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Die seltenste Frucht
von Gaëlle Bélem
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Erscheinungstermin 02.02.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
Gaëlle Bélem erzählt in ihrer Romanbiografie die Geschichte des kreolischen Sklaven Edmond Albius, der im 19. Jahrhundert auf der französisch kolonisierten Île Bourbon gelebt und Erstaunliches...
Eine Anmerkung des Verlags
- Über den Entdecker der Vanillebestäubung
- Kritik an der Aberkennung der Erfolge Schwarzer Kinder
- Anfragen von Rezensent*innen und Lehrenden werden ab dem
2. Februar 2026 beantwortet.
- Romanbiografie aus La Réunion
- Über den Entdecker der Vanillebestäubung
- Kritik an der Aberkennung der Erfolge Schwarzer Kinder
- Anfragen von Rezensent*innen und Lehrenden werden ab dem
...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783779508038 |
| PREIS | 25,00 € (EUR) |
| SEITEN | 224 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Gebine S, Buchhändler*in
Was wäre eine Kindheit ohne Vanilleeis oder Vanillepudding?
Dieser interessante und dabei äußerst unterhaltsame Roman erzählt uns von Edmont Albius, der als kreolischer "ungebildeter" Sklave auf Bourbon(!) seine ganze Kraft und Begeisterung daran setzt, der wunderschönen Blüte, Früchte abzutrotzen: die Bourbon-Vanille.
Was das für ihn bedeutet wird aber auch erzählt: Ausbeutung und Betrug. Aber seien Sie unbesorgt: der erhobene Zeigefinger kommt nicht vor. Dafür lernt man zu schätzen, warum echte Vanille so besonders und kostbar ist.
Der bereits jung verwitwete Ferréol Bellier Beaumont (1792-1872) erhielt von seiner Schwester ein Schwarzes Baby zur Adoption, dessen Mutter bei der Geburt verstorben war. Vermutlich stammten die Eltern des Kindes aus Mosambik. Bellier war Plantagenbesitzer auf Reúnion/Île Bourbon und beschäftigte versklavte Arbeiter. Auch wenn Beaumont, ganz der Landwirt, wie bei einer Pflanze zunächst die Ansehnlichkeit des kleinen Edmond zur Kenntnis nimmt, kann er später nicht übersehen, dass der Junge ein ungewöhnlich gutes Gedächtnis für Planzennamen zeigt – ohne je zur Schule gegangen zu sein. Dass Beaumont sich eher als Botaniker denn als Plantagenbesitzer sieht und Edmond bereits mit 5 Jahren zur Gartenarbeit anleitet, kann das Talent nur gefördert haben. Eher zufällig entdeckt der Zwölfjährige, der die Pflanzen der Insel jahrelang erforschen, sammeln und kartieren wird, dass die kapriziösen Blüten der rankenden Vanille sorgfältig von Hand bestäubt werden müssen. Die Blüten erblühen nur einen Tag lang und nach der Bestäubung liegt noch ein komplizierter Fermentierungsprozess vor den Züchtern. Diese Entdeckung hätte allen Inselbewohnern märchenhaften Reichtum bescheren können, wäre nicht der rassistische Blick des 18./19. Jahrhunderts gewesen, der eine ungewöhnliche Begabung eines Versklavten grundsätzlich ausschließt. Am Ende wird sich Beaumont sogar einbilden, in Wirklichkeit hätte er die Bestäubung der Vanilleblüte entdeckt. Edmond selbst stellt dagegen nüchtern fest, dass er als Forscher die falsche Hautfarbe hat, da nach ihm sicher keine Pflanzenart genannt werden wird. Mit eingeschobenen Rückblicken, die durch Jahreszahl und Alter von Ferréol und Edmont eindeutig zuzuordnen sind, entsteht ein Fluss der Ereignisse, der zum Ende zunehmend grotesker wirkt.
Gaëlle Bélem zeichnet sich durch eine augenzwinkernde, mäandernde Erzählweise aus, durch die die Tatsache der Versklavung ihrer Figuren etwas erträglicher wird. Das tragisch-märchenhafte Schicksal des realen Edmond, der anlässlich seiner Freilassung den Familiennamen Albius annimmt, kann als Gleichnis dienen, wie europäische Eroberer durch rassistische Einstellungen dem eigenen Erfolg im Weg standen. Da der heranwachsende Edmond eine ideale Identifikationsfigur liefert, finde ich seine Geschichte passend zum Einstieg in einen Black History Month.
Gertie G, Rezensent*in
Gaëlle Bélem, die selbst von der lnsel La Réunion stammt, entführt uns in das 19. Jahrhundert, als die Insel noch La Bourbon heißt und Sklaven eine Selbstverständlichkeit zur Bewirtschaftung in der Landwirtschaft zählten.
Sie erzählt, stellvertretend für alle rechtlosen Menschen, die Geschichte des Sklavenjungen Edmond Albius, der dem verwitweten und depressiven Plantagenbesitzer Ferréol Beaumont quasi als „Kuscheltier“ überbracht wird. Edmond erweist sich als neugierig und wissbegierig, heitert seinen Herrn, der sich lieber mit der Orchideenzucht als mit Menschen beschäftigt, tatsächlich auf.
Als sich die jahrelangen Versuche, der Gewürzvanille eine Frucht abzutrotzen, als Fehlschlag entpuppen, versucht der damals zwölfjährige Edmond auf eigene Faust, das Geheimnis der Befruchtung zu lösen.
In der Tat gelingt das Experiment und der Siegeszug des als Bourbon-Vanille bekannten Gewürzes ist nicht mehr aufzuhalten. Von den Gewinnmargen der Plantagenbesitzer und Kaufleuten, die sich mit der Frucht eine goldene Nase verdienen, hat Edmond (wie die Abertausenden Sklaven, die auf der Insel schuften) genau nichts. Ja, es ist ihm sogar verboten lesen und schreiben zu lernen.
Meine Meinung:
Wenn uns heute der exotische Duft von Vanille in der Nase kitzelt, denkt niemand an die Erzeugung und Herkunft dieses Gewürzes, zumal es gelungen ist, das Aroma künstlich herzustellen, um möglichst viele Süßspeisen damit zu verfeinern. Echte Bourbon-Vanille ist nach wie vor teuer, das sie händisch bestäubt werden muss.
Gaëlle Bélem nimmt uns auf den Triumphzug der Vanille rund um den Globus mit. Zunächst gibt es einen kleinen Exkurs nach Mexiko, dem Ursprung der Vanillepflanze, die eine Orchidee ist. Wir besuchen Pflanzungen in Afrika und Asien, Botanische Gärten in Europa, in denen die kostbare Vanille als Zierpflanze angesehen wird, und verkosten in den zahlreichen Cafés und Adelshaushalten Torten, Eis und Schokoladegetränke.
In diesem sprachgewaltigen Roman zeigt Autorin Gaëlle Bélem wie weiße Plantagenbesitzer das Wissen und die Arbeitskraft ihrer Sklaven brutal ausgenützt haben. Dabei gelingt es ihr, manchmal durchaus ironisch und humorvoll, den mühsamen Alltag der Sklaven ihren Leserinnen und Lesern nahe zu bringen.
Wer nostalgisch-gediegene historische Romane, die penibel recherchiert worden sind, und in exotische Welten entführt, liebt, wird hier fündig. Sprachlich ist dieser historische Roman, der auf wahren Begebenheit beruht ein Leckerbissen.
Die Abbildung der Orchidee Gewürzvanille (Vanilla planifolia) ziert das Cover und bietet einen Eindruck der Schönheit der Pflanze. Den betörenden Duft kann man leider nicht riechen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Ausflug in die Welt der Vanille, der uns darauf hinweist, wie Wohlstand auf dem Buckel von Sklaven erwirtschaftet worden ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Annette F, Buchhändler*in
Ein wunderbares Buch mit einer außergewöhnlichen Geschichte, die dem fast vergessenen Leben des schwarzen Sklaven Edmond Albius ein Denkmal setzt. Man fühlt sich versetzt auf die Insel Réunion vor ca. 200 Jahren und sieht die Vanillepflanze nach der Lektüre mit ganz neuen Augen.
David Lenn L, Buchhändler*in
"Die seltenste Frucht" von Gaëlle Bélem erzählt in Romanform die wahre Geschichte von Edmond Albius, der als versklavter Junge mit 12 Jahren ein Verfahren zur Handbestäubung von Vanille entwickelte. Es handelt sich um eine sehr interessante Person, leider kam es mir beim Lesen so vor, als wäre nicht genug über ihn bekannt um tatsächlich einen Roman zu füllen. Teile des Buches wirken zu sehr nach "Füllmaterial" und so fühlt sich das Buch zeitweise etwas gestreckt und distanziert an. Die Sprache ist angenehm respektvoll und verständlich, wozu unter anderem auch Fußnoten beitragen. Die Verwendung von einigen kreolischen Aussprüchen, die danach übersetzt wurden, verortet das Buch zusätzlich passend zeitlich und räumlich.
Lehrende*r 491806
Wer einen nostalgisch-gediegenen historischen Roman zum Versinken in fernen, exotischen Welten sucht, wird hier fündig; wer diese Welten in frischer Sprache gegen den Strich gebürstet sehen möchte, ebenfalls.
Gaëlle Bélem, die selbst von der Gewürzinsel La Réunion stammt, sorgt von der ersten bis zur letzten Seite dafür, dass es einem nicht zu tropisch-aromatisch-wohlig zumute wird - die Autorin versteht es trefflich, Schilderungen von Glanzmomenten der botanischen Forschung mit dem jahrhundertelangen Elend der Sklaverei zu verflechten, menschliche Höhen wie Tiefen auszuloten und das Ganze mit lakonischem Humor zu würzen. Dafür braucht sie nicht viele Figuren. Die Welt des versklavten Jungen Edmond ist klein und wird es bleiben.
Für die Leser:innen öffnet sich jedoch der Blick: Wir folgen dem Triumphzug der Vanille rund um den Globus, treffen in Mexiko auf Cortés und Malinche, besuchen Pflanzungen in Afrika und Asien, Botanische Gärten in Europa und zahlreiche Cafés und Esssäle, in denen das kostbare Gewürz in Schnittchen, Cremes, Torten, Eis und Schokoladegetränken gereicht und verehrt wird.
Edmond, der noch nicht einmal Lesen und Schreiben lernen darf, aber auf der fernen Île Bourbon die Technik der künstlichen Befruchtung der Vanilleblüte entdeckt hat, ahnt davon nichts oder nur wenig. Viele auf der Insel und in Europa verdienen gutes Geld mit der Vanille; Edmond hat an diesem Reichtum keinen Anteil. Sein Leben ist eines der verpassten Möglichkeiten, des ewigen Schuftens und Scheiterns - nicht, weil es ihm an Fleiß, Ehrgeiz oder Talent gefehlt hätte, sondern weil ihm, aufgrund seiner versklavten Geburt und Schwarzen Haut, Freiheit und die nötige Bildung verwehrt bleiben. Wenn es ihm phasenweise gut geht, ist es das Gnadenbrot seines Herrn, dem er dies verdankt. Aus eigener Kraft emporarbeiten darf er sich nicht, die guten Zeiten sind nicht von Dauer.
Bélem umreißt mit dem ihr eigenen bitter-leichten Humor in oft blumig-opulenten Bildern, dann auch wieder knappen, aber eindringlichen Schlaglichtern die Geschicke der Versklavten und schließlich in neue Zwänge überführten Freigelassenen, die damit verbundenen Grausamkeiten und unerfüllten Versprechen, die vielen in der komplexen afrikanisch-europäisch-asiatischen Inselhierarchie verlaufenden und verpassten Leben. Sie nimmt einen der Menschen in den Fokus, dem sich Wohlstand und Genuss verdanken, der dafür aber keinen Dank und Wohlstand erhalten hat. Diese Schwere transportiert sie sprachlich in einer scheinbaren Leichtigkeit, die die Schwere der Geschehnisse nur umso deutlicher werden lässt.
Ich danke dem Verlag herzlich für das Rezensionsexemplar und freue mich darauf, mehr von der Autorin zu lesen.
Der Geschmack von Vanille... 🥰😋 "Die seltenste Frucht"
Das war eine schöne Geschichte! Sehr besonders, in vielerlei Hinsicht.
Es geht um Edmond. Im 18.Jahrhundert wächst er als Sklave auf Réunion auf, das damals noch Bourbon hieß. Doch er trifft es nicht allzu schlecht- der alleinstehende Botaniker Ferréol nimmt sich seiner an und schnell lernt er, sein Herz ebenso wie sein Herr mit der Botanik in Gleichklang zu bringen. Er lernt nie lesen, aber die lateinischen Namen aller Pflanzen kommen ihm leicht über die Lippen. Gemeinsam und doch jeder für sich verfolgen die beiden ein Ziel: eine seltene Pflanze, etwas Besonderes finden. Als eines Tages die Vanille die Insel erreicht, versuchen sie, die Pflanze zu kultivieren und ihr kostbare Früchte zu entlocken. Unglaublicherweise ist es Edmond, der mit seinem beharrlichen Handbestäuben das Geheimnis der sehr besonderen Orchidee lüftet und der Welt somit das Tor zu einem betörendem Gewürz öffnet. Doch das Einzige, was man Edmond je zugestehen wird, ist ein Nachname: Albius. Er wird in bitterer Armut sterben, nachdem sein Leben einer Achterbahnfahrt gleicht, während viele andere Menschen mit der Vanille, die er in die Welt bringt, reich werden sollten.
Die Romanbiografie von Gaëlle Bélem, aus dem Französischen übersetzt von Gudrun Honko, erzählt eine tragische Geschichte mit einer Prise feinen Humors, der sich allmählich über die Seiten legt. Das gelingt der Autorin und Übersetzerin sehr gut, die kleinen Passagen haben mich immer wieder überrascht. Anfangs hatte ich zugegebenerweise etwas Schwierigkeiten in Schreibstil und Setting einzutauchen- es wird schnell klar, dass es sich hierbei nicht um einen üblichen Mainstream-Read handelt. Umso mehr konnte ich der Geschichte im Laufe ihres Fortgangs abgewinnen und mich immer mehr für sie erwärmen. Das Herz ging mir auf, als ich von Edmonds Freude und Stolz las, endlich das Geheimnis der Befruchtung der Vanille gelöst zu haben. Ebenso des verschlossenen, undurchsichtigen Ferréols, der sich noch so wandelt. Rassismus und Klassizismus strömen durch das Buch, wir erleben aber auch die formale Abschaffung der Sklaverei auf der Insel mit. Hier steckt also wirklich viel Geschichtliches auf kleinem Raum aus einer Region, die wahrscheinlich vielen weniger vertraut ist. Umso mehr schätzte ich die Lektüre , die es verdient hat, ein wenig Geduld zum Einfinden aufzubringen. Wer also gern mal abseits des Mainstreams eine besondere Geschichte entdecken möchte, dem kann ich diese hier wirklich empfehlen... und nebenbei lernt man auch viel über die Vanille (j'adore!!) und deren herausfordernden Anbau.
Anja F, Rezensent*in
Anstrengend zu lesen
Mit diesem Buch begeben wir uns auf eine Reise ins 19. Jahrhundert auf die Insel Bourbon - heute La Réunion. Edmond, Sohn von zwei Sklaven, wächst in der Obhut des alleinstehenden Botanikers Ferréol auf und wird so selbst zu einem begeisterten Pflanzenkenner.
Edmond ist es auch, dem es durch Fleiß und Hingabe gelingt, dass auf Bourbon das schwarze Gold der Azteken - die Vanille - zum Leben erwacht.
Die Autorin hat die Geschichte von Edmond und Ferréol bis ins kleinste Detail recherchiert und schafft es sehr gut, die Erfolgsgeschichte der Vanille mit der bedrückenden Geschichte der Sklaverei zu verbinden. Insbesondere die Sonderstellung Edmonds, der weder von dem weißen Gutsbesitzer richtig akzeptiert und als schlauer Junge respektiert wird noch richtig zur Gruppe der Sklaven gehört, wurde gut herausgearbeitet.
Inhaltlich ist das harte und traurig-tragische Leben von Edmond sehr interessant und ich konnte einiges dazulernen - nicht zuletzt über die Vanille. Leider hat mir persönlich das Buch stilistisch nicht gefallen. Mir war das Buch zu sachlich-trocken, zu den Personen ist keine emotionale Nähe entstanden. Für mich las es sich passagenweise eher wie ein Sachbuch. Das unterstützt sicherlich die faktische Korrektheit und gute Recherche der Inhalte, hat mich aber beim Lesen etwas angestrengt.
Für Leser, die sich stilistisch auf das Buch einlassen oder sich diesbezüglich, wie einige andere Rezensenten, begeistern lassen können, wird dies ein ganz tolles Buch sein.
Pia B, Buchhändler*in
Ich fand dieses Buch unglaublich interessant – viel spannender als erwartet. Eigentlich ist Botanik wirklich nicht mein Herzensthema, aber die Geschichte der Vanille hat mich total gepackt. Mir war überhaupt nicht bewusst, wie aufwendig die Bestäubung von Vanille ist und dass die Menschheit dieses Wissen über mehrere Jahrhunderte hinweg tatsächlich verloren hatte. Dass ausgerechnet ein zwölfjähriger, versklavter Junge dieses Problem löste, macht die Geschichte umso eindrücklicher.
Der Stil ist bewusst etwas altbacken gehalten, und ich habe den Eindruck, dass er genau deshalb gut in die Zeit und die Atmosphäre passt, die Bélem vermitteln will. Am meisten mochte ich aber die eingestreuten Originalzitate aus Briefen und anderen historischen Dokumenten, die die Autorin in ihrer Recherche aufgespürt hat. Die gaben der Erzählung immer wieder etwas sehr Echtes und Bodenständiges.
Besonders nachhallend fand ich die Einbettung von Edmond Albius’ Leben in die koloniale Geschichte von La Réunion: Wie viel Wissen Schwarzer Menschen systematisch unsichtbar gemacht oder ihnen abgesprochen wurde, ist hier schmerzhaft deutlich. Dass Edmonds Entdeckung die weltweite Vanillekultivierung überhaupt erst möglich machte und er selbst nicht davon profitierte, hat mich sehr beschäftigt.
Bibliothekar*in 1985351
Gaëlle Bélem entfaltet in ihrem Roman die Lebensgeschichte des jungen Edmond auf der französischen Kolonie Île Bourbon, der als nur wenige Wochen alter Säugling, Kind zweier Sklaven, dem Gutsbesitzer und Botaniker Ferréol Beaumont „geschenkt“ wird. Das heutige Réunion ist im frühen 19. Jahrhundert eine Spielwiese botanischer Experimente und auch Edmond verbringt sein Leben von Beginn an in Gewächshäusern, Gärten und Hainen. Seine Faszination für Pflanzen und sein Forscherdrang lassen ihn im Alter von zwölf Jahren das Verfahren zur Vanillebestäubung entwickeln, welches den Siegeszug der Vanille als Gewürzmittel einläutet und nicht zuletzt auch globale Veränderungen auf dem Weltmarkt mit sich zieht. Edmond selbst bleibt aber weiterhin ein Spielball der weißen Sklavenhalter und auch nach Abschaffung der Sklaverei wartet er vergebens auf die Anerkennung seiner Errungenschaft.
Bélem kombiniert Edmonds Sicht auf die Geschichte mit einer allwissenden Erzählinstanz aus der Gegenwart, wodurch sich eine suggestive Erzählkraft entwickelt. Den Lebensrealitäten Schwarzer Sklaven gibt sie dabei ebenso eine Bühne wie einer der bahnbrechendsten Entdeckungen im 19. Jahrhundert. Der Own-Voices-Roman verdeutlicht außerdem, dass wirtschaftliche, wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen sowohl historisch als auch in der Gegenwart – untrennbar von den realen Auswirkungen von Kolonialismus, Rassismus und systematischer Unterdrückung betrachtet werden können und unbedingt einer Aufarbeitung bedürfen.
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