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Buchcover für Die Routinen

Die Routinen

Roman | Nominiert für den lit.cologne-Debütpreis

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Erscheinungstermin 17.01.2026 | Archivierungsdatum N/A


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Zum Inhalt

»Die Geschichte einer Emanzipation – stark und unverwechselbar.« Anne Rabe

Ein Gummibärchen essen, heute den Arm, morgen ein Bein. Was sich anhört wie ein Witz, ist Alltag für die Leistungsturnerin Amik. Für sie zählt jedes Gramm, jeder Wettkampf, jede Wiederholung. Und jede überschrittene Grenze nimmt Amik dafür hin. »Die Routinen« seziert eine Welt, von der jeder ahnt, dass sie hart ist, aber niemand sieht oder sehen will, wie ausbeutend ein System ist, auf dem so viel Glitzer und Glanzspray liegt.

München. Montreal. Tokio. Wenn die olympischen Spiele anstehen, blickt die ganze Welt auf eine Stadt, auf eine Mannschaft, auf eine Leistungsturnerin. Die Mädchen und Frauen trainieren ihr gesamtes Leben auf diesen Moment hin. Aus diesem Wir der Turnerinnen, das in olympischen Jahren denkt, vom Training auf die Waage zu den Wettkämpfen gedrängt wird, entspringt ein Ich, die Turnerin Amik. Sie beugt sich den gnadenlosen Wettbewerbsprinzipien ihres Sports und mit jedem weiteren Schritt auf ein Siegerinnenpodest entfernt sie sich mehr von den Mädchen, die sie gestern noch getröstet haben. Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen, alternden Körpers. Die Geschichten von berühmten Turnerinnen und der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte werden in die Geschichte von Amik eingewebt und machen »Die Routinen« zu einer atemlosen Leseerfahrung.

»Die Geschichte einer Emanzipation – stark und unverwechselbar.« Anne Rabe

Ein Gummibärchen essen, heute den Arm, morgen ein Bein. Was sich...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783608967166
PREIS 25,00 € (EUR)
SEITEN 272

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

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„Die Routinen“ ist ein aus meiner Sicht ungewöhnlicher Roman über Leistungsturnen. Was auf den ersten Blick wie Disziplin und Ehrgeiz erscheint, entlarvt Son Lewandowski als ein ausbeuterisches System, das Körper und Beziehungen gleichermaßen verschleißt.

Im Zentrum steht die Leistungsturnerin Amik. Ihr Alltag ist durchgetaktet bis ins Kleinste: Wiegen, Training, Wettkampf in München, Montreal oder Tokio, Als sie älter wird, wird sie immer mehr an den Rand gedrängt und muss zusehen, wie die junge Turnerin Izzy ihren Platz einnimmt. Bei einem Wettkampf verunglückt diese schließlich schwer und Amik betreut sie im Krankenhaus. In Rückblicken wird nicht nur Amiks Turnerkarriere beleuchtet, sondern es werden auch Stimmen von international bekannten Turnerinnen der letzten Jahrzehnte eingeflochten, die die problematischen Machtstrukturen in diesem Sport thematisieren.

Der Erzählstil hat mich überrascht: sehr literarisch, collagenartig, mit ungewöhnlichen Formulierungen, über die man stolpert und die man mehrfach lesen muss und möchte. „Die Routinen“ ist damit keine leichte Lektüre, verlangt Aufmerksamkeit und Bereitschaft, sich auf die Sprache einzulassen.
Die Einbettung realer Turngeschichten hat mir besonders gut gefallen. In der Gegenwartsebene, in der die Erzählerin mit Izzy im Krankenhaus ist, hätte ich mir stellenweise etwas mehr Tempo gewünscht.

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Besonders gelungen ist die Art, wie Lewandowski reale Turngeschichte in den Roman einwebt. Geschichten berühmter Turnerinnen, die Trainingsmethoden von Béla und Márta Károlyi, Missbrauchsskandale und systematische Gewalt fließen nach und nach in Amiks Erzählung ein. So entsteht ein Text, der trotz seiner Fiktion wie ein literarisches Zeitzeugnis wirkt. Die Welt schaut zu. Trainer, Verbände und Medien sehen hin und schauen gleichzeitig weg.

Was die Lektüre für mich zusätzlich intensiv gemacht hat: Ich habe selbst über zwanzig Jahre Eiskunstlauf trainiert. Viele der beschriebenen Routinen, die körperliche Disziplin, der Leistungsdruck und das Funktionieren über eigene Grenzen hinweg fühlten sich beim Lesen erschreckend vertraut an. Gerade deshalb wirkte der Roman auf mich nicht nur literarisch überzeugend, sondern auch emotional sehr nah.

Sprachlich ist Die Routinen anspruchsvoll und verlangt Aufmerksamkeit. Es ist kein Buch zum schnellen Weglesen. Wer sich jedoch auf die Sprache einlässt, wird belohnt mit Sätzen, die lange nachhallen. Kurze, klare Beobachtungen stehen neben poetischer Verdichtung, etwa wenn Anerkennung als „entfernte Umarmung“ beschrieben wird oder eine Begabung wie ein Versprechen erscheint, das man ein Leben lang halten muss.

Die Routinen ist ein intensiver, schmerzhafter und zugleich außergewöhnlich kraftvoller Roman. Er erzählt von Verlust, von Kontrolle und von Körpern im Zugriff anderer. Und davon, was es kostet, sich selbst darin nicht zu verlieren. Literarisch ist dieses Buch ein echtes Highlight.

5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die anspruchsvolle Literatur suchen und bereit sind, sich erschüttern zu lassen.

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Ein Gummibärchen, ein Ohr abknabbern, ein Fuß. Ein Hauch von Süße im Mund. Mehr ist nicht erlaubt für Turnerinnen. Der Hunger ist dein Freund, dein Wegbegleiter, der die Leere im Körper ausfüllt. Dieser Körper, der funktioniert, der schmerzt, der sich nicht ausdehnen darf in Höhe und Breite. Kein bisschen Fett, die Hände platzen auf, das Wundwasser tritt aus. Solche Sätze finden wir hier, Amik die Protagonistin spricht für sich und alle anderen Turnerinnen der letzten 50 Jahre. In einer präzisen, sezierenden Darstellung, die keinen Raum für Zweifel lässt am schmutzigen Geschäft in diesem Sport. Ein Text, gesichert durch Sätze aus Beton ohne Hilfe auf ein Entkommen. Absolut empfehlenswert und gleichzeitig auch beängstigend.

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Für mich ein Roman den man nicht nur liest, sondern gespürt wird. Son Lewandowski schreibt über Turnen, als wenn man selber daran mitmachen würde. Als Leser wird man in die Geschichte schnell eingebunden. Die Beschreibung wie Lewandowski das Wir der Turnerinnen in ein Ich überführt hat mich sehr berührt. Amik beginnt als Teil eines Kollektivs, doch je näher sie dem Podest kommt, desto einsamer wird sie. Erfolg ist hier kein Triumph, sondern eine Art schleichende Entfremdung. Die drei Städte sind mehr als Schauplätze, sie sind Verdichtungen von Erwartung, Geschichte und politischer Aufladung. München mit seinem historischen Schatten, Montreal als Ort des Aufbruchs und der finanziellen Katastrophe, Tokio als Bühne eines modernen, globalisierten Sportsystems. Lewandowski zeigt auf, wie Olympische Spiele immer auch ein Spiegel ihrer Zeit sind. Der Roman zeigt, wie eng Leistung und Ausbeutung, Disziplin und Abhängigkeit, Bewunderung und Missbrauch miteinander verwoben sein können. Für mich ein Roman, der dokumentiert, anklagt und poetisiert. Er ist körperlich, politisch, emotional und er lässt einen mit einer Mischung aus Bewunderung und Beklemmung zurück. Dieses eindrückliche Buch kann ich nur empfehlen.

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Routine ist eine Erinnerung ohne Gefühl: (Wort)starker Debütroman


„Die Routinen“ von Son Lewandowski erzählt die Geschichte der Leistungsturnerin Amik. Hautnah erleben wir ihren Alltag mit, die Wettkämpfe, das Training, den Druck.

„Der Tag war vier, der Tag war acht, der Tag war zwölf Stunden alt und ich lief durch eine Gegenwart, die sich bewusstlos spreizte. Ich konnte die Schnelligkeit der Schnelligkeit in meinem Anlauf fühlen, die Höhe der Höhe in meinem Sprung spüren, die Stille der Stille in meinem Körper hören, wenn er sich im Flug um sich selbst drehte. In dieser Zeit ohne Zeit hielt ich mich auf, war noch ohne Publikum, war für mich, obwohl mir alle zuschauen konnten.
In meinem Turnanzug blieb der Atem flach. Der enge Elasthanstoff zeigte jeden Zug und mit dem ersten Publikum lernte ich den Bauch auch beim Einatmen nach innen zu ziehen. Meine Handinnenflächen fraßen Kreide, damit ich nicht abrutschte, damit ich lange an der Stange blieb. Der Holm saß mir gleich unter dem Beckenknochen, und wenn ich nicht richtig stützte, hockte ich danach eine Weile gekrümmt am Hallenrand, den Unterleib in den Händen, und lernte daraus.
Ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit vergangen war, wie groß ich war und wie klein. Ich weiß mich nicht mehr. Alle Erinnerung, die ich habe, ist die Konzentration.“

Schonungslos zeigt die Autorin auf, wie die Kehrseite hinter den Medaillen aussieht:
„Wir sind eine wahre Begebenheit und das ist einer unserer Erzähler, der uns zu einem zarten Mythos macht, der alles Staunen in uns steckt, bis ein Stöhnen herauskommt. Aufregend sein, schon als Kind. Ein Talent sein, als wäre die Leistung unser Wesen und der Erfolg nur eine logische Konsequenz. Und niemand zählt, wie viele Stunden in der Woche wir trainieren, weil wir Sensationen sind. Ein Erzählen, das nur gafft.“

„Sie sagen Mädels zu uns, wir sind Maschinen. Sie sagen Mädels zu uns, was sollen wir dagegen sagen? Wir sind Kinder, werden Kinder bleiben, und wenn wir uns wehren, holen sie ein neues Kind, das so lange Kind bleiben muss, wie es kann. Was sollen wir tun, außer zu turnen? Wir haben den Protest nie gelernt, denn so waghalsig unsere Körper auch aufgezogen werden, so zurückhaltend wächst der Rest. Wir haben das durchgestreckte Stehen gelernt, aber wir sollen nicht wissen, was eine eigene Haltung ist. Und wir wehren uns nicht, denn das Gegenteil von Protest ist die Praxis, das eingespielte Tun als erste und letzte Sicherheit, die Wiederholung, die jedes Handeln in einen Nutzen glättet, always thinking about our routines.“

Gleichzeitig verwebt die Autorin auf sehr gekonnte Art und Weise Geschichten berühmter Turnerinnen sowie den größten Missbrauchsskandal der Sportgeschichte in ihren Roman. Nach und nach fließen sie in Amiks Geschichte mit ein.

„Béla und Márta Károlyi trainieren die Turnerinnen nach Montreal weiter, zwingen sie weiter zu hungern, erniedrigen und schlagen sie. Ihr Erfolg gibt ihnen das Recht.
Die Begabung in einen Anzug stellen, dass sie Geschäft wird. Das Talent spreizen, bis es weit auseinandergeht und alle Wünsche dazwischen passen. Pokale in Kinderzimmern.“

Sprachlich ist „Die Routinen“ wirklich anspruchsvoll; es ist sicher kein Buch zum schnell „weglesen“.
Doch wenn man sich die Zeit nimmt, den Worten nachzuspüren, entfalten die Sätze eine Tiefe und Vielschichtigkeit, die ich beeindruckend fand.

„Und hier lernte ich ein zweites Schweigen, das Schweigen, das sich erinnerte, das Schweigen, das uns nicht trennte, das Schweigen, mit dem ich ein Zeichen gab.
Den Schmerz üben, sechzig Sekunden. Eine Pose in die Sprache setzen.“

Manchmal waren es auch nur kurze Sätze zwischendrin, wie z.B. „Anerkennung ist eine entfernte Umarmung.“, „Mit einer Begabung aufwachsen, die man halten muss wie ein Versprechen.“ oder „Je leichter wir sind, desto wertvoller werden wir. Eine Rechnung, an der etwas nicht stimmen kann.“, die mich sehr berührten und die noch lange nachhallten.

„Die Routinen“ ist ein wirklich außergewöhnliches Buch; kraftvoll und intensiv; und eine Geschichte, die wehtut beim Lesen bzw. viele Geschichten zu einer zusammengefügt. Für mich eine großartige Leistung von Son Lewandowski - und vor allem literatisch ein wahres Highlight!

Ich vergebe hier 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung für alle, die anspruchsvolle Romane mögen.

Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Berührend, intensiv und spannend, für alle Leser:innen, die einen Blick hinter die Kulissen des Leistungssports, insbesondere Turnen, werfen möchten.
Selbstermächtigung durch Ausstieg aus den Zwängen der Routinen nach dem Zusammenbruch bedeutet für die Athlet:innen, dass sie den harten Kampf um ihre Identität aufnehmen und sich dabei gegen die, die sie in ihrer Abhängigkeit auf jeder Ebene missbrauchen, stellen. Es geht um die Angst vor dem Ausschluß, die eigene Abgrenzung und den verzweifelten Versuch, diesen letzten Sprung zu stehen .

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Ein toller Roman, der mir außerordentlich gut gefallen hat. Gerne würde ich mehr von dem Autor lesen. Empfehlung.

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Keine leichte Kost, weder literarisch noch inhaltlich, und doch ein Roman, auf den ich mich schnell einlassen konnte. Zwischen den Zeilen schwingt viel mit, sprachlich und literarisch ist viel geboten.

Das Unsagbare wird immer klarer, ohne je so brutal zu werden wie das Geschehen selbst. Szenen der Verzweiflung, des Menschlichseins, die in den Routinen keinen Platz finden durften, bleiben besonders hängen.

Die Protagonistin ist nicht immer nahbar, was vielleicht auch beabsichtigt ist. Perspektiven wechseln, verschiedene Stimmen mischen sich. Freude und Leid liegen dicht beieinander, doch nach außen zeigt sich nur die Leichtigkeit des Sports.

Die Geschichte hinterlässt Schwere, aber auch Erleichterung und Hoffnung. Endlich wird ausgesprochen, was lange verborgen blieb.

Ich empfehle dieses Buch allen, die bereit sind, hinter glitzernde Fassaden zu schauen und ehrliche, unbequeme Literatur zu erleben, die fasziniert.

4 stars
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Ein so tolles Buch, vielleicht das beste, dass ich in den letzten Jahren gelesen habe. Unglaublich klug, die Sprache ist überragend und ich konnte es nicht aus der Hand legen

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„Die Routinen“ ist für mich ein ungewöhnlicher Roman über Leistungsturnen, der konsequent hinter die glänzende Fassade dieses Sports blickt. Son Lewandowski zeigt ein System, in dem Disziplin, Kontrolle und ständige Wiederholung den Alltag bestimmen und in dem Körper wie Beziehungen langsam verschleißen. Im Zentrum steht die Turnerin Amik, deren Leben sich vollständig dem Training und den Wettkämpfen unterordnet. Mit zunehmendem Alter gerät sie an den Rand, während jüngere Turnerinnen nachrücken und ihre Position einnehmen.

Amiks Geschichte wird mit Rückblicken und Stimmen bekannter Turnerinnen aus verschiedenen Jahrzehnten verwoben, wodurch Machtstrukturen, Abhängigkeiten und Grenzüberschreitungen sichtbar werden. Gerade die Berichte realer Turnerinnen über sexualisierte Gewalt sind kaum auszuhalten; sie machen wütend und fassungslos. Der stark literarische, fragmentarische Stil verlangt Konzentration und Offenheit, sodass ich oft nur wenige Kapitel am Stück lesen konnte. Die Lektüre ist intensiv und fordert viel von ihren Leser*innen.

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„Die Routinen“ von Son Lewandowski hat wegen dem Thema Turnsport meine Aufmerksamkeit erregt. Turnen ist ein Sport der mir ähnlich wie Eiskunstlauf zum Angucken sehr gut gefällt, der aber oft (wenn nicht immer) durch Trainingsmethoden und Abgründe so auffällt, dass man ihn eigentlich kaum mit gutem Gewissen verfolgen kann. Vor diesen Abgründen die Augen zu verschließen und alles Negative unter den Teppich zu kehren (wie es Sportverbände meist mit Begeisterung tun) kann aber nicht die Lösung sein und genau mit dieser Thematik beschäftigt sich „Die Routinen“ und zwar mit absolut eindringlicher, aufrüttelnder und trotzdem sehr poetischer und gefühlvoller Art und Weise.

Der Roman hat zwei Erzählebenen: Das Mädchen Amik erzählt als Ich-Erzählerin in einzelnen Episoden ihre gesamte Turnkarriere nach: von dem jungen begeisterten Kind, das noch nicht weiß was sie erwartet, über die ehrgeizige Anfangszeit zum sportlichen Höhepunkt, über den Kampf gegen die eigene Pubertät, bis zum unvermeidlichen Absturz: dem altersbedingten Ersetzt werden durch neue junge unbedarfte talentierte Kinder mit vorpubertärem Körper, …dabei erleben die Leser:innen alles aus der emotionalen Sicht von Amik mit, ihre gestörte Beziehung zum eigenen Körper, der Machtmissbrauch durch Trainer und auch die komplizierten Gefühle gegenüber den Mitturnerinnen, eine Mischung aus Konkurrenzkampf und Gemeinschaft, schwankend zwischen Zusammenhalt und Eifersucht. Besonders berührend: Amiks Beziehung zu ihrer Zimmergenossin im Sportinternat, mit der sie ebenfalls in einer Symbiose zwischen „großer Schwester“ und „Neid“ verbunden ist. Durch dieses Einzelschicksal wird trotzdem auf großartige Art und Weise sichtbar, dass man als Einzelne in diesem System gefangen ist und weder sich selbst noch anderen helfen kann.

Die zweite Erzählebene des Buches erzählt in deutlich sachlicherem Ton (beginnend mit Nadia Comaneci bis hin zu Simone Biles und zum Nasser-Prozess vor wenigen Jahren) wie Bela Karolyi es schaffte nicht nur in Rumänien, sondern wenig später auch in den USA jahrzehntelang mit missbräuchlichen Methoden als Star-Trainer zu fungieren, ohne dass jemals jemand sein Tun hinterfragte und wie lange es dauerte bis Athletinnen es langsam wagten gegen das was im Turnsport als „normal“ gilt ihre Stimme zu erheben.

Mir haben beide Erzählstränge hervorragend gefallen und ich war unheimlich beeindruckt wie dieses Buch mit Fachwissen und Emotionen dermaßen treffsicher den Finger in die Wunde legt und das trotz nicht ganz einfacher Sprache mitreissend, berührend und kurzweilig ist. Für mich jetzt schon eines der absoluten Lese-Highlights 2026.

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Auf dem Schwebebalken

Die Routinen ist ein Roman, der in mehreren Ebenen handelt.
Es spielt nicht nur 2023 sondern auch in Passagen in der Vergangenheit, die bis in die sechziger und siebziger Jahre zurückgeht.
Im Mittelpunkt die erfahrene Turnerin Amik, die sich bis zu ihren Anfängen zurückerinnert und oft aus einem Kollektiv heraus erzählt.
Ihre junge Kollegin ist Izzy. Ihr harter Trainer ist Wolf.
Die Passagen der Vergangenheit mit den Wettkämpfen haben dokumentarischen Charakter.

Man taucht in diesem Buch tief ein in die Welt des Turnens als Leistungsport.
Es zeigt die jungen Turnerinen in verschiedenen Phasen. Es wird gezeigt, wie das spielerische Moment des Turnens durch die routinemäßgen Wiederholungen zu sportlicher Leistung wird.
Thema ist auch der Drill, die harten Methoden, dem Verlust von Kindheit und sogar Missbrauch.

Es ist ein Buch, dass den Leser packt.
Nur dadurch, dass die Autorin ihre spezielle Form des Erzählens gefunden hat, lässt sich der Stoff in seiner ganzen Komplexität darstellen.

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Ein transparentes, fremdbestimmtes Leben – Die Spitze des Optimierungswahns;
Den Schreibstil habe ich anfangs als fragmentarisch und dadurch etwas gewöhnungsbedürftig wahrgenommen. Mit dem Erkennen der zwei großen Erzählschienen war der Überblick da und der Stil hat mir gut gefallen. Die Ich-Erzählerin beschreibt mehr oder weniger chronologisch ihre eigene Turnkarriere von Kindesbeinen an, während sie am Krankenbett einer verletzten Kollegin sitzt. Inhaltlich fand ich das Buch sehr interessant, da es viele neue Informationen für mich gab, obwohl man eigentlich weiß oder realisieren müsste, dass das Leben als Turnerin unfassbar hart und grenzwertig ist. Von Verletzungen, Routinen, Einsamkeit im Internat, Verpassen der Kindheit, Verständnis und Konkurrenz unter den Sportlerinnen, den Veränderungen in der Pubertät, dem Fokus auf Körper und Gewicht, absolute Transparenz und Fremdbestimmung sowie sexuelle Übergriffe ist alles dabei und es wird nichts ausgespart. Besonders gut haben mir die Zitate von erfolgreichen Turnerinnen gefallen, die sich zu dem jeweiligen Thema äußern. Am Ende gibt es ein ausführliches Literatur- und Quellenverzeichnis, was ich extrem gut finde, da das bei Romanen eher selten vorkommt. Die Autorin hat gründlich recherchiert und sich dem Thema wissenschaftlich genähert, was sich qualitativ bemerkbar macht und an einen überlangen Essay erinnert. Die Lektüre macht nachdenklich und man kann nur hoffen, dass sich etwas verändern wird.

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Phantastische Sprache, tolles Thema. Man muss sehr aufpassen und zwischen den Zeilen lesen können, damit man nichts "verpasst", also eher nichts für Schnellleser*innen.

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