Die leise Last der Dinge

Roman | Gewinner des Women's Prize for Fiction 2022

Sie müssen sich anmelden, um zu sehen, ob dieser Titel für Anfragen zur Verfügung steht.
NetGalley-Bücher direkt an an Kindle oder die Kindle-App senden.

1
Um auf Ihrem Kindle oder in der Kindle-App zu lesen fügen Sie kindle@netgalley.com als bestätigte E-Mail-Adresse in Ihrem Amazon-Account hinzu. Klicken Sie hier für eine ausführliche Erklärung.
2
Geben Sie außerdem hier Ihre Kindle-E-Mail-Adresse ein. Sie finden diese in Ihrem Amazon-Account.
Erscheinungstermin 01.09.2022 | Archivierungsdatum 30.09.2022

Sprechen Sie über dieses Buch? Dann nutzen Sie dabei #DieleiseLastderDinge #NetGalleyDE! Weitere Hashtag-Tipps


Zum Inhalt

»Ein Triumph!« MATT HAIG 

Ein Jahr nach dem Unfalltod seines Vaters beginnt der dreizehn Jahre alte Benny Oh Stimmen zu hören. Es sind die Stimmen der unbelebten Gegenstände in seinem Zuhause – seine Sneakers, eine zerbrochene Weihnachtskugel, ein Blatt welker Salat. Gleichzeitig beginnt seine Mutter Annabelle, immer mehr Dinge zu horten, bis es kaum mehr einen freien Platz auf dem Fußboden oder in den Regalen ihres Hauses gibt. Mutter und Sohn drohen in ihrer Trauer den Halt zu verlieren – bis sie auf ein Buch stoßen, das sie womöglich zu retten imstande ist ...
Mit liebenswerten Figuren, einer fesselnden Geschichte und der Auseinandersetzung mit den Themen Trauer, Erwachsenwerden und unser Verhältnis zu materiellen Dingen legt die Booker-Preis-nominierte Ruth Ozeki einen klugen, verspielten, mitreißenden, herzerwärmenden und absolut einzigartigen neuen Roman vor.

»Ein Triumph!« MATT HAIG 

Ein Jahr nach dem Unfalltod seines Vaters beginnt der dreizehn Jahre alte Benny Oh Stimmen zu hören. Es sind die Stimmen der unbelebten Gegenstände in seinem Zuhause – seine...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783961611430
PREIS 26,00 € (EUR)

Auf NetGalley verfügbar

NetGalley Bücherregal App (EPUB)
An Kindle senden (EPUB)
Download (EPUB)

Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Diese Rezension erscheint am 01.09.2022 auf meinem Blog:

Inhalt
Benny war zwölf, als sein Vater starb. Der Jazz-Klarinettist wurde von einem LKW überfahren. Benny blieb traumatisiert zurück, begann Stimmen zu vernehmen. Etwa ein Jahr lang hörte er Kenji, seinen Vater, seither die Laute von Alltagsgegenständen. Er erahnt ihre Gefühle, lauscht in „Die leise Last der Dinge“ ihrem Schmerz – und er kann nicht weghören. Alles plappert durcheinander, er findet keine Konzentration mehr, keine Ruhe.

Seine Mutter Annabelle kämpft nach dem Tod ihrer großen Liebe an mehreren Fronten: Ihr Sohn entgleitet ihr, ihr Körper geht auseinander, ihre Arbeitsstelle ist gefährdet, das Haus verwahrlost.

Werden die beiden ihr Leben in den Griff kriegen?


Einstieg
Mein Versuch, den Roman kurz anzulesen und dann schlafen zu gehen, ist grandios gescheitert.

Die Geschichte packte mich sofort. Mir begegneten keine geeigneten Stellen, um auszusteigen. Das Buch besteht aus Wörtern, die zum Lesen des nächsten Satzes und allen weiteren auffordern. Am liebsten hätte ich ohne Pause bis zum Schluss gelesen – bei fast 700 Seiten ein nicht machbares Unterfangen. Es war – und blieb – ein Kampf, den Roman wegzulegen.

Der Anfang bekommt jeden erdenklichen Punkt von mir. Ich habe mich in den Schreibstil und die Idee verliebt, mit den Personen gefühlt, wollte sie wahlweise umarmen oder schütteln. Ich war neugierig auf alles, das noch kommen sollte.


Außenseiter?
Die Figuren sind Menschen, die schnell als Außenseiter abgestempelt sind:
Unser Protagonist Benny hört Stimmen, er muss verrückt sein.
Seine Mutter Annabelle hortet Sachen, sie ist ein Messie.
Sein Vater kam um, weil er bekifft ohnmächtig wurde.
Das Aleph, das er in der Klinik trifft, ist eine drogenabhängige Landstreicherin, die im Müll wühlt.
Der F-Mann, den er aus dem Bus kennt, ist ein alkoholkranker Obdachloser.

Leute, die man meidet? Tja, ich kann sie ebenso flott anders beschreiben:
Benny ist ein hochsensibler Junge, der mit seinem Verlust und den Veränderungen überfordert ist.
Annabelle ist eine trauernde Frau, die alles gibt, was ihr möglich ist, und ihren Sohn an die erste Stelle setzt.
Kenji, halb Koreaner, halb Japaner, war ein liebender Ehemann/Vater und ein begnadeter Musiker.
Das Aleph ist eine mitfühlende junge Frau, die Schlimmes erlebt hat und Fremden mit ihrer Kunst hilft.
Der F-Mann ist ein weiser Dichter, der anderen beisteht und sie ermutigt.

"'Du bist, wer du bist, Benny Oh. Lass dir von niemandem einreden, dass das ein Problem ist.'"
(Kap. 51, Pos. 6162/9274)

Das klingt ganz anders, oder? Für mich geht es in diesem Buch darum, Dinge zu hinterfragen.


Fragen über Fragen
Ist Benny psychisch krank? Und wie sehr? Wie normal ist normal genug?
Kann man Annabelle verurteilen? Wie schnell wird ein Mensch abgestempelt?
Sind die beiden Vagabunden abstoßend?

Außerdem:
Was ist real?
Wie kann man eine gefühlte Leere füllen?
Warum wird die Welt lauter und fordernder, während wir uns nach Ruhe sehnen? Warum machen wir da mit? Haben wir eine Wahl?
Muss immer alles optimiert, erneuert, ersetzt werden?
Wann ist unser Konsum- und Fortschrittshunger gestillt? Besitzen wir Dinge – oder besitzen sie uns?

„Die leise Last der Dinge“ ist ein Buch, das wichtige Themen anspricht, eine Menge Fragen aufwirft und zum Nachdenken bringt.


Ein Buch erzählt
Die Geschichte wird von einem Buch erzählt. Bücher sind nicht nur irgendwelche Sachen, Bücher sind innerhalb der Story halb lebendige Geschöpfe, die eine Beziehung zu ihrer Leserschaft aufbauen. Klingt komisch, ist aber toll gemacht.
Benny findet es gut, den größten Teil von seinem Buch erzählen zu lassen, weil er von Ereignissen wie dem Kennenlernen seiner Eltern wenig weiß. Er kommentiert die Berichte hin und wieder, was zu amüsanten Stellen führt, beispielsweise wenn das Buch aus dem Intimleben von Annabelle und Kenji plaudert – und der Junge absolut nichts davon hören will.

Daneben gibt es Auszüge aus einem weiteren Buch, nämlich dem, das für Annabelle bestimmt ist: „Tidy Magic: Zen oder die Kunst, deine Wohnung und dein Leben aufzuräumen“ Dabei handelt es sich um eine Ausmist-Anleitung der bekannten Zen-Meisterin Aikon. Das reale Vorbild ist rasch gefunden.

Ich mag Bücher, die Bücher verehren. Dieses gehört dazu.


Aufbau
Der Roman besteht aus fünf Teilen, die jeweils mit einem Zitat aus Walter Benjamins „Ich packe meine Bibliothek aus“ beginnen. Eine passende Wahl, denn in dem Werk des Bücherliebhabers geht es um seine Sammelleidenschaft. Zudem wird der Philosoph in der Geschichte von dem Aleph ins Spiel gebracht, so dass seine Einschübe nicht willkürlich erscheinen. Die Bibliothek stellt einen bedeutenden Raum dar. Alles ist aufeinander abgestimmt.

Das 91 Kapitel umfassende Buch ist vielschichtig – und es bietet auch optisch Abwechslung. Es gibt Zeichnungen, verschiedene Schriftarten und -größen, die an geeigneten Stellen für eine angenehme Auflockerung sorgen. Ich hatte nie das Gefühl, einen ewig langen Schmöker zu lesen, im Gegenteil. Die Seiten flogen dahin.


Brillant erzählt
Die Autorin hat’s drauf. Ruth Ozeki ist eine fantastische Geschichtenerzählerin, die mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Sie schreibt einfühlsam, poetisch, leicht verständlich. Wohlverdient ist sie mit „Die leise Last der Dinge“, im Original: „The Book of Form and Emptiness“, für den diesjährigen Women’s Prize for Fiction nominiert.
Das Buch entfaltet sich langsam und mit vielen Details, ohne dass es langatmig wirkt. Es gibt bedrückende Themen und befremdliche Stellen, ebenso witzige und liebenswürdige. Mir hat die Mischung gefallen.

Der Schluss kam mir etwas einfach und abrupt vor für das, was aufgetürmt wurde. Insgesamt bleibe ich aber zufrieden zurück und möchte mehr von Ruth Ozeki lesen.


Fazit
„Die leise Last der Dinge“ ist ein ruhiger Coming-of-Age-Roman aus dem Genre des Magischen Realismus, der viele wichtige Themen anspricht und allerhand Fragen aufwirft. Ich mochte die nicht ganz lupenreinen Charaktere und den mitreißenden Schreibstil – und besonders mochte ich die originelle Idee, ein Buch die Geschichte erzählen zu lassen.

War diese Rezension hilfreich?

Im ersten Moment eine interessante, lustige Vorstellung, bei genauerer Betrachtung ein furchtbarer Gedanke: Benny Oh hört Stimmen. Es sind aber keine Stimmen von sprechenden Menschen, sie stammen von den Dingen, die um ihn sind. Benny ist aber keineswegs verrückt. Seit sein Vater bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, sprechen immer wieder Gegenstände zu ihm.

Auch auf seine Mutter Annabelle hat der plötzliche Tod ihres Mannes starke Auswirkungen. Sie hortet Dinge – manchmal auch völlig unbeabsichtigt. So findet ein Aufräumratgeber ohne ihr Zutun seinen Weg zu ihr und wird zum Buch im Buch.

In „Die leise Last der Dinge“ gibt Ruth Ozeki einem von Bennys sprechenden Gegenständen eine Stimme, „das Buch“. Es ist sein Buch und erzählt seine Geschichte. Dabei entspinnt sich ein Dialog zwischen dem Buch und Benny, der die Erzählung kommentiert.

Anfangs schwankte ich zwischen Neugier und Verwunderung. Letztere schlug aber schnell in Begeisterung um, als ich tief in die Geschichte eingetaucht war, die mich ein Potpourri an Gefühlen erleben ließ, von Freude bis Betroffenheit und Traurigkeit und vielem dazwischen.

„Die leise Last der Dinge“ ist ein kurioser Roman, philosophisch und vielschichtig. Die Sprache ist poetisch und bildhaft. Die Charaktere sind tiefgründig und detailreich ausgearbeitet. Es ist ein Buch, das nachdenklich macht und noch lange nachhallt. Großartig!

War diese Rezension hilfreich?

Benny ist zwölf Jahre alt, als sein Vater, ein Jazzmusiker mit Drogenproblem, von einem Hühnerlaster überfahren wird. Nun ist er allein mit seiner Mutter Annabelle, die zwar versucht, die Familie über Wasser zu halten, aber immer mehr im Chaos versinkt. Eines Tages beginnt Benny, Stimmen zu hören, die immer lauter werden und sich irgendwann nicht mehr ausblenden lassen. Es sind die Gegenstände um ihn herum, die zu ihm sprechen, doch weil ihm das natürlich niemand glaubt, landet er in der Psychiatrie. Dort lernt er ein Mädchen kennen, das Aleph und sie und ihre Clique verändern Bennys Leben.

Für „Die leise Last der Dinge“ wurde Ruth Ozeki mit dem Women‘s Prize for Fiction ausgezeichnet und zumindest vom Aufbau des Romans gesehen, kann ich das gut nachvollziehen. Die Handlung wird auf besondere Weise erzählt, nämlich von einem der Dinge, das zu Benny spricht. Er selbst mischt sich auch immer wieder ein und wendet sich direkt an die Leser/-innen, um das Erzählte zu kommentieren. In kurzen, eindringlichen Sätzen wird so geschildert, wie sich das Leben von Mutter und Sohn ohne den Vater ändert.

Das zentrale Thema des Buches ist sicherlich seelische Gesundheit. Mutter Annabelle kann den Tod ihres Mannes Kenji nicht verwinden und spürt noch immer seine Präsenz im Haus. In ihrer Trauer hortet sie jede Menge Dinge, so dass im Haus kaum noch Platz ist und der Vermieter mit Räumung droht. Benny hingegen kann all diese Gegenstände hören – kein Wunder, dass er das schließlich nicht mehr aushält und „verrückt“ wird. Doch was bedeutet das eigentlich, verrückt zu sein? Sind wir nicht alle irgendwie verrückt? Das findet zumindest das Aleph.

Leider gelang es mir nicht, eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Benny mag ein typischer Teenager sein, aber das machte ihn mir nicht unbedingt sympathischer. Mutter Annabelle ist furchtbar lethargisch und das auch noch dann, wenn sie droht, ihren Sohn zu verlieren. Zudem ist der Roman oft etwas langwierig und die Botschaft am Ende fragwürdig. Nicht mein Favorit für den Women‘s Prize, aber dennoch ein gut geschriebenes Buch mit wichtigem Grundthema.

War diese Rezension hilfreich?

LeserInnen dieses Buches mochten auch: