Komm mit mir
von Samuel W. Gailey
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Erscheinungstermin 20.04.2026 | Archivierungsdatum 19.04.2026
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Zum Inhalt
Pastor Cap hat einen Kater. Er verlässt seine Kirche und sieht draußen eine Schar Krähen. Als er versucht, sie zu verscheuchen, entdeckt er, was sie verdecken: eine blutige Leiche. Fünfzehn Tage...
Eine Anmerkung des Verlags
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Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Hardcover |
| ISBN | 9783910918467 |
| PREIS | 26,00 € (EUR) |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Marina B, Buchhändler*in
Seit jeher waren es immer Geschichten und Figuren voller Dunkelheit, die mich am meisten begeistern konnten. Zum Teil weil es diese Dunkelheit ist, die das Leben erst so richtig interessant macht. Zum Teil aber auch, weil ein Licht - und sei es noch so klein - in der Dunkelheit umso heller zu strahlen vermag.
"Komm mit mir" ist so eine Geschichte voller Dunkelheit. Die Figuren haben mich in ihrer brutalen Unperfektheit, in ihrer Gebrochenheit tief berührt. Ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen und habe es in nur zwei Tagen verschlungen. "Komm mit mir" hat seine Krallen in mich geschlagen und nicht losgelassen.
Und bitte lassen Sie sich nicht von der Beschriftung auf dem Cover in die Irre führen. Eine Leiche ist in meinen Augen das einzige, was dieses Buch mit einem Kriminalroman gemein hat. Es ist eher ein Gesellschaftsdrama. Ein Kleinstadt-Kaleidoskop. Eine Studie gleichermaßen über menschliche Abgründe wie über Hoffnung.
"Komm mit mir" ist definitiv kein leichtes Buch, aber ich kann versprechen, dass es am Ende umso wohltuender ist zurück ins Licht zu treten. Denn es gibt ein Happy End. Ob verdient oder nicht, müssen Sie allerdings selbst entscheiden.
Diese Rezension erscheint am 26.4. unter https://unserebuchhandlung.de/buchtipps/romane/vom-licht-der-dunkelheit
Cap wollte nie seinem Vater als Pastor der Black Walnut Presbyterian Church in Pennsylvania nachfolgen. Doch nach dem Unfall, bei dem seine Mutter und sein Bruder Max starben, gab er seinen Widerstand auf und zog wieder in sein ehemaliges Kinderzimmer. Noch immer fühlt er sich nicht als Priester dieser Kirche, sie bleibt die Wirkungsstätte seines Vaters, und Cap flüchtet sich in Schreinerarbeiten. Als er in einer ungewöhnlich kalten Osterwoche am frühen Morgen eine Leiche auf dem Gelände des Pfarrhauses entdeckt, ziehen die Ereignisse der vergangenen 14 Tage an ihm vorbei. Alles begann mit dem Tod Teddie Salsmans durch Fahrerflucht. Cap schuldete seinem Kameraden aus alten Zeiten noch etwas und ließ ihm einen würdigen Abschied in der Kirche zukommen. Als Cap bei einem Unfall die junge Tess in letzter Minute vor dem Absturz in die Schlucht retten kann, muss er feststellen, dass die Gerettete gehörlos ist und per Schreibblock mit ihm kommuniziert. Dass Tess nicht hören kann, hätte sie beinahe das Leben kostet. Cap, ein einsamer Hagestolz, der als Kind wegen seiner Lippen-Gaumen-Spalte verhöhnt wurde, reagiert zunehmend beunruhigt darauf, dass die verängstigt wirkende Tess niemanden benachrichtigen will und offensichtlich bei ihm Schutz sucht. Cap einen Schritt voraus sind stets Gaileys Leser:innen, die Tess‘ Alpträume verfolgen können, in denen sie vor der Gewalt eines Manns in Blau flieht.
In Walnut Cove bricht derweil über mehrere Paare die Midlife-Krise herein. Maggie und Wade vom Agways Hardware- und Futtermittel-Store stehen kurz vor der Trennung, ihr Sohn Butch als Mobbingopfer der nächsten Generation braucht offenbar dringend Hilfe – und auch Maggies Schwester Robin will nach 10 Jahren Ehe und drei Kindern nur noch ihre Ruhe vor dem gewalttätigen Chuck. Aufgrund eigener Gewalterfahrung liest zuerst Robin Tess‘ Verletzungen zutreffend als Spuren von Gewalt. Im Ort brodeln derweil Gerüchte über Caps neue Freundin, man hat ja sonst nichts zu besprechen. Den Waschsalon betreibt übrigens immer noch der geistig behinderte Danny, den wir aus „Tiefer Winter“ kennen.
Fazit
Samuel W. Gailey beginnt mit dem Blick auf Cap, den Pastor wider Willen, von dem der Autor herauszoomt auf Caps Gemeinde, in der die Figuren als Co-Abhängige ihre Kinder und Partner vergeblich vor Gewalt und Bloßstellung zu schützen versuchen. Rückblenden erzählen die Vorgeschichten von Cap, Tess, Maggie und Butch, so dass man sich fragen könnte, ob es überhaupt um den Toten vor dem Pfarrhaus geht oder um Walnut Grove an sich, wo Männer zu viel trinken und Waffen zu leicht zugänglich sind. Schließlich bläst die todkranke Frau des Sheriffs Lester Cap den Marsch und die verschwiegenen Beziehungen zwischen den Figuren liegen auf dem Tisch. Eine hörbehinderte Figur die den traumatisierten Cap therapiert und zugleich selbst Therapie benötigt, Männer, die ihre Impulse nicht steuern können, Vater-Sohn-Konflikte und vieles mehr ergeben hier einen sehr schwarzen, sehr deprimierenden Roman, der durch die liebevolle Zeichnung seiner Figuren versöhnen kann.