Bitte melden Sie sich an, um Ihr wertvolles Feedback zu geben.
Jetzt anmelden oder registrieren.
Nicht
Sie müssen sich anmelden, um zu sehen, ob dieser Titel für Anfragen zur Verfügung steht. Jetzt anmelden oder registrieren
NetGalley-Bücher direkt an an Kindle oder die Kindle-App senden.
1
Um auf Ihrem Kindle oder in der Kindle-App zu lesen fügen Sie kindle@netgalley.com als bestätigte E-Mail-Adresse in Ihrem Amazon-Account hinzu. Klicken Sie hier für eine ausführliche Erklärung.
2
Geben Sie außerdem hier Ihre Kindle-E-Mail-Adresse ein. Sie finden diese in Ihrem Amazon-Account.
Erscheinungstermin 22.04.2026 | Archivierungsdatum N/A
Sprechen Sie über dieses Buch? Dann nutzen Sie dabei #Nicht #NetGalleyDE! Weitere Hashtag-Tipps
Zum Inhalt
Ein Mann in seinen Fünfzigern. Er hat offenbar nichts mehr zu verlieren, obwohl noch so viel vor ihm liegt. Die Kinder sind aus dem Haus, KI bedroht seine Arbeit als Übersetzer. Vor allem hat der Tod seiner Frau alles infrage gestellt. Eine solche Liebe, da ist er sich sicher, wird er kein zweites Mal finden. Bis ihm bei gemeinsamen Freunden eine Cellistin begegnet. Es entspinnt sich, so leicht, als ob es Vorsehung wäre, ein verheißungsvolles Verhältnis, und plötzlich steht wieder alles auf dem Spiel.
Ein Mann in seinen Fünfzigern. Er hat offenbar nichts mehr zu verlieren, obwohl noch so viel vor ihm liegt. Die Kinder sind aus dem Haus, KI bedroht seine Arbeit als Übersetzer. Vor allem hat der Tod...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783257073881 |
| PREIS | 25,00 € (EUR) |
Links
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Inge H, Rezensent*in
lesenswert
Dror Mishani hat wieder einen interessanten Roman geschrieben.
Ich habe schon zwei seiner Bücher gelesen und habe mich über, Nicht, gefreut. Der Titel ist ja etwas nichtssagend, aber die Geschichte wird doch spannend.
Der Autor hat einen guten Schreibstil, der den Roman interessant werden lässt.
Der Protagonist hat in seinen 50er Jahren seine geliebte Frau verloren.
Jetzt lernt er bei Freunden eine Frau kennen, in die er sich verliebt.
Die Frau hat einen Hund, an den er sich gewöhnen muss.
Als er mal eine Weile auf den Hund aufpassen soll, geschieht ein Unfall. Was denn geschieht ist etwas ungewöhnlich.
Er benimmt sich manchmal etwas trottelig, aber das macht ihn liebenswert.
Der Roman ist eine wunderbar lesenswerte Lektüre.
Genau so, wie ich es von dem Autor erwartet habe.
Ich möchte den Roman gerne weiter empfehlen.
Er bekommt von mir 5 Sterne.
Judith S, Journalist*in
„Nicht“ hat mich überrascht, weil Dror Mishani hier spürbar anders schreibt als in den Büchern, die ich bisher von ihm gelesen habe. Der Roman wirkt leiser, persönlicher und weniger wie ein klassischer Krimi, und genau das hat mir gut gefallen. Statt vor allem auf äußere Spannung zu setzen, entfaltet Mishani eine eher melancholische, psychologisch dichte Geschichte, die lange nachhallt. Gerade dieses Neue, dieses Abweichen vom Vertrauten, macht das Buch für mich besonders interessant. Wer von ihm wieder nur einen soliden, spannend geschriebenen Krimi erwartet, könnte irritiert sein — ich fand diesen anderen Ton aber überzeugend und bereichernd.
Sandra H, Buchhändler*in
Mir hat das Buch gut gefallen, ich habe es in einem Rutsch gelesen. Mein Favorit von Mishanis Büchern ist aber immer noch "Drei"
Elvira S, Beschäftigte*r in der Buchbranche
Nicht
Von Dror Mishani
Spannend geschrieben. Witwer verliebt sich neu. Vater, Tochter Beziehung spielt eine Rolle. Es geht aber hauptsächlich um den Hund der neuen Freundin. Interessant zu lesen, wie weit man mit einer Lüge kommt. Man fühlt sich gut unterhalten.
„Nicht“ hat mich überrascht, da ich ein ganz anderes Buch erwartet hatte.
Der fünfzigjährige Protagonist, ein Witwer, glaubte sich nie wieder verlieben zu können, bis er Lia trifft. Plötzlich erwachen seine Gefühle wieder. Er muss sich erst an die Anwesenheit von Lias Hund gewöhnen, der ihn bei seinen Aktivitäten beobachtet. Doch die beiden bauen Vertrauen zueinander auf, und er darf für ein paar Tage auf den Hund aufpassen. Leider passiert dabei ein Missgeschick, das ihn zu einem Lügenkonstrukt verleitet.
Welches das ist und wie er aus der Situation wieder herauskommt, müsst ihr selbst herausfinden.
Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und obwohl ich kein Hundefan bin, hat es mich gut unterhalten. Es ist kein Krimi im klassischen Sinne, sondern eher ein psychologisches Konstrukt. Leider bin ich kein Fan von Lügenkonstrukten und Hunden, was es mir schwer gemacht hat, das Buch zu mögen. Daher kann ich nicht objektiv beurteilen, ob es ein gutes Buch ist oder nicht.
Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass Hundefans dieses Buch lieben werden.
Bei diesem Buch sprach mich der Titel an. Nicht. Dahinter stecken so viele Ideen, Anregungen und wer hat schon den Mut ein Buch mit Nicht zu benennen. Also startete ich neugierig, um Nicht zu ergründen.
Die Stimme des Erzählers berichtet dem 52jährigen verwitweten Übersetzern dessen eigene Geschichte. Dabei wird das Gefühl vermittelt, einen Brief zu lesen, den er sich selbst schreibt oder ist es sein Gewissen? Der Erzähler beschreibt zunächst die äußeren Lebensbedingungen des Empfängers. Gut abgesichert mit einem Beruf, den er liebt, aber unglücklich, da er allein ist und keine Hoffnung auf eine erfüllte Zukunft hat, unsicher. Der Vergangenheit wird nachgetrauert. Dann kommt Lia. Sie hat einen Hund. Ein Freund kann den Kontakt vermitteln und der Angesprochene, Eli, fühlt sich ungewöhnlich wach. Aus diese Anfangssituation entwickelte sich die Geschichte.
Mit kleinen Anspielungen auf das, was in der Zukunft passieren wird, erzeugt der Autor einen angenehmen Spannungsbogen, der neugierig macht. Schön erzählt, nüchtern und dann wieder blumig, aber nie zu ausufernd, wird Eli die Geschichte einer Phase seines Lebens erzählt. Mit interessantem Rückblick und Ausschau in die Zukunft wird der Charakter des Eli immer deutlicher und seine Ängste, Sorgen und Hoffnungen verständlich. Auch Lia tritt aus dem Schatten, bleibt dennoch neblös.
Die gewählte Art der Erzählung ist äußerst interessant, denn der Autor erzählt dem Protagonisten dessen Geschichte indem er ihn anspricht, die Situationen erläutert, seine Ängste, Zweifel, Unsicherheiten erwähnt. Manchmal mit leichtem Vorwurf in der Stimme wegen unterlassenner Handlungen. Dialoge werden als zusammengefasste Berichte wiedergegeben, so dass der Hörende, Eli, sich an das gesprochene Wort erinnern soll.
Am Ende des relativ kurzen Buches fragt man sich warum handelt Eli so, er hätte doch viel leichter für ihn sein können. Gleichzeitig versteht man ihn. Über Lia bleiben Fragen offen. Über sie hätte ich gern mehr gewusst. Aber es ist verständlich, dass dies das nicht alles erzählt werden muss. Wichtig ist das Ende. Oder Nicht?
Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen, inhaltlich, vom Schreibstil, das Erzähltempo, die Kürze und auch die Anregung, darüber nachzudenken. Prima Buch.
Ist es nur eine Aufführung? Wenn eine glatte Lüge zugleich die reinste Wahrheit ist.
Danke an NetGalley und den Diogenes Verlag für die Bereitstellung des eBooks. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
Links nach Erscheinungstermin
Journalist*in 1908934
Danke, dass ich Buch lesen durfte. Ich bin ein großer Fan, habe all seine Bücher gelesen… leider hat mir dieses nur so lala gefallen, die beiden Vorgänger waren sehr viel intensiver und konnten mich mehr für sich einnehmen. NICHT ist nett, man liest es schnell durch, aber es bleibt wenig hängen. Ich freue mich auf sein nächstes Buch.
Manuela H, Buchhändler*in
In ungewöhnlicher Erzählweise, der Protagonist wird vom Autor direkt angesprochen und sozusagen durch die Story gelotst, schafft Mishani hier wieder ein hochspannendes Psychodrama. Toll!
Eva D, Buchhändler*in
Nicht so gut wie "Drei". Aber das war auch ein Jahrhundert-Roman. So etwas schreibt ein Autor nur einmal im Leben. Ehrenwert, dass er Herr Mishani es erneut versucht hat.
In „Nicht“ erzählt Dror Mishani von Eli, der nach dem Tod seiner Frau versucht, wieder Halt zu finden. Als er Lia begegnet, scheint sich eine neue Möglichkeit zu eröffnen – doch ein Ereignis und eine folgenschwere Entscheidung setzen eine Entwicklung in Gang, die zunehmend an Spannung gewinnt und das fragile Gleichgewicht ins Wanken bringt.
Der Titel wirkt zunächst unscheinbar, entfaltet im Verlauf des Buchs jedoch eine große Bedeutung. Es geht um das, was nicht gesagt, nicht getan wird oder nicht sein darf – um die vielen Formen des „Nicht“, die den Roman prägen.
Erzählt wird Elis Geschichte in der Du-Form, die zunächst gewöhnungsbedürftig ist und eine gewisse Distanz und Neutralität erzeugt. Das trägt auch dazu bei, dass der Roman nicht leicht zugänglich ist. Die Erzählweise ist ruhig und wirkt stellenweise etwas langatmig, zugleich aber auch fesselnd.
Gerade diese vermeintlichen Längen erweisen sich im Nachhinein als stimmig. Die Geschichte braucht genau dieses Tempo, um ihre Wirkung zu entfalten.
Während des Lesens habe ich mich immer wieder dabei ertappt, dass ich keine klare Antwort auf die Frage hatte, wie mir das Buch gefällt. Gegen Ende wusste ich es dann ganz genau: sehr gut. Man könnte sagen: Das Buch wächst im Kopf, auch über das Lesen hinaus.
Annekathrin L, Buchhändler*in
Eine verrückte Geschichte! Aber sie könnte durchaus so passiert sein! Gut geschrieben und spannend bis zum Schluss. Nach jedem Umblättern denkt man: jetzt, jetzt muss er ihr doch die Wahrheit sagen! Aber irgendwie kommt er immer drum herum.
Ein Buch nicht nur für Hundefans!
Von Neuanfängen, tragischen Verwicklungen, dem Verstricken in Lügen und der Liebe, die gesucht und gefunden werden will.
Nach dem Tod seiner geliebten Frau läuft Elis Leben in den immer gleichen Bahnen ab und so scheint es zu bleiben, bis er bei Freunden die Cellistin Lia kennenlernt. Auf einmal scheint das Wunder der Liebe erneut möglich und Eli lässt sich ein auf diese Frau und ihren Hund mit dem bezeichnenden Namen "Felix". Doch alles nimmt eine unerwartete Wendung, als Lia ihm ihren Hund anvertraut, weil sie verreisen muss. Ein Unglück geschieht und Eli beginnt sich in ein Geflecht aus Lügen zu verstricken, um die neugefundene Liebe nicht aufs Spiel zu setzen.
Spielerisch leicht geschrieben und mit Spannung versetzt! Über das Ende mag man rätseln, vielleicht muss man es auch mehrmals lesen.....
Nicht ist ein Buch, das man schnell weglesen kann. Aber es ist nicht ein Buch, dass einen nach dem Lesen schnell loslaesst. Ich wuerde es als verstoerend bezeichnen, weil ich nach der Beendigung der Lektuere immer noch nicht weiss, ob ich eine Liebesgeschichte gelesen habe oder das Gegenteil. Tiefsinnig und empfehlenswert, aber verstoerend.
Maria H, Rezensent*in
"Nicht" ist ein Buch über einen Neuanfang und dem Leben. Das Leben des Witwers Eli läuft in immer gleichen Bahnen ab und dies ändert sich erst, als er bei Freunden Lia, eine Cellistin kennenlernt. Eli lässt sich auf Lia ein und es scheint, als wenn eine neue Liebe möglich ist. Lia hat einen Hund namens Felix und als sie verreisn muss, gibt sie Felix in Elis Obhut. Doch dann passiert ein Unglück und Eli verschrickt sich immer mehr in Lügen. Das Buch ist unterhaltsam, aber die Geschichte ist nicht immer so leicht zu verstehen. Ich werde es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal lesen.
Silke W, Buchhändler*in
Eli, der nach dem Tod seiner Frau in seinem etwas langweiligem Alltagstrott feststeckt, passiert etwas Ungewöhnliches. Er verliebt sich neu in Lia. Doch als er ein paar Tage auf ihren Hund aufpassen soll, macht er einen folgenreichen Fehler.
Ein sehr ungewöhnliches Buch. Sozusagen ein "Krimi" aus der Sicht des Täters, der sich immer weiter in Lügen verstrickt, um seine Spuren zu verwischen.
Hervorragend geschrieben. Die Du-Perspektive ist vielleicht am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber zieht einen als Leserin auch in die Geschichte hinein. Was würdest du an seiner Stelle machen?
Ich habe das schmale Buch wirklich sehr gerne gelesen, könnte mir allerdings vorstellen, dass es nicht so einfach zu empfehlen sein wird.
Eli, um die 50, ist verwitwet, hat zwei erwachsene Kinder und arbeitet als Übersetzer. KI bedroht seine Arbeit, er ist resigniert und erwartet nicht mehr viel vom Leben. Doch dann trifft er auf Lia, Cellistin mit Hund. Eli träumt wieder von der Liebe und hofft auf eine gemeinsame Zukunft. Ab hier könnte es eine einfache Liebesgeschichte werden. Doch es kommt anders. Von der Story möchte ich aber gar nichts weiter spoilern.
Mishani lässt einen allwissenden Erzähler die Ereignisse schildern, der unheilvolle Andeutungen macht. Während eines Telefonats bellt der Hund der Cellistin im Hintergrund, und der Erzähler sinniert: „…möglicherweise kannte er da schon mit seinen tierischen Sinnen die Zukunft und versuchte, dich vor ihr zu warnen“. An anderer Stelle wendet er sich an den Protagonisten: „Durch einen Anruf, den du nicht erwartest, wirst du herausfinden, wie kompliziert diese Geschichte noch zu werden verspricht.“
Und es wird tatsächlich zunehmend kompliziert. Mishani spielt gekonnt mit Erwartungen, Plot Twists und mit der inneren Zerrissenheit und den Konflikten seiner Protagonisten. „Nicht“ hat Anteile eines Krimis, eines Thrillers oder einer psychologischen Studie und ist doch ganz anders.
Große Leseempfehlung!
Genial fand ich den Titel des Buches, der sich durch ein Spiel mit den (hebräischen) Anfangsbuchstaben der Namen der Protagonist:innen im Laufe des Buches erschließt.
Auch das Cover hat es mir angetan. Eine schöne Frau blickt uns entgegen: Lia? Die Emotionen, die sich auf ihrem Gesicht widerspiegeln, scheinen subtil, aber vielfältig zu sein. Auf den ersten Blick wirkt sie vielleicht melancholisch, aber ich sehe auch ein ungläubiges Staunen oder eine leichte Fassungslosigkeit, ein Infragestellen. Das Bild lässt auf jeden Fall Raum für Interpretation. Es lohnt sich, das Cover nach der Lektüre des Buches noch einmal aufmerksam zu betrachten.
Der Roman „Nicht“ überrascht – und das im besten Sinne. Wer Mishani vor allem als Krimiautor kennt, wird hier mit einem deutlich leiseren, introspektiveren Werk konfrontiert. Statt klassischer Spannung steht die psychologische Entwicklung im Mittelpunkt, und genau darin liegt die Stärke dieses Buches. Im Zentrum steht Eli, ein Mann in den Fünfzigern, der nach dem Tod seiner Frau in einer Art emotionalem Stillstand lebt. Seine Welt ist geordnet, aber leer geworden. Erst die Begegnung mit Lia bringt wieder Bewegung in sein Leben. Was zunächst wie ein zarter Neuanfang wirkt, entwickelt sich jedoch schnell zu einer Geschichte über Unsicherheit, Sehnsucht – und die fatalen Konsequenzen von Entscheidungen, die aus Angst getroffen werden.
Besonders hervorzuheben ist die ungewöhnliche Erzählweise: Die Geschichte wird in der Du-Form erzählt, wodurch eine eigentümliche Nähe und gleichzeitig Distanz entsteht. Es wirkt, als würde Eli von einer inneren Stimme begleitet, die ihn beobachtet, hinterfragt und manchmal fast anklagt. Diese Perspektive ist zunächst ungewohnt, entfaltet aber nach und nach eine starke Wirkung. Die Handlung selbst ist weniger von äußeren Ereignissen getrieben als von inneren Konflikten. Ein zentrales Ereignis – ein Unfall mit Lias Hund – löst eine Kette von Lügen aus, die Eli immer tiefer in ein moralisches Dilemma führen. Dabei wird eindringlich gezeigt, wie leicht man sich aus Angst vor Verlust in ein Geflecht aus Unwahrheiten verstricken kann.
Mishanis Stil ist ruhig, präzise und stellenweise fast nüchtern, dann wieder poetisch und reflektierend. Das Erzähltempo ist eher gemächlich, doch genau das passt zur Geschichte. Die Spannung entsteht weniger durch Tempo als durch das wachsende Unbehagen und die Frage, wann – oder ob – Eli den Mut zur Wahrheit findet.
Der Titel „Nicht“ wirkt zunächst schlicht, gewinnt aber im Verlauf der Handlung zunehmend an Bedeutung. Es geht um das Ungesagte, das Unterlassene, das Verdrängte – um all die Dinge, die nicht passieren oder nicht ausgesprochen werden und gerade dadurch so mächtig sind.
„Nicht“ ist kein klassischer Spannungsroman, sondern ein feinfühliges, psychologisch dichtes Porträt eines Mannes zwischen Vergangenheit und möglicher Zukunft. Ein Buch, das sich langsam entfaltet und lange nachwirkt – besonders für Leserinnen und Leser, die leise, nachdenkliche Geschichten schätzen.
⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke.
🖤 NICHT - Dror Mishani - Diogenes - ET 22.04.2026 - 192 Seiten
✨Leseempfehlung!✨
Stimmen zum Buch:
»Dror Mishani ist ein Meister der Nuancen.«
Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau
Worum geht‘s?
Eine junge Liebe und ein zerstörerisches Geheimnis
Die Geschichte einer Liebe, die droht, an einem Geflecht aus Lügen zu ersticken, so spannungsvoll erzählt, dass man den Abgrund erst erahnt, wenn es zu spät ist
Autorenportrait:
Dror Mishani, geboren 1975 in Cholon bei Tel Aviv, ist Autor und Spezialist für die Geschichte der Kriminalliteratur. Seine Romane sind in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt, und seine ›Avi Avraham‹-Krimis wurden mehrfach verfilmt, zuletzt unter dem Titel ›The Calling‹. Für ›Drei‹ wurde er mit dem Prix Mystère de la Critique ausgezeichnet. 2024 wurde Dror Mishani zum Chevalier d’ordre des Arts et des Lettres ernannt. Er lebt mit seiner Familie in Tel Aviv.
MARKUS LEMKE, geboren 1965 in Münster/ Westfalen, ist Übersetzer und Dolmetscher aus dem Hebräischen und Arabischen und hat u.a. Werke von Yoram Kaniuk, Eshkol Nevo, Noa Yedlin übersetzt. 2019 wurde er mit dem Deutsch-Hebräischen Übersetzer-preis ausgezeichnet. Er lebt in Hamburg.
Mein Leseeindruck:
»Auf dem Nachhauseweg spürst du einen kühlen Luftzug und fragst dich, ob er von außen oder von innen kommt. Und dir fällt ein, die meisten guten Dinge, die dir in deinem Leben widerfahren sind, sind im September passiert.«
Eli, Mitte 50 hat den Gedanken an eine neue Liebe nach dem Tod seiner geliebten Frau schon aufgegeben, als plötzlich Lia in sein Leben tritt und ein folgenschweres Ereignis passiert, was er verheimlicht, aus Angst sie zu verlieren. Was wird er tun, weiter schweigen und an seiner Lüge festhalten, was weniger verletzend ist oder die schonungslose Wahrheit erzählen? Eins ist klar, nichts wird so bleiben, wie es war!
Fazit: Ein Roman, ganz nach meinem Geschmack, psychologisch klug aufgebaut und literarisch präzise geschrieben.
Monika F, Buchhändler*in
Was für ein Albtraum
Einige von Ihnen kennen Dror Mishani wahrscheinlich durch seine Krimis um Avi Avraham, dessen bisher letzter Band „Vertrauen“ 2024 erschienen ist. Das neue Buch „Nicht“ liest sich zwar ähnlich wie ein Krimi, ist aber keiner. Bisher habe ich es leider noch nicht geschafft, einer seiner Krimis zu lesen, aber dafür endlich diesen Roman.
Dieser Roman fängt ganz ruhig an. Er erscheint eine Liebesgeschichte zu sein. Zwei Menschen, die eine zweite Chance bekommen. Alles läuft total schön an. Aber das es nicht so bleiben wird, erfahren wir sehr früh! Interessanterweise duzt der Erzähler seine männlichen Hauptfigur. Er redet nämlich von Fehlern, die die Hauptperson macht. Hätte die Hauptperson vorher gewusst, was auf sie zukommt, hätte sie sicherlich schon früher anders reagiert. Aber so verstrickt sie sich immer mehr in einen Schlamassel. Und wir als Leser:innen fiebern mit, ob er noch einmal mit heiler Haut aus dieser Geschichte herauskommen wird.
Mich hat dieses Buch fasziniert. Zum einen, weil es so ungewöhnlich erzählt wird. Da habe ich mich natürlich sofort gefragt, warum etwas als Fehler bezeichnet wird. Und was wird dieser Fehler für Folgen haben. Und zum anderen gibt es zwei Vorfälle, die mich beide Male vollkommen überrascht haben.
Ich war von dieser Geschichte begeistert. Schade, dass sie so schnell zu Ende war.
Buchhändler*in 405648
Der Titel des Buches hat meine Neugierde geweckt. „Nicht“ klingt für mich nach Blackbox, nach Geheimnis, nach Verlust.
Und tatsächlich wird Eli von der Vorstellung heimgesucht, er könnte seine neue Liebe verlieren. Die Cellistin Lia hat er erst kürzlich kennengelernt, zu einem Zeitpunkt, als er nach dem Tod seiner Frau nichts mehr vom Leben erwartet hat. Doch die Beziehung läuft vielversprechend an, das gegenseitige Abtasten lässt Hoffnung aufkeimen.
Als Lia für einige Tage beruflich nach Wien muss, bittet sie Eli, auf ihren Hund aufzupassen. So nimmt die Geschichte ihren Lauf.
Das Buch zeigt, wie leicht ein Mensch zum Lügner werden kann. Interessant sind die Motive hinter der Lüge. Angst, Rücksichtnahme, Scham. Das verleiht dem Buch Tiefe. Und ist die Lüge erst in der Welt, ist es schwer, sie wieder einzufangen.
Dror Mishani urteilt nicht, er beschreibt, und das mit viel psychologischem Feingefühl. Was macht die Lüge mit dem Lügner? Was mit der Belogenen?
Die Sprache ist prägnant und stringent. Die Perspektive ungewohnt: Ein unbekannter Erzähler berichtet Eli, was dieser selbst erlebt hat, hält ihm gewissermaßen den Spiegel vor. Das hat mir gefallen. Mit Fortschreiten der Handlung steigt auch die Spannung, um dann in ein großartiges Ende zu münden.
Große Empfehlung!
Wieder ein tolles Buch von Dror Mishani, der gekonnt in die Psyche der Menschen schaut.Hätte man in der Situation von Eli vielleicht ähnlich gehandelt? Was weiß Lia wirklich?Das Ende lässt offen, ob sie die Wahrheit von Elis Lüge und Betrug wirklich weiß.
Rezensent*in 1805469
Mishani hat einen sehr kurzen, sehr dramatischen Roman verfasst über eine frische Liebe, eine göttliche Fügung und einen Hund, der es besser weiß. Gut geschrieben, aber am Ende fragt man sich, welcher Sinn hinter dieser Geschichte steckt.
Buchhandlung Collibri/Federleserin
Buchhändler*in 578886
Eli, Witwer, Anfang 50, ein bisschen depressiv veranlagt, verliebt sich in die Musikerin Lia und seine Gefühle werden erwidert. Er kann es kaum glauben, dass ihm das Schicksal noch einmal solch eine Chance gibt. Lia besitzt einen Hund, Felix an dem sie sehr hängt. Felix und Eli müssen sich erst aneinander gewöhnen. Dann verreist Lia für eine Woche beruflich und sie bittet Eli auf den Hund aufzupassen. Dann passiert etwas, dass Elis Leben vollständig verändert.
Eine Geschichte, manchmal fast ein Krimi, über Lügen und Schuld. Manchmal möchte man wirklich das Wort „Nicht" rufen, um Eli abzuhalten weiter zu stolpern, und sich zu verirren in einer Spirale aus falschen Entscheidungen. Der auktoriale Erzählstil gibt dem Ganzen noch eine zusätzliche Kraft.
Zum Inhalt:
Ein Mann in den Fünfzigern, der seine Frau verloren hat, die Kinder aus dem Haus und einen Beruf als Übersetzer, der vermutlich demnächst von KI übernommen wird. Er ist sicher, dass die Liebe ihm nicht mehr begegnen wird, doch dann lernt er eine Frau kennen und alles ist so schön bis ein Unfall alles wieder zu zerstören droht.
Meine Meinung:
Was für ein ungewöhnliches Buch. Schon die Art, wie es geschrieben war, hat mir ungeheuer gut gefallen. Eli und Lia haben mir im Zusammenspiel und wie sie beschrieben werden, gut gefallen. Man fragt sich auch zwischendurch, wie man selbst in der Situation gehandelt hätte, aber wie Eli sich immer mehr in Lügen verstrickt, zeigt wirklich deutlich, dass es so hart auch ist, besser bei der Wahrheit zu bleiben. Eli hat damit beinahe wieder alles aufs Spiel gesetzt. Lias Reaktion auf das Ereignis fand ich teilweise schon etwas sehr dramatisch, aber wenn man selbst nicht in so einer Situation steckt oder mal gesteckt hat, ist das natürlich leicht zu sagen. Besonders gut hat mir der außergewöhnlich Schreibstil gefallen.
Fazit:
Tolles Buch
Buchhändler*in 2000613
Ein psychologischer Krimi, der gar keiner ist - sensationell
Dror Mishani hat sich einen guten Platz auf die Liste meiner Lieblingsautoren erobert. Und dies aufgrund seiner unglaublichen Fähigkeit mit Worten zu zaubern. Auch dieser Roman geht wieder unter die Haut und überzeugt durch seine Durchdachtheit und die Andersartigkeit der Geschichte. Das Lesen hat bei mir regelrecht Bauchschmerzen verursacht, weil die Situation in der Geschichte so unerträglich wurde… die Lüge, auf die der Roman aufbaut, ist mir immer mehr zuwider geworden.
Eigentlich kann ich auch gar nicht von einem Lese“vergnügen“ sprechen, aber Lesen kann nicht nur Amüsement sein, Lesen ist Miterleben! Dieses Buch lässt nicht mehr los, es hat mich in seinem Bann gezogen und dies obwohl es mich selbst am Ende nicht versöhnlich gestimmt hat.
Fantastisch!
raffiniert und doch bodenständig
Durch Zufall hat mich das Buch ausgesucht. Der Autor war mir bisher nicht bekannt. Nach der Lektüre muss ich nun definitiv weitere Werke von ihm lesen.
Der Inhalt ist nicht spektakulär, es geht um einen Mann Anfang 50, der seine Frau verloren hat und glaubt, dass es das mit der Liebe gewesen ist. Aber plötzlich tritt eine Frau in sein Leben und alles ist anders. Sie hat einen geliebten Hund, der eine große Rolle im Roman spielt. Ohne zu spoilern, in einer Schocksituation reagiert der Mann einmal anders, als es viele tun würden. Daraufhin baut sich ein Lügenkonstrukt auf, das sich zunehmend zuspitzt.
Dror Mishani hat einen außergewöhnlichen Schreibstil, er vereint Raffiness und Bodenständigkeit in einem. Trotz einfacher Sprache zieht einen die Geschichte in einen Bann und die eigenen Gedanken bleiben nicht aus. Mich hat das Buch gepackt!
Es beginnt langsam, fast bedächtig, und dann wird man in den sich immer schneller drehenden Strudel hineingezogen. Einmal angefangen konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen.
Am Ende bleiben Fragen offen (z.B. wo beginnt Schuld, welche Teile der Geschichte(n) existieren vielleicht nur in seinem Kopf, was ist Wahrheit?) Aber genau das mag ich in diesem Fall sehr. Genau wie die Du-Perspektive, dir mir bei anderen Romanen schon gewaltig auf die Nerven ging, hier nicht.
Sehr gerne gelesen, vielen Dank fürs Zurverfügungstellen!
Birte W, Buchhändler*in
Wie immer bei Dror Mishani ist die Geschichte meisterhaft komponiert und als Leser fragt man sich, wie will der Protagonist nur aus der Nummer wieder rauskommen, in die er sich selbst manövriert hat. Und so fiebert man dann auch mit mit dem verwitweten Protagonisten, der endlich eine neue Liebe gefunden hat.
Bettina R, Bibliothekar*in
Der neue Roman von Dror Mishanis "Nicht" ist kein Krimi, aber trotzdem ein spannender Pageturner. Eli hat nach dem Tod seiner Frau mit der Liebe und dem Glück abgeschlos-sen. Völlig unerwartet findet er aber findet er aber wieder eine Partnerin, eine Partnerin mit Hund. Es entwickelt sich recht schnell eine Liebesbeziehung. Diese neue Liebe hat es aber nicht leicht. Und es geht vor allem um Sachen, die man "NICHT" machen sollte.
Magdalena L, Rezensent*in
Nicht von Dror Mishani, aus dem Hebräischen von Markus Lemke, ist das erste Buch, das ich von dem israelischen Autor gelesen habe. Das Buch enthält nur 180 Seiten und lässt sich leicht lesen.
Eli, 50, ist Übersetzer und lebt in Tel Aviv. Er ist vor nicht allzu langer Zeit Witwer geworden und noch in Trauer. Trotzdem verliebt er sich bei einem Abendessen bei Freunden in die Cellistin Lia.
Lia hat einen Hund, an dem sie sehr hängt. Felix und Lia sind ein eingespieltes Team, für Lia ist es wichtig, dass ihr Hund Eli akzeptiert. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten gewöhnen sich Mann und Hund aneinander, und als Lia für ein paar Tage wegfährt, bittet sie Eli, Felix zu hüten. Dieser fühlt sich geehrt und ist sehr bemüht, seinen Schützling liebevoll zu betreuen. Doch kurz vor Lias Rückkehr passiert das Unfassbare: Felix läuft weg und wird angefahren.
Ab da konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, Elis Reaktion auf den Unfall hat mich schlicht umgehauen und bestürzt. Als Hundehalterin konnte ich mich gut in Lia hineinversetzen.
Das Ende hat mich verwirrt und mit offenen Fragen zurückgelassen. Trotzdem habe ich das Buch gern gelesen, mich maßlos über Eli geärgert und mit Lia gefühlt und getrauert. Es geht um Schuld, Wahrheit und Lüge, die Herausforderungen einer neuen Liebe und die Liebe zum Haustier. Gerne empfehle ich das Buch allen weiter, die sich auf ein psychologisches Katz- und-Mausspiel einlassen wollen.
Nina P, Buchhändler*in
"Nicht" von Dror Mishani erzählt mit rasanter Geschwindigkeit die Geschichte von einem Mann, der sich immer weiter in seinem eigenen Lügenkonstrukt verzettelt. Eli ist ein mittelalter Mann, der seine Frau verloren hat. Er lernt Lia kennen, eine Cellistin mit Hund. Schnell gehen die beiden eine Beziehung ein, die grundsätzlich liebevoll ist, aber von Anfang an durch Elis Unsicherheiten überschattet wird. Als Lia für einige Tage die Stadt verlassen muss, um mit ihren Freunden Auftritte zu spielen, soll sich Eli um Hund Felix kümmern. Das klappt auch überraschend gut bis zum letzten Abend und dem letzten Spaziergang vor Lias Rückkehr. Eli ist nur einen Moment unaufmerksam, da rennt Felix auf die Straße und wird von einem Auto angefahren. Der Hund verstirbt und Eli steht vor der Aufgabe, mit dieser Situation umzugehen. Er weiß, dass Lia sehr an dem Hund hängt und er weiß, wie gut ihm die Beziehung mit ihr tut und dass er sie auf keinen Fall verlieren möchte. Also lügt er sie an, als sie einige Stunden später nach Hause kommt und erzählt ihr lediglich, dass Felix weggelaufen sei, nicht jedoch, dass Eli genau weiß, wo er sich befindet, nämlich unter einem Erdhügel am Stadtrand. Aus dieser ursprünglichen Lüge entspinnen sich bald weitere und mit jeder Lüge entfernt sich Eli weiter von der Möglichkeit, sein Gewissen zu erleichtern und einfach die Wahrheit zu sagen, ohne Lia zu verlieren.
Zwei Punkte haben es mir sehr schwer gemacht, diesen Roman zu lesen: 1. Die Erzählweise. Dror Mishani hat sich dafür entschieden, in der zweiten Person zu schreiben, spricht also quasi als allwissender Erzähler Eli mit "du" an. Diesen Stil mag ich leider überhaupt nicht gerne lesen. 2. Die Lügen. Dieser Grund ist rein persönlich und wird andere Lesende sicher nicht so massiv stören, aber ich kann Lügen einfach nicht ertragen, daher musste ich öfter kurz pausieren, um die nächste Lüge von Eli verdauen zu können.
Ein Punkt hat es mir leicht gemacht, diesen Roman zu lesen: 1. Die Geschichte. Ich hatte bereits "Drei" von Dror Mishani gelesen und war begeistert von der spannenden Schreibweise. Auch in diesem Buch hat der Autor mich überzeugt und trotz der vorigen zwei erzähnten Punkte konnte ich nicht mit dem Lesen aufhören. Ein wirklich besonderes Buch, das kurzweilig ist und sich schnell lesen lässt und dennoch den Sog einer tiefgründigen, fein nuancierten Geschichte hat.
Uwe S, Journalist*in
Dieses Buch liest sich wie ein Krimi. Obwohl es im Grunde genommen eine Liebesgeschichte erzählt. Von einem Witwer in den Fünfzigern, der als Übersetzer arbeitet. Französische Literatur, überwiegend Krimi-Klassiker, überträgt er ins Hebräische. Irgendwann wird solche Aufgaben die KI erledigen. Auch ansonsten erwartet der Mann nicht mehr allzu viel, der „Sack mit Gottesgeschenken“ erscheint ausgeleert. Seit seine Frau, eine Ballett-Tänzerin, die er in Paris lieben lernte, den Kampf gegen den Krebs verlor, lebt er recht zurückgezogen. Seine Tochter, angehende Juristin, übernachtet manchmal noch im früheren Kinderzimmer. Zum Sohn, der in Amerika studiert, ist der Kontakt abgebrochen.
Mitunter wird Eli Freitagsabends, wie in Israel üblich, zum Essen eingeladen. Im Freundeskreis will man nicht, dass er allein bleibt. Und tatsächlich trifft er an einem Abend eine Frau, die ihn anzieht, was auf Wechselseitigkeit beruht. Erneut eine Künstlerin, sie spielt Cello. Man verabredet sich zu zweit, ist aber bald zu dritt. Denn die alleinstehende Lia hat einen Hund: Felix, ihr Augenstern, übersetzt „Der Glückliche“, wird Elis Schicksal bestimmen.
In „Nicht“, dem neuen, großartigen Roman von Dror Mishani, wird der Hoffnungsschimmer von einem bedrohlichen Unterton begleitet. Meisterhaft führt der israelische Autor in seinem schmalen Buch, in dem jeder Halbsatz voller Bedeutung scheint, in die Handlung ein. Eine sehr private Geschichte, in der die aktuellen Probleme seines Landes außen vor bleiben. Zuletzt, in „Fenster ohne Aussicht“, war das ganz anders, da schilderte der mit Frau und zwei Kindern in Tel Aviv lebende Schriftsteller seine Erlebnisse nach dem Terror-Überfall des 7. Oktober als persönliches Tagebuch.
„Nicht“ wendet sich scheinbar wieder dem Metier zu, in dem er sich am wohlsten fühlt. Mishani arbeitet wie seine Romanfigur als Übersetzer, ist zugleich auf Krimis spezialisierter Literaturdozent. Als Autor bekannt wurde Mishani mit einer Reihe um den Ermittler Avi Avraham aus Holon, der Stadt, in der Dror Mishani 1975 zur Welt kam. Schon in diesen Erfolgskrimis ging es immer um mehr als das reine Verbrechen. Ein Muster, das er in seinem Bestseller „Drei“ quasi umdrehte. Drei Liebesgeschichten, die ein Rechtswalt mit drei verschiedenen Frauen eingeht und die jeweils in einen Kriminalfall münden. Ähnliches erwartet man nun auch von diesem Beziehungsroman, auch wenn er kein Gewaltverbrechen behandelt, sondern „nur“ den Verlust eines Vierbeiners.
Man traut sich kaum, zu viel vorwegzunehmen. Erzählt wird aus der Du-Perspektive, wobei der Autor nicht die Leser, sondern den Erzähler selber anspricht, der das Erlebte und sein Leben davor aufschreiben will. Oft rückt Mishani erst spät mit der Sprache heraus. Dazu gehören die Namen seiner Protagonisten. Das hängt mit den hebräischen Anfangsbuchstaben zusammen, die in Kombination neue Wörter ergeben. Für Markus Lemke, Stammübersetzer israelischer Autoren, eine besondere Herausforderung. Elis verstorbene Frau hieß Aschra. Nach der Reihenfolge, in der man die beiden Anfangsbuchstaben Alef und Lamed kombiniert, ergibt das entweder „Lo“ wie „Nein“, oder „Al“ wie „Nicht“, also den Titel des Romans. Genauso funktioniert es auch mit dem Vornamen seiner neuen Gefährtin Lia, und selbst die Anfangslettern der beiden Nachnamen, Argow und Laniado, ergeben zusammen ein „Al“.
Das Unheil deutet sich also an, während Eli an das unerwartete Glück zu glauben beginnt. Lia, deren Familie offenbar aus der früheren Sowjetunion stammt, die russischsprachige Mutter besuchen sie mehrfach im Pflegeheim, vertraut ihm ihr Trauma an. Sie verlor früh ihren Vater bei einem Autounfall nahe Dresden. Die Umstände, der Zweck der DDR-Reise wie auch die Rolle der jungen Assistentin, die mit ihm ums Leben kam, lassen die Tochter nicht los. Auch das erklärt die emotionale Bindung an ihren Hund.
Dass Eli auf den eigensinnigen Felix aufpassen soll, während sie mit ihrem Streichquartett in Wien gastiert, ist für ihn ein Beweis ihres Vertrauens, ja der Liebe. Alles verläuft harmonisch, doch dann am letzten Abend, während Lia schon wieder im Flieger sitzt, zieht ihn Felix mit in eine unbekannte Gegend der Stadt, reißt sich los und läuft vor ein Auto. Völlig verzweifelt verscharrt Eli das tote Tier auf einer Baustelle. Erzählt der eintreffenden Lia, der Hund sei weggelaufen. Tagelang suchen sie gemeinsam das Tier, in den Straßen wie in den Sozialen Netzwerken.
Mehr und mehr verstrickt sich Eli, der sich eigentlich nichts zu Schulden kommen ließ, in ein Gestrüpp aus Lügen. Man gerät ins Visier von Erpressern, die Felix angeblich gekidnappt haben, und zugleich der Polizei. Immer auswegloser wird die Situation für Eli. Man möchte ihn fast anschreien, damit er die Wahrheit offenbart. Das Gottesgeschenk, ein neues Leben mit Lia, scheint in weiter Ferne.
Völlig unerwartet, mehr soll nicht verraten werden, kommt es zu einem Happy End, das keines ist. Die ermittelnde Polizistin überredet Eli, es anzunehmen: „Denn obwohl das nicht die wahre Version ist, ist es die richtige.“ Zumindest Lia findet anscheinend neue Erfüllung, abseits der Musik, von der sie sich verabschiedet, um sich dem Schreiben zuzuwenden. Ihre erste Geschichte habe ein Happy End, erklärt sie Eli. Und sagt dann etwas, was auch auf Mishanis Roman zutrifft: „Aber ich fürchte, es ist weniger eine Liebesgeschichte als ein Krimi, und was das gute Ende angeht, bin ich nicht sicher.“
Eli ist Witwer und Mitte 50. Arbeitet als Übersetzter und sein Leben ist eigentlich recht langweilig. Seine Tochter kommt ihn meist Freitags zu Besuch, ansonsten passiert nichts aufregendes. Bis er bei einem Abendessen von Freunden eine Frau kennenlernt und so entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Wunderbar erzählt.
Als er eines Tages für ein paar Tage auf den heißgeliebten Hund (Felix) aufpassen soll geschieht das Unglück, dass genau am Abend Ihrer Rückkehr er den Hund verliert bzw. er ihm wegrennt und ums Leben kommt.
Nun verstrickt er sich in Wiedersprüche und Aussagen, nur um seine Freundin nicht zu verletzten und natürlich will er seine neu gefundene Liebe nicht verlieren......
Buchhändler*in 1715822
Dieses Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen, die Erzählweise in 2. Person Singular war mal etwas neues, was mich angesprochen und neugierig gemacht hat. Man kann die Geschichte in einem Rutsch weglesen, sie ist wunderbar geschrieben und regt zum Nachdenken an. Eine große Leseempfehlung!
Rezensent*in 1518830
Nicht war für mich ein echtes Highlight. Das Buch ist ruhig erzählt und trotzdem liegt von Anfang an eine unterschwellige Spannung über allem, die mich komplett in die Geschichte gezogen hat.
Im Mittelpunkt steht Eli, ein verwitweter Mann Anfang fünfzig, der nach dem Tod seiner Frau eigentlich nur noch funktioniert und den Gedanken an Liebe längst aufgegeben hat. Als Lia in sein Leben tritt, spürt man sofort, dass sie etwas in ihm verändert. Zwischen den beiden entsteht vorsichtig Nähe, aber gleichzeitig liegt über ihrer Beziehung die ganze Zeit etwas Unsicheres und Fragiles.
Nach einem folgenschweren Ereignis beginnt Eli zu schweigen und verstrickt sich immer mehr in Lügen, aus Angst, Lia wieder zu verlieren. Gerade dieses langsame Abrutschen fand ich unglaublich intensiv erzählt. Man versteht seine Ängste und Entscheidungen, auch wenn man ihn manchmal am liebsten schütteln würde.
Besonders mochte ich, wie psychologisch fein Dror Mishani schreibt. Die Spannung entsteht nicht durch große Wendungen oder Action, sondern durch Blicke, Gedanken, Andeutungen und dieses ständige Gefühl, dass alles jederzeit zusammenbrechen könnte.
Gleichzeitig ist das Buch aber auch sehr melancholisch. Es geht um Trauer, Einsamkeit, Schuld und die Frage, ob man nach einem Verlust überhaupt nochmal neu lieben kann. Und genau diese Mischung aus emotionaler Tiefe und leiser Spannung hat das Buch für mich so besonders gemacht.
Ein stiller, kluger Roman, der mich emotional total gepackt hat und noch lange nach dem Ende nachhallt.
Buchhändler*in 2098669
Es gibt eine spezifische Melancholie, die der israelische Autor Dror Mishani wie kaum ein Zweiter beherrscht. Wer ihn bislang vor allem als Konstrukteur kluger Kriminalromane wahrgenommen hat, wird von seinem neuen Werk Nicht (Diogenes Verlag) überrascht sein – und doch die vertraute, seismographische Präzision wiedererkennen, mit der er menschliche Erschütterungen seziert. Mishani legt hier keinen klassischen Thriller vor, sondern ein psychologisch dichtes Kammerspiel über das Wagnis eines Neubeginns und die lähmende Angst, das gerade erst gefundene Glück wieder zu verlieren.
Der Protagonist Eli – stellvertretend für eine Generation von Intellektuellen in den Fünfzigern – befindet sich an einem doppelten Wendepunkt. Mishani verknüpft das zutiefst Private geschickt mit dem gesellschaftlich Akuten: Während Elis verwaistes Haus nach dem Auszug der Kinder und dem Krebstod der Ehefrau von persönlichem Verlust zeugt, bricht in seinem Beruf als Übersetzer die technologische Moderne über ihn herein. Die Bedrohung durch künstliche Intelligenz ist hier kein abstraktes Zukunftsszenario, sondern eine existenzielle Krise, die sein eigenes Schaffen entwertet.
Was bleibt vom Menschen, wenn seine Sprache vom Algorithmus und sein Herz von der Trauer ersetzt wird? Das langsame Wiedererwachen aus dieser Erstarrung gelingt Eli erst durch die Begegnung mit einer Cellistin. Doch die zarte, fast schicksalhafte Liaison wird schon bald auf eine fundamentale Probe gestellt.
Der Wendepunkt des Romans bricht mit einer plötzlichen, alltäglichen Brutalität in die Idylle ein. Als die Cellistin für eine Konzertreise nach Wien reist, vertraut sie ihrem neuen Geliebten ihr emotionales Epizentrum an: ihren Hund, an dem sie mit jeder Faser hängt. Es ist ein immenser Vertrauensvorschuss – und eine Verantwortung, an der Eli tragisch scheitert. Bei einem Spaziergang reißt sich das Tier los, gerät vor ein Auto und stirbt.
Ab diesem Moment erweist sich Mishani wieder als Meister des psychologischen Suspense. Nicht der Unfall selbst ist das eigentliche Drama, sondern das moralische Vakuum, das sich nach der Rückkehr der Musikerin auftut.
Aus der panischen Angst heraus, das gerade erst gewonnene Vertrauen sofort wieder zu verspielen, wählt Eli den fatalsten aller Wege: die aktive Lüge. Statt ihr die grausame Wahrheit zu gestehen, behauptet er nach ihrer Ankunft, der Hund sei ihm entwischt und werde nun vermisst. Was als feige Notlüge beginnt, mutiert rasch zu einem labyrinthartigen Albtraum. Mishani seziert meisterhaft, wie sich Eli immer tiefer in ein Netz aus Ausflüchten verstrickt, während er die unerträgliche Ungewissheit und die verzweifelte Hoffnung seiner Partnerin miterleben muss – eine Hoffnung, von der er weiß, dass sie längst hinfällig ist. Die emotionale Distanz zwischen den beiden Liebenden wächst genau durch jene Geschichte, die sie eigentlich zusammenschweißen sollte.
Die Sprache des Romans spiegelt diese zunehmende Einengung wider. Sie ist von einer feuilletonistischen Klarheit, frei von barocken Ausschmückungen, aber reich an beklemmenden Zwischentönen. Mishani zeigt hier das moralische Dilemma eines Mannes, der gewohnt ist, die Worte anderer zu übersetzen, nun aber unfähig ist, die eigene Wahrheit auszusprechen. Die fiktive Suche nach dem Hund wird zur Metapher für die menschliche Unfähigkeit, sich in seiner eigenen Fehlbarkeit verletzlich zu zeigen.
Fazit: Nicht ist ein reifer, eminent zeitgemäßer Roman, der die Grenze zwischen Liebesgeschichte und psychologischem Drama virtuos auflöst. Dror Mishani zeigt uns, dass die größten Abgründe nicht in klassischen Kriminalfällen lauern, sondern in den feigen Entscheidungen unseres Alltags. Ein kleines literarisches Meisterwerk, das psychologische Spannung mit tiefer Humanität verbindet.
Buchhändler*in 1886554
Der neue Roman des israelischen Autors Mishani hat keine politischen Implikationen.
Im Mittelpunkt steht ein 52jähriger Witwer, der als Übersetzer arbeitet und zwei erwachsene Kinder hat. Erzählt wird von seiner zweiten Chance tatsächlich nochmals eine glückliche Beziehung mit einer Musikerin zu leben. Es geht um ein erstes vorsichtiges Herantasten an den Anderen und darum Vertrauen aufzubauen. Lia, so der Name der Cellistin, vertraut ihm während sie im Ausland ist, ihren geliebten Hund Felix an. Eli, der Witwer scheitert an dieser Aufgabe, da der Hund ihm im Park davonläuft, angefahren wird und in seinen Armen stirbt.
Soweit der Plot, der Erzähler berichtet als beobachtende, ethische Instanz in der Rückschau. Es gibt aber auch Verweise in die Zukunft. Eli wird in seinem moralischen Konflikt, wie er Lia sein Versagen vermitteln soll, dargestellt, aber auch direkt vom Erzähler angesprochen. Die Spannung in der Geschichte entsteht dadurch, dass man Eli gut versteht und gleichzeitig die ganze Zeit auf sein Geständnis wartet. Das Ende bleibt offenen, aber deutlich wird, dass es um die Trauer großer Liebender geht. Lia hat ihren geliebten Vater bei einem Autounfall verloren und der Hund Felix ist das Objekt, auf das sie ihre ganze Liebe projiziert. Eli hat seine Frau verloren, die sich nach der Diagnose jeder Behandlung verweigert hat, was ihn mit dem Gefühl zurückließ, versagt zu haben.
Psychologische Finesse und ein spannender Erzählstil zeichnen die Bücher des Autors aus.
Cornelia L, Beschäftigte*r in der Buchbranche
Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen und kann es allen, die philosophische und zweideutige Bücher mögen, die auf clevere Weise zum Nachdenken anregen, sehr empfehlen.
Claudia F, Beschäftigte*r in der Buchbranche
Der neue Roman von Dror Mishani "Nicht" ist amüsant und unterhaltsam. Ein älterer verheirateter Mann verliebt sich in eine deutlich jüngere Musikerin. Diese hat einen Hund, der eine sehr bedeutende Rolle in ihrem Leben spielt. Als der Mann dann für einige Tage auf den Hund aufpassen soll, geschieht ein Unglück und die Geschichte aus Lügen und Täuschungen nimmt ihren Lauf. Unterhaltsam erzählt, tolle Geschichte.
Pauline S, Buchhändler*in
ich bin ehrlich erstaunt, dass mich das Buch auf seine besondere Art und Weise so im Dunklen gelassen hat, da ich auch überhaupt nicht mit der Entwicklung dieser Geschichte gerechnet hatte. es blieb etwas Mystisches zurück, das noch in mir nachhallen wird.
Buchhändler*in 920656
Eli ist mit 52 Witwer und hadert damit, daß es bestimmt vorbei ist mit der großen Liebe. Da lernt er bei Freunden die begabte, junge Cellistin Lia kennen. Die beiden nähern sich an und Eli schöpft wieder Hoffnung. Lia muß für ein paar Tage nach Wien und bittet Eli, solange ihren Hund zu hüten. Dass sich darin eine Herausforderung verbirgt, die zu einer folgenschweren Entwicklung führt, ahnt er nicht.
Mit psychologischer Finesse und kühlem Verstand schreibt Dror (mal wieder) einen Roman, der einem das Blut in den Adern erstarren lässt und dem Leser jegliches Gefühl für falsch und richtig, Wahrheit oder Lüge, gut oder schlecht nimmt . Dieser psychologisch fein und glasklar durchkomponierte Roman ist fesselnd und irritierend zugleich.
Leona B, Buchhändler*in
Dieses Buch ist nicht nur ein Pageturner, sondern auch ein brillantes Buch. Es lässt einen feuchte Hände bekommen und Herzklopfen und immer wieder denkt man: Nein, nein, nein! Tu das nicht! Daher ist der Titel sehr gut getroffen. Da der Klappentext nicht viel verrät, sei hier nicht weiter auf die Handlung eingegangen. Nach dem Lesen des Buches bleibt man nachdenklich zurück: Was ist schlimmer: die Angst vorm Verrat oder die Last nicht verraten worden zu sein.
Buchhändler*in 673522
Eine Geschichte, die von der ersten Zeile an einen intensiven Sog erzeugt. Zurückhaltend, geradezu lapidar erzählt, Mishani ist ein echter Könner.
Mario K, Rezensent*in
"Du bist zweiundfünfzig, Witwer und glaubst nicht, noch einmal eine Liebe zu finden, wie du sie hattest."
Wenn ein Buch so beginnt, ist eigentlich klar, was passieren muss: Natürlich findet der Protagonist, in diesem Fall der Übersetzer Eli, genau diese unwahrscheinliche Liebe. Und so könnte dieses schmale Büchlein wundervoll romantisch, poetisch und leicht die passende Sommerlektüre abgeben – wenn, ja wenn der Autor nicht Dror Mishani wäre und der Titel dieses Buches (in der deutschen Übersetzung) von Markus Lemke nicht ein so unscheinbares, aber dräuendes Nicht.
Eli trifft Lia, eine junge Cellistin. Und ganz langsam, zaghaft, geradezu traumwandlerisch entspinnt sich die Geschichte von zwei Menschen, die sich allem Unbillen in der Welt zum Trotz gefunden haben. Das Glück, es ist möglich, möchte uns der Autor – in seinem ersten Kriminalroman seit dem 7. Oktober 2023 – scheinbar sagen. Doch ja, die Liebesgeschichte kippt schnell in einen Kriminalroman oder gar Psychothriller, wobei man bis zum Ende nicht ganz sicher ist, wer hier eigentlich für diesen Thriller verantwortlich ist. Da ist zum einen ein geheimnisvoller Erzähler, der im Plural Majestatis und im Dialog mit Eli die Geschichte erzählt. Und da ist eben jener Eli, der sich in der immer wieder an ihn gestellten Frage nicht für die Wahrheit, sondern für die Lüge entscheidet.
"Wir kommen mit der Geschichte nicht recht voran, weil es Dinge gibt, die du aus Angst nicht erzählen willst, aber komm, lass uns das nicht länger aufschieben, das macht keinen Sinn. ... Wir wollten doch die Wahrheit erzählen oder nicht?"
Als sich Lia auf eine kurze Konzertreise nach Europa begibt, bittet sie Eli, auf ihren Hund aufzupassen. Kurz vor ihrer Rückkehr kommt es dann zu einem einschneidenden Vorfall, nach dem nichts mehr wie vorher ist. Der sich bisher wie in einem Traum wähnende Protagonist droht alles zu verlieren – im hebräischen Originaltitel des Romans ist von der vorletzten Chance die Rede. Von nun an erhält Eli eine Chance nach der anderen, noch zu retten, was aus seiner Sicht nicht mehr zu retten ist. Und er macht – nichts. Nur um sich in einem immer wahnhafter werdenden Lügengebäude zu verirren. Er, der versierte Übersetzer der Romane von Georges Simenon, wird langsam selbst zum Täter, paradoxerweise indem er sich nicht verhält.
Mishani legt zu Beginn die harmlos scheinende Fährte einer Liebesgeschichte aus, nur um dann von Kapitel zu Kapitel eine immer enger und dunkler werdende Stimmung zu erzeugen, die das Weiterlesen buchstäblich zu einem Kraftakt macht. Mir war während der Lektüre aus Spannungsgründen derart unwohl, dass ich das Buch nach jedem Kapitel aus der Hand legen musste – nur um es gleich darauf wieder aufzuschlagen.
"Noch weißt du es nicht, aber deine Geschichte neigt sich dem Ende zu. Und nichts daran ist entschieden. Alles kann noch passieren, und im Grunde genommen hängt alles von dir ab."
Was so leichtfüßig, fast wie eine Fingerübung daherkommt, ist wahnsinnig geschickt konstruiert und stößt die Leser*innen auf Fragen, die weit über diesen (Kriminal-) Fall hinausweisen. So öffnet Dror Mishanis "Wir-Erzähler" eine Menge Türen, ohne hineinzuschauen. Dass er sie angelehnt und uns allein mit ihnen lässt, das ist seine große Kunst. Und ja: auch so etwas wie Weisheit.
Es gibt Bücher, bei denen es mir deswegen so schwer fällt, sie zu rezensieren, weil ich eigentlich nichts über den Inhalt verraten würde. Jedes Wort zu viel könnte dabei etwas aus der Geschichte vorwegnehmen und somit die Spannung deutlich senken. Genauso geht es mir bei Nicht von Dror Mishani. Zum Inhalt sage ich daher fast nichts, nur soviel: im Grunde geht es darum, wieviel man in einer Beziehung verschweigen darf. Das reicht jetzt auch und war schon fast zu viel.
Eigentlich muss es reichen, wenn ich sage: das Buch ist gut, es ist anders, als ihr es euch vorstellt und es ist ein wirklich spannender Gedankengang. Für mich war es der erste Roman des Autors (über die anderen habe ich zum Inhalt übrigens die gleichen Worte gehört, die ich gerade verwendet habe: je weniger man weiß, desto besser). Nicht ist ein kurzes Buch, fast schon eine Novelle. Trotz der wenigen Seiten sind die Charaktere toll herausgearbeitet. Auch die Perspektive, ein Du-Erzähler, gibt der Geschichte einen ganz eigenen Ton.
Nicht ist ein ungewöhnliches, sehr spannendes Buch, das ich wirklich gerne empfehle!
Kerstin D, Rezensent*in
Dror Mishanis Roman »Drei« hat mich vor einigen Jahren umgehauen, nach dem atemberaubenden ersten Twist konnte ich das Buch nicht zur Seite legen. Seitdem habe ich auf Nachschub gehofft, und jetzt hat Mishani geliefert: »Nicht« ist ein kurzer, hochspannender Noir à la Patricia Highsmith.
Im Zentrum steht der Übersetzer Eli, ein Mann in den Fünfzigern, der sich nach dem frühen Tod seiner Frau nicht mehr viel vom Leben erhofft. Bis er bei Freunden auf Lia trifft, eine Cellistin, in die er sich spontan und unerwartet heftig verliebt. Und tatsächlich - für ihn beinahe unglaublich - wird seine Verliebtheit erwidert.
»Plötzlich wirst du beschäftigter und spontaner sein als deine Tochter, die dich anruft und überrascht ist zu hören, du bist zu einem Barockmusikfestival gefahren oder dass du am Abend nicht zu Hause bist, obwohl sie doch vorhatte, kurz mal bei dir reinzuschauen.«
Erneut geht es um Vertrauen, Betrug und riskante Liebe. Eli hat einen verhängnisvollen Fehler begangen, den er ungeschehen machen muss, um Lia nicht zu verlieren. Und wieder entwickelt der Roman ein starken Sog, der sich diesmal aus Elis Verstrickung in ein selbst gesponnenes Lügennetz speist.
Hat mich mit seinem sommerlichen, zunehmenden klaustrophobischen Setting und den zahlreichen Twists gefesselt. Weggelesen in einem Tag! Perfekte Lektüre für zwischendurch.
Dror Mishani, bekannt für seine psychologisch tiefgründigen Kriminalromane, schlägt mit „Nicht“ ein leises, aber umso eindringlicheres Kapitel auf. Im Zentrum der Geschichte steht Eli, ein Mann Anfang fünfzig, der nach dem schmerzhaften Verlust seiner Frau versucht, irgendwie zu funktionieren. Er ist Übersetzer, ein Beruf, der ohnehin durch künstliche Intelligenz bedroht wird, seine Kinder sind aus dem Haus, und die Einsamkeit droht ihn zu erdrücken. Eli ist überzeugt, dass das Leben für ihn keine großen Überraschungen oder eine neue Liebe mehr bereithält.
Doch dann bricht das Unerwartete in seinen grauen Alltag ein: Er begegnet Lia, einer Cellistin. Was als vorsichtige Annäherung beginnt, entwickelt sich schnell zu einem psychologischen Drahtseilakt, bei dem die Grenzen zwischen Wahrheit, Lebenslügen und echter Schuld immer mehr verschwimmen.
Thomas D, Buchhändler*in
Was wie eine tolle Liebesgeschichte beginnt mündet bald in einen Albtraum aus Lügen und nicht zu erfüllenden Sehnsüchten. Obwohl ich mich wegen der ganzen Unwahrheiten oft unwohl gefühlt habe und alles nach Aufklärung schreit, kann ich mir durchaus vorstellen, dass man aus dem Gefühl des eigenen Versagens heraus einen zunächst kleinen Fehler macht, der sich am Ende zu einer Lawine auswächst, die man weder beherrschen kann und die am Ende alles zerstört.
VOM LÜGEN...
Dror Mishani beweist mit "Nicht" einmal mehr, dass Spannung nicht aus Verbrechen entstehen muss, sondern aus den moralischen Entscheidungen ganz gewöhnlicher Menschen. Was zunächst wie die Geschichte einer zweiten Chance beginnt – ein verwitweter Mann findet unerwartet noch einmal die Liebe –, entwickelt sich zu einer ebenso beklemmenden wie klugen Erzählung über Schuld, Selbsttäuschung und den Preis des Lügens...
Im Mittelpunkt des kurzen Romans steht Eli, ein verwitweter Übersetzer Anfang fünfzig, der glaubt, dass mit dem Tod seiner Frau das Wichtigste in seinem Leben vorbei ist. Als er dann einer Cellistin begegnet und sich ganz vorsichtig eine neue Liebe entwickelt, scheint plötzlich wieder Zukunft möglich zu sein. Doch ein unerwartetes Ereignis bringt Eli dazu, der Cellistin eine Unwahrheit zu präsentieren. Eli lügt nicht, um sich zu bereichern oder jemandem bewusst zu schaden. Er lügt aus Angst, das gerade erst wiedergefundene Glück zu verlieren. Gerade deshalb wird der Roman unangenehm nahbar.
Immer wieder drängt sich beim Lesen die Frage auf: Ab wann dient eine Lüge wirklich dem Schutz eines anderen – und ab wann nur noch dem eigenen? Kann Verschweigen barmherzig sein oder ist jede weitere Unwahrheit lediglich der Versuch, die Kontrolle über eine Situation zurückzugewinnen, die längst außer Kontrolle geraten ist? Wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen einer Notlüge, einem Verschweigen und einem Betrug? Gibt es überhaupt den richtigen Moment, ein Geständnis nachzuholen? Oder wird jede weitere Lüge irgendwann unausweichlich, weil man die Konsequenzen der Wahrheit immer mehr fürchtet? Und ab welchem Punkt erzählt man die Lügen eigentlich nicht mehr den anderen, sondern sich selbst? Mishani beantwortet diese Fragen nicht. Stattdessen zeigt er eindrucksvoll, wie jede noch so gut gemeinte Lüge zwangsläufig neue hervorbringt und wie sich Wahrheit dadurch nicht verdrängen, sondern lediglich aufschieben lässt.
Obwohl "Nicht" kein Krimi ist, merkt man Mishani seine Erfahrung als Krimiautor an. Es gibt keine spektakulären Wendungen, aber eine unterschwellige Spannung, die mit jeder Seite wächst. Man ahnt, dass etwas zerbrechen wird – nur nicht wann und auf welche Weise. Gerade diese leise Spannung hat mich durch das Buch getragen.
Elis Geschichte wird konsequent in der Du-Form erzählt. Anfangs wirkt diese ungewöhnliche Wahl befremdlich. Wer spricht hier? Wer ist dieses "Du"? Doch gerade diese Irritation entfaltet ihre Wirkung mit jeder Seite mehr. Die Distanz, die das erzählende Du zunächst schafft, verwandelte sich beim Lesen allmählich in das Gegenteil: Ich habe begonnen, mich selbst an Elis Stelle zu setzen. So habe ich Eli nicht nur beobachtet, sondern wurde immer wieder in seine Gedanken hineingezogen, habe seine Entscheidungen beinahe mit vollzogen, was stellenweise durchaus beklemmend war. Gerade auch weil Mishani nie erklärt, wer dieses "Du" eigentlich ist, hat mich diese Erzählweise bis zum Schluss beschäftigt.
Das mehrdeutige, offene Ende verwirrt und lässt einen mit Fragen zurück - und sorgt dafür, dass das Nachdenken über den Roman auch nach dem Zuschlagen des Buches weitergeht. Vielleicht ist das, was am Schluss passiert, tatsächlich so geschehen. Vielleicht ist es aber auch eher Ausdruck von Elis Schuldgefühl oder seiner Sehnsucht nach einer Wahrheit, die sich längst nicht mehr herstellen lässt. Sogar die Frage, wer dieses erzählende "Du" eigentlich ist, scheint am Ende noch einmal in einem anderen Licht zu stehen. Ich mag solche offenen Schlüsse, weil sie einen zwingen, das Buch im Kopf weiterzulesen.
Ein außergewöhnlicher Roman: knapp, klug komponiert und voller Fragen über Wahrheit, Schuld und die Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Ein Buch, das weniger durch seine Handlung als durch seine moralischen Grauzonen lange nachhallt.
© Parden
LeserInnen dieses Buches mochten auch:
Volker Klüpfel; Michael Kobr
Krimis, Thriller, Mystery, Körper, Geist & Gesundheit, New Adult