Dius
von Stefan Hertmans
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Erscheinungstermin 22.10.2025 | Archivierungsdatum 30.11.2025
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Zum Inhalt
Als Dius an seiner Haustür klingelt, ist Anton überrascht und irritiert. Keiner seiner Studenten an der Kunsthochschule ist bisher so ungeniert in sein Privatleben vorgedrungen. Oder hat ihm gar...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783257073560 |
| PREIS | 26,00 € (EUR) |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Ein faszinierendes Buch über die Freundschaft zwischen einem Professor und seinem Studenten, die sich zu einer klassischen Männerfreundschaft entwickelt. Das Buch ist sehr gut geschrieben und hat einen klaren Spannungsbogen. Sehr empfehlenswert.
Elena N, Rezensent*in
In seinem Roman „Dius“ erweckt Hertmans zwei miteinander verwobene Ebenen zum Leben – eine Vergangenheit in den 1980er Jahren und eine spätere Reflexion. Es ist eine subtile und doch intensive Beziehung zwischen zwei sehr unterschiedlichen Menschen.
Der Student Dius lädt den Kunsthistoriker Anton in ein abgelegenes Lagerhaus an der flämischen Küste in Ganzenvliet ein. An diesem abgeschiedenen Ort entsteht eine tiefe, aufrichtige Männerfreundschaft, die Anton dazu bringt, sein Leben zu hinterfragen. Der Roman widmet sich großen Themen wie Freundschaft, Liebe, Verlust, Alter und Verletzlichkeit.
Was dem Buch besondere Tiefe verleiht, sind ausführliche, facettenreiche Exkurse zu bildender Kunst, klassischer Musik und Philosophie, die eng mit den persönlichen Reflexionen der Figuren verwoben sind.
Mein Fazit: eine klare Leseempfehlung.
Rezensent*in 780093
„Ich möchte Ihr Freund sein, platzte es aus ihm heraus. Er wurde knallrot und verstummte.“ Das Bild, das ich nach diesem ersten Satz von Dius habe, wird dem, was kommt, wie sich die Freundschaft zwischen ihm und Anton entwickelt, nicht gerecht. Egidius De Blaeser, wie er mit vollem Namen heißt, ist ein begabter Kunststudent, der alle Konventionen über Bord wirft, als er bei Anton klingelt.
Die Freundschaft, die bald entsteht, ändert sich in Abhängigkeit. Der ältere der beiden fährt zunächst ungern in das Dorfhaus seines jungen Freundes, bald aber weiß er die Ruhe zu schätzen, die ihm dieses Gemäuer bietet. Noch ist Anton verheiratet mit Nouka, sie leben in ihrer Stadtwohnung, an den Wochenenden packt er immer öfter seine Bücher, seine Hefte und Notizen ein, es zieht ihn hinaus aufs Land, er schätzt die stillen Nachmittage und die langen Spaziergänge. Ihr bisheriges Leben, das von Dius und Anton, ändert sich komplett, sie verlieren sich irgendwann aus den Augen, bis sie sich sehr viel später wieder begegnen.
Es ist ein leiser Roman, untermalt von klassischer Musik. Der Autor verrät zu guter Letzt, in welch außergewöhnlicher Umgebung DIUS entstanden ist und wie diese ihre Spuren hinterlassen hat. Er erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft, von ihrer tiefen Verbundenheit und von den Jahren danach, von ihren Liebschaften, von schönen und von schmerzhaften Zeiten. Viele Gefühle sind im Spiel, dem Unverständnis folgen Wut und Entrüstung über die sich einschleichenden Lügen, gefolgt von Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit, nach der verlorenen Zeit.
Mich hat diese Geschichte nicht mehr losgelassen, habe dem soeben Gelesenen noch lange nachgespürt - dieser so ungewöhnlichen Freundschaft, die zwischendrin so einiges offenbart. „Vieles von dem, was wir in anderen Menschen zu erkennen glauben, ist nur der Widerschein unserer Vorurteile.“ DIUS ist ein Roman, der noch lange nachhallt.
Zum inhalt:
Egidius de Blaeser, genannt Dius, ist ein talentierter Kunststudent, aber mit einem nicht gerade einfachen Charakter. Nicht wenige verfallen seinem Charme, darunter auch auch sein Dozent. Viele Jahre verbringen sie viel Zeit miteinander bis eine Lüge die Freundschaft zerstört. Dann taucht Dius plötzlich wieder auf.
Meine Meinung:
Was für mich das Buch besonders gemacht hat, ist die Vielfältigkeit in der Freundschaft, die eben nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen ist, sondern das gesamte Spektrum von Gefühlen beinhalten kann. Dazu viele Gespräche über Kunst, Musik und auch Philosophie. Man fragt sich zwar zwischendurch mal wohin das Ganze führen soll, irgendwann ist diese Frage aber gar nicht mehr so wichtig, weil das Buch einen einfach gefangen nimmt. Der Schreibstil hat mit gut gefallen
Fazit:
Vielschichtig
Männerfreundschaft
Anton, Anfang dreißig, Dozent an der Kunsthochschule, ist sehr überrascht, als ihn plötzlich Egidius De Blaeser, einer seiner Studenten, zu Hause aufsucht. Dius, wie er genannt wird, bietet ihm seine Freundschaft an und lädt ihn ein, mit ihm in sein altes Dorfhaus in nordisch rauer unwirtlicher Gegend zu ziehen, um dort gemeinsam zu arbeiten. Zunächst zögerlich willigt Anton ein und bald entsteht eine tiefe Männerfreundschaft, die sich in gemeinsamer Arbeit und langen Spaziergängen in der Natur manifestiert. Neben der Liebe zur Kunst entwickeln die beiden Männer jedoch ihre eigenen Pläne für die Zukunft, wobei sich bald die Dominanz des zehn Jahre jüngeren Dius offenbart. Anton gerät in emotionale Abhängigkeit - künstlerische Ambitionen und private Probleme lassen die Freundschaft zerbrechen …
Stefan Hertmans (geb. 1951 in Gent) ist ein belgischer Autor mit niederländischer Sprache. Er studierte Philologie an der Universität Gent, arbeitete zeitweise als Lehrer und hielt Gastvorlesungen an verschiedenen internationalen Kulturinstituten. Er publizierte mehrere Prosawerke, Lyrikbände, Essaysammlungen und Theaterstücke, für die er zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Hertmans lebt in der Nähe von Brüssel und in der kleinen französischen Gemeinde Monieux Nahe der Côte d’Azur.
In dem Roman „Dius“ (10/2025 – Diogenes Verlag) erzählt uns Anton in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive seine Erinnerungen an die Zeit, die er mit Dius verbrachte. Wir erfahren von der ungewöhnlichen Freundschaft, die neben der gemeinsamen Liebe zur Kunst von gegenseitiger Achtung und Anerkennung geprägt ist. Dennoch gibt es Situationen und Missverständnisse, die zur Verärgerung des jeweils anderen führen. Wir erhalten tiefe Einblicke in beider Privatleben und lernen dabei Dius künstlerisches Schaffen und seine Arbeiten kennen. Lebendige Schilderungen der Natur und ihre ausgedehnten Spaziergänge in der Polderlandschaft machen das Lesen, neben genauer Beschreibung einiger Meisterwerke der Kunst, sehr abwechslungsreich. Die feinfühlige Sprache und die emotionale Tiefe der Gefühle lassen den Roman noch lange nachklingen.
Fazit: Ein einfühlsamer und außergewöhnlicher Roman, den ich uneingeschränkt empfehlen möchte.
Dius von Stefan Hertmans
Übersetzt aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm
Die passionsgeschichte einer Männerfreundschaft vor niederländischen Wolken
Ein charmanter Kunststudent mit Ecken und Kanten wirbt fast schon unverschämt hartnäckig um die Freundschaft seines Professors. Der wehrt sich anfangs gegen dieses unhöfliche eindringen in seine Privatsphäre. Dius, der eigentlich Egidius heißt, bietet Anton sogar eine Studierstube in einem Landhaus an. Und tatsächlich findet der dort einen idealen Rückzugsort und die beiden Männer entwickeln ihre tiefe Freundschaft in langen Spaziergängen und nächtelangem gemeinsamen Lachen. Die weite Polderlandschaft mit ihrem speziellen Licht, das so viele Maler inspiriert hat, dient als faszinierende Kulisse. Nach und nach entdeckt Anton, dass Dius ein genialer-genialischer Künstler ist, der sich den Konventionen des akademischen und ökonomischen Kunstbetriebs verweigert. Der Anklang des Namens Dius an das göttliche Deus gewinnt einen Sinn. Der Professor opfert dieser Freundschaft zwei Liebesbeziehungen zu Frauen. Als Dius heiratet und nach Italien zieht, fällt es Anton über Jahre schwer, wieder ins Gleichgewicht zurückzufinden. Als sie sich wiedersehen, ist Dius durch einen Unfall an einer holzschneidemaschine furchtbar entstellt. Und ein schrecklicher Krankheit verändert seine Persönlichkeit. Dieneiden mönner gehen den Weg ihrer Freundschaft bis zum Ende, das auch Erlösung mit einem Schuss Happy End bedeutet. Wer sich auf Kunstgeschichte und Alte Musik einlassen mag, könnte hier ein Lieblingsbuch. In jedem Fall
sehr bewegend. Sehr fein erzählt mit poetischen Seelenbildern .
Diogenes Verlag, 362 Seiten, 26 Euro
Rezensent*in 1839709
Der Roman handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Dozenten an einer Kunsthochschule Anton und seinem zehn Jahre jüngeren talentierten Studenten Dius. Letzter bittet Anton ungeniert um seine Freundschaft. Diese beginnt sich tatsächlich in Dius Dorfhaus in den Poldern im Norden Belgiens zu entwickeln, in dem Anton in Ruhe seine Dissertation beenden kann. Das Haus wird zu ihrem gemeinsamen Mittelpunkt. In rauer Natur machen sie Spaziergänge, arbeiten konzentriert, sprechen über Kunst, Musik und Philosophie. Mit dem Fortzug Dius nach Italien nach seiner Heirat endet der Kontakt, bis Dius Jahre später wieder vor Antons Tür steht und sich Anton daraufhin zu ihm nach Italien begibt, wo sich die Ereignisse tragisch entwickeln.
Das Thema Freundschaft steht im Mittelpunkt des Romans. Allerdings lassen mich immer wieder Vorkommnisse zweifeln, ob Dius ein ehrliches Spiel mit Anton treibt, und gelegentlich auch umgekehrt. Die Geschichte ist leise erzählt. Wunderschön sind die Naturbeschreibungen. Und die Kunst spielt natürlich eine große Rolle, allerdings weniger die moderne als die der Renaissance. Überhaupt fragt man sich bei beiden Protagonisten, ob sie im Hier und Jetzt leben. Anton erweckt geradezu Mitleid, so introvertiert und einsam wie er geschildert wird. Einfach zu lesen ist der Roman nicht, wofür die sehr ausführlichen Abschweifungen auf Kunst, Musik und Philosophie sorgen. Aber für Leser anspruchsvoller Literatur sehr empfehlenswert.
Rezensent*in 676119
Ein einschneidendes, tief gehendes Buch über eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Männern, die stets ungleich zu sein scheinen, aber doch nie den Faden zueinander verlieren.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Anton erzählt, der von Dius zur Freundschaft "aufgefordert" wird. Es entwickelt sich eine schwer zu beschreibende Beziehung zwischen den beiden, die besonders das Leben von Anton, dem Protagonisten, nachhaltig bewegt. Der Autor erzählt gekonnt die Geschichte aus der Sicht von Anton, der launisch, zerbrechlich und ehrlich über seine Gefühle zu Dius und seinem Leben erzählt. Es gibt Hochs und Tiefs, sowohl in Antons Leben als auch in der Erzählweise der Geschichte, und am Ende war ich beeindruckt, wie eindrucksvoll die Geschichte Spuren in meinem Kopf hinterlassen hat. Das Buch hat viel mehr zu bieten als die Kurzbeschreibung zu bieten hat.
An manchen Stellen hat es sich tatsächlich angefühlt, als hätte man direkt mit Dius tatsächlich Zeit verbracht. Es ist nicht nur Dius als Charakter, den man obsessiv verfolgen mag, sondern auch um menschliche Tiefgänge, einem verkannten Genie und die Irrwege zwischen zwei missverstandenen Menschen. Das Detailreichtum bei den Kunstwerken und bei der Beschreibung von Emotionen war überwältigend. Man konnte spüren mit wie viel Liebe und Arbeit die Geschichte erzählt wurde.
Allerdings war das auch ein Punkt, der dazu geführt hat, dass ich dem Buch 4 anstatt 5 Sterne gebe. So schön und prachtvoll auch die ganzen künstlerischen/kunsthistorischen Referenzen und Beschreibungen waren, hat es am Anfang das Lesen erschwert. Wenn man kein Interesse für dieses Themenfeld mitbringt, kann es zu ausschweifend oder erdrückend sein. (Wobei das auch wieder Antons Persönlichkeit unterstreicht) Es lohnt sich dennoch dran zu bleiben, denn man wird mit einer bewegenden Geschichte belohnt, die ich so noch nicht woanders gelesen habe.
Buchhändler*in 485264
Obwohl Student Dius seinem Dozent und Kunsttheoretiker Anton handwerklich weit überlegen ist, verbindet die beiden ein tiefes Band der Freundschaft. Anton bewundert Dius für sein Können und lässt sich von ihm in die jugendhafte, frische Betrachtung von Kunst zurückführen. Doch es bleibt nicht alles eitel Sonnenschein. Ein Roman über Selbsterkenntnis, Freundschaft, Liebe und die Tücken des Lebens.
Egidius De Blaeser - Die stille Kraft von Freundschaft und Kunst
Meine Meinung
"Dius" von Stefan Hertmans ist ein Buch, das ich für mich nur schwierig einordnen kann. Es hat kaum Handlung im klassischen Sinne, stattdessen ein tiefes Ineinandergreifen von Erinnerung, Liebe, Freundschaft, Kunst und Verlust. Diese langsame und reflektierte Erzählweise bestimmt den gesamten Roman.
Im Mittelpunkt stehen Anton, ein nach innen gerichteter Kunstdozent, und Dius, ein junger Künstler mit außergewöhnlichem Ausdruckswillen. Dius ist rätselhaft, oft schwer zu greifen, mal offenherzig, dann wieder unnahbar und von einer geheimnisvollen Energie erfüllt. Sein Auftauchen bringt Anton aus dem Gleichgewicht, ohne dass je klar wird, wie viel Nähe Dius tatsächlich zulässt und wie viel von ihm immer im Dunkeln bleibt. Gerade dieses Schweben zwischen Nähe und Distanz macht den Reiz ihrer Beziehung aus.
Der Alltag im abgelegenen Haus, Gespräche über Kunst, Spaziergänge durch die Landschaft, die langsame Routine im Atelier. Vieles ist geprägt von Beobachtung und Andeutung. Das Buch verlangt Geduld, aber es belohnt mit einer Atmosphäre, die sich wie eine langsame Welle entfaltet.
Ein Punkt, der für mich sowohl positiv als auch herausfordernd war, ist die Fülle an Kunstbezügen. Hertmans beschreibt Gemälde, Kompositionen und künstlerische Haltungen mit großer Genauigkeit. Manchmal erschien mir das zu viel, fast zu viel für mich als Laie. Und dennoch musste ich ab und zu aus Neugier etwas nachschlagen, Künstlernamen oder Werke (Quelle Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Vittore_Carpaccio_-_Giovane_cavaliere_in_un_paesaggio.jpg) im Internet suchen, weil die Beschreibungen mich neugierig machten. Es ist also beides: überwältigend und gleichzeitig anregend, weil man in eine ästhetische Welt hineingesogen wird, die man ohne dieses Buch vielleicht nie betreten hätte.
Viele Szenen konzentrieren sich auf die Spannung zwischen den beiden Figuren. Anton, der analysiert und denkt, und Dius, der aus Gefühl und Impuls heraus lebt. Diese zwei Arten, die Welt wahrzunehmen, stoßen immer wieder aneinander. Es gibt Bewunderung, aber auch Unsicherheit, stille Konkurrenz und die Angst, den anderen nicht wirklich zu verstehen.
Stilistisch bleibt Hertmans ruhig, klar und entschleunigt. Manche Teile des Buches hätte meiner Meinung nach etwas eingekürzt werden können. Wer auf schnelle Entwicklungen hofft, wird hier kaum fündig. Der Roman arbeitet mit Nuancen, mit Pausen, mit Leerstellen. Er zwingt dazu, das Tempo zu reduzieren und sich auf die feineren Bewegungen der Figuren einzulassen.
Über den Autor
Stefan Hertmans, geboren 1951 in Gent, Belgien, ist Dichter, Dramatiker, Romancier und gilt als einer der wichtigsten niederländischsprachigen Autoren der Gegenwart. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet. Der Roman ›Krieg und Terpentin‹ war 2016 unter anderem für den International Man Booker Prize und den Premio Strega International nominiert. Hertmans lebt in Brüssel und im südfranzösischen Monieux.
Rezensent*in 1040222
Mit den Studenten, die Anton an der Kunsthochschule unterrichtet, hat er außerhalb der Vorlesungen nur wenig Kontakt. Umso überraschter ist er, als eines Tages Dius vor seiner Tür steht und ihm nicht nur seine Freundschaft, sondern auch seine Unterstützung anbietet. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine Freundschaft, die ihr Leben lang anhält.
Anfangs hatte ich den Eindruck, als ob Anton das Eindringen von Dius in seine Privatsphäre nicht gutheißen würde. Trotzdem lässt er sich von ihm mitreißen. und fährt mit ihm nach Ganzevliet, wo ihm Dius im alten Dorfhaus einen Platz zum Schreiben anbietet. Woher er weiß, dass Anton Schwierigkeiten hat, seine Dissertation in den eigenen vier Wänden fertig zu stellen, weiß Anton nicht. Vielleicht will Dius auch nur Anton in seiner Nähe haben.
Für mein Empfinden ist die Freundschaft der beiden Männer nicht auf Augenhöhe. Während Anton eher ruhig ist, wirkt Dius sprunghaft. Er ist leicht zu begeistern, kann aber nie lange bei einer Sache bleiben. Ihre Arbeits- und Lebensweisen sind komplett unterschiedlich und beiden würde ein bisschen etwas von der Art des jeweils anderen guttun. Je tiefer die Freundschaft wird, desto weniger scheint sich Dius für sein Studium zu interessieren. Für ihn zählt die Kunst, nicht die Lehre davon und das alte Dorfhaus ist der perfekte Ort, um seine Kreativität auszuleben.
Manchmal wirkt Anton fast ein wenig neidisch auf die Leichtigkeit, mit der Dius durchs Leben zu gehen scheint. Auf der anderen Seite macht ihm das unorganisierte Leben auch Angst, denn es entspricht nicht seiner Natur. So bleibt er stehen, während Dius in seinem Leben weiterkommt. Irgendwann trennen sich die Wege der Beiden, aber die Freundschaft bleibt bestehen.
Ich habe mich mit den Protagonisten schwer getan. Der eine war mir zu überschwänglich, der andere zu festgefahren. Sie schienen so gar nicht zueinander zu passen, aber vielleicht hat das den Reiz ihrer Freundschaft ausgemacht. Ich fand die Erzählung ein wenig einseitig, weil nur Anton erzählt und ich nur das über Dius' Motive und Gefühle erfahre, was er sieht. So bleibt nach der letzten Seite das Gefühl, dass die Geschichte nicht vollständig erzählt wurde.
Rezensent*in 1805469
Die Geschichte von Anton und Dius ist tränenreich, depressionsschwanger und mystisch-düster. Die klassische Playlist ist keine leichte Kost. Und dann muss man in der Übersetzung auch noch Begriffe wie "Dozierendenzimmer" oder gar "plaudernde Studierende" verdauen. Vielleicht ein bisschen viel Zähes in diesem ansonsten doch leseflüssigen Roman.
Buchhandlung Collibri/Federleserin
Uwe S, Journalist*in
Anton möchte nicht gestört werden. Er sitzt zuhause und arbeitet an seiner Dissertation. Dass plötzlich einer seiner Studenten an der Haustür klingelt, irritiert ihn. Bisher hat es kein Schüler von der Kunsthochschule gewagt, in sein Privatleben vorzudringen. Anton erkennt den zugleich abgerissen und elegant aussehenden jungen Mann, „ein Kleinkrimineller mit der Haltung eines Aristokratensohns“, als den renitenten Zuhörer, der in der Vorlesung durch heftige Zwischenrufe auffiel. Die Hunde, die der venezianische Maler Carpaccio gemalt habe, sähen aus wie Scheißhaufen. Mit diesen Äußerungen hatte der Studierende Anton so geschockt, dass er den Vortrag abbrechen musste. Und dieser Egidius gelangt nun in das Wohnzimmer des Dozenten. „Ich möchte Ihr Freund sein, schoss es aus ihm heraus.“ Sofort geht Anton durch den Kopf, dass Freundschaft eines der größten Themen der Kulturgeschichte ist.
„Dius“, Stefan Hertmans neuer Roman, der Anfang der 1980er-Jahre spielt, handelt genau davon: von Freundschaft und Kulturgeschichte, auf wundersame Weise miteinander verwoben. Der belgische Schriftsteller, 1951 in Gent geboren, arbeitete selber als Lehrer und Dozent für Philosophie und Kunstgeschichte. Auf behutsame, manchmal fast altmodische Art schildert der auf Niederländisch schreibende Autor die Beziehung zweier nicht nur vom Alter her ungleicher Menschen und regt den Leser zugleich zur Beschäftigung mit Malern, Dichtern und Komponisten an. Sein Ich-Erzähler erfährt durch die Begegnung mit dem unkonventionellen Sohn eines Schuhmachers frischen Wind, ahnt die Möglichkeiten, sich durch die Freundschaft „aus meinem selbst verschuldeten Lebenstrott zu befreien“. Dass sein Verhältnis zu Egidius fortan seinen Lebensweg bestimmt, ahnt Anton noch nicht.
Egidius, verkürzt Dius. Das klingt wie Deus, das lateinische Wort für Gott. Es hat tatsächlich etwas übermenschliches, wie der junge Mann mit den goldenen Händen scheinbar ohne jegliche Anstrengung die Kunstfertigkeiten sämtlicher Kulturepochen, außer der modernen Kunst, verinnerlicht hat. Sie verspielt einbaut in seine eigenen Entwürfe, sei es in der Malerei oder den meisterhaft angefertigten Möbeln, deren Material, edles Holz, er mit teuren Maschinen zuvor selber aufbereitet. Wobei eine der dafür nötigen Maschinen ihm eines Tages zum Verhängnis werden wird.
In den Poldern, der Marschlandschaft Ostflanderns, ein einzigartiges Biotop, bewohnt Dius ein altes Dorfhaus, das wie eine Schatzkammer anmutet. Anton wird Dauergast in dieser fast unwirklichen Welt. Der Alltag an der Hochschule für Lehrer und Schüler, sofern dieses Verhältnis sich nicht verkehrt hat, gerät zur Nebensache. Die erniedrigende Prüfung, die Dius über sich ergehen lassen muss, unter Vorsitz eines eitlen Kunstkritikers, der wie eine Karikatur erscheint, bedeutet das Ende einer akademischen Laufbahn, die das offensichtliche Universalgenie ohnehin nie angestrebt hat.
Auch Antons Leben, beruflich wie privat, gerät ins Schlingern. Gerade hier schlägt die leise Erzählung manchmal unvermittelt ins Wahnwitzige um. Als Anton vom Dorf zurück in die Stadt fährt, seine Lebensgefährtin Nouka will mit ihm am nächsten Morgen in den Jahresurlaub aufbrechen, kollidiert der Wagen auf der Landstraße mit einem Hirsch. Schwerverletzt und eingeklemmt in das gewaltige Geweih des toten Tieres, wird Anton erst einen Tag später von Dius und seiner Freundin zufällig gerettet. Als Anton aus dem Krankenhaus kommt, ist die Partnerin, ohnehin schon lange genervt von seinem veränderten Verhalten, ausgezogen. Nouka hat von allem in der gemeinsamen Wohnung wortwörtlich jeweils die Hälfte mitgenommen, indem sie alles entzweischnitt, sogar die Bilder an der Wand.
Für Anton hält sich der Trennungsschmerz in Grenzen. Ganz anders als im Verhältnis zu seiner heimlichen Liebe, zu Lys, einer fotografierenden Kollegin. Die leidenschaftliche Liaison endet abrupt. Dius hat Lys vorgeschwindelt, Anton wolle sie nicht mehr sehen. Eine Lüge, die, nachdem Anton sie erkannt hat, wie Blei auf der Männerfreundschaft lastet. Dius heiratet eine Kommilitonin aus schwer reichem Hause und zieht zu ihrer Familie nach Italien. Anton bleibt alleine zurück, verabschiedet sich aus dem Schulbetrieb, wird mehr und mehr zum Einsiedler in einer zunehmend von der Industrialisierung bedrohten Landschaft. Nachdem er das verlassene Dorfhaus erworben hat, versucht er mühsam mit den rätselhaften alten Räumen das Geheimnis ihrer Freundschaft zu ergründen.
Viele Jahre vergehen, bis er Dius wieder begegnet, unter völlig anderen Voraussetzungen. Anton begleitet den vorher schier allmächtigen, allwissenden Gefährten, der unheilbar erkrankt ist, in den letzten Wochen seines Lebens. Dass die Geschichte dieser ziemlich besten Freunde nie melodramatisch gerät, zeugt von großem erzählerischem Können. Dass er es manchmal übertreibt mit seinen „kunstgeschichtlichen Mystifizierungen“, gesteht Hertmans am Ende selber. Davor jedoch hat er uns längst angesteckt mit seiner Neugier am Leben und an der Kunst.
Buchhändler*in 1477326
"Dius" von Stefan Hertmans ist ein Renaissance-Gemälde in Romanform. Der niederländische Sprachmeister erzählt von einer lebenslangen Freundschaft zwischen einem zunehmend vereinsamten Kunstphilosophen und einem seiner Studenten, der titelgebende Dius, ein Künstler, dessen später Ruhm einem Pseudonym zugeordnet wird.
In ästhetisch anspruchsvoller Sprache beschreibt Hertmans eine tiefe Freundschaft, welche besonders im stillen Nebeneinanderarbeiten, Durchstreifen einer verwunschenen Landschaft - meisterhaft beschrieben - und Hören von Alter Musik (im musikhistorischen Sinne) deutlich wird. Es ist die Schilderung eines intellektuellen Lebens mit anachronistischem Charakter und dies ist auch das zentrale Lebensdrama für den Ich-Erzähler. Denn er, der unbegabte, unbeseelte Betrachter überlebt seinen talentierten, ungerühmten Künstlerfreund zum eigenen Bedauern und Unverständnis.
Ein großes Kunstwerk in Romanform für ein spezielles und anspruchsvolles Lesepublikum.
Norbert W, Buchhändler*in
Ein brillantes Buch über eine besondere Freundschaft unter zwei sehr unterschiedlichen Männern, die einander sehr schätzen und die in ihrer großen Verschiedenheit.
Hertmans beschreibt Leben und Lebensraum auf derart. wunderbare Weise, dass man mit den Protagonisten durch die Seiten lebt und immer eng mit ihnen und ihren Leben verbunden ust. Dadurch ist der Roman mit großer Freude und Verbundenheit zu lesen.
Berührend. In "Dius" - des belgischen Autors Stefan Hertmans neuestem Roman - schwingen die tiefgreifenden Emotionen nicht nur zwischen den Zeilen mit, auch nicht nur in den beschriebenen Kunstwerken und auch nicht nur in den während des Erzählens erwähnten Musikstücken; auch die Handlung selbst ist schwermütig und voller Tragik, fast schon depressiv anmutend. Einsamkeit und Lebensschwere. Und Freundschaft als rettender Anker. Anton ist Dozent für Kunst an einer Hochschule, mitten in der Promotion, als einer seiner Studenten, Dius, mit richtigem Namen Egidius De Blaeser, eines Tages bei ihm vor der Tür steht und anbietet, ihm in einem küstennah gelegenen Häuschen eine ruhige Arbeitsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen. Die beiden freunden sich an, führen tiefgreifende Gespräche, beide in unsicheren und sich auflösenden Beziehungen, vernarrt in die Kunst, auf der Suche. Anton eher der Betrachter von Kunst, Dius der Praktiker. Es kommt zu einem Zerwürfnis und Jahre später zu einem überraschenden Wiedersehen. Was mir sehr gefallen hat - die Handlungsdynamik, die der Autor zwischen den Personen entstehen lässt; was mir weniger gefallen hat - die sehr ausführlichen Beschreibungen von Kunstwerken (die einen erheblichen Seitenumfang füllen); selbstverständlich stehen diese Schilderungen genau dieser Kunstwerke auch im Dienste der Geschichte, aber da wäre weniger mehr gewesen, dann hätte der Roman den Charakter einer Novelle bekommen und hätte die volle Punktzahl verdient gehabt!
Buchhändler*in 432254
ausgefallen – anders – habe ich dieses Buch empfunden – für mich war es gut erzählt – es hat Kraft und fasziniert auch – hier geht es nicht nur um eine Freundschaft zwischen einen Studenten und einem Professor - Dius und Anton – wo eine Männerfreundschaft entsteht - es verbindet auch viele interessante Bereiche wie Kunst und Natur – ruhig und tiefgründig wird geschildert - mit auf und abs - mit vielen Dialogen – da sehr viele Lebensthemen und Gefühle beschrieben werden – eine Reflexion vom Erlebten wird uns hier nahegebracht. Schon alleine diese Tatsache berührt und hallt nach.
Carola P, Buchhändler*in
Anton, Dozent für Kunstphilosophie an einer flämischen Universität, freundet sich mit einem seiner Studenten, eben jenem Dius, an. Dieser schlägt ihm vor, doch seine Dissertation in seinem Haus auf dem Land in Ruhe und Abgeschiedenheit fertigzustellen. Zwischen den beiden unterschiedlichen Männern (außer der Kunst verbindet die beiden eher wenig) entwickelt sich eine ungewöhnliche, teilweise toxisch anmutende Freundschaft, welche an einer schwerwiegenden Lüge zu zerbrechen droht.
Ein wunderbares Buch über Freundschaft und was diese aushalten kann. Der Leser sollte allerdings eine Affinität zu den Themen Kunstphilosophie und Kunsthistorik haben, denn es werden viele ausschweifende Gespräche darüber geführt!