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Amerika '33
Die große Krise der Freiheit
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Erscheinungstermin 15.08.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
1933: das große Schicksalsjahr– von den USA aus erzählt
Während Hitler die deutsche Demokratie zerstört, schottet sich Amerika ab. Fremdenfeindlichkeit verhindert damals wie heute mehr Einwanderung, das Land steht vor einer Zerreißprobe. Die deutschen Exilanten müssen sich für eine Haltung entscheiden: Reicht es, die eigene Haut zu retten, wenn die Heimat in Terror und Diktatur versinkt? Johannes Ehrmann erzählt das große Schicksalsjahr der westlichen Welt zum ersten Mal aus transatlantischer Perspektive. Ein packend geschildertes Panorama über Freiheit, Angst und Verantwortung: erschreckend aktuell.
März 1933: Die freie Welt steht am Abgrund. Während die Nazis ihre Gegner brutal verfolgen, steckt Amerika tief in der Krise. Jeder Vierte ist arbeitslos, und Franklin D. Roosevelt regiert so autoritär wie kein Präsident zuvor. Und doch sind die USA Zufluchtsort – für Albert Einstein, den die Nazis mit einem Kopfgeld jagen; für George Grosz, der von Amerika aus um seine Söhne in Berlin bangt. Marlene Dietrich wird in Hollywood von Goebbels umworben. Max Schmeling lässt sich vor seinem Kampf gegen den Juden Max Baer für Hitlers Zwecke einspannen. Die First Lady Eleanor Roosevelt liebt derweil eine Frau und versucht verzweifelt, mehr jüdische Flüchtlinge ins Land zu holen. Doch Antisemitismus vergiftet die Stimmung. Das deutsch-amerikanische Panorama des großen Schicksalsjahrs 1933 – erzählt wie ein mitreißender Roman.
1933: das große Schicksalsjahr– von den USA aus erzählt
Während Hitler die deutsche Demokratie zerstört, schottet sich...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783608966961 |
| PREIS | 25,00 € (EUR) |
| SEITEN | 256 |
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Auf NetGalley verfügbar
Durchschnittliche Bewertung von 5 Mitgliedern
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Monika F, Buchhändler*in
Amerika – Das gelobte Land?
Der Autor Johannes Ehrmann hat Amerikanistik und Geschichte studiert und ist jetzt Zeitredakteur. Es sind bereits einige Bücher von ihm erschienen.
In diesem Buch „Amerika 33“ geht es nicht nur um die USA und die große Depression, wie man vielleicht aufgrund des Titels vermuten könnte, sondern auch um Künstler:innen und Wissenschaftler:innen, die schon früh erkannten, dass sie in Deutschland keine Chance mehr hatten. Diese in diesem Buch vorkommenden Menschen hatten noch „Glück“, dass sie ohne eine Bürgschaft eines US-Bürgers (Affidavit) einreisen durften.
Johannes Ehrmann wechselt zwischen unterschiedlichen Perspektiven hin und her. Zum einen zitiert er Benjamin Roth, einen amerikanischen Bürger und Juristen, der Tagebuch geschrieben hat. Dieses Tagebuch wurde 2010 veröffentlicht, ist aber auf Deutsch nicht erhältlich. Darin beschreibt Benjamin Roth sehr genau die große Depression in den USA und was seine Reformen unter dem Namen „New Deal“ zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise gebracht haben. Ein zweiter eher Unbekannter war Heinz Spanköbel. Seine Familie stammte ursprünglich aus Deutschland. Und er selbst bewunderte Hitler und versuchte in den USA etwas ähnliches aufzubauen.
Dann geht es z.T. um wirtschaftliche Interessen. Soll man deutsche Produkte nicht mehr ins Land lassen? Sind die Juden in den USA zu mächtig? Politisch sind in diesem Buch Eleanor und Franklin Roosevelt und Frances Perkins – zeitweise US-Außenministerin unter Roosevelt – relevant.
Ebenfalls eine Fürsprecherin für die deutschen Juden war die Journalistin Dorothea Thompson, die oftmals in Deutschland war und sogar mit Adolf Hitler gesprochen hat.
Bei den deutschen Künstler:innen und Naturwissenschaftler:innen geht es viel um George Grosz, Marlene Dietrich, Vicky Baum und Arnold Schönberg (den Komponisten), sowie Albert Einstein und die Mathematikerin Emma Noether. Ein Wanderer zwischen den Welten war Max Schmeling. Für welche Seite galten seine Sympathien?
Am Ende des Buches gibt es eine kurze Übersicht, wie es den im Buch vorkommenden Menschen nach 1933 ergangen ist. Und natürlich gibt es auch ein umfangreiches Literaturverzeichnis.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es war eine gelungene Mischung aus historischen Fakten und auch ein wenig Klatsch. Es hat bei mir für mehr Klarheit gesorgt, woran es lag, dass die USA sich so schwer damit getan hat, deutsche Juden aufzunehmen. Das einzige was mir gefehlt hat, sind Bilder. Das hätte das Buch noch weiter aufgelockert. Aber auch so ist es lesenswert.
Gertie G, Rezensent*in
In wenigen Monaten März bis Oktober des Jahres 1933 ändert sich das Weltgefüge dramatisch. Da ist zum einen Adolf Hitler, der zielstrebig die Demokratie zerstört und eine Diktatur errichtet und zum anderen schotten sich die USA ab. Das Land der unbegrenzten Möglichkeit steht vor einer Zerreißprobe. Wirtschaftskrise und Fremdenfeindlichkeit verhindern, das von den Nazis bedrohte Menschen Aufnahme in den USA finden können, obwohl die Einwanderungsquote nur zu einem Bruchteil ausgeschöpft wird. Mit Präsident Franklin D. Roosevelt haben die Amerikaner einen Präsidenten, der so autoritär wie kaum ein anderer vor ihm regiert.
Detailliert beschreibt Autor und Historiker größere und kleiner Ereignisse dieser Monate diesseits und jenseits des Atlantiks.
Wie begegnen bekannten Personen wie Marlene Dietrich, die sich von Goebbels & Co. nicht vereinnahmen lässt und erst 1944 mit der US Army nach Deutschland wieder zurückkehrt, und Max Schmeling wird, oh Schreck, in den Boxkampf mit dem jüdischen Boxer Max Baer gedrängt.
Gleichzeitig erfahren wir, dass viele jüdische Familien in Deutschland die Zeichen der Zeit nicht erkennen und zu lange warten.
Während Eleonore Roosevelt nur nach außen hin die Präsidentengattin mimt, versucht sie die Einreisequote für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland zu erhöhen. Gegen den Antisemitismus ist auch sie ziemlich machtlos. Der Rest ist bekannt.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Buch, das durchaus Parallelen zur Gegenwart erkennen lässt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Das Krisenjahr 1933: «Amerika '33» von Johannes Ehrmann
1933 war ein Jahr der Krisen und das nicht nur in Europa. In Deutschland hebt Adolf Hitler nach dem Reichstagsbrand die Grundrechte auf. Die SA stürmt die Parteibüros. Die Nationalsozialisten bauen die Weimarer Demokratie in atemberaubendem Tempo ab. Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht es nicht viel besser aus: Amerika kämpft mit der schlimmsten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Die Börse ist am Boden, Banken haben geschlossen, Millionen Menschen sind ohne Arbeit. Johannes Ehrmann, Journalist und Historiker, erzählt beide Krisen gleichzeitig, Monat für Monat, von Februar bis Oktober 1933. Es ist eine beklemmende Parallelchronik zweier Demokratien unter extremem Druck. Vorangestellt hat er seinem Buch ein Zitat: «Wir sind sehr weit weg von Europa. Wir haben einen grossen, wunderschönen Ozean, der uns trennt. Wir haben nichts damit zu tun.» Das sagte Donald J. Trump 2026. Mit diesem Zitat macht Johannes Ehrmann klar: Sein Buch über das Amerika des Jahres 1933 ist auch ein Buch über das Amerika von heute.
Als im Februar 1933 in Deutschland der Reichstag brennt, hört Kunstmaler George Grosz im amerikanischen Exil davon. Er lebt mit seiner Frau in einem winzigen Doppelzimmer im Hotel Cambridge an Manhattans Upper West Side. Keine drei Wochen vor Hitlers Machtübernahme ist ihm die Flucht aus Deutschland geglückt. «Schon am Tag nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler ist ein Trupp von SA-Männern in Grosz’ Wohnung eingebrochen», schreibt Johannes Ehrmann. Als sie in den leeren Räumen nichts mehr vorfanden, hätten sie mit Äxten bewaffnet sein Atelier gestürmt. «Dass ich da lebend davongekommen wäre», schreibt Grosz später in einem Brief aus New York, «darf ich wohl bezweifeln.»
In seinem Buch führt Johannes Ehrmann George Grosz als einen jener Menschen an, die Zeugnis ablegen über die Entwicklung. Neben Grosz lässt er Albert Einstein zu Wort kommen, der nach monatelangem Exil in Europa schliesslich in Princeton landet. Marlene Dietrich, die den Angeboten des Propagandaministers Goebbels die kalte Schulter zeigt. Und als amerikanischen Gegenpol Benjamin Roth, Anwalt in Youngstown, Ohio, der alles in ein akribisches Krisentagebuch schreibt.
Am 28. Februar 1933 also sitzt George Grosz in seinem kleinen Hotelzimmer und liest die Morgenzeitung. Er konnte nur das Nötigste aus Deutschland mitnehmen: drei Koffer und drei Kisten mit Büchern, Pinseln und Farben. Seine bedeutendsten Werke liegen versteckt auf dem Dachboden seiner Schwiegereltern am Berliner Savignyplatz, rahmenlos zusammengerollt in unverdächtigen Kartons. Nun liest Grosz vom Reichstagsbrand, «der alles schauerlich erleuchtete», wie er in seinen Memoiren schreiben wird. Er hat zwei kleine Söhne in Berlin zurückgelassen. Peter, sechs Jahre alt. Und Martin, der an genau diesem 28. Februar seinen dritten Geburtstag feiert. Mit der Frage, die den Vater in Manhattan quält, beschäftigen sich viele Menschen in diesen Tagen: Was soll man tun? Wie soll man sich verhalten zu dem, was in Deutschland vor sich geht?
Gleichzeitig schreibt Anwalt Benjamin Roth in Youngstown, Ohio, ein Tagebuch. Er hatte im Sommer 1931 damit begonnen, weil er die Mechanismen der Krise verstehen wollte. Nun, Anfang März 1933, beschränkt die örtliche Union National Bank Abhebungen auf fünf Prozent des Sparguthabens. Vor der Bank stehen 300 Menschen in der Schlange. Eine Frau bricht zusammen. Roth hat sein Auto verkauft. Er muss die Lebensversicherung beleihen, um Frau und drei Kinder zu ernähren. «Es ist die schlimmste Depression, die dieses Land je gesehen hat», schreibt er. «Das Ende ist nicht in Sicht.» Und dann dieser Satz, der, wie Ehrmann zeigt, auch auf Millionen Deutsche zutrifft, die dem neuen Regime ausgeliefert sind: «Alle sind voller Furcht vor der unmittelbaren Zukunft.»
In dieser doppelten Krise gehen Amerika und Deutschland in entgegengesetzte Richtungen. Roosevelt wird am 4. März vereidigt und stösst sofort ein massives Investitions- und Reformprogramm an. In den hundert Tagen nach seiner Amtsübernahme stabilisiert er das Bankensystem, führt Mindestlöhne ein und regt öffentliche Arbeitsprogramme an. In Deutschland geht es in die andere Richtung. Im Mai empfängt Roosevelt Hitlers Sonderbevollmächtigten Hjalmar Schacht zum Arbeitslunch im Weissen Haus. Roosevelt spricht ihn offen auf die SA-Männer an, die in deutschen Städten patrouillieren. Schacht wiegelt ab: Das seien Missverständnisse in der Aussendarstellung. Roosevelt weist ihn unmissverständlich zurecht: Deutschland sei «das einzige Hindernis auf dem Weg zu einem internationalen Abrüstungsabkommen». Das solle Herr Schacht seinem Reichskanzler bitte übermitteln.
Das Jahr 1933 ist auch das Jahr des grossen Exils. Wer aus Deutschland flieht, landet oft in Amerika. Johannes Ehrmann erzählt diese Geschichte anhand vieler Einzelschicksale. Albert Einstein irrt nach seinem Weggang aus Deutschland monatelang durch Belgien und England, bevor er am 17. Oktober in New York ankommt. Er lässt sich heimlich mit einer Barkasse vom Quarantäneplatz an Land bringen, um dem Empfangskomitee des Bürgermeisters zu entgehen. Emmy Noether, «die angesehenste Frau in der Mathematik in Europa», tritt am Bryn Mawr College bei Philadelphia eine Stelle an und erhält zum ersten Mal in ihrem Leben ein adäquates Gehalt. Arnold Schönberg landet am letzten Oktobertag in New York und erklärt den wartenden Reportern in stockendem Englisch: «Innerlich war ich immer ein Jude.» All diese Menschen haben sich für Amerika entschieden, weil für sie Amerika gleichbedeutend war mit Freiheit.
Das bringt Albert Einstein am 3. Oktober in der überfüllten Londoner Royal Albert Hall auf den Punkt. Fast 10’000 Menschen drängen sich in die Halle, die eigentlich nur Platz bietet für 5500. Einstein spricht dort als «Mensch, als guter Europäer und als Jude» und redet Klartext. «Wenn wir den Kräften widerstehen wollen, die die geistige und individuelle Freiheit zu unterdrücken drohen», sagt Einstein, «müssen wir uns klar vor Augen führen, was auf dem Spiel steht und was wir jener Freiheit verdanken, die unsere Vorfahren nach harten Kämpfen für uns errungen haben. Ohne eine solche Freiheit gäbe es keinen Shakespeare, keinen Goethe, keinen Newton.» Die Menge erhebt sich. Es ist eine Abschiedsrede an Europa und zugleich ein Bekenntnis zu Amerika.
Doch Amerika war 1933 kein Paradies für Verfolgte. Das zeigt Ehrmann deutlich. Arbeitsministerin Frances Perkins kämpft vergeblich für die Aufnahme jüdischer Flüchtlinge. Der Staatssekretär im Aussenministerium bremst: «Diese Leute müssen alles zurücklassen und werden dem Steuerzahler zur Last fallen. In der gegenwärtigen Krise ist das nicht zu vermitteln, wie Sie sicher verstehen werden.» Roosevelt schweigt. In 82 Pressekonferenzen des Jahres 1933 erwähnt er die Verfolgung der deutschen Juden nur einmal und auch das nur, weil er danach gefragt worden ist. Der Rabbiner Stephen Wise, Amerikas einflussreichster jüdischer Geistlicher, nennt Roosevelt am Ende «unbeweglich, unheilbar und sogar unzugänglich». Hollywood weigert sich, einen Antinazifilm zu produzieren. Der Grund: Es ist schlecht fürs Geschäft. Man will keine «schlafenden Hunde wecken», befinden die Produzenten, die ihren Absatzmarkt in Deutschland nicht aufs Spiel setzen wollen. «The Mad Dog of Europe» wird nie gedreht.
George Grosz verarbeitet seine Angst in der Kunst. 1933 entsteht das Gemälde «Fear»: ein angstvoller Mann mit Fackel, von zwei Wölfen angefallen, im Hintergrund brennt lichterloh ein Haus. Doch am Ende des Jahres streift Grosz mit seinen beiden Söhnen durch die Strassen Manhattans. Es sind Tage, die sich, wie Ehrmann schreibt, «nach Aufbruch anfühlen». Denn in Amerika, anders als in Deutschland, bleibt diese Möglichkeit des Aufbruchs bestehen. Arnold Schönberg, der an seinem ersten Abend in New York an der Upper West Side von Reportern befragt wird, hat kurz zuvor ein Gedicht von Jakob Haringer vertont, das diese Ambivalenz zwischen Dunkel und Hoffnung trägt: «Wenn du schon glaubst, / Es ist ewige Nacht, / Hat dir plötzlich ein Abend / Wieder Küsse und Sterne gebracht.»
Am Ende des Buchs klingt Trumps Zitat aus der Gegenwart nach. Was sagen die Amerikaner heute über Europa – haben sie wirklich «nichts damit zu tun»? Johannes Ehrmann beantwortet diese Frage nicht direkt. Er lässt das Jahr 1933 sprechen.
Zwei Länder, zwei Krisen, zwei Wege: Johannes Ehrmann hat eine eindrückliche Parallelchronik des Jahres 1933 in Amerika und Deutschland vorgelegt. Zu Beginn des Buchs zitiert er Donald Trump und macht so klar: Wir sind heute (möglicherweise) wieder so weit.