Der zerrissene Brief

Roman

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Erscheinungstermin 13.02.2020 | Archivierungsdatum 01.08.2020

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Zum Inhalt

Von Weltreisen und verschollenen Erinnerungen.
Vom Aufbruch aus einem fränkischen Dorf nach New York.
Von einer unwahrscheinlichen Liebesgeschichte und der Kalkulierbarkeit des Glücks:
Der erste Roman von Hanns Zischler, dem Meister einer so schnörkellosen wie schwebenden Prosa.

War es Fernweh, war es Liebesleichtsinn, der die 17jährige Pauline 1899 aus ihrem fränkischen Dorf ins ferne New York ausbüxen ließ? Was hat damals den welterfahrenen Max dazu getrieben, ihr die enorme Summe von 2000 Goldmark zu geben und sie für gut zwei Jahre ganz allein in so weite Ferne zu schicken? Woher nahm er die Gewissheit, dass Pauline nach ihrer Rückkehr genau die richtige Gefährtin für seine ausgedehnten Reisen sein würde, die beide dann tatsächlich um die halbe Welt unternahmen – durchs Innere Asiens bis zur Halbinsel Kamtschatka?Sechzig Jahre später wird Pauline von der liebesenttäuschten jungen Elsa besucht, die sie in der Nachkriegszeit als Kind »per Brief adoptiert« hat. Gemeinsam durchwandern die beiden Frauen im Gespräch das tiefe Labyrinth von Paulines bis dahin verschollenen Lebensaugenblicken. Sie weben die bunten Fäden einer verloren geglaubten Zeit mit Hilfe von Briefen, Fotos, Notizen und Gedichten zu einem Stoff, dessen Muster erst nach und nach erkennbar wird.

Von Weltreisen und verschollenen Erinnerungen.
Vom Aufbruch aus einem fränkischen Dorf nach New York.
Von einer unwahrscheinlichen Liebesgeschichte und der Kalkulierbarkeit des Glücks:
Der erste Roman...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783869712079
PREIS 18,69 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Als die Studentin Elsa in einer persönlichen Krise mit ihrer Nenntante telefoniert, lädt die sie kurz entschlossen in ihr Dorf bei Treuchtlingen ein. Von Nürnberg aus wäre es mit der Bahn doch nicht weit. Zwischen Elsa und Pauline Lassenius liegen rund 60 Jahre Altersunterschied, die kinderlose Pauline nahm die verwaiste, damals 8-jährige Elsa einmal spontan in den Ferien bei sich auf und seitdem hatten die beiden Frauen miteinander korrespondiert. Durch diese Einladung in den 60ern des vorigen Jahrhunderts erhält Elsa - ohne es damals zu wissen - die letzte Gelegenheit vor Paulines Tod, von deren ungewöhnlichem Lebensweg zu erfahren. Pauline ist 1882 geboren; Mädchen ihres Jahrgangs wurden normalerweise mit 13 Jahren als Hausmädchen in einen Bürger- oder Bauernhaushalt gegeben. Die ungewöhnlich wissbegierige Pauline lernt jedoch Max kennen, der von seinen Pelzhändler-Vorfahren einen ebenfalls ungewöhnlichen Abenteuerhunger erbte. Bevor aus Pauline und Max ein Paar wird, reist Pauline 1899 allein nach New York, wo sie im Botanischen Garten der Bronx die Botanik als eigenes, von Max Interessen unabhängiges Fachgebiet entdeckt. Max wurde von seiner Neugier zu den Bewohnern der kanadischen Pazifikküste und nach Kamtschatka getrieben; später lebte das Paar jahrelang in Schweden. Die Lücken in den Lebensläufen des Paars, die zunächst zwischen der Reise nach New York und der Rückkehr der beiden Abenteurer in Paulines Heimat zu klaffen scheinen, füllen sich allmählich durch Paulines Erinnerungssplitter, Briefe, Fotos und Artefakte aus aller Welt. Natürlich habe ich mich - gerade wegen des großen Altersunterschieds - gefragt, wie die erwachsene Elsa inzwischen zu Pauline stand und ob sie den historischen Wert von Paulines persönlichem Nachlass überhaupt erkennen konnte. Elsa dient in erster Linie als Stichwortgeberin für Pauline und Projektionsfläche für Episoden aus deren Leben, damit am Ende alle Rätsel aufgelöst werden können und sich der Kreis von Paulines Leben schließen kann. Es geht im Roman u. a. um die deutsche Nachkriegsgeschichte, um den geografischen Punkt „Treuchtlingen“ auf der Landkarte, um Briefe, Fotografie, Film und Museumsstücke aus der Zeit um 1900. Hanns Zischler erzählt in einer für die Zeit passenden Sprache und richtet sich damit an Leser, die von Begriffen wie Plafond, Perron, Kontor, Chaussee oder Entourage nicht überfordert sind. Max, Pauline und ihre Zeitgenossen verfügten über ungewöhnliche Fachkenntnisse, die durch das Erzählen Wertschätzung erhalten, ehe sie in Vergessenheit geraten. Nicht immer war mir in der eBook-Version klar, welche der beiden Icherzählerinnen gerade das Wort ergreift. Das mag in der Printausgabe besser gelöst sein. Leider verrät der Klappentext bereits zu viel von dem, was sich erst zum Ende der Handlung ergeben wird. Wer sich für Briefe und Erinnerungsstücke vergangener Generationen interessiert und sich mit der sehr blassen Stichwortgeberin Elsa abfindet, kann hier in ein ungewöhnliches Frauenleben vor 120 Jahren blicken.

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Zwei Frauen, eine im Alter, die andere in ihren Zwanzigern, verbunden durch Briefe, weben mit Gesprächen, Fotos, Briefen einen Erinnerungsteppich wie er spannender und farbenfroher nicht sein könnte. Eingesponnen sind zahllose literarische Anspielungen, Gedichte, kulturelle Vorlieben, die einen wunderbar durch den Roman treiben lassen. Zwei sympatische Hauptfiguren, ein reicher (Reise-)Erzählstoff, eine emotionale Ebene, daraus wird durch Zischlers sorgfältige Sprache ein rundum gelungener empfehlenswerter Reise-Roman oder Romanreise, von dem ich kaum glauben will, dass es ein Debüt ist.

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Die Begleiterin In der Liebe schwer enttäuscht fährt Elsa zu ihrer alten Freundin Pauline. Ein paar Mal hat Elsa die Ferien bei Pauline verbracht und danach standen sie in lockerem Briefkontakt. Obwohl sie sich nicht so häufig sahen, findet Elsa bei Pauline Trost. Einmal muss sich die junge Frau alles von der Seele reden. Doch je länger sich die beiden unterhalten, desto mehr Erinnerungen kommen bei Pauline auf, an ihrem Max und das ungewöhnliche Leben, dass ihnen vergönnt war. Max war es, der Pauline ermöglichte im Alter von 17 Jahren nach New York zu reisen. Dies ist im Jahr 1899 mehr als außergewöhnlich. Zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Frauen, die eine jung, die andere alt, gewähren einen Einblick in ihr Leben. Wobei die junge Elsa der verlorenen Liebe nachtrauert, ihr aber klar ist, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Die ältere Pauline wird durch Elsa Erzählungen angeregt, über ihre langjährige ungewöhnliche Beziehung zu Max zu sprechen. Sie war seine Lebensbegleiterin, seine Begleiterin auf Reisen der Erbauung und der Erforschung. Kleine Stichworte lösen Erzählungen aus über ein besonderes Leben, das eine Erlebnisfülle hat, die ihresgleichen sucht. Da wurde der große Altersunterschied zwischen Max und Pauline bald zur Nebensache. Dieses Buch nimmt einen mit auf eine bezaubernde Lebensreise, während der Altersunterschiede unwichtig werden. So wie zwischen Max und Pauline ein großer Altersunterschied besteht, besteht dieser auch zwischen Pauline und Elsa. Nun ist Pauline die Ältere, die von ihren reichen Erinnerungen erzählt. Erstaunlich sind ihre Erzählungen, in diesen Jahren allein in New York und dann als Begleiterin von Max eine Weltreisende. Man wäre gerne dabei gewesen. Natürlich ist nicht immer alles leicht, aber Paulines starker Charakter, ihre Lebensfreude wirken ansteckend. Ein paar melancholische Momente gehören wie im richtigen Leben auch dazu, doch löst der Schriftsteller mit seinem Roman eine positive Stimmung aus. Ein Bild starker Frauen, das fasziniert.

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Eine Liebesgeschichte um Pauline und Max. Pauline bekommt von Max eine Reise nach Amerika geschenkt, die Sie allein antritt. Sie ist (Anfang des 20. Jahrhunderts) als Frau alleine unterwegs. Die Erzählweise und Darstellung der Geschichte geschieht hier vor allem durch Elsa, ein Art kurzzeitiges Ziehkind von Pauline – da Elsa immer wieder auch Details aus dem Leben Paulines hinterfragt. Dadurch bekommt die Geschichte etwas Besonderes aber auch Faktenwissen aus dem Leben dieser Zeit.

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Der zerrissene Brief von Hanns Zischler wandelt auf den Spuren eines außergewöhnlichen Frauenlebens im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, das von Reisen, Abenteuer und vor allem von einem Mann geprägt war. Wer sich auf diesen Roman einlässt, sollte Zeit mitbringen – damit meine ich „Zeit am Stück“, denn der Text verträgt größere Lesepausen nicht gut. Dies liegt daran, dass Der zerrissene Brief Gespräche zwischen Pauline, um deren Leben es in dem Roman geht, und der jungen Elsa, die die ältere Dame schon lange kennt und bei dieser zu Besuch ist, nachzeichnet. Diese Unterhaltungen sind meisterhaft authentisch umgesetzt, inklusive aller Gedankensprünge, Themenwechsel, Ablenkungsmanöver, Digressionen und Fadenverluste. Allerdings führt die Erzähltechnik unweigerlich zu einem fragmentarischen Leseerlebnis, welches beherrschbarer wird, wenn man sich dem Text uneingeschränkt widmet. Der Roman fordert den Leser und verlangt ihm aufgrund der nicht chronologischen Darstellung von Erinnerung einiges ab, da man (auch bewusste) Lücken füllen und die Reihenfolge der Geschehnisse für sich selbst ausloten muss. Dies kann anstrengend, aber auch bereichernd sein, da man so die Gelegenheit bekommt, sich allmählich immer mehr an Pauline und ihren Lebensweg heranzuarbeiten. Was die Handlung anbelangt, hatte ich mir aufgrund des Klappentexts eigentlich erhofft, dass den Expeditionen oder der Zeit allein in New York mehr Aufmerksamkeit gewidmet würde. Diese doch ungewöhnlichen Erlebnisse für eine Frau der damaligen Zeit sind aber eher Nebenereignisse in den Erinnerungen, was jedoch im Kontext des Romans schlussendlich Sinn macht. Sprachlich ist der Roman ein Genuss, abseits von allem Gewöhnlichen und dazu mit einigen Sätzen, die für mich eine tiefe Wahrhaftigkeit ausstrahlen. Der Titel deutet es schon an: Der zerrissene Brief ist ein auf beste Weise in seiner Erzählstruktur zerrissener Roman. Er ist gelungene Literatur für anspruchsvollere Leser, die sich auf den Pfad von Erinnerungen begeben möchten. Auch wenn der Roman inhaltlich nicht dem entsprach, was ich erwartet hatte, habe ich gerne in Paulines Gedächtnis ge“graben“.

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Dieser Roman ist etwas Besonderes! Eine Lebensgeschichte, eine Liebesgeschichte - und noch viel mehr. Die Sprache ist brilliant. Scheinbar mühelos findet Hanns Zischler diskrete, einfühlsame und gleichzeitig prägnante und präzise Worte, um eine spannende Lebensgeschichte zu erzählen. Kein Wort zu viel, keines zu wenig. Und trotzdem oder gerade deshalb poetisch und literarisch überzeugend. Die Atmosphäre des beginnenden 20. Jahrhunderts wird anschaulich und glaubhaft vermittelt und die Sprachbilder, die der Autor verwendet sind einfach nur schön. 1899 gehörte schon was dazu, wenn eine junge Frau aus einem fränkischen Dorf sich auf den Weg nach New York machte. Die lebenshungrige 17-jährige Pauline hat genau das getan. Warum eigentlich, wo sie doch gerade den weltmännischen und um 30 Jahre älteren Max kennen und lieben gelernt hat? Warum gibt er ihr 2000 Reichsmark und schickt sie für 2 Jahre nach Amerika? In New York arbeitet Pauline in den Botanic Gardens in der Bronx. Sie wird selbständig und lernt viel. Nach den 2 Jahren heiratet das Paar. Und dann beginnt das gemeinsame Abenteuer. Klingt seltsam? Ja, das tut es auf den ersten Blick. Zeitsprung, 1966 wird die nun 84-jährige Pauline von Elsa besucht. Die Biologiestudentin Elsa hat als Kind ihre Ferien bei Pauline verbracht und kürzlich eine Beziehung beendet. Anhand von Paulines Erinnerungen an ihr abenteuerliches, bewegtes und aufregendes Leben, taucht Elsa nun in eine ganz andere Welt ein. Pauline erzählt nicht chronologisch sondern bruchstückhaft. Sie beantwortet Elsas Fragen und lässt sich von Einfällen und Erinnerungen leiten. Sehr originell finde ich den Beginn des Romans: Elsa schreibt einen Brief an den Autor. Sie erklärt ihm darin, woher sie Pauline kennt und wie sie zu deren umfangreichen Aufzeichnungen kam. Dieser gleichermaßen anspruchsvolle wie bereichernde Roman sollte meines Erachtens langsam und am Stück gelesen werden, damit man voll darin eintauchen kann. Auf diese Weise kann man sich intensiv auf die Unterhaltungen, Gedankensprünge und Themenwechsel einlassen. Da der Text etwas Bruchstückhaftes hat und ein bisschen an ein Puzzle erinnert, fällt die Lektüre leichter, wenn man dran bleibt und sich ihr uneingeschränkt zuwendet. Absolut Lesenswert!

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