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Die Hausmamsell
Roman
von Edvard Hoem
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Erscheinungstermin 20.10.2025 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
1836 wird Julie Elisabeth Hoem – die jüngste Tochter des Geigenbauers Lars Olsen Hoem – geboren. Als kleines Mädchen ist sie eine Erscheinung, die niemand übersieht. Doch die Zeiten ändern sich – und...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783825154509 |
| PREIS | 28,00 € (EUR) |
| SEITEN | 384 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Rezensent*in 595693
Geigenbauertochter
Als jüngste Tochter des Geigenbauers Lars Olsen erblickt Julie Elisabeth Hoem im Jahre 1836 das Licht der Welt. Nach einer unbeschwerten Kindheit im norwegischen Christiansund muss sie nach dem Tod der Mutter durch Botengänge und kleine Hilfsarbeiten mitverdienen, nach dem Tod des Vaters verlässt sie mit 18 Jahren ihren Heimatort und lebt größtenteils in Bergen als Hausmamsell bei verschiedenen angesehenen Familien. Unverheiratet und kinderlos verbringt sie ihre letzten Lebensjahre bis 1911 im Heim Alders Hvile, Frieden des Alters.
Gestützt auf unzählige Zeitungsannoncen, Notizen und Einträge in Kirchenbüchern erzählt Edvard Hoem diese betuliche Geschichte von Julie Elisabeth Hoem. Da immer wieder größere Lücken in Julies Lebenslauf klaffen, schließt er diese auf bemerkenswerte Weise durch Phantasie und andere Überlieferungen aus der entsprechenden Zeitepoche, sodass ein chronologisches Ganzes entsteht. Im Text selbst weist Hoem an so mancher Stelle auf diesen Kunstgriff hin, als Leser weiß man also durchaus Bescheid, was auf realen Gegebenheiten fußt und was klug erdichtet ist. Mit einem ganz eigenen, sehr ruhigen, ja nahezu sachlich anmutenden Schreibstil nimmt uns der Autor mit auf eine Reise in eine fremde Welt, ins 19. Jahrhundert, wo die Uhren noch ganz anders getickt haben als heute. Die Erzählung könnte einem Tagebuch Julies entnommen sein, so gut spiegeln sich ihre Gedankenwelt, ihre klare Meinung und Handlung wider. Als Hausmamsell stets loyal, aber doch ihrer eigenen Linie treu, wechselt sie mehrmals ihre Anstellung, begleitet für fünf Jahre sogar eine Familie ins ferne Amerika, wo sie ihre Englischkenntnisse vertieft und lernt, sich modisch und adrett zu kleiden.
Ein großer Bogen spannt sich über die Jahrzehnte, langwierige Recherche und viel Liebe zum Detail kennzeichnen dieses Werk um eine eigenständige Frau, welche keine direkten Nachkommen hat, die ihr Lebenswerk weitertragen. Interessante Einblicke in unterschiedliche Berufswelten, die steten Veränderungen der Stadt Bergen und das Leben als Dienstmädchen und Hausmamsell gewährt Edvard Hoem mit diesem Buch. Empfehlenswert für Leser, die Augenmerk legen auf historische Einzelheiten, schwülstige Ergüsse über Geheimnisse aus vornehmen Familien darf man nicht erwarten.
Titel Die Hausmamsell
Autor Edvard Hoem
ISBN 978-3825154509
Sprache Deutsch
Ausgabe Gebundenes Buch (384 Seiten)
Erscheinungsdatum 20. Oktober 2025
Verlag Urachhaus
Originaltitel Husjomfru
Übersetzer Antje Subey-Cramer
Ein stilles Leben voller Würde
Ein fein erzähltes Buch über ein Leben, das in seiner Schlichtheit berührt.
Es gibt Bücher, die sich leise entfalten, und genau darin liegt ihre Kraft. Dieses gehört für mich dazu. Edvard Hoem erzählt das Leben von Julie Elisabeth Hoem mit einer Ruhe, die ehrlich wirkt. Nichts wird übertrieben, nichts beschönigt. Ich mochte diese zurückhaltende Art, weil sie Raum lässt, um selbst nachzuspüren, was zwischen den Zeilen mitschwingt.
Julie wächst in einfachen Verhältnissen auf, arbeitet später als Hausmamsell in Bergen und begleitet eine Familie für einige Jahre nach Amerika. Diese Stationen wirken nicht erfunden, sondern sorgfältig recherchiert und mit Gefühl zusammengefügt. Man merkt, dass Hoem hinschaut, wo Lücken bleiben, und sie mit stiller Fantasie füllt, ohne den Kern zu verändern.
Die Sprache hat mich berührt. Sie ist schlicht, aber eindringlich. Man spürt die Einsamkeit und Würde einer Frau, die ihren Weg geht, ohne Aufsehen zu erregen. Nichts wirkt inszeniert. Alles hat die Ruhe einer Erinnerung, die langsam Form annimmt.
Besonders gelungen finde ich, wie Hoem die Zeit spürbar macht. Man bekommt ein gutes Gefühl für das Leben damals, für die Arbeit, die Häuser, die Menschen und die Stadt Bergen. Es wirkt echt. Nicht geschönt. Gleichzeitig bleibt eine gewisse Distanz. Man fühlt sich als Beobachter, nicht als Teil der Geschichte. Das passt zu Hoems Stil, der immer etwas Sachliches mitschwingen lässt, selbst wenn es um Gefühle geht.
Für mich ist dieses Buch ruhig und unaufgeregt erzählt, aber genau das macht seinen Reiz aus. Es spricht von Arbeit, Verzicht und Stolz. Von einem Leben, das in seiner Einfachheit Sinn trägt. Ich habe es gern gelesen, auch wenn es stellenweise etwas betulich wirkt und mir manchmal mehr Nähe zu Julie gefehlt hat. Doch vielleicht gehört gerade das zu dieser Geschichte, die mehr sagt, wenn sie schweigt.
Eine leise Erzählung, die bleibt, weil sie zeigt, wie viel Stärke in einem stillen Leben liegen kann.
Ich empfehle das Buch allen, die ruhige, fein beobachtete Geschichten schätzen, in denen das Alltägliche Bedeutung bekommt, und allen, die gern Bücher lesen, die ohne Aufhebens berühren. 4 Sterne.
Elaine L, Rezensent*in
In historischen Berichten oder Romanen wird leider allzu oft nur der Fokus auf bekannte und berühmte Persönlichkeiten gelegt, so dass das Leben der "einfachen" Menschen oft nur hübsches Beiwerk ist, aber nicht im Vordergrund steht. Anders ist das bei dem hier vorliegenden Roman von Edvard Hoem, in dem über das Leben und Wirken der Geigenbauertochter und späteren Hausmansell Julie Elisabeth Hoem berichtet wird. Der Autor stützt sich bei seinen Erzählungen einerseits auf historische Quellen und schmückt andere Facetten zeittypisch aus, wo keine Unterlagen mehr vorliegen. So entsteht eine ganz besondere Mischung aus Roman, Biographie und Zeitgeschichte, die die geneigten Leser*innen ganz schnell in ihren Bann ziehen kann. Als Lesende bekommen wir einen guten Eindruck in die Lebens- und Arbeitssituation alleinstehender Frauen aus "einfachen" Verhältnissen. Und wir lernen vor allem mit Julie einen ganz besonderen Menschen kennen, dessen Schicksal einen im Herzen nur berühren kann. Danke für dieses besondere Buch voller Tiefgang, Details und Gefühl.
Mein Lese-Eindruck:
Edvard Hoem wendet sich einer Frau zu, die er im Rahmen seiner Familienbiografien fast vergessen hätte. „Und was ist mit mir?“ fragt sie ihn im Traum. Und so setzt er sich auch auf ihre Spuren und rekonstruiert das Leben von Julie Hoem (1836 – 1911) aus einer Fülle von unterschiedlichsten Quellen: Zeitungen, amtliche Berichte über Volkszählungen, Schiffsregister, Kirchenbücher und anderes. Immer wieder stößt er an seine Grenzen und trifft auf Lücken, die er füllen muss. Was tun? Er weiß sich zu helfen: „Wo die Zeugnisse nicht ausreichen, muss Julie hervorgedichtet werden“.
Das gelingt ihm hervorragend. Er entfaltet das Leben einer Frau aus einfachsten Verhältnissen, die bereits im Alter von 13 Jahren für ihren Lebensunterhalt sorgen musste und aufgrund ihrer Geschicklichkeit, ihres Fleißes und auch ihrer Duldungskraft schließlich zu einer verantwortlichen Position gelangt: sie wird Hausmamsell in reichen Bergener Haushalten und ist damit für die gesamte Haushaltsführung leitend verantwortlich. Die Lücken der Quellenlage schließt er gut überlegt und immer stimmig, sodass ein ganzes Leben vor dem Leser entsteht.
Julies Geschichte öffnet den Blick des Lesers in eine Welt, in der von Wohlfahrt und sozialer Absicherung noch keine Rede war. Das Leben wird bestimmt durch harte Arbeit. Sehr eindrucksvoll und kenntnisreich beschreibt der Autor die mühselige Arbeit des Fischens oder des Waschens der Klippfische, mit denen die Frauen Geld verdienten, oder Julies harte körperliche Arbeit und lange Arbeitstage in den ersten Jahren.
Sehr deutlich wird auch Hoems Liebe zum Land und vor allem zur Stadt Bergen, der „stolzen Stadt“. Anschaulich beschreibt er, wie Julie den großen Brand im Jahre 1855 erlebte und wie sich das soziale Elend verschärfte, um dann den Wiederaufbau, die Stadtplanung und die unterschiedlichen Baustile zu beschreiben – wobei er nicht die 12jährigen Kinder vergisst, die den Schutt wegräumen mussten.
Hoem erzählt die Geschichte Julies in einer wohltuend klaren Sprache, ohne die Vergangenheit zu idyllisieren. Mit seiner sachlichen, fast berichtenden Sprache schafft er Distanz zur Hauptfigur, und so befindet sich der Leser eher in der Rolle eines Beobachters. Dennoch gelingt es dem Autor, auch den Schmerz seiner Figur mit nur wenigen, fast kargen Worten eindringlich zu vermitteln. Dieser Spagat zwischen Emotion und Distanz gelingt Hoem souverän.
Fazit: Ein Blick in die Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts
Ein sehr authentisches Buch, wo man schnell rein kommt. Die Story, ist sehr gut geschrieben und macht echt Spaß zu lesen. Mir hat vor allem gefallen, das die Hauptfigur sich nicht in eine Rolle hat rein drängen lassen, obwohl es noch eine Zeit war, wo es üblich war als Frau ein bestimmtes Bild zu erfüllen. Klare Empfehlung für alle die gerne in die Vergangenheit abtauchen.
Inhaltsangabe (Quelle Amazon)
1836 wird Julie Elisabeth Hoem – die jüngste Tochter des Geigenbauers Lars Olsen Hoem – geboren. Als kleines Mädchen ist sie eine Erscheinung, die niemand übersieht. Doch die Zeiten ändern sich – und die Zeiten ändern die Menschen. Nach einer unbeschwerten Jugend in Christiansund gelangt Julie Elisabeth als Hausmädchen in die prominenten Familien Bergens. Doch irgendwann wird ihr bewusst, wie groß die Kluft zwischen den Gesellschaftsschichten ist – und dass ihre privilegierte Stellung nicht wirklich die ihre ist. Edvard Hoem schildert das Leben einer Frau in einer Zeit vor dem Wohlfahrtsstaat. »Die Hausmamsell« bringt uns in berührender Weise nahe, wie zufällige Entscheidungen zu lebenslangen Konsequenzen führen. Er erzählt von Träumen von Liebe, die nie erfüllt wurden – aber auch von einem Leben, das letztlich trotz vieler Momente des Mangels erfüllt ist von tiefstem Sinn.
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Melissa C. Hill
Fantasy & Science Fiction, Jugendbuch & Young Adult