Mein Körper – wessen Entscheidung?
Warum wir reproduktive Gerechtigkeit brauchen | Das aktuelle Debattenbuch zur körperlichen Selbstbestimmung
von Sibel Schick
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Erscheinungstermin 25.02.2026 | Archivierungsdatum 26.04.2026
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Zum Inhalt
Die Gesellschaft rückt nach rechts, der gebärfähige Körper wird zum Politikum. Bestechend klug analysiert Sibel Schick, warum mit unseren Körpern keine Politik gemacht werden darf.
Dass Schwangerschaftsabbrüche Leben retten können, hat Sibel Schick am eigenen Leib erfahren. Und auch, gegen welche Widerstände sie ankämpfen musste, bevor der rettende Eingriff durchgeführt wurde. Körperliche Selbstbestimmung ist aber keine Privatsache: Ob und unter welchen Bedingungen wir Kinder bekommen wollen, ist hochpolitisch. Reproduktive Freiheit wird heute unter Strafe gestellt, Staaten bestimmen über den Zugang zu medizinischer Versorgung – auch in Deutschland. Berührend und kämpferisch zeigt Schick, dass echte Gerechtigkeit in einer gemeinsamen Befreiung liegt.
Die Gesellschaft rückt nach rechts, der gebärfähige Körper wird zum Politikum. Bestechend klug analysiert Sibel Schick, warum mit unseren Körpern keine Politik gemacht werden darf.
Dass ...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783103977554 |
| PREIS | 23,00 € (EUR) |
| SEITEN | 208 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
"Der Weg zu unserer Selbstbestimmung führt nicht darüber, anderen weniger Selbstbestimmung zuzugestehen - er endet dort."
Dieses wertvolle Sachbuch der Autorin Sibel Schick möchte ich fast als Manifest für reproduktive Rechte bezeichnen. In "Mein Körper - wessen Entscheidung?" berichtet sie über ihre eigene Abtreibungserfahrung, die ihr das Leben gerettet hat, aber auch, dass sie dafür sehr kämpfen musste. Sie hat die Ungerechtigkeit erlebt, sich ständig dafür rechtfertigen zu müssen (gerade) keine Kinder zu wollen, in einem System, dass einen beständigen Kinderwunsch voraussetzt.
Gibt es überhaupt körperliche Selbstbestimmung für Frauen? Oder leben wir in einem System, das Frauen als bloße Baby-Ressourcen ansieht? Die Autorin thematisiert reproduktive Freiheit, den ungleichen Zugang zu medizinischer Versorgung und warum all diese Fragen politisch sind.
Ich bin absolut begeistert von den Einblicken, die das Buch in dieses ernste und wichtige Thema ermöglicht. Die persönlichen Schilderungen der Autorin haben mich sehr bewegt und zeigen auch, dass sich jede Frau mit reproduktiven Rechten beschäftigten sollte, auch wenn sie einen Kinderwunsch hat, eigentlich gerade dann.
Das Buch ist in fünf relativ gleichgroße Kapitel aufgeteilt, dieser Aufbau hat mir - genauso wie der Schreibstil - sehr gut gefallen! In den einzelnen Kapiteln wird deutlich, wie vielschichtig reproduktive Rechte betrachtet werden müssen.
Absolute Leseempfehlung!
5/5 Sterne
Sibel Schick wünschte sich 2021 nach einsamen und auf sich allein gestellten Jahren als Einwanderin ein Kind, auch wenn sie die ewigen Ermutigungen zu einer Schwangerschaft als Indoktrinierung empfand. Mit zwei Vorerkrankungen, der Fehldiagnose, sie könne nicht schwanger werden, und nach einer weiteren umstrittenen Auskunft wurde sie überraschend doch schwanger. Ihre Einlieferung ins Krankenhaus mit der Diagnose Lungenembolie erlebte sie so, dass ihr lebensbedrohlicher Zustand hinter dem Schutz des Embryos vor Schädigung durch die Diagnostik zurückzustehen hatte, um das Personal vor Haftungsansprüchen zu schützen. Der Schutz des Ungeborenen rangierte vor dem Überleben der Schwangeren.
In Deutschland ist durch das Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) geregelt, dass Ärzte (auch in der Ausbildung) nicht zum Schwangerschaftsabbruch gezwungen werden können. Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen per Gesetz schütze demnach das Ungeborene, gefährde zugleich in Fällen wie ihrem durch den Beratungszwang das Leben von Schwangeren, wenn sich n einer ganzen Region kein Arzt oder keine Klinik für einen Abbruch findet, so die Autorin. Der Widerspruch, dass zwar verbal in Debatten und Wahlkämpfen das Lebensrecht des Ungeborenen beschworen wird, Schwangere in Krisensituationen jedoch alleingelassen würden, führe in Ländern mit restriktiver Gesetzgebung zu unsicheren/illegalen Schwangerschaftsabbrüchen und damit zu höherer Müttersterblichkeit. Sibel Schicks verstörendes Erlebnis wirft die Frage auf, was Politiker fachlich und menschlich überhaupt qualifiziert mit einem so sensiblen Thema in den Wahlkampf zu ziehen.
In der Folge holt die Autorin zum Rundumschlag gegen das „kapitalistische Patriarchat“ aus, das Kinderhaben predige, sich mit den Lebensbedingungen erwünschter, bereits geborener Kinder jedoch kaum befasse. Ihre Beispiele sind u. a. Kinder als Armutsrisiko, Klassismus, Kinderarbeit und Arbeitsunfälle arbeitender Kinder in der Türkei, minderjährige Opfer von Vergewaltigungen, Femizide, Zwangsassimilierung der Kinder nationaler Minderheiten, geflüchtete Kinder, gesundheitliche Risiken schwarzer Schwangerer in weißen Ländern, Situation Behinderter mit Kinderwunsch, sowie Sexualmoral in konservativen Staaten, die die körperliche Unversehrtheit junger Frauen als irrelevant hinter männliche Wünsche stellt. Dass Schicks Blick beim Thema Glorifizierung von Schwangerschaft auf die Türkei, Ungarn und die USA gerichtet ist, sollte uns eine Mahnung sein, wohin Misogynie führen kann.
Der politische Teil, in der Sache unbestritten, wirkt mit seiner Kapitalismuskritik polarisierend und lässt im Ton insgesamt Empathie für Lebensweisen anderer Menschen missen, jene Einfühlung, die Leser:innen nach dem bedrückenden ersten Kapitel vermutlich stillschweigend voraussetzen.
Fazit
In der Kritik an parteipolitischer Vereinnahmung der Rechte Ungeborener ein wichtiger Diskussionsbeitrag, dessen Schilderung eines dramatischen Notfalls re-traumatisieren kann. Insgesamt fehlt mir ein Ansatz, wie die unbestreitbar vorhandenen Strukturen zur Fürsorge für Schwangere und Menschen mit Kinderwunsch besser koordiniert werden können – und welches dazu der nächste Schritt sein kann.
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