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Mit beiden Händen den Himmel stützen
von Lilli Tollkien
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Erscheinungstermin 11.03.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird.
Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.
Authentisch, verletzlich, von poetischer Spannkraft.
»Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt – und gerade deshalb lesen muss.« Mareike Fallwickl
Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird.
Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | E-Book |
| ISBN | 9783841239860 |
| PREIS | 16,99 € (EUR) |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Jennifer B, Rezensent*in
Thank you to NetGalley and the publisher for this ARC.
This book was amazingly written and incredibly disturbing. Messed up things keep happening, and you already know it's messed up, but then the author casually drops the narrator's age again and you realise just HOW messed up it actually is. You'll think she's maybe in her early teens, which would be bad enough, and then she's actually 7 and you feel sick. This book isn't for people easily triggered, as it deals with REALLY heavy issues - not in an exploitative way, it's not reproducing trauma porn, but the author doesn't shy away from calling things what they are, and from showing you how messed up the things that happen to Lale are.
This book is short, but incredibly impactful. In a way, I was glad it was so short, because I was able to listen to it in one go, and I am not sure how I would have felt if I'd had to come back to it again and again and again and keep reading about the horrible things that happen to Lale.
I definitely had to sit with this book before I felt able to write a review, and I still feel like I cannot do this novel justice. All I can say is that I definitely recommend it to anyone who can handle its heavy subject matter.
Zum Inhalt:
Lale wächst unter ungewöhnlich Umständen auf. In einer Männerkommune, die Partys feiern und Revolutionen planen. Sie selbst darf im Grunde alles, was ein Kind sich wünscht, ewig wach bleiben und fernsehen und Süßigkeiten in Unmengen essen. Doch sie seht sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit. Zwischen Freiheit und Vernachlässigung versucht sie ihren Weg zu gehen.
Meine Meinung:
Was für ein Buch! Schon direkt am Anfang werden wir mit der abhängigen Mutter bekannt gemacht, da ist Lale noch in ihrem Bau, kann sich nicht um das Kind angemessen kümmern, so dass sie zu einem Pflegevater in der Kommune kommt. Nicht nur dass sie ihre eigenen Grenze überschritten werden, sie kann sich auch niemanden anvertrauen. Sie muss erwachsen werden, eh sie sich mit dem Erlebten auseinandersetzten kann. Das Buch ist wirklich eine Berg- und Talfahrt, in der man alle Gefühle durchmacht. Man kann kaum glauben, wie Lale aufwachsen musste, wie sie selbst ein auf und ab erlebt. Man möchte sie aus der Situation rausholen und sie einfach umarmen. Es ist ein Buch, dass einem eine wahre Gefühlsachterbahn bietet und das nicht nur der Protagonistin Lale, sondern auch dem Leser.
Fazit:
Beeindruckendes Debut
Buchhändler*in 1260935
Lales Geschichte ist bewegend, schockierend, manchmal kaum auszuhalten. Sie zeigt, wie schutzlos und ausgeliefert Kinder sind, wenn Erwachsene ihre Verantwortung nicht wahrnehmen. Beeindruckend ist, wie Lale es trotz allem schafft, ihren Weg zu finden.
Ein sehr lesenswertes Buch, wenn man sich darauf einlassen mag.
Anke D, Buchhändler*in
Die junge Lale wächst im Berlin der 80er Jahre in einer Männer-WG auf, die Mutter ist drogenabhängig und kann sich nicht um das Kind kümmern, bleibt jahrelang eine Sehnsuchtsfigur für das junge Mädchen. Lale erfährt Vernachlässigung und Missbrauch, unempathische Erwachsene und ein Hilfessystem, das komplett versagt.
Sie sehnt sich nach Normalität und Geborgenheit. Einer der wenigen sicheren Orte, die sie erlebt, ist die Schule, das was da passiert, ist vorhersehbar und verlässlich.
Ich habe das Buch von Lilli Tollkien in einem Zug durchgelesen. Ihre Sprache ist direkt und packend, manchmal ist das, was sie beschreibt schwer auszuhalten, die Not eines Kindes, die nicht gesehen wird. Die Protagonistin entwickelt eine unglaubliche Kraft, ihr Leben trotzdem zu meistern, bei all den traumatisierenden Erfahrungen nicht auseinanderzufliegen. Diese Kraft, die durch die Sprache transportiert wird, hat mich sehr beeindruckt. Als Leserin folgt man gebannt ihrem Wunsch zu leben und zu heilen, ist erschüttert, wie sie als junge Erwachsene immer wieder alte Erfahrungen wiederholt und in unguten Situationen landet und wie das Schreiben selbst, die Reflektion, die Poesie und die Erfahrung des Qi Gong sie zu sich selbst finden lassen. Ein sehr starkes und wichtiges Buch.
Manche Bücher lassen sich leicht besprechen. Andere machen einen erst einmal sprachlos. „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ von Lilli Tollkien gehört für mich zu den Büchern der zweiten Kategorie.
Der Lebensweg von Lale zu begleiten war für mich emotional herausfordernd. Nicht, weil der Roman schwer zugänglich wäre, sondern weil er eine Realität zeigt, die viele von uns lieber auf Distanz halten: eine Kindheit jenseits von Stabilität, Schutz und Privilegien.
Die Geschichte spielt im Berlin der frühen Nachwendezeit. Lales Mutter ist drogensüchtig; schon als Neugeborenes muss das Baby einen Entzug durchstehen. Ihre Kindheit verbringt sie zunächst in einer alternativen Männer-WG bei einem Freund des Vaters, später zeitweise mit dem Vater selbst. Es gibt guten Willen, Momente von Zuneigung und Fürsorge. Doch Verantwortung und Stabilität bleiben brüchig. Niemand weiß wirklich, wie man ein Kind großzieht, Drogen gehören zum Alltag, und die Systeme, die Kinder schützen sollen, greifen nicht.
Beim Lesen hat mich besonders beschäftigt, wie widersprüchlich dieses Umfeld ist. Lale wächst in einem Milieu auf, das Freiheit hochhält und sich selbst als progressiv versteht. Doch für ein Kind kann grenzenlose Freiheit auch etwas anderes bedeuten: Haltlosigkeit. Ohne Schutz, Grenzen und Orientierung wird sie schnell zur Form von Vernachlässigung. Der Roman stellt damit auch unbequeme Fragen an Szenen, die sich selbst als emanzipiert verstehen und dennoch nicht frei von patriarchalen Machtstrukturen und Verantwortungslosigkeit sind.
Was mich beim Lesen ebenfalls nicht losgelassen hat, ist die Frage, wie sehr wir solche Geschichten noch immer als Ausnahme betrachten. Gewalt und Missbrauch an Kindern erscheinen in unserer gesellschaftlichen Vorstellung oft als Einzelfälle. Studien zeichnen jedoch ein anderes Bild: Metaanalysen gehen davon aus, dass etwa jede fünfte Frau in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt erlebt hat, während nur ein kleiner Teil der Fälle angezeigt wird (nur 10-30% nach Schätzungen!). Die Dunkelziffer ist unglaublich hoch. Vor diesem Hintergrund wirkt Lales Geschichte nicht nur wie ein individuelles Schicksal, sondern auch wie ein Spiegel struktureller Realität.
Und doch ist dieses Buch keine reine Chronik von Leid. Lale überlebt. Sie probiert Identitäten aus, entwickelt Strategien, die sie durchs Leben bringen. Lange Zeit sucht sie nach sich selbst, tastend, manchmal zerstörerisch, oft einsam. Erst spät eröffnet sich ihr ein Raum, in dem etwas möglich wird, das zuvor kaum existierte: Luft holen. Atmen. Fühlen, ohne sofort von Angst, Überforderung und Überwältigung überrollt zu werden.
Vielleicht hat mich genau das am meisten berührt: dass dieses Buch nicht nur Verletzlichkeit zeigt, sondern auch die enorme Kraft eines Menschen, weiterzugehen. Im Nachwort schreibt die Autorin, dass der Roman auf realen Erfahrungen basiert, aber fiktional gestaltet ist. Gerade dadurch wirkt er so nah. Die Sprache bleibt dicht an der Figur, manchmal rau, manchmal überraschend poetisch. Dass dies das Debüt von Lilli Tollkien ist, macht die Wucht des Buches umso bemerkenswerter.
Lale braucht kein Mitleid. Was sie braucht, ist unser Hinsehen. Und unseren Respekt.
Silvia W, Rezensent*in
Eine Kindheit ohne Verbote? Was bei Pipi Langstrumpf Spaß macht, sieht in diesem Buch ganz anders aus.
Lale wächst in den 1980iger Jahren in Berlin auf. In einer Männer-Kommune.
Ihrer Mutter wurde das Sorgerecht entzogen, den ersten Entzug hat Lale direkt nach der Geburt, den zweiten als Kleinkind, denn sie hat ein paar Pillen die sie auf dem Boden fand gegessen. Die Mutter ist drogenabhängig.
So bekommt Lale einen Vormund, der Vater ist es nicht, aber er wohnt auch (manchmal) in der WG. Er übernimmt aber keinerlei Verantwortung für seine Tochter.
Lale darf so lange aufbleiben wie sie möchte, früh schlafen gehen ist bei der Geräuschkulisse in der Wohnung auch nicht möglich. Sie darf essen was sie will, gesunde Lebensmittel sind selten vorrätig. Der Fernseher läuft den ganzen Tag. Sie ist frei, aber total vernachlässigt. Ab und zu hat einer der Männer eine Freundin die sich ihrer annimmt. Mal was Anständiges kocht, ihr was zum Anziehen oder später Schulsachen kauft.
Lale geht Anfangs auch total gerne in die Schule, dort erfährt sie Halt und Struktur. Doch dieses Leben zieht auch Lale hinab in den Strudel von Drogen und Alkohol.
Das tut schon echt weh, das zu lesen. Immer wieder sucht sie Anschluss, Geborgenheit, Zugehörigkeit. In der Männer WG ist sie ein Fremdkörper, wird verhätschelt, ignoriert, missbraucht, vergessen.
Später sucht Lale nach einem Weg mit ihrer Versehrtheit durch die Nicht-Erziehung umzugehen. Sie findet einen Weg im Schreiben und der Fotografie. Sie sagt sie „Fotografieren ist Ordnung in die Welt sehen.“.
Der Text ist nicht gradlinig, oft poetisch, was ein krasser Gegensatz zum Inhalt ist. Der Roman ging mir sehe nahe, er schmerzte regelrecht, weshalb ich immer wieder Pausen einlegen musste.
Ich bin recht behütet aufgewachsen, natürlich hätte ich mir oft mehr Freiheiten gewünscht, doch das, was Lale durchmacht ist nicht wünschenswert, eher ein Alptraum. Es gibt so viele Möglichkeiten als Eltern zu versagen, die in diesem Buch beschriebene ist schon übel.
In den 1980iger Jahren war ich Teenager, mit der passenden Playlist die Tollkien auf Spotify zur Verfügung stellt kann ich mich in vielen Songs identifizieren. So war das Buch auch eine Art Zeitreise für mich, nur das meine Zeit in denselben Jahren ganz anders war. Zum Glück. Ich glaube nicht, dass ich soviel Kraft wie Lale gehabt hätte.
Radikale Geschichte in außergewöhnlichem Schreibstil mit starker Sogwirkung
In den 80er Jahren kommt Lale als Kleinkind zu einem Freund ihres Vaters. Ihre Mutter ist schwer abhängig und kann sich nicht um sie kümmern. Die Männer-WG, die von nun an ihr Zuhause ist, definiert sich über Diskussionsrunden und wechselnde Partnerinnen, Ausschweifungen und Drogen, Revolutionsgedanken und Alkohol. Lale erfährt in überbordendem Maße Freiheit und Unsicherheit, Zuneigung und Ablehnung, Schutz und Gewalt. Sie sucht verzweifelt nach Regeln und Grenzen, Freundschaft und Vertrauen, einem gesunden Selbstbild und Verständnis für ihre eigene Geschichte. Darüber entwickelt sie sich zu einer unglaublich starken Persönlichkeit.
Anfangs wusste ich nicht, ob ich mit Lilli Tollkiens Schreibstil zurechtkomme. Er kam mir seltsam objektiv vor. Die Geschichte entwickelte sich auf eine Art und Weise, die meinen Lesegewohnheiten fremd war.
Und dann traf sie mich mit aller Wucht. Ich habe das Buch innerhalb weniger Stunden durchgelesen und konnte es wortwörtlich nicht mehr weglegen.
Die Ich-Erzählerin, die durch die oft sachliche Schilderung der Ereignisse gleichsam versucht, Abstand von dem zu nehmen, was ihr widerfahren ist.
Die meist schlichte Darstellung, die viele Interpretationen zulässt, keine vorwegnimmt und dann wie nebenbei in die intendierte Richtung lenkt.
Die beschriebene Welt, ihre Vorstellungen und Ansichten, so eindringlich zum Leben erweckt.
Und immer wieder Sätze von einer schier unfassbaren Macht und Schönheit, dass sie schmerzen und entzücken zugleich, wie etwa „Mein Herz wird ein Mausoleum sein. Alle, die ich nicht geworden bin, fristen dort ihr Wegsein.“
Das alles hat mich über die Maßen beeindruckt.
Mit diesem fantastischen Debutroman macht Lilli Tollkien sich zu einer neuen literarischen Größe, von der man mehr lesen möchte.
Rezensent*in 1863603
Lillie Tollkien beschreibt mit grandioser emotionaler Genauigkeit und Direktheit die Suche eines jungen Mädchens, später einer jungen Frau, nach Sicherheit und, wie diese dabei immer wieder an die falschen Männer, Freunde und Substanzen gerät.
Lale, Tochter, einer Drogenabhängigen, Mutter und eines promiskuitiven Vaters wächst in der chaotischen und Antiautorischen Männer-WG ihres Vaters auf. Dort erfährt sie weder ein sicheres Umfeld. - sie erlebt mehrfach, wie die Männer ihre Fantasien über sie ausleben - noch so etwas wie Erziehung und Ordnung. Stattdessen beobachtet sie den Substanz, Drogen und Alkoholkonsum der Freunde ihres Vaters, gilt als sonderlich und schafft es nicht, dauerhafte freundschaftliche Beziehungen aufzubauen.
Man begleitet Lale in ihrem verzweifelten Versuch, ihren Platz in einem Leben, dem sie keinen zu haben scheint, zu finden. Was für mich sehr faszinierend ist, ist wie sie mit jedem Scheitern, und sie scheitert oft, doch wieder aufsteht und weitermacht noch eine Ausbildung anfängt, sie abbricht, mehrere Studiengänge anfängt, und doch nichts zu Ende zu bringen scheint. Ich finde das Buch sehr toll geschrieben und kann es nur empfehlen!
"Ich werde Orte suchen, an denen das Grundrauschen lauter ist als mein innerer Tumult."
Lales Kindheit ist übersäht von Vernachlässigung. Sie wächst in Berlin in einer Männer-WG auf, in der betrunken Revolutionen geplant werden. Es gibt niemanden, der ihr Grenzen setzt und wenn sie welche fordert, machen sich die Männer darüber lustig. Es gibt auch niemanden, der darauf achtet, das Lale und ihr Körper unversehrt bleiben - ein Mann aus der WG überschreitet regelmäßig Lales Grenzen und niemand hält ihn auf. Lale muss trotzdem groß werden, irgendwie aufwachsen in diesem Milieu. Trost findet sie im Schreiben, während sie einen Weg hinaus sucht ...
Dieses Debüt von Lilli Tollkien hat mich gleichermaßen überrascht und begeistert. Lales Welt hat trotz der scheinbaren Freiheit so viele Falllöcher, trägt so viel Leid in sich, dass es mich sehr mitgenommen hat. Lale selbst erzählt hier und dort auktorial, was mir sehr gut gefallen hat. Sie blickt auf ihr Leben zurück, schildert ihre Geschichte mit gutem Überblick, aber auch sehr persönlich. Ich habe mir sehr viele Stellen markiert, die mich auch sprachlich sehr überzeugen konnten. Generell ist der Schreibstil sehr gelungen!
Die Themen in diesem Buch sind schwer: Gewalt (verbal, psychisch, sexuell) und Drogen- und Alkoholmissbrauch setzen kein "Wohlfühl-Setting", sondern eine Lebensrealität, mit der ich bisher nicht in Berührung gekommen bin. Für mich wirkte die erschaffene, fiktive Welt sehr authentisch und ich war nicht überrascht, als ich im Impressum gesehen habe, dass es teilweise auf wahren Ereignissen beruht.
Große Leseempfehlung!
4,5/5 Sterne
Die Geschichte über Lale und ihre Kindheit hat mich tief bewegt und lange nicht losgelassen. Es erzählt die Geschichte einer jungen Frau, deren Kindheit von Grenzlosigkeit, Missbrauch und fehlender Sicherheit geprägt war. Erfahrungen, die sie damals selbst noch nicht einordnen konnte, die jedoch ihr gesamtes weiteres Leben beeinflussen. Als Leser:in begleitet man sie auf ihrem Weg, sich diesen Prägungen zu stellen, und wünscht sich immer wieder, man könnte das Kind, das sie einmal war, in Schutz nehmen.
Die Erzählung folgt größtenteils chronologisch einzelnen Lebensabschnitten, durchzogen von immer stärker werdenden Reflexionen über die Auswirkungen der Kindheit auf ihr Erwachsenenleben. Lales innere Kämpfe und ihre Suche nach Halt werden nüchtern und schonungslos beschrieben, ohne je reißerisch zu wirken. Gerade diese sachliche Klarheit verleiht der Geschichte ihre besondere Intensität.
Der Roman erzeugt eine dichte Atmosphäre, die es leicht macht, sich in Lales Welt zu verlieren. Trotz unterschiedlicher Lebenswege habe ich vieles wiedererkannt, und noch lange nach dem Lesen hallt das Gelesene nach. Kein easy read, dafür eine eindrucksvolle, berührende und wichtige Geschichte, die zeigt, wie prägend unausgesprochene Erfahrungen sein können und wie schwer, aber notwendig es ist, sich ihnen zu stellen.
Anja F, Rezensent*in
Intensives Leseerlebnis
Die Lektüre dieses Buches empfand ich als wahnsinnig intensiv. Dabei war mein erster Eindruck, dass sehr nüchtern und distanziert berichtet wird. Und dennoch hat die autobiografisch inspirierte Geschichte mich gepackt, emotional angefasst, erschüttert und beschäftigt mich auch jetzt noch nachhaltig.
Vielleicht ist es die Unverfrorenheit, mit der das Leben von Lale - Tochter einer drogenabhängigen Mutter - in einer Männer-Kommune erzählt wird. Die Schutzlosigkeit des Kindes, das alles darf und keine Struktur vorgegeben bekommt, das aber auch viel ertragen muss und mit ihren Ängsten und Sorgen nicht Ernst genommen wird.
Vielleicht ist es auch die Tatsache, dass der Roman von realen Erfahrungen der Autorin beeinflusst ist ohne sich Autobiografie zu nennen. So sind die Grenzen zwischen Realität und Fiktion für den Leser nicht auszumachen - dennoch wird Lale dadurch realer und ihre Situation umso erschütternder.
Und vielleicht liegt es auch daran, dass das Buch eine ganz andere Lebensrealität zeigt, als meine eigene als Kind. Lale und ich aber zur gleichen Zeit unsere Kindheit gelebt haben und ganz viel Zeitgeist der 1980er Jahre durchscheint.
Mir hat besonders gut gefallen, wie die Autorin immer wieder in die Zukunft geblickt hat. Auf diese Weise macht sie sehr deutlich, welche Auswirkungen die Kindheitserfahrungen noch auf das Erwachsenenleben haben und welche Verhaltensmuster und Ängste das Leben der Protagonistin bestimmen werden.
Ich kann nur sagen, dass dieses Buch mich tief berührt hat. Es war eine sehr intensive Leseerfahrung, die ich gerne weiterempfehle.
Schon auf den ersten Seiten war ich von »Mit beiden Händen den Himmel stützen« teilweise mitgerissen und abgestoßen. Lale, sie erzählt aus ihrem Leben, kam mir immer wieder so verletzlich vor. Sie wächst in den 80er Jahren in Berlin Kreuzberg auf. Bei ihrem Vater, der mit anderen Männern in einer WG wohnt. Ihre Mutter war nicht in der Lage das Mädchen großzuziehen und als Lale als Kleinkind eine ordentliche Portion von den Drogen ihrer Mutter geschluckt hatte, wurde das Mädchen in ein Kinderheim gesteckt. Ihr Vater, bzw. ein Freund des Vaters, holte das Mädchen dann dort wieder heraus. Es machte dabei wohl nichts aus, dass der Vater wegen eines Geldtransporterüberfalles gerade erst aus dem Knast entlassen worden war.
Mit beiden Händen den Himmel stützen
Lilli Tollkien erzählt von einem Mädchen, dass ich damals gerne gewesen wäre. Sie darf alles, was sie sich zutraut. Sie darf so lange aufbleiben, wie sie möchte. Lale darf Fernsehen, was sie auch immer möchte, sie kann und darf alles Essen, dabei wird nicht darauf Wert gelegt, dass es gesund ist. Das Mädchen stromert zwischen den vollgedröhnten "Freunden" oder Kunden ihres Vaters durch die versiffte Wohnung, oder verzieht sich in ihr Zimmer. Ich hätte Lale damals bewundert und wäre gerne ihre Freundin gewesen, hätte gerne ein bisschen von ihrem unkonventionellen, aufmüpfigen Leben abhaben wollen. Doch so toll ist das Leben des Mädchens gar nicht. Jedes Kind wünscht sich ein bisschen Geborgenheit und Sicherheit. In ihrem eigenen Zimmer, in einem vermeintlich sicheren Ort, ist das Kind nicht sicher. Spielerisch wird sie verführt, kommt mit Drogen und betrunkenen Männern zusammen. Manchmal versuchen die Freundinnen der WG-Männer dem Kind ein bisschen Normalität zu geben, aber die meisten Frauen bleiben nicht lange.
Die 255 Seiten waren schnell gelesen, obwohl ich öfter das Buch mal weglegen musste, damit ich wieder zu Atem kommen konnte. Lale hatte eine verrückte Kindheit. Eine ungestüme und verletzte Kindheit. Man könnte meinen, dass eine solche Umgebung das Kind stark macht, aber stattdessen hat sie oft Angst, ist unsicher und vorsichtig. Die Autorin Lilli Tollkien schreibt einfach toll. Sie reißt den Leser in ihre Welt und "beschmeißt" ihn mit fast prosaischen Texten. Man kann einfach nicht aufhören, zu lesen. Für mich ist dieses Buch ein Highlight des Jahres
Wer ist die Autorin?
Von der Verlagsseite: Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr erster Roman. In ihrem Instagram Account findet man die passende Musik und Ausschnitte aus ihrem Buch, schau einfach mal hier ...
Rezensent*in 1471812
Wow, dieses Buch trifft einen wirklich mit voller Wucht! Und das bei diesem leichten Schreibstil. Kurze, prägnante Sätze, die die komplette Gefühlswelt und die Sicht von Lale wiedergeben. Es werden zum Teil wirklich heftige Themen verarbeitet, die einen völlig unvorbereitet treffen. Man sieht alles durch Lales Augen, man fühlt mit, man fiebert mit, man hofft mit. Ab der Geburt, nein, sogar schon vor ihrer Geburt. Man möchte wissen, wie es in ihrem Leben weitergeht, wie es endet. Wenn man selbst von einigen Themen aus diesem Buch betroffen ist, erreichen einen die Zeilen nochmal ganz anders. Ich musste das Buch an einigen Stellen erstmal kurz zur Seite legen und über meine eigene Situation nachdenken. Ein heftiges Buch, aber auch ein sehr schönes Buch. Ich bin froh, dass ich es schon lesen durfte.
Dieses Buch hat mich absolut berührt. Es wird die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die in ihrer Kindheit Mißbrauch, Grenzenlosigkeit und Haltlosigkeit erlebt hat, ohne dies zu dieser Zeit selbst wahrnehmen zu können. Doch es prägt ihr ganzes Leben, und um dies meistern zu können, muss sie den schweren Weg gehen, sich damit auseinanderzusetzen. Und dabei habe ich als Leserin sie begleitet. Und wie oft hätte ich dieses Kind einfach gerne in den Arm genommen, sie an einen sicheren Ort gebracht.
Das Buch ist beeindruckend geschrieben. Es erzählt alles, ohne es in konkrete Worte zu fassen. Das fand ich absolut genial. Ich hoffe sehr, noch mehr Bücher von der Autorin lesen zu können!
Rezensent*in 1791314
Bereits der Klappentext schaffte es mich zu berühren, aber dass ich bereits nach 5 Seiten Tränen in den Augen hatte, hat mich dann doch nochmals umgehauen. Lilli Tollkien hat mit ihrer lakonisch schlichten Erzählart genau meinen Nerv getroffen. Die Einblicke in Lales Kindheit und Aufwachsen sind unfassbar präzise gesetzt als würde man ein Fotoalbum durchblättern und könnte in jede Aufnahme einsteigen; so nah und berührend hat es sich für mich angefühlt. Große Empfehlung!
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Krimis, Thriller, Mystery, Körper, Geist & Gesundheit, New Adult