Dein Schweigen, Vater

Roman

Sie müssen sich anmelden, um zu sehen, ob dieser Titel für Anfragen zur Verfügung steht.
NetGalley-Bücher direkt an an Kindle oder die Kindle-App senden.

1
Um auf Ihrem Kindle oder in der Kindle-App zu lesen fügen Sie kindle@netgalley.com als bestätigte E-Mail-Adresse in Ihrem Amazon-Account hinzu. Klicken Sie hier für eine ausführliche Erklärung.
2
Geben Sie außerdem hier Ihre Kindle-E-Mail-Adresse ein. Sie finden diese in Ihrem Amazon-Account.
Erscheinungstermin 24.08.2022 | Archivierungsdatum N/A

Sprechen Sie über dieses Buch? Dann nutzen Sie dabei #DeinSchweigenVater #NetGalleyDE! Weitere Hashtag-Tipps


Zum Inhalt

Was ist es, das die Geschwister Maria und Uli so umtreibt? Woher stammen ihre Blockaden, wenn es um wichtige Lebensentscheidungen geht? Haben sie etwas mit dem Schweigen ihres Vaters zu tun, der mit 12 Jahren aus seinem glücklichen Leben in Brünn gerissen wurde? Und dem es nie möglich war, über seine Erlebnisse aus dem Mai 1945 zu sprechen, als seine Familie gemeinsam mit 27.000 weiteren deutschstämmigen Bewohnern aus der Stadt vertrieben wurde? Immer deutlicher erkennen Maria und Uli, dass die traumatischen Zustände ihres Vaters in ihnen fortleben, auch sie sind Vertriebene. Und ihnen wird klar, dass sie ihre eigenen Wege gehen müssen, um das Schweigen zu durchbrechen.

Als sie sich zu einer Reise entschließen, wird schnell deutlich: Es wird eine Reise zu den Wurzeln ihrer Familie …

In ihrem beeindruckenden Debüt begibt sich Susanne Benda auf die Spuren der Kriegsvergangenheit in ihrer eigenen Familie.

Was ist es, das die Geschwister Maria und Uli so umtreibt? Woher stammen ihre Blockaden, wenn es um wichtige Lebensentscheidungen geht? Haben sie etwas mit dem Schweigen ihres Vaters zu tun, der mit...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Hardcover
ISBN 9783825153311
PREIS 22,00 € (EUR)

Auf NetGalley verfügbar

NetGalley Bücherregal App (EPUB)
An Kindle senden (EPUB)
Download (EPUB)

Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Ein sehr berührender Roman!
Maria und Uli haben Schwierigkeiten ihren Platz im Leben zu finden. Als Maria sich beruflich eine Auszeit verordnet und ihr Mann sich scheiden lassen möchte, beschliesst sie der Familiengeschichte auf den Grund zu gehen. Uli hält es für unnötig, lässt sich aber überreden mitzufahren. Zusammen reisen die beiden nach Brno in Tschechien. Der Vater stammt aus Brünn, wie Brno im Dritten Reich hieß. 1945 wird der Vater als 12jähriger Junge mit seiner Familie auf den Brünner Todesmarsch geschickt und kommt schließlich über Wien nach Deutschland. Maria und Uli wissen eigentlich gar nichts über ihren Vater und die Familiengeschichte. Der Vater hat nie etwas erzählt. Und während die beiden die Route von Brno nach Wien laufen, versuchen sie zu verstehen, warum ihr Vater so war wie er war.
Die erste Hälfte des Buches ist die Geschichte des Vaters. Sein Leben in Brünn, seine Freunde und schließlich der Todesmarsch. Ein lebenslanges Trauma, in dem der Vater bis zu seinem Tod versinkt. Die zweite Hälfte ist die Geschichte von Maria und Uli, die Generation der Kriegsenkel. Viel haben sie unbewusst vom Vater mitgenommen und schwer fällt es sich davon zu lösen. Kann man das überhaupt?
Ein großartiger Roman mit einem schweren Thema, Grade die Geschichte des Vaters ist stellenweise schwer zu lesen, so grausam war dieser Todesmarsch. Es ist ein komplexes Thema, wie die Familiengeschichte, grade mit solchen Traumata und Schweigen, die nächsten Generationen beinflusst.
Ein Roman, der lange nachhallt!

War diese Rezension hilfreich?

Diese Reise nach Brünn, Tschechien, ist eine Spurensuche nach der Kriegsvergangenheit – bewegend!
Die längst erwachsenen Kinder des bereits verstorbenen Paul Lustig machen eine für sie wichtige Reise nach Brünn, wo ihr Vater bis zum 12. Lebensjahr aufwuchs. Sie fragen sich: Kann man vorwärtskommen, indem man zurückgeht in diese wohl beklemmenden Orte der Vergangenheit? Könnte es eine Reise zur eigenen Vergangenheitsbewältigung und traurigen Sinnsuche mit privaten Orientierungsproblemen und schlechtem Gewissen für Maria und Uli selbst werden?
Geschichtlich belegt ist der Brünner Todesmarsch vom 12. Mai 1945 von 27.000 deutschstämmigen Bewohnern dieser Stadt bis an die österreichische Grenze, ohne Verpflegung, eine sehr wilde Vertreibung. Paul überlebt und kommt mit 14 Jahren in Wien bei seiner Tante an nach dem Verlust seiner Großeltern und auch seiner Mutter. Ihm ist es nicht möglich, über die in ihm fortlebenden traumatischen Zustände zu sprechen oder zu schreiben, denn er möchte sie verdrängen, vergessen und verharrt dafür lieber in tiefer Traurigkeit und Einsamkeit. Seine erwachsenen Kinder fragen sich nach seiner Beerdigung nun: Wer war ihr Vater? Konnte oder wollte er nichts über sein junges Leben erzählen, ohne dass alte Wunden aufbrechen, die scheinbar nie heilen können.
Besonders der Schluss mit Pavel hat mich sehr berührt. Ich bewundere den besonders einfühlsamen Schreibstil der Autorin.

War diese Rezension hilfreich?

Inwieweit werden Kinder von den Traumata ihrer Eltern beeinflusst? Die Geschichte von Uli und Marie, die der Vergangenheit ihres, niemals über sie redenden, verstorbenen Vaters Paul auf den Grund gehen wollen, zeigt eindringlich, wie sehr historische Ereignisse ganze Generationen beeinflussen - selbst wenn oder gerade weil man nicht über sie spricht.
Paul erlebt den 'Todesmarsch von Brünn' als Junge mit, bei dem 27.000 Deutsche aus dem tschechischen Brünn am 31. Mai 1945 in wilder Vertreibung bis über die niederösterreichische Grenze gejagt werden. Über dieses einschneidende Ereignis kann er als Überlebender nicht reden, doch beeinflusst es sein ganzes Leben und das Leben der Generation danach. Nach dem Tod des Vater gehen die Kinder Marie und Uli auf Spurensuche und vollziehen den Marsch von Brünn aus, in Teilen, selbst nach.
Die Autorin schafft es atmosphärisch dicht die Angst, Wut, Verzweiflung erfahrbar zu machen, die nicht nur der Vater gefühlt hat, sondern die auch im Kopf der Kinder, speziell bei Marie vorhanden ist. Man hat phasenweise das Gefühl, als würden die Toten wieder lebendig werden.
Sehr emotional war für mich der letzte Teil des Buches, in dem es ein völlig unerwartetes 'Wiedersehen' aus der Vergangenheit gibt und dort wird einiges geklärt. Erst zum Ende habe ich erfahren, dass die Autorin hier auf Erfahrungen der eigenen Familiengeschichte zurückgreift, was es im Nachgang noch realistischer werden lässt. Das Buch ist schwere Kost - definitiv. Doch es ist unbedingt sehr lesenswert. Ein wirkliches Highlight für mich.

War diese Rezension hilfreich?

Flüchtlingsaugen bleiben Flüchtlingsaugen.
Ich beginne meine Rezension in der Überschrift mit einem Zitat. Diese traurige Feststellung bleibt für mich im Buch bis zum Schluss bittere Wahrheit.
Susanne Benda legt mit „Dein Schweigen, Vater“ ihren ersten Roman vor. Nirgends wird erwähnt, wie lange sie dafür recherchiert hat, wie lange sie wahrscheinlich mit dem Text gerungen hat, der auch ein Spiegelbild der Erlebnisse in ihrer eigenen Familie ist. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es sehr schwer ist, das Innenleben naher (schon verstorbener oder noch lebender) Verwandter zu beleuchten und zu beschreiben. Der Klappentext und die Leseprobe hatten sofort meine Aufmerksamkeit, wieder ein Buch über die Vertreibung von Deutschen aus ihrer Heimat, wieder eine Geschichte vom Verschweigen und vom Suchen nach der Wahrheit hinter dem Schweigen. Erst im Februar hatte ich Christiane Hoffmanns Buch „Alles was wir nicht erinnern“ gelesen. Auch sie wanderte auf den Spuren der Flucht ihres Vaters, ging dafür Hunderte Kilometer zu Fuß.
Susanne Benda aber schreibt kein Sachbuch über einen solchen Fluchtweg, sie entwickelt vor den Augen des Lesers einen Roman, der bis tief in die Seelen der Protagonisten blickt. Zu Beginn des Buches hatte ich Schwierigkeiten, mich in den ungewöhnlichen Stil einzulesen, aber mit jeder weiteren Seite zog mich das Buch mehr in seinen Bann.
Die Geschichte ist in zwei Teile unterteilt, die ineinanderfließen und sich gegenseitig aufbauen. Grundlage bildet Paul Lustigs Kindheit, die im Gegensatz zum Familiennamen überhaupt nicht lustig ist. Paul wächst in Brünn auf, in einer deutschen Familie, mit tschechischen Nachbarn und Freunden. Die Nazizeit, die „Heim ins Reich“-Mentalität stellt die Ursprünge dieser Stadt auf den Kopf. Als Hitler den Krieg verliert, verlieren die Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei nicht nur ihr gewohntes Leben, sie werden mit Hass und Gewalt überschüttet, am 31. Mai 1945, Fronleichnam, werden 27.000 Brünner Deutsche aus der Stadt gejagt. Mittendrin ist Paul mit seiner Familie, die so viel Schreckliches erfährt, dass es Paul schier den Verstand raubt. Am Ende der Vertreibung ist er in Wien bei seiner Tante Agnes untergekommen, aber er hat alle Verwandten, alle Freunde und auch die Freude am Leben verloren. Trotzdem wird er studieren, heiraten, Kinder haben und immer dann, wenn ihm jemand zu nahekommt, in den Garten gehen und seine Rosen schneiden. Die Kinder erfahren fast nichts aus der Vergangenheit ihres Vaters. Das ist in vielen Familien so, die Opfer wollen die Liebsten vor den eigenen schlimmen Erlebnissen schützen.
Die beiden Kinder von Paul, das sind Maria und Uli, im Roman nun beide um die 50, und jeder für sich in einer Krise. Uli ist gegen den Willen der Eltern, „er sollte ja mal was Besseres werden“, Schuhmacher mit Leib und Seele, ein Eigenbrötler, ein Eremit, der nur schwer aus seiner Werkstatt zu holen ist. Seine Schwester Maria hingegen ist gerade „in Trennung“, hat zwei beinahe selbstständige Kinder, und die Idee, ein Sabbatical in ihrem Lehreralltag einzulegen. Marie ist die dynamische der beiden Geschwister, die sich von Klein auf sehr nahe sind. Nun also wird Maria ihren Bruder aus der Reserve locken, hängt ihm ein Schild in die Werkstatt, dass jetzt Betriebsferien sind, und beide beginnen eine verrückte Reise in einem VW-Bus. Irgendwie schaffen sie es, immer an anderen Orten zu landen, als sie es planen. Uli ist schon mega genervt, als Maria plötzlich ihre Mutterrolle hervorgeholt und den verhafteten Sohn aus spanischer Haft retten will. Auf geht es nun doch in den Süden, aber in Lyon ist Schluss, bis dahin hat sich der gerade wieder entlassene Sohn schon durchgeschlagen.
Dann gibt es im Roman einen plötzlichen Schnitt und man steht am Grab von Paul, der sich nach einem Schlaganfall nicht mehr erholte. Hinterlassen hat er nicht viel, keine Erklärungen, nur einen uralten und nicht abgesendeten Brief an einen Freund findet Maria, der wieder nur das ausdrückt, was sie schon lange weiß: der Vater schleppte seine Kindheitserlebnisse immer mit sich herum, aber konnte darüber weder sprechen noch schreiben.
In dieser Situation machen sich Maria und Uli, diesmal ohne den Bus, auf den Weg nach Brünn, um endlich zu sehen, woher der Vater kam, wohin er vertrieben wurde und was er ihnen ein Leben lang verschwieg. Beide mit unterschiedlichem Elan und mit unterschiedlichen Erwartungen. Roadmovie Nummer zwei nimmt seinen Lauf, Benda beschreibt sehr anschaulich und sensibel, wie man sich fühlt, wenn man in der Vergangenheit gräbt, wie enttäuscht man ist, wenn rein gar nichts zu sehen ist in der Heimatstadt des Vaters. Dass diese gemeinsame Entdeckungsreise nicht ohne Tränen, Streitereien und Missverständnisse bleibt, verwundert da nicht.
Eine kleine Gedenktafel auf einer Wiese, wo fast 1000 vertriebene Deutsche verscharrt sind, ist mit einem so nichtssagenden Text ausgestattet, dass es mich als Leser geschüttelt hat. Anrührend sind die Erlebnisse der beiden auf ihrem Weg, den sie teilweise zu Fuß zurücklegen wie 1945 der Vater. Sie lernen unterschiedliche Leute kennen und erfahren ein wenig von dem Land, das sie besuchen. Trotzdem bleibt gerade die Zeit in Brünn ohne große Erkenntnisgewinne.
Die Autorin greift auf ein sehr breit gefächertes und fundiertes Fachwissen zurück: sie hat Musik- und Theaterwissenschaft und Germanistik studiert. Das spürt man an ihrem eigenwilligen Stil, aber mehr noch an den Passagen, die sie der Musikalität und Musikkennerschaft Ulis und der Musik ganz allgemein widmet. Die Charakterisierung ihrer Protagonisten gelingt Benda auf sehr einprägsame Weise, man spürt den „Rucksack“, den Pauls Kinder mit sich tragen, von dem sie eigentlich nichts wissen, aber der immer da ist.
Das Schlusskapitel ist ein versöhnlicher Ausgang, es hat mir sehr gefallen. Jeder, der das Buch liest, wird erfahren, wie doppeldeutig das Wort versöhnlich sein kann.
Das Nachwort über den Brünner Todesmarsch deckt noch einmal die historischen Hintergründe auf. Hier vielleicht für den Leser ein Tipp: in München gibt es seit 2020 ein Sudetendeutsches Museum, das die Ereignisse und die Folgen der Vertreibung sehr ausführlich und eindrucksvoll schildert. Für mich war dieses Buch wie ein zusätzlicher Film im Kopf, der die Ausstellung und meinen Horizont enorm bereichert.
Ich beende meine Rezension mit einer klaren Kaufempfehlung und folgendem Zitat „Ist Vergessen das Beste, und heilt Zeit wirklich alle Wunden?“. Meine Antwort: Zweimal Nein.

Nach Erscheinen werde ich auf amazon.de und weiteren Plattformen rezensieren.

War diese Rezension hilfreich?

Kurios und irgendwie langatmig

Maria und Uli wissen nicht viel von ihrem Vater. Um nicht zu sagen, sie wissen nichts von ihm. Und das, obwohl sie mit ihm aufgewachsen sind. Paul Lustig kam mit dem Todesmarsch von Brünn nach dem Zweiten Weltkrieg in den Westen. Über seine Erlebnisse spricht er nie, auch sonst ist er eher wortkarg.

Ich war neugierig auf diesen Roman. Doch leider wurde ich sehr enttäuscht. Es passierte eigentlich die meiste Zeit über nichts. Der Leser begleitet Uli und Maria bei alltäglichen Tätigkeiten. Gegen Ende kommt ein bisschen Fahrt auf. Aber auch das blieb alles sehr oberflächlich. Ich finde es schön, dass die Geschwister mehr über ihren Vater erfahren wollen. Wie sie es angehen, ist allerdings sehr fragwürdig. Verwunderlich finde ich es nicht, dass Paul schweigt. Vermutlich will er einfach alles nur vergessen und nicht wieder aufgewühlt zu werden. Das Maria und Uli nie nachgefragt haben, ist einerseits verständlich, wenn jemand nicht erzählen will, will er eben nicht, da muss man auch nicht bohren.
Der Schreibstil war vor allem am Anfang sehr einfach, es klang als würde ein Kind sprechen. Vielleicht lag das auch daran, dass Paul damals noch ein Kind war. Danach wurde es etwas besser. Dennoch waren er immer sehr kurze und einfache Sätze.
Ich wurde mit dem Roman leider nicht warm. Mir fehlte die Tiefe und häufig auch richtiger Inhalt. Wenn Uli und Maria nur darüber reden, dass ihr Vater immer schweigt, bringt mich als Leser das nicht weiter. Deshalb vergebe ich nur zwei von fünf Sterne.

War diese Rezension hilfreich?

Susanne Bendas Buch „Dein Schweigen, Vater“ ist ein emotionales und bewegendes Buch über das Schweigen und den Einfluss der Traumata derer, die im zweiten Weltkrieg Kinder und Jugendliche waren, auf die folgenden Generationen. Obwohl an fiktiven Personen ausgerichtet, schreibt Susanne Benda auch über ihre eigene Familiengeschichte, denn ihr Protagonist, der 12jährige Paul Lustig, steht sinnbildlich für ihren Vater Leopold, der sich ebenfalls als Zwölfjähriger auf den „Brünner Todesmarsch“ machen musste.
Geschwiegen hat er, der Paul. Die Welt um sich herum mit seinen „Flüchtlingsaugen“, wie seine Tante Adele sie nennt, angeschaut und die Bilder, die er in sich trug, dort begraben. Und mit niemandem darüber geredet. „Ich habe jedenfalls nichts gefragt. Ich habe mich einfach nicht getraut. Und heute bin ich mir sicher, dass mein Nicht-Fragen mit dafür gesorgt hat, dass dieses große Schweigen in unserer Familie geblieben ist.“, sinniert Maria. Aber hätte sie denn eine Antwort bekommen? Vermutlich nicht. Denn er hat Fragen „fest eingeschnürt in Paul Lustigs großes Schweigepaket, und dort hat er sie nie mehr hinausgelassen.“
Susanne Bendas Publikum hingegen sieht die Bilder und Erinnerungen. Denn sie nimmt es mit ins Brünn des Jahres 1945. Als aus Menschen, die jahrelang zusammen gelebt und gearbeitet haben, ja Freunde waren, Feinde werden („»Ich hatte Freund«, sagt Pavel, der Großvater. »Und ich hatte Freundin. Waren beide deitsch oder halbdeitsch, aber habe ich erst gemerkt, als Krieg vorbei. Vorher nur Freunde.«“). Sie nimmt ihre Leserschaft mit in die Hitze des Fronleichnamstages, an dem sich rund 27000 Menschen ohne Wasser und Verpflegung auf den Weg Richtung niederösterreichische Grenze machen mussten. Angetrieben von Menschen, die sie zum Teil ihr Leben lang kannten und die es „Rückführung ins Reich“ nannten. Mehr als 5000 Menschen überlebten die Tortur nicht, darunter Pauls Großeltern. Aus diesen schrecklichen Bildern, die die Autorin hier zeichnet, besteht der erste Teil des Romans.
Der zweite Teil zeigt das „Danach“. Denn Paul und seine Mutter überlebten den Todesmarsch, seine Mutter starb nach der Ankunft in Wien an Typhus. Paul wuchs bei seiner Tante Adele auf, studierte, heiratete und wurde zweimal Vater. Und schwieg, bis zum Schluss. Er konnte, wie so viele, nicht über das Erlebte reden. „Dieses Schweigen ist eine Krankheit, die sich vererbt.“, für seine Tochter Maria ist es klar. Klar ist auf jeden Fall: dieses Schweigen ist ein Schatten, der über der ganzen Familie, bis in die folgenden Generationen, liegt. Und dabei liegen im Schweigen oft mehr Worte als in ganzen Sätzen.
Maria und Uli, Pauls inzwischen lang erwachsene Kinder, sind durch das Trauma ihres Vaters geprägt. Maria scheint in ihrem Leben nicht wirklich zu Hause zu sein. Sie steht vor der Trennung von ihrem Mann, ihre beiden Kinder sind aus dem Haus. Uli ist in seinem Leben als Schuhmacher glücklicher, er mag die ruhige Gleichmäßigkeit. Dennoch lässt er sich von Maria zu einem Urlaub überreden, der ihre Rastlosigkeit zeigt. Erst nach Norden, dann nach Süden und dann noch eine Reise, um den Weg des Vaters von Brünn nach Wien nachzuempfinden.
Der Schluss des Buchs ist traurig-schön. Er schließt den Kreis, den das Buch beschreibt. Von Paul, Marie und Pavel aus dem ersten Kapitel zu Uli, Maria und Pavel im letzten. Der inzwischen verstorbene Paul ist in den Erinnerungen präsent. Pavel bringt mit seinen Erzählungen ein bisschen Licht in die Vergangenheit und macht Pauls Schweigen leichter.
Die Epigenetik erforscht, ob Traumata vererbt werden können. Die bisherigen Erkenntnisse sind interessant, das Thema ist im Buch allerdings nur am Rande gestreift. Uli und Maria sind ja nicht nur genetisch die Kinder ihres schweigsamen Vaters, sondern auch Ergebnis seiner Erziehung. Aber alles in allem ist es ein sehr emotional geschriebenes, oft bedrückendes Buch über beredtes Schweigen, gestohlene Kindheiten und Traumata und es wird noch lange in mir nachhallen. Von mir fünf Sterne.

War diese Rezension hilfreich?

Späte Folgen
Maria und Uli haben einen liebevollen Vater, aber immer wenn sie nach seiner Kindheit fragen, antwortet er: Dafür seid ihr noch zu klein, später. Es gibt kein Später. Er schweigt, erzählt nie von seiner Kindheit in Tschechien. Von der Vertreibung nach Österreich. Die ältesten Fotos von ihm zeigen ihn als Studenten. Von der Zeit davor gibt es keine Belege. Für seine Kinder ist das Schweigen belastend, es begleitet sie ihr Leben lang. Es erschwert ihre Entscheidungen, auch sie reden wenig über Gefühle und Empfindungen. Ist das Schweigen erblich? Sind Kindheitstrauma auf die eigenen Kinder übertragbar?
Pschychologen bestätigen diese Fragen. Die Mechanismen die wir entwickeln wenn wir ein Trauma erleiden übertragen sich auf unsere Nachkommen. Sie kopieren Verhaltensweisen obwohl sie dem Trauma nie ausgesetzt waren.
Die Autorin erzählt in Bildern von diesen Reaktionen. Melancholische, fast schon traurige Bilder. Sie sind überzeugend, genau wie die Reaktionen des Umfelds von Paul dem Vater. Seine Frau liebt ihn, betrachtet ihn aber auch als ihre Aufgabe. Seine Kinder lieben ihn, haben aber Abstand zu ihm. Wenn er sich auf einmal zurück zieht in seine eigene Welt, spricht eine Tante von "Flüchtlingsaugen".
Diese Bilder öffnen einen Zugang zu den möglichen Gedanken der Betroffenen. Die phantasievolle Darstellung vermittelt einen Eindruck wie die Last weiter gegeben wird.
Als die erwachsenen Kinder sich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben, treffen sie auf Zeitzeugen und erfahren dadurch endlich etwas von dem Schicksal ihres Vaters und sie können daraus Rückschlüsse auf sich selbst ziehen.
Die Figuren schweigen in dem Buch, die Bilder von der Autorin reden.
Es ist ein nachhaltiges Buch über ein wichtiges Thema.

War diese Rezension hilfreich?

Das Debut " Dein Schweigen Vater" der Autorin Susanne Brenda hat mich mit der Leseprobe sehr angesprochen und ich wurde mit dem Gesamtwerk nicht enttäuscht.

Uli und Marie machen sich auf die Reise nach Brünn, den Ort aus dem ihr Vater Paul mit 12 Jahren auf den bekannten Todesmarsch von Brünn geschickt wurde. Die 27000 Deutsche, die aus Tchechien vertrieben wurden, hatten keinerlei Nahrung bei sich. Nach 2 Jahren kommt Paul mit dem Verlust von Mutter und Oma bei einer Tante in Wien an. Dem jungen Paul bleibt es zeitlebens nicht möglich über die Vertreibung und Grausamkeiten zu sprechen. Marie und Uli, nach Paul Beerdigung realisieren, dass sie nichts über ihren Vater wissen und machen sich auf um Tile des Todesmarsches selber zu gehen.

Dies ist das erste Buch, welches sich so detailiert mit der transgenerationalisierten Traumatisierung beschäftigt. Die Autorin beschreibt in der Geschichte ihre eigene Familiengeschichte und dies auf sehr eindrückliche, sprachlich gewaltige Weise, dass es mit teilweise schwer fiel weiter zu lesen.

Die Grausamkeiten und die Übertragung eigener Traumata auf weitere Generationen wird sehr deutlich.

Ein Buch was wahrlich keine leichte Lesekost darstellt, aber unbedingt empfehlenswert ist.

War diese Rezension hilfreich?

Ein berührend wichtiges Buch. Die Bücher von Sabine Bode (z.B. "Kriegskinder", "Kriegsenkel") haben uns aufmerksam werden lassen, wie traumatische Erlebnisse der Kriegsgeneration in die nachfolgenden Generationen nicht nur hineinwirken, sondern sich auch auswirken; wie das nicht Be-, geschweige denn Verarbeitete sich auf das Fühlen und Handeln der Kinder und deren Kinder ausgewirkt hat. Wie sich hinter der Mauer des Schweigens die traumatischen Erinnerungen eingenistet und über Tugenden wie Disziplin und Arbeit in Schach gehalten werden mussten. Wie man aufpassen musste, sich nicht seinen Emotionen hinzugeben, weil sonst zu befürchten war, dass die Dämme brechen und schreckliche Erinnerungen die 'schwach gewordene Person' überfluten würden. Und immer wenn negative Emotionen in Schach gehalten werden müssen, dann werden als Nebeneffekt auch die positiven unterdrückt. Alles wird zum Schweigen gebracht... und die Kinder verstehen sehr schnell, keine Fragen zu stellen! Und das Schweigen, die Zurückhaltung der Emotionen durch die Traumatisierten hat sich natürlich in die Atmosphären der Familien niedergelegt. Und nun hat Susanne Benda einen literarischen Versuch unternommen, basierend auf ihrer eigenen Familiengeschichte, diesem Phänomen auf die Spur zu kommen. Und dieser Versuch ist gelungen! Und zwar in einer derart intensiven Art, dass mir meine eigene Familiengeschichte mit all dem Verschwiegenen mit hoher emotionaler Intensität ins Bewusstsein gerückt ist. Im ersten Teil sind wir Zeugen der Flucht aus Tschechien, der Todesmarsch der Heimatvertriebenen Deutschen aus Brünn in Richtung Wien im Mai 1945. Im zweiten Teil erfahren wir die Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen. Im dritten Teil schließlich machen die Kriegsenkel-Geschwister Maria und Uli eine Reise zur Fluchtstrecke; offen bleibt, ob das in den Vorgängergenerationen erlebte Leid jemals wird verarbeitet werden können; klar ist aber auch, dass Schweigen kein Weg ist. Ein berührend wichtiges Buch.

War diese Rezension hilfreich?

ich habe etwas anders erwartet.
ich rauchte bis zum 4 Kapitel um richtig im Buch anzukommen.
Das beschriebene Thema ist kein einfaches. Viele vertriebene reden ihr leben lang nicht über das erlebte.
Oft gibt das verhalten dieser Menschen den anderen Rätsel auf.
Meine Oma, väterlicher Seite, ist eine Sudentendeutsche gewesen. Auch sei hat nie über ihre Flucht/ Vertreibung erzählt. Mein Vater hat immer gesagt sie redet nur ab Ankunft in Deutschland, wo Ihr leben begonnen hat.
Die Reise die Maria und Uli unternehmen ist sehr gut dargestellt und ach wichtig in meinen Augen um zu verstehen warum so viele darüber schweigen.

I

War diese Rezension hilfreich?

*Beeindruckendes Debüt*
Mit ihrem beeindruckenden Debüt „Dein Schweigen, Vater“ ist der deutschen Autorin Susanne Benda ein anspruchsvoller, sorgsam recherchierter Roman gelungen, der von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert wurde, und mich sehr berührt, aufgewühlt und sehr nachdenklich zurückgelassen hat.
Hierin behandelt sie zum einem die grauenvollen Verbrechen, die sich unmittelbar nach Ende des 2. Weltkriegs rund um den Todesmarsch von Brünn ereigneten. Zum anderen widmet sie sich sehr nachdrücklich den weitreichenden Auswirkungen von Kriegstraumata auf die damaligen Opfer (Kriegskinder), ihre weitere Entwicklung und Beziehungen aber auch generationenübergreifend auf ihre Nachkommen, die Kriegsenkel. Eine schwierige und sehr facettenreiche Thematik, die erst seit den Büchern von Sabine Bode vermehrt Aufmerksamkeit erhalten hat.
Die Autorin hat ihren Roman auf drei unterschiedlichen Zeitebenen angelegt. Durch den bildgewaltigen und sehr ansprechenden Schreibstil und die interessanten Charaktere wird man rasch in die Geschehnisse hineingezogen und folgt gebannt dem weiteren Fortgang.
Im ersten Teil der sehr eindringlich erzählten Handlung erleben wir die Hintergründe für die Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach Österreich und die schockierenden Geschehnisse während des Todesmarsches am Fronleichnamstag den 31. Mai 1945 aus der Perspektive des 12-jährigen Paul. Wir haben Anteil an grauenvollen Szenen, die teils schonungslos geschildert werden und teils nur indirekt angerissen werden, aber allesamt mit ihrer Intensität unter die Haut gehen und einen nicht mehr loslassen. Umso mehr, da alles auf wahren Begebenheiten beruht. Über 2.000 Menschen starben damals durch Krankheiten, Schwäche, aber auch durch kaltblütigen Mord, zudem mussten die Vertriebenen willkürliche Folter und Vergewaltigungen erdulden – traumatische Erlebnisse, die die Überlebenden zeitlebens belasten werden.
Im zweiten Teil erleben wir nach einem Zeitsprung, wie die Lebensgeschichte von Paul weiterging, lernen ihn als Vater und Ehemann sowie seine Frau Christa kennen. Im letzten Teil widmet die Autorin sich Pauls erwachsenen Kindern Maria und Uli in der Gegenwart. Nach dem Tod des Vaters begeben sie sich auf eine gemeinsame erkenntnis- und ereignisreiche Spurensuche, die sie in der Hoffnung auf Antworten schließlich auch nach Brünn in dessen ehemalige Heimat führen wird. Gekonnt zeigt Benda auf, dass die unbewältigten Traumata des Vaters, seine Sprachlosigkeit und seltsamen Bewältigungsmechanismen auch fatale unmittelbare Auswirkungen auf ihr eigenes Leben haben und unwissentlich an sie weitergegeben wurden. Gekonnt veranschaulicht sie in verschiedenen Episoden sehr nachvollziehbar und vielschichtig die unterschiedliche Entwicklung ihrer Figuren und ihr individuelles Handeln. Der Autorin ist es hervorragend gelungen, aufzuzeigen, wie wichtig es für alle Beteiligten ist, das verhängnisvolle Schweigen zwischen den Generationen zu beenden und Emotionen zuzulassen, damit die durchlebten oder weitergegebenen Traumata endlich verarbeitet werden können.
Im interessanten Nachwort des Romans finden sich für alle Interessierten weitere historische Erläuterungen und Erklärungen zu ihrer eigenen Familiengeschichte, die als Grundlage zu diesem beeindruckenden Roman diente.

FAZIT
Ein sehr bewegender Roman über ein dunkles historisches Kapitel und eine berührende Familiengeschichte, die auf wahren Begebenheiten basiert. Sehr lesenswert und lehrreich!

War diese Rezension hilfreich?

Zum Inhalt:
Wie ist es,wenn du in einem Umfeld aufwächst, in dem ein Vater nicht über schreckliche Erlebnisse der Vergangenheit sprechen kann. Hat dies Auswirkungen auf die Nachfahren? Genau das Gefühl haben Marie und Uli und gehen auf eine Reise in die Vergangenheit, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was der Vater als Kriegsvertriebener erlebt hat.
Meine Meinung:
Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit, dem Brünner Todesmarsch, bei dem die deutschsprachige Bevölkerung aus Mähren vertrieben wurden. Wie schrecklich das gewesen sein muss, kann man gar nicht wirklich ermessen. In diesem Buch wird der Schrecken durch den über die Ereignisse stummen Vater schon deutlich. Ich fand das Buch ganz schön bedrückend und es ist auch kein Buch das man nach der Lektüre gleich wieder vergisst. Die Figuren fand ich authentisch dargestellt, den Schreibstil etwas ungewöhnlich aber gut.
Fazit:
Schwere Kost

War diese Rezension hilfreich?

Der Brünner Todesmarsch

Die Schriftstellerin Susanne Benda führt uns in ihrem Roman „Dein Schweigen, Vater“ in ein traurige Zeit.

Der Roman fängt mit dem 12jährigen Paul 1945 in Brünn an.
Schon ewig lebt seine Familie dort. Er ist befreundet mit Marie und Pavel. Alles war gut, bis Deutschen kamen und die Einheimischen misshandelten und Deportierten. Dann wendet sich das Spiel , jetzt müssen die Deutschen um ihr Lenen fürchten.
Die Alten, Frauen und Kinder werden zu einem Marsch Heim ins Reich gezwungen. Was Paul, da zu sehen bekam, war sehr dramatisch. Da wird die Großmutter erschlagen und viele andere, die einfach erschossen wurden.
Es ist kein Wunder, das er traumatisiert war. Seinen Kindern erzählte er nichts von der Zeit. Erst waren sie zu jung und dann fragten sie nicht mehr.
Nach dem Tod des Vaters reisten die Geschichteter nach Brünn, um das verstehen zu können.

Die Autorin schreibt diese Geschichte sehr detailliert und genau. Ich wurde davon total gefangen.
Wenn man bedenkt, was auch heute noch viele Menschen mitmachen müssen, da gibt es dann auch wieder viele traumatisierte Kinder.

Ein erschütternder Roman, den ich gern gelesen habe.

War diese Rezension hilfreich?

als gebundenes Buch: 22,00 Euro, 255 Seiten, erschienen am 24.08.22 im Urachhaus Verlag

als Kindle Ausgabe: 18,99 Euro, 254 Seiten, erschienen am 24.08.22 im Urachhaus Verlag

Ich habe dieses Buch als kostenloses digitales Leseexemplar vom Verlag bekommen und ich bedanke mich ganz herzlich bei Urachhaus und Netgalley. Natürlich ist diese Rezension trotzdem meine ehrliche Meinung zum Buch.

Wir gehen nach Brünn (heute Brno) in Tschechien gleich nach dem II. Weltkrieg. Hier treffen wir auf Paul, Maria und Pavel, drei befreundete Kinder und ihre Familien.
Paul und Maria stammen aus deutschen Familien die aber schon lange in Mähren leben und Pavels Familie ist tschechisch stämmig. Während des Krieges hat das niemanden interwessiert, nun, wo die Deutschen den Krieg verloren haben, müssen die deutschen Bewohner von Brünn sich als Deutsche kennzeichnen durch eine weiße Armbinde, sind ständigen Repressalien ausgesetzt und werden letztendlich am Fronleichnam, am 31. Mai 1945 ausgewiesen und auf einen Todesmarsch geschickt.

Dazu muss man wissen, dass in Brünn um 1900 63% der Bevölkerung deutschsprachig war. Nach dem Ende des II. Weltkrieges wurde die deutschsprachige Bevölkerung komplett aus Brünn vertrieben, sofern sie nicht in gemischten Ehen lebten. Für diese Menschen, vor allem Alte und Kinsder begann am 31.05.1945 ein Todesmarsch zur ca. 60 km entfernten österreichischen Grenze.Ca. 27 000 mussten sich in Bewegung setzen, wovon ca. 5 200 Personen ums Leben kamen.Während des Krieges wurden von den ca. 12 000 jüdischen Einwohnern von Brünn bereits 9 064 Juden in die verschiedensten Konzentrationslager deportiert. Nur etwa 700 überlebten.Quelle: Wikipedia

Auch Paul und Maria gingen mit ihren Familien auf diesen Marsch. Besonders furchtbar war, dass viele der Aufpasser, die mit Gewehren und Peitschen den Zug begleiteten, zuvor friedliche Nachbarn waren.

Im Kapitel II lernen wir dann den erwachsenen Paul kennen, der die Begabung hat mit seinen zwei Kindern zu spielen und zu agieren als wäre er selbst Kind geblieben. Nur manchmal ist er unheimlich müde, wird ganz still und eine große Traurigkeit legt sich über ihn. Durch das 1. Kapitel wissen wir, mit welchen Schatten Paul dann zu kämpfen hat.

Paul bekommt mit Christa zwei Kinder, erst Maria und zwei Jahre später Uli und diese zwei Kinder lernen wir im Laufe des Buches dann ebenfalls als erwachsene Menschen kennen. Beide sind völlig unterschiedliche Charaktere. Maria quirlig, mutig und lebensbejahend trotz unglücklicher und am Ende gescheiterter Ehe. Uli still und in sich gekehrt, ohne große Ansprüche ans Leben und die Einsamkeit liebend. Aber die Geschwister leiben sich sehr und sind immer für einander da. Besonders Uli schaut zu seiner großen Schwester auf, weil sie das Leben einfacher nimmt als er und auf alle Fragen eine Antwort zu haben scheint.

So kommt es dazu, dass Maria und Uli zu einem gemeinsamen Urlaubstrip aufbrechen. Auf diesem Trip besprechen und hinterfragen sie all die aufgekommenen Probleme ihres Lebens und des Lebens ihrer Eltern. Ihnen wird bewußt, dass sie so gar nicht viel vom Leben ihrer Eltern wissen. Gerade ihr Vater war sehr schweigsam was das betrifft, ja fast sprachlos. Wir, als Leser, wissen natürlich aus dem I. Kapitel warum das so ist. Um das zu ändern begeben sich die Geschwister nach dem Tod des Vaters auf eine zweite Reise, nämlich auf die Reise zu den Wurzeln des Vaters nach Brünn.

Das Erlebte des Vaters hat mich unheimlich berührt. Normalerweise sind das ja Dinge und Schicksale mit denen man nur vertraut ist, wenn man sie aus der eigenen Familie kennt.
Ich finde solche Bücher auch unheimlich wichtig, denn die Menschen, die von solchen Erlebnissen berichten könnten wird es bald nicht mehr geben.
Natürlich ist es auch für die betroffenen Familien sehr wichtig über das Erlebte reden zu können und so zu versuchen es zu verarbeiten.

Im Großen und Ganzen hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Nur einen kleinen Kritikpunkt habe ich. Mir nehmen die alltäglichen Dinge der Geschwister zu viel Raum ein. Sicherlich haben die Reaktionen der Geschwister auch viel mit der Schweigsamkeit des Vaters zu tun, dieser Part ist mir allerdings etwas zu großzügig ausgefallen. Ich hätte zum Bsp. nicht unbedingt lesen müssen, welche genauen Anweisungen Maria vor dem Antritt ihrer Reise ihrem Sohn gibt. Bis wir in die eigentliche Thematik einsteigen, ist das Buch schon zu einem 3/4tel um bis auf die kurze Episode am Anfang. Das fand ich ein wenig schade.
Schön fand ich allerdings am Ende, dass sich durch die Handlungen der Geschwister der Kreis wieder schließt.

Ich gebe für dieses Buch gern eine Leseempfehlung und

4*/5*.

War diese Rezension hilfreich?

Die Auseinandersetung der Kinder mit der Geschichte der Eltern ist in diesem Roan sehr spannend dargestellt. Vielleicht auch, weil die Autorin hier in großen Teilen ihre eigene Geschichte erzählt. Mich faszinierte auch die Frage, ob die Kinder unausgesprochenes der Vergangenheit, Ängste, Wünsche etc. vielleicht doch weitervererbt bekommen. Und: es ist ein versöhnendes Buch. Danke dafür.

War diese Rezension hilfreich?

Der Krieg endet nicht mit dem Vertrag

Brünn im Mai 1945. Der Krieg ist zwar offiziell zu Ende, doch vom Frieden in der Stadt kann keine Rede sein, die angespannte Atmosphäre ist deutlich spürbar.
Paul, Marie und Pavel spielen gerne zusammen; sie sind beste Freunde. Sowohl Paul wie auch Pavel würden gerne Marie heiraten; nur sie sind erst zwölf und Marie sechs. Seit neuestem müssen Paul und Marie eine weiße Armbinde mit dem N für Némec tragen, wenn sie nach draußen gehen. Und sie wohnen jetzt nicht mehr in ihrem alten schönen Haus, sondern in einer ihrer Familie zugeteilten Kellerwohnung. Auch für die Kinder ist es keine leichte Zeit, denn sie begreifen nicht, was die neue Lage mit sich bringt. Paul überlegt „wo genau er hingehört und ob er Sieger ist oder Verlierer“. (12)
Am 31. Mai 1945 wurde Pauls Familie aus Brünn vertrieben. Zusammen mit vielen anderen deutschstämmigen Familien wurden sie zu einem 60 Kilometer langen Marsch in Richtung Österreich gezwungen. Es waren alte Menschen, Frauen, Kinder und Kranke dabei; viele haben diesen Fußmarsch, ohne Essen und Wasser, nicht überlebt.
Während des ganzen Lebens ist Paul über die Erlebnisse von damals nicht hinweggekommen. Er schwieg und wollte nie über seine Vergangenheit sprechen. Erst nach seinem Tod versuchen Maria und Uli, Pauls zwei erwachsenen Kinder, das Rätsel um sein Schweigen zu lösen.
Über die Schilderung der Ereignisse in Brünn aus der Sicht des damals zwölfjährigen Paul musste ich immer wieder schmunzeln. Die Bilder des Todesmarsches unter den unmenschlichen Bedingungen konnte ich dagegen nur schwer ertragen. Schonungslos erzählt Susanne Benda über die dramatischen Ereignisse während des Todesmarsches, scheinbar emotionslos schildert sie seine Auswirkungen auf den minderjährigen Paul. Doch es ist von Anfang an klar, dass Paul, genauso wie viele anderen Vertriebenen, diesen Weg „sein Leben lang weitergegangen ist“ (162).
Die bewegenden Bilder dieser Geschichte, die auf wahren Tatsachen beruhen, gehen tief unter die Haut. Im Nachwort erklärt die Autorin die historischen Zusammenhänge und den genauen Verlauf der Vertreibung.
Der Debütroman von Susanne Benda ist somit ein literarisches Zeugnis des Verbrechens, dem viele Unschuldige zu Opfer gefallenen sind. Es ist ein wichtiges Buch, gerade jetzt, in der angespannten, unruhigen Zeit.

War diese Rezension hilfreich?

In „Dein Schweigen, Vater“ begibt sich die Autorin Susanne Benda auf die Spuren der Kriegsvergangenheit in ihrer eigenen Familiengeschichte. Eine Reise zu den Wurzeln ihrer Familie.

War diese Rezension hilfreich?

LeserInnen dieses Buches mochten auch: