Eigentlich wollte ich das nicht schreiben
| Berührendes Debüt über Familie, Verlust und das Recht, eigene Geschichten zu erzählen
mit Nele Junghanns (Übersetzer*in); Sophie Wölbling (Übersetzer*in)
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Erscheinungstermin 29.06.2026 | Archivierungsdatum 02.08.2026
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Zum Inhalt
Ausgerechnet der plötzliche Tod ihrer Schwester Darina gibt Nola den Anstoß, endlich ein Buch zu schreiben. Leser:innen feiern ihre radikale Offenheit - doch die Familie fühlt sich bloßgestellt. Zwischen Trauer, Wut und Sprachlosigkeit wächst die Distanz. Ein Jahr später soll Darinas Asche auf einer abgelegenen Insel verstreut werden. Nola will nicht kommen. Doch als ein Filmdeal optioniert wird und kurz darauf eine anonyme Beschwerde beim Verlag eingeht, steht ihr Ruf auf dem Spiel. Entschlossen stellt sie sich ihrer Familie - und der Frage, wem Erinnerungen gehören, wenn sie einmal zu Geschichten geworden sind.
Ausgerechnet der plötzliche Tod ihrer Schwester Darina gibt Nola den Anstoß, endlich ein Buch zu schreiben. Leser:innen feiern ihre radikale Offenheit - doch die Familie fühlt sich bloßgestellt...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Hardcover |
| ISBN | 9783759600530 |
| PREIS | 22,00 € (EUR) |
| SEITEN | 432 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Zwischen Erinnerung und Besitzanspruch
Eigentlich wollte ich das nicht schreiben von Freya Bromley ist kein Roman, der Trauer als gemeinsames Gefühl erzählt, sondern als etwas Zersplittertes, Widersprüchliches und zutiefst Eigenes. Im Zentrum steht nicht nur der Tod einer Schwester, sondern die Frage, wem ein Mensch nach seinem Tod eigentlich gehört: den Eltern, den Geschwistern, den Erinnerungen oder den Geschichten, die über ihn geschrieben werden.
Nola beginnt zu schreiben, um mit Marinas Tod leben zu können. Doch ihr Schreiben bleibt nicht privat. Es wird gelesen, beurteilt, angeeignet und plötzlich steht nicht mehr nur die Verstorbene im Mittelpunkt, sondern die Verletzungen der Zurückgebliebenen. Der Roman verhandelt dabei sehr fein die Vorstellung, dass Trauer eine Hierarchie haben könnte. Haben Eltern mehr Recht auf Schmerz? Ist die eigene Erinnerung wahrer als die eines anderen? Und wie viel Deutung verträgt ein Leben überhaupt?
Besonders stark ist, wie präzise die familiären Dynamiken sichtbar werden. Unterschiedliche Kindheitserinnerungen, verschiedene Prägungen, unausgesprochene Loyalitäten und alte Beziehungsmuster liegen nebeneinander, ohne aufgelöst zu werden. Niemand bekommt vollständig recht und gerade dadurch wirken die Figuren glaubwürdig. Dieses gleichzeitige Brauchen und Verletzen, Nähe suchen und sich voneinander abgrenzen, zieht sich durch das ganze Buch.
Der Aufbau unterstützt dieses Gefühl sehr: Die Zusammenkunft auf der Insel zum fünften Todestag bildet nur einen Strang; Gegenwartsebenen und die eingeschobenen Tierorakel-Elemente mit ihren Beschreibungen von Tierwesen öffnen zusätzliche Deutungsräume. Dadurch entsteht etwas Schwebendes, beinahe Essayistisches, ohne den erzählerischen Kern zu verlieren. Man hat oft das Gefühl, selbst zwischen Meer, Wind und Erinnerungen zu stehen.
Mich hat das Buch nicht sofort erreicht. Die ersten Seiten verlangten Geduld und Bereitschaft, sich auf Sprache und Struktur einzulassen. Aber je weiter ich gelesen habe, desto mehr hat sich diese dichte, bildreiche Erzählweise entfaltet. Es ist kein Buch für nebenbei; eher eines, das langsam unter die Haut geht und dort noch eine Weile bleibt.
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