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Renata wasweißich
Roman
von Catherine Guérard
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Erscheinungstermin 27.05.2026 | Archivierungsdatum 26.07.2026
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Zum Inhalt
Eines Morgens wird Renata von einem unbändigen Freiheitsdrang erfasst: Sie kündigt ihre Stelle als Hausmädchen, setzt sich auf die Parkbank zu den Vögeln, lässt den Alltag vorbeistreifen. Und sie entfernt sich aus dem Korsett der Stadt und ihrer Beziehungen. Ein Handschuhverkäufer, ein Busfahrer, ein Zeitungsjunge – alle, die in ihren Weg geraten, fegt sie davon. Wer nach Befreiung strebt, dem wird das gewohnte Leben fremd. »Renata wasweißich« von Catherine Guérard ist ein radikaler Klassiker von 1967 und ein waghalsiges Kunststück über den gesellschaftlichen Preis der Unabhängigkeit.
»Schrill wie ein Schrei in der Nacht, ergreifend wie ein Abschied, ein innerer und wandernder Monolog.« Jérôme Garcin, Le Nouvel Obs
Eines Morgens wird Renata von einem unbändigen Freiheitsdrang erfasst: Sie kündigt ihre Stelle als Hausmädchen, setzt sich auf die Parkbank zu den Vögeln, lässt den Alltag vorbeistreifen. Und sie...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783103976540 |
| PREIS | 25,00 € (EUR) |
| SEITEN | 224 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Catherine Guérards namenlose Icherzählerin arbeitet in Paris als Hausmädchen. Als sie beschließt, zukünftig frei von Regeln, Pflichten und Konventionen zu leben, reagiert ihre Arbeitgeberin ungehalten: „Madame, das geht nicht, wovon wollen Sie leben?“ Die Frau will vor allem frei von neugierigen Fragen sein, packt die ihr wichtigen Dinge in vier Kartons und lebt zunächst auf Parkbänken. Schnell zeigt sich, dass sie in diesem Lebensstil nicht ohne Fragen Fremder leben kann – und dass Menschen, die ihren Weg kreuzen, offenbar keine idealen Berufe gefunden haben. Die Frau findet ihren Lebensstil an frischer Luft dagegen ideal und nimmt schließlich den Namen einer Hotelangestellten an: Renata. Während ihrer Odyssee durch die Großstadt erfährt Renata, dass andere Menschen in ihren Fragen und Hilfsangeboten aufdringlich sein können. Die einzige Person, die ihr zuhört, ihr nichts aufdrängt und nur das Problem löst, das sie selbst formuliert, ist ein Verkäufer. Äußerst liebenswürdig konstruiert er ihr an ihrem Karton-Set einen wassergefüllten Platz für die Rose, die sie sich selbst geschenkt hat.
Fazit
Renata tritt als weiblicher Bartleby auf und möchte frei von jeglicher einschränkenden Regel leben. Behindert wirkt sie jedoch durch ihre Kartons, die sie immer wieder vor Regen zu schützen versucht. Verfasst in langen Konstruktionen aus „… und …“-Sätzen ist das 1967 erstmals erschienene „Renata n'importe quoi“ ein verblüffend weitsichtiger früher Beitrag zum menschenwürdigen Leben in Großstädten ohne Konsumzwang z. B. in Cafés. Man könnte beinahe annehmen, Renata hätte Anne Hidalgo in Paris und Ada Colau in Barcelona als Beraterin zur begrünten Stadtentwicklung zur Seite gestanden.
Der Roman, fühlt sich an wie ein Riss im Alltag. Ein Moment, in dem eine Frau plötzlich innehält, die Luft anhält und dann einfach losläuft, ohne sich umzudrehen. Catherine Guérard erzählt Renatas Befreiung nicht als heroischen Aufbruch, sondern als stille, fast trotzig-poetische Geste. Eine Frau, die jahrzehntelang unsichtbar war, steht eines Morgens auf und entscheidet, dass sie nicht mehr funktionieren will. Dieser Impuls wirkt radikal, aber auch zutiefst menschlich. Was mich besonders fasziniert hat, ist die Art, wie Renata durch die Stadt streift. Nicht als Rebellin, sondern als jemand, der sich selbst neu ertastet. Die Begegnungen mit dem Handschuhverkäufer, dem Busfahrer, dem Zeitungsjungen sind wie kleine Kollisionen. Renata fegt sie nicht aus Bosheit aus ihrem Weg, sondern weil sie plötzlich nicht mehr bereit ist, sich klein zu machen. Ihr Freiheitsdrang ist roh, ungeschliffen, manchmal rücksichtslos, aber immer ehrlich. Der Roman zeigt, wie befremdlich die Welt wird, wenn man sich aus ihrem Korsett löst. Freiheit klingt verlockend, doch Catherine Guérard macht spürbar, dass sie auch Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und den Verlust von Zugehörigkeit bedeutet. Renata wird fremd in ihrem eigenen Leben und gerade darin liegt die Kraft des Textes. Für mich ein waghalsiges, zeitloses Buch über den Preis der Unabhängigkeit. Ein literarischer Befreiungsschlag, der nicht erklärt, sondern spürbar macht, wie es ist, wenn eine Frau endlich aufhört, sich selbst zu verleugnen.
"Meine Tage gehören mir, warum soll ich sie irgendwem anders geben [...]"
Renata wird eines Tages plötzlich von einem unerklärlichen Freiheitsdrang eingenommen. Daraufhin kündigt sie ihre Stelle als Hausmädchen, packt ihr Hab und Gut in ein paar Pakete und entflieht allem. Sie will nur auf der Parkbank sitzen und ihre Umwelt beobachten - alle Leute, die sie daran hindern wollen, findet sich super ätzend und nervig. Die Menschen wollen ihr helfen und Renata ringt ständig mit sich - wenn man ein freier Mensch sein will, ist man nicht auch dadurch begrenzt, immer frei sein zu müssen?
Ich finde das Konzept des Buches total spannend. Renata wirkt teilweise naiv, teilweise besessen und teilweise vernünftig. Sie hat viele kluge Sachen gesagt, ich habe mir einiges markiert. Die Personen um sie herum sind eigentlich alle freundlich und hilfsbereit und irgendwie ist das genau das, was sie nicht ertragen kann.
Womit ich allerdings größere Probleme hatte, war allerdings der Schreibstil. Es ist wie ein sehr langer, ununterbrochener Monolog geschrieben. Keine Punkte, nur Kommata und Kommata. Für mich war das sehr anstrengend zu lesen, weil so kein Lesefluss für mich aufgekommen bin. Inhaltlich bin ich also locker bei 4 Sternen, aber da ich mich auch ein wenig durch die (wenigen) Seiten quälen musste, reicht es am Ende für gute 3,5 Sterne.
Ein literarisch sehr anspruchsvolles und cleveres Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehle, wenn man auch für herausfordernde Schreibstile zu begeistern ist.