Der brennende Garten
Roman
von V. V. Ganeshananthan
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Erscheinungstermin 18.10.2025 | Archivierungsdatum 14.10.2025
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Zum Inhalt
Bitte nicht vor dem 18. Oktober 2025 besprechen.
»Ein brillanter, tief bewegender Roman über eine Welt in Aufruhr.« Celeste Ng
Die junge Tamilin Sashi hat einen großen Wunsch: Sie will Ärztin werden. Doch dann versinkt ihr Land im Bürgerkrieg und Sashi muss um ihre Träume und Hoffnungen kämpfen, während die Welt um sie herum zerbricht. Ein mitreißender Roman zwischen New York und Sri Lanka, der uns vor Augen führt, wie wir das bewahren können, was uns wirklich wichtig ist.
Jaffna, 1981. Sashi ist sechzehn und will Ärztin werden wie ihr Großvater. Und wie K, ein Junge aus der Nachbarschaft, mit dem sie eine besondere Freundschaft verbindet. Doch ihr Leben schlägt eine andere Richtung ein, als in Sri Lanka der Bürgerkrieg ausbricht und Sashi mitansehen muss, wie ihre Familie in den Strudel der Gewalt gerät. Zwei ihrer Brüder und K schließen sich den Tamil Tigers an – mit erschütternden Konsequenzen. Sashi kämpf auf ihre eigene Art für Gerechtigkeit, bis ihr am Ende nur die Flucht bleibt. Doch in New York muss sie erkennen, dass sie ihre Vergangenheit nicht abstreifen kann.
»Ein spektakulärer Roman vor dem Hintergrund historischer Ereignisse: gründlich recherchiert, voller Empörung und Mitgefühl.« THE GUARDIAN
»Ganeshananthan ist eine brillante Schriftstellerin. Tempo und Ton ihres Romans sind hervorragend aufeinander abgestimmt und ihr Schreiben zeugt von immenser Aufmerksamkeit gegenüber den Nuancen der Geschichte, die sie erzählt.« THE TIMES
»Ganeshananthan gelingt ein großer Roman vor dem Hintergrund eines Krieges. Sie erzählt von Jahren des Wachstums, entscheidenden Ereignissen und untermauert ihre Geschichte mit umfangreichen Recherchen, ohne je die Intimität und das Gefühl für ihre Figuren zu verlieren.« THE NEW YORKER
Bitte nicht vor dem 18. Oktober 2025 besprechen.
»Ein brillanter, tief bewegender Roman über eine Welt in Aufruhr.« Celeste Ng
...Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783608502787 |
| PREIS | 26,00 € (EUR) |
| SEITEN | 464 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Buchhändler*in 914726
Sri Lanka während des Bürgerkrieges- da tauchten bei mir gleich die Bilder von Gaza auf. Jeder Krieg ist furchtbar, aber Bürgerkriege sind am furchtbarsten. Ohne zu beschönigen versteht es die Autorin, die Probleme zu durchleuchten, Ich habe die Hauptperson geliebt, habe mitgefiebert und mitgelitten, habe viel gelernt, war in einer anderen Welt und bin erst nach der letzten Seite wieder aufgetaucht. Großartig!
Buchhändler*in 1779574
Der Roman war für mich eine völlig neue Leserfahrung, vor allem wegen des Plots und des historischen Hintergrunds, mit dem ich (leider) bisher keinerlei Berührungspunkte hatte. Für diese Wissenslücke schäme ich mich nach der Lektüre. Die gewaltvollen Erfahrungen der Protagonistin, ihrer Familie, der Menschen allgemein haben mich sehr mitgenommen. Besonders im Gedächtnis bleiben wird mir der Hungerstreik von K. Auch dass feministische Perspektiven auf den Krieg mit eingeflossen sind, halte ich für sehr wichtig. Vergewaltigungen als Waffen werden zu häufig nicht in Kriegsberichterstattungen erwähnt. Dennoch erschien mir z. B. der feministische Lesekreis eher wie eine Einführungsvorlesung in feministische Theorien und Perspektiven, dargestellt durch die verschiedenen Teilnehmerinnen am Lesekreis.
Die häufige direkte Leser:innen-Ansprache ist eindrucksvoll und meist ein sehr mächtiges Mittel, um vor allem Leser:innen, die mit der Geschichte der Tamilen und Sri Lankas nicht vertraut sind, zum Nachdenken und Überprüfen der eigenen Lesegewohnheiten und Wissensbestände zu animieren. Manchmal war es mir persönlich aber zu viel und etwas zu vorwurfsvoll, z. B. auf S. 239: "Verabschiede dich acht Tage lang von morgens bis abends von einem Menschen, und du weißt, was ich meine. Tu es in der Öffentlichkeit [...] und du weißt, was ich meine. Tu es, ohne zu sagen, was du eigentlich sagen willst, und du weißt, was ich meine". Lesen fördert Empathieempfinden auch gegenüber Situationen, die man selbst nicht erlebt hat. Manchmal wurden die Erlebnisse der Protagonistin durch diese Ansprachen und durch ein (übertrieben ausgedrücktes) "Das kannst du nicht verstehen" zu singulär, zu individuell. Ich wollte antworten "Nein, ich war nicht in der Situation, aber du beschreibst es so gut, dass ich es auch spüren kann. Wenn du sagst, dass ich es eh nicht kann, warum erzählst du es dann?". Auf S. 306f hat sich ein ähnliches Lesegefühl eingeschlichen, als die Leser:innenschaft angesprochen wird mit "Vielleicht weißt du das alles; vielleicht erzähle ich dir eine Geschichte, die du längst verstehst. Was würde ich darum geben! Aber wir wissen beide, dass es nicht wahr ist. Weil ich mit dir spreche, weil ich hier sitze und du dort sitzt, weil du willst, dass ich es dir erkläre". Ich zähle zu der Leser:innenschaft, die 'die Geschichte' wahrhaftig noch nicht kannte. Aber was ist mit Leser:innen mit Flucht-, Verfolgungs- und Migrationshintergrund, mit Kriegserfahrungen, Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen? Gilt da auch noch, dass es beide "wissen [...], dass es nicht wahr ist"?
Der Roman hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen und ich werde ihn definitiv weiterempfehlen, auch wenn ich ihm nicht die sprichwörtliche volle Punktzahl geben würde.
Tamilin Sashi hat große Träume, aber dann kommt es zum Bürgerkrieg und ihr gesamtes Konstrukt bricht ein. Mir hat das Buch um die junge Frau sehr gut gefallen, auch weil nicht nur ihre persönliche Geschichte erzählt wird, sonders auch der geschichtliche und gesellschaftliche Hintergrund durchleuchtet wird. Das Cover passt sehr gut dazu. Auch der Schreibstil ist schön. Ich empfehle das Buch deshalb gerne weiter.
Rezensent*in 942519
Der Roman „Der brennende Garten“ von V. V. Ganeshananthan wurde 2024 mit dem Women's Prize for Fiction und dem Carol Shields Prize geehrt.
„Der brennende Garten“ erzählt die bewegende Geschichte der jungen Tamilin Sashi, die in den 1980er Jahren in Jaffna, Sri Lanka, lebt und davon träumt, Ärztin zu werden. Der Bürgerkrieg in Sri Lanka bricht aus und reißt ihre Familie auseinander, zwei ihrer Brüder und ihr Jugendfreund schließen sich den Tamil Tigers an. Sashi kämpft auf ihre eigene Weise für Gerechtigkeit und muss schließlich ins Exil nach New York.
V. V. Ganeshananthan schreibt mit einer ruhigen Stimme und mit viel Tiefgang. Man lernt aus dem Buch sehr viel über die Geschichte Sri Lankas, aber gleichzeitig vergießt V. V. Ganeshananthan nicht die Geschichte mit viel Empathie zu erzählen.
Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Sashi erzählt, was dem Roman eine besondere Intimität und emotionale Tiefe verleiht.
Das Buch behandelt viele ernsten Themen. Es wird thematisiert, wie junge Menschen radikalisiert werden, wie sie in politische Bewegungen geraten und was das für ihre Angehörigen bedeutet. Es wird sehr gut beleuchtet und was Migration bedeutet, wie das Leben zwischen zwei Welten möglich ist.
„Der brennende Garten“ von V. V. Ganeshananthan ist ein meisterhaftes Werk, das keine leichte Lektüre ist. Der Roman ist bewegend, literarisch stark und von großer gesellschaftlicher Relevanz.
Simone F, Rezensent*in
V.V. Ganeshananthan schreibt in „Der brennende Garten“ über den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Sri Lanka. Aus der Sicht von Sashi, einer jungen Frau einer privilegierten Kaste, erlebt man als Leser:in die 1980er Jahre in Jaffna. Sashi ist zu Beginn 16 Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern und drei älteren sowie einem jüngeren Bruder. Die Familie ist wohlhabend, gebildet und eher progressiv, das Familienleben ist harmonisch. Die Kinder bereiten sich auf die Universität vor, schätzen Musik und Literatur und möchten Ärzte bzw. Ärztin oder Ingenieur werden. Als der Bürgerkrieg ausbricht, verändert das Sashis Leben radikal, und sie ist plötzlich mitten im Geschehen. Zwei ihrer Brüder schließen sich der LTTE an, und der Nachbarsjunge, in den Sashi verliebt ist, nimmt eine ranghohe Stellung bei den Tamil Tigers ein. Auch wenn Sashi Gewalt verabscheut und mit vielem bei den Tamil Tigers nicht einverstanden ist, findet sie sich doch immer wieder zwischen den Fronten wider.
Eindrucksvoll schildert Ganeshananthan, wie aus normalen jungen Menschen Mitglieder einer Terrormiliz werden. Die wechselseitigen Kriegsverbrechen von Singhalesen, verschiedenen tamilischen Rebellengruppen, den Regierungstruppen Sri Lankas und den indischen Friedenstruppen vertiefen die Gräben und verschärfen das Leid der Zivilbevölkerung. Junge Männer werden von den Rebellen zwangsrekrutiert, wahllose Hinrichtungen sind an der Tagesordnung und Frauen sind sexueller Gewalt ausgesetzt.
Die Autorin erzählt eindringlich und berührend aus der Ich-Perspektive, wobei sie immer wieder den Leser bzw. die Leserin mit „Ich will, dass Du verstehst (…)“ bzw. „Du musst verstehen (…)“ direkt anspricht. Auch wenn ich grundsätzlich nachvollziehen kann, warum sie dies tut, wirkt es aufgrund der Häufigkeit aufgesetzt und von oben herab. Das hat mich beim Lesen leider etwas gestört.
Da immer wieder tamilische Begriffe fallen, wäre ein Glossar wünschenswert gewesen. Auch ein einordnendes Nachwort, bei dem die Autorin darauf eingeht, welche Figuren oder Ereignisse real sind oder fiktiv, hätte ich sehr hilfreich gefunden. Ganeshananthan erwähnt im Nachwort, dass sie ein kompliziertes Verhältnis zu Erklärungen hat. Das ist schade, denn sie hätte zB klarer darstellen können, dass Rajani Thiranagama als reales Vorbild für die Figur Anjali Premachandran diente.
Ungeachtet dieser kleinen Kritikpunkte ist „Der brennende Garten“ ein sehr lesenswertes und bewegendes Buch, das einen jahrzehntelangen Konflikt, der hier im Westen eher am Rande wahrgenommen wurde, in den Mittelpunkt rückt.
Anne T, Buchhändler*in
Ein großes, politisches, sehr persönliches Buch: Sashikala erzählt von ihrer Kindheit im Norden Sri Lankas, von einer Kindheit mit vier Brüdern, mit Träumen, ihrer großen Liebe K. und ihrer Ausbildung zur Ärztin – und dem schleichenden, beinahe unausweichlichen Sog des Bürgerkriegs zwischen den Minderheit der Tamilen und der Armee in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Wie bleibt man seinen eigenen Überzeugungen treu? Wie lebt man weiter, wenn ein geliebter Bruder bei einem Pogrom verbrennt? Wenn einer nach dem anderen im Untergrund verschwindet? Wenn man zwischen Armee und Rebellengruppen zerrieben wird, medizinisch hilft – und plötzlich Teil der Bewegung wird und eigentlich nur das Richtige tun will: Ist man dann ein Terrorist?
Ganeshananthan erzählt nüchtern, eindringlich –doch nie voyeuristisch. Der brennende Garten ist keine einfache Lektüre, aber wichtig. Denn diese Fragen stellen sich immer wieder in jedem Kriegsgebietauch heute. Und sie zeigt außerdem, wie viel Einsatz es braucht, um Gewalt, Verlust, Widerstand – und die Suche nach einem Weg zu dokumentieren.
Ein Roman, eher ein Bericht, der nachhallt. Und der klar macht: Es gibt Geschichten, die müssen erzählt werden – auch wenn sie weh tun. Für Leser:innen von Die Sieben Monde des Maali Almeida, vielleicht auch von Romanen wie Am Himmel die Flüsse.
„Der brennende Garten“ ist eine dieser Geschichten, die es schaffen, geschichtliche Ereignisse nahbar zu machen. Eine Reportage eines Konflikts in Romanform. Mit Sashi als einer Protagonistin, deren Handeln man nicht immer gut finden mag, aber immer nachvollziehen kann. V. V. Ganeshanathan zeigt eindrucksvoll auf, wie Konflikte, Gewalt und Unterdrückung Menschen verändern können, wie Fanatismus das Schlimmste aus geliebten Menschen machen kann. Eine Geschichte, die einen erschüttert, aber auch dazu veranlasst, mehr über die Geschichte von Sri Lanka und den Tamilen erfahren zu wollen. Ganeshanathan hat mit dieser Geschichte eines dieser Bücher geschaffen, die jeder einmal gelesen haben sollte.
In "Der brennende Garten" werden Lesende in den Bürgerkrieg in Sri Lanka versetzt, der 1983 begann und fast 30 Jahre später endete. Die Hauptcharakterin, Sashi, ist mittendrin. Ihre Familie gehört zur ethnischen Minderheit der Tamilen und sieht sich Schikanen der Polizei ausgesetzt. Ihr nahestehende Personen schließen sich der Widerstandsbewegung der Tamil Tigers an. Und nebenbei versucht sie noch, ihr Medizinstudium zu schaffen.
Dieses Buch ist die deutsche Übersetzung des englischen Originalen, das bereits einige Preise gewonnen hat. Die Autorin des Buches hat fast zwei Jahrzehnte für das Buch recherchiert - das hat sich ausgezahlt. Dieses Buch ist eines der wenigen 5-Star-Reads für mich dieses Jahr. Der Erzählstil ist hochspannend und man fühlt sich mittendrin. Historische Ereignisse und Fakten zum Bürgerkrieg werden geschickt in die Geschichte hineingewoben, ohne dass es erzwungen oder belehrend klingt. Ich würde dieses Buch sogar Leuten empfehlen, die eigentlich kein Historical Fiction lesen. Vielen Dank für die Möglichkeit, das Buch vor dem offiziellen Erscheinungsdatum lesen zu dürfen!
Beate B, Rezensent*in
Mir hat das ganze Buch richtig gut gefallen. Die Übersetzung von Sophie Zeitz ins Deutsche ist wirklich gelungen und fängt die Stimmung und Atmosphäre perfekt ein. Besonders gefallen hat mir, dass die Autorin die Geschichte auf wahren Begebenheiten aufbaut und ihre Charaktere sehr glaubwürdig in die Ereignisse des Bürgerkriegs in Sri Lanka einwebt. Das Buch wird komplett aus der Sicht von Sashi erzählt, die davon träumt, Ärztin zu werden, genau wie ihr Großvater und der Nachbarsjunge K.
Im Laufe der Geschichte wird Sashi zusammen mit ihrer Familie immer tiefer in den Bürgerkrieg hineingezogen. Während ihres Studiums hilft sie im Lazarett der sogenannten White Tigers aus und erlebt hautnah die schrecklichen, ungeschönten Grausamkeiten des Krieges. Dabei wird nichts beschönigt. Die Autorin zeigt die Brutalität und den Schmerz sehr ehrlich und authentisch. Das macht das Buch zwar zu keiner leichten Lektüre, aber gerade deshalb so wichtig.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist dass die Autorin es schafft, die komplexen politischen und menschlichen Konflikte sehr nahbar zu erzählen, ohne die Figuren zu idealisieren oder in Schwarz-Weiß zu malen. Man spürt wirklich, wie sehr der Krieg in jede Familie und jeden Einzelnen hineinwirkt und wie schwer die Entscheidungen für die Menschen sind.
Die Übersetzung ist dabei sehr gut gelungen und transportiert die emotionale Wucht der Geschichte ins Deutsche, ohne dabei den Erzählfluss zu stören. Es fühlt sich an, als ob man Sashi direkt zuhört.
Für dieses Buch hat die Autorin 2024 völlig zurecht den Women’s Prize for Fiction bekommen und das merkt man. Der brennende Garten ist kein Buch, das man mal eben nebenbei liest, sondern eines, das man durchlebt und das noch lange nachhallt.
Das Buch ist eines meiner Lese-Highlights für 2025.
Zum Inhalt:
Die sechzehnjährige Sashi will Ärztin werden so wie ihr Großvater und K, der Nachbarjunge. Doch dann passiert alles anders, denn in Sti Lamka bricht ein Bürgerkrieg aus, der auch ihre Familie in Mitleidenschaft zieht. Zwei ihrer Brüder und auch K schließen sich den Tamil Tigers an. Sushi kämpft auf ihre Art, muss aber am Ende flüchten, doch auch in New York kann die die Vergangenheit nicht abstreiten.
Meine Meinung:
Das Erschreckende an manchen Büchern ist, dass es Geschichten, in diesem Fall Kriege, gibt, die einem überhaupt nicht so bewusst sind bzw. waren. Umso schrecklicher zu lesen, was in diesem Bürgerkrieg so alles geschah und wie es das Leben der Menschen auf den Kopf stellt. Natürlich ist es ein Roman, aber man schon das Gefühl, dass die Autorin sehr gut recherchiert hat und viel genauso geschehen sein könnte. Die Protagonistin spricht den Leser oft direkt, so dass man noch mehr in die Geschichte gezogen wurde. Auch wenn man sicherlich nicht wirklich verstehen will, warum jemand Terrorist wird, aber man kann auch nicht komplett ignorieren, dass es Umstände geben kann, die so schwerwiegend sind, dass es dazu kommt.
Fazit:
Schwere Kost
Rezensent*in 1346891
Tamilische Geschichten, die gehört werden müssen
«Der brennende Garten» von V. V. Ganeshananthan ist ein bewegender Roman über den brutalen Bürgerkrieg in Sri Lanka.
Das 16-jähriges Mädchen Sashi Kulenthiren (kurz Sashi) träumt davon wie ihr Grossvater sowie ihr ältester Bruder Niranjan den Beruf als Ärztin zu befolgen. Sie lebt mit ihrer Mutter (Amma), ihrem oft beruflich abwesenden Vater (Appa) und ihren drei Brüdern Dayalan (Zweitältester), Seelan (Drittältester) und Aran (Jüngster) in Jaffna, wo die Familie zunächst ein ruhiges Leben führt. Die Kinder gehen zur Schule, haben Freunde wie den hochbegabten Nachbarsjungen K. und ihre Zukunft scheint offen bis der Bürgerkrieg 1983 ausbricht.
Der Konlikt zwischen der singhalesischen Regierung und den tamilischen Milizen eskaliert und ihr Leben wird auf tragische Weise erschüttert. Als ihr Bruder Niranjan bei einem anti-tamilischen Gewaltakt ums Leben kommt, verändert alles. Sashi beginnt zu begreifen, was um sie herum geschieht und fühlt sich schuldig, dass sie nichts dagegen tun konnte. Schliesslich wird sie heimlich als eine unausgebildete Ärztin für die Bewegung eingesetzt und erkennt, dass auch die ‘Guten’ grausame Entscheidungen treffen.
Dieser Autorin gelingt es, die komplexe Realität eindrucksvoll aufzuzeigen. Die Figuren sind vielschichtig. Und deren Entscheidungen sind oft von Angst, Schmerz und Überlebenswillen geprägt. Ich war auch erstaunt über die Darstellung von Sashi’s innerem Konflikt (also zwischen Pflichtgefühl, Trauer und dem Wunsch, etwas zu bewirken).
Für mich hat dieser Roman eine besondere Bedeutung, weil meine Familie selbst betroffen war. Meine Eltern, Tanten, Onkel und Grosseltern mussten um ihr Leben kämpfen. Mein Grossvater konnte nicht laufen. Meine Onkel trugen ihn auf der Flucht durch zerstörte Dörfer… eine Realität, die im Roman greifbar wird. Bis heute erzählen sie mir, wie dramatisch diese Zeit war und wie tief sie sie geprägt hat.
Das Buch enthält tamilische Begriffe, die direkt erklärt werden. Für mich als Tamilin wirkte das authentisch und es war leicht zu verstehen. Auch schwierige Themen wie sexualisierte Gewalt werden sensibel und respektvoll behandelt.
Ich habe nur ein kleiner Kritikpunkt. Nach Ks Hungerstreik verliert die Erzählung etwas an Spannung. Mehr über die Nachwirkungen hätte dem Roman zusätzliche Tiefe verliehen.
Insgesamt hat mich «der brennende Garten» zutiefst berührt, die Erinnerungen hervorbringt. Für alle, die mehr über den Bürgerkrieg in Sri Lanka erfahren möchten, ist dieses Buch eine klare leseempfehlung. Dieses Buch verdient 5 von 5 Sternen ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Rezensent*in 456786
Bürgerkrieg in Sri Lanka
Obwohl oder grade weil ich schon mehrfach in Sri Lanka war, hat mich der Klappentext direkt angesprochen.
V.V. Ganeshananthan hat es geschafft, mit diesem Roman den lange anhaltenden Bürgerkrieg in Sri Lanka, verbunden mit all dem Leid und Elend dort, in dieser Geschichte weitestgehend neutral zu erzählen.
Die 16-jährige Protagonistin Sashi hat nur einen großen Wunsch, sie möchte Ärztin werden. Doch Bürgerkrieg wütet in ihrem Land und so muss sie regelrecht darum kämpfen, um ihr Ziel zu erreichen. K, ein Nachbarsjunge für den sie Gefühle entwickelt, sowie ihre zwei Brüder schließen sich mit schrecklichen Konsequenze den Tamil Tigers an.
Und obwohl sie mit ihren Mitteln für Gerechtigkeit kämpft, bleibt ihr am Ende nur die Flucht nach New York.
Auch wenn man anfänglich nur schwer in diese Geschichte reinkommt, so ergreift einen nicht nur Sashi‘s Schicksal, sondern auch die einzelnen Schicksale, stellvertretend für ein Land im Bürgerkrieg.
Fünf Teile, über drei Jahrzehnte herrscht der Kampf um Unabhängigkeit und Gerechtigkeit und bringt dabei soviel Leid ins Land.
Sri Lanka, ein so schönes Land mit soviel Elend in der Vergangenheit und nach wie vor kommt dieses Land nicht wirklich zur Ruhe.
Nicht umsonst hat die Autorin 18 Jahre an diesem Werk recherchiert und gearbeitet.
Ein Buch für alle die mehr über Sri Lanka, den Bürgerkrieg, aber auch über die Menschen dort wissen möchten……und definitiv keine leichte Lektüre!
Ein leiser, aber zutiefst bewegender Roman
„Der brennende Garten“ ist ein stiller, kraftvoller Roman, der einen tief berührt, ohne laut zu werden. Die Geschichte der jungen Tamilin Sashi, die mitten im Bürgerkrieg Sri Lankas um ihre Träume, ihre Familie und letztlich um ihre Menschlichkeit kämpft, geht unter die Haut – und bleibt lange nach dem Lesen im Gedächtnis.
Was dieses Buch so besonders macht, ist die Art, wie es erzählt wird. Es gibt keine wörtliche Rede, keine klassischen Dialoge – und doch gelingt es der Autorin, jede Emotion, jeden Konflikt und jedes leise Zittern in den Figuren spürbar zu machen. Diese ruhige Erzählweise schafft eine besondere Intensität: Man liest nicht einfach über das Leid, man fühlt es mit. Ohne das Grauen in grausamen Bildern auszubreiten, vermittelt die Autorin das Unfassbare – das Zerbrechen eines Landes, einer Familie, einer Jugend – mit leiser, aber durchdringender Wucht.
Sashi ist eine beeindruckende Hauptfigur. Ihr Wunsch, Ärztin zu werden, steht sinnbildlich für den Versuch, in einer zerstörten Welt zu heilen – nicht nur andere, sondern auch sich selbst. Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie Gewalt und Krieg selbst jene treffen, die nur leben, lieben und helfen wollen. Besonders bewegend ist, wie Sashi, nach all den Verlusten, in New York zwar in Sicherheit lebt, aber die Vergangenheit nie ganz hinter sich lassen kann.
Mich hat das Buch tief berührt. Ich musste mehrmals innehalten, um die Wucht der Erzählung zu verarbeiten. Ohne Effekthascherei zeigt es, wie sinnlos und grausam Kriege sind – damals wie heute. Auch wenn die Geschichte in Sri Lanka spielt, hat sie eine universelle Bedeutung: Das Leid, das Menschen einander zufügen, wiederholt sich immer wieder, nur an anderen Orten, zu anderen Zeiten.
„Der brennende Garten“ ist kein leichtes Buch, aber ein notwendiges. Es ist bewegend, schmerzhaft und zugleich wunderschön geschrieben. Ein Roman, der zeigt, dass Empathie und Erinnerung vielleicht das Einzige sind, was uns hilft, das Unfassbare zu begreifen.
Herzlichen Dank an Klett-Cotta für die Bereitstellung des Leseexemplars über Netgalley!
Dieses Buch stand schon lange auf meiner TBR-Liste, und jetzt ist es endlich auch auf Deutsch erschienen! Ausserdem habe ich erfahren, dass die Autorin auch einen Podcast hostet, den ich vor Kurzem zum ersten Mal gehört habe. Darin bespricht sie mit Autorinnen und Autoren Sachverhalte, die in deren Romanen fiktional bearbeitet wurden – also ähnlich, wie sie es in diesem Roman macht.
Der brennende Garten ist die Coming-of-Age-Geschichte von Sashi vor dem Hintergrund des srilankischen Bürgerkriegs, beginnend Anfang der 1980er-Jahre bis zu dessen Ende. Wir lesen Sashis Bericht über die Geschehnisse, darüber, wie sie und ihre Familie mehr oder weniger in den Kampf für ein unabhängiges tamilisches Eelam involviert waren bzw. hineingezogen wurden. Sashi entwickelt im Laufe der Zeit ein politisches Bewusstsein und steht gegen Ende des Buches für ihre Überzeugungen ein.
Die Autorin verwebt viele reale Persönlichkeiten und Ereignisse in die Geschichte. Das – und die Tatsache, dass Sashi die Lesenden immer wieder direkt anspricht – macht das Buch sehr packend.
Ich muss zugeben, dass ich, obwohl in der Schweiz so viele Tamilen leben, erschreckend wenig über die Gründe dafür wusste. Ein sehr erhellendes Buch, das eindrücklich zeigt, dass von einem Krieg niemand profitiert.
Literatur und Kriegsberichterstattung in tragischen Details
Das künstlerisch wirkende Cover gefällt durch die farblich intensive Farbgebung der Umarmung zweier Menschen, jedoch gibt es noch keinen Hinweis auf den kämpferischen historischen Hintergrund des Romans. Erst der deutsche Buchtitel Der brennende Garten lässt Vermutungen hinsichtlich Krieg und Terrorismus anklingen. Die Szenerie spielt von 1981 bis 2009 in Jaffna und Colombo, Sri Lanka. In fünf Teilen geht es um die Entwicklung zum blutigen Bürgerkrieg zwischen der sri-lankischen Regierung und den sogenannten Tamil Tigers (LTTE, Liberation Tigers of Tamil Eelam). Diese militante Organisation kämpfte ab 1983 für einen unabhängigen Tamilenstaat im Norden und Osten der Insel. Auch die 16-jährige Sashi leidet mit ihrer tamilischen Familie und Freunden unter der Diskriminierung durch die singhalesisch dominierte Regierung und gerät in ihrem Kampf über drei Jahrzehnte um Unabhängigkeit, Gerechtigkeit und Identität in ein gefährliches Chaos von Gewalt und Tod. Die Ich-Erzählerin Sashi erwähnt aber auch kurz die Rolle der dortigen Religionen mit ihren Tempeln, die Vielfalt an kulinarischen Köstlichkeiten, ihre Teekultur und interessante Architektur. Dennoch nicht als Wohlfühlroman konzipiert beschreibt Sashi als angehende Ärztin und Schwester den zunehmenden politischen Fanatismus und den Verlust zweier Brüder und ihres Freundes. Der Schreibstil ist direkt, erschütternd und schmerzhaft.
Der Roman vermittelt ein tieferes Verständnis für die komplexe Geschichte Sri Lankas und ihrer 15 % an tamilischer Bevölkerung – ein Projekt über 14 Jahre. 4*
Mir ist im Nachhinein gar nicht klar, was ich von „𝐃𝐞𝐫 𝐛𝐫𝐞𝐧𝐧𝐞𝐧𝐝𝐞 𝐆𝐚𝐫𝐭𝐞𝐧“ erwartet habe – aber das, was ich bekam, war es auf jeden Fall nicht! Dieser historisch geprägte Roman (im Original „Brotherless night“) beschreibt die Lebensrealität von Sashi während der 1980er Jahre in Sri Lanka. Der Bürgerkrieg zwischen tamilischen Gruppen (vor allem den Liberation Tigers of Tamil Eelam) und der singhalesisch dominierten Regierung ist zentraler Schauplatz des Romans. Wir folgen Sashi und ihrer Familie durch Zeiten voller Unsicherheit, Ambivalenz, moralischen Herausforderungen und v.a. Gewalt. Während einige ihrer Brüder sich früh den Tigers anschließen, studiert Sashi Medizin, was immer ihr Traum war. Aber bald muss sie sich entscheiden: wo ist ihre Position in diesem Krieg? Welchen Menschen wird sie medizinische Versorgung zukommen lassen, wo sind ihre eigenen Grenzen? Und: wieviel Verlust und Leid kann sie ertragen? Wir folgen ihr durch Radikalisierung ihrer Brüder, terroristische Anschläge, Märtyrer-Akte, aber eben auch durch leise Momente der Freundschaft und Verbundenheit.
Die Autorin recherchierte für diesen Roman vor Ort, sprach mit Zeitzeugen, las historische Quellen und schrieb mit „Der brennende Garten“ zwar eine Fiktion, die aber so nah an der Geschichte ist, dass es schwerfällt, sie abzuschütteln. Ich musste mehrfach pausieren, weil mir die Gewalt und deren Konsequenzen manchmal einfach zu viel waren. Zugleich musste ich weiterlesen, weil ich dachte, dass ich wenigstens das tun sollte: zuhören.
Dieses Buch erhielt 2024 völlig zu Recht den 𝘞𝘰𝘮𝘦𝘯’𝘴 𝘗𝘳𝘪𝘻𝘦 𝘧𝘰𝘳 𝘍𝘪𝘤𝘵𝘪𝘰𝘯, weil es sehr eindrucksvoll einer weiblichen, zivilen Perspektive in einem männlich dominierten Konflikt eine Stimme gibt!
Lest diesen Roman, wenn ihr an internationalen Perspektiven interessiert seid und folgt einer entschlossenen Frau außerhalb der bekannten, sicheren Welt, die inmitten von Chaos entscheiden muss, wo ihre Loyalität liegt und welche Werte sie verfolgen will.
Ich empfand den Roman “Der brennende Garten” als gelungen im Gleichgewicht zwischen einfacher Sprache und komplexer Ereignisse; gut ausgearbeitet in puncto Personal und Figurendynamiken und enorm fesseln angesichts der intensiven Handlungslinien. Überdies erfreute ich mich an neuem Wissen über ein Land, das für mich literarisch bisher unbekannt war.
Alles in allem ein sehr gelungenes Buch.
Dieses Buch gehört in jedes Bücherregal und ist es wert, gelesen zu werden! Es zeigt mit eindringlicher und eindrücklicher Sprache, wie wenig wir von der Welt erfahren. Mit dieser Geschichte schaut man nicht nur über den Rand, man verlässt den Teller komplett.
Rezensent*in 1121393
Mit ihrem Roman *Die brennenden Gärten* legt die Autorin einen atmosphärisch dichten Roman vor, der sich mit großer sprachlicher Kraft den Themen Verlust, Erinnerung und gesellschaftlichem Umbruch in Sri Lanka und dem Konflikt der Tamilen in den 80er Jahren widmet. Die Geschichte entfaltet sich in eindringlichen Bildern und schafft es, sowohl persönliche Schicksale als auch kollektive Erfahrungen miteinander zu verweben. Besonders beeindruckend ist die poetische, stellenweise fast lyrische Sprache, die selbst schmerzhafte Szenen mit einer gewissen Zartheit durchdringt.
*Die brennenden Gärten* ist ein berührendes, literarisch starkes Werk, das nachdenklich stimmt und sich besonders für Leser*innen lohnt, die ruhige, bildreiche und psychologisch feinfühlige Romane schätzen.
In "Der brennende Garten" erzählt die Autorin V.V. Ganeshananthan die Geschichte der jungen Tamilin Sashi, die unbedingt Ärztin werden möchte. doch als Tamilin gehört sie in Sri Lanke einer Minderheit an, die nicht gerade gern gesehen wird und als die Tigers, eine tamilische Widerstandgruppe, versuchen, sich mehr Rechte zu erkämpfen, beginnt ein Bürgerkrieg, der bis heute spürbar ist. Die Leser:innen verfolgen Sashi und ihre Brüder auf ihrem Lebensweg durch das Studium und später auch als inoffizielle Ärztin im Untergrund für Zivilist:innen und Widerstandskämpfer:innen.
Eindrucksvoll und vor allem sehr einfühlsam berichtet die Autorin vom Leben und Leiden der Tamil:innen in Sri Lanka, ohne dabei eine der Parteien rein als Opfer und die andere als Täter darzustellen. Fast könnte man als Leser:in glauben, hier die Lebensgeschichte der Autorin zu lesen und oft vergisst man, dass die Protagonstin Sashi erfunden ist. Man fühlt mit ihr mit, möchte ihr beistehen und hofft, dass endlich alles gut wird für sie. Man merkt, dass sich V.V. Ganeshananthan sehr gut auf diesen Roman vorbereitet hat - er wirkt wie eine Own-Voice Erzählung.
Das Buch hat mich sofort auf Grund des Covers und des Titels angesprochen. Lässt doch beides auf einen unterhaltsamen Roman hoffen. Von der Schriftstellerin habe ich bis jetzt noch nichts gelesen. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Einmal in die Hand genommen, möchte man das Buch nicht mehr weglegen.
Die einzelnen Personen sind mit Bedacht ausgewählt und mit entsprechenden Eigenschaften versehen.
Zur Geschichte, Sashi ist eine junge Tamilin. Ihr größter Wunsch ist es, Medizin zu studieren und Ärztin zu werden. Sie lebt mit ihren vier Brüdern in Sri Lanka. Auch verbindet sie mit K einem Jungen aus der Nachbarschaft eine besondere Freundschaft. Als sie sich auf ihre Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium vorbereitet, bricht der Bürgerkrieg aus. Alles wird nun anders und Sashi steht vor vielen tiefgreifenden Entscheidungen. Doch was alles nun passiert, wird an dieser Stelle nicht verraten, damit die Spannung erhalten bleibt.
Ein sehr kurzweiliges Buch, das mich hervorragend unterhalten hat. Man fühlt sich mitten im Geschehen. Ich empfehle das Buch gerne weiter.
Die 16-jährige Tamilin Sashikala/Sashi paukt 1981 in Jaffna/Sri Lanka für die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium. Der älteste ihrer vier Brüder studiert bereits Medizin und wird bald als Arzt arbeiten, der zweite Bruder Seelan will Ingenieur werden. Sashis Vater ist als Landvermesser ständig beruflich abwesend. Gemeinsam mit dem Nachbarjungen K, der schon als Kind medizinisches Talent zeigte, bilden die jungen Leute eine eingeschworene Gemeinschaft. Die von der Icherzählerin Sashi in dringlichem Ton an ein unbekanntes Du gerichtete Erzählung vermittelt, dass Sashi trotz Fleiß und deutlicher Begabung härter als ihre Brüder um ihr erhofftes Studium kämpfen muss. Die Eltern finanzieren zwar den Paukunterricht zur Prüfungsvorbereitung bei „Rajan Sir“, Sashi muss allerdings mehr Hausarbeit leisten, während ihre Brüder die Männerarbeit, wie Bewässerung des Gartens, unter sich aufteilen können. Die religiösen Normen der durch die Sprache Tamil definierten Gemeinschaft bestimmen Frauen als besonders verletzbar. Sie werden jedoch nicht durch die Gemeinschaft beschützt, sondern „verschulden“ Verletzungen ihrer Unversehrtheit durch ihr Verhalten. Gewalt durch Männer dagegen wird von der Community passiv erlitten.
Der Bürgerkrieg der Tamil Tigers, die 1983 bis 2009 für die Unabhängigkeit des von Tamilen dominierten Nordens und Ostens Sri Lankas kämpften, kündigt sich an, als Fahrrad fahrende Männer als Terroristen verdächtigt werden und Sashis Vater daher seinen Söhnen das Radfahren verbietet. Sashi lernt indessen zunächst beim verehrten Lehrer Rajan Sir; im Studium wird die angesehene Anatomieprofessorin Anjali Sashis Vorbild und Freundin. Der Bürgerkrieg holt Sashi ein, als sie noch im ersten Studienjahr gedrängt wird, im Feldlazarett der Tigers Mitglieder u. a. Personen zu behandeln, die ihre Verletzungen nicht im Krankenhaus öffentlich machen wollen. Während Sashi streng das ärztliche Ethos einhält, zu heilen und nicht zu schaden, kann sie die Kriegsverbrechen der Rebellen an der Zivilbevölkerung nicht übersehen. Ihre Distanz zu ihrer Religion und zur Bewegung wächst, als sie realisiert, dass weder Religion noch Rebellen das Kastensystem und die Stellung von Frauen verändern werden. Die Verhaftung von 10 000 Minderjährigen führt schließlich zur Gründung einer Mütterbewegung, die ausdrücklich betont, unpolitisch zu sein. Als Sashi zivile Opfer behandelt und Kopien akribisch recherchierter Dokumentationen dieser Gewalttaten auftauchen, muss sie ihre Tätigkeit als Ärztin und ihre eigene Sicherheit im Land infrage stellen. Von Anjali lernt sie, Berichte sorgfältig durch Zeugenaussagen zu verifizieren und Beweise zu sichern, ein Talent, das inzwischen wichtiger zu sein scheint als ihre chirurgischen Kenntnisse.
Zwanzig Jahre später arbeitet Sashi als Ärztin in New York. Ihre eigene Dokumentation wird die Ereignisse bezeugen und im Regal neben der Anjalis stehen.
Fazit
V. V. Ganeshananthan schreibt im Nachwort, dass ihr Roman in Personalunion mit ihrer Figur Sashi verfasst wurde und sie 18 Jahre daran gearbeitet hat. Das Ergebnis ist die bewegende Biografie einer jungen Ärztin, die sich im Verlauf der historischen Ereignisse in Sri Lanka zur Dokumentation eines Bürgerkriegs wandelt. Die Zerstörung ganzer Familien und der Lebensgrundlage einer gesamten Generation lassen Sashi an ihrer Vereinnahmung durch die Bewegung zweifeln. Die Verknüpfung von beruflichen, privaten und politischen Ereignissen, rückblickend aus der Ichperspektive erzählt, liest sich flüssig, bewegend und glaubwürdig.
Babsi Z, Rezensent*in
In diesem Roman geht es um den Krieg in Sri-Lanka. Diese Krieg ereignete sich von den 1980er Jahren bis 2009 und dem Nachwort zu Folge ist dieser auch 2022 präsent gewesen und doch wusste ich rein gar nichts darüber.
Das ist erschreckend und ich bin wirklich froh, dass dieses Buch geschrieben wurde und ich es mit meiner Schwester gemeinsam gelesen habe.
Ich habe durch dieses Buch unheimlich viel gelernt und war aufgrund der tragischen Thematik wirklich froh, mich ständig austauschen zu können.
Es fällt immer schwer einen Roman mit solch einer Thematik zu bewerten, aber ich will es versuchen.
Das Buch las sich die ganze Zeit über, als würde die Autorin über ihr eigenes Leben schreiben. Aus dem Nachwort ging nicht ganz hervor, ob das so ist oder in wie weit das zutrifft, auf jeden Fall hat die Autorin mit unzähligen Menschen gesprochen, die diesen furchtbaren Krieg mit erleben mussten.
Die Protagonistin ist eine stoische, nicht immer nachvollziehbar handelnde Person. Trotzdem konnte mich die Erzählung emotional abholen, was nicht zuletzt auch an der wiederholten persönlichen Ansprache der Leser*innen durch den ganzen Roman hinweg lag.
Ich würde dieses Buch auf jeden Fall empfehlen, da es weiterbildet und informiert ohne zu behaupten, die einzige Wahrheit zu erzählen.
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Kristen Ciccarelli
Fantasy & Science Fiction, Jugendbuch & Young Adult, New Adult