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Die literarische Hausapotheke
Lektüren für jede Lebenslage
von Stefan Bollmann
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Erscheinungstermin 14.02.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
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Was tun bei unerwiderter Liebe, einer Lebenskrise oder dem Gefühl, dass alles aus den Fugen gerät? Greifen Sie zu einem Buch! Stefan Bollmanns literarische Hausapotheke stellt für die kleinen und großen Leiden des Lebens hochwirksame Texte zur Verfügung. Mal augenzwinkernd, mal tiefgründig wirkt dieses literarische Kompendium wie feine Tropfen auf innere Wunden und ist ein wichtiger Anker in stürmischen Zeiten.
Das Leben kommt immer anders, als man denkt. Schnell wird guter Rat teuer – mit Geschichten, die trösten, aufrütteln, klären oder einfach nur begleiten, bietet dieses Werk Abhilfe. Vorgestellt wie Medikamente mit Anwendungsgebiet, Wirkung, Dosierung und möglichen Nebenwirkungen, erfahren wir von wirksamen literarischen Tränken gegen Liebesverrat wie Siri Hustvedts »Der Sommer ohne Männer«, von wohltuenden Salben gegen Trauer wie Daniel Pedersens »Offenes Wasser« und heilsamen Lektionen zur Entschleunigung wie Thomas Manns »Der Zauberberg«. Mit feinem Gespür für ihre therapeutische Wirkung zusammengestellt, stiften diese wortgewandten Mittelchen nicht nur einen neuen Literaturkanon, sondern sind auch wertvolle Wegbegleiter durch alle Lebenslagen. Greifen Sie von nun an zu heilender Lektüre statt Tabletten!
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Was tun bei unerwiderter...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783608966916 |
| PREIS | 24,00 € (EUR) |
| SEITEN | 304 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Wir werden das Buch mit Sicherheit kaufen. Ich würde am liebsten eine ganze Bibliothek mit den genannten Texten einrichten. Die meisten Titel sind nicht neu sondern bewährt. Kann der Verlag, vielleicht online, ein Buchpaket dazu schnüren?
Die Idee, dass Lesen heilen kann, ist nicht neu. Der Autor selbst nennt Erich Kästner. Auf meinem Schreibtisch stand lange die Romantheraphie von Traudl Bünger u.a.
Die Kapitel haben sich flott weglesen lassen.
Renate S, Rezensent*in
Schon das Cover passt genau, der Schreibstil und die kurzen Beispiele sind anregend und machen Lust, sich mit dem Buch auseinander zu setzen oder weitere relevante Themen in den Büchern, die man gerade liest, zu suchen. Vieles, das ich gelesen habe, sehe ich nun komplexer,andere Werke habe ich jetzt auf der Wunschliste. Ich finde die Apotheke toll
Anja B, Bibliothekar*in
Bei dem Titel "Die literarische Hausapotheke" fällt den älteren Lesern sofort die Analogie zu Erich Kästners "Lyrischer Hausapotheke" auf. Und tatsächlich nimmt der Autor darauf Bezug. Wie bei Kästner soll dieses Buch existentiellen Halt in schwierigen Zeiten liefern. So sind auch die einzelnen Kapitel überschrieben mit "Geschichten vom Anderssein" und "Halt in stürmischen Zeiten". Angegeben werden Zielgruppe, Anwendungsgebiete, eine kurze Inhaltsangabe und Nebenwirkungen der ausgewählten Texte. Ich hätte mir zusätzlich noch längere Zitate aus den entsprechenden Büchern gewünscht, damit man sich vom Stil des jeweiligen Autors einen Eindruck verschaffen kann.
Schön ist Bollmanns elaborierter Stil. Die Wortwahl ist gehoben, dazu blitzt manchmal eine diskrete Ironie auf, Man merkt, dass der Autor sehr belesen ist.
Natürlich ist der Text nicht wirklich als Medizin gedacht. Es handelt sich vielmehr um einen literarischen Kanon, also einen Beitrag zu der Frage, welche Bücher man gelesen haben sollte. So eine Auswahl ist naturgemäß sehr subjektiv. Aber egal, ob man der Auswahl zustimmt oder keinen Plan hat, welche Bücher man lesen haben müsste, einen Gewinn wird der Leser immer daraus ziehen.
Buchhändler*in 1985336
Eine tolle Idee, die ich so noch nicht gesehen habe!
Ich finde das Prinzip super interessant und bin begeistert, wie viel man auf diesem Wege über die Bücher lernen kann.
Das Konzept der Buch-Medizin hat mich umgehauen. Ich werde sicher noch das eine oder andere Mal darauf zurückgreifen! Zudem ist es auch einfach ein tolles Geschenk, da es für jeden etwas bereithält und ggf. zum weiteren Lesen anregt.
Buchhändler*in 733903
Ein klassiker de Buchhabdels. Ich habe auf empfhelung meiner kollegin gelesen habe und es entsprechend genossen
Rezensent*in 626982
"Wir lesen Literatur, um zu leben. Nicht, um besser zu leben. Das kommt später. Erst einmal lesen wir, um überhaupt weiterzuleben. Um das Leben zu ertragen. Um ein ausgebremstes Leben wieder in Schwung zu bringen.“
Und dafür hat Stefan Bollmann eine vielfältige Lektüreauswahl zusammengestellt: Aufgeteilt nach Anwendungsgebiet, einer Inhaltsangabe und den möglichen Nebenwirkungen empfiehlt der Autor uns 62 Werke aus den unterschiedlichsten Genres und Zeiten und zu den unterschiedlichsten Themen. Bollmanns Empfehlungen lesen sich sehr interessant, seine Auswahl kommt zumindest mir sehr entgegen. Einige der empfohlenen Geschichten kenne ich schon, doch viele kommen nun erst auf meine Leseliste.
Der Autor war mir schon von „Frauen und Bücher“ bekannt und auch seine Hausapothekenauswahl berücksichtigt sehr stark auch weibliche Autorinnen.
Wer noch auf der Suche nach der nächsten guten Lektüre ist, kann sich bei Bollmann inspirieren lassen. Von Franz Kafka und Thomas Mann, über Virginia Woolf und Charlotte Brontë, bis hin zu Siri Hustvedt und Patrica Highsmith sind viele spannende Autor*innen und ihre Werke zu entdecken.
Schon Erich Kästner erkannte das heilende Potenzial der Literatur: 1936 veröffentlichte er «Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke», ein Band mit Gedichten wie das «Eisenbahngleichnis» oder die «Moral». Marcel Reich-Ranicki berichtet in seiner Autobiographie, wie ihm dieser Gedichtband im Warschauer Getto über schwere Zeiten hinweg half. Stefan Bollmann weitet dieses Konzept jetzt aus zur literarischen Hausapotheke und bietet Lektürehinweise für alle Lebenslagen. Das Prinzip ist einfach: Er bietet uns einen gut gefüllten Arzneischrank, in dem sich statt Pillen und Pülverchen die grossen Geister der Weltliteratur befinden. Da steht ein Fläschchen «Kafka» gegen das Gefühl der emotionalen Selbstaufgabe, daneben eine Tinktur «Siri Hustvedt» für die schwierigen Stunden einer Beziehungspause und im obersten Fach liegt «Seneca», bereit zur Anwendung bei akuter Zeitnot. Literaturwissenschaftler Stefan Bollmann hat also ein Laboratorium der Seele entworfen. Seine Hoffnung: dass Lesen uns retten kann, wenn das Leben aus den Fugen gerät. Bollmann ist überzeugt davon und zeigt, dass Literatur kein blosser Zeitvertreib ist, sondern ein hochwirksamer Wirkstoff, der uns hilft, Krisen zu überstehen, ja sie aktiv in neue Lebensentwürfe zu verwandeln.
Nun gibt es ja nicht gerade ein Mangel an literarischen Anthologien. Was unterscheidet diesen Ansatz von herkömmlichen Literaturführern? Klassische Kanon-Listen heben oft den bildungsbürgerlichen Zeigefinger und zeigen, was man lesen «muss». Stefan Bollmann fragt dagegen direkt nach der jeweiligen «Indikation». Er ordnet seine 62 Lektürevorschläge also nicht nach Epochen oder Gattungen, sondern nach existenziellen Bedürfnissen wie dem Wunsch, der freudlosen Normalität zu entkommen oder der Sehnsucht, die eigene Würde in einer feindseligen Welt zu wahren. Alle Lesetipps sind in vier Abschnitte gegliedert. Zunächst das «Anwendungsgebiet», die Indikation für die Anwendung des entsprechenden Textes. Eine kurze Zusammenfassung unter dem Titel «Worum geht es?» hilft beim Einstieg. «Wie ist dieses Buch zu lesen?» leitet an zur Anwendung des Textes. «Welche Nebenwirkungen sind möglich?» bietet, nein, keine Warnungen, sondern eher eine Art literarisch-lebenskundliche Einordnung. Bei alledem verspricht Stefan Bollman keinen Instant-Trost im Sinne von Wohlfühl-Literatur, sondern mutet seinen Lesern auch einiges zum etwa schmerzhafte Selbsterkenntnis oder das riskante Aufbrechen verkrusteter Identitäten. «Wir lesen Literatur, um zu leben», sagt er. Da kann es schon mal sinnvoll sein, einen Klumpen Gold gegen ein schnelles Reitpferd zu tauschen oder statt ins verhasste Büro zu gehen, sich in einen hässlichen Käfer zu verwandeln.
Eine Erkenntnis seiner Anthologie: Im Leben kommt es immer anders, als man denkt. Manchmal reichen deshalb Aspirin oder Beruhigungsmittel nicht aus. Stefan Bollmann beginnt seine Untersuchung im Feld der Verwandlungen und greift dabei auf Stefan Zweig zurück: Er zeigt, wie ein Mensch seine Potenziale erst entfalten kann, wenn die Umgebung Resonanz verleiht. Dabei macht er deutlich, dass der Mensch prinzipiell ein weltoffenes Wesen ist, das sich rasch in neue Lebenswelten hineindenken kann, sofern die seinem Wohlbefinden förderlich sind. Er warnt jedoch sogleich vor dem «Rausch der Verwandlung», der auch in Wut und Hass umschlagen kann, wenn die Rückkehr in die Enge erzwungen wird.
In einem weiteren grossen Bogen wendet sich Stefan Bollmann der Psychodynamik von Beziehungen zu und analysiert dabei moderne Klassiker wie Sally Rooneys «Normale Menschen». Er zeigt, wie junge Menschen oft versuchen, in der Liebe Lösungen für Probleme zu finden, die eigentlich in ihrer Herkunftsfamilie wurzeln. Das führe dazu, dass Beziehungen überfordert werden und in jenem zerbrechlichen Zustand landen, den wir heute als On-off-Beziehung bezeichnen. Die Lösung sieht Stefan Bollmann in der Suche nach eigenen Ressourcen – etwa im Schreiben, das wie bei der Hauptfigur Connell helfen kann, Depressionen und Minderwertigkeitsgefühle zu überwinden.
Ein besonders berührendes Kapitel widmet sich dem «Kind in dir» und der Methode der unwillkürlichen Erinnerung. Bollmann bezieht sich hier zum Beispiel auf Walter Benjamin und dessen «Berliner Kindheit um Neunzehnhundert», um zu verdeutlichen, dass wir den konfektionierten Erinnerungen der Erwachsenen misstrauen sollten. Die wahre Heilkraft liege in jenen Momentaufnahmen, die plötzlich durch einen Schlüsselreiz ausgelöst werden und uns Zugang zu tief verborgenen Dimensionen unserer Person verschaffen. Dass solche «Flashbacks» auch gefährlich sein können und mit einem Verlust der Selbstkontrolle einhergehen, verschweigt der Autor dabei nicht.
Faszinierend ist Bollmanns Blick auf das Alter und die Endlichkeit, wobei er Elke Heidenreichs Essay «Altern» als Kompass nutzt. Er zeigt auf, dass Altern vor allem bedeutet, Bilanz zu ziehen, und dass die Angst vor dem Tod oft nur die Angst vor dem ungelebten Leben ist. Der entscheidende Wirkstoff gegen das Gefühl der Nutzlosigkeit sei eine «sinnerfüllende Tätigkeit», die das Herz erfüllt, noch bevor die körperlichen Gebrechen Überhand nehmen. Bollmann zitiert Julien Green, der mit fast 98 Jahren notierte, dass man im Innersten nie alt sei.
Den Abschluss bilden Strategien für «stürmische Zeiten», in denen globale Krisen wie Kriege oder der Klimawandel die individuelle Integrität bedrohen. Bollmann empfiehlt hier die Lektüre von Timothy Snyders «Über Tyrannei», um zivilgesellschaftliche Wehrhaftigkeit zu trainieren. Er erinnert uns daran, dass Demokratien fragile Gebilde sind und dass der erste Schritt des Widerstands darin besteht, keinen vorauseilenden Gehorsam zu leisten. In diesen Passagen wird das Buch zu einem echten Handbuch für Resilienz, das uns lehrt, in einer unübersichtlichen Welt eine Haltung zu finden, ohne die Sinne stumpf werden zu lassen.
Übrigens erweist Stefan Bollmann auch dem Vorbild, der lyrischen Hausapotheke von Erich Kästner, Reverenz. Er empfiehlt die Lektüre von Kästners Verse bei «kleinen und grossen Schwierigkeiten der Existenz, zumal in unsicheren Zeiten.» Stefan Bollmann schreibt: «Literatur kann den an den Auswirkungen der Weltgeschichte Leidenden Trost und Kraft spenden.» Dabei gehe es nicht nur darum, für ein paar Stunden das Schreckliche zu vergessen, «was ja allein schon eine nicht zu unterschätzende Leistung» sei. Vielmehr könne Literatur «existenziellen Halt geben – durch Verzauberung: indem wir wieder Zutrauen zum Sinn des Existierens und der Schönheit der Welt fassen.» Dem gibt es nichts hinzuzufügen.
Stefan Bollmann hat mit der «Literarischen Hausapotheke» eine kluge und empathische Kartografie menschlicher Seelenlandschaften geschaffen. Seine besondere Stärke liegt in der Fähigkeit, komplexe literarische Werke so zu entschlüsseln, dass ihr unmittelbarer Nutzen für den Alltag greifbar wird, ohne dabei den ästhetischen Eigenwert der Texte zu verraten. Die zentrale Botschaft lautet: Wir müssen die Geschichten anderer lesen, um unsere eigene Geschichte besser verstehen und vielleicht sogar neu schreiben zu können. Wer dieses Buch gelesen hat, wird den nächsten Gang in eine Buchhandlung nicht mehr als blosse Freizeitgestaltung empfinden, sondern als den Besuch in einer Apotheke, deren Heilmittel keine Verfallsdaten kennen.
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