Amelia

Roman

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Erscheinungstermin 21.05.2022 | Archivierungsdatum N/A

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Zum Inhalt

1969 begannen in Irland die Troubles. Doch das kümmert Amelia Boyd Lovett erst einmal wenig. Noch klettert sie jede Nacht und jeden Tag in ihr Versteck, um sich ihre Schätze anzugucken: ein kleines Plastikschaf, ein Groschen mit einem eingeprägten Gebet, eine Tube Glitzer. Und siebenundreißig Gummigeschosse. Eins für jeden Tag, seitdem die britische Armee angefangen hat, damit zu schießen.Amelia ist ein Buch über Gefühle, Familie und Irland während der Troubles. Aber erzählen Sie das nicht der achtjährigen Amelia. Immerhin ist sie es, die in einer verrückten Familie, in einer verrückten Gesellschaft aufwachsen muss und vergessen will, was um sie herum passiert. Denn das ist so einiges: Schülerinnen, die bewaffnet herumspazieren; Babies, die Bomben sein könnten oder auch nicht; Achtjährige, die merkwürdige Dinge sammeln. Wenn Amelia überleben soll, muss sie ihren eigenen Weg finden. Aber kann sie das an einem Ort, an dem die Menschen weder auf sich selbst noch andere Acht geben?

1969 begannen in Irland die Troubles. Doch das kümmert Amelia Boyd Lovett erst einmal wenig. Noch klettert sie jede Nacht und jeden Tag in ihr Versteck, um sich ihre Schätze anzugucken: ein kleines...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783608500141
PREIS 25,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Anna Burns - Amelia

Meinung
In Amelia wird die tägliche Gewalt während des nordirischen Bürgerkriegs schonungslos präsentiert.
Es geht um die Auswirkungen, die dieser Bürgerkrieg nicht nur auf Familien, sondern auf eine ganze Generation hat. und das Leben hat.
1969 ist Amelia 8 Jahre alt.
Sie lebt mit ihrer Familie in einfachen Verhältnissen und wächst gemeinsam mit ihren Geschwistern inmitten der Unruhen auf.
Bombenanschläge, Schießereien, es gibt kein Entkommen.
Familienangehörige werden auf offener Sraße erschossen.
Das Buch ist so entsetzlich realistisch
Ja man muß es lesen, man muß es empfehlen

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Der Konflikt zwischen den Protestanten und den Katholiken in Irland mündet 1969 in den Troubles. Amelia Boyd Lovett ist gerade mal acht Jahre alt, als sie miterleben muss, wie sich Gewalt und Schrecken ausbreiten. Familien brechen auseinander und viele Menschen in der näheren Umgebung werden zu Feinden. Amelia begegnet dem Schrecken, indem sie Schätze sammelt und sie anschaut. Zu diesen Schätzen gehören auch die Gummigeschosse der britischen Armee.
Wie werden Menschen mit dieser Gewalt fertig? Wie ist es, wenn Waffen überall normal sind und man jederzeit mit einem Bombenanschlag rechnen muss? Was macht die allgegenwärtige Gewalt mit einem Kind?
Wir begleiten Amelia in Zeiten dieser nicht enden wollenden Konflikte über viele Jahre lang. Es ist erschreckend und grausam, was geschieht. Die Menschen stumpfen immer mehr ab und kennen keine Gnade. Mitgefühl bleibt auf der Strecke. Es ist schwer zu ertragen, dies alles zu lesen. Wer also zartbesaitet ist, sollte vielleicht diesen Roman nicht lesen.
Ich hätte gerne mehr über die Hintergründe erfahren, die zu den Troubles geführt haben, in diesem Buch geht es nur darum, was das mit den Menschen macht.
Ein interessanter, lesenswerter Roman, aber wahrlich keine leichte Kost.

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Fazit: Amelia Boyd Lovett kümmert es nicht, dass in Irland 1969 Troubles herrscht. Sie klettert in ihr Versteck und schaut sich die Schätze an, die sie dort hat. Zuerst Kinderkram, aber auch Gummigeschosse. Genau sind es siebenunddreissig, eines für jeden Tag, in der die englische Armee begonnen hat damit zu schiessen. Die Geschichte spielt sich in Irland zu einer Zeit der Unruhen ab. Es ist ein Buch über Gefühle und Familie zur Zeit des Irland Konflikts. Beim Lesen wird man erst bewusst, in was für eine Zeit man hineinversetzt wurde. Die Gefühle und die Gedankenwelt der Personen kann man sich sehr gut vorstellen. Es ist ein sehr aufwühlende Geschichte. Die Themen beinhaltet einiges, wie Familienpatriachat, Gewalt politische und gesellschaftliche Unruhen etc. Das Buch kann ich empfehlen zu lesen.

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„Amelia“ von Anna Burns ist ein durchaus interessanter Roman. Er verfolgt das Leben der Figur, die dem Text den Namen gibt, während der „Troubles“ in Nordirland, also der Kämpfe der IRA gegen Großbritannien, gegen protestantische Iren und, darin ist der Text sehr deutlich, immer wieder auch untereinander und gegen die „eigenen“ Leute, die den Wegen der IRA dennoch nicht folgen wollen.
Der Roman ist sehr gewaltvoll. Nicht unbedingt in der Darstellung expliziter Gewalt, obwohl das auch reichlich vorkommt, allerdings nicht im Sinne von Splatter. Aber quasi alles, was gezeigt wird, ist von Gewalt durchdrungen. Die politischen Beziehungen. Die freundschaftlichen Beziehungen. Die Liebesbeziehungen. Die familiären Beziehungen. Die kinderreiche Familie Lovett, aus der Amelia stammt, hat eine Fehde mit Verwandten am Laufen, die der Gewalt der IRA in nichts nachsteht. Die Brutalität, mit der die Geschwister miteinander umgehen ist ebenfalls krass. Prügeleien an der Schule sind an der Tagesordnung und Ausschreitungen werden von den Jugendlichen als Event erfahren. Übrigens ist Gewalt hier nicht etwas, das Männer ausführen und Frauen erleiden. Auch für junge Frauen ist es ein Traum, Mitglied der IRA zu werden, später sind einige dort sehr aktiv, andere schlagen den Weg als einfache Verbrecherin ein, da ihnen der Kodex der IRA zu strickt ist. Und die Mutter erklärt Amelia früh, wie man aus gewaltsamen Auseinandersetzungen siegreich hervorgeht.

Amelias Lebensgeschichte ist sehr bruchstückhaft erzählt. Die einzelnen Kapitel springen von Jahr zu Jahr, manchmal werden auch mehrere Jahre übersprungen. Und das stört nicht durchweg, das Schlaglichtartige hat etwas für sich, wenn es darum geht, eine solch chaotische Zeit zu erzählen. Brüche werden durch Brüche vermittelt. Manchmal ist es aber doch zuviel des Guten, etwa wenn ein Kapitel sich dem entgleisten Trinkverhalten Amelias widmet und schließlich klar wird: Das ist eine Sucht, die nur noch durch Entzug und Therapie in den Griff zu bekommen ist. Das nächste Kapitel beginnt aber dann:

“Sie runzelte die Stirn, und sie war betrunken. Aber nicht vom Alkohol. Amelia Lovett hatte seit einem Jahr, einem Monat und einem Tag keinen Alkohol mehr getrunken. ”.

Hier, wie an einigen anderen Stellen, stellt sich der Eindruck ein, dass der Roman letztendlich mit den Zeitsprüngen auch die entscheidendsten Charakterentwicklungen all zu lässig beiseite schafft. Amelia steht oft vor großen Problemen, überwindet die meisten aber auch irgendwie. Allerdings erleben wir niemals mit, w i e sie diese überwindet, sondern bekommen die Hauptfigur in einer neuen Situation gezeigt, in der das Problem schon überwunden ist.

Am besten funktionieren die Kapitel, die sich fast als eigenständige Kurzgeschichte lesen lassen, etwa die Geschichte einiger Jugendlicher, die sich als Ordnungshüter aufspielen, und dafür von der IRA zum „knee-capping“ bestellt werden. Das war eine brutale Praxis, bei der quasi als außergerichtliche bzw. alternativ-gerichtliche Bestrafung dem „Deliquenten“ die Kniescheiben zerschossen wurden. Man kann sich dem nicht entziehen, denn darauf steht die Todesstrafe. So finden sich die Jugendlichen zu einem letzten Besäufnis ein, um dann hoffentlich so wenig Schmerzen wie möglich zu haben. Enggeführt wird das mit der Geschichte eines IRA Kassenwartes, der die Kasse verzockt hat und seinen Selbstmord plant und einer anderen Gruppe Jugendlicher, die das russische Roulett für sich entdeckt hat.

Eine gewisse Schwierigkeit bereitet derweil das Kapitel „Mr Hunch auf dem Vormarsch, 1980“, das nahelegt, dass all die anderen Kapitel in Wahrheit dem Kopf Vincents, einem der Lovett-Geschwister, in einer psychiatrischen Einrichtung entspringen, der damit was auch immer verarbeitet. Man kann das für den Roman vielleicht positiv deuten, als dass es sich mit der Problematik beschäftigt, die objektiv „verrückten“ Zustände der troubles Menschen außerhalb dieser Zusammenhänge begreiflich oder auch nur plausibel zu machen. Dennoch hängt das Kapitel ziemlich in der Luft, der Roman geht danach wieder weiter wie zuvor und die Psychiatrie-Episode wird nicht wieder aufgegriffen.

Bedacht werden sollte auf jeden Fall noch, dass sich der Roman auf Englisch höchstwahrscheinlich deutlich anders präsentiert. In der deutschen Version haben wir eine standarddeutsche Erzählstimme und Figuren, die die Sprache oft in pseudo-umgangssprachlicher Weise verkürzen (à la „was hastn?“, „wer bistn du“ u.ä.). Ich gehe stark davon aus, dass hier im Original ein lokal irisch sowie sozial gefärbtes Englisch steht. Das lässt sich natürlich schlecht übersetzen, und diese Variante ist neben der Möglichkeit, einfach einiges auf Englisch zu belassen, wahrscheinlich die Beste. Es liest sich trotzdem etwas gezwungen. Wo im Original wahrscheinlich local color die Atmosphäre verstärkt, ist Pseudo-Standard-Umgangssprache im Deutschen der Atmosphäre eher abträglich. Wie gesagt, keine Kritik an der Übersetzung, es gibt für so etwas keine wirklich saubere Lösung.

Im Großen und Ganzen also ein interessanter Roman. Wer sich noch nicht mit nord-irischer Geschichte beschäftigt hat, könnte gewisse Schwierigkeiten bekommen, allerdings kann man sich natürlich parallel zur Lektüre informieren. Ansonsten ein intensiver Einblick, der sich nicht nur jeglicher Beschönigung sondern auch jegliche ideologischer Betrachtung verwehrt. Über Politik wird praktisch nicht gesprochen, alles wird aus den Augen einer zwar durch ihr Aufwachsen ihre politische Seite kennenden, doch ansonsten völlig unpolitischen Figur sehr unmittelbar erlebt. Natürlich schimmert Politik dahinter hervor. Aber oft sehr vermittelt. Das Kapitel „Ein Friedensprozess“ etwa berichtet von nichts als einem Familienausflug, auf dem die Lovetts sich ausnahmsweise mal nicht an die Gurgel gehen. Erzählerisch bzw. strukturell überzeugt der Text dagegen nicht, und man mag ihm vorwerfen, dass er vor allem durch die Drastik Interesse erzeugt.

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"Amelia" ist kein Roman, der sich unbedingt an einer strengen Handlungslinie orientiert. Als roter Faden dienen Jahreszahlen, die das Fortschreiten des Alters der Protagonistin markieren und die Verschärfungen des Konfliktes, der Gewalt, der Armut und der Versehrtheit der Menschen. Denn wie soll man zwanzig Jahre Terror unbeschadet überstehen? Meist wird aus der Perspektive Amelias erzählt, manchmal in der dritten, manchmal in der ersten Person. Es kommen aber auch Menschen in ihrem Umfeld zu Wort. In jedem Kapitel wird der*die Leser*in in eine neue Szene hineingeschleudert. Schonungslos, ohne Erbarmen und mit teils bitter-bissigem schwarzem Humor offenbaren sich die Auswirkungen der "Troubles" auf Familienverbände und Einzelne: Gewalt auf den Straßen steht an der Tagesordnung und spiegelt sich im Alltag wider.
Dieses Buch zeigt weder Ursachen noch konkrete politische Hintergründe des Nordirland-Konflikts, sondern den Konflikt aus der Sicht von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Was manche als Manko sehen könnten, ist meiner Meinung nach aber ein Gewinn und auch erzähltechnisch logisch - der Fokus liegt konsequent auf den Figuren und nicht auf äußeren Umständen. Dadurch hat man das Gefühl ungefiltert die Geschehnisse vor Augen geführt zu bekommen und die angespannte Atmospähre wird greifbar. Mich persönlich stört es nicht, mich weiter zu informieren und mag Bücher gerne, die dazu anregen und Spielraum geben. (Ein Muss ist es nicht - das Buch funktioniert auch ohne geschichtliche Details und es geht ja auch um die Auswirkungen solcher Konflikte, die sich unter anderen Vorzeichen ebenso anderswo ereignen.)
Mich hat dieses Buch gefesselt, hat mich hoffen und bangen lassen, mich verstört und erleichtert aufatmen lassen - es war eine regelrechte Achterbahnfahrt und garantiert nichts für schwache Nerven. Ebenso konnte mich der Roman erzähltechnisch, sprachlich und mit seiner episodenartigen Form überzeugen. Ein Leseereignis, das einen bestimmt nicht so leicht loslässt! Wer einen Feel-Good-Roman sucht, sollte aber lieber die Finger davon lassen.

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*ERSCHÜTTERNDER ROMAN ZUM NORDIRLAND-KONFLIKT*
Nach dem höchst außergewöhnlichen Roman »Milchmann«, für den die nord-irische Autorin Anna Burns 2018 mit dem bedeutenden britischen Literaturpreis „Man Booker Prize“ ausgezeichnet wurde, ist nun auch ihr bereits 2001 veröffentlichter Debütroman „Amelia“ auf Deutsch erschienen.
Er thematisiert den Nordirland-Konflikt, einem verheerenden Bürgerkrieg, der in den 1970ger Jahren seinen Ausgang nahm und in dem Autobomben, Erschießungskommandos und zahllose Tote auf beiden Seiten der Konfliktparteien den Alltag beherrschte.
Nachdem ich durch die inhaltlich und stilistisch anstrengende und herausfordernde Lektüre von „Milchmann“ bereits auf einiges gefasst war, hat mich „Amelia“ mit seiner kompromisslosen Rohheit und brutalen Düsternis regelrecht schockiert und sprachlos zurückgelassen. Es ist ein aufwühlender und äußerst eindringlich geschriebener Roman, der durchaus zu fesseln weiß und gleich mit mehreren Triggerwarnungen (Suizid, sexuelle Übergriffe, Anorexie,…) versehen werden sollte
Wie nachhaltig der anhaltenden Konflikt den Alltag der Zivilgesellschaft beeinträchtigt und welche psychischen Auswirkungen diese schockierende Welt voller Verrohung, Hass, permanenter Gewalt und Brutalität auf das Leben jedes einzelnen – insbesondere für Kinder und Jugendliche aus der einfachen nordirischen Arbeiterklasse - hat, führt uns die Autorin in ihrem episodenhaft angelegten Roman sehr plastisch vor Augen.
Im Mittelpunkt steht die junge Amelia Lovett, die zu Beginn des Romans etwa acht Jahre alt ist und mit ihrer dysfunktionale Familie in einem katholischen Viertel in Belfast lebt. Jedes Kapitel erzählt aus einer allwissenden Perspektive eine in sich abgeschlossene Episode aus Amelias Leben über einen Zeitraum von fast 30 Jahren -beginnend mit dem Anfang der Troubles im Jahr 1969 bis hin zum Jahr der Friedensverhandlungen 1994, bisweilen stehen auch einige andere Charaktere im Fokus. Eine wirkliche Handlung sucht man vergeblich, doch werden einige Erzählstränge im späteren Verlauf wieder aufgenommen und fortgeführt.
Der Autorin ist die Charakterisierung der vielschichtig angelegten und sehr faszinierenden Hauptfigur hervorragend gelungen. Wir begleiten Amelia von der Schule über ihre Ausbildung bis ins Erwachsenenleben und erleben in erschütternden Szenen hautnah mit, wie sie massiv sie nicht nur psychisch sondern auch physisch betroffen ist.
Sehr unmittelbar nehmen wir Anteil an der Entwicklung vom kleinen neugierigen Mädchen und verfolgen das höchst beklemmende Schicksal von Amelia, die in all dem alltäglichen Irrsinn, der Abgestumpftheit der Menschen um sie herum und der permanenten Gewalt als ein Opfer zu überleben versucht.
Szenen mit Gewaltexzessen oder sexuellem Missbrauch, die zunehmende Entfremdung von ihrer Familie, die sie zu verkraften hat, finanzielle Nöte, ihre Essstörung und Alkoholabhängigkeit bis hin zu ihren schließlich gravierenden psychischen Problemen, mit denen sie auch nach ihrer Flucht nach London zu kämpfen hat – all dies wird oft detailliert und fast zu eindrücklich beschrieben, so dass ich am liebsten mit dem Lesen aufhören wollte. Manche erschütternde Schilderungen sind auch nur aus Amelias distanzierter, abgestumpfter Sicht zu ertragen. Daneben gibt es auch extrem überspitzte, surreale Passagen, die mich in ihrer Aussage etwas verwirrten.
Burns Erzählstil ist einzigartig und etwas besonderes, der aber sicher nicht jedem zusagen wird. Ihr bissiger, fatalistischer Humor, der mir in „Milchmann“ sehr gefallen hatte, ist allerdings angesichts der geschilderten, verstörenden Ungeheuerlichkeiten kaum noch wahrzunehmen.
Etwas schade fand ich, dass die Autorin nicht mehr politische Aspekte und Hintergrundinformationen zum Nordirlandkonflikt in ihre Geschichte hat einfließen lassen bzw. sie nicht in einem Nachwort einige ergänzende Erläuterungen zusammengestellt hat. Um wirklich alle Details und Verwicklungen zu diesem Bürgerkrieg verstehen zu können, muss man leider vieles selbst recherchieren.
Anna Burns erzählt zugleich aber auch eine nachdenklich stimmende, zeitlos-aktuelle Geschichte über höchst bedenkliche gesellschaftliche Entwicklungen, die auch auf andere Regime oder Bürgerkriegsgebiete übertragbar und somit allgemeingültig sind.

FAZIT
Ein düsterer, erschütternder und sehr eindringlich geschriebener Roman über das Leben im Nordirland während der „Troubles“! Eine schwierige und herausfordernde Lektüre, die mich gefesselt, aber mir auch einiges abverlangt hat!

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Als die ‚Troubles‘ in Nordirland im Jahr 1969 beginnen, ist Amelia 8 Jahre alt. Diese dauerten bis ins Jahr 1998, als das ‚Karfreitagsabkommen‘ den Waffenstillstand einläutete.

Wir lesen von Amelia, ihrer Familie und ihrem Freundes/Bekanntenkreis, und wie sie alle versuchen, in diesem Klima der Gewalt zu überleben.

Was macht das mit Kindern, wenn sie schon in jungen Jahren Gummigeschosse sammeln, sinnlose Menschenjagden mit Erschießungen und Kniescheibenschießen als 'Strafe' zu ihrem Alltag gehören und als wichtigste Lehre die Schlägerei-Regeln der Mutter gelten. („Ja, nickte Ma, es mag nicht viel sein, aber wenn du ermordet worden bist, und du wirst ermordet, dann hast du wenigstens alles gegeben und bist nicht weggelaufen.“) Auch etliche innerfamiliäre Szenen ließen mir das Blut in den Adern gefrieren!

Manche Teile sind wirklich schwer auszuhalten (z.B. die Schilderungen von Vincents Aufenthalt in der Psychiatrie oder die verschiedenen Morde) und ich rate deswegen Leser*innen mit sensiblen Gemütern von dieser Lektüre ab. Ich bin jedoch heilfroh, dass ich das Buch gelesen habe, verstehe ich doch die Biographie des nordirischen Studienfreundes unseres Sohnes (während ihres gemeinsamen Studiums in den 2000er Jahren in Dublin) wesentlich besser. Auch unser gemeinsamer Urlaub in Belfast mit den aufwühlenden Besuchen der kleinen Heldenfriedhöfe für lauter junge Menschen bekommt für mich eine andere, eine schwerwiegendere Bedeutung.

Gut 20 Jahre dauerte es, bis dieser irische Roman mit dem Originaltitel ‚No Bones‘ in Deutschland erschien. Selbst in Belfast geboren und im überwiegend katholisch und irisch-nationalistisch geprägten Ardoyne-Distrikt, einem Arbeiterviertel im Norden der nordirischen Hauptstadt, aufgewachsen, fließen auch viele eigene Erfahrungen der Autorin in diesen Roman. (Was man auch merkt, so plastisch, wie alles geschildert wird!)

Ich fragte mich dauernd während des Lesens, ob jemand da echt abstumpfen kann bei der ganzen Gewalt und dem Leid, das sie erfuhren. Offensichtlich nicht! (Ich bin nur heilfroh, dass ich niemanden der Protagonisten kennenlernen musste!)

Vier Sterne vergebe ich an dieses interessante, auch wichtige, aber verstörende Buch!

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Milkman von Anna Burns ist eines meiner großen Lese-Highlights. Ich war so beeindruckt von der Erzählsprache und der Atmosphäre, dass ich mit hohen Erwartungen auch Amelia angefangen habe zu lesen. Der Anfang war "wunderbar"; Die Geschichte ist nicht einfach, es wird wenig erklärt, die Sprache ist neutral und auch in vielen Vorfällen wird der Leser einfach reingeschmissen. Der Leser sammelt hier und da Fetzen über Jahre und Kapitel hinweg in der Hoffnung am Ende ein ganzes Bild zu bekommen. Die grobe Gesamtstruktur hat mir zwar gefallen, aber die Geschichte hätte noch aufgeräumter sein können. Oder ein besserer roter Faden. Im Gegensatz zum Anfang und Ende fand ich den Mittelteil etwas langsam und ausufernd, eine kürzere Fassung hätte mir mehr gefallen. Das Buch schwankt zwischen 3 und 4 Sternen.
Trotz allem bin ich ein Fan von Anna Burns und freue mich schon auf das nächste Buch von ihr!

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