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Buchcover für Der Haufen

Der Haufen

Roman. Aus dem Schwedischen von Katharina Erben

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Erscheinungstermin 16.09.2025 | Archivierungsdatum 22.11.2025


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Zum Inhalt

Ein stressiger Job und soziale Verpflichtungen haben Emelie komplett ausgelaugt. Sie braucht Abstand. Doch wohin flüchten? Sie entscheidet sich für eine Auszeit im nordschwedischen Wald. Dort trifft Emelie zufällig auf eine Gruppe von sieben Personen, die sich in der Nähe eines Sees um ein Feuer zusammengefunden haben und einander auf ungewöhnliche Art verbunden sind. Alle haben sie ihr eigenes Päckchen zu tragen, alle beeinflussen die Gruppe auf ganz eigene Weise. Sie leben in scheinbarem Einklang miteinander inmitten des abgelegenen Waldes, versorgen sich selbst, jedes Individuum trägt etwas bei. Doch als die Außenseiterin Emelie aus der Stadt dazukommt, gerät alles durcheinander. Auf eine psychologisch einfühlsame und humorvolle Weise geht Norlin in »Der Haufen« der Komplexität hinter Gruppendynamiken und unseren selbstgewählten oder zugeschriebenen sozialen Rollen und Verantwortungen gegenüber anderen auf die Spur. Fasziniert folgt man den unterschiedlichen Figuren in abwechselnden Erzählsträngen auf ihrer Suche nach der für sie passenden Lebensform — und muss irgendwann einsehen, dass die Frage, wie und wo man mit wem leben möchte, gar nicht so leicht zu beantworten ist.

Ein stressiger Job und soziale Verpflichtungen haben Emelie komplett ausgelaugt. Sie braucht Abstand. Doch wohin flüchten? Sie entscheidet sich für eine Auszeit im nordschwedischen Wald. Dort trifft...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783905574555
PREIS 26,00 € (EUR)

Auf NetGalley verfügbar

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

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Ameisen leben in der Regel ein großen Haufen zusammen, in denen jeder Ameise jeder Aufgaben besitzt. So in etwa scheint es auch mit der Gruppe an Menschen, die sich in diesem Buch zusammenfinden zuzugehen. Ersmo, dessen Mutter ihn immer misshandelt hat und selbst in Alter und Krankheit damit weitermacht. Aagny, je nach einem Aufenthalt im Gefängnis eine neue Aufgabe Teil sucht und es Pflegerin für Ersmos Mutter eingestellt wird. Sara, die einen unheimlichen Zug auf Menschen auswirkt und auch nur die Tiere vor Ausbeutung schützen möchte.
Joszef, der in der Vergangenheit von jüdischen Familie gefangen zu sein scheint und nie richtig glücklich ist. Der aber in Sarah seine große Liebe sieht. Sagne, die nach einer Vergewaltigung Låke zur Welt bringen, ihn aber nie richtig leben kann. Und Zachariah der nach einem vermeintlichen Mord aus der Gesellschaft gehen möchte. Sie alle finden sich auf Ersmos Hof zusammen und beginne, in einer Art alternatives Symbiose zu leben. Bis Emily das Idylle stört und die Realität zurückbringt. Sehr philosophisch geschrieben, zeigt dieses Buch auf, wie Dynamiken in Gesellschaften schnell etwas Negatives umschlagen können.

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Die Geschichte beginnt mit Emelies Entscheidung, dem urbanen Stress zu entfliehen und sich eine Auszeit im Wald zu gönnen. Was sie dort findet, ist keine Idylle, sondern eine fragile Gemeinschaft von sieben Menschen, die sich um ein Feuer versammelt haben und auf stille, fast mystische Weise miteinander verbunden sind. Es sind keine Helden, sondern Suchende, Aussteiger, Verletzte Menschen, die sich der Welt entzogen haben, aber nicht ihren inneren Konflikten. Annika Norlin erzählt in wechselnden Perspektiven, was dem Roman eine kaleidoskopartige Tiefe verleiht. Jede Figur bekommt Raum, ihre Sicht zu entfalten und damit auch ihre Verletzlichkeit. Thematisch kreist die Geschichte um Fragen der Zugehörigkeit, des Rückzugs und der Selbstbestimmung. Wie will man leben und mit wem? Was bedeutet Gemeinschaft, wenn jeder seine eigene Wahrheit lebt? Der Wald ist ein Ort der Einkehr, aber auch der Konfrontation. Beim Lesen dieses Romans war ich fasziniert von den unterschiedlichen Figuren in abwechselnden Erzählsträngen auf ihrer Suche nach der für sie passenden Lebensform geschildert wird. Auch als Leser und muss man irgendwann einsehen, dass die Frage, wie und wo man mit wem leben möchte, gar nicht so leicht zu beantworten ist. Ein Buch das nach dem Ende noch eine Weile nachhallt. Sehr empfehlenswert.

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Emelie fühlt sich privat enttäuscht, in ihrem Beruf als Journalistin ausgenutzt und nicht wertgeschätzt. Seit Jahren wird ihr nun eine feste Anstellung versprochen. Ihr Privatleben scheint ebenfalls enttäuschend zu sein. Ihre Krankschreibung wegen Burnout und eine Therapie konnten ihre Lage offenbar kaum verbessern. Die Erinnerung an ihre Großmutter, die sich in allen Lebenslagen zu helfen wusste, führt Emelie in drei Tagesetappen schließlich in die Nähe des großmütterlichen Hauses. In einem Waldstück am See schlägt Emelie ihr Zelt auf. Dort beobachtet sie nach einer Woche Waldleben ein sonderbares Rudel Menschen beim Bad im See. Sie erlebt sechs Erwachsene, die ein großer Altersabstand trennt, und einen Jugendlichen, der noch schulpflichtig sein müsste. Als wären sie isoliert in der Wildnis aufgewachsen, haben sie einen verschliffenen Dialekt entwickelt, den Außenstehende kaum verstehen. Irgendetwas an der Gruppe wirkt falsch; die Mitglieder scheinen weder Urlauber, Kollegen noch eine Familie zu sein. Man könnte sie sich als Sekte oder radikale Umweltschützer vorstellen.

Aus Emelies Tagebuch, den Aufzeichnungen des jugendlichen Låke und der Sicht eines allwissenden Erzählers entsteht episodenhaft in gemächlichem Erzähltempo das Psychogramm dieser Gruppe. Da sind Aagny, die als Pflegerin der Mutter des jungen Ersmo in den Haushalt kam, Låke, dessen Mutter Sagne ihr Kind nicht annehmen kann, weil es ihrem Vergewaltiger wie aus dem Gesicht geschnitten scheint, und József, der das Trauma ungarischer Juden in sich verschließt. Sonderrollen spielen Sara, Biologin und Tierrechtsaktivistin, und Zacharia, unverschämt gut aussehend und wie andere Mitglieder zu gutgläubig für diese Welt. Motive in der abgelegenen Gegend unterzutauchen sind Angst, Gewalterfahrungen, vererbtes Trauma und Verwaistsein.

Wie die Paarungen innerhalb der Gruppe entstanden und wie das Zusammenleben funktioniert, wird rückblickend aus der Gegenwart erst allmählich deutlich. Trotz unzweifelhafter Talente, sich um andere Menschen zu kümmern, sind sie alle untergetaucht, ohne Papiere, Ausbildung, Krankversicherung, Jagd- oder Angelerlaubnis und Schulpflicht. Auch wenn Aagny und Ersmo von Anfang an konspirativ einkaufen, damit in der dünn besiedelten Gegend niemand die fünf zusätzlichen Esser bemerkt, wirkt die Kommune, als könnte jedes alltägliche Ereignis das labile Gleichgewicht zerstören. Anders als noch Emelies Großmutter lebt die Gruppe eben nicht in guter, verlässlicher Nachbarschaft. Die sieben Gefährten können sich weder Unfall noch unerwartete Situationen leisten. Spätestens an diesem Punkt fragt man sich als Leser, wie in der Gruppe Entscheidungen fallen – und wer beim Vergleich mit dem Ameisenvolk im Hügel hier die Ameisenkönigin wäre. Besonders Låke wirkt vernachlässigt – und er wurde nicht gefragt, ob er ohne andere Kinder aufwachsen möchte. Als Sex zum Thema wird und Emelies Journalisteninstinkt eine Geschichte wittert, könnte der Kipppunkt der ländlichen Idylle erreicht sein.

Episodenhaft erzählt Annika Nordin mit wechselndem Focus über einen gemeinsamen Zeitraum der Gruppe von rund 20 Jahren, zu dem die jeweiligen Vorgeschichten ihrer Figuren noch zu addieren sind. Ein Roman, der geduldige Leser:innen erfordert und bei dem der Weg (die Figuren kennenzulernen) das Ziel ist. Nordins Ton wirkt ironisch-humorvoll, dabei voller Empathie für ihre Figuren. Berührt hat mich hier der Wandel meiner Einschätzung von „in dieser Gruppe läuft etwas falsch“ zu „nicht die Zivilisationsflüchtlinge sind falsch“, sondern ihre Fähigkeiten werden in der Zivilisation nicht geschätzt.

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GRANDIOS!!! Riesige Leseempfehlung!!!! In diesem Buch kann man sich richtig gut verlieren - auf ganz positive Weise!!!

Annika Norlin hat mit „Der Haufen“ so einen klugen, warmherzigen und zugleich so liebevoll schräger Roman über den Wunsch geschrieben, aus dem eigenen Leben auszusteigen und irgendwo anders noch einmal neu anzufangen. Und ganz ehrlich: Wer hatte solch einen Gedanken nicht schon mal? In dem Buch kann man das mal zur Wirklichkeit werden lassen!

Im Mittelpunkt steht Emelie, eine Frau, die von ihrem Alltag, ihrem Beruf und ihren sozialen Verpflichtungen hart erschöpft ist. Alles ist zu viel geworden: die Erwartungen, die Termine, die Gespräche, die ständige Anstrengung, immer funktionieren und allem gerecht werden zu müssen. (Und auch hier: Wer hatte das Gefühl noch nie in seinem Leben?) Also tut sie etwas, wovon wahrscheinlich viele Menschen in besonders vollen Wochen schon einmal geträumt haben: Sie zieht sich in den nordschwedischen Wald zurück. (Ob es jetzt unbedingt Nordschweden sein muss, aber alle von uns wollten schon mal einfach nur ihre Ruhe haben - weit weg von dem ganzen Alltags-Gedöhns. Und Emelie macht das. Und nimmt uns mit. Wie angenehm!)
Die Einsamkeit, die Emelie sucht, findet sie allerdings dann doch nicht ganz. In der Nähe eines Sees trifft sie auf eine kleine Gruppe von Menschen, die dort gemeinsam lebt und sich selbst versorgt. Dieser „Haufen“ wirkt zunächst wie ein eigener kleiner Kosmos: Alle haben irgendwie ihren festen Platz, alle tragen etwas zum gemeinsamen Leben bei, alle scheinen sich auf eine stille, eingespielte Weise miteinander arrangiert zu haben. Für Emelie ist diese Gemeinschaft faszinierend, weil sie eine Alternative zu dem Leben zu bieten scheint, aus dem sie gerade geflohen ist. Weniger Lärm, weniger Druck, weniger gesellschaftliche Erwartungen. Mehr Natur, mehr Einfachheit, mehr Nähe.

Annika Norlin macht aus dieser Ausgangslage jedoch dann etwas sehr Besonderes: Der Wald wird nicht zum besseren Ort verklärt und die Gruppe ist nicht einfach eine heilsame Gemeinschaft, in der alle Wunden geheilt werden. Je näher Emelie den Menschen kommt, desto deutlicher wird, dass auch ein Leben außerhalb der üblichen Strukturen seine eigenen Regeln, Spannungen und Abhängigkeiten hat. Jede Figur bringt eine eigene Geschichte mit, eigene Verletzungen, Bedürfnisse und blinde Flecken. Der Haufen wird hier nicht als perfektes Gegenmodell zur Gesellschaft gebaut, sondern als eine fragile Gemeinschaft gezeigt, die genauso von Nähe und Fürsorge lebt wie von unausgesprochenen Konflikten.

Insofern fragt „Der Haufen“ nicht nur, ob man aus der Gesellschaft aussteigen kann, sondern auch, was man dabei mitnimmt. Und ob man sozusagen wirklich den Grundstrukturen von Zusammenleben entfliehen kann. Denn selbst im Wald bleibt man ein Mensch mit Ängsten, Sehnsüchten, Gewohnheiten und alten Mustern. Man kann dem Lärm der Welt entkommen, aber nicht unbedingt sich selbst. Und das ist doch ein ganz spannender Gedanke. Norlin erzählt diese Erkenntnis und diese Geschichte mit sehr viel Feingefühl und verurteilt ihre Figuren zu keiner Zeit, sondern schaut ihnen aufmerksam dabei zu, wie sie versuchen, miteinander zu leben. Das hab ich am meisten an diesem Roman geliebt - weil man stiller Beobachter wird, ohne sich als Eindringling zu fühlen.

Besonders hat mir gefallen, dass der Roman trotz seiner ernsten Themen eine gewisse Leichtigkeit behält. Es geht um Erschöpfung, Einsamkeit, Gemeinschaft und die Suche nach einem anderen Leben, aber Norlin erzählt davon nicht schwerfällig. Ihr Blick auf Menschen ist warm, genau und auch sehr oft humorvoll. Sie zeigt, wie kompliziert Nähe sein kann, wie schnell aus guten Absichten neue Erwartungen entstehen und wie schwer es ist, in einer Gemeinschaft wirklich frei zu sein. Denn Gemeinschaft bedeutet nicht nur Geborgenheit; sie bedeutet auch Rücksicht, Reibung, Verantwortung und die ständige Frage, wie viel Eigenständigkeit möglich bleibt, wenn man Teil von etwas Gemeinsamen sein will.

Für mich ist Emelie eine der glaubwürdigsten Hauptfiguren seit langem, weil sie sich auf ihrer Reise befindet und absolut unfertig ist. Sie sucht irgendwie Ruhe, vielleicht auch eine Art Rettung, aber ganz im Grunde ihres Herzens weiß sie selbst nicht genau, was sie will. Durch ihre Begegnung mit dem Haufen beginnt sie, ihr eigenes Leben neu zu betrachten. Was hat sie erschöpft? Was fehlt ihr? Welche Art von Nähe braucht sie? Und welche Vorstellungen von Freiheit sind vielleicht nur schön, solange man sie aus der Ferne betrachtet?
Und man kann selbst stellvertretend für sich selbst auch mal mitüberlegen. Ohne zu viel zu verraten, aber es kann dazu führen, dass man auch das eigene Leben ein klein wenig anders betrachtet und vielleicht hier und da kleine Veränderungen einführt. ;)

Annika Norlin zeigt auf den Seiten, die sie geschrieben hat, dass ein anderes Leben möglich sein kann, aber nicht automatisch einfacher ist. Auch in der Natur gibt es Konflikte, auch in einer kleinen Gemeinschaft gibt es Macht, Missverständnisse und alte Wunden. Und trotzdem liegt in diesem Versuch etwas Berührendes: Menschen, die nicht richtig in die Welt passen, bauen sich eine eigene. Das fand ich sehr herzerwärmend.

Also wirklich - lest dieses Buch und entschwindet mal in eine andere Form von Gemeinschaft.

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