Das Tränenhaus. Roman
Mit einem Nachwort von Annette Seemann – Eine berührende Geschichte über die Kraft weiblicher Solidarität
von Gabriele Reuter
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Erscheinungstermin 18.03.2026 | Archivierungsdatum 17.04.2026
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Zum Inhalt
Ein Plädoyer für weibliche Solidarität
Abseits der Blicke der Außenwelt, draußen in der schwäbischen Provinz, führt eine patente Hebamme ein Frauenheim. Wer diskret ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Unterschlupf. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich hierhin zurück. Nur zeigt die Fassade bald Risse, rohe Schikanen nehmen ihren Lauf – und Cornelie erkennt den hohen Preis ihres Wunsches, eine selbstbestimmte Mutter zu sein.
Das Tränenhaus
wurde bei Erscheinen 1908 zum Skandal und eröffnet heute eine einzigartige Perspektive auf die Ursprünge des Umgangs mit weiblicher Selbstermächtigung.
»Dieses Grundbuch der frühen Frauenbewegung von 1896 kann man ohne Weiteres neben Fontane stellen.«
Tilman Krause über
Aus guter Familie
Ein Plädoyer für weibliche Solidarität
...Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783150115787 |
| PREIS | 22,00 € (EUR) |
| SEITEN | 208 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Feministischer Klassiker: Frauenschicksale um die Jahrhundertwende
Als „Das Tränenhaus“ von Gabriele Reuter 1908 erstmals erschien, war der Roman ein Skandal; es gab offenbar Parallelen zum Leben der Autorin, die selbst Mutter einer unehelichen Tochter war.
Die Protagonistin des Romans ist ebenfalls Autorin: Cornelie Reimann setzt sich stark für Frauen und Selbstbestimmung ein, sie ist international berühmt. Als sie schwanger wird, aber nicht heiraten möchte, begibt sie sich in ein sogenanntes „Tränenhaus“, in dem zur damaligen Zeit unverheiratete Frauen diskret ihre Kinder gebären und danach in Pflege geben konnten. So konnte man die ungewollte Schwangerschaft vor dem Umfeld verheimlichen; ansonsten wäre der gesellschaftliche Abstieg unvermeidlich gewesen.
In der schwäbischen Provinz sind viele Töchter aus höheren Kreisen untergebracht; jede hat ihre eigene Geschichte.
Anfangs möchte Cornelie nur ihre Ruhe haben, doch bald kann sie nicht mehr wegsehen angesichts der Schikanen der Hausherrin gegenüber den schwangeren Frauen. Sie findet unverhofft Freundschaft und Solidarität.
Auch Cornelie muss für sich entscheiden, wie es nach der Geburt des Kindes weitergehen soll.
„Vorbei – – vorbei – – vorüber …
Nun durfte sie den Namen des Mannes aus ihrer und ihres Kindes Zukunft löschen.
Nun lag das Zukünftige vor ihr als ein weißes leeres Blatt, mit frischen, noch nie versuchten Schriftzügen, noch unbekannten Figuren zu bedecken.
Ein neu Beginnen.
Cornelie atmete tief und befreit. Jetzt wollte sie das Dasein wieder leben. Wollte es mit ganzem Willen leben!“
„Einsam war sie gekommen, nun gab eine Schar seltsamer Freunde ihr das Geleit. [...] Hinter ihr blieb das Tränenhaus, das sich, seines sommerlichen Blütenschmuckes entkleidet, als die armselige, baufällige Hütte, die es in Wirklichkeit war, unter dem knorrigen Gerippe des alten Birnbaumes an die Hügelflanke schmiegte. Cornelie schaute zurück und umfasste es mit einem langen, zärtlichen Blick.
Hier hatte ihr Glück die Augen zum Lichte geöffnet – hier hatte ihr Kind zum ersten Male gelächelt.“
Die altmodische, teilweise poetische Sprache hat viel Schönes: „Und alle Schmerzen schliefen. Sie waren betäubt von den Düften und der Wärme und der stillen Einsamkeit.“, ist jedoch auf Dauer recht herausfordernd beim Lesen. Auch die vielen Dialoge in schwäbischem Dialekt verlangen viel Konzentration.
Dennoch finde ich diesen wiederentdeckten Roman sehr wichtig und lesenswert, zeigt er doch, dass es auch damals schon Frauen gab, die den Konventionen zum Trotz selbstbestimmt ihr Leben lebten.
Sehr hilfreich und informativ empfand ich bei dieser Neuausgabe das Nachwort!
Ich empfehle das Buch allen, die einen feministischen Klassiker über Doppelmoral, Ausbeutung sowie weibliche Selbstbestimmung und Solidarität lesen möchten.
Vielen Dank an den Reclam Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
Maria H, Rezensent*in
Das Buch "Das Tränenhaus" ist ursprünglich im Jahr 1908 erschienen. Die Geschichte handelt von einer Unterkunft in der schwäbischen Provinz, die von einer Hebamme geführt wird. Die Hebamme ist sehr geizig und arbeitet am Rande der Legalität. In ihrem Haus finden junge Mädchen, die ungewollt schwanger geworden sind und dies vor der Umwelt verbergen wollen, Unterschlupf bis nach der Geburt ihres Kindes. Das Kind wird dann oft zur Pflege in einer Familie untergebracht. Auch eine junge Schriftstellerin, die schwanger ist und nicht heiraten möchte, findet den Weg ins Tränenhaus. Hier freundet sie sich nach einiger Zeit mit den anderen Mädchen an und setzt sich zu deren Wohlergehen ein. Sie selbst wird sich im Klaren darüber, wie sie ihre Zukunft gestalten möchte. Das Buch zeigt deutlich auf, wie die Rolle der Frau in der Zeit war.
In ihrem Roman "Das Tränenhaus" verarbeitet Gabriele Reuter ihre Erfahrungen bei der Geburt ihrer Tochter in einem Gebärhaus für Ledige. Der Roman ist 1908 erstmalig erschienen und sorgte für einen Skandal. Eine von ihr überarbeitete Version wurde 1926 veröffentlicht.
In der schwäbischen Provinz führt eine Hebamme (die Uffenbacherin) eine Einrichtung, in der ledige Mütter diskret ihr Kind zu Welt bringen können. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich in die Einrichtung zurück, erlebt dort eine sehr resolute Hebamme, die immer bereit für Schikanen aller Art ist. Von wem sie sich Vorteile erhofft, wird bevorzugt behandelt.
Gabriele Reuter legt hier einen Roman vor, der die Zeit vor über 100 Jahren sehr detailliert beschreibt und uns heute näher bringt. Ledige Mütter wurden mit Verachtung gestraft. Manche durften nach der heimlichen Geburt ihres Kindes in ihre Familien zurückkehren, natürlich ohne ihr Kind. Ich fand es beeindruckend, die Geschichte einer ledigen Mutter Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihren eigenen Worten lesen zu können und nicht eigebettet in eine fiktive Handlung. Reuter vermittelt in ihrem Roman sehr gut die innere Zerrissenheit von Cornelie, aber auch den wachsenden Zusammenhalt der Frauen untereinander. Dazu die Uffenbacherin, die nur auf ihr eigenes Wohl bedacht ist und nicht auf das der ihr anvertrauten Frauen oder Neugeborenen. Um selbst schlafen zu können, verabreicht sie den Säuglingen zu Nacht sog. Mohnsaft (Opium)
Die Sprache entspricht natürlich der damaligen Zeit. Ich finde es gut, dass diese Sprache im Werk erhalten bleibt und dadurch das Gesamtwerk auch viel authentischer ist. Ich empfehle allen Lesenden dieses Romans ausdrücklich, auch das sehr umfangreiche Nachwort zu lesen, Im Anschluss daran finden wir außerdem eine Zeittafel über das Leben von Gabriele Reuter.
Ein feministischer Roman aus einer längst vergangenen Zeit, den ich absolut weiterempfehlen möchte. Er regt zum Nachdenken an über die Situation von Frauen damals und heute. Von Herzen 5 Sterne für diese Neuauflage aus der Sicht einer Betroffenen!
Emiliy O, Rezensent*in
Das Tränen Haus ist ein bewegender Roman, der als er 1908 erschienen ist skandalös war. Er ist heute noch genauso aktuell wie damals und erzählt von der weiblichen Solidarität zueinander.
Es ist ein schwerer Roman, den man noch lange mit sich tragen wird, aber genau deswegen so essenziel zu lesen.
"Das Tränenhaus" von Gabriele Reuter erschien erstmals im Jahr 1908 und sorgte zum Veröffentlichungszeitpunkt für einen Eklat. Im Roman geht es um eine Unterkunft für von der Gesellschaft verstoßene Mütter, die von der Hebamme geleitet wird. Cornelie ist anstrebende Schriftstellerin und will mit den anderen Frauen im Tränenhaus erst nichts zu tun haben - doch ihre Einstellung ändert sich mit der Zeit.
Ich hatte leider so meine Probleme mit diesem Roman. Thematisch finde ich ihn superspannend, auch für seinen Entstehungszeitpunkt. Die "altmodische" poetische Sprache und der Dialekt haben mir den Einstieg in die Geschichte leider nicht wirklich ermöglicht. Ich konnte überhaupt keinen Lesefluss aufbauen und leider gab es auch keinen wirklichen Plot, der meine Aufmerksamkeit auf mich ziehen konnte. Schade!
Ich schätze die Neuauflagen aus dem Reclam-Verlag sehr (Halbtier kann ich beispielsweise aus dem letzten Jahr sehr empfehlen), deswegen tut es mir wirklich leid, dass mir das Buch nicht besser gefallen hat. Das Cover finde ich toll und ich denke, wenn man den gleichen Dialekt teilt, sagt einem das Buch bestimmt mehr zu.
Mich hat dieser Roman mit historischer Wucht, sozialer Enge und weiblicher Selbstbestimmung gegen patriarchale Kontrolle sehr überrascht. Je länger ich gelesen habe, desto tiefer taucht man in die damalige Zeit ein. Abseits der grossen Städte, verborgen in der schwäbischen Provinz, führt eine resolute Hebamme ein abgeschottetes Frauenheim. Wer unbemerkt ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Zuflucht zumindest scheint es so. Auch die Schriftstellerin Caroline Reimann sucht in diesem Haus Schutz vor den Urteilen der Gesellschaft und vor den Erwartungen, die an eine Frau gestellt werden, die ihr Leben selbst gestalten will. Doch je länger sie bleibt, desto deutlicher erkennt sie die Risse im System. Hinter der fürsorglichen Fassade lauern strenge Regeln, subtile Demütigungen und ein Machtgefüge, dass Frauen zwar aufnehmen, aber ihnen zugleich die Stimme nimmt. Caroline spürt, wie sich das Versprechen von Sicherheit in ein Gefängnis verwandelt. Die Schikanen werden offener, die Abhängigkeit grösser, und der Preis für ein selbstbestimmtes Muttersein höher, als sie je geahnt hätte. Während sie versucht, ihre Würde zu bewahren, wird das Tränenhaus zum Schauplatz eines stillen Kampfes, zwischen Anpassung und Freiheit, zwischen Tradition und Aufbruch, zwischen dem alten Bild der Frau und einer neuen, gefährlichen Selbstermächtigung. Als der Roman erschien, löste er einen Skandal aus. Ein eindrückliches Buch und sehr empfehlenswert.
Rezensent*in 1863603
Gabriele Reuter ist wahrlich eine Virtus Sinn der feministischen Literatur. Ihrer Zeit weit voraus, was ihr feministisches Denken und ihren Mut angeht, dies auch Kunden zu tun, hat sie mit „Das Tränenhaus“ einen Roman verfasst, der zugleich mitreißend und emotional ist.
Sie erzählt die Geschichte der Cornelie, die, schwanger aus einer Beziehung, aufgrund der damaligen Zeit den Rückzug aus dem Leben antreten muss, um das Kind zur Welt zu bringen. Im frühen 20. Jahrhundert galten, wie man dem fortlaufende Geschichte entnehmen kann, Mädchen und junge Frauen, die ledig schwanger wurden, teils noch weniger als Tiere. Dies zeigt auch das Verhalten der Hebamme und Wirtin „die Uffenbacherin“, die, mit denen ihr anvertrauten Mädchen und jungen Frauen sehr rücksichtslos und gierig umgeht. Im Grunde ist sie nur am Geld interessiert, dass jedoch eh nicht in der Lage zu halten. Aus dieser Situation heraus ergibt sich, dass Cornelia, als einzige gebildete Frau in dem Geburtshaus anfängt, nicht nur Partei für sich selbst, sondern auch für die anderen Mädchen im Haus zu ergreifen, um der schlechten Behandlung der Wirten einen Riegel vorzulegen. Immer wieder ergeben sich jedoch Situationen, in denen die Wirtin wieder die altes Verhalten zurückfällt.
Sehr schön zeigt der Roman meines Erachtens auf, wie viel Macht Frauen hätten, wenn sie Zusammenhalten - dennoch, heute werden Frauen, häufig aufgescheucht durch Männer und die das Umfeld mehr dazu angehalten und dafür entlohnt, andere Frauen schlecht zu machen, als sich gegenseitig zu unterstützen. Ich finde, der Roman zeigt das wundervoll auf. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, ihn zu lesen.
Vielen Dank an @reclamverlag und @netgalleyde für die zur Verfügungsstellung des Ebooks
Inhalt
Abseits der Blicke der Außenwelt, draußen in der schwäbischen Provinz, führt eine patente Hebamme ein Frauenheim. Wer diskret ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Unterschlupf. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich hierhin zurück. Nur zeigt die Fassade bald Risse, rohe Schikanen nehmen ihren Lauf – und Cornelie erkennt den hohen Preis ihres Wunsches, eine selbstbestimmte Mutter zu sein.
Das Tränenhaus wurde bei Erscheinen 1908 zum Skandal und eröffnet heute eine einzigartige Perspektive auf die Ursprünge des Umgangs mit weiblicher Selbstermächtigung.
Meinung
Das Buch erschien erstmals 1908 und wurde jetzt neu aufgelegt.
Am schreibstil erkennt man deutlich das Buch aus einer anderen Zeit stammt.
Für mich war der schreibstil schwergängig, thematisch fand ich das Buch allerdings interessant, leider bekam ich nicht den rechten Zugang.
Den Titel fand ich allerdings passend, es wurden zahlreiche Tränen vergossen, aus Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit vor Schmerzen.
Gabrielle Reuter die ebenfalls ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hat, wirft das Licht auf illegitime Schwangerschaften.
Gerade Mädchen aus der unterschicht, die durch Vergewaltigungen schwanger wurden.
Thematisch großartig Umsetzung der Zeit angemessen aber mir zu wenig eingehend.
Lese Empfehlung
Laura W, Rezensent*in
Da das Buch bereits 1908 erschienen ist, kann man schon fast von einem Klassiker reden, jedoch ist der Inhalt immer noch so interessant und aktuell, dass mir das Lesen dieser Geschichte richtig Spaß gemacht hat!
Inhaltlich führt und das Buch in die schwäbischen Provinz, hier führt eine patente Hebamme ein Frauenheim. Wer diskret ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Unterschlupf. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich hierhin zurück. Nur zeigt die Fassade bald Risse, rohe Schikanen nehmen ihren Lauf – und Cornelie erkennt den hohen Preis ihres Wunsches, eine selbstbestimmte Mutter zu sein.
Da das Buch im letzten Jahrhundert erschienen ist, musste ich mich erst ein wenig an den Schreibstil gewöhnen. Er ist zwar nicht unbedingt sonderlich kompliziert zu lesen, aber man liest das Buch auch nicht nebenbei, es erfordert schon Konzentration. Wenn man aber erst reingefunden hat, bekommt man hier eine richtig tolle Geschichte, die in Teilen immer noch aktuell ist und die ich sehr gerne gelesen habe, vorallem weil ich auch aus der Gesundheitsbranche komme.
Wen das Buch interessiert, der sollte auf jeden Fall zugreifen und keine Angst haben vor dem ursprünglichen Erscheinungsdatum, es lässt sich auch heutzutage noch sehr gut lesen.
„Ein feines Surren und Sirren, ein Flirren und Säuseln schwebte über dem Gräsergewoge“.
An der blumigen und farbenfrohen Schreibweise merkt man von Beginn an, dass das Buch vor langer Zeit geschrieben wurde. Was mich anfänglich mit Ausdrücken wie „Schelmerei", „wunderbar hold“ und „beseligte Erinnerung“ begeisterte, erschwerte mir mit zunehmender Seitenzahl die Freude am Lesen. So ausschweifende Ausschmückungen zu lesen sind wir heute nicht mehr gewohnt.
Wobei das Erzählte schon interessant ist: Eine junge Frau aus gutem Haus, der einst die Ehe versprochen wurde, sitzt schwanger und verlassen im „Haus der Tränen“, das sehr einfach und alles andere als heimelig ist. Sie teilt ihr Los mit mehreren, viel jüngeren Leidensgenossinnen, die ihre Kinder hinter verschlossenen Türen zur Welt bringen müssen, um die Moral zu halten. Dazu kommt, dass die Herbergsmutter nicht gerade zimperlich mit den Mädchen umgeht.
„Keine von ihnen ließ sich die Kosten für ihren Aufenthalt bei der Uffenbacher von ihrem Liebhaber bezahlen – durch Erniedrigung der bittersten Art, durch Schluchzen und Jammern vor Basen und Onkels hatten sie es alle erreicht, die jungen Männer von dieser Steuer zu befreien, um nur ja nicht darüber ihrer Neigung verlustig zu gehen.“
Einzig Cornelie versuchte sich die Ausgaben durch das Schreiben von Artikeln, also durch eigene Arbeit zu verdienen. Sie erreichte dadurch Anerkennung und konnte es sich so auch erlauben, sich nicht jede Boshaftigkeit ihrer Wirtin gefallen zu lassen. Es gelang ihr sogar, auch für ihre Leidensgenossinnen eine Milderung der Umstände zu erreichen.
Dieses Buch gewährt einen tiefen Einblick in den Beginn des vorigen Jahrhunderts, als die besser gebildeten Frauen kräftig für ihre Emanzipation kämpften, die Mädchen auf dem Land aber noch völlig dem Einfluss von Eltern und Mann ausgesetzt waren. Im Tränenhaus kämpften sie füreinander und versuchten alles, um sich gegenseitig zu unterstützen.
Während ich nach der anfänglichen Begeisterung im Mittelteil meine Schwierigkeiten mit dem blumigen Text hatte, hat mich das Ende des Romans mitgerissen. Das sind wahrscheinlich gerade die Stellen, die beim Erscheinen des Buches den Skandal auslösten. Hier wird sehr ausführlich das Leid der Frauen bei der Geburt beschrieben, von dem Männer häufig nichts wissen wollten.
Gabriele Reuter wurde 1859 in Ägypten geboren. Die Schriftstellerei war der Tochter eines Import- und Exporthandels von der Urgroßmutter in die Wiege gelegt worden. Ihre Kindheit verbrachte sie zwischen Alexandria und Dessau. Nach dem Tod des Vaters begann sie schon 16jährig mit Texten für die Magdeburger Zeitung das Familieneinkommen aufzubessern. Ihren ersten Roman „Aus guter Familie“ veröffentlichte sie mit 19. Er wurde zum ersten Bestseller des S. Fischer Verlags und war damals sogar bekannter als die gleichzeitig erschienene „Effie Briest“ von Theodor Fontane. Wie ich dem Anhang des vorliegenden Buches, das übrigens sehr ansprechend aufgemacht ist, entnehmen konnte, hat sie im Tränenhaus auch Teile ihres eigenen Lebens aufgearbeitet.
Fazit: eine durchaus empfehlenswerte Leseerfahrung.
Renate S, Rezensent*in
Schon das Cover überzeugt durch die Farbgestaltung und das Licht. Die Sprache ist altmodisch bildgewaltig. Der Roman weist autobiographische Züge auf und verursachte bei seiner Veröffentlichung einen Skandal.
Geschildert wird das Schicksal der norddeutschen Schriftstellerin Cornelie Reimann, die unverheiratet schwanger wird und sich in ein "Tränenhaus" zurückzieht. Zuerst isoliert öffnet sie sich für die einfachen Mädchen in der Pension der Hebamme Uffenbacher. Diese und andere nutzen die Notlage der Frauen aus. Man erfährt nicht nur über die Zeit, sondern erlebt auch die inneren Kämpfe und die Entwicklung der Schriftstellerin
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