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Buchcover für Bambino

Bambino

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Erscheinungstermin 21.01.2026 | Archivierungsdatum N/A


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Zum Inhalt

Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.

Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783257073522
PREIS 25,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

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Triest 1920 - 1946

Der Icherzähler Mattia war noch ein Kind in Triest, als seine vermeintliche Mutter ihm sagt, das er nicht ihr Kind ist.
Orientierungslos und ohne klare Identität gerät er mit 20 zu den Schwarzhemden. Dort wird er Bambino genannt und findet Zugehörigkeit und bleibt doch ein Außenseiter.
Aufgrund seiner Gewalttätigkeit steigt er in der Gruppe auf.
Mattia ist wahrlich kein Sympathieträger, doch der Autor gestaltet die Figur so, das man nah an ihr dran ist. Umso härter wirken seine Taten, z,B. die Denunziationen in der Zeit der deutschen Besatzung.
Dann folgt 1945 der Einmarsch der jugoslawischen Partisanen. Der Roman zeigt den historischen Wandel in dichter Form.

Kennzeichnend für den Roman ist die fast sinnliche  Wahrnehmung der Stadt Triest, aber auch die Schrecken der Zeit. Immer wieder wird Mattias moralischer Kompass geprüft und immer wieder versagt er.

Marco Balzano hat hier sein vielleicht härtestes Buch geschrieben. Man fühlt sich nach dem Lesen wie benommen.

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Ein Roman, der keine Schonung kennt
Ein harter, eindringlicher Roman über Gewalt, Identität und Geschichte.

Triest nach dem Ersten Weltkrieg ist ein Ort voller Brüche. Grenzen verschieben sich, alte Gewissheiten lösen sich auf, Gewalt liegt in der Luft. In diese Stadt stellt Marco Balzano eine Figur, die schwer auszuhalten ist und genau deshalb lange nachwirkt.
Mattia, von allen nur Bambino genannt, ist jung, brutal und schon früh Teil der faschistischen Bewegung. Sein Spitzname täuscht, denn hinter dem jungen Gesicht steckt eine erschreckende Härte. Gewalt wird für ihn zur Sprache, Macht zum Halt. Auffällig ist die Kälte seines Handelns und die Leere, die ihn antreibt. Entschuldigungen gibt es keine, nur Gründe.
Die Geschichte entfaltet sich schnell und konzentriert. Szenen wechseln abrupt, fast atemlos. Immer wieder blitzen Hinweise auf Mattias’ Herkunft auf, auf das Schweigen des Vaters, auf die fehlende Mutter. Diese Suche zieht sich sanft durch den Roman und gibt der Figur eine zusätzliche Tiefe. Es geht nicht um Rechtfertigung, sondern um Verletzungen, die nie ausgesprochen wurden und sich in Gewalt verwandeln.
Besonders eindrücklich ist der Umgang mit Geschichte. Krieg, Faschismus, Besatzung und Schuld werden nicht erklärt oder eingeordnet. Sie sind einfach da, roh und unausweichlich. Triest wird zu einem Schauplatz, an dem sichtbar wird, wie schnell Täterrollen entstehen und wie flüchtig jede Form von Macht ist. Vieles bleibt bewusst offen.
Die Sprache ist klar, hart und schnörkellos. Gefühle werden nicht ausformuliert, sondern entstehen zwischen den Zeilen. Gerade dadurch wirkt vieles beklemmend nah. Bambino bleibt eine Figur, die abstößt und zugleich fesselt, weil sie nicht vereinfacht wird. Am Ende steht kein Trost, keine Erlösung, sondern die Erkenntnis, dass Geschichte Menschen formt und verformt und dass Schuld selten eindeutig beginnt.
Dieses Buch hinterlässt Unruhe. Es zwingt dazu, länger darüber nachzudenken, wie aus Orientierungslosigkeit Überzeugung wird und wie leicht Gewalt zur Identität werden kann. Ein Roman, der nicht gefallen will, sondern etwas offenlegt.
Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die literarische Romane schätzen, die fordern, verstören und lange nachwirken.

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Zum Inhalt:
Mattia ist einer der ersten Faschisten und das aus Überzeugung. Weil er so jugendlich aussieht, wird er Bambino genannt, aber ein Bambino ist er wahrlich nicht, denn er ist brutal und bald haben alle Angst vor ihm. Als seine Mutter stirbt, verrät sie ihm vorher noch, dass sie nicht seine Mutter ist. Der Vater ist nicht bereit, dass zuzugeben oder gar einen Namen zu nennen. Als der Krieg ausbricht muss Mattia feststellen, dass die Gewinner von einst nun die Verlierer sind und sein Leben nimmt eine ganz neue Wendung.
Meine Meinung:
Ich hatte wenig Ahnung von der Zeit des Faschismus in Italien oder der zeit danach und natürlich ist dies ein Roman und kein Sachbuch, aber ich hatte das Gefühl, dass die Zeit sehr gut rübergebracht wurde und auch die Zeit, die danach kam. Auch die Zerrissenheit von Mattia fand ich spürbar. Einerseits die Suche nach der Mutter, anderseits zunächst sein Dasein als Faschist, dem irgendwann die Grundlage entzogen wurde und er dadurch in Gefahr gerät, aber auch sein komplettes Leben in neue Bahnen lenken musste, war ungeheuer interessant zu lesen. Die zeitweise schon sehr schwierige Beziehung zum Vater fand ich extrem gut erzählt, auch dass gerade der Vater dann derjenige ist, der Mattia zu mindestens für eine Weile rettet, hat mir gefallen. Ich fand das Buch sehr gut und faszinierend geschrieben und habe die Lektüre genossen.
Fazit:
Hat mir gut gefallen

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Wie moralisch sind wir, wenn es um unser Überleben geht?

Der Autor stellt zwei gegensätzliche Figuren einander gegenüber:
eine ethisch gefestigte, moralische Person, die lieber Gewalt erduldet und alles verliert, als auf die dunkle Seite zu wechseln – und eine instabile Persönlichkeit, die um jeden Preis dazugehören will, zu den Gewinnern zählen möchte, um sich ein angenehmes Leben zu sichern.

Im Mittelpunkt steht ein Protagonist, der sich zunehmend im Hass verliert. Sein bedingungsloser Wunsch, dazuzugehören und zu den Gewinnern zu zählen, führt ihn direkt in den Faschismus. Ohne familiäre Zugehörigkeit und moralische Ideale ist sein Weg von Gewaltexzessen gepflastert.

Erst viel zu spät – und erst durch seine Erlebnisse an der Front – gelangt er zu der Einsicht, dass Hass und Gewalt schlechte Ratgeber sind. Er wendet sich vom Faschismus ab, doch seine Vergangenheit und die Gewalt holen ihn immer wieder ein.

Immer wieder muss er sich entscheiden: Moral oder Überleben?
Er wählt das Überleben – und wird erneut Teil des Systems aus Denunziation und Gewalt. Besonders bitter: Am Ende erfährt er selbst, was er so vielen anderen angetan hat.

Fazit:
Es ist eine Geschichte, die zahlreiche historische Elemente aufgreift, ohne diese in den Vordergrund zu stellen. Vielmehr zeigt der Autor, wie sich fehlende Werte und Moral auf einen Menschen auswirken, wie sich Fronten verschieben und wie Angst und existenzielle Nöte unsere Entscheidungen beeinflussen.

Wie handeln wir, wenn unser eigenes Leben in Gefahr ist?
Entscheiden wir uns für Moral und ethische Prinzipien – oder für die eigene Haut?

Dabei bezieht der Autor selbst keine Stellung, er wertet nicht sondern überlässt die Interpretation dem Leser. Genau daraus entsteht – zumindest bei mir – eine intensive innere Auseinandersetzung mit der Frage, wie moralisch gefestigt man selbst eigentlich ist.

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Schwierig. Zuerst wollte ich 3 Sterne vergeben.
Die Idee, mal etwas aus der Sicht eines Faschisten der ersten Stunde zu lesen, fand ich spannend. Was hat die Menschen zu solchen Ideologien getrieben, was waren die Beweggründe und Motivationen? Vom Faschismus in Italien habe ich bislang nicht so viel gewusst, in dem Punkt war die Geschichte sehr aufschlussreich.
Mattia bzw. Bambino hat nur wenig Motivation. Er passt sich seiner Umgebung an, Feinde werden zu Freunden werden zu Feinden. Er wird nie wirklich erwachsen, hat keine Integrität und ist im Grunde bloss Mitläufer. Als Hauptcharakter fand ich ihn sehr mühsam. Nicht, dass ich mit ihm sympathisieren möchte und wahrscheinlich ist er mit Absicht so geschrieben. Für mich hat das nicht funktioniert.

Doch nachdem ich nach dem Lesen eine Weile in Gedanken bei dem Buch gewesen bin, sind es doch 4 Sterne. Es ist einfach etwas an dem Buch, an der Geschichte, die einen reinzieht und nicht loslässt. DIe Grausamkeiten, die von vielen verschiedenen Seiten ausgehen, die in ihren Augen alle berechtigt sind, die Rache und Vergeltung in diesem Buch nehmen einen sehr mit. Vielleicht möchte man sich danach mit etwas leichterem beschäftigen.

4 stars
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Dieser Roman lässt einen nicht leicht los. Zum einen hat man es mit einem Protagonisten zu tun, der alles andere als ein Sympathieträger ist und man bekommt alles aus seiner Perspektive (Ich-Perspektive) erzählt. Zum anderen schreibt der Autor bildhaft, verschwendet keine Zeit und zieht einen durch diese zwanzig Jahre mit - das ist wirklich richtig gut gelungen. Ich finde es außerdem sehr spannend, die Zeit 1920-1945 aus der italienischen Perspektive zu betrachten: das Aufkommen des Faschismus in Italien, die Ressentiments gegen Slowenen und Kroaten etc. Ein Satz, der mir aus dem Buch in Erinnerung geblieben ist, trifft es gut: "Jeder markiert seine Grenzen mit dem Blut des anderen."
Manchmal war es mir ein wenig zu unglaubwürdig, wie genau der Protagonist sich selbst analysiert, deswegen ein Stern Abzug. Ansonsten absolut empfehlenswertes Eintauchen in ein apokalyptisches Triest.

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Mit seinem neuen Roman Bambino, greift Marco Balzano schonungslos ein historisch belastetes Thema auf. Wie erinnert sich eine Gesellschaft an eine von Krieg gezeichnten Zeit und welche Identität fühlt sich der Einzelne während und auch nach dem Krieg zugehörig. Bambino ist ein junger Mann, der sich mit Gewalt auf die Suche nach seiner Mutter macht und erleben muss, wie sich das Böse am Ende gegen ihn wendet.
Der Roman ist in vier Abschnitte unterteilt, die den Lebensabschnitten des Protagonisten Mattia Gregori entsprechen, der von den faschistischen Soldaten wegen seines unbehaarten Gesichts den Spitznamen "Bambino" erhielt. Durch die Enthüllung von Tella, der Lebensgefährtin seines Vaters, erfährt er, dass sie nicht seine richtige Mutter ist: Von da an beginnt seine unruhige Suche nach der Wahrheit, die ihn dazu zwingt, sich in die Reihen jener Männer einzureihen, die die Stadt Triest von allen Nicht-Italienern befreien will.
Obwohl sich Mattia im schwarzen Hemd wohl zu fühlen scheint, entwickelt er sich im Laufe der (Kriegs-)Ereignisse weiter und entwickelt eine zynische Weltanschauung. die es ihm ohne Gewissensbisse erlaubt, Gewalt anzuwenden. Mattia selbst ist slowenischer Herkunft, aber im Roman ist er gezwungen zu lügen, um seinen Vater zu schützen, einen antifaschistischen Uhrmacher, der seinen Sohn nicht verleugnet, obwohl er Hass sät.
Mit sehr eindrucksvollen, teils erschreckender Bilder baut Marco Balzano seinen Roman auf, in dem gelungenen Versuch das kulturelle Gedächtnis von Triest, ja der gesamten Region zu bewahren. Seine Figuren, auch wenn es auch nicht immer Hauptcharaktere der Erzählung sind, ermöglichen es, dieses Gedächtnis zu bewahren und (in Form des Romans) weiter zu geben.
Für Leserinnen und Leser italienischer Gesichte ein MUSS, Achtung, nicht für schwache Nerven geeignet. Absolute Leseempfehlung.

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4 stars

Die Zeit vor und während des zweiten Weltkrieges aus der Sicht eines jungen Schwarzhemden in Triest. Bambino wird er aufgrund seines Aussehens genannt, handelt aber unglaublich grausam. Und doch spürt der Leser seine Menschlichkeit und Verletzlichkeit.

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Stilistisch ist „Bambino“ präzise, dokumentiert und akribisch recherchiert. Manche Leser*innen mögen bemängeln, dass die Handlung stellenweise nicht an Fahrt aufnimmt, doch diese Nüchternheit passt zur Geschichte: Sie unterstreicht die bleierne Schwere einer Zeit, in der Moral und Menschlichkeit Stück für Stück zerfallen.
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„Bambino“ ist kein leichtes Buch, aber ein notwendiges. Es ist spannend, traurig und grausam, hinterlässt Bitterkeit und Nachhall. Vor allem aber fordert es dazu auf, über Identität, Verantwortung und die menschliche Natur nachzudenken – und darüber, was geschieht, wenn wir unsere Denkfähigkeit nicht nutzen, um menschlich zu handeln. Ein großartiger, eindringlicher Roman, der gelesen werden sollte.
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Aus dem Italienischen von Peter Klöss.

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BAMBINO von MARCO BALZANO, erschienen im Diogenes Verlag, 256 Seiten (Printausgabe), erschienen am 21. Januar 2026, aus dem Italienischen von Peter Klöss

✨ Große Leseempfehlung ✨

Autorenportrait:
Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Mit seinem Roman ›Das Leben wartet nicht‹ gewann er den Premio Campiello. Mit ›Ich bleibe hier‹ war er nominiert für den Premio Strega, in Italien und im deutschsprachigen Raum war das Buch ein großer Bestseller. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.

Übersetzer:
Peter Klöss, geboren 1962, lebt in Köln. Er übersetzt seit mehr als dreißig Jahren Romane und Sachbücher aus dem Italienischen und Englischen, darunter Raffaella Romagnolo, Michele Serra, Carlo Lucarelli und Suzanne Collins.

Mein Leseeindruck:
Triest im Jahre 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde, aufgrund seines schmächtigen Aussehens nennt man ihn Bambino, doch seine Schläge und seine Aggressivität sind gefürchtet. Immer für ihn da sein Vater, der Uhrmacher und Antifaschist, ihm aber nicht verraten will, wer seine leibliche Mutter ist, etwa eine Slowenin oder doch eine Kroatin? Diese Frage quält den jungen Mann und er geht auf die Suche, fühlt sich verloren, mutmaßt, verdächtigt, die Wut in ihm wird immer größer, gegen sich, gegen andere. Irgendwann wendet sich das Blatt für ihn im Zuge des zweiten Weltkrieges. - Faszinierend erzählt Balzano anhand einer fiktiven Figur, die er eng mit länderübergreifenden, historischen Ereignissen verknüpft. Lässt den Leser mit gutem Gespür in die Geschichte eintauchen, mitleiden, in die Zeit, den Mensch Mattia, das Land Italien und dessen Peripherie. Lebendig, soghaft, klug. Das Zusammenspiel von Cover, Struktur und Übersetzung finde ich äußerst geglückt.

Fazit: Große Empfehlung für dieses Buch, unbedingt lesen!

5 stars
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„Bambino“ ist ein düsteres, unbequemes Buch über Zugehörigkeit, Gewalt und die fatalen Wege, die Menschen einschlagen, wenn Leere nach Sinn schreit. Marco Balzano erzählt von einem Jungen, der Halt sucht und ihn ausgerechnet dort findet, wo Ideologie Stärke verspricht und Menschlichkeit verloren geht.

Was bleibt, ist dieses beklemmende Gefühl: wie leicht sich persönliche Verletzungen mit politischer Radikalität verschränken. Nichts wird entschuldigt, nichts beschönigt. Die Sprache ist knapp, kühl, fast schon gnadenlos – und genau deshalb so wirksam. Gleichzeitig sehr lehrreich!

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Mattia, geboren 1900 in Triest als Sohn eines Uhrmachers, ist schon früh ein Außenseiter. Er schwänzt die Schule und kann wenig mit anderen Menschen anfangen. Als seine Mutter ihm kurz vor ihrem Tod eröffnet, dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist, sein Vater ihm aber nicht verraten möchte, wer ihn geboren hat, entwickelt sich die Suche nach seiner Mutter zu einer Obsession. Er ist gekränkt, entwickelt eine immer größer werdende Wut auf seine Mitmenschen und lebt diese in Gewaltexzessen aus. Bald schließt Mattia sich den faschistischen Schwarzhemden an und verbreitet mit ihnen Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Später zieht er freiwillig gegen Griechenland in den Krieg und wird im Kriegswinter in den Bergen zermürbt. Langsam bröckeln seine Überzeugungen, doch zu viel ist bereits passiert, als dass Mattia das Geschehene hinter sich lassen könnte.

Marco Balzano erzählt aus Mattias Perspektive, in nüchternem, beinahe sachlichem Stil. Man kann Mattia nicht mögen, und auch die Ungewissheit bezüglich seiner Herkunft, die Weigerung des Vaters, ihm mehr über seine Mutter zu offenbaren, dient glücklicherweise niemals als Entschuldigung für seine zügellose Gewalt, seine Bindungsunfähigkeit und seine tiefe Abneigung gegen Menschen. „Bambino“ wird er wegen seines glatten, bartlosen Gesichts von den Faschisten genannt, und ein Kind bleibt Mattia in gewisser Weise sein Leben lang. Er wirkt unreif, nicht fähig zu Verantwortung und Reflexion, seine tiefe Verunsicherung lässt ihn umso stärker zuschlagen und begründet seine Faszination für die Faschisten, die für ihn Stärke verkörpern. Einzig sein Vater hält sein Leben lang zu ihm, ist jedoch auch nicht in der Lage, eine tiefgehende Beziehung zu ihm aufzubauen, ihn emotional zu stützen und mit ihm zu kommunizieren. Wenn die beiden reden, reden sie aneinander vorbei.

Nebenbei erzählt der Roman die leid- und wechselvolle Geschichte von Triest und Julisch Venetien und thematisiert die nationalistisch motivierten Angriffe auf slowenische und kroatische Minderheiten. Der Autor hat reale historische Figuren und Ereignisse wie die Stürmung des Narodni dom oder den Angriff paramilitärischer faschistischer Horden auf eine Gruppe von Eltern, die auf die Rückkehr ihrer 1500 Kinder aus einem Ferienlager der Arbeitergenossenschaft warteten, in den Roman verwoben. Im Anhang finden sich hierzu nähere Erläuterungen.

Ein eindrücklicher, schonungsloser und sehr lesenswerter Roman.

5 stars
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Bambino by Marco Balzano is set in Trieste in the 1920s and follows the life of Mattia, a young man whose childlike appearance earns him the nickname “Bambino.”
When he discovers that the woman he calls his mother is not his biological parent, his world begins to unravel. His search for his real mother triggers a deep identity crisis and sets him on a dark and troubling path.

I found the novel both fascinating and gripping, yet at the same time deeply unsettling and profoundly moving. Balzano tells the story of an antihero who is difficult to like but impossible to ignore. Mattia is an opportunist who always tries to side with the stronger party, a trait that gradually draws him into the rising tide of fascism. Over time, Bambino transforms into an angry and brutal enforcer, capable of violence without mercy. Watching this transformation is disturbing, because it feels both shocking and tragically believable.

Beyond Mattia’s personal story, the novel paints a broader and chilling portrait of the political climate of the time. Fascism, National Socialism, and Tito’s partisans all shape the world around him, and Balzano shows how these dictatorships dominate everyday life and warp people’s morals. The historical backdrop is not just scenery but an oppressive force that influences every decision and relationship.

Particularly compelling is Mattia’s relationship with his father, a committed anti-fascist. Their bond is tense, complex, and painfully fractured by Mattia’s actions and political choices. This conflict adds an emotional depth to the novel, showing how ideology can tear families apart and how love can survive even in the face of betrayal and violence.

Overall, Bambino is a powerful and haunting book that stays with you long after you finish it. It combines personal tragedy with historical reality in a way that is both thought-provoking and emotionally intense, making it a deeply affecting reading experience.

Thank you to NetGalley and the publisher for the advanced review copy (German). This review reflects my honest opinions.

4 stars
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Ein eindringlicher, ruhiger Roman mit viel emotionaler Tiefe und historischem Gewicht. Die Geschichte geht nah und regt zum Nachdenken an, ohne überladen zu wirken. Außerdem genau die richtige Länge, um intensiv zu erzählen und trotzdem durchgehend fesselnd zu bleiben.

4 stars
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Bambino
von Marco Balzano

Kühl, distanziert, gnadenlos und sehr unter die Haut gehend erzählt Marco Balzano die Geschichte Bambinos - eigentlich Mattias- die Geschichte Triests in den 1920ern bis Mitte der 1940er.
Der erste Weltkrieg, der Faschismus, die Herrschaft des Duce, der zweite Weltkrieg, die Nazis und immer dazwischen oder auch mitten drinnen Bambino. Zu Beginn ein Junge der am Sterbebett seiner Mutter erfährt, dass sie gar nicht die seine ist, was ihn so sehr aus der Bahn wirft, dass er diese Leere und Ungewissheit, wer seine wahre Mutter ist, nur mit einer fanatischen und sehr brutalen Suche füllen kann.
Sein Vater, Antifaschist, Uhrmacher und sehr genügsamer aber auch sich selbst gegenüber loyaler Mensch ist Mattia keine Hilfe, im Gegenteil, auch gegen seinen Vater richtet er seinen Hass - wobei er dann der einzige ist, der ihm wirklich etwas bedeutet.

Ein Buch aus dem verzweifelte Gewaltausübung spricht, mal zum eigenen Zweck, mal um zu überleben. So lieblich der Titel und der Spitzname Bambino auch ist, sympathisch wird er nie und genau das ist perfekt für den Stoff. Auch das Balzano nicht wertet, finde ich erwähnenswert.

Loslassen kann man diese Geschichte nicht so schnell.
Beeindruckend und erschütternd - wer sich mit Italien während des Faschismus beschäftigen möchte - unbedingt lesen!!!

4 stars
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Der Roman spielt 1919 in Triest und der Faschismus ist im Vormarsch. Aus der Ich Perspektive erzählt der wegen seines zarten Gesichts "Bambino" genannte Mattia sein Leben.Und das ist alles andere als zart und beim Lesen manchmal kaum auszuhalten mit welcher Gewalt "Bambino" seine Allmacht ausübt.Auf der Suche nach seiner richtigen Mutter, die der Vater ihm zeitlebens nie verrät ,wird er zum Faschisten, zum Verräter, zum Denunzianten und durchlebt dabei die verschiedenen politischen Stationen Triests.Manchmal war ich beim Lesen versucht abzubrechen, ob dieser rohen Gewalt, doch erfüllt das Buch gleichzeitig auch einen Sog, der bis zum Ende anhält

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Mattia Gregori ist Sohn eines Uhrmachers in Triest. Er wird Bambino genannt, weil er ein glattes, bartloses Gesicht wie ein Kind hat. Sein Bruder ist nach Amerika ausgewandert und seine Ziehmutter Tella stirbt früh. Vor ihrem Tod hat sie Mattia gesagt, dass er nicht ihr Kind ist. Er will wissen, wer seine Mutter ist und beginnt sie zu suchen, denn sein Vater sagt nichts. Er verliert jeden Halt und wird zu einem der Schwarzhemden, wird Mitglied dieser faschistischen Schlägertruppe. Er verspricht sich Vorteile davon, schlägt lieber selbst, als geschlagen zu werden. Überhaupt tut er ohne Skrupel alles, was er für sich als vorteilhaft empfindet. Seinen Status nutzt er, um Menschen im slowenischen Umland zu verprügeln und zu bestehlen. Wegen seiner Brutalität wird er gefürchtet. Als er es zu toll treibt, wird er an die Front in Griechenland versetzt. Es geht ihm schlecht und immer wieder richtet er sich nach denen, von denen er sich Vorteile erhofft. Den Fronteinsatz überlebt er, aber zum Kriegsende hin, hat er nur Feinde. Das Verhältnis zu seinem Vater wandelt sich.

Es ist eine Beschreibung eines unsympathischen Schönlings, dessen Charakter ihm die Freunde und seine Schönheit nimmt, als er seinen Status verliert. Doch als Leser hat man nichts gegen Mattia. Sein Leben wird realistisch beschrieben. Was er tut erscheint folgerichtig. Man fühlt sich in das italienisch-slowenische Grenzgebiet versetzt mitsamt seiner wechselnden Geschichte.

4 stars
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"Bambino" so lautet der Titel von dem Buch. Wegen seines kindlichen Aussehens wird ein junger Mann so genannt. Doch die außere Erscheinung täuscht. Bambino kann sehr gewalttätig sein. Von seiner Mutter hat er kurz vor ihrem Tod erfahren, dass sie nicht seine biologische Mutter ist. Vom Vater, einem Uhrmacher, bekommt er hierzu keine Antwort. Bambino sucht Halt und versucht seine Mutter zu finden und gerät dabei an die falschen "Freunde". Er kommt in eine Szene, die sehr brutal und menschenverachtend vorgeht. Das Buch lässt ein beklemmendes Gefühl und viel Stoff zum Nachdenken zurück.

4 stars
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