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In den Flügeln das Licht
Roman | Aufwachsen im Iran der Revolution – Ein bewegender Roman über Familie und Widerstand.
von Aidin Halimi
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Erscheinungstermin 12.03.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
»Eins der berührendsten, aufregendsten, fesselndsten Debüts.« Thea Dorn, Literarisches Quartett
Politische Zeitgeschichte wird zur Familiengeschichte – packend und schmerzlich aktuell.
Kāveh wächst im Iran der Revolution auf. Während sein Vater als Oppositioneller von einem Tag auf den anderen im berüchtigten Evin-Gefängnis verschwindet, hält die Mutter den brüchigen Alltag für Kāveh und seinen jüngeren Bruder Ābtin aufrecht. Sie verlassen Teheran, ziehen ins Haus der Großeltern am Rande eines Bergs, wo Ābtin Zuflucht im großen Garten und Kāveh in der Buchhandlung von Frau Medādi findet. Zu ihrem neuen Leben gehören auch Besuche bei ihrem Vater im Gefängnis – bis auf einmal alles zerbricht.
Aidin Halimi erzählt leuchtend von einem Heranwachsen im Schatten der Geschichte – zwischen Angst und Hoffnung auf ein freies Leben, getragen von der Liebe der Eltern.
»Aidin Halimi tut, was autoritäre Systeme am meisten fürchten: Er gibt den Opfern das Menschliche zurück. Denn er beschreibt seine Figuren so lebendig, so eindringlich, so glaubhaft, dass wir sie nie wieder vergessen.« Shida Bazyar
»Halimi erzählt uns virtuos von der eigentümlichen Freiheit der Kindheit, der Liebe und der Literatur inmitten eines Systems, das nur die Sprache der Gewalt versteht. Ein Roman, der Hoffnung in der Düsternis spendet.« Kaleb Erdmann
Bei Fragen zur Produktsicherheit, wenden Sie sich bitte an: info@gutkind-verlag.de
»Eins der berührendsten, aufregendsten, fesselndsten Debüts.« Thea Dorn, Literarisches Quartett ...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783989410626 |
| PREIS | 24,00 € (EUR) |
| SEITEN | 208 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Buchhändler*in 987683
Ein sehr einfühlsam geschriebenes Buch über Kavehs und Abtins Kindheit im Iran. Voller Hoffnung, Liebe, Schmerz und Trauer.
In einer versteckten Ecke der Trauer liegt die Hoffnung
Kāveh 9jährige Junge lebi im Iran. Sein Vater wurde im Gefängnis hingerichtet, sein Onkel beim Geheimdienst. Seine Mutter Tārā ist eine starke Frau. Wir erfahren, was es bedeutet im Iran der 1980ger Jahre heranzuwachsen, ein Kind zu sein; eine Frau zu sein, eine Familie versorgen zu müssen uns sich nach Freiheit zu sehnen, eingebettet in das Zeitgeschehen.
Ich habe ein wenig besser verstanden, was in der iranischen Revolution geschah. Wie eine ursprünglich gut gemeinte Idee kippte und Leid und Diktatur hervorbrachte. Was es heißt, in zwei Hälften weiter zu leben. Erschütternd.
Aidin Halimi erzählt sprachgewaltig. Er nutzt eine blumig ausgeschmückte, verspielte Sprache. Er jongliert mit Worten, wirft sie dem Lesenden zu, sortiert sie, ergänzt sie in lässt sie dann an ihren Platz fallen, so dass diese wunderbar gewählten Worte schöne, geheimnisvolle oder schlimme Ereignisse berichten und die unterschiedlichsten Charaktere aufs genaueste und tiefste zeigen. Manche Ausdrücke ließen mich schmunzeln, obwohl der Inhalt deprimierend war. Damit unterstich der Autor auch die Unzumutbarkeit von dem, was im Iran geschah.
Mit seinem Schreibstil gelingt es Aidin Halimi Schauer durch meinen Körper zu senden auf Grund der Ungeheuerlichkeit, die Menschen erleiden müssen. Er erzählt feinfühlig und klug in vielen Bildern, die durch die Poesie seiner Sprache zum Leben erweckt werden. Dabei hat man das Gefühl, er schweift ab um kurz darauf festzustellen, wie sich alles ineinander fügt. Es gelingt ihm, eine Sache mehrfach zu erzählen, ohne dass es langweilig wird. Damit erzeugt es eine Intensität, die fühlbar ist.
Es ist nicht nur eine einfache Geschichte über eine iranische Familie. Es ist viel mehr. Schönheit der Sprache, Bilder des Lebens, Erkenntnisse in blumigen, klugen Worten. Und zudem ist es spannend, aufregend und interessant über die Erfahrungen der Menschen ab der Revolution im Iran zu lesen. LESENSWERT.
Über Netgally und den Gutkind Verlag wurde mir dieses eBook zur Verfügung gestellt. Danke dafür. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
Eine Revolution kann ein Regime stürzen – aber nicht unbedingt die Unterdrückung.
Ein sehr ruhiges Buch – obwohl sein Inhalt alles andere als ruhig ist.
Im Zentrum steht das Trauma einer Familie im Iran. Interessanterweise setzt die Geschichte nicht in der Gegenwart rund um den Tod von Jina Mahsa Amini ein, sondern beginnt in der Zeit des Schahs. Dadurch wird spürbar, welche Hoffnung viele Menschen damals mit dessen Sturz verbunden haben – und wie schnell diese Hoffnung in Ernüchterung umschlug.
Besonders für die Frauen. Die Einführung der Kopftuchpflicht zeigt schmerzhaft, wie eine Form der Unterdrückung durch eine andere ersetzt wurde.
Dazwischen steht die Familie:
eine Frau, die sich nicht unbedingt in der Rolle der Hausfrau sieht und doch in sie gedrängt wird.
Ein Mann mit großen Idealen, der für seine Überzeugungen einsteht – und dadurch im Schah-Regime zum Opfer wird und im Mullah-Regime zum Feind.
In beiden Systemen gehört er zu den Verlierern. Und dennoch bleibt er seinen Überzeugungen treu, selbst wenn ihn das letztlich das Leben kostet.
Am stärksten berührt hat mich jedoch die Perspektive der Zurückbleibenden:
Wie bereitet man Kinder auf eine Welt voller Ungerechtigkeit vor?
Wie lebt man mit der ständigen Unsicherheit – Tag für Tag?
Kann man unter solchen Umständen noch hoffen? Oder wird Hoffnung irgendwann selbst zerstörerisch?
Und wenn ein Tod zur Befreiung wird – für wen eigentlich? Für den Inhaftierten? Oder für die Familie?
Ein bewegender Roman, der Geschichte nicht erklärt, sondern fühlbar macht – und der die Vergangenheit des Irans auf sehr persönliche Weise erlebbar werden lässt.
Und vielleicht bleibt am Ende doch eine leise Hoffnung, dass ein möglicher zukünftiger Umbruch tatsächlich einmal zum Besseren führen könnte.
Flügel. Man braucht Flügel!
Die momentane Situation im Iran beschäftigt mich sehr und natürlich möchte ich mich deshalb intensiver mit dem Iran beschäftigen. Als ich dann von diesem Buch hier hörte, war ich sofort angezündet.
Und nach der Lektüre von „In den Flügeln das Licht“ bin ich begeistert. Der Autor Aidin Halimi hat hier einen Roman geschrieben, der mich inhaltlich gefesselt, emotional sehr berührt hat und der mich über die Zeit vor den jetzigen Protesten umfassend informiert hat. Für einen Debutroman ist „In den Flügeln das Licht“ ein absolut gelungenes Buch. Man merkt, dass der Autor sich nicht völlig unbedarft der Geschichte genähert hat, dass er durchaus schon Erfahrungen im Umgang mit Zuhörern/Lesern hat. Nichts in dem Buch deutet darauf hin, dass der Autor sich im Poetry Slam Bereich und als Comedian verdingt. Dies könnte eine Angst der Leser sein, die ich hiermit beseitigen möchte. „In den Flügeln das Licht“ ist ein zutiefst bewegender Blick auf das Tun einer Diktatur. Dieses Buch ist lehrreich, beleuchtet es doch die Zeit der Proteste gegen den Schah, seine Flucht und das Geschehen danach bis zu den Massenhinrichtungen im Jahre 1988. Damit überzeugt das Buch nicht nur durch seine Emotion, sondern auch durch das darin enthaltene Wissen. Ebenso wie das Buch Vergleiche weckt. In der Zeit der Massenhinrichtungen zeigte die Islamische Republik schon damals ihre Brutalität. Die Schätzungen der Toten des Jahres 1988 gehen von 5000 Toten bis zu 30000 Toten aus. Eine ungeheure Zahl, die durchaus Vergleiche ins Jahr 2026 zieht. Obgleich man nicht vergessen sollte, dass es zwischen 1988 und 2026 durchaus noch weitere mörderische Vorgehensweisen der Islamischen Republik gegen die eigene Bevölkerung gab. Einfach furchtbar!!!
Der Roman beschäftigt sich mit der Familie des Oppositionellen Sohrāb. Schon am Anfang des Buches wird klar, Sohrāb ist tot. Seine Frau Tārā hält die Familie über Wasser, sich, ihre Mutter Aziz und die Söhne Kāveh und Ābtin, denn Tārā musste wegen ihrem Mann Sohrāb und wegen ihrem eigenen Tun auch Einschränkungen durch den Staat erfahren und so zog die Familie nach der Inhaftierung des Mannes von Teheran ins nahe gelegene Karaj zur Mutter von Tārā. Der Roman zeigt nach der Information des Todes von Sohrāb das Geschehen davor, zeigt, was es bedeutet im berüchtigten Evin-Gefängnis zu sitzen und zeigt, was es für die restliche Familie bedeutet, nun vom Staat stigmatisiert zu sein. Nicht nur die Familie sind die Hauptprotagonisten, auch ihr Umfeld wird etwas beleuchtet und hier sticht die Person der Bibi Medādi hervor, eine Buchhändlerin, die einerseits für Kāveh wichtig ist und andererseits wieder einen Blick auf den Mut der Frauen des Iran ermöglicht. Eine wunderbare Protagonistin! Die Blicke auf die Protagonisten sind intensiv und eindringlich, ihre Situation bewegt. Und dies geschieht nicht über eine besonders ausgeschmückte Sicht auf den Horror, dies geschieht im Blick auf das normale Leben, dies geschieht über einen menschlichen und menschelnden Blick. Und dies geschieht über einen Realitätsbezug, denn der Roman ist geprägt von der Lebensgeschichte von Aidin Halimi.
Ein wirklich wunderbares Buch, bei dem ich begeistert rufe: Lesen! Jede, Jeder, die das jetzige Geschehen im Iran bewegt, rufe ich zu: „Lest „In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi. Ein intensives und berührendes Buch. Und ein informativ wichtiges Buch!
Denn manch ein hehres Ziel birgt Fallstricke. Fallstricke, die man vielleicht nicht gleich sieht. Die aber dennoch zu folgenschweren Fallstricken werden können. Denn dieses Schwarz und Weiß. Dies gibt es nicht. Alles nuanciert in einem changierenden und wabernden Grau.
Inge H, Rezensent*in
Leben im Iran
In den Flügeln das Licht, ist ein besonders eindrucksstarkes Wek von Aidin Halimi.
Ich habe den Autor auf der Leipziger Buchmesse gesehen und war so angetan,, das ich den Roman lesen musste.
Eigentlich hatte ich Angst vor den Grausamkeiten des Iranischen Regimes, aber er hat das mit seinem Schreiben gekonnt umschifft.
Man erfährt das Meiste von dem Sohn des Opfers, der bei seinem Tod neun Jahre alt war.
Kāveh und seine Familie sind intensiv und beeindruckend dargestellt.
Sein Vater war schon unter dem Schah im Gefängnis und im Mularegime wurde er sogar hingerichtet. Seine Frau bekam die Urkunde, er wäre eines normalen Todes gestorben.
Dieses Buch ist ein interessantes Zeitdokument, das ich nur empfehlen kann.
Simone F, Rezensent*in
Aufgrund der aktuellen politischen Lage habe ich erst kürzlich ein Buch über die gesellschaftliche Situation in Iran gelesen. „In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi hat mich daher sofort neugierig gemacht, insbesondere, weil es in den 80er Jahren zur Zeit der islamischen Revolution spielt, mit der ich mich bisher nicht näher auseinandergesetzt hatte.
Als Kāveh und sein Bruder Ābtin noch kleine Kinder sind, wird ihr Vater Sohrāb, ein politischer Aktivist, verhaftet und für viele Jahre im Evin-Gefängnis inhaftiert, bevor er willkürlich hingerichtet wird. Das Buch beginnt mit dem Tod des Vaters und erzählt in Rückblicken vom Leben und der Liebe der Eltern, der Hoffnung und den Idealen, die anfänglich mit der Revolution verbunden waren, und der tiefen Verbundenheit der beiden Brüder mit ihrem Vater. Gleichzeitig schildert der Autor, wie Tārā, die Mutter und Ehefrau, nach der Inhaftierung und späteren Hinrichtung ihres Mannes Stärke zeigt trotz aller Widrigkeiten, für ihre Söhne kämpft und sich nicht vereinnahmen lässt. Die ständige Unsicherheit, die Willkür des Regimes, die Besuche im Gefängnis nach Gutdünken erlaubt oder streicht, die Ungewissheit, was mit Sohrāb passiert ist und wo sein Leichnam verblieben ist – all das ist zermürbend für die Familie. Und doch finden die beiden Brüder Halt in ganz unterschiedlichen Dingen: Kāveh entdeckt seine Liebe zu Büchern und Ābtin zur Natur.
Ganz besonders bleibt mir Aidin Halimis Schreibstil im Gedächtnis:Eer schreibt leise, teilweise poetisch, und gleichzeitig sprachgewaltig, bildlich und kraftvoll. Hierdurch bekommt das Buch eine ganz außergewöhnliche, sehr berührende Atmosphäre. Man spürt die große Liebe Halimis zu den Figuren, ihren Idealen und ihrer Kultur.
Mich hat „In den Flügeln das Licht“ sehr berührt und ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen.
𝑫𝒊𝒆 𝒛𝒂𝒓𝒕𝒆 𝑩𝒆𝒉𝒂𝒓𝒓𝒍𝒊𝒄𝒉𝒌𝒆𝒊𝒕 𝒅𝒆𝒔 𝑬𝒓𝒊𝒏𝒏𝒆𝒓𝒏𝒔
Manchmal beginnt ein Roman nicht mit einem Ereignis, sondern mit einer Verschiebung. Etwas, das zunächst kaum sichtbar ist, sich aber nicht mehr rückgängig machen lässt. In In den Flügeln das Licht ist es das Verschwinden des Vaters – ein Moment, der nicht laut inszeniert wird, sondern sich in den Alltag einschreibt, in die Blicke, in die Unsicherheit, in das, was plötzlich nicht mehr gesagt werden kann.
Aidin Halimi erzählt diese Geschichte aus der Perspektive eines Kindes, und vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft dieses Debüts. Kāveh wächst im Iran der Revolution auf, in einem Land, das von politischen Umbrüchen geprägt ist, von Gewalt, Kontrolle und Angst. Doch all das erscheint hier nicht als historischer Hintergrund im klassischen Sinn, sondern als etwas, das sich unmittelbar im Leben der Figuren niederschlägt.
Der Vater, ein Oppositioneller, wird verhaftet, verschwindet im Evin-Gefängnis – ein Ort, der mehr ist als ein Schauplatz, vielmehr ein Symbol für das, was nicht greifbar ist und doch alles bestimmt. Die Mutter bleibt zurück, hält den Alltag zusammen, so gut es geht. Mit den beiden Söhnen zieht sie aus Teheran fort, in das Haus der Großeltern am Rand eines Berges. Es ist ein Rückzug – und zugleich der Versuch, einen Raum zu schaffen, in dem so etwas wie Leben weiter möglich ist.
Was Halimi hier entfaltet, ist keine spektakuläre Handlung, sondern ein Geflecht aus Momenten. Kāveh findet Zuflucht in der Buchhandlung von Frau Medādi, sein jüngerer Bruder im Garten. Diese Orte sind mehr als Kulissen – sie sind Gegenräume zur politischen Realität, kleine Inseln, auf denen sich etwas bewahren lässt.
Besonders eindrücklich ist, wie konsequent der Roman bei seiner Perspektive bleibt. Die Welt erscheint durch die Wahrnehmung eines Kindes, und das bedeutet: Sie ist bruchstückhaft, manchmal unverständlich, oft widersprüchlich. Große politische Zusammenhänge werden nicht erklärt, sondern nur in ihren Auswirkungen spürbar. Gerade dadurch gewinnen sie an Gewicht.
Die Figuren sind dabei mit einer stillen Empathie gezeichnet. Die Mutter, die versucht, Stärke zu zeigen, ohne ihre Verletzlichkeit ganz verbergen zu können. Der Bruder, der eigene Wege findet, mit der Situation umzugehen. Und die vielen Nebenfiguren – Freunde, Nachbarn, Menschen am Rand dieses Lebens –, die dem Roman eine bemerkenswerte Dichte verleihen.
Was mich beim Lesen besonders berührt hat, ist die Art, wie Halimi Nähe beschreibt. Sie entsteht nicht in großen Gesten, sondern in kleinen Bewegungen: in Gesprächen, in gemeinsam verbrachter Zeit, in der stillen Gewissheit, dass jemand da ist. Diese Form von Nähe wirkt fast unscheinbar – und erweist sich doch als das, was trägt.
Auch die Sprache folgt dieser Haltung. Sie ist klar, zurückhaltend, ohne jede Überhöhung. Und gerade darin liegt ihre Wirkung. Halimi verzichtet auf Pathos, auf große Bilder – und erreicht dadurch eine Unmittelbarkeit, die selten ist. Man ist den Figuren nah, ohne dass diese Nähe je aufdringlich würde.
Dabei ist spürbar, dass vieles in diesem Roman autobiografisch grundiert ist. Doch Halimi nutzt diese Nähe nicht, um Authentizität auszustellen, sondern um eine Geschichte zu erzählen, die über das Persönliche hinausweist. Es geht nicht nur um ein individuelles Schicksal, sondern um eine Erfahrung, die viele teilen – die Erfahrung von Verlust, von Unsicherheit, von einem Leben unter Bedingungen, die sich nicht beeinflussen lassen.
Der Kernsatz dieses Romans liegt für mich in der leisen, aber klaren Erkenntnis: Dass selbst unter den Bedingungen von Angst und Verlust eine Form von Menschlichkeit bestehen bleibt, die sich nicht vollständig zerstören lässt.
Am Ende ist nichts gelöst. Die Geschichte findet keinen Abschluss im klassischen Sinn, und vielleicht wäre das auch falsch. Was bleibt, ist etwas anderes: ein Eindruck von Beharrlichkeit, von einem Weitergehen trotz allem.
Dieser Roman drängt sich nicht auf. Er erzählt ruhig, beinahe zurückgenommen – und genau darin entfaltet er seine Wirkung.
Man verlässt ihn nicht erschüttert im großen Sinn, sondern verändert in einem stilleren, vielleicht nachhaltigeren.
Der Roman „In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi spielt in den 80er Jahren, zur Zeit der islamischen Revolution. Der Autor erzählt von den Grausamkeiten des Regimes, von Angst, aber auch von Hoffnung.
Kāveh und sein Bruder Ābtin sind noch klein, als ihr Vater Sohrāb, ein Oppositioneller, verhaftet wird.
Ihre Mutter Tārā muss von nun an den Alltag meistern, das Geld ist knapp, die Angst allgegenwärtig. Die Familie zieht zu den Großeltern in ein Haus am Rande eines Berges. Kāveh findet Halt in der Liebe zu Büchern, Ābtin mag keine Buchstaben, er findet Zerstreuung in der Natur. Nur selten dürfen sie den Vater im Gefängnis besuchen, wo er nach Jahren hingerichtet wird. Sein Leichnam verschwindet in einem Massengrab.
„Die Bitterkeit der Erkenntnis aller Erkenntnisse schmeckte seltsam süßlich. Sohrāb hätte sich die Ankunft des Todes spektakulärer vorgestellt. Auffällig und laut. Aber der Tod war viel banaler. Er lag zwischen zwei Atemzügen, zwischen zwei Schritten oder hinter einem Augenblinzeln. Und zwar schon immer, und er hatte ihn nicht gesehen. Wie unbedeutend der Tod doch daherkam! Wie langweilig!“
Der leise, aber sehr eindringliche Schreibstil des Autors machen die Traumata der Menschen sehr nahbar. Die Hoffnung, die sie damals hatten, die aber schnell ernüchtert wurde.
Die Grausamkeiten des Regimes sind schwer zu ertragen beim Lesen; und doch gaben die Menschen nicht auf, sie hofften und hoffen weiterhin auf ein besseres, freies Leben.
„Wie viele Schmerzen kann ein Mensch ertragen, um keine Informationen preiszugeben, und wie viele Informationen kann ein Mensch verraten, um Schmerzen zu vermeiden?
Die Erinnerungen wagten einen unmöglichen Sprung in die Zukunft. Es war keine Vorstellung, wie die Zukunft sein wird, sondern die Gewissheit, sie miterlebt zu haben.“
Aidin Halimi hat in seinem autofikionalen Roman eine persönliche Familiengeschichte mit der politischen Geschichte des Irans verwoben.
„Fiktion ist, wenn ich mir eine Welt ausdenke. Dabei kann ich auf die Wirklichkeit ganz verzichten oder sie nur teilweise berücksichtigen. Aber um ehrlich zu sein, kann sich niemand eine Welt ausdenken, die rein gar nichts mit der eigentlichen Welt zu tun hat. Ich nehme mir die Welt, wie ich sie durch meine Erfahrungen und Erkenntnisse sehe als Vorlage für die Welt, die ich mir ausdenke. In der Fiktion bereichere ich die wirkliche Welt mit meiner Vorstellungskraft. Ich stelle mir die Frage: Wie könnte die Welt noch aussehen? Wenn wir beim Bild der Wahrheit bleiben, ist Fiktion wie ein Gemälde der Wirklichkeit, das ich nach meinen eigenen Vorstellungen verändere. Ich kann Farben neu mischen, Linien verschieben, neue Details hinzufügen oder Bekanntes ausblenden oder stärker in den Vordergrund rücken. In einer fiktiven Welt gilt die Freiheit deiner Vorstellungskraft.“
„In den Flügeln das Licht“ ist ein leiser, sehr berührender Roman, der den vielen Opfern des autoritären Regimes eine Geschichte gibt.
Vielen Dank an den Gutkind Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚
Caroline A, Rezensent*in
Tolle Sprache und sehr bewegende Figuren. Ich freue mich, dass diese Geschichten aus der iranischen Gesellschaft und Diaspora endlich einen breiteren Zugang finden und Einzug in die deutsche literarische Landschaft erhalten. Danke an den Sitze und Verlag für diese Sichtbarkeit und die stellvertretende Erzählung des Schicksals vieler.
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