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Die Verlorenen von Santa Chionia

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Erscheinungstermin 28.08.2026 | Archivierungsdatum N/A


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Zum Inhalt

Ein Bergdorf im wilden Herzen Kalabriens, das seine Geheimnisse nicht preisgeben will …
… und eine mutige Frau inmitten autoritärer Männlichkeit. Kalabrien 1960. Die junge Amerikanerin Francesca Loftfield soll im abgelegenen Bergdorf Santa Chionia im Dienst einer Hilfsorganisation einen Kindergarten eröffnen. Als durch eine Sturzflut Menschliche Überreste ans Licht gespült werden, zeigt die eingeschworene Dorfgemeinschaft kein Interesse an einer polizeilichen Untersuchung. Die Fremde stellt beharrlich Fragen, ihre Nachforschungen stoßen auf archaisches Schweigen. Tief verwurzelten Traditionen und mafiösen Loyalitäten in einer patriarchalischen Welt steht die stille Macht mutiger Frauen gegenüber.
Ein bildgewaltiges und atmosphärisches Panorama Süditaliens.

Ein Bergdorf im wilden Herzen Kalabriens, das seine Geheimnisse nicht preisgeben will …
… und eine mutige Frau inmitten autoritärer Männlichkeit. Kalabrien 1960...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Hardcover
ISBN 9783852569345
PREIS 28,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

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4 stars

Francesca kommt ursprünglich aus Amerika, ist sehr idealistisch, hat ihr eigenes Päckchen zu tragen und soll im Dienst einer Hilfsorganisation in einem sehr abgelegenen Bergdorf einen Kindergarten eröffnen, um die Kindersterblichkeit zu reduzieren. Nach einer Sturzflut taucht gegenüber des Kindergartengebäudes ein Skelett auf und mehrere Frauen bitten Francesca um Hilfe bei Nachforschungen zu Sohn und Mann. Doch alle Nachforschungen stoßen in Santa Chionia auf Schweigen und Unmut. Was hat dieses kleine Dorf zu verbergen?

Die Schreibweise ist sehr ungewöhnlich, denn man wird als Leser*In direkt angesprochen in der Erzählung der mittlerweile alten Francesca, die sich mithilfe von Tagebuchaufzeichnungen an die Geschehnisse von 1960 zurückerinnert und damit ihr langes Schweigen bricht. Ungewöhnlich ist auch die sehr bildhafte Sprache, so fühlt sich Francesca beispielsweise mal so „kalt und spröde wie ein im Keller gereifter Prosciutto“.

Generell wird ein großer Fokus auf Essen und Trinken gelegt – hier hätte ich mir am Ende noch ein paar Rezepte sehr gut vorstellen können, da ich zwischendurch alles gegoogelt habe und mir so einige der Rezepte zum Nachkochen und Ausprobieren abgespeichert habe.

Beim Lesen hatte ich immer etwas das Gefühl eines erhobenen Zeigefingers, da unter anderem schon auf den ersten Seiten gesagt wird, dass Erwachsenwerden daraus besteht, selbst die Verantwortung zu übernehmen oder das man sich nicht in der Vergangenheit suhlen darf, da doch mit dem Fortschritt eine Verbesserung des Lebensstandards eintritt.

Juliet Grames plante mit diesem Buch einen historischen Roman (dessen Ereignisse aber nicht alle real sind) kombiniert mit einem Kriminalroman. Diese Ansprüche merkt man beim Lesen sehr, aber irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass es so nichts Halbes und nichts Ganzes wurde. Mir blieben zu viele Fragen offen.

Dafür konnte ich mich aber sehr gut in das Gefühl der Stadt hineinversetzen und damit auch in das Ende des Romans. Hier hat die Autorin wunderbare Arbeit geleistet, das von vielen vergessene oder abgewertete Stück Italiens in den Fokus zu setzen.

Auch, wenn die Geschichte aus Francescas Sicht erzählt wird, habe ich das Gefühl alle anderen Figuren – allen voran die Dorfbewohner – besser zu kennen als sie. Viele ihrer Handlungen ergeben für mich keinen Sinn und sonderlich sympathisch wurde sie mir auch nicht.

Ich konnte viel über das Leben zu dieser Zeit in einem süditalienischen Bergdorf lernen, bin aber etwas unzufrieden mit den offenen Punkten der Geschichte und so etwas zwiegespalten. Es ist definitiv keine leichte Kost, aber dennoch berührend. Meine Reiselust nach Italien wurde auf jeden Fall geweckt (und die Freude als Frau in der heutigen Zeit geboren zu sein).

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Francesca, eine junge, idealistische Amerikanerin mit kalabrischer Mutter und norwegischem Vater zieht im Auftrag eines Kinderhilfswerks in ein kalabrisches Bergdorf, in dem Anfang der 1960er Jahre noch große Not herrscht und die Moderne noch nicht Einzug gehalten hat. Sie soll einen Kindergarten aufbauen und nimmt dafür Kontakt mit den verschiedensten Familien im Dorf auf. Erzählt wird das Ganze retrospektiv von Francesca, Jahrzehnte später nutzt sie ihre Tagebucheinträge, um die Ereignisse zu rekonstruieren.
Die amerikanische "Maestra" tut ihr bestes, mit teilweise naiven Fragen herauszufinden, wie das Dorf "funktioniert" und gerät schnell mit verschiedenen Personen im Dorf in Konflikt: denn in Santa Chionia gibt es haufenweise ungeschriebene Gesetze, während die geschriebenen Gesetze keinerlei Bedeutung zu haben scheinen.
Ich bin der Erzählung gern gefolgt, der Einblick in dieses Dorf ist wie einer in eine andere Zeit und eine andere Realität. Die Autorin zeichnet ein spannendes Bild, lässt für meinen Geschmack aber am Ende noch zu viele Fragen offen.

3 stars
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1960 in Santa Chionia: ein uraltes Dorf im Aspromonte ganz im Süden Italiens von der Welt vergessen.
Dort geht so einiges verloren: Menschen für Tage oder für immer; Häuser, die einzige Brücke nach einem Unwetter; Geld und Ehre. Gefunden wird dagegen ein menschliches Skelett.
Dazwischen eine junge, idealistische, amerikanische "Entwicklungshelferin", die keine Ruhe gibt. Welten prallen aufeinander!
Ein gleichzeitig erhellender und erschreckender Blick auf eine geschlossene Gesellschaft, ihre Machtstrukturen und eigene Gesetze sowie auf die Folgen jahrhundertealter Vernachlässigung.
Oft überraschend immer spannend: ein ganz anderer Blick auf Kalabrien!

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Als die Amerikanerin Franka für ihre Hilfsorganisation in einem abgelegenen Bergdorf in den Tiefen Kalabriens einen Kindergarten aufbauen will, lernt sie die festgefahrenen Traditionen in der Dorfgemeinschaft kennen. Nach dem Fund einer Leiche begibt sie sich auf die Suche nach der Identität. Die Männer der patriarchalisch geführten Gemeinschaft legen ihr viele Steine in den Weg, die Frauen wagen keinen Widerspruch. Dies führt zu vielen unterschiedlichen, allesamt unangenehmen Situationen. Und es tauchen viele Familiengeheimnisse auf.

Es werden diverse Themen angesprochen, die in der damaligen Zeit noch gerne verschwiegen wurden. Dazu gehört neben Gewalt in der Ehe hauptsächlich das Machtgefüge, in dem die Männer das Sagen haben, was auch nicht in Frage gestellt wird. Die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil eine atmosphärisch gelungene Umgebung zu schaffen. Ihre Beschreibungen sind bildgewaltig. Der kriminalistische Anteil ist fast unauffällig, aber spannend. Das Buch hat mich überzeugt, gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus.

4 stars
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Anfag der 1960er-Jahre zieht die emanzipierte und gebildete Italo-Amerikanerin Francesca im Auftrag einer Hilfsorganisation in einem abgeschiedenes Dorf in den kalabrischen Bergen, um einen Kindergarten aufzubauen. Sehr bald stößt sie auf Widerstand, weil sie mit ihrem Vorhaben, Bildung in dieses abgelegene Region zu bringen, auf Konfrontationskurs geht zu der tief verwurzelten patriarchalischen Tradition und den starren Strukturen, die das Dorf prägen. Nach dem Fund einer Leiche beginnt sie, Nachforschungen anzustellen, und merkt, dass in der jüngeren Vergangenheit einige Menschen aus dem Dorf verschwunden sind.

Trotzdem sollte man keinen Krimi erwarten, wenn man diesen Roman in die Hand nimmt. Eine spannende Lektüre darf man dennoch erwarten. Hautnah erleben wir mit, wie die guten Absichten der aufgeklärten, weltoffenenn und intelligente Francesca ins Leere laufen, weil sie gegen die Sturheit der in ihren Traditionen verhafteten Dorfbewohnern und gegen die in vielen Jahrzehnten entwickelten Intrigen der Mächtigen nichts ausrichten kann. Der Autorin gelingt es, den Reiz dieser kargen Landschaft, aber auch den Charakter der Dorfbewohner und die bedrückte, beklemmende Atmosphäre einzufangen. Die Figuren wirken authentisch, gerade weil sie fast immer in all ihrer Widersprüchlichkeit dargestellt werden. Und die Sitten und Gebräuche in diesem kleinen Dorf werden facettenreich geschildert.
Trotz gelegentlicher Längen ist das ein sehr lesenswerter Roman, allerdings eher für eine lange Bahnreise geeignet als für den Strand.

4 stars
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3 stars

Im Jahr 1960 wird Francesca, eine junge Amerikanerin durch ein Hilfswerk in ein kalabrisches Bergdorf gesandt. Ihre Aufgabe ist es, einen Kindergarten neu aufzubauen. Sie gerät aber bei der Bevölkerung vermehrt auf Ablehnung da sie viele ungeschriebene Gesetze dieses süditalienischen Dorfes nicht kennt und nicht versteht.
Ich mag Romane, bei denen man tiefe Einblicke in die Lebensweise dieser Regionen erhält. Auch in diesem süditalienischen Bergdorf ist es mir wieder so ergangen. Bei den Erzählungen erfährt man viel über die in dieser Zeit herrschenden Umgangsweisen. Teilweise sind in den Beschreibungen längen drin aber es hat mir im Grossen und Ganzen gefallen.
Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar.

3 stars
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Heftig: die Zustände in Kalabrien vor 60-70 Jahren, Europa und doch bittere Armut und Abhängigkeiten der Menschen in den Bergdörfern. Hieran kann auch die amerikanische Professoressa wenig ändern die voller Elan sich der Aufgabe widmet einen Kindergarten zu gründen, zu füllen und Betreuerinnen zu finden. Dabei in die verzwickten Verhältnisse im Dorf und zwischen den Bewohnerinnen zu geraten. Modern
Ne trifft auf Tradition.

4 stars
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Die junge Amerikanerin Francesca Loftfield soll in den 1960er Jahren in einem kleinen Dorf in den in Kalabrien für eine Hilfsorganisation einen Kindergarten eröffnen. Gleich zu Beginn ihres Aufenthalts in Santa Chionia gibt es nach tagelangem Regen eine Sturzflut, die nicht nur Teile des Dorfs zerstört, sondern auch menschliche Knochen an die Oberfläche spült. Zu Francescas Bestürzung scheinen die Dorfbewohner kein Interesse zu haben, dass die Identität des Toten festgestellt wird. Aber sie kann die Sache nicht auf sich beruhen lassen und beginnt, Fragen zu stellen.

Die Atmosphäre in Santa Chionia ist besonders. Juliet Grames beschreibt ein Dorf, in dem alte Traditionen das Leben der Menschen beherrschen, in dem die Ehre über allem steht. Francesca ist die Fremde, der aufgrund ihrer Rolle als Lehrerin eine gewisse Achtung entgegengebracht wird, die aber trotzdem nicht dazu gehört. Das wird ihr immer klarer, als sie die Familien des Dorfs besucht, um geeignete Kinder für ihr Projekt zu finden. Man ist freundlich zu ihr, aber man vertraut ihr nicht.

Gleich zwei Frauen vermuten, den Toten zu kennen und bitten Francesca die Wahrheit herauszufinden. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, steht aber meistens vor verschlossenen Türen. Als die Spuren nach Amerika führen, bittet sie Freunde daheim um Hilfe und bringt sich dadurch in Gefahr.

Die Atmosphäre im Dorf ist wunderbar beschrieben und ich konnte mir Santa Chionia gut vorstellen. Auch Francescas Nachforschungen waren spannend, gerade weil sie im Dorf auf eine immer höhere Mauer des Schweigens gestoßen. Trotzdem war ich mir beim Lesen nicht sicher, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde. Die Suche nach den verschwundenen Männern und die Lösung des Rätsels um die Knochen hat alle Elemente eines Krimis. Auf der anderen Seite wäre die Geschichte von Santa Chionia und dem Leben der Frauen fast einen eigenen Roman wert gewesen. Beide zusammen in einem Buch wird dem immer nicht gerecht, was die Autorin erzählen will.

3 stars
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5 stars

Ein tolles Buch, weniger ein Krimi als eine Beschreibung des Lebens und der Normen in Süditalien Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Ich war so gefesselt von dem Leben der Frauen vor allem in diesem kleinen, isolierten Dorf, dass ich das Buch in kürzester Zeit verschlungen habe.

5 stars
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4 stars
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4 stars

Ein Roman, der sich Zeit nimmt – und genau darin seine Stärke hat

Die Verlorenen von Santa Chionia ist kein Buch, das einen mit Action oder schnellen Wendungen packt. Stattdessen entfaltet sich die Geschichte ganz langsam und genau das hat für mich ihren besonderen Reiz ausgemacht. Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, in ein kleines kalabrisches Dorf einzutauchen, in dem jede Gasse, jedes Haus und jeder Bewohner seine eigene Geschichte mitbringt.

Am meisten begeistert haben mich die Figuren. Anfangs musste ich mich zwar erst einmal zwischen den vielen Namen und Familien zurechtfinden, doch je weiter ich gelesen habe, desto vertrauter wurde mir das Dorf. Mit der Zeit fühlt es sich fast so an, als würde man die Menschen persönlich kennen. Gerade diese unterschiedlichen Charaktere machen die Geschichte unglaublich lebendig und verleihen ihr eine besondere Tiefe.
Ein echtes Highlight war für mich die Atmosphäre. Die Autorin beschreibt Kalabrien so bildhaft, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, selbst durch die engen Gassen von Santa Chionia zu laufen. Die Landschaft, die Traditionen und das dörfliche Leben wirken authentisch und schaffen eine Kulisse, die lange nachhallt. Gleichzeitig geht es um Familie, Zusammenhalt, Verlust und die Frage, welche Spuren die Vergangenheit in einer Gemeinschaft hinterlässt.

Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist ruhig, detailreich und nimmt sich bewusst Zeit für seine Figuren. Wer Geschichten liebt, die sich langsam entfalten und von ihren Charakteren leben, wird hier viel Freude haben. Wer dagegen einen schnellen Spannungsroman erwartet, sollte wissen, dass dieses Buch einen anderen Weg geht. Genau diese entschleunigte Erzählweise hat für mich aber wunderbar zur Geschichte gepasst.

Insgesamt ist Die Verlorenen von Santa Chionia ein atmosphärischer Familienroman, der vor allem durch seine Figuren und sein einzigartiges Setting überzeugt. Man muss sich ein wenig auf die Geschichte einlassen, wird dafür aber mit einer emotionalen und eindrucksvollen Reise belohnt. Für mich war es ein Buch, das weniger von großen Überraschungen lebt als von den Menschen, die es bevölkern und genau das macht es so besonders.

4 stars
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5 stars
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Kalabrien, 1960. Francesca Loftfield ist eine junge idealistische Amerikanerin mit kalabrischen Wurzeln, die für die Hilfsorganisation Child Rescue arbeitet und alleine in das (fiktive) Dorf Santa Chionia gesandt wird, um dort den ersten Kindergarten zu eröffnen. Santa Chionia liegt völlig abgeschieden im Aspromonte-Massiv, die Bewohner sprechen Griko, einen griechisch-kalabrischen Dialekt. Kurz nach Francescas Ankunft bricht ein Unwetter mit sintflutartigen Niederschlägen über den Ort herein, das nicht nur die einzige Brücke, die ins Dorf führt, zerstört, sondern Gebäude unterspült und beschädigt. Hierbei kommt unter dem Postamt ein Skelett zum Vorschein. Während die Dorfgemeinschaft auffallend wenig Interesse an der Identifikation des Skeletts zeigt, bitten zwei Frauen Francesca inständig um Hilfe, weil sie jeweils eine Vermutung haben, um wen es sich handeln könnte. Francesca gibt den Bitten nach und stellt Nachforschungen an, durch die sie sich nichtsahnend einflussreiche Feinde macht.

Das Buch ist aus der Perspektive von Francesca als alter Frau geschrieben, die auf die Ereignisse des Jahres 1960 zurückblickt und hierbei auch die Leser direkt anspricht. Das gesamte Buch spielt binnen weniger Monate, und das Erzähltempo ist eher ruhig. Juliet Grames hat mit „Die Verlorenen von Santa Chionia“ einen Genremix aus historischem Roman und Krimi geschaffen, bei dem ich den Eindruck hatte, dass der Kriminalfall vor allem als Mittel dient, um verschiedene historische Aspekte einzuflechten. Entsprechend fand ich den kriminalistischen Part des Romans weniger überzeugend als den spannenden Blick auf das Dorfgefüge, das durch Jahrhunderte alte Seilschaften, Traditionen, familiäre Verflechtungen und Rituale geprägt ist. Francesca trifft auf eine Mauer des Schweigens – man hält zusammen gegen die neugierige Fremde.

Beim Lesen spürt man, wie wichtig es der Autorin war, den grecianischen Dörfern der Aspromonte-Region gerecht zu werden und nicht von außen zu werten oder zu verklären. Grames zeigt die Not der Bevölkerung, die keinen Zugang zu Schulbildung hatte, von Norditalien systematisch benachteiligt wurde und oft die Auswanderung nach Amerika als einzigen Ausweg auf ein Auskommen sah, aber auch die mafiösen Clanstrukturen, die sich in der Abgeschiedenheit ausbildeten und wesentlich zur Armut und Aussichtlosigkeit beitrugen. Sehr entsetzt hat mich, wie lange in Italien Vergewaltigung durch die erzwungene Heirat zwischen Täter und Opfer „wiedergutgemacht“ werden konnte (Artikel 544 des Codice Penale).
Für mich hat dieses Buch seine besondere Stärke in der Schilderung des Dorfgefüges. Das Ende kam dann überraschend schnell, und es bleiben leider einige Fragen offen. Das ist einerseits etwas unbefriedigend, andererseits aber wohl realistisch.

Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das mich dazu bewegt hat, auch das ein oder andere nachzuschlagen und etwas zu vertiefen.

5 stars
5 stars
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3 stars
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Die Verlorenen von Santa Chionia ist ein atmosphärischer Roman, der Familiengeschichte, Geheimnisse und historische Elemente miteinander verbindet. Juliet Grames erzählt von Schicksalen, die über Generationen hinweg miteinander verknüpft sind, und schafft dabei eine dichte und eindrucksvolle Atmosphäre.

Besonders gelungen ist die lebendige Darstellung des Settings. Die Schauplätze werden detailreich beschrieben und verleihen der Geschichte einen ganz eigenen Charme. Auch die Figuren sind vielschichtig angelegt und tragen ihre eigenen Hoffnungen, Ängste und Geheimnisse mit sich, wodurch der Roman an Tiefe gewinnt.

Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft. Die Autorin nimmt sich Zeit, ihre Charaktere und deren Beziehungen zu entwickeln, wodurch die Handlung authentisch wirkt. Gleichzeitig sorgen die nach und nach enthüllten Geheimnisse dafür, dass die Neugier bis zum Ende erhalten bleibt.

An einigen Stellen hätte ich mir jedoch ein etwas höheres Erzähltempo gewünscht, da sich einzelne Passagen etwas ziehen. Trotzdem überzeugt der Roman mit seiner atmosphärischen Erzählweise und den emotionalen Momenten.

Fazit:
Die Verlorenen von Santa Chionia ist ein gelungener Familienroman mit historischem Flair, interessanten Figuren und einer geheimnisvollen Atmosphäre. Wer ruhige, vielschichtige Geschichten über Familie, Vergangenheit und persönliche Schicksale mag, wird an diesem Buch Freude haben.

3 stars
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5 stars
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5 stars

Das Buch hat mich sehr begeistert. Es gelingt der Autorin, uns in die 60er in einem kleinen kalabrischen Dorf zurückzuversetzen, ohne dafür unnötige Klischees zu nutzen. Der Roman nimmt sich sehr viel Zeit für die Atmosphäre und die Figurenkonstellation, mit viel Feingefühl werden die zwischenmenschlichen Bindungen und subtilen Normen betrachtet und hinterfragt. Grames zeigt sich als Meisterin der Grautöne und Komplexität,weshalb es auch bei dem zu untersuchenden Tod nicht um möglichst viel Grausamkeit geht, sondern um die vielschichtigen Dynamiken, die für die Außenstehende Wohltäterin oft nur schwer zu durchblicken sind. Dabei verweigert sich Grames aber auch kitschiger unkritischer Verklärung, insbesondere beim Thema häusliche Gewalt. Ein tolles und toll übersetztes Buch, das ich sicher weiterempfehlen werde.

5 stars
5 stars
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In "Die Verlorenen von Santa Chionia" (ein offener gehaltener Titel als das Original: The lost boy of Santa Chionia) geht es um eine Spurensuche in der Vergangenheit eines anachronistisch organisierten Dorfes voller Geheimnisse, für Außenstehende unsichtbare Machtgefüge und die besonderen Regeln eines paeses. Die amerikanische Aktivistin Francesca kommt angetrieben von naivem Idealismus und einem starken Willen in das kalabrische Bergdorf um einen Kindergarten einzurichten. Sie arrangiert sich mit der dortigen Isolation um nach dem Fund eines Skeletts tiefer in die Dorfhistorie einzutauchen - zu ihrem eigenen Schaden und Risiko. Sie wird - ebenso wie die Lesenden - von der Konsequenz und der Dichte des Netzes sowie der Besonderheiten des Rechtverständnisses in Santa Chionia überrascht. In den 1960er Jahren verortet führt die Dorfgemeinschaft ein Leben im Stile der Jahrtausendwende und scheint abgeschottet von dem Geschehnissen in Europa zu existieren, wie eingefroren.
Anders als die Titel der vier Teile des Romans vermuten lassen ist es kein klassischer Kriminalroman, wo das Schicksal der verschwunden Männer Leo Romeo, Mico Scordo oder Ceciu Legato untersucht und aufgeklärt werden würde. Juliet Grames präsentiert hier eine fiktive Studie eines Dorfes, welches auch durch politische Entscheidungen aus der Ferne in kriminelle Strukturen gedrängt wird - und vor der Umsiedelung und damit dem Elend steht. Wie im Nachwort angemerkt ist es eine beispielhafte Schilderung orientiert an den Dorfhistorien realer Bergdörfer Kalabriens.
Im Gewand einer Kriminalgeschichte zeichnet die Autorin ein atmosphärisch dichtes und sprachlich fein gewebtes wie zugleich drastisches Bild von der Dorfgemeinschaft, der majestätischen wie tödlichen Landschaft, der Unausweichlichkeit der Regentschaft von Macht und Geld und der Grenzen eines beseelten Aktivismus von Außenstehenden nach. Ein großer Roman mit universalem Thema und zugleich ein spannender Krimi.

5 stars
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3 stars
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Vor der eindrucksvollen Kulisse eines abgelegenen Bergdorfs in Kalabrien entfaltet sich eine Geschichte voller Geheimnisse, Traditionen und unterschwelliger Spannungen. Die Atmosphäre ist dabei zweifellos eine der größten Stärken des Romans: Die bildgewaltigen Beschreibungen lassen die Landschaft und das Dorfleben lebendig werden und machen das Setting greifbar.

Gleichzeitig liegt darin aber auch seine Schwäche. Die Vielzahl an Details und Beschreibungen verlangsamt stellenweise den Lesefluss, sodass die Handlung manchmal etwas zäh wirkt. Auch die vielen Figuren machen es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Dennoch bleibt die Geschichte spannend, vor allem durch die Verbindung aus Krimi und historischem Hintergrund.

3 stars
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4 stars
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4 stars

Mit diesem Buch habe ich mich etwas schwergetan und vor alem für die ersten 200 Seiten ungewöhnlich lange gebraucht.

Die Geschichte spielt im Jahr 1960 in einem kleinen, kalabrischen Dorf, das mehr oder weniger von der Außenwelt vergessen wurde und dadurch auch im Laufe der Zeit seine eigenen "Gesetze" entwickelt und Machtgefüge entwickelt hat. Hier haben Männer die Macht - und zwar eine Handvoll Männer, die sich nicht gerne in die Karten schauen lassen. Im Laufe der Jahre sind einige Menschen aus dem Dorf verschwunden, und von den meisten wird gesagt, sie seien von heut auf morgen ausgewandert und hätten sich nie wieder gemeldet.
Mitten in diese Welt kommt Francesca, die Ich-Erzählerin der Geschichte. Sie ist Entwicklungshelferin und hat von ihrer Organisation den Auftrag bekommen, in Santa Chionia einen Kindergarten aufzubauen. Doch die meisten Bewohner von Santa Chionia halten nichts von diesen Plänen und lassen Francesca das auch spüren. Und plötzlich wird auch noch eine Leiche gefunden und Francesca beginnt, Fragen zu stellen....

Die Stimmung und auch die Erzählweise des Buches haben mir gut gefallen. Ich konnte beim Lesen dieses kalabrische Dorf beinahe vor mir sehen. Schwer getan habe ich mich mit den oft sehr ähnlichen Namen und den ganzen Verstrickungen und Beziehungen. Mir wäre ein Personenverzeichnis ganz lieb gewesen, um den Überblick zu behalten.
Die ersten 200 Seiten zogen sich darum bei mir sehr in die Länge. Da ich mich sehr aufs Lesen konzentrieren mussten, konnte ich nicht abends vor dem Einschlafen lesen. Und dadurch bin ich erst sehr spät in einen angenehmen Lesefluss gekommen.

Trotzdem hat mir die Geschichte gefallen, besonders, weil sie af mich absolut authentisch wirkte und auch das Ende Sinn ergeben hat. Es war aber für mich kein "Sommerbuch" zum entspannten Lesen.

4 stars
4 stars
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