Auf der Straße heißen wir anders

Roman

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Erscheinungstermin 19.02.2022 | Archivierungsdatum 16.05.2022

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Zum Inhalt

In Karlas Familie wissen alle, wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören. Karla erlebt es als Kind in Bremen-Nord. Ihr Vater Avi in einer Klosterschule in Jerusalem. Die Großmutter Maryam als Gastarbeiterin in Deutschland. Die Urgroßmutter Armine auf den Straßen von Istanbul. Einfühlsam und mit feinem Humor fächert Laura Cwiertnia die verzweigten Pfade einer armenischen Familie auf, deren Erfahrungen so tiefgreifend sind, dass sie noch Generationen später nachhallen.Die Kinder aus der Hochhaussiedlung in Bremen-Nord kennen die Herkunftsorte ihrer Familien genau: Türkei, Russland, Albanien. Nur bei Karla ist alles etwas anders. Sie weiß zwar, dass die Großmutter in den 60ern als Gastarbeiterin aus Istanbul nach Deutschland kam, und auch, dass die Familie armenische Wurzeln hat, doch gesprochen wird darüber nicht. Als Karlas Großmutter stirbt, taucht der Name einer Frau auf, Lilit, samt einer Adresse in Armenien. Karla gelingt es, ihren Vater zu einer gemeinsamen Reise zu überreden – in eine Heimat, die beide noch nie betreten haben. Eindrücklich und bewegend erzählt Laura Cwiertnia davon, wie es sich anfühlt, am Rand einer Gesellschaft zu stehen. Und davon, wie es ist, keine Geschichte zu haben, die man mit anderen teilen kann.

In Karlas Familie wissen alle, wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören. Karla erlebt es als Kind in Bremen-Nord. Ihr Vater Avi in einer Klosterschule in Jerusalem. Die Großmutter Maryam als...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783608981988
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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Als Karla zur Beerdigung ihrer Großmutter in ihre Heimatstadt kommt, hat sie offenbar alle Zelte hinter sich abgebrochen, um auswärts zu studieren. Sie versteht die Rede des armenischen Priesters während der Trauerfeier nicht und der Kontakt zu ihrer Lieblingscousine Nisa ist seit langem abgekühlt. Als 15-jährige waren die Mädchen allerbeste Freundinnen. Karla musste als Kind ständig Fremden erklären, wie man ihren Namen ausspricht und warum sie ihrem Vater kaum ähnlich sieht. Warum Vater Avi kein Türkisch spricht, obwohl er wie Onkel Ismail aus Istanbul stammt, hätte sie selbst zu gern gewusst. Avi weicht ihren Fragen stets aus. Sicher hat Karla sich gefragt, warum Großmutter Maryam allein nach Bremen kam, um in der Fabrik zu arbeiten, und was aus Avis Vater geworden sein kann . Die klassische Situation entsteht, in der Kinder verletzt reagieren, weil ihnen nichts gesagt wurde und Eltern später ebenso verletzt kritiseren könnten, dass sich für ihre Kindheitserinnerungen niemand interessierte.

Nun ist Maryam begraben. Sie hat außer dem Ablauf einer armenischen Beerdigung ihre letzten Wünsche notiert und ihren Nachlass geordnet. Ihre Nachkommen sollen in die armenische Hauptstadt Yerewan reisen und dort einer Lilit Kuyumcyan einen goldenen Armreif übergeben. Avi hatte Reisen in die Türkei oder nach Armenien stets abgelehnt; ihre eigene Reise nach Istanbul vor einiger Zeit hat Karla ihrem Vater verheimlicht. Doch nun schnürt Avi auf einmal seine Schuhe und beide starten zur Suche nach Lilit. Auch wenn Avis Armenisch eingerostet ist, bewegt er sich in Yerewan wie ein Fisch im Wasser, als hätte er niemals woanders gelebt. Inzwischen erfahren Laura Cwiertnias Leser/innen mit Blick auf wechselnde Figuren, wie Karlas Kindheit in einem Hochausviertel verlief, warum Avi einige Jahre in einem Kloster in Jerusalem verbrachte und was die vom Völkermord traumatisierten armenischen Familien besonders ihren Töchtern einbläuten. Mehrmals habe ich mir gewünscht, dass Maryam wenigstens mit ihrer Enkelin darüber gesprochen hätte, wenn schon nicht mit Avi, dessen Verhältnis zu seiner Mutter durch seine Ehe mit einer Deutschen nicht gerade innig war. Als Vater und Tochter am Ende Lilits Enkelin aufspüren und die Bedeutung des Armreifs begreifen, ist in Rückblenden und Perspektivwechseln die Geschichte von vier Generationen erzählt worden, die stets unverfängliche Namen für ihre Kinder wählten, unauffällig lebten und niemals Gespräche über Politik, Religion oder das Militär führten. Dass man sich auf der Straße anders rufen lässt als zuhause, erhielt so eine völlig andere Bedeutung als ich erwartet hatte.

Meryam gehörte zur ersten Einwanderer-Generation in Deutschland, die ursprünglich nach Ablauf ihres Arbeitsvertrags wieder in ihre Heimat zurückkehren sollte. Laura Cwiertnia erzählt so bildhaft wie warmherzig über vier Generationen von Armeniern aus der heutigen Türkei, die stets einen Tick vorsichtiger und zurückhaltender sein mussten als andere Einwanderer und auf deren Frauen zusätzlich die Erwartung lastete „einen von uns“ heiraten zu müssen. „Auf der Straße heißen wir anders“ ist auf bestem Weg, ein Buch des Jahres zu werden …

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Karla, oder Karlotta, wie sie auch genannt wird, lebt mit ihrer Familie in einer Hochhaussiedlung in Bremen-Nord, die sich aus einem bunten Völkergemisch zusammensetzt. Während die meisten anderen Familie ihre Herkunft aus der Türkei, Russland oder Albanien kennen und mitunter stolz darauf sind, ist das bei Karla anders. Zwar weiß sie, dass ihre Großmutter Maryam in den 1960er Jahren als Gastarbeiterin aus Istanbul nach Deutschland gekommen ist und das man armenische Wurzeln hat, aber nicht viel mehr. Über den Völkermord an den Armeniern von 1915 erfährt sie in der Schule gerade einmal einen Halbsatz.

Als Maryam stirbt, hat sie ganz exakte Anweisungen für ihr Begräbnis hinterlassen, die nach armenischem Ritus erfolgen soll. Unter den Habseligkeiten der Großmutter findest sich ein fein ziseliertes Armband aus Gold und ein vergilbter Zettel mit dem Namen Lilit und einer Adresse in Armenien.

Mit viel Geduld und Überredungskunst überzeugt Karla ihren Vater, nach Armenien zu reisen und der ominösen Lilit und der ihnen unbekannten Heimat zu suchen. Mit im Gepäck ist das goldene Armband.

Meine Meinung:

Der Roman gibt uns in mehreren Rückblicken Einblick in das Leben der einzelnen Familienmitglieder. Karlas Leben in Bremen-Nord ist für mich das unspektakulärste, da leicht vorstellbar. Die Vergangenheit von Vater Avi, der aufgrund seiner Intelligenz ein Priesterseminar in Jerusalem besuchte oder das seiner Mutter Maryam als türkische Gastarbeiterin, der man den Pass abgenommen hat und die einen ähnlichen Knebelvertrag eingehen musste, wie man es nur von Bordellbesitzern kennt oder das - für mich interessanteste Leben - von Urgroßmutter Armine, die aus dem Familienverband in Armenien gerissen und damit vor dem sicheren Tod gerettet worden ist.

Der Völkermord an den Armeniern ist bis heute vielerorts ein Tabu-Thema. In der Türkei sowieso und anderswo wird auch kaum darüber gesprochen. Die wenigen Überlebenden vermieden es tunlichst armenisch zu sprechen, geben ihren Kindern türkische Vornamen (die armenischen werden nur heimlich daheim gesprochen) und müssen ihre Familiennamen jener der Türken anpassen. Die Auslöschung der Armenier ist fast, aber nur fast, gelungen.
Ähnliches passiert heute noch mit den Kurden (wieder ist die Türkei federführend) oder in China, wo man die Uiguren in Lager sperrt, umerzieht und ihnen verbietet, nach ihren Traditionen zu leben.

Laura Cwiertnia erzählt die Geschichten der einzelnen Familienmitglieder eindrücklich und einfühlsam. Die Geschichte von Karla ist für mich persönlich ein bisschen zu ausführlich, denn ein Leben in der Gegenwart, in einer Hochhaussiedlung ist für jeden Leser leicht vorstellbar.

Durch die Einlassung in die Geschichte der Vorfahren lässt sich erklären, warum Avi so ist, wie er ist, und welche Traumata die einzelnen Familiemitglieder an die nächste Generation weitergegeben haben.

Fazit:

Eine bewegende Familiengeschichte und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Gern gebe ich hier 5 Sterne.

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"In den vergangenen Jahren sind mein Vater und ich nur noch selten aneinandergeraten. Es ist als hätten wir über die Zeit einen Tanzkurs gemacht. Wir haben miteinander gerungen, bis wir wussten, wo der eine hintreten darf und wohin der andere besser nicht. Wenn heute einer von uns mal droht, vom Weg abzukommen, macht der andere schnell eine Drehung."
Mit einer Sprache die von einer gewissen Leichtigkeit getragen ist und trotzdem dem ernsten Hintergrund gerecht wird, berichtet die Autorin über eine Familiengeschichte die geprägt ist von Angst und dem Verstecken der wahren Identität.
Zwischen Welten, Kulturen und Bräuchen schwebend fühlt sich Karlotta als Aussenseiterin. Heimatlos und doch geborgen in einer Familiengeschichte, die geprägt ist von Angst, Woher diese herrührt, tut sich schrittweise auf, als die Wurzeln der Familie aufgedeckt werden.
Die Gräueltaten, die das armenische Volk erleiden musste in einem Buch so aufzuarbeiten, dass es für den Leser ertragbar scheint, ist eine schwere Last. Vor allem wenn man sich nicht neutral mit der Thematik befassen kann.
Jedoch ist es der Autorin sehr gut gelungen, dem Leser diesen grausamen Teil der Weltgeschichte näherzubringen. Wenn anfangs auch ein wenig konfus wird man langsam, Schritt für Schritt, darauf vorbereitet, eine Erzählung vorzufinden die einen realistischen Hintergrund hat.
Unter dem Begriff Aghet (Katastrophe) bezeichnen die Armenier selbst die Gräueltaten, die ihr Volk erleiden musste. Der jahrzentelanger Kampf, diesen als Völkermord anerkennen zu lassen und die Welt wissen zu lassen dass zwischen 1915 und 1916 durch den ersten systemischen Genozid des 20ten Jahrhunderts je nach Schätzung zwischen 300 000 und 1,5 Millionen Menschen zu Tode kamen, ist sicher für viele Leser eher im Verborgenen geblieben.
Jedoch hinterlässt die Erzählung Spuren. Nachhaltig beschäftigt sich manch Leser sicherlich mit dem historischen Hintergrund, um besser verstehen zu können was an sich nicht zu verstehen ist. Man fragt sich welche Grausamkeiten wir Menschen uns selbst zumuten. Wieso die Geschichte sich immer wieder wiederholt, dass Minderheiten unterdrückt und gar auf grausame Weise vernichtet werden? Ist die Welt nicht gross genug für ein friedliches Zusammensein? Haben wir noch immer nicht aus unserer gemeinsamen Geschichte gelernt?
Ein Buch das hoffentlich wachrüttelt und uns alle sensibilisiert für das Geschehen rings um uns. Vielleicht sind wir irgendwann soweit, dass wir aufhören uns selbst zu bekämpfen.

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Laura Cwiertnia - Auf der Straße heißen wir anders

Meinung
Und wenn die Türkei es noch sooft abstreitet, das war Völkermord.
Und es ist traurig, das sich kaum wer traut, das zu sagen.
Wenn seitens der Politik nicht von einem Genozid gesprochen werden kann, ist das Heuchelei.
Die Autorin erzählt die Geschichten der einzelnen Familienmitglieder eindrücklich und einfühlsam.
Und bietet eine spannende Sichtweise auf die Schrecken der Vegangenheit aller der Familie
Sehr gut geschrieben, direkt auf den Punkt gebracht.
Dieses Buch ist fantastisch und sehr emotional, ich habe es mit Vergnügen und gebe dafür gerne eine Leseempfehlung ab.

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Sehr eindrücklich, erzählt dieser Roman in Rückblicken von vier Generationen einer armenischen Familie, deren Erfahrungen von Angst, Armut und dem Gefühl nirgendwo dazu zu gehören, geprägt sind. Beginnend in der Gegenwart in einer Hochhhaussiedlung in Bremen-Nord führt er zurück führt er zurück über Jerusalem, Istanbul bis in die Zeit des Völkermordes an den Armeniern Anfang des 20. Jahrhunderts.
Eine ganz spezielle Migrationsgeschichte, die erfahrbar macht, was es bedeutet die eigene Kultur und Sprache zu leugnen, um als Minderheit unter Türken (selbst in Deutschland), möglichst nicht aufzufallen, aber sich doch nie zugehörig fühlen zu können.
Erst der vierten Generation "Karla" gelingt die Integration und die Auseinandersetzung mit der eigenen Familien- und Kulturgeschichte.

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Klapptext: In Karlas Familie wissen alle, wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören. Karla erlebt es als Kind in Bremen-Nord.
Fazit: In diesem Buch wird eine Geschichte erzählt, welche tief in der Vergangenheit sich abspielt. Und doch reicht es auch in die Gegenwart. Man wird als Leser mit jeder einzelnen Geschichte der Familienmitglieder konfrontiert. Das Leben der Familie in Bremen-Nord kann man sich gut vorstellen. Die Geschichte von Avi, ihrem Vater, ist da schon ein bisschen schwieriger. Auch das seiner Mutter ist schon weiter weg und nicht mehr so präsent. Dass interessanteste zu lesen war das Leben der Urgrossmutter Armine, die aus Armenien stammte. Die Auslöschung der Armenier ist bis heute nicht gelungen. Das ist gut so. Jeder Mensch hat das Recht auf seine Herkunft. Der Völkermord der Armenier ist bis heute noch ein Tabu-Thema in vielen Ländern. Die Geschichte der Familienmitglieder wird hier sehr eindrücklich geschildert. Die Schilderung der bewegenden Familiengeschichte ist eine Suche nach der Herkunft seines Seins. Das Lesen ist spannend und manchmal sehr emotional. Man merkt, was die Familienmitglieder immer der nächsten Generation noch weitergeben. Das Buch kann ich sehr empfehlen.

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Dieses Buch ist eine kleine Perle! Vor zwei Jahren fragte eine Freundin mich, ob ich für sie die Augen nach einem Buch offen halten könnte, das sich mit dem Leben armenischer Frauen beschäftigt. Jetzt kann ich sagen: Leonie, hier ist eins. Und was für eins! Über die verschiedenen Generationen hinweg puzzelt sich das Leben der einzelnen Charaktere zusammen, die Wege und Windungen, die das Schicksal geschlagen hat. Außerdem ist es eine wundervoll zarte Vater-Tochter-Geschichte. Es war mir wirklich ein Vergnügen dieses Buch zu lesen! Und ich habe nun zumindest eine grobe Vorstellung vom Genozid an den Armeniern und muss mich definitiv noch weiterführend mit dem Thema beschäftigen. Das ist tatsächlich mein einziger Wermutstropfen: Mir kam das Ende zu schnell. Gerne hätte das Buch auch noch 60 Seiten länger sein dürfen, aber ich hatte den Eindruck, die Geschichte der Urgroßmutter und ihrer Familie kommt ein bisschen zu kurz... Nichtsdestotrotz würde ich dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen!

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„Seit ihrer Kindheit legte sie ihren Vornamen an der Türschwelle ab wie einen Mantel. Zuhause hieß sie Maryam, draußen, Meryem.“ (Zitat Pos. 2369)

Inhalt
Karlotta wächst in Bremen-Nord als Kind einer deutschen Mutter und eines armenischen Vaters auf. Heute nennt sie sich längst Karla, studiert, schreibt an ihrer Dissertation. Als ihre Großmutter stirbt, hinterlässt sie eine Liste mit genauen Anweisungen über den Ablauf ihres Begräbnisses, sie will eine traditionelle armenische Beerdigung. Die Großmutter hinterlässt Karla Ohrringe, doch in einer Ecke der Kommode finden sie einen Armreif aus Gold mit einem Zettel. „Lilit Kuyumcyan, Yerevan, Armenien. In Karlas Familie wurde nie über die Vergangenheit gesprochen, doch nun reist sie nach Armenien, auf der Suche nach ihren Wurzeln und nach Lilit. Ihr Vater Avi, aufgewachsen in Istanbul, bevor er mit siebzehn Jahren nach Deutschland kam, begleitet sie.

Thema und Genre
In diesem Roman geht es um Heimat, Fremde, Familie, Zusammengehörigkeit und die Geschichte der Armenier in der Türkei.

Charaktere
Als Kind gehörte Karla nie dazu, so sehr sie sich auch bemüht, und weiß nicht, warum. Sie und ihr Vater Avi sind die Hauptfiguren, doch es sind die Frauen dieser großen Familie, die Großmütter, Mütter, Töchter, die diese Geschichte mehrerer Generationen tragen.

Handlung und Schreibstil
Die Haupthandlung beginnt mit dem Tod der Großmutter. Im Mittelpunkt steht die Reise durch Armenien und sie wird chronologisch von Karla als Ich-Erzählerin geschildert. Kindheits- und Jugenderinnerungen Karlas an die Zeit, als sie noch Karlotta war, ergänzen diesen Handlungsstrang. Unterbrochen wird die aktuelle Handlung durch die Geschichten von Avi, seiner Mutter Maryam und deren Mutter Armine, Karlas Urgroßmutter. Diese Geschichten werden abwechselnd und in Episoden personal erzählt und ergeben so langsam die Geschichte dieser Familie.

Fazit
Ein einfühlsamer Generationenroman mit auf ihre unterschiedliche Art starken Frauen, der interessante Einblick in das Leben einer Familie mit armenischen Wurzeln gibt.

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Hallo, ich habe gerade das Buch 'Auf der Straße heißen wir anders' von Laura Cwiertnia auf meinem Insta-Blog gemeinsam.lesen rezensiert. Der Autorin ist hier ein berührendes Debüt gelungen, das mich sehr gefesselt hat. Die Reise mit ihrem Vater wird für Karla eine Reise zu ihrer Familie und damit sich selbst.
Überzeugend und einfühlsam geschrieben.
Danke für das Rezensionsexemplar!
Herzliche Grüße, Alexandra Burkard

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„In Karlas Familie wissen alle, wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören. Karla erlebt es als Kind in Bremen-Nord. Ihr Vater Avi in einer Klosterschule in Jerusalem. Die Großmutter Maryam als Gastarbeiterin in Deutschland. Die Urgroßmutter Armine auf den Straßen von Istanbul. Einfühlsam und mit feinem Humor fächert Laura Cwiertnia die verzweigten Pfade einer armenischen Familie auf, deren Erfahrungen so tiefgreifend sind, dass sie noch Generationen später nachhallen.

Die Kinder aus der Hochhaussiedlung in Bremen-Nord kennen die Herkunftsorte ihrer Familien genau: Türkei, Russland, Albanien. Nur bei Karla ist alles etwas anders. Sie weiß zwar, dass die Großmutter in den 60ern als Gastarbeiterin aus Istanbul nach Deutschland kam, und auch, dass die Familie armenische Wurzeln hat, doch gesprochen wird darüber nicht. Als Karlas Großmutter stirbt, taucht der Name einer Frau auf, Lilit, samt einer Adresse in Armenien. Karla gelingt es, ihren Vater zu einer gemeinsamen Reise zu überreden – in eine Heimat, die beide noch nie betreten haben.“

Ist es nicht schön, wenn ein Klappentext tatsächlich einmal ungefähr das beschreibt, was man in einem Roman tatsächlich erwarten kann? Leider längst keine Selbstverständlichkeit mehr. „Auf der Straße heißen wir anders“ von Laura Cwiertnia ist eine größtenteils stark erzählte Geschichte vor allem über eine Beziehung zwischen Vater und Tochter, im weiteren Kreis über eine Familie und deren Verhältnis zu verschiedenen Gesellschaften.
Das Ganze hebt an mit Karla, die eigentlich Karlotta heißt, an der Schwelle zum Teenager sein, mit Problemen untereinander, und Problemen mit der Mehrheitsgesellschaft an einer multikulturellen Schule. Dann wird regelmäßig in der Zeit gesprungen. Die erwachsene Karlotta kehrt zurück in ihre Bremer Heimat, wo die Oma nach altem armenischen Ritual beerdigt werden möchte und der Name der „Lilit“ auftaucht, der eine besondere Bedeutung für die Großmutter hat. Nach einigem Zureden gelingt es der Protagonistin, den Vater zu einer Reise nach Yerevan zu überzeugen, um nachzuforschen. Dort spielen die stärksten Passage des Textes. Die Dynamik zwischen Tochter und Vater ist glaubhaft geschildert, diese beiden Figuren entwickeln sich mit und gegeneinander und mit der Welt, die für Vater und Tochter in verschiedener Weise fremd und doch vertraut ist, obschon die Tochter zum ersten Mal überhaupt in Armenien weilt. Tendenziell springt der Text derweil parallel zur Haupthandlung immer weiter in der Zeit zurück. Der Vater wird als Jugendlicher zum Fokus-Charakter, ebenso die Mutter und schließlich sogar die Großmutter. Thema sind unter anderem verschiedene Formen des ausgegrenzt Seins, unter Lebensgefahr in Istanbul, und immer noch nicht gefahrlos in Deutschland. Hier wie dort wird die armenische Herkunft nach Möglichkeit verborgen (daher der Titel). In Istanbul, vor dem Hintergrund des Völkermordes, von dem Carlotta überhaupt erst in ihrer deutschen Schule erfährt, doch auch in Deutschland gibt es Gründe, wie die Protagonistin, etwas älter als im Auftaktkapitel, feststellt, als sie begonnen hat sich intensiv mit armenischer Geschichte auseinanderzusetzen und erstmals auf eine Demonstration von Menschen mit armenischem Migrationshintergrund:

“Vorsichtig zog ich mein Plakat heraus, wollte es gerade heben, als ein dunkelhaariger Mann dicht an mir vorbeiging. Eilig drängte er sich durch die Reihen bis nach vorne zu der Rednerin. »Alles Lüge!« Er spuckte vor ihr auf den Boden. Zwei Polizisten lösten sich vom Rand der Gruppe, der Mann drehte wieder um, betont langsam. Dabei sprach er vor sich hin und es klang, als würde er ein weiteres Mal ausspucken.”

Und auch das Geheimnis um die unbekannte Lilit hat natürlich mit diesem Thema zu tun. Doch das löse ich für alle, die das Buch noch lesen möchten, nicht auf.

Formal und stilistisch überzeugt mich „Auf der Straße heißen wir anders“ nur so halb. Es ist solide gearbeitet und es gibt keine Passage, die dazu drängen würden es wegzulegen. Eine trotz vieler wichtige Details straff erzählte Lektüre. Aber der Beginn hängt z.B. stark in der Luft. Da werden all diese Beziehungen zu den anderen Teenager-Figuren entwickelt, und dann komplett fallen gelassen. Man hätte doch erwartet, dass wenn solche Akribie auf Teenager-Probleme und Teenager-Freundschaften verwandt wird, das wenigstens zwischendurch oder zum Schluss noch einmal aufgegriffen wird.
Die Sprache ist in etwa das, was moderne deutschsprachige Literatur uns heute in 95 Prozent der Fälle vorsetzt. Das, was man wohl an den Schreibschulen lehrt und woran sich auch die nicht Schreibschul-AutorInnen anpassen. Relativ einfach, wie gesagt durchweg solide, mit ein paar Bildern, aber ohne jene Besonderheit, die die Literatur früherer Dekaden noch bis in die 80er, vielleicht hier und da in die 90er, auszeichnete. Als man noch sagen konnte: Ja, das ist dieser Autor, jene Autorin, das packt mich und überwältigt mich und begeistert mich oder das stößt mich ab. Sprachlich/formal gibt es hunderte Bücher, die sich genau lesen wie dieses. Da aber die Geschichte überzeugt, zumindest die Hauptfiguren plastisch entwickelt sind und der Völkermord an den Armeniern noch immer ein Thema ist, dem der öffentliche Diskurs gern ausweicht, ist „Auf der Straße heißen wir anders“ in jedem Fall eine lohnende Lektüre.

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Ein aktuelles Thema: wie fremd kann man sich auf der Welt fühlen? Gibt es einen Ort der wirklich als Heimat bezeichnet werden kann? In diesem Roman beschreibt die Autorin eine Familiengeschichte, die sie so ähnlich schon selbst erlebt hat. Und es ist für die Leser:innen eine Reise durch zumeist fremde Kulturen und dennoch fühlt man beim Lesen mit allen Figuren mit. Unsere Gesellschaft benötigt noch viele solcher Texte um das Thema ‚Fremdsein‘ zu verarbeiten und vielleicht auch zu verstehen.

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!ein Lesehighlight 2022!



Klappentext:

„Die Kinder aus der Hochhaussiedlung in Bremen-Nord kennen die Herkunftsorte ihrer Familien genau: Türkei, Russland, Albanien. Nur bei Karla ist alles etwas anders. Sie weiß zwar, dass die Großmutter in den 60ern als Gastarbeiterin aus Istanbul nach Deutschland kam, und auch, dass die Familie armenische Wurzeln hat, doch gesprochen wird darüber nicht. Als Karlas Großmutter stirbt, taucht der Name einer Frau auf, Lilit, samt einer Adresse in Armenien. Karla gelingt es, ihren Vater zu einer gemeinsamen Reise zu überreden – in eine Heimat, die beide noch nie betreten haben.“



Autorin Laura Cwiertnia erzählt uns hier eine ganz besondere Geschichte die aktueller nicht sein könnte. Eine der Hauptprotagonisten ist Karla, oder Karlotta, (aber besser „Karla“, da kann ihr nichts passieren) und genau sie führt uns durch diese Geschichte neben anderen wichtigen Personen. Der Tod der Großmutter öffnet eine neue Tür, lässt ein neues Kapitel in Karlas Leben und ihrer Familie aufschlagen. Die Reise nach Armenien soll nun die Lösung bringen und wer jemals im Geschichtsunterricht gut aufgepasst hat, wird Armenien mit dem Völkermord (wobei es hier im Buch nur bedingt darum geht. Es ist keine Geschichtsreportage o.ä.!) in Verbindung bringen. Ein Volk sollte ausgelöscht werden und die, die überlebten, durften sich nicht zu erkennen geben und mussten eine neue Identität, einen neuen Namen annehmen. Ihnen wurde die Heimat genommen, ihre Kultur, ihre Religion, ihr Denken, ihre Familien. Das prägt sich die tief in die Seelen der Menschen ein und erklärt, warum schweigen besser ist, als es immer und immer wieder mit eigenen Worten aus dem Unterbewusstsein hervorzurufen. Sie sind ewig ziehende Vagabunden auf der Suche nach ihrer eigentlichen Heimat. All dies wirkt generationsübergreifend. Die, die es geschafft haben zu überleben und dem Genozid entfliehen konnten, sind nicht mehr die selben Menschen mit armenischen Wurzeln, zumindest nach außen hin. In Cwiertnias Geschichte geht es um viel mehr als nur Heimatsuche, hier geht es um Karlas eigene Wurzeln, ihre Identität, die sie bislang nie kannte, eine Suche obwohl sie gar nichts suchen wollte. Cwiertnia gibt mit ihren Figuren rund um Karlas Familie feine und ruhige Gedankenstränge hervor. Durch Zeitenwechsel und Personenwechsel fügt sich allmählich ein ganz zartes Netz zusammen, welches zum Schluss vollendet ist. Die Charaktere werden uns realistisch und wirklich einfühlsam dargestellt. Als Leser beginnen wir immer schneller zu verstehen warum, wieso, weshalb, denn der Start in die Geschichte scheint schon recht standfest, ist er aber nicht. Es entstehen Wirrungen und Irrungen, wir erleben das Heute und das, was war, damals vor langer Zeit. All dies erklärt so manches Schweigen der Großmutter, manche Ausflüchte oder Lüge, die Karla sich anhören musste, die sie schlucken und akzeptieren musste. Aber wir sehen auch eine unheimliche Stärke der Frauen (ohne das es gleich um Feminismus gehen muss), denn die Zeiten in der Großmutter und viele andere damals nach Deutschland kam, war eine komplett andere als zu Karlas.

Die Autorin nutzt hier einen feinsinnigen Ausdruck und überrascht den Leser mit kleinen, humorvollen Wörtern/ Sätzen, die sie sehr akzentuiert und wohl-bedacht wählt ohne dabei jemanden zu kränken. Sie erzählt hier sehr vielseitig und breit gefächert. Jeder Leser kann sich hier seinen Lieblingspart heraus picken und genießen. Wir Leser dürfen fremde Welten kennenlernen und haben dabei das Gefühl, wir sind damit nicht allein. Den Figuren im Buch geht es ebenso. Sie lernen sich neu kennen, fremde Menschen, fremde Kulturen und doch sind sie sich, sind wir uns, so nah.

Das was Laura Cwiertnia hier erzählt kommt nicht einfach mal so von ungefähr…kommt nicht einfach mal aus den Fingern gesogen. Cwiertnias Vater ist Armenier und so wie ihre Figur Karla ist sie ebenfalls in Bremen aufgewachsen. Egal welche Geschichte sie hier erzählt, ob autobiographisch oder nicht, sie trifft ins Herz, sie berührt, sie wühlt auf, sie schockiert, sie öffnet den Blick dafür, sie rüttelt wieder wach, sie könnte aktueller nicht sein.

„Auf der Straße heißen wir anders“ bot mir eine besondere Lesezeit und ich vergebe hier sehr gern eine Leseempfehlung mit 5 von 5 Sternen.

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Auf der Straße heißen wir anders von Laura Cwiertnia ist ein sehr berührender Familienroman der die Geschichte einer zerbrochenen armenischen Familie erzählt, die weder in der Türkei, noch in Deutschland, noch in Armenien heimisch werden. Ein sehr berührendes Buch, das einen nicht mehr loslässt.

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Migration, Herkunft, Identität, der Schatten des Völkermords und eine Vater-Tochter-Geschichte: Laura Cwiertnia packt viel in ihren Roman "Auf der Straße heißen wir anders". Und im Gegensatz zu manchen Romanen, die angesichts einer Vielzahl von Themen überfrachtet wirken, ist das hier sehr gelungen, ja mehr noch: trotz schwieriger und tragischer Themen schafft es die Autorin, einen leichten Ton zu bewahren, liebevoll, mitunter ironisch-distanziert, mit neugierigem und offenen Blick.

In der von migrantischer Einwohnerschaft geprägten Betonwüste von Bremen-Nord war Karlotta (Karl-Otto - deutscher gehts kaum) in ihrer Schulzeit eher eine Außenseiterin. Zu alman, zu deutsch, in Schulklassen, in denen die Mehrheit zu Hause türkisch oder arabisch, russisch oder polnisch spricht. Das Dissen von Minderheiten ist keine biodeutsche Spezialität. Und Karlotta, Tochter einer deutschen Mutter und eines türkischen Armeniers, spricht nach der frühen Trennung ihrer Eltern noch nicht einmal eine der Sprachen ihres Vaterrs und ist optisch zu dem ganz nach der Mutter geraten. Da hat es ihre deutsch-türkische Cousine deutlich leichter.

Der Tod der Großmutter Maryam bringt Karlotta dazu, sich mit den Wurzeln ihrer Familie zu befassen. Denn die Oma, die in den 70-er Jahren als Gastarbeiterin nach Deutschland kam, hinterlässt nicht nur allen Angehörigen ein Erbstück, sondern auch ein Goldarmband für eine Frau in Armenien, von der keiner je gehört hat. Karlotta will sich auf die Suche machen - zusammen mit ihrem Vater Avi, den die Kollegen von der Taxifirma nur als Ali kennen. Die beiden reisen zusammen nach Armenien, erkunden die Stadt, suchen ihre Wurzeln.

Aus wechselnden Perspektiven wird die Geschichte der Familie über die Generationen hinweg gezeichnet - die harte Kindheit Avis in Istanbul und die Jahre in einer Klosterschule in Jerusalem, die dem begabten Jungen einen Ausweg aus der Armut bieten könnte. Doch als Priester sah sich Lebenskünstler Avi einfach nicht.

Zuächst sind es nur subtile Andeutungen, die die latente Furcht der armenischen Minderheit in der Türkei beschreiben, das Verheimlichen der eigenen Identität. Je weiter in der Familiengeschichte die Erzählung zurückgeht, desto deutlicher wird der Völkermord an den Armeniern ein Thema und das damit verbundene Trauma, das über Generationen anhält. Für Karlotta, die auch als Kind nur wenige Worte armenisch gelernt hatte, ist es fremd, für ihren Vater hingegen weiterhin latent. Und je mehr Karlotta während der Reise mit dem Vater in die Sprache hineinfindet, desto mehr Zugang erhält sie auch zu ihrer verschütteten Familiengeschichte. Der generationsübrgreifende Road Trip endet mit einer Erkenntnis, die auch Karlottas Selbst-Verständnis berührt.

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Gastarbeiter aus Armenien, gestrandet in Deutschland – ein nicht nur geschichtlich interessanter Rückblick!
Karlotta, auch Karla genannt, erzählt über die vielen Herkunftsorte ihrer deutsch-armenischen Familie, angefangen mit der Beerdigung der Großmutter, die als Gastarbeiterin in den 60ern in Deutschland ankommt bis abschließend zur Urgroßmutter Armine in den Straßen von Istanbul mit den Hintergrundinformationen zu deren goldenem Armreif und Lilit, ihrer jüngeren Schwester.
Diverse Fragen zum Grübeln werden aufgeworfen: Wie lange es wohl dauert, bis aus einem Zuhause eine Heimat wird? Hast du gewusst, dass man seine Muttersprache vergessen kann? Wie ist es, keine Geschichte zu haben, die man mit anderen teilen kann?
Geschichtlich sind folgende Fakten wichtig: Während des Ersten Weltkriegs ermordeten die Jungtürken im Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Armenier, wohl auch Griechen, Juden. Der Genozid fand hauptsächlich auf dem Gebiet der heutigen Türkei statt. Die deutsche Armee war mit den türkischen Soldaten verbündet.
Auf der Straße heißen wir anders: Zuhause hieß sie Maryam, draußen, Meryem. Hagop hieß Hüsein. Von seinem Vornamen stand über der Tür der Schusterei nur das H. vor Kunduracı, seinem Nachnamen, der nicht versteckt werden musste, weil er längst türkisch war. Sobald ihr Sohn laufen konnte, würde Maryam ihn draußen vor den Nachbarn Ali rufen. Darum hatte sie ihn Avedis getauft und ihm den Spitznamen Avi gegeben. Schon vor der Nacht vom 6. September 1955 sahen sich wohl viele Armenier dazu veranlasst, sich zum Schutz türkische Namen zu geben nach Enteignung, Konzentrationslager, Massaker, Todesmärschen. Vergewaltigung etc..

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Die Autorin Laura Cwiertnia schildert das Leben einer armenischen Familie, deren Generationen vor ihnen aus der Türkei vertrieben wurde und in Deutschland eine neue Heimat gefunden hat. Die alte Generation hat den Jungen nicht viel aus der Vergangenheit erzählt. Schritt für Schritt wird dies nun aufgearbeitet.
Die Geschichte ist sehr lebendig und wortgewaltig geschrieben und wechselt immer zwischen
Gegenwart und Vergangenheit.
Es wird in kurzen Kapiteln erzählt, mit guter Beschreibung der inneren Qualen, die die Familie von Generation zu Generation weiter ertragen und erlitten hat. Zum Schutz musste die Familie ihren Namen
verleugnen, ein Verlust der eigenen Identität, um von den Türken als Armenier nicht verfolgt zu werden.
Die Spannung steigert sich von Kapitel zu Kapitel und ist sehr spannend.
Die Autorin erzählt eine sehr ergreifende Geschichte. Die Geschichte Armeniens und die Schilderung des Landes werden glaubhaft und bildnerisch detailgetreu geschildert.
Dieser Roman hat mich sehr beeindruckt, da mir die geschichtlichen Hintergründe so nicht bewusst waren. Ich kann den Roman nur wärmstens empfehlen.

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Karlotta, oder Karla, wie sie genannt werden will, wächst auf in Bremen Nord, in einer Gegend die alles andere als einen guten Ruf hat. Sie ist die Tochter eines armenischen Vaters, doch ihre Familie stammt aus der Türkei. Als Kind begreift Karlotta nicht, was Armenier sind, und zu Hause wird nicht darüber gesprochen. Sie weiß nur, dass sie nicht ist, wie ihre türkischstämmigen Freundinnen, die Großmütter in Istanbul haben, die sie im Sommer besuchen können. Karlotta kann nur das Schwimmbad in Bremen besuchen.

Erst der Tod ihrer Großmutter Maryam, die als Gastarbeiterin nach Deutschland gekommen und nie in die Türkei zurückgekehrt ist, gibt Karla den Impuls, nach ihrer Familiengeschichte zu suchen. Unnachgiebig überredet Karla ihren Vater, mit ihr nach Armenien zu reisen, in die Hauptstadt Jerewan, um endlich zu sehen, wo die Wurzeln ihrer Familie sind. Doch selbst der Vater fühlt sich zunächst fremd in in diesem Land, in dem er noch nie war und wo er die Menschen kaum versteht. Vom Essen bis zur Sprache ist den beiden alles fremd, was doch eigentlich gemäß ihrer familiären Herkunft ihre Kultur und Heimat sein sollte. Dennoch ist die Reise für Karla sehr aufschlussreich. Und wohl auch für ihren Vater, aber der redet immer noch nicht viel darüber.

"Auf der Straße heißen wir anders" erzählt von einer Familie, die nie dazu gehört, ob in Istanbul oder Bremen Vegesack. Sie kommen nicht an, sie passen nicht rein. Zu vage sind ihre Identitäten, zu wenig Ankerpunkte gibt es in ihren Biographien und ihrer Familiengeschichte. Cwiertnia gelingt mit diesem Roman ein beeindruckendes und sprachlich sehr gelungenes Debüt, das nicht nur von einer Familie erzählt, sondern auch vom Genozid an den Armeniern und davon, wie schwer dieses Unrecht auch noch Generationen später wiegt. Zugleich berichtet sie aber auch von einer armenischen Kultur, die ihre Protagonistin als lebendig, liebenswert und doch fremd erlebt. Dabei verknüpft sie sehr gekonnt verschiedene Zeitebenen, berichtet von einer Jugend in den 90ern und einer in den 50ern, von Sorgen, Ängsten und Kämpfen seit 1915. Cwiertnia verpackt diese komplexe Thematik in einen Roman, der sich sehr persönlich, leicht und doch nicht seicht liest. Ein wirklich gelungenes Debüt!

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Karla ist es gewohnt, in Deutschland als Angehörige einer Randgruppe gesehen zu werden. Sie nimmt das als Selbstverständlichkeit, bis sie mit ihrem Vater eine Reise in seine „Heimat“ unternimmt, um zu erfahren, dass ihre Familie auch dort zu einer Randgruppe gehörte. Auf der Reise nähert sie sich ihrem Vater ganz langsam an und lernt die Wurzeln ihrer Familie kennen.

“Auf der Straße heißen wir anders“ ist ein sehr interessantes Buch, das mich mit seinem warmherzigen Blick auf die Familienmitglieder und der Erzählung der einzelnen Schicksale sehr beeindruckt hat. Anhand dieser Menschen, kommt man mit den Themen „Integration“, „Anderssein“ und „Ausgrenzung“ in Berührung und spürt deutlich, was es, nicht nur für die Familie von Karla bedeutet, sich nirgendwo richtig zuhause und angenommen zu fühlen.
Ein wichtiges Buch, das seine Aktualität nicht verlieren wird. Lesenswert.

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Roman über eine armenische Familie. Alle Mitglieder haben in ihrem Leben Ausgrenzung erfahren, da sie nie zur Mehrheitsgesellschaft gehörten. Sei es in Istanbul oder Jerusalem oder Bremen.
Ein Roman der unter die Haut geht.

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Ein großartiges Buch!
Ein spannendes, wichtiges, und für mich sehr unbekanntes Thema wie Gastarbeiterinnen und überhaupt fremd sein in einem Land, welches doch vielleicht zum Zuhause wird ist Ich bin tief beeindruckt und freue mich auf unsere Lesung mit Laura Cwiertnia!

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Ein Roman mit einer wunderbaren, gefühlvollen Sprache. Gerade die Unterteilung in verschiedene Zeitabschnitte mit den verschiedenen Familienmitgliedern ist sehr gelungen. Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen und ich würde den Ararat jetzt sehr gerne Mal persönlich sehen. Die Stadt, Landschaft und Leute wirken sehr echt. Auch das Hauptthema, Heimat, hat mich sehr zum Nachdenken gebracht.

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Ein sehr gut konstruierter Roman der berührt und auch manchmal amüsiert. Letzteres schafft die Autorin durch eine leichte Sprache und dem Vermögen auch immer etwas Gutes in üblen Situationen zu sehen. Das Buch brachte mich dazu, mich mit dem Schicksal des armenischen Volkes zu beschäftigen. Ein bemerkenswerter Debütroman.

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Hat mir sehr gut gefallen. Berührende Geschichte, sehr eindringlich beschrieben. Lässt nicht so schnell los.

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Beide Ebenen: gesellschaftliche und persönliche sind hier unglaublich gut durch verschiedenen Perspektiven gezeigt. Ich habe außerdem noch keine negative Meinung zum Buch gehört

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Das Debüt der jungen Autorin greift das Gefühl auf, nicht dazuzugehören und keine Geschichte zu haben, die man mit anderen teilen kann. Karla, Tochter einer Deutschen und eines Armeniers, wächst in den 80er Jahren in Bremen auf. Als ihre Oma verstirbt, wünscht diese sich eine Beerdigung nach armenischem Ritus. Karla versteht kein Armenisch, aber der Gesang des Priesters berührt ihre Seele zutiefst. Sie beginnt, die Familiengeschichte zu ergründen. Bisher war da immer eine Mauer des Schweigens.

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Karlas Oma hat einen goldenen Armreif einer Frau in Armenien vermacht – doch wer ist diese Frau? Karla überredet ihren Vater Arvi, mit ihr nach Armenien zu reisen und Lilit Kuyumcyan zu finden – es ist gleichzeitig eine Reise in die Vergangenheit der Familie.

Karla ist die Ich-Erzählerin der Geschichte, doch auch Familienmitglieder erhalten eigene Kapitel, der Vater, die Oma und die Uroma, und so wird nach und nach das Schicksal der einzelnen Familienmitglieder aufgedeckt, die als Armenier nicht nur vom Genozid betroffen waren, sondern z. B. auch als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, später aber nicht darüber sprechen wollten, so dass auch Karla die Geschichte ihrer Familie erst nach und nach erfährt.

Wie wahrscheinlich viele, habe ich zwar schon einmal von diesem Genozid gehört, aber mich noch nie näher damit beschäftigt. Etwas in Form von Einzelschicksalen zu lesen, bringt vieles näher, zumal, das die Autorin auch Armenier in ihrer Verwandtschaft, und womöglich Biografisches verarbeitet hat. Leider gibt es kein Nachwort, dem man mehr entnehmen könnte. Ich jedenfalls habe nach dem Lesen direkt gegoogelt, um weiteres zu erfahren. So finde ich den Roman zusätzlich wichtig, denn auch das Schicksal der Armenier sollte im Gedächtnis bleiben oder überhaupt erst bewusst werden. In diesem Zusammenhang wird dann übrigens auch der Titel des Romans im Roman angesprochen.

Während man in Karlas Kapiteln ihre Verwandten aus ihrer Sicht sieht, bekommen sie in ihren eigenen Kapiteln zusätzliche Facetten, das hat mir gut gefallen, so wird auch deren Handeln klarer. Schade, dass Karla sie nicht so kennenlernen konnte – mich bringt das auch zum Nachdenken, wie viel ich von meinen Eltern und Großeltern vielleicht nicht weiß. Insgesamt hat mich dieser Roman sehr zum Nachdenken gebracht.

„Auf der Straße heißen wir anders“ ist ein lesenswerter Roman, dem ich, nicht nur wegen seiner Thematik, viele Leser:innen wünsche. Die Geschichte(n), die er erzählt, hallen nach.

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Solange sich Karla erinnern kann, hat ihre Großmutter in Deutschland gelebt. Doch nach ihrem Tod will sie plötzlich eine traditionelle armenische Beerdigung. Eine ganze Liste mit Wünschen hat sie für diese Gelegenheit zusammengestellt. Unter anderem soll ein Goldreif an eine Frau übergeben werden, die niemand kennt. Grund genug für Karla, ihren Vater zu einer Reise in das Land seiner Vorfahren zu überreden.

Laura Cwiertnia, 1987 als Tochter eines armenischen Vaters in Bremen geboren, hat in ihrem Debütroman ein Thema aufgegriffen, von dem ich bisher so gut wie nichts wusste. Natürlich habe ich schon von dem immer wieder verleugneten Genozid gehört, doch mich bisher noch nicht näher damit beschäftigt. Nun wurde ich auf angenehme Weise in die Geschichte der Armenier eingeführt und durfte mich gleichzeitig ein wenig in diesem Land umsehen.

In Kapiteln, die jeweils mit dem Namen der darin agierenden Hauptperson überschrieben sind, erzählt die Autorin abwechselnd Geschichten aus der Vergangenheit und der Gegenwart. So ist es möglich, sich ein lebendiges Bild von den einzelnen Familienmitgliedern und ihren schwierigen Lebensumständen zu machen.

Besonders gefielen mir die Abschnitte, in denen Deutschland mit einem Augenzwinkern beschrieben wurde: „Nie in seinem Leben hatte er ein saubereres Land gesehen als Deutschland. Selbst die Vorgärten hier sahen aus, als würde jemand regelmäßig mit einem riesigen Staubsauger über jedes einzelne Rasenstück fahren.“

Auf der anderen Seite gehen die Gefühle von Karla, die in der Schule zum ersten Mal davon hörte, dass während des ersten Weltkrieges bis zu 1,5 Millionen Armenier ermordet wurden, tief unter die Haut. Sie erzählt auf eine Weise, die einen regelrechter Sog entstehen lässt und mich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen ließ.


Fazit: Ein Roman, der Wissen vermittelt, Gefühle transportiert und in einer sehr angenehmen Sprache geschrieben ist. Mich hat er bereichert, weshalb ich nur raten kann, ihn unbedingt zu lesen!

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Ich kenne Armenien, habe das Land viel bereist und habe die Beschreibungen Armeniens sehr genossen. Die Figuren des Romans lassen in ihrer Zeichnung Platz für eigene Gedanken und Interpretationen zu ihrer Gefühlswelt. Die Zeichnung ist jedoch dennoch so tief, dass nichts fehlend erscheint. Die Familiengeschichte ist aus unterschiedlichen Perspektiven angerissen, weniger dargestellt, man setzt sich sein Puzzle dazu weitgehend selbst. Man leidet mit den Figuren mit, freut sich mit ihnen. Ein absolutes Vergnügen dieses Buch zu lesen. Empfehlenswert für alle, die Familiengeschichten lieben, und auch für alle, die Armenien lieben oder planen zu bereisen.

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