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Buchcover für Ellen

Ellen

Der autobiografische Roman der Schwabinger Gräfin über Emanzipation und Bohème

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Erscheinungstermin 15.07.2026 | Archivierungsdatum 13.08.2026


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Zum Inhalt

Ein moderner Klassiker über weibliche Freiheit, Rebellion und die Bohème

Aufgewachsen in der strengen Abgeschiedenheit eines norddeutschen Adelsguts spürt Ellen eine große Entfremdung. Ein »ungeratenes« Mädchen, das in keine der Schablonen passt, die andere ihr vorsetzen. Sie beschließt, es sich zu rauben, das Leben. In den Ateliers und Cafés von München erfährt sie Tage des Hungers und der emotionalen Isolation. Freiheit, das weiß sie bald, geht mit vielen Strafen einher. Doch gibt es einen anderen Weg für sie als den eigenen?

In Ellen (1903) schuf Franziska zu Reventlow, die selbst mit ihrer aristokratischen Familie brach, ein präzises Zeitdokument eines Frauenlebens zur Kaiserzeit. Schonungslos offen und mit ironischer Eleganz wird es über ein Jahrhundert später noch unmittelbar greifbar. Ein Klassiker der frühen Moderne über die Schwierigkeit, sich selbst treu zu bleiben.

»Sie war hochwohlgeboren, sie war aus holsteinisch-mecklenburgischem Uradel; sie war Schriftstellerin, Malerin, Avantgardistin, sie war alleinerziehende Mutter, sie war die heidnische Madonna, sie war der Star der Münchner Boheme […], sie war Vorreiterin der sexuellen Revolution. Sie war alles Mögliche und sie wollte alles Mögliche; sie wollte vor allem frei sein, sie wollte das absolut freie Leben.« Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung

»Ich finde, dass ihr Leben eins von denen ist, die erzählt werden müssen.« Rainer Maria Rilke

Ein moderner Klassiker über weibliche Freiheit, Rebellion und die Bohème

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Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Hardcover
ISBN 9783150116111
PREIS 25,00 € (EUR)
SEITEN 240

Auf NetGalley verfügbar

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Die deutsche Schriftstellerin Franziska zu Reventlow, geboren in einer adeligen Familie und später als "Skandalgräfin" bekannt geworden, kam wohl schon mit einem sehr großen Freiheitsdrang zur Welt. Zumindest, wenn wir von dem Alter Ego "Ellen" aus ihrem gleichnamigen autofiktionalen Roman auf ihre Persönlichkeit schließen möchten. Der Vergleich liegt nahe, da Leserinnen und Leser, die sich auch mit der Biografie der Autorin beschäftigt haben, viele Parallelen entdecken werden.

Somit kann "Ellen" als ein frühes autofiktionales Werk angesehen werden, das ein ausführliches und inspirierendes bis abschreckendes - je nach Lebensphase der Ellen sowie persönliche Wertehaltung derer, die das Buch lesen - Porträt einer sehr eigenwilligen künstlerisch interessierten Frauenpersönlichkeit zeichnet, die in einer Zeit lebt, in der individuelle Entfaltung insgesamt für die Menschen und noch einmal mehr für Frauen gesellschaftlich nicht erwünscht war und die ihren Weg geht, gegen alle Widerstände und um jeden Preis.

Schon das Kind Ellen ist ein Wildfang, tobt ständig mit dem Bruder und dessen bestem Freund durch die Natur, zerreißt sich dabei die schönen Kleider und versteht nicht, warum es sich in irgendeiner Weise mehr einschränken sollte als männliche Kinder, denen das doch auch alles erlaubt ist. An dieser Stelle hatte das Kind meine großen Sympathien.

Das Kind wächst zu einem jungen Mädchen und dann zu einer jungen Frau heran, die zunehmend radikaler wird in ihrem Freiheitsdrang und sich durch nichts und niemanden einschränken lassen will, dabei aber dennoch einige Zeit lang vorgibt, als Verlobte eines ehrenwerten Mannes den Konventionen ihrer Epoche und Schicht zu folgen, um sich gesellschaftlich nicht gleich alle Chancen zu verspielen, während sie mit verschiedenen Männern schläft.

Introspektiv finde ich die Gedanken und Gefühle Ellens sehr gut dargestellt, wie sich zum Beispiel an dieser Stelle zeigt, als sie über sich nachdenkt und ihre Neigungen mit denen anderer Menschen vergleicht:

„Wie fingen es wohl andere an, um glatt durchs Leben zu kommen, und warum wurde es einem immer so schwer gemacht durch all dies Binden und Verpflichten. In ihrem eigenen Gefühl war nichts, was dem widersprach, mit beiden das Leben zu teilen, weil jeder ihr etwas war, was der andere nicht sein konnte.“ (S. 167)

Ethische Grenzen scheint Ellen kaum zu kennen, so versucht sie sogar, ihrem Verlobten und dann Ehemann das Kind eines anderen unterzuschieben und sie bricht mit ihrer Familie, als diese sie in ihre Schranken weisen will.

An dieser Stelle verliert diese fiktive Persönlichkeit der Ellen für mich an Vorbildwirkung und ist für mich eher ein abschreckendes Beispiel dafür, wozu ein extremer Selbstverwirklichungs- und Darstellungsdrang führt, wenn dabei jegliches Einfühlungsvermögen für davon betroffene Menschen verloren geht.

Im Erwachsenenalter scheint die porträtierte Ellen sich zu einer Egomanin entwickelt zu haben, die sich niemand für die eigene Familie oder im eigenen Freundinnenkreis wünschen würde, dabei spart die Autorin aber auch deren innere Kämpfe und zunehmenden Verfall nicht aus und beschreibt hier, was aus Ellens eigener Sicht alles ihrem extremen Freiheits- und Selbstverwirklichungsdrang zum Opfer gefallen ist:

„Was hatte sie nicht schon alles hingegeben in dem unbändigen Drang nach ihrem innersten Selbst, das so viel zum Opfer wollte – Heimat, Geschwister, selbst den Bruder, den sie so sehr leibte, denn der war schließlich auch von ihr gegangen zu den anderen – den Mann, dem ihre erste große Leidenschaft gehörte – sein Kind – Reinhart, alles, alles von sich geworfen, ihr war, als ob sie immer nur über Leichen hinweg gegangen sei – um schließlich vor ihrer eigenen anzukommen, und daneben stand das Schicksal und grinste sie eisig an: Es ist noch nicht genug – jetzt nehme ich dir auch noch deine letzte Kraft, deinen jungen Körper, der noch blühen wollte, deine jungen Jahre, die noch heißes Verlangen trugen – und schlage dich zum Krüppel. Ohnmächtig sollst du vor mir daliegen, und es war alles umsonst.“ (S. 207)

Es ist also keine reine Lichtgestalt, die im Zentrum dieses Buches steht.

Das mindert die Qualität des Buches aber keineswegs, im Gegenteil dient es genau durch diese ehrliche Darstellung des auch charakterlichen Verfalls einer Person mit einem starken Freiheitsdrang nicht nur als abschreckendes Beispiel und interessantes Zeitporträt, sondern wirft ebenfalls viele interessante philosophische und ethische Fragen zum Thema Grenzen von Freiheit und Selbstverwirklichung und individuelle vs. familiäre und gesellschaftliche Interessen auf, womit es sich auch bestens für Lesekreise und Diskussionsrunden eignet.

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