kennen, die die unsere ist: Liebe, Beziehungen, gesellschaftliche Rollen. Sie lernt von den beiden Generationen, die mit ihr eingeschlossen sind, und fordert sie mit ihrem Wissensdurst heraus – und geht damit auch in einen stillen Widerstand, der den Wunsch nach Liebe zunehmend in den Hintergrund rücken lässt.
Nach langen zwölf Jahren passiert etwas Unerklärliches, das dieses kleine, enge Leben verändert und für unsere Erzählerin eine Entwicklung anstößt, die weit über die Grenzen dieses Käfigs hinausreicht.
Ich habe in diesem Buch so viel markiert – so viele Sätze ließen mich innehalten und darüber nachdenken, warum wir bestimmte Dinge tun oder warum sie uns wichtig sind („Wozu war das gut, Schönsein? War das für die Männer?“).
Was bleibt von uns als Mensch übrig, wenn jegliche soziale Notwendigkeit von uns abfällt, weil wir allein sind? Worin liegt das Suchen und Streben unseres Verstandes, wenn niemand da ist, für den wir sein müssen?
In „Ich, die ich Männer nicht kannte“ wird fast so etwas wie eine Evolution in einer einzigen Person nachgezeichnet. Die Erzählerin wächst ohne das Konzept oder die Notwendigkeit romantischer Beziehungen auf („Gefühle hingegen sind mir immer noch ein Rätsel“) und richtet ihr Leben nicht nach ihnen aus. Sie lernt nicht zu gefallen, lebt nicht in Machtgefällen und orientiert sich nicht an Erwartungen – sondern entwickelt sich aus sich selbst heraus und innerhalb einer kleinen solidarischen Gemeinschaft.
Gleichzeitig entsteht eine faszinierende Spannung zwischen ihr und den älteren Frauen. Während diese sich an eine verlorene Welt erinnern und mit dem Verlust von Beziehungen, Liebe und Familie leben müssen, kennt unsere Erzählerin all das nicht. Ihre Perspektive wirkt deshalb fast wie die einer Anthropologin, die menschliche Gewohnheiten von außen betrachtet. Viele unserer gesellschaftlichen Selbstverständlichkeiten erscheinen in ihrem Blick plötzlich fremd, fast wie rätselhafte Rituale.
„Das, was ich nie kannte, kann ich hingegen nicht betrauern.“
Gerade dadurch wirkt der Roman wie ein philosophisches Gedankenexperiment: Was bleibt vom Menschsein übrig, wenn man ihm Geschichte, gesellschaftliche Rollen und Beziehungen entzieht? Was treibt einen Menschen an, wenn niemand zuschaut, niemand bewertet, niemand erwartet?
Der Ton des Buches bleibt dabei erstaunlich ruhig und klar, fast nüchtern – und vielleicht liegt genau darin seine Wucht. Es gibt keine lauten Katastrophen, keine dramatischen Wendungen. Stattdessen entfaltet sich langsam eine existenzielle Einsamkeit, die mich beim Lesen immer stärker erfasst hat.
Dieses Buch ist philosophisch, introspektiv und existenziell in seinen Themen und sicherlich nicht der „cup of tea“ für jede:n. Aber mich hat es sehr beschäftigt und mitgenommen – und nach dem Ende saß ich erst einmal zehn Minuten regungslos da und musste mich sortieren. Noch lange danach habe ich darüber nachgedacht, was von uns übrig bleibt, wenn Beziehungen, Erwartungen und gesellschaftliche Rollen wegfallen. Wer wären wir eigentlich – ohne den Blick der anderen?
Dieser Roman erzählt keine Geschichte über das Ende der Welt – sondern über das, was vom Menschsein übrig bleibt.
Ein wirkliches Highlight für mich.
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1239909
„Ich, die ich nie einen Mann gekannt habe“ ist ein tiefgründiger und bewegender dystopischer Roman, eine Erkundung von Isolation, Identität und menschlicher Zerbrechlichkeit. Jacqueline Harpman schafft eine seltsame und fesselnde Geschichte, die die Natur der Existenz selbst in Frage stellt.
Der Roman erzählt die Geschichte einer namenlosen Erzählerin, einer Frau, die zusammen mit 39 anderen Frauen in einem unterirdischen Gefängnis aufgewachsen ist. Sie wissen nicht, warum sie dort sind, wer sie dorthin gebracht hat oder was sich hinter den Gittern befindet. Die Erzählerin, die als einzige von ihnen noch nie einen Mann kennengelernt hat, versucht trotz fehlender Antworten, die Welt durch Beobachtung und logisches Denken zu verstehen.
Eines Tages verschwinden die Wärter plötzlich und den Frauen gelingt die Flucht. Draußen entdecken sie eine öde Welt, in der es keine Spur von menschlichem Leben gibt. Sie begeben sich auf eine Reise durch eine wüstenartige, sinnlose Landschaft und versuchen, eine Erklärung für ihre Existenz zu finden.
Harpman schreibt minimalistisch, aber voller emotionaler Intensität. Die Atmosphäre des Buches ist bedrückend, klaustrophobisch und weitläufig zugleich und wechselt zwischen dem begrenzten Raum des Gefängnisses und der unendlichen Weite der postapokalyptischen Welt.
„Ich, die ich nie einen Mann gekannt habe“ ist ein kraftvoller und provokanter Roman, der beim Leser mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Es ist ein Buch über Entfremdung und die Suche nach Sinn in einem Universum, das jeder Logik zu entbehren scheint. Wenn Sie introspektive Geschichten und philosophische Dystopien mögen, ist dies eine Lektüre, die Sie so schnell nicht vergessen werden.
Buchhändler*in 1880804
Die Frauen erleben die Illusion von Freiheit, als sie aus dem Käfig kommen, realisieren aber nach und nach, dass sie nie wirklich frei waren. Aufgrund dessen, wenn auch zu verschiedenen Zeitpunkten, verlieren all die Frauen nach und nach ihre Lebensenergie und beginnen nur noch zu überleben, statt zu leben. Diese Geschichte befasst sich mit Einsamkeit, der Suche nach Bedeutung und Zusammenhalt zwischen den Frauen. So sehr die Frauen auch zusammenhalten, so sehr sie auch Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen an den Tag legen, es wird deutlich, dass körperliche Freiheit ohne intellektuelle und seelische Freiheit nichts wert ist. Die Frauen mögen den Limitationen des Käfigs entkommen sein, doch die Ausweglosigkeit ihrer Lebenslage ist es, was sie leiden und aufgeben lässt. Nichts tötet den Menschen seelisch effektiver als Hoffnungslosigkeit. Das wird durch die triste, fruchtlose Vegetation der Welt besonders repräseniert.
Ein stilistisches Kompliment an Harpman muss ich über die namenlose Protagonistin
aussprechen, die von der Geschichte ihrer Leidensgenossen, sowie schlussendlich ihrer eigenen berichtet. Damit ist über das ganze Buch über eine angespannte Atmosphäre vorhanden, die den Leser zum Weiterblättern animiert. Sie lässt oft eine Bemerkung fallen, die auf zwei Zeitebenen hindeutet. Dadurch, dass sie in der Gegenwart zunächst nur sich selbst erwähnt, ist man sehr besorgt und liest konzentriert weiter, voller Hoffnung und voller Angst über das Schicksal ihrer Leidensgenossen. Außerdem ist sie als Protagonistin die effektivste Wahl, da sie als alleinige der Gefangenen die echte, uns bekannte Welt nicht erlebt hat. Sie hat nicht einmal die Erinnerungen, die die restlichen 39 haben. Sie kennt nur diese apokalyptische Welt und durch ihr Unwissen wird die Absurdität der neuen Welt, sowie die Inhumanität verdeutlicht, da sie nicht einmal weiß, wer ihre Eltern sind, wie alt sie ist und wie ihr Name lautet. Abgesehen davon sind all die ihr unbekannten Dinge eine Erinnerung daran, was für ein gequältes, unerfülltes Leben all die Gefangenen leben mussten, da sie immer nur Fragen, nie aber Antworten, geschweige denn eine Erlösung fanden.
Auch mit fehlenden, fehlerhaften Antworten bezüglich von Konzepten und Emotionen, die ihr fremd sind, entwickelt sie sich dennoch zu einem dezenten, empathischen Menschen, der Liebe empfinden kann und empfindet. Denn es ist die Gesellschaft und Kontakt zu anderen Menschen, die prägen.
Harpman, sehr zu meiner subjektiven Missgunst, aber zu der objektiv erkennbaren Effektivität, wirft viele Fragen auf, die größtenteils unbeantwortet bleiben, oder philosophische Fragen, die den Leser mitdenken lassen. Dadurch ist das perseverierende Interesse des Lesers und die bleibende Erinnerung an das Werk garantiert.
Die fehlenden Antworten innerhalb des Buches stellen ein Vakuum dar, das der Leser mit seinen eigenen Gedanken und Interpretationen füllen kann. Für mich stellt dieses Buch Folgendes dar: Um wirklich frei zu sein, müssen Menschen die Möglichkeit haben, ihre vollkommen eigenen Entscheidungen zu treffen, ihren Intellekt zu erweitern, und die für sie wichtigen Aspekte innerhalb des Lebens finden und leben zu können. Die Frauen starben lange, bevor ihre Körper es taten, weil sie nicht die erhofften Antworten fanden und an eine für sie bedeutungslose Routine gebunden waren, der sie nicht entkommen konnten, sowie wie die Sehnsucht nach ihrem alten Leben nicht befriedigen konnten. Dennoch gibt es einen Aspekt, der meinen Optimismus anregt. Auch ohne die uns bekannter Ordnungen und die Zivilisation, ist es durch den Zusammenhalt mit Menschen dennoch möglich, die eigene Menschlichkeit zu bewahren. So entwickelt sich die Protagonistin, trotz Unverständnis der alten Welt und ihrer Leidensgenossen gegenüber, in einen respektvollen, empathischen Menschen, dem vor allem ihre Mentorin Anthea am Herzen liegt. Zudem ist der Zusammenhalt der Frauen inspirierend, sie passen aufeinander auf und pflegen einander, soweit sie können und lassen die Kranken unter ihnen niemals zurück. Darüber hinaus wird ausnahmslos jedem der letzte Respekt geschenkt, der sein Leben lassen musste und vor allem ihre Mitgefangenen werden liebevoll von ihr begraben. Das meiner Meinung nach ist ein weiterer Aspekt, der zeigt, was für eine warmherzige Person die Protagonistin ist. Sie kennt keine menschlichen Normen und Gebrauche, doch dennoch gibt sie Verstorbenen eine Schweigeminute, und begrabt diese vorsichtig, ohne zu wissen, dass dies gängige Vorgehen, aus einer ihr fremden Welt, sind.
Alles mag hoffnungslos scheinen, doch der Zusammenschluss mit anderen lässt alles ein wenig bewältigbarer sein.
Dieses Buch hat mich von Beginn weg fasziniert. Ein Roman, der lange nachhallt, weil er nicht nur eine dystopische Situation beschreibt, sondern ein existenzielles Gefühl. Was bleibt vom Menschsein, wenn Erinnerung, Sprache, Geschichte und Zukunft ausgelöscht sind? Der Roman entfaltet eine beklemmende Welt, in der die Frauen nicht nur eingesperrt sind, sondern auch ihrer Vergangenheit beraubt wurden. Die vierzigste Gefangene, ist dabei die radikalste Figur. Sie ist die namenlose Erzählerin. Sie kennt nichts ausser diesem Käfig, keine Männer, keine Aussenwelt, keine Sprache für Sehnsucht oder Verlust. Gerade diese Unschuld macht ihre Perspektive so erschütternd. Was mich besonders beeindruckt hat, ist, dass der Roman nicht moralisiert. Er zeigt keine Rebellion, keine Heldinnenreise, keine klare Erklärung. Stattdessen entsteht ein feministischer Impuls aus dem, was fehlt. Aus der Sprachlosigkeit, der Isolation, der völligen Abhängigkeit. Die Frauen müssen sich erst mühsam aneinander annähern, Vertrauen lernen, Verantwortung teilen. Solidarität entsteht hier nicht aus Ideologie, sondern aus Notwendigkeit und wirkt gerade deshalb so wahr. Nach der Flucht wird der Roman nicht hoffnungsvoller, sondern noch stiller. Die Aussenwelt ist leer, verwüstet, unverständlich. Die Frauen müssen sich neu erfinden, ohne Vorbilder, ohne Strukturen. Es erzählt nicht von Gewalt, sondern von deren Folgen und davon, wie schwer es ist, Mensch zu bleiben, wenn einem die Welt genommen wurde.
Sabine F, Rezensent*in
Neununddreißig Frauen leben in einem unterirdischen Gefängnis in totaler Isolation, bewacht von wortkargen Männern. Ohne jedes Zeitgefühl und ohne Erinnerung an ihr früheres Leben fristen sie dort ihr Dasein, bis eines Tages ein Alarm ertönt und die Wachen plötzlich verschwinden. Die Türen stehen offen. Unter der Führung der vierzigsten Gefangenen – der einzigen, die nie eine Welt außerhalb dieser Mauern kennengelernt hat – wagen sie den Schritt ins Freie. Doch dort erwartet sie keine Rückkehr in die gewohnte Zivilisation, sondern eine weite, menschenleere und rätselhafte Welt. Sie müssen lernen, als Gemeinschaft zu überleben und die Bruchstücke ihrer Vergangenheit mühsam zu rekonstruieren.
Mich hat dieses Buch schon nach wenigen Seiten in einen regelrechten Sog gezogen. Die beklemmende Atmosphäre der Gefangenschaft ist physisch spürbar, sodass ich mich der Spannung kaum entziehen konnte. Es ist diese Ungewissheit, verbunden mit der großen Frage nach dem „Warum“, die mich beim Lesen ständig beschäftigt hat.
Beeindruckend empfand ich die Figur der namenlosen Ich-Erzählerin. Da sie als Einzige keine Erinnerung an ein Leben in Freiheit besitzt, blickt sie mit einer ganz eigenen, fast unschuldigen Sachlichkeit auf die Welt. Sie ist der Motor der Erzählung, diejenige, die den Mut zur Erkundung aufbringt und die Gruppe antreibt. Im krassen Gegensatz dazu steht die Passivität der anderen Frauen, die fast schockierend wirkt. Selbst nach der Befreiung zeigen sie kaum Motivation, die Lage zu erforschen. Es schien mir, als hätten sie sich in der langen Zeit der Isolation selbst aufgegeben. Es ist erschütternd zu sehen, wie sie ihre Erinnerungen verdrängt hatten – wohl auch, weil die schönen Bilder der Vergangenheit zu schmerzhaft waren. Erst nach und nach kehren diese Fragmente zurück, wodurch die Erzählerin mehr über das einstige Leben erfährt, das unserem heutigen entsprach.
Ob man das Buch als feministischen Roman bezeichnen kann, bleibt für mich offen. Zwar spielt Emanzipation eine Rolle, doch für mich stand eher das Leben in einer Gemeinschaft in einer hoffnungslosen Welt im Vordergrund. Die Männer traten lediglich als Wärter auf; Überlebende gibt es nicht. Neben der Frage, wohin sie nach dem Alarm verschwunden sind, bleibt für mich unklar, weshalb es neben den Frauengefängnissen auch eines für Männer gab.
Der Überlebenswille der Protagonistin ist bemerkenswert. Die Vorstellung, jahrzehntelang durch das Nichts zu ziehen, in der Hoffnung auf etwas Neues, das das Leben lebenswert macht, ist schwer nachvollziehbar – besonders, da mit den Jahren die Aussicht auf Erfolg immer weiter schwindet.
Der Schreibstil ist klar und verzichtet auf Schnörkel. Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, lernt man natürlich nur die eingeschränkte Sicht der namenlosen Hauptfigur kennen. Das hat sie mir sehr nahegebracht, ließ aber gleichzeitig viele Lücken offen, die nicht erklärt werden können. Dadurch behält der Roman etwas Mysteriöses, zumal Andeutungen nicht immer aufgelöst werden. Es herrscht eine zehrende Hoffnungslosigkeit, die sich bis zum Ende durchzieht. Gerade die letzten Seiten nach dem Tod der anderen Frauen sind beklemmend, da die Erzählerin nun völlig auf sich allein gestellt ist; ihre Sehnsucht nach Gemeinschaft und die wachsende Verzweiflung sind fast unerträglich.
Man muss akzeptieren, dass viele Fragen offenbleiben. Wie im echten Leben ist es wohl unmöglich, jedes Rätsel der Existenz zu lösen. Dennoch hätte ich mir am Ende einen etwas runderen Abschluss mit mehr Antworten gewünscht. So habe ich das Buch mit einem sehr beklemmenden Gefühl beendet.
Spannende Dystopie
Dieses Buch zu lesen, wirft viele Fragen auf. Es entfacht einen richtige Sog, spielt in einer gottverlassenen Gegend und beschreibt das langweilige Leben von 40 Frauen in einem Gefängnis tief unter der Erde. Während Tag und Nacht elektrisches Licht brennt, werden sie von drei Männern bewacht, die eines Tages plötzlich verschwinden; dabei aber zum Glück der Frauen die Käfigtür offen lassen So suchen die ihre "Freiheit" und irren in der ihnen unbekannten, einsamen Gegend mehr oder weniger hilflos umher.
Die namenlose Erzählerin ist die Jüngste unter ihnen. Sie kam schon als Kind hierher und kennt weder ihre Eltern noch die Heimat. Für sie sind die Erinnerungen der anderen Frauen Märchen:
„Du machst dir keine Vorstellung davon, wie das richtige Leben war – du kannst gar nicht begreifen, wie sinnentleert unseres hier ist.“
Dafür ist sie draußen in der „Freiheit“ die Mutigste von allen. Die Frauen wachsen in ihrem neuen, einsamen Leben immer stärker zusammen. Sie müssen nicht hungern, da sie genügend Vorräte zum Überleben finden. Allerdings machen ihnen das zunehmende Alter und diverse Krankheiten zu schaffen. Die Gruppe wird kleiner und die Erzählerin bleibt schließlich allein zurück.
Dieses Buch zu lesen ist ein Erlebnis. Es entwickelt trotz – oder gerade wegen – der vielen offenen Fragen einen starken Sog. Die unterschiedlichen Charaktere der Frauen sind sehr anschaulich dargestellt. Es zeigt nicht nur, wie Tatenlosigkeit einen Menschen deprimiert, sondern auch, wie viel Überlebensdrang trotz allem vorhanden ist. Die jetzt herausgekommene Neuübersetzung aus dem Französischen empfand ich als sehr angenehm zu lesen.
Die belgische Schriftstellerin Jacquelin Harpman (*1929 +2012) veröffentlichte diesen Roman 1995, zehn Jahre nach Margaret Atwoods „Der Report der Magd“, woran er mich beim Lesen entfernt erinnert hat. „Ich, die ich die Männer nicht kannte“ spielt in einer unbekannten Welt, die auf der Erde sein könnte - oder auf einem anderen Planeten, auf dem die Jahreszeiten nicht so ausgeprägt sind. Der Sinn, weshalb die Frauen im unterirdischen Gefängnis verharren müssen, bleibt offen – ebenso warum es in der Freiheit keinen anderen Menschen mehr gibt.
Rezensent*in 835601
Dieses Buch ist ein absolutes Jahreshighlight!
Inhaltlich will ich gar nicht so viel vorweg nehmen - es ist dystopisch, erklärt wenig und faszinierend.
Jemand der sich einfach nur berieseln lassen will wird vermutlich nicht glücklich.
Das Buch gibt viele Fragen auf, liefert aber wenig antworten. Ich fand es sehr interessant und spannend das ich las Leser so wenig wusste wie die Protagonistin.
Sprachlich gibt es kaum etwas zu sagen. Das Buch liest sich flüssig und man fliegt sehr schnell durch die Seiten.
Insgesamt ein wirklich starkes Buch das ich jedem nur ans Herz legen kann!
Was für eine unglaublich düstere Dystopie – und darüber hinaus eine als feministische Allegorie lesbare Geschichte.
Eine junge Frau, die nie in ihrem Leben mit einem Mann gesprochen hat und nie einen berühren wird, wächst in Gefangenschaft mit 39 anderen Frauen auf – nach einer mystischen Katastrophe, die nur die Zellen übriggelassen hat. Als plötzlich die Wächter verschwinden, erlangt die Gruppe die Freiheit – und macht sich auf eine jahrelange Suche nach anderen Überlebenden. Doch die Realität ist erschütternd – und es wird nur noch schlimmer.
Gedanken wie das Wissen um den Käfig, der einen umhüllt, und daher die fehlende Notwendigkeit, Strafe zu leiden, um unterworfen zu werden, sind in meinen Augen als allgemeingültig für unsere Gesellschaft zu interpretieren. Diese Geschichte las ich nicht nur als Reflexion über das Mädchensein und die Weiblichkeit, sondern über matriarchale Utopien, Einsamkeit und die unfassbare Resilienz von Frauen.
Dass der Text so kurz ist, tut ihm gut – so pointiert Harpman mit ihrer Idee umgeht, so intensiv ist auch die Wirkung der Geschichte.
Ein weniger offensichtlicher Umgang mit dem Ende zum Beginn hätte noch mehr Schärfe gegeben. Doch ggf. wäre das Buch dann für viele schon nicht mehr lesbar, so harter Tobak dieser Roman war.
Heftig, bewegend, einzigartig.
Inhalt (spoilerfrei): Der Roman beginnt in einer beklemmenden Situation: Vierzig Frauen leben gemeinsam in einem unterirdischen Käfig und werden von bewaffneten Wächtern überwacht. Wie sie dorthin gelangt sind, bleibt zunächst unklar. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive eines jungen Mädchens, das im Gegensatz zu den anderen Frauen kaum Erinnerungen an ein Leben davor besitzt. Während die Älteren Fragmente ihrer früheren Existenz behalten haben, wächst sie in dieser künstlichen Umgebung auf und kennt keine andere Realität. Aus dieser Perspektive entwickelt sich eine Geschichte über Anpassung, Hoffnung und das Bedürfnis zu verstehen. Stück für Stück entstehen Fragen nach der Welt außerhalb des Käfigs, nach der Vergangenheit der Menschheit und nach dem Sinn von Wissen, Beziehungen und Zukunft. Der Roman lebt dabei weniger von dramatischen Ereignissen als von den Gedanken und Beobachtungen der Erzählerin.
Erzählweise und Struktur: Die Geschichte wird vollständig aus der Ich-Perspektive der namenlosen Erzählerin erzählt. Diese Perspektive ist besonders interessant, weil sie sich deutlich von der der anderen Frauen unterscheidet. Während die Älteren ihre Erinnerungen mit der verlorenen Welt vergleichen, erlebt die Erzählerin alles ohne diesen Bezugspunkt. Dadurch wirken viele ihrer Beobachtungen zugleich naiv, klar und philosophisch. Die Struktur des Romans ist eher ruhig und reflektierend. Handlung entwickelt sich langsam, oft stehen Überlegungen, Beobachtungen und kleine Erkenntnisse im Mittelpunkt. Immer wieder tauchen auch kurze Vorausdeutungen auf, die andeuten, dass die Erzählerin ihre Geschichte rückblickend erzählt. Diese Technik erzeugt eine leise Spannung und lässt den Text zugleich nachdenklich wirken.
Sprache: Harpman schreibt in einer klaren, beinahe nüchternen Sprache. Der Stil ist zurückhaltend und verzichtet weitgehend auf dramatische Ausschmückungen. Gerade dadurch entsteht eine besondere Intensität. Die Erzählerin beschreibt ihre Umgebung und ihre Gedanken präzise, manchmal fast sachlich. Diese Distanz verstärkt die Wirkung vieler Szenen. Gefühle werden selten direkt benannt, sondern zeigen sich in Beobachtungen und Fragen. Die Sprache passt damit sehr gut zur Perspektive einer Figur, die versucht, ihre Welt Schritt für Schritt zu verstehen.
Figuren: Im Mittelpunkt steht die namenlose Erzählerin. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie ohne Erinnerung an ein früheres Leben existiert. Dadurch blickt sie mit einer ungewöhnlichen Offenheit auf ihre Umgebung. Viele Dinge, die für andere selbstverständlich sind, erscheinen ihr neu oder erklärungsbedürftig. Die anderen Frauen bilden eine Art Gemeinschaft, die gleichzeitig von Nähe und Distanz geprägt ist. Sie teilen ihre Situation, reagieren aber sehr unterschiedlich darauf. Einige klammern sich an Erinnerungen, andere versuchen, sich mit der Realität zu arrangieren. Gerade in diesem Zusammenspiel zeigt sich Harpmans Interesse an menschlichem Verhalten unter extremen Bedingungen.
Symbole und Themen: Der Roman arbeitet stark mit symbolischen Ebenen. Viele Elemente der Handlung lassen sich sowohl konkret als auch metaphorisch lesen. Besonders zentral sind Themen wie Isolation, Erkenntnis und die Suche nach Sinn. Die Situation der Frauen erinnert in ihrer Grundkonstellation an philosophische Gedankenexperimente über Wahrnehmung und Wirklichkeit, etwa das Höhlengleichnis aus der Politeia von Platon. Auch Fragen nach Machtstrukturen, Sozialisation und Körperlichkeit spielen eine wichtige Rolle. Der Roman zeigt, wie unterschiedlich Menschen auf Isolation reagieren und wie stark kulturelle Normen unser Denken prägen. Gleichzeitig beschäftigt sich das Buch mit grundlegenden existenziellen Fragen. Was bedeutet es, zu lernen, wenn unklar ist, ob dieses Wissen jemals gebraucht wird? Was macht Gemeinschaft aus? Und welche Rolle spielen Hoffnung und Zukunft für das menschliche Leben?
Fazit: *Ich, die ich Männer nicht kannte* ist nicht unbedingt ein klassischer Roman. Sondern eher es ein stilles, philosophisches Buch, das mehr Fragen stellt, als es beantwortet. Gerade diese Offenheit macht seine Stärke aus. Der Roman lädt dazu ein, über menschliche Existenz, gesellschaftliche Strukturen und die Bedeutung von Wissen, Liebe und Gemeinschaft nachzudenken. Dass diese Fragen so eindringlich wirken, hängt auch mit der Autorin selbst zusammen. Jacqueline Harpman, die während ihrer Kindheit vor den Nationalsozialisten fliehen musste und später als Psychoanalytikerin arbeitete, interessiert sich in ihrem Schreiben stark für innere Prozesse, Erinnerung und menschliches Verhalten unter extremen Bedingungen. Diese Perspektive prägt auch diesen Roman. Für mich ist es ein Buch, das man nicht einfach liest und abschließt. Es wirkt nach, regt zum Interpretieren an und entfaltet seine Wirkung besonders dann, wenn man sich Zeit nimmt, über seine vielen möglichen Bedeutungen nachzudenken.
Mir war vor dem Lesen absolut nicht klar, dass das Buch schon älter ist. Und auch beim Lesen ist mir das gar nicht aufgefallen.
Ich hatte auch irgendwie andere Erwartungen und war kurz irritiert wie dystopisch dieses Geschichte ist. Ich mochte es allerdings sehr gerne und freue mich über diese deutsche Übersetzung sehr.
Es werden viele existentielle Fragen zum Thema Mensch und Frau sein gestellt und Gemeinschaft, Wissen und Gesellschaft in Frage gestellt. Definitiv kein Komfort Read, aber absolut empfehlenswert.
Buchhändler*in 840191
Nach Jahren der Gefangenschaft in einem Keller, kommen die 40 Frauen frei. Doch ist das Leben in Freiheit anders als erwartet. Was kann man daraus machen?
Beklemmendes Gedankenexperiment über das, was vom Menschsein bleibt
Ein Roman, der einen sofort in seinen Bann zieht.
Die Sprache ist klar und eindringlich – und erzeugt beim Lesen eine leise, stetig wachsende Beklemmung.
Die Geschichte entfaltet sich in drei Bewegungen:
Gefangenschaft.
Gemeinschaft.
Einsamkeit.
Am Anfang stehen Frauen, die gefangen gehalten werden. Doch bald stellt sich eine verstörende Frage:
Wird die Welt vor ihnen geschützt – oder werden sie vor der Welt geschützt?
Der Roman verweigert Erklärungen.
Der Leser erfährt nie, was geschehen ist.
Nicht wann. Nicht wo.
Was bleibt, ist nur ein kurzer Ausschnitt eines Schicksals.
Ein Gedankenexperiment über Menschlichkeit:
Was wird aus einem Menschen, der ohne körperliche Nähe aufwächst?
Was bedeutet Einsamkeit – in der Gruppe, und erst recht als letztes Individuum?
Die Geschichte sucht keine Antworten.
Und doch scheint ihr Ende von Anfang an unausweichlich.
Am Ende bleibt nur die stille, beunruhigende Frage:
Was macht uns zu Menschen, wenn die Welt um uns herum leer geworden ist?
Buchhändler*in 1881105
Ein dystopischer Roman über eine Gruppe Frauen, die über Jahre hinweg in einen Keller gesperrt wurden und ausbrechen. Die Jüngste von ihnen erinnert sich nicht an das Leben davor. Sie ist diejenige, die Männer nie kannte. Eine beklemmende Geschichte, mysteriös und spannend! Man muss sich allerdings darauf einlassen, dass viele Fragen unbeantwortet bleiben. Trotzdem ganz große Empfehlung!
Rezensent*in 1550711
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman hat mich beim Lesen wirklich überrascht. Am Anfang wirkt die Geschichte ziemlich ruhig und sogar etwas rätselhaft, aber genau das hat mich neugierig gemacht. Die Erzählerin wächst in einer sehr ungewöhnlichen Situation auf und versucht Schritt für Schritt zu verstehen, wie die Welt funktioniert.
Beim Lesen musste ich immer wieder darüber nachdenken, wie selbstverständlich viele Dinge für uns eigentlich sind – wie Gesellschaft, Beziehungen oder Freiheit. Gleichzeitig hat mich das Buch manchmal auch traurig gemacht, weil die Stimmung oft einsam und nachdenklich ist.
Gerade diese besondere Atmosphäre fand ich aber sehr beeindruckend. Für mich war es ein Buch, das nicht nur spannend war, sondern auch lange im Kopf geblieben ist.
Schon der ungewöhnliche, sperrige Titel hat mich sofort neugierig gemacht und genau so besonders wie er klingt, ist auch dieses Buch.
Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Frauen, die unter der Erde gefangen gehalten werden. Abgeschnitten von Zeit, Erinnerung und jeder Form von Freiheit. Unter ihnen befindet sich eine Erzählerin, ein Mädchen, das als Einzige nie ein anderes Leben kennengelernt hat. Als sich nach Jahren plötzlich eine Möglichkeit zur Flucht ergibt, beginnt für sie und die anderen nicht etwa ein klassischer Neuanfang, sondern eine Reise in eine fremde, verstörende Welt, die mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert.
Was mich besonders gepackt hat, war die durchgehend bedrückende Stimmung. Die Geschichte fühlt sich weniger wie ein typischer Roman an, sondern eher wie ein gedankliches Experiment über Menschlichkeit, Identität und das Leben in Isolation. Man spürt beim Lesen diese Leere, diese Orientierungslosigkeit und genau das macht das Buch so intensiv.
Die Erzählerin ist dabei eine unglaublich spannende Figur. Nüchtern, fast emotionslos in ihrer Wahrnehmung und gerade deshalb so eindringlich. Während die anderen Frauen oft in einer Art Stillstand verharren, ist sie es, die beobachtet, hinterfragt und weitergeht. Diese Dynamik hat mich immer wieder beschäftigt. Auch wenn es faktisch nicht greifbar und unlogisch erschien. Woher sollte das junge Mädchen all das wissen worüber sie nachdachte.
Der Schreibstil ist schlicht und klar, ohne große Ausschmückungen, was perfekt zur Geschichte passt. Gleichzeitig bleiben viele Dinge bewusst ungeklärt. Warum das alles passiert ist, darauf gibt es keine eindeutigen Antworten. Das muss man beim Lesen akzeptieren.
Thematisch geht es um weit mehr als nur ums Überleben. Um Gemeinschaft, Verlust, Erinnerung und darum, was vom Menschen übrig bleibt, wenn alles Vertraute genommen wird. Trotz der ruhigen Erzählweise steckt unglaublich viel Tiefe zwischen den Zeilen.
Das Ende hat mich etwas zwiegespalten zurückgelassen. Einerseits passt das offene Ende zur gesamten Geschichte, aber ich habe gerne klare Fakten und Erklärungen. 😅 Doch davon muss man sich hier beim lesen lösen.
Carmen V, Rezensent*in
”Ich, die ich Männer nicht kannte” von Jacqueline Harpman (ins Deutsche übersetzt von Luca Homburg) handelt von einer Gruppe Frauen, die in einem Keller ohne Kontakt zur Außenwelt (von ein paar Wärtern abgesehen), eingesperrt sind. Die jüngste von ihnen, die namenlose Ich-Erzählerin, ist die einzige, die ihr gesamtes bewusstes Leben dort verbrachte, ohne Erinnerung an ein “Davor”, wie es die anderen haben. Durch einen Zufall gelangen sie in die Freiheit und werden in eine einsame Welt geworfen, die sie nicht wieder erkennen.
Das Buch erinnert in vielerlei Hinsicht an “Die Wand” und stellt durch die Augen der vierzigsten Frau, die nichts als ihre Mitinsassinnen und die begrenzte Welt ihres Käfigs kennt, existenzielle Frage nach dem Wesen des Menschseins. Die puristische Sprache spiegelt die Ödnis der Welt wieder, in der die Handlung stattfindet und man begibt sich zusammen mit ihr auf die Entdeckungsreise, sowohl ins Äußere als auch ins Innere.
Ein grandioses Buch, dem man, so abgedroschen es auch klingen mag, Zeit zum Atmen und zur Entfaltung geben muss, damit es seine volle Wirkung entfalten kann. Ein absolut empfehlenswertes Lesehighlight!
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ erzählt von einer dystopischen Welt und stellt spannende Fragen zu Moral und Gesellschaft. Die melancholische Atmosphäre macht die Themen Gemeinschaft und Menschlichkeit besonders gut spürbar. Teilweise zieht sich die Handlung etwas in die Länge, und das Ende ist sehr abrupt, wodurch viele offene Fragen bleiben, die man als Leser gerne weiterverfolgt gesehen hätte. Trotzdem ist es auf jeden Fall eine lohnenswerte Lektüre.
Was wartet auf uns, wenn wir es schaffen, den Käfig unseres Daseins zu verlassen? Was können insbesondere Frauen erwarten, wenn sie sich aus der Enge ihrer Verhältnisse befreien? In ihrer beklemmenden Dystopie “Ich, die ich die Männer nicht kannte” erzählt Jacqueline Harpman in leisen Tönen von Isolation und Hoffnung. Sie lässt ihre Protagonistinnen zwischen unbeirrtem, optimistischem Glauben an eine Zukunft und tiefer Verzweiflung schwanken. Sie schreibt von dem menschlichen Bedürfnis, einen Sinn im Leben zu finden, von dem Streben nach Gemeinschaft und dem Wunsch nach einem funktionierenden Zuhause. Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin, die viel jünger ist als die anderen Frauen, und die von dem uns bekannten Leben nur in deren Erzählungen gehört hat. So ist “Ich, die ich die Männer nicht kannte” von Jacqueline Harpman eine feministische Dystopie mit einer philosophischen Sicht auf unsere Existenz und den Sinn des – hier vor allem weiblichen – Daseins.
Buchhändler*in 1877265
Atmosphärisch und einnehmend zieht "Ich, die ich Männer nicht kannte" die Leserin in seinen Bann. Ein zeitloses Buch, das Fragen nach Gemeinschaft, Menschlichkeit und unserer Verortung in der Welt aufwirft. Trotz der Kürze des Buches hat es mich danach noch lange beschäftigt, zu Spekulationen angeregt und mich auf eine faszinierende Art zum Nachdenken über mein Verhältnis zu Geschlechter- und Gesellschaftsthemen gebracht. Ich würde es definitiv für Buchclubs und Fans von "Die Wand" von Marlen Haushofer empfehlen.
📖 Ich, die ich Männer nicht kannte
✍🏽 Jacqueline Harpman
📚 Kletterte
📅 Vor 30 Jahren, jetzt wieder im Trend
Genre: zeitgenössischer Roman
Ein E-Book-Rezensionsexemplar mit freundlicher Genehmigung von @netgalleyde
➕ Dystopisch, bedrohlich aber menschlich nahe
➕ Faszinierende Idee
➕ Fragestellung: was macht das Menschsein aus?
➖ Leider wurde zu wenig gemacht aus der Geschichte
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In einem unterirdischen Käfig werden 39 Frauen und ein Mädchen gefangen gehalten. Sie können sich nicht erinnern, wie sie in den Käfig gelangten. Was sich über der Erde ereignete, oder weshalb sie in diese Lage gerieten, entzieht sich ihrer Kenntnis. Im Käfig, unter den Einfluss elektrischen Lichts und ohne jede Ansprache - über Jahre hinweg - verlieren die Frauen jede Orientierung über Zeit und Raum. Die vielen Fragen, auf die es keine Antworten gibt, zermürben die Frauen und entfremden sie zunehmend. Doch als eines Tages ein Alarm erfolgt und die Wärter das Areal sofort verlassen, sind die Frauen völlig orientierungslos. Nun beginnt die Freiheit - es gilt die Welt neu zu erforschen und nach weiteren Menschen zu suchen. Was bringt die neue Freiheit...
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Ein dystopischer Roman voller Fragen und Emotionen. Der Plott hat mich erstmal gespannt sein lassen. Solange die Frauen im Käfig sind und bis alle Details der Gefangenschaft erzählt sind dauert es ca. 1/3 des Buches. Als dann die "Flucht" gelingt, bin ich gespannt gewesen, was die Frauen erwartet und wie sie das meistern. Leider bleibt nach wie vor vieles unklar. Leider zieht sich ihre Reise dann doch etwas hin... Und eine Auflösung gibt's in dem Sinn auch nicht. Der eigentlich faszinierende Plott verläuft dann leider komplett im Sand. Fand ich schade. Eine Auslösung oder Erklärung oder gar ein hoffnungsvolles Ende hätte mir besser gefallen. Außerdem. Die feministische Betrachtung fehlt mir zudem. Einzig die Fragen rund um das Menschsein sind hier erwähnenswert. Es wird ansonsten alles dem Leser überlassen. Ich gebe dennoch 4 von 5 Sternen, weil ich die Emotionen der Frauen so gut geschildert empfunden habe.
Rezensent*in 1677872
Tolles Buch. Weniger beklemmend als the hand maids tale, aber manchmal fühlt es sich ähnlich an. Die Protagonistin kennt anfangs nur den Käfig in dem die Frauen wohnen und lernt dementsprechend die Welt erst später kennen und hat keine Referenz zu einem Leben vor dem Käfig.
Sylvia S, Buchhändler*in
Der Roman hat mich sehr emotional und nachdenklich zurückgelassen.
39 Frauen und ein „Mädchen – Die Kleine“ sitzen in einem unterirdischen Gefängnis. Eines Tages, durch einen Alarm ausgelöst, erlangen Sie unverhofft die „Freiheit“.
Doch nichts ist mehr wie vor ihrer Gefangenschaft. Einzig die Kleine kann sich an ihrer Vergangenheit nicht mehr erinnern.
Geschrieben wurde der dystopische Roman bereits im Jahr 1995 und wurde jetzt in einer Neuauflage bei Klett Cotta Verlag herausgegeben.
Ein Thema was absolut nichts an Aktualität verloren hat.
Dieser Roman ist keine gewöhnliche Dystopie – vielmehr ist er ein stilles, verstörendes Gedankenexperiment über das Menschsein. Im Zentrum steht eine namenlose Erzählerin, die gemeinsam mit 39 Frauen in einem unterirdischen Gefängnis aufgewachsen ist, ohne zu wissen, warum oder seit wann. Als sich eines Tages unerwartet die Tür öffnet, beginnt keine klassische Befreiungsgeschichte, sondern eine existenzielle Suche nach Sinn, Identität und Wirklichkeit.
Was dieses Buch besonders macht, ist seine radikale Reduktion. Es gibt kaum Erklärungen, keine klare Handlung im klassischen Sinne und nur wenige Orientierungspunkte. Genau darin liegt jedoch seine Stärke: Die Lesenden werden gezwungen, sich selbst Fragen zu stellen – über Freiheit, Erinnerung und darüber, was einen Menschen eigentlich ausmacht.
Harpman schreibt in einer nüchternen, fast distanzierten Sprache. Diese Sachlichkeit verstärkt die beklemmende Atmosphäre enorm. Die Welt wirkt leer, fremd und oft unverständlich – genauso wie für die Erzählerin selbst. Dadurch entsteht eine ungewöhnliche Nähe zur Hauptfigur, obwohl sie emotional oft schwer greifbar bleibt.
Ich, die ich Männer nicht kannte ist ein intensives, ungewöhnliches und teilweise verstörendes Buch, das lange nachhallt. Es ist keine leichte Lektüre und verlangt Geduld sowie Offenheit – belohnt aber mit einer tiefgründigen, fast philosophischen Erfahrung. Besonders geeignet für Leserinnen und Leser, die sich auf offene Fragen und ungewöhnliche Erzählweisen einlassen möchten.
Buchhändler*in 1549312
Unglaublich tolles Buch! Ich bin so froh dass es jetzt auch auf Deutsch übersetzt ist und ich es meinen Kunden weiterempfehlen kann!!!
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein stilles, zugleich aber unglaublich eindringliches Buch, das mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat.
Die Geschichte beginnt rätselhaft und fast schon klaustrophobisch: Frauen leben abgeschottet, ohne Erinnerungen an ihr früheres Leben, ohne Wissen über die Welt – und ohne Männer. Diese Ausgangssituation erzeugt sofort eine beklemmende Atmosphäre und wirft viele Fragen auf, die einen durch das gesamte Buch begleiten.
Besonders beeindruckt hat mich die Erzählstimme. Die Protagonistin wirkt distanziert und gleichzeitig neugierig auf die Welt, was eine ganz eigene Dynamik erzeugt. Ihre Beobachtungen über Menschsein, Gesellschaft und Identität sind oft schlicht formuliert, aber gerade dadurch umso eindringlicher.
Das Buch lebt weniger von Handlung als von Gedanken und Entwicklung. Genau das macht es so besonders – aber auch etwas herausfordernd. An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Dynamik oder Antworten gewünscht, da vieles bewusst offen bleibt.
Trotzdem ist Ich, die ich Männer nicht kannte ein außergewöhnlicher Roman, der zum Nachdenken anregt und sich deutlich von klassischen Erzählstrukturen abhebt. Ein leises, aber kraftvolles Buch, das man nicht so schnell vergisst.
Julienne S, Buchhändler*in
Wahnsinnig atmosphärisch und tiefergreifend. Dieses Werk überzeugt insbesondere durch die Atmosphäre und Beschreibung der Umgebung. Es wirkt wie ein Gedankenexperiment und viele Fragen bleiben unbeantwortet, wodurch das Buch lange nachhallt.
Ramona S, Rezensent*in
Ich hab das Buch schon einmal auf englisch begonnen, aber bereits nach 15 Seiten abgebrochen weil ich irgendwie keinen wirklichen Zugang gefunden hatte. Doch beim zweiten Versuch, diesmal auf Deutsch, hat mich Jacqueline Harpmans Roman völlig in seinen Bann gezogen.
Eine Gruppe von Frauen ist in einem unterirdischen Komplex gefangen, ohne zu wissen, warum oder wie lange schon. Anfangs wirkt das Setting fast klaustrophobisch und monoton – vielleicht erklärt das auch, warum ich zuerst nicht weiterkam. Aber gerade diese Nüchternheit erweist sich später als kluger erzählerischer Schachzug. Sie schafft den Raum für eine Reflexion über Freiheit, Erinnerung, Gemeinschaft und menschliche Identität, die sich erst nach und nach in ihrer Tiefe zeigt.
Es ist ein existenzieller Roman über das Menschsein selbst, geschrieben mit einer fast schon erschreckenden Klarheit.
Ich bin wirklich begeistert von diesem Roman und kann jedem ans Herz legen, dieses Buch zu lesen.
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1566003
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist ein stilles, aber zutiefst eindringliches Buch, das noch lange nachwirkt. In einer kargen, fast traumartigen Welt erzählt Harpman von Isolation, Freiheit und der Suche nach Identität – mit einer Klarheit und sprachlichen Präzision, die mich sehr berührt hat.
Besonders beeindruckt hat mich die Perspektive der Erzählerin, die ohne jegliche Vorerfahrung von Gesellschaft auf die Welt blickt. Ihre Gedanken wirken gleichzeitig naiv und erstaunlich klug, was dem Text eine ganz eigene, fast philosophische Tiefe verleiht. Es ist kein lautes Buch, sondern eines, das leise Fragen stellt – über Menschlichkeit, Erinnerung und das, was uns ausmacht.
Große Empfehlung!
Jennifer B, Rezensent*in
Thank you to NetGalley and the publisher for this ARC.
This book was... something. Not much happens in here, objectively speaking, and yet it doesn't feel that way. It might be because this novel is pretty short, so there isn't a lot of time to get bored of the repetitive nature of the narrative, but I was quite surprised, thinking back on the book, to find that not much really happens after the escape at the beginning. I think the repetitive narrative works well in conveying the hopeless, repetitive nature of what the women are going through, and how despite this repetitiveness, it never feels like they can rest or get bored, but instead have to always be on their toes.
I see other readers mention the lack of any definitive, clear answers as something they disliked about the novel, and the same for the (seeming) lack of feminist narrative. This novel simply doesn't provide any clear answers or guidelines for what to think or feel, and it takes a lot of introspection to come to any kind of conclusion on what kind of lessons you want to take from this. Some readers take the lesson that this novel basically shows how sad life without men is, while other readers see this message and decide that it does have feminist undertones, because it is up to the reader to see how this narrative criticises what it portrays, not explicitly but through the way it is constructed. You can read this as "life without men is ultimately pointless and literally makes your uterus shrivel up", or you can read this as an exploration on how patriarchy is reproduced even without any men, simply through narratives and norms that continue to exist even once you have been, quite physically, removed from the patriarchy or, in the case of Child, never even experienced it.
Not an easy read, but one I personally really enjoyed.
Puh, das nenne ich mal eine Dystopie! In ihrem sehr überzeugendem Roman erzählt Jaqueline Harpman die Geschichte einer Frau, die als Teil einer Gruppe von 40 Frauen in einem Erdloch und dort in einer Art Kerker gefangen gehalten wird. Während die anderen Frauen viel älter und erwachsener sind und Erinnerungen an das Leben vor dieser Zeit haben, wurde unsere Erzählerin gefangen genommen, als sie noch ein Kind war und dementsprechend entwickelt sie sich anders als die anderen Frauen, die dem Leben, wie sie es kannten, sehr hinterherttauern. Besonders ist, dass die Erzählerin nie ihre Periode bekommen wird und auch sonst in den trostlosen Gleichklang nicht ganz einstimmen will. Als eines Tages die Möglichkeit der Selbstbefreiung entsteht, nimmt sie das Zepter in die Hand und führt die Gruppe von Frauen an die Oberfläche, in die vermeintliche Freiheit.. Doch wie sieht das Leben ohne Wächter, ohne den Keller aus? Gibt es das Leben, das sie einst kannten, überhaupt noch? Und gibt es noch andere wie sie? Was folgt ist ein Weg, der voll Hoffnung steckt und doch auch das Gegenteil mit sich bringt: Tod, Mutlosigkeit und.. ich möchte nicht spoilern, aber das Lesen fordert viel ab. Ich bewundere die Protagonistin für ihren Lebenshunger, den Mut und den unbändigen Willen, alles zu erfahren! Ihre Klugheit (sie entwickelt ein Zahlensystem und eine Möglichkeit, die Zeit zu messen!) Die Suche nach der Wahrheit, Fortschritte, Rückschläge-ach, das Buch macht einen fertig. Es ist wahnsinnig gut geschrieben, sehr nüchtern, dabei aber sehr klar. Vergessen werde ich diese Geschichte wohl niemals, und damit habe ich der Protagonistin genau den Wunsch erfüllt, den sie so klar formuliert. Alles andere kann ich leider nicht ansprechen, ohne zu spoilern, v.a.das Ende- wahnsinnig gutes Buch für Buchclubs, Buddy Reads und zum Austausch- aber Achtung! Es ist wirklich hart. Die zarte Schönheit im Dazwischen, die es ohne Frage gibt, nahm ich dabei fast kaum wahr, weil alles andere so schwer wiegt.. faszinierend bleibt aber auch die Organisation der Frauen untereinander. Wie sich alles fügt, wie jede ihren Platz findet. Das war toll.
"Nein, nicht ich gehöre diesem Land, das Land gehört mir. Ich werde seine alleinige Besitzerin sein und alles, was darin ist, mein Eigentum nennen." (Ebook 96)
Ein Buch, das viel mit meinen Gedanken macht. Ein Highlight, auf sehr besondere Weise.
Rezensent*in 1675040
Jaqueline Harpman liefert mit diesem Roman eine Dystopie, die unter die Haut geht. Die Geschichte begleitet eine Frau, die als Kind in einem unterirdischen Gefängnis untergebracht wird, zusammen mit 40 anderen Frauen. Während die anderen auf Erinnerungen an das frühere Leben zurückblicken, muss unsere Protagonistin ihre Welt von Grund auf entdecken. Besonders beeindruckend ist ihr Mut, ihre Klugheit und ihr unbändiger Lebenswille. sie entwickelt sogar ein Zahlensystem, um Zeit zu messen.
Die Handlung ist hart, bedrückend und lässt kaum Luft zum Atmen. Fragen nach Freiheit, Identität und Selbstbestimmung stehen im Mittelpunkt, und die Dynamik innerhalb der Frauengruppe ist faszinierend beobachtet. Das Buch verzichtet auf große Erklärungen und Plots, fokussiert sich stattdessen auf die emotionale Reise und das Überleben der Charaktere.
Wer starke Frauenfiguren, literarische Dystopien und emotionale, herausfordernde Geschichten schätzt, wird hier ein absolutes Highlight finden. Dieses Buch bleibt lange nach dem Lesen im Kopf bewegend, traurig, erschütternd und gleichzeitig hoffnungsvoll.
“Aber das, was ihnen nun gegeben wurde, war nicht, was sie erwartet hatten. Vielleicht wird einem das Fremde nie vertraut, wenn man einmal einen sinnvollen, geordneten Alltag gehabt hat. Doch das kann ich, die ich nichts als das Sinnlose kenne, nur vermuten.”
Die namenlose Ich-Erzählerin in Jacqueline Harpmans Roman "Ich, die ich die Männer nicht kannte" wächst mit 39 andere Frauen in einer Gefängniszelle auf. Wo sich der Keller, in dem die Frauen eingesperrt sind, befindet, weiß niemand. Auch kann keine sagen, wie sie dorthin gekommen ist oder warum. Das Leben dreht sich um die beiden Mahlzeiten am Tag und um das Einhalten absurder Regeln, die die Wächter penibel überwachen. So darf sich zum Beispiel niemand berühren. Obwohl die Erzählerin nicht allein ist, ist sie doch einsam. Sie ist als einzige als Kind in den Keller gekommen, die anderen Frauen sind alle erwachsen. Ob es Zufall oder Absicht war, auch das erfährt der Leser nicht. Ihm geht aber schon bald auf: Eines Tages wird die Erzählerin die letzte der Frauen sein, die noch übrig bleibt.
Bereits 1995 erschien "Ich, die ich die Männer nicht kannte" auf Deutsch, Nun hat der Klett-Cotta-Verlag eine Neuübersetzung von Luca Homburg herausgebracht, vermutlich als Reaktion auf den TikTok-Hype, den der dystopische Roman ausgelöst hat. Auch wenn mich Hypes stets skeptisch stimmen, ist er in diesem Fall berechtigt. Denn der Roman der belgischen Autorin und Psychoanalytikerin schafft etwas, dass nur wenige Bücher vermögen: Ohne offensichtliche Gewaltdarstellungen von Gewalt zu erzählen. Denn den vierzig Frauen wird definitiv Gewalt angetan, nur auf unsichtbare Weise. Zwar tragen einige Frauen Narben von Peitschenhieben, an die Strafe selbst können sie sich jedoch nicht erinnern. Die eigentliche Grausamkeit liegt aber in der Erkenntnis, die der Leser und die Frauen gleichermaßen trifft: Diese Art zu Leben (oder besser gesagt zu Vegetieren) kann nicht beendet werden. Die Grundbedürfnisse der Frauen werden zwar gestillt, aber alles andere, was das Leben lebenswert macht, erleben sie nicht. Sie dürfen sich jedoch nicht selbst töten. Jahrzehnte werden hier auf engem Raum - knapp 250 Seiten - erzählt. Die relative Kürze betont die Eintönigkeit des Lebens.
Damit stellt Harpman existenzielle Fragen: Was macht das Leben lebenswert? Welchen Wert hat die Freiheit? Sind wir überhaupt in der Lage, unsere Freiheit zu nutzen? Bedrückenderweise erhalten wir auf keine davon eine Antwort. Genau deshalb hallt der düstere und dystopische Roman lange nach. Denn unwillkürlich fragt sich auch der Leser: Was ist der Sinn unseres Lebens? Kann man die mittlerweile dreißig Jahre alte Erzählung als Parabel lesen und auf unseren Alltag übertragen? Nur: Welche Antworten generieren wir daraus? Harpman lässt vieles bewusst rätselhaft. Das ist herausfordernd, stellenweise sogar unbefriedigend. Vielleicht ist das der Grund, warum viele spätere Jugendbücher den Topos wieder aufgreifen und sogar die wüstenartige Landschaft in Romanen wie "Die Auserwählten" bzw "Maze Runners" wieder aufgegriffen wird - dieses Mal mit einer Auflösung am Ende. Zurecht steht Harpmans Buch aber in der Tradition weiterer dystopischer Romane wie Atwoods "Report der Magd" oder Haushofers "Die Wand". Fans dieser Romane werden sich auch an "Ich, die ich die Männer nicht kannte" erfreuen.
Die Neuentdeckung Harpmans als Autorin mit interessanten Frauenfiguren ist in jedem Fall zu begrüßen und lässt auf weitere Neu- und Erstübersetzungen hoffen.
Carmen B, Rezensent*in
Ein Buch das zum Nachdenken anregt.
Wer ein Happy End sucht, sucht es möglicherweise vergebens.
Gedanken über das Leben, den Sinn dessen und vielem mehr.
Wie die Entsetzlichkeit der Dinge so einfach ausgedrückt wird ist verstörend und faszinierend zugleich. Die Protagonistin wirkt abgekoppelt von der Welt - was sie ja auch ist.
Wortgewandt, schlicht, tiefgreifend.
Yvonne W, Buchhändler*in
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist ein faszinierender Roman, der seine Leserinnen und Leser auf eine besondere Reise mitnimmt. Man weiß am Anfang genauso wenig wie die Hauptfigur, und genau das macht es spannend.
Man will unbedingt verstehen, was passiert und was der Sinn hinter allem ist. Gleichzeitig lernt man gemeinsam mit ihr, was die Geschichte noch greifbarer und persönlicher macht.
Die Spannung entsteht dabei weniger durch äußere Ereignisse als durch die innere Entwicklung der Protagonistin und die großen Fragen, die sie beschäftigen. Am Ende erkennt man, dass die Suche nach dem Sinn des Lebens selbst ein Teil des Lebens ist.
Trotz dieser klaren Botschaft bleibt ein Gefühl von Offenheit und vielleicht sogar Enttäuschung zurück, weil keine eindeutige Auflösung geliefert wird. Genau darin liegt die Stärke des Buches: Es regt zum Nachdenken an, lässt einen über das Leben reflektieren und bleibt lange im Gedächtnis, auch wenn nicht alle Fragen beantwortet werden.
Buchhändler*in 1731132
Ich, die ich Männer nicht kannte ist ein stiller, aber sehr eindringlicher Roman, der mich länger beschäftigt hat. Jacqueline Harpman erzählt eine ungewöhnliche Geschichte über Isolation, Identität und das Menschsein, fast ohne klassische Handlung, dafür mit umso mehr Atmosphäre.
Gerade die Perspektive der Erzählerin, die die Welt ohne gesellschaftliche Prägung erlebt, fand ich faszinierend und teilweise auch verstörend. Es passiert nicht viel im klassischen Sinne, aber genau das macht die Gedanken und Fragen umso intensiver.
Rezensent*in 1974796
"Ich, die ich Männer nicht kannte" handelt von einer namenlosen Protagonistin, die inmitten von 39 anderen Frauen abgeschottet in einem Käfig unter der Erde lebt. Während unsere Protagonistin sich an ein Leben vor dem Käfig nicht erinnert, tun dies die anderen 39 Frauen schon. Im Käfig dürfen sie zwar einiges, aber stumme Wächter achten darauf, dass sie sich nicht umarmen oder anderweitig zu nah kommen. Eines Tages verschwinden die Wächter plötzlich und die Frauen können rausgehen in eine Welt, die ganz anders ist, als die 39 Frauen sie erinnern...
Das Buch von Jacqueline Harpman ist erstmals 1995 erschienen und wurde nun auf Deutsch übersetzt. Ich habe extra ein paar Tage abgewartet, seit ich das Buch beendet habe, aber ich finde weiterhin keine Worte. Das Buch hat mich unglaublich berührt und mitgerissen. Die Schreibweise ist klar, aber trotzdem irgendwie poetisch. Am Ende des Buches bleiben viele Fragen offen, aber das finde ich nicht schlimm, stattdessen freue ich mich, dass ich die Lücken mit meinen eigenen Ideen füllen kann. Wäre alles lückenlos erklärt worden, hätte das Buch glaube ich nicht so einen großen Eindruck hinterlassen. Feministische Dystopie und feministisches Meisterwerk.
Buchhändler*in 1697443
Eine tolle Dystopie, die auf wenigen Seiten es schafft eine tolle und eindringliche Atmosphäre aufzubauen. Ganz klare Empfehlung!
Verena S, Rezensent*in
Eine skurrile Ausgangslage:
40 Frauen sind eingesperrt, 3 Wärter umkreisen den Käfig, jahrelang. Sie dürfen sich nicht berühren, nicht weinen, sonst knallen die Peitschen. Sie wissen nicht, warum sie eingesperrt sind, wie sie in den Käfig gekommen sind, wo sie sich befinden, ja ob sie überhaupt noch auf der Erde sind wird diskutiert.
Die namenlose Ich-Erzählerin, von den anderen Frauen "Kleine" genannt, ist noch ein Kind und erinnert sich an kein "vorher".
Eines Tages ertönt ein Alarm, während die Wärter das Essen bringen. Die Wärter flüchten, der Schlüssel steckt in der Käfigtür.
Sind die Frauen nun frei? Was ist Freiheit überhaupt? Philosophische Fragen wie diese, werden in diesem Buch angesprochen. Auch die Frage nach dem Sinn des Ganzen, der Existenz von Zeit und die Bedrückung durch Einsamkeit werden aufgeworfen.
Allein die Ausgangslage wirft viele Fragen auf, und es entstehen noch mehr im Laufe der Geschichte. Das muss man hinnehmen. Die hier beschriebene Welt und die Situation der Frauen sind einfach so - es handelt sich um ein Fantasy-Setting. Alles was wir über diese Welt erfahren ist subjektiv, aus den Schilderungen der Figuren. Es gibt keine Tiere, außer Insekten. Das Wetter verändert sich nicht stark. Die Vegetation ist wenig abwechslungsreich.
Es gibt einfach so viele Fragen, über deren Nichtbeantwortung man verzweifeln könnte. Man muss einfach akzeptieren.
Der Titel verwirrt mich, da ich ihn unpassend finde. Diese Frauen, erleben unfassbar krasse Sachen und der Titel bezieht sich auf Männer, und Dinge wie Kinder kriegen werden trotzdem in der Situation zentriert.
Vielleicht wird hier die konservative Sozialisierung der Frauen aufgezeigt, die auf die Protagonistin übergegangen ist. Sie weiß über die "normale" vorher-Welt ja nur, was die Frauen ihr erzählen...
Fazit:
Ein Buch das viele Fragen aufwirft, mit philosophischen Ansätzen, dass mich bestimmt noch länger zum Nachdenken anregen wird.
Rezensent*in 793760
Jacqueline Harpmans "Ich, die ich Männer nicht kannte" gelangt gerade dank Social Media zu verspätetem Ruhm: Eigentlich schrieb Harpman den dystopischen Roman bereits 1995, doch erst in den letzten Jahren wurde er bekannter und erschien nun im März 2026 von Luca Homburg übersetzt auf Deutsch. Worum es geht: Vierzig Frauen werden in einem unterirdischen Bunker gefangengehalten, bewacht von Männern. Warum, wissen sie nicht. Seit wann, auch nicht. Körperliche Berührung ist verboten, Privatsphäre gibt es keine. In all dem wächst die namenlose Ich-Erzählerin auf, die von den Frauen nur "Kleine" genannt wird. Sie war zu Beginn der Gefangenschaft noch ein kleines Kind und erinnert sich kaum an die Zeit davor. So wird sie zur herausgehobenen Beobachterin, die viele der Sehnsüchte der anderen Frauen gar nicht nachvollziehen kann, da sie diese nicht selbst erlebt hat. Als sich die Möglichkeit bietet, das Gefängnis zu verlassen, beginnt eine Suche nach weiteren Überlebenden. Wo befinden sich die Frauen? Warum wurden sie eingesperrt?
Das sind Fragen, die, soviel kann ich ohne zu spoilern verraten, den Lesenden kaum bis nur äußerst unzureichend beantwortet werden. Und genau darin liegt die Stärke des Romans, denn vieles wird nicht auserzählt. Die Erzählerin weiß vieles nicht, passt sich an ihre Umgebung an, entwickelt Überlebensmechanismen und muss sich Dinge erschließen. Nach und nach erfahren wir mehr über die seltsame Welt, aber das wirft eher neue Fragen auf, als bestehende zu beantworten. Der Roman ist ganz zweifellos ziemlich dystopisch, sehr bedrückend und beklemmend und klug konstruiert. Feministisch ist er nicht in dem Sinn, dass er sich explizit mit weiblicher Emanzipation befassen würde, sondern durch die Fokussierung auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den unterschiedlich alten Frauen, die, abgesehen von den seltenen Interaktionen mit den männlichen Wärtern, die einzigen zwischenmenschlichen Bindungen sind. Ich hätte Jacqueline Harpman gewünscht, dass sie den späten Erfolg ihres Romans selbst noch erlebt und kann ihn wirklich sehr empfehlen.
Elisabeth T, Rezensent*in
40 Frauen, eingesperrt unter der Erde zusammen in einem Käfig. Kein Tageslicht. Essensrationen werden ihnen von Wächtern gebracht. Berührungen untereinander sind ihnen nicht erlaubt. Eines Tages jedoch, öffnet sich die Tür…
Ein unglaublich dichter Roman, der von seiner Atmosphäre lebt. Es passiert nur wenig, doch Harpman schafft es eindrücklich, die melancholische Stimmung einzufangen. Ein Roman, den ich allen empfehle, die Fans von Marlen Haushofers „Die Wand“ sind.
Michelle N, Buchhändler*in
Ein Meisterwerk! Dieses Buch ist eine eindringliche, feministische und spannende Dystopie über Sinnsuche, Zusammenhalt & Existenz. Die ruhige und zugleich beklemmende Atmosphäre macht das Buch unglaublich besonders! Ich denke noch oft daran zurück, weil es sich so tief einprägt. Es wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben! Einfach nur grandios!
Rezensent*in 2042432
Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman ist ein eindrucksvoller, beklemmender Roman, der lange nachwirkt. Erzählt aus der Ich-Perspektive, gelingt es dem Buch besonders gut, die inneren Gedanken und Gefühle der Protagonistin greifbar zu machen. Man ist ihr als Leserin oder Leser sehr nah – und genau das verstärkt die emotionale Wirkung enorm.
Was das Buch so besonders macht, ist die allgegenwärtige Ungewissheit. Viele Fragen bleiben offen, vieles wird nicht erklärt – doch genau das macht die Geschichte so intensiv. Die Orientierungslosigkeit und das Nichtwissen spiegeln die Situation der Figuren wider und sorgen dafür, dass man sich beim Lesen selbst verloren fühlt. Diese konstante Unsicherheit erzeugt eine durchgehende Spannung und eine fast körperlich spürbare Beklemmung.
Das gesamte Buch erzeugt eine Gänsehaut-Atmosphäre. Die bedrückende Stimmung zieht sich konsequent durch die Seiten und lässt einen kaum los. Gerade weil so vieles im Dunkeln bleibt, wirkt die Geschichte umso eindringlicher und existenzieller.
Ein sehr besonderes, intensives Buch, das nicht auf einfache Antworten setzt, sondern durch seine Stimmung und Perspektive überzeugt. Absolut empfehlenswert für alle, die sich auf eine außergewöhnliche und nachhallende Lektüre einlassen wollen.
Eine Welt voller Fragen und Geheimnisse
Unter der Erde werden 39 Frauen und ein junges Mädchen gefangen gehalten, ohne Erinnerungen an ihr früheres Leben oder Wissen über die Außenwelt. Das Mädchen fühlt sich isoliert und kann nicht verstehen, warum die anderen kaum mit ihr reden. Als die Wächter plötzlich verschwinden, gelingt ihnen die Flucht. Doch draußen erwartet sie keine Erlösung, sondern eine fremde, verstörende Welt. Ohne Erinnerungen und Wissen, was sie machen sollen, kämpfen sie gemeinsam ums Überleben.
Das Buch wurde schon vor einigen Jahren herausgebracht, doch nun wurde es durch den Klett Cotta Verlag auch übersetzt und bei uns veröffentlicht.
Ich bin ohne eine große Erwartung an das Buch gegangen, denn ich fand den Klappentext erstmal interessant, ohne mir direkt eine Vorstellung über den Verlauf der Geschichte machen zu können. Und das war gut - denn so konnte sich die ganze Vielfalt nach und nach zeigen und ich immer mehr in dieses Buch gesogen werden.
Es ist intensiv und beschreibt eine Welt ganz ohne diese zu zeigen. Erst sind wir in einem unterirdischen Keller, dann in einer Landschaft, die eigentlich kein Leben hervorbringen dürfte. Und doch schaffen es die Frauen, die sich befreien konnten dort zu (über-)leben. Ein Miteinander zu schaffen, das teils aus der Not, teils aus Freundschaften heraus gelebt wird.
Und doch bleiben viele Rätsel und Fragen offen. Doch davon erzähle ich an dieser Stelle natürlich nichts. Die müsst ihr auf jeden Fall selbst herausfinden und euch eure eigene Meinung bilden.
ISBN: 978-3608966701
Autorin: Jacqueline Harpman
Verlag: Klett
ET: 14.03.26
Umfang: 224 Seiten
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt.
Mir fällt es schwer meine Meinung zu diesem Buch abzugeben, denn ich hab noch nichts vergleichbares gelesen…
Es ist ein bedrückender, dystopischer Roman, bei dem man bis zum Ende nicht weis, wohin uns die Erzählerin führen wird.
Alles beginnt mit vierzig Frauen in Gefangenschaft. Dabei ist unsere namenlose Protagonistin die Einzige, welche sich schon seit ihrer frühsten Kindheit in dieser Situation befindet.
Mehr zu dem Inhalt kann ich an dieser Stelle nicht preisgeben, denn es würde in jeglicher Hinsicht für den Verlauf des Buches spoilern, denn auch für mich kam die Entwicklung unerwartet und ich habe mir etwas ganz anderes unter diesem Buch vorgestellt.
Dies ist aber in keiner Weise negativ gemeint, ich habe mir lediglich nur einen etwas anderen Verlauf vorgestellt.
Zwischendrin gab es für mich ein paar Längen, die den Spannungsbogen etwas abschwächten. Dennoch habe ich das Buch innerhalb eines Tages gelesen, da ich unbedingt wissen wollte wie es ausgeht.
Das Ende war sehr offen gehalten und lässt den Leser mit vielen Fragezeichen zurück. Es regt sehr zum Nachdenken rund um die Themen Frau sein, Menschlichkeit und den Sinn des Lebens an und lässt viel Raum für Interpretationen.
Mich hat das Buch tief berührt und ich denke es wird mich auch noch nachhaltig beschäftigen.
Jana S, Buchhändler*in
Ich, die ich Männer nicht kannte“ ist ein ungewöhnliches und sehr eindringliches Buch, das einen noch eine Weile beschäftigt. Die Stimmung ist oft düster und beklemmend, aber gerade das macht den Roman so besonders. Die Geschichte regt zum Nachdenken an und bleibt durch ihre ruhige, klare Sprache im Kopf. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.
Meine Kurzfassung: eine der besten Dystopien, die ich je gelesen habe.
Etwas ausführlicher: Tief unter der Erde sind 40 Frauen in einem Käfig eingesperrt. Sie werden rund um die Uhr überwacht, ihre Lebensmittel werden streng rationiert. Privatsphäre existiert nicht – selbst die intimsten Bedürfnisse müssen sie vor allen verrichten. Es gibt Matratzen, etwas Seife, ein paar Lumpen als Kleidung. Mehr nicht.
In dieser Umgebung wächst das Mädchen auf, das als Ich‑Erzählerin durch die Geschichte führt. Wer ihre Eltern sind, weiß sie nicht. Die Frauen wissen weder, wie sie hierhergekommen sind, noch warum. Manche können sich kaum noch an ihr früheres Leben erinnern.
Doch dann passiert etwas Unerwartetes: Ein Alarm wird ausgelöst – und durch einen Zufall gelingt den Frauen die Flucht. Was danach geschieht, sollte man unbedingt selbst lesen.
Diese Dystopie besticht durch eine düstere, bedrückende Atmosphäre, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Die Entwicklung der Geschichte ist packend, klug und voller Denkanstöße, die ich am liebsten jedem in meinem Umfeld erzählen würde. Das Ende ist stimmig, überraschend und bleibt lange im Kopf.
Ein Buch, das ich definitiv mehrmals lesen werde – ich bin sicher, dass sich darin noch viel entdecken lässt.
Ein echtes Lesehighlight.
Barbara B, Rezensent*in
Als eine Frau ausxdem #sub_lese vorschlug, dieses Buch gemeinsam zu lesen, hatte ich keine so rechte Vorstellung, was mich erwarten würde und hatte mit mehr Verstörung während des Lesens gerechnet.
Das klang doch zu gruselig: 39 Frauen und ein Mädchen unterirdisch eingesperrt in einem Käfig, bewacht, beobachtet ohne Wissen, wie sie an diesen Ort gekommen sind.
"Vierzig Frauen, ohne die Chance was zu tun, erniedrigt, allem beraubt" -
Eigentlich beginnt unsere Lesezeit erst nächste Woche, ich wollte nur mal ein bisschen reinlesen, um ein Gefühl für das Buch zu bekommen und konnte dann nicht mehr aufhören. Zu stark war der Sog der namenlosen Ich-Erzählerin zuzuhören, die ganz alleine ist, krank und auf das Leben, dass sie hatte zurück blickt.
SuB Lesekreis Mai 2026
Die Ich-Erzählerin "Die Kleine" ist als Kind in den Käfig mit 39 Frauen geraten, sie hat keinerlei Erinnerung an die Zeit vor dem Leben im Käfig, versteht nicht, wenn die Frauen von Liebe, Männern, Kindern reden, worum es geht. Und doch ist es gerade sie, die aufbegehrt gegen die totale Fremdbestimmung. Sie beginnt ihren Herzschlag zu zählen und so der Gemeinschaft ein Zeitgefühl zurück zu geben.
Dann ändert sich mit einem schrillen Alarm alles, die Wächter verschwinden, die Frauen sind auf sich gestellt. Doch wo sind sie, ist das noch die Erde ? Warum und von wem sind sie in Gefangenschaft gehalten worden , mit welchem Ziel.
Das Buch ist schon vorv30 Jahren von der belgischen Autorin veröffentlicht worden und ist jetzt wiederentdeckt.
"Ich bin der unfruchtbare Sproß einer Art, von der ich nichts weiß, nicht einmal, ob sie schon ausgestorben ist"
Absolut lesenswert. Ein Buch, dass so außergewöhnlich ist, dass es im Kopf bleibt.
Rezensent*in 1726040
ich war ihnen näher als die Männer, die sie einst geliebt und längst vergessen hatten, die in den Kellern oder unter einem anderen Himmel gestorben waren, näher als die weinenden Geliebten, die vor der Tür warteten, bis ich wieder herauskam.“
Danke an #NetGalley und den KlettCotta-Verlag für das Rezensionsexemplar! 📖
„Ein Mensch muss sprechen, sonst hört er auf ein Mensch zu sein.“ | „Ich hätte mich auch mit Buckel oder Hinkebein gemocht, aber um von anderen geliebt zu werden, musste man schön sein.“ | „Wir waren frei. In Wahrheit hatten wir nur das Gefängnis gewechselt.“
Am Anfang konnte ich mir gar nichts über dieses Buch denken, wusste nicht, was mich erwarten wird.
Mit jeder Seite wurde ich weiter verwirrt: „Was genau stellt dieses Buch dar?“ waren meine Gedanken.
Ich mochte es sehr, dass man mit der Protagonistin Seite für Seite die Wahrheit entdeckt hat. Das Buch hinterlässt echt einen schlechten Beigeschmack, es ist echt gut geschrieben, aber halt auch sehr fragwürdig.
Die Charaktere sind zur Geschichte passend geschrieben, man versteht warum sie wie agieren.
Ich kann nicht viel zu dem Buch sagen, weil ich finde, das keine Worte ihm gerecht werden.
Ab der Hälfte wurde es dann sehr intensiv. ❤️🩹
Es ist wirklich sehr krass, wie aus Nichts so viel werden kann. Aus Not heraus.
Es ist sehr interessant und auch furchterregend zu lesen, wie die Protagonistin immer mehr lernt, im Laufe der Jahre, über Dinge die für uns selbstverständlich sind. Es zeigt auch den Zusammenhalt der Frauen sehr.
Das Buch ist leider wirklich so krass, es hat mich etwas in ein moralisches Dilemma geworfen.
Der Schreibstil ist wundervoll eingprägsam, beschreibend und passend.
Ich habe bis jetzt nichts Vergleichliches gelesen, weshalb mir die Bewertung etwas schwer viel.
Während der Progression des Buches konnte ich mir leider keinen Hinweis darauf bilden, was genau passiert ist, warum das Leben der “Kleinen” im Buch so ist.. Es gibt so viele Theorien. Minimale Spoilerwarnung ⚠️ — Leider wird diese Frage auch nicht wirklich beantwortet.
Es wurde von Seite zu Seite immer intensiver, vorallem die letzten 50 Seiten.
Das, was die Protagonistin alles durchmacht und wie sich ihr Leben gestaltet, kann man sich als “normal lebender Mensch” gar nicht vorstellen.
Das Ende habe ich nicht ganz verstanden, es kam ein bisschen plötzlich. Es gibt auch ein paar offene Plots, was die Autorin wahrscheinlich absichtlich gemacht hat, damit die Leser*innen Interpretationsfreiheit haben.
Die Stelle über ihr Aussehen war super schön zu lesen, gerade als Person, die sich nicht so sieht. Wirklich schön. 🥹
Eine Geschichte über den weiblichen Zusammenhalt, die bittere Realität des Lebens, Alterns & Sterbens. ❤️🩹
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1861026
Ein tolles und eindrucksvolles Buch. Die Autorin schafft es, eine ganz besondere Atmosphäre einzufangen und einen in die Welt des Romans sowie die Gedankenwelt der Protagonistin zu transportieren.
Teresa S, Lehrende*r
Als ich mich dann von meinem geliebten Meer wieder verabschieden musste, begann ich „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman zu lesen.
Die Geschichte entfaltet einen intensiven Sog und trägt einen mit ihrer klaren, feinen Sprache weit fort in eine düstere, dystopische Welt. Vieles bleibt offen, vieles wirkt nach. Noch immer kreisen meine Gedanken darum, tauchen wieder auf, verändern sich, lassen mich nicht los. Ein echtes Highlight für mich – gerade weil dieses Buch mich in einem Moment getragen hat, in dem ich es besonders brauchte. „Aber ein Mensch muss sprechen, sonst hört er auf, ein Mensch zu sein - das ist mir in den letzten Jahren klargeworden.“ Absolute Empfehlung - großes Highlight!!
Ich bin ohne große Erwartungen an dieses Buch herangegangen, weil ich die unterschiedlichsten Meinungen über dieses Buch gehört habe, und weil mich der Klappentext zwar neugierig gemacht hat, ich mir aber kaum vorstellen konnte, in welche Richtung die Geschichte gehen würde. Und genau das war im Nachhinein perfekt – ich wurde gemeinsam mit der Erzählerin in eine Welt geworfen, die sich nicht erklären lässt.
Vierzig Frauen werden unter der Erde gefangen gehalten, ohne zu wissen warum, wie lange genau schon, oder was mit der Welt über ihnen passiert ist. Besonders eindringlich ist dabei die Perspektive der namenlosen Ich-Erzählerin, die bereits als kleines Kind in Gefangenschaft kam und kein „Davor“ kennt. Das macht ihre Stimme so stark und besonders. Sie ist mit Abstand eine der einzigartigsten Protagonistinnen über die ich lesen durfte.
Was mir am meisten gefallen hat, war diese Ungewissheit. Viele Fragen bleiben offen: Wohin sind die Wärter so urplötzlich verschwunden? Wo befinden sie sich jetzt? Warum gibt es kaum Leben außerhalb? Was war der Sinn des Ganzen? Die Orientierungslosigkeit der Figuren überträgt sich direkt auf einen selbst beim Lesen. Man will Antworten, und bekommt sie nicht. Das ist zwar extrem frustrierend, aber so kann man sich genau in die Lage der Protagonistinnen versetzen. Das hat was mit mir gemacht.
Besonders spannend fand ich auch die existenziellen Fragen, die der Roman aufwirft: Was bedeutet Freiheit, wenn man nie gelernt hat, was Freiheit ist? Was sind Erinnerungen und Wissen wert, wenn man nie etwas damit anfangen kann?
Man muss allerdings akzeptieren können, dass dieses Buch keine klaren Antworten liefert. Das ist auch nicht der Punkt des Buches. Wer eine klassische dystopische Handlung mit Auflösung oder Happy End erwartet, könnte hier enttäuscht werden. Für mich hat gerade dieses Offene aber perfekt funktioniert und die Geschichte noch lange nachwirken lassen.
Das Buch ist großartig. Ich konnte nicht aufhören es zu lesen. Es mutet ein wenig dystopisch an und man tappt mit den Frauen im Dunkeln über die Hintergründe ihrer Gefangenschaft.
Das junge Mädchen ist mir am meisten ans Herz gewachsen. Sie kannte keine andere Welt und strotzt dennoch von Lebensdurst, obwohl sie ja eigentlich nichts vermisst...im Vergleich zu den anderen Frauen, die aus ihrem Leben gerissen wurden.
Ein Buch das nachhallt.
Ich fand das Buch auf jeden Fall sehr interessant gestaltet.
Man erfährt nur das, was die Protagonistin weiß oder erlebt hat. Wir bleiben also genauso im dunkeln wie die Frauen.
Ich konnte nur schwer das Buch zur Seite legen. Ich wollte die ganze Zeit wissen, was sie noch erleben und entdecken und auch wie viel Zeit vergeht.
Buchhändler*in 1632239
Eine unglaubliche Geschichte. Mein Buch des Jahres! Eine eindrucksvolles Buch, dass unter die Haut geht.
Es wird keine Gewalt angewendet aber die Brutalität liegt hier im Nichts. Nachdem die Frauen den Bunker verlassen haben, geht die eigentliche Geschichte los, viele Fragen bleiben offen, es werden keine Erklärungen geboten, und am Ende bleibt eine junge Frau alleine zurück.
Packend, klug und beeindruckend!
Maria F, Buchhändler*in
Eine wirklich rätselhafte und berührende Geschichte.
Schon während des Lesens, aber auch noch lange danach löste das Buch ein bedrückendes Gefühl in mir aus. Alles beginnt mit 40 Frauen, gefangen in einem Keller inmitten einer fragwürdigen Welt. Der ständig monotone Alltag, dazu eine Lebenssituation, welche man sich gar nicht vorstellen möchte.
Man kann auf jeden Fall einige spannende Theorien über diese Welt aufstellen. Alles scheint fremd und unwirklich, ein wirklich spannendes Buch, vor allem wenn man den philosophischen Ansatz mag. Besonders gefielen mir jedoch die Momente der Frauen untereinander, welche trotz oder gerade wegen der spürbaren Verzweiflung eine tiefe Zärtlichkeit mit sich brachten.
Rezensent*in 1987227
Interessante , kurzweilige Geschichte, die ich in einem Rutsch gelesen habe. Die Geschichte, die etwas anders ist als die Bücher die ich ansonsten lese. Habe Rezensionen über dieses Buch gelesen und wurde sehr neugierig.
Die namenlose, pubertierende Erzählerin lebt zusammen mit 39 anderen Frauen in einem Käfig unter der Erde, der ununterbrochen von Wächtern umkreist wird. Sie werden mit Essen und Medikamenten versorgt, haben aber keine Ahnung, warum sie dort sind. Die älteren Frauen haben Erinnerungen an ihr altes, normales Leben in der Zivilisation. Für die Erzählerin sind Worte wie Himmel und Sonne bedeutungslos. Dann - eines Tages - gelingt ihnen die Flucht, doch die Welt an der Oberfläche scheint nicht ihre eigene zu sein. Der Kampf ums Überleben geht weiter.
Ein Wahnsinns-Buch, das mich entfernt an "Die Wand" erinnert, aber nicht im Mindesten so sehr gelangweilt hat. Unglaublich intensiv, voller Philosophie, Poesie und Symbole. Ich könnte ewig darüber schwafeln, doch am Ende bleibt jede Nacherzählung unvollständig. Man muss es gelesen haben, um den Rausch zu verstehen.
Warnung: Hier werden keine offenen Fragen beantwortet. Wer Ungewissheit nicht ertragen kann, wird sich quälen.
Ein unglaublich tolles Buch!
Ursprünglich hatte ich es nicht mal auf dem Schirm, bis mein Kollegin so begeistert aus dem Wochenende zurückkam, dass ich mir die gesamte Handlung von ihr habe erzählen lassen (Ich liebe Spoiler). Sie hat mich so mitgerissen, dass ich das Buch dann unbedingt auch lesen musste und was soll ich sagen, es wirft wie erwartet mehr Fragen auf als es beantwortet, eigentlich beantwortet es nicht eine einzige, aber womit ich wirklich nicht gerechnet habe war, dass sich das Ende trotzdem so rund, so vollkommen abgeschlossen anfühlt. Die Fragen spielen einfach keine Rolle mehr.
Man begleitet die Kleine einfach durch ihr Leben, nie wird es langweilig und alles ist so gut beschrieben, dass mann alles beinahe vor sich sieht.
Nach einem etwas langatmigen Einstieg wollte ich das Buch wirklich nicht mehr aus der Hand legen.
Auch vielen Dank an die Übersetzerin, die wirklich viel geleistet hat wie es scheint!
Dieses Buch wird mich ehrlich gesagt nie wieder loslassen. Normalerweise liebe ich keine Geschichten, die so offen und mehrdeutig sind und mich mit mehr Fragen als Antworten zurücklassen. Aber hier hat es einfach gepasst – gerade weil wir die Handlung aus der Perspektive von jemandem erleben, der selbst keine Antworten hat. Wir begleiten Frauen, die unter der Erde leben und sich kaum noch an die Welt darüber erinnern. Der jüngsten von ihnen (aus deren Sicht wir die Geschichte erleben) wird nichts erklärt, sodass wir ihre Neugier und ihr Staunen über alles ganz unmittelbar miterleben – und auch, wohin sie das führt. Es ist eine unglaublich besondere und einzigartige Geschichte.
Ich würde definitiv empfehlen, möglichst ohne Vorwissen in dieses Buch zu gehen.
Mareen W, Rezensent*in
Der Kurzroman lässt mich sprachlos und mit vielen ambivalenten Gedanken zurück, zornig, traurig und keineswegs hoffnungsfroh. Jacqueline Harpman sind mit diesem Roman, der Mitte der 90er erstmals verlegt wurde, einige Kunstgriffe geglückt, die ich erst mal sacken lassen muss.
Das postapokalyptische Setting passt zu der Gefängnissituation, in der wir das kleine namenlose Mädchen kennen lernen. Sie wurde im Käfig erzogen, ist mit 39 anderen Frauen eingesperrt. Sie haben keinerlei Kontakt zur Außenwelt - ihr Alltag besteht aus kochen, nähen, schlafen, immer und immer wieder. Allein da zeigt sich schon der beabsichtigte repetitive Charakter, der mir immer wieder aufgefallen ist. Eines Tages verschwinden die Wächter, die Frauen können sich befreien, jedoch erwartet sie auch außerhalb des Bunkers keine Zivilisation, sondern Ödnis und Einsamkeit.
Der Fokus liegt auf dem namenlosen Mädchen, das ohne Bindung an gesellschaftliche Normen, Zwänge und makrosozial geprägte Emotionen aufgewachsen ist. Schamgefühl oder Liebe sind ihr allenfalls abstrakt bekannt. Ihre Rastlosigkeit setzt einen Kontrapunkt zu anderen Frauen, die irgendwann die Suche nach Städten oder Leben aufgeben. Ihre Suche nach der eigenen Identität, nach dem Sinn ist einsam und durch viele sich wiederholende Momente gekennzeichnet - die mir irgendwann ein Gefühl des Drängens gaben. Irgendwo muss doch Leben sein, irgendwo muss doch der Grund liegen für all das, was sie und die anderen durchgemacht haben. Zum Ende hin keimte in mir etwas zwischen Einsamkeit und Wut.
Die Geschichte bewegt, liefert einem jedoch keine Begründungen für die Ausgangssituation, obwohl ich das Gefühl hatte, jeden einzelnen Stein umgedreht zu haben. Stattdessen spielt sie mit psychologischen Strukturen und stellt die Frage, wie sich die Gesellschaft auf unsere Identitätsbildung auswirkt. Die Erzählstruktur ist also eine ganz andere als wir sie gewöhnt sind.
Mein Fazit? Taucht selbst in diesen aufwühlenden Roman ein - ich komme noch immer nicht klar mit den ambivalenten Empfindungen.
Dieses Buch wird mich noch lange beschäftigen. Es ist eher eine Liebe auf den zweiten Blick gewesen- fand ich die Sprache erst etwas repetitiv, verstand ich dann jedoch die Parallele zur Geschichte, welche sich genauso in sich wiederholenden Schleifen entwickelt. Auch die offenen Fragen der Protagonistin weisen Gemeinsamkeiten zum Leseerlebnis auf. Ich hätte mir mehr Antworten ersehnt, aber so wird der Roman zur Kunst und regt zum nachdenken an. Ich empfehle dieses psychologisch sehr interessante Buch in jedem Fall gern weiter.
Tina N, Buchhändler*in
Ein Buch, das mich trotz der beklemmenden Atmosphäre sofort in seinen Bann gezogen hat. Ich konnte es nicht aus der Hand legen und es las sich trotz fehlender Kapiteleinteulungen unheimlich schnell. Eine Geschichte, die mir im Gedächtnis bleiben wird und mich begeistert hat, obwohl ich mir eine Erklärung gewünscht hätte.
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