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Der Betrachter
Roman
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Erscheinungstermin 13.07.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
Es ist ein nasskalter Februartag des Jahres 1948, als der niederländische Kunstrestaurator Hermann, genannt Manno, einen Brief erhält, der ihn unvermittelt zurück in die Vergangenheit wirft: Er ist gerade mal zehn Jahre alt, als seine Mutter 1916 stirbt, sodass Manno seine Heimatstadt Haarlem verlassen und zur Familie seines Vaters nach Wien ziehen muss. In der neuen Stadt fühlt er sich einsam und verloren, bis er in der Sommerschule Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennenlernt. Es entsteht eine Freundschaft, die die sechs jeden Sommer vertiefen. Außerhalb Wiens bei den gemeinsamen Ferien in Altaussee scheint es keine Rolle zu spielen, dass Béla schwul ist oder dass Max und Franzi jüdisch sind. Doch im antisemitischen Wien wird ihre Freundschaft zunehmend politisch, und spätestens, als Hitler am Vorabend des Zweiten Weltkriegs in Österreich einmarschiert, tun sich innerhalb der Freundesgruppe Abgründe auf, die unüberwindbar scheinen. Jahre später blickt Manno zurück und legt das Bild ihrer unvergesslichen Freundschaft Schicht um Schicht frei.
Es ist ein nasskalter Februartag des Jahres 1948, als der niederländische Kunstrestaurator Hermann, genannt Manno, einen Brief erhält, der ihn unvermittelt zurück in die Vergangenheit wirft: Er ist...
Vorab-Besprechungen
»Mit großem Gespür für authentische Charaktere und stilistisch elegant wirft Judith Fanto in ihrem Roman die Frage auf, was passiert, wenn Freundschaft und Ideologie aufeinanderprallen.« VPRO-Gids
»In ihrem zweiten Buch zeigt Judith Fanto erneut, wie gekonnt sie ihre Romanhandlungen aufbaut.« Trouw
»Judith Fanto beschreibt, wie eine Freundschaft durch den Aufstieg des Nationalsozialismus und Faschismus unter Druck gerät. Eine gelungene Reflexion dieser Zeit.« MEZZA
»Der Betrachter ist nicht nur ein mitreißender Roman über Verrat und Vergeltung, sondern auch ein besonders sinnlicher.« Telegraaf
»Mit großem Gespür für authentische Charaktere und stilistisch elegant wirft Judith Fanto in ihrem Roman die Frage auf, was passiert, wenn Freundschaft und Ideologie aufeinanderprallen.« VPRO-Gids
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Marketing-Plan
- Buchwerbung der Neun
- Buch & Media
- Nordbuch
- Vorablesen Festival Sommer
- NetGalley Challange
- Buchwerbung der Neun
- Buch & Media
- Nordbuch
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- NetGalley Challange
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783036951881 |
| PREIS | 26,00 € (EUR) |
| SEITEN | 464 |
Auf NetGalley verfügbar
Durchschnittliche Bewertung von 55 Mitgliedern
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Der Betrachter“ von Judith Fanto aus dem Kain&Aber Verlag erzählt die Geschichte des Kunstrestaurators Hermann, der durch einen Brief plötzlich mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Dieser Auslöser katapultiert ihn zurück in seine Kindheit, in eine Zeit voller Verluste und Umbrüche. Als zehnjähriger Junge verliert er seine Familie. Herzattacke und Unfall sind die Schicksalsschläge, die das Leben von Manno auf den Kopf stellen. Ohne Vater und familiären Halt wird er schließlich nach Wien zu seiner Tante geschickt.
Dort erlebt Hermann eine völlig fremde Welt: Er spricht die Sprache nicht, kennt niemanden und fühlt sich tief isoliert. Erst durch einen engagierten Lehrer, der ihm beim Spracherwerb und seiner schulischen Bildung hilft, beginnt er langsam anzukommen und aus seiner Einsamkeit herauszufinden. Mit der Zeit entstehen erste Freundschaften, die sein weiteres Leben prägen und ihm Stabilität geben.
Im Zentrum steht somit weniger eine ereignisreiche Handlung als vielmehr die Entwicklung einer Persönlichkeit, die zwischen Verlust, Anpassung und späterer Selbstfindung erzählt wird. Der Roman bewegt sich stark zwischen Gegenwart und Erinnerung und zeichnet dabei das Porträt eines Mannes, dessen Vergangenheit nie wirklich abgeschlossen ist.
Der Schreibstil ist sehr detailreich und bildhaft, zugleich aber ruhig und gemächlich erzählt. Die Atmosphäre lebt von Beschreibungen und inneren Zuständen, wodurch eine dichte Stimmung entsteht.
Insgesamt ist „Der Betrachter“ ein atmosphärischer, stark auf Innenleben fokussierter Roman, der vor allem durch seine Sprache und die psychologische Tiefe überzeugt.
Sechs ungleiche Freunde im Wien einer Zeit, die immer dunkler wird.
Was trägt eine Freundschaft, wenn Herkunft, Überzeugungen und Lebensentwürfe auseinandergehen? Wenn die Gesellschaft sich radikalisiert und plötzlich alles politisch wird?
Kann die Freundschaft stärker sein als Antisemitismus, Nationalismus, Antisozialismus und die Verfolgung homosexueller Menschen?
Sandra F, Rezensent*in
3.75 stars
Der Betrachter war für mich eine dieser ruhigen Geschichten, die nicht von großen Wendungen leben, sondern von ihren Figuren und ihrer Atmosphäre. Judith Fanto schreibt einfühlsam und bildhaft, sodass ich schnell in die Geschichte eintauchen konnte. Besonders die Charaktere wirkten vielschichtig und authentisch, und auch der historische Hintergrund war überzeugend und sorgfältig ausgearbeitet.
Das Tempo ist eher gemächlich, was sicher nicht jeden Leser anspricht, für diese Geschichte aber gut funktioniert hat. Wer actionreiche Spannung erwartet, wird hier vermutlich nicht fündig, wer hingegen literarische Familiengeschichten mit emotionaler Tiefe mag, dürfte auf seine Kosten kommen.
Dies war mein erstes Buch von Judith Fanto, und ich freue mich schon darauf, künftig weitere Werke von ihr zu lesen.
Ulrike B, Buchhändler*in
Ich habe eine Weile gebraucht, um mich an den etwas sperrigen Schreibstil zu gewöhnen.- die Geschichte der sechs Kinder aus Wien, die nach dem Ende des ersten Weltkriegs in einem Ferienlager Freundschaft fürs Leben schließen, hat mich aber schnell in ihren Bann gezogen. Die Lebensläufe der sechs gehen in verschiedene Richtungen, und spätestens als die Nationalsozialisten in Wien Einzug halten, wird ihre besondere Freundschaft gesprengt.
Buchhändler*in 1056065
"Der Betrachter" von @judith_fanto ist ein Roman über eine Freundesgruppe in Wien in den 1920er und 30er Jahren.
Alle haben ihre eigenen Geschichten, Nöte und Überzeugungen, die dann kolossal aufeinander treffen.
Kann das eine Freundschaft überleben?
Judith Fanto hat hier einen wirklich spannenden Roman abgeliefert, der immer mehr an Aktualität zurück gewinnt!
Als - häufig stummer - Protagonist beobachtet Herrmann die Radikalisierung, die auch im eigenen Freundeskreis ankommt und stellt dem Leser die Frage:
Wann sollte man die Stimme erheben? Wann muss man dazwischen gehen?
Und wann ist es vielleicht schon zu spät?
Ein wirklich mitreißender Roman, der gerade durch den stillen Protagonisten sehr eindrucksvoll ist!
4.5/5
Zwischen zwei Briefen das ganze Leben
Der neue Roman von Judith Fanto beginnt mit einem Brief, der das Fenster in die Vergangenheit öffnet und es endet mit einem Brief, der es ein für alle Mal schließt. Was die Autorin auf rund 450 Seiten erzählt, ist die Geschichte von Manno, der eigentlich Hermann Loch heißt, und von seinen fünf vollkommen unterschiedlichen Freunden.
Manno wird 1906 in Haarlem geboren, Sohn einer einfachen Holländerin und eines k.u.k-Unteroffiziers, der sie tatsächlich heiratet, sie aber ansonsten mit dem Kind allein zurechtkommen lässt. Nachdem erst die geliebte Großmutter und dann die noch mehr geliebte Mutter sterben, wird Hermann nach Wien zur Schwester seines Vaters verfrachtet. Edmonda Loch erweist sich als äußerst gewöhnungsbedürftige Person, aus Hermann wird Manno, doch wenigstens der Privatlehrer erkennt seine künstlerischen Talente. Manno lernt Deutsch und kann bald eine Schule besuchen. Das größte Geschenk seines Kinderlebens ist der Sommeraufenthalt in einer Jugendherberge in Altaussee. Er lernt seine Freunde Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennen, und er liebt sie alle, jeden Kindersommer werden sie sich wiedersehen, bis die Kindheit einfach endet. Ein Zitat für diese unbeschwerte Zeit der Kindheit ist besonders ergreifend, Manno denkt: „Alles drehte sich um uns sechs, um mein neues Rudel, die Solidargemeinschaft, in der Bertl für Béla und Franzi den Teller leer aß, Lotte Béla nachts tröstete und Max Bertls Hausaufgaben in Musikgeschichte erledigte. Dankbar genoss ich ihre Nähe und war froh, dazuzugehören.“
Später werden sie sich wiedertreffen und die das Feuer der Freundschaft wird wieder angefacht. „Das Universum hatte sich neu geordnet.“ Aber das Wien der späten zwanziger Jahre ist politisch schon brisant, wirkt sich im Laufe der Zeit immer mehr auf jeden einzelnen und auf ihre Freundschaft aus. Béla ist homosexuell, noch hat er durch seine adlige ungarische Herkunft ein finanziell gesichertes Dasein, aber die Zeichen der Zeit sind gegen ihn. Franzi und Max sind jüdisch, sie werden ein Paar, auch ihr Dasein ist mehr und mehr gefährdet. Bertl und Lotte gehen mit der Zeit, der Nationalsozialismus erscheint ihnen als die beste Lösung ihrer Probleme. Manno studiert und wird Universitätsdozent, das Restaurieren alter Gemälde ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Béla hingegen hat ein Faible für Düfte. Auch die Narzissenfelder bei Altaussee, die die Freunde immer wieder besuchen, spielen eine wichtige Rolle im Paradies der Düfte und Gerüche, das Fanto für den Leser erschafft. Man glaubt sich mitten im Narzissenfeld, im Laboratorium von Béla, im Kaffeehaus oder in der Küche von Baumi, bei der die Freunde die Altausseer Sommerfrische genießen. Die Farben, das Papier, die Lösungsmittel und das Terpentin in Mannos Atelier entwickeln ihren eigenen olfaktorischen Reiz, seine Bilder beschreibt sie so, dass man glaubt, sie sehen zu können. Die „gemeinsamen Duftstreifzüge“ ließen mich als Leser dabei sein. Dass ein „Beobachter“ einen Sinn für jegliche Details hat, die er mit Augen, Ohren, Nase und dem ganzen Körper erkundet, ist unbestritten, dass das manchmal ein wenig ausufert, ließe sich vielleicht vermeiden, ist aber von Judith Fanto nicht gewollt.
Erst in der zweiten Hälfte des Romans fühlte ich mich dann wirklich angekommen im Geschehen. Im März 1938 kommt es zum sogenannten Anschluss Österreichs; wofür Deutschland fünf Jahre benötigte, schafft es in Österreich in ein paar Wochen: Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten, Homosexuelle, alle die mit dem Nationalsozialismus nicht konform gehen, sind in größter Gefahr. Bėla wird verraten werden, Franzi und Max wollen nach England fliehen, auch Manno möchte Wien den Rücken kehren, nur Bertl und Lotte haben mit ihren Kindern gefunden, was sie suchten. Die weitere Entwicklung lasse ich offen. Mich hat sie in allen Einzelheiten sehr berührt. Bis zum Ende, bis zum zweiten Brief geschehen so viele Ereignisse, die das Elend des Krieges, des Holocausts und die Verheerungen in den Menschen so anschaulich werden lassen, dass es mich auf jeder Seite schmerzte.
Judith Fanto schreibt anschaulich, ihre Formulierungen sind bis ins Detail fein ausgearbeitet und bleiben im Gedächtnis, wie solche Sätze: „Sie war so verschlossen wie ihr Hof bei zugeklappten Fensterläden.“ Aber obwohl auch die Protagonisten jeder für sich meist bis in die Tiefe charakterisiert sind, habe ich keinen gefunden, der mir der liebste wurde im Roman. Béla war für mich schwer zu greifen mit seiner Liebe zu Düften, zu Männern und vielleicht auch zu Frauen. Manno als sein direkter Gegenspieler und bester Freund passt in jedem Fall besser zu Béla als zu mir. Max bleibt etwas im Hintergrund, Bertl ist der Auftrumpfende von Anfang an, da passt Lotte zu ihm, Franzi bleibt mir in Erinnerung als das Bild, das Manno von ihr hat.
Dieser Ratschlag an Manno zum Ende hin liest sich wie ein versteckter Hinweis, dass noch nicht alles auserzählt ist in „Der Betrachter“. „Meine Güte, Hermann, du hörst dich an wie ein Hauptartikel in der Haarlemsche Courant; an deiner Stelle würde ich das alles mal aufschreiben und einschicken, dann bekommst du wenigstens Geld dafür.“ Judith Fanto übernimmt das nun für ihn, aber auserzählen wird auch sie es nicht.
Fazit: Judith Fanto hat als Beobachterin der Zeitläufte und der Charaktere einen Roman verfasst, dessen Hauptfrage schwer zu klären ist: was ist Freundschaft, was hält sie aus? Oder war es über weite Strecken eher eine Zweckgemeinschaft, aus der jeder seine Vorteile zog? Es ist ein Roman, über den ich noch länger nachdenken werde, auch wenn diese Rezension längst beendet ist.
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
4 Sterne
Es gibt Bücher, die einen mit ihrer Handlung fesseln, und solche, die vor allem durch ihre Figuren und ihre Stimmung wirken. "Der Betrachter" zählt für mich eindeutig zur zweiten Gruppe. Judith Fanto erzählt keine Geschichte, die von einem dramatischen Ereignis zum nächsten springt. Stattdessen begleitet sie ihren Protagonisten über viele Jahrzehnte und zeichnet dabei ein eindrucksvolles Bild eines Lebens, das von Verlust, Neuanfängen und den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts geprägt ist.
Das Tempo ist ruhig und die Autorin nimmt sich viel Zeit für Details. Anfangs hatte ich deshalb das Gefühl, dass die Geschichte nur langsam voranschreitet. Mit jeder Seite wurde jedoch deutlicher, dass genau darin ihre Stärke liegt. Die Figuren bekommen Raum, sich zu entwickeln, und dadurch entsteht eine Nähe, die man nicht erzwingen kann.
Besonders gefallen hat mir, dass der historische Hintergrund nie aufgesetzt wirkt. Die politischen Entwicklungen verändern das Leben der Menschen schleichend und schließlich unumkehrbar. Gerade diese Verbindung aus privaten Schicksalen und historischen Ereignissen macht den Roman glaubwürdig und bewegend. Dabei verzichtet Judith Fanto auf übertriebene Dramatik. Vieles wirkt gerade deshalb so eindringlich, weil es leise erzählt wird.
Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt. Die Autorin schreibt mit viel Feingefühl und einem Blick für kleine Beobachtungen, die den Figuren Leben verleihen. Manche Beschreibungen sind sehr ausführlich, das trägt dazu bei, dass Orte und Situationen eine besondere Atmosphäre entwickeln.
Für mich ist Der Betrachter kein Buch, das man in wenigen Tagen verschlingt. Es ist vielmehr ein Roman, den man bewusst lesen sollte, weil er seine Wirkung nach und nach entfaltet. Vor allem die Fragen nach Zugehörigkeit, Freundschaft und den Entscheidungen, die Menschen in schwierigen Zeiten treffen, werden mich noch lange nach dem Ende beschäftigen.
Wer ruhige, literarische Romane mit historischen Bezügen und viel Tiefgang schätzt, wird hier eine besondere Geschichte finden.
Amy K, Rezensent*in
Vergangenheit, Freundschaft und die Frage nach der eigenen Identität
Mit Der Betrachter erzählt Judith Fanto eine bewegende Geschichte über Verlust, Freundschaft und die Spuren, die die Vergangenheit im Leben eines Menschen hinterlässt. Im Mittelpunkt steht Hermann, genannt Manno, der durch einen Brief dazu gezwungen wird, sich mit seiner Kindheit und den Ereignissen auseinanderzusetzen, die ihn geprägt haben.
Besonders gelungen fand ich die Art, wie die Autorin die Erinnerungen ihres Protagonisten mit der Gegenwart verknüpft. Nach und nach entsteht ein vielschichtiges Bild eines Mannes, der zwischen persönlicher Trauer, gesellschaftlichen Umbrüchen und der Suche nach Zugehörigkeit seinen eigenen Weg finden muss. Dabei stehen weniger spektakuläre Ereignisse als vielmehr die Beziehungen zwischen den Figuren und ihre innere Entwicklung im Vordergrund.
Die Figuren wirken authentisch und vielschichtig. Vor allem die Freundschaften, die Manno im Laufe seines Lebens begleiten, haben mir gut gefallen, da sie sowohl Halt als auch Konfliktpotenzial bieten. Gleichzeitig zeigt der Roman, wie politische Entwicklungen und Ideologien selbst enge Beziehungen beeinflussen und auf die Probe stellen können.
Der Schreibstil ist ruhig, atmosphärisch und sehr bildhaft. Die Autorin nimmt sich Zeit für ihre Figuren und ihre Gedankenwelt, wodurch eine dichte und oft nachdenkliche Stimmung entsteht. Wer temporeiche Handlung erwartet, könnte den Roman stellenweise als etwas langsam empfinden. Für mich passte dieses Erzähltempo jedoch gut zur Geschichte und ihren Themen.
Insgesamt ist Der Betrachter ein anspruchsvoller, emotionaler Roman über Erinnerung, Verlust und die Frage, wie sehr unsere Vergangenheit unser Leben bestimmt. Besonders Leserinnen und Leser, die charakterstarke Geschichten und historische Stoffe mit psychologischer Tiefe mögen, dürften hier auf ihre Kosten kommen.
Was von einer Freundschaft bleibt
Mannos Rückblick auf eine besondere Freundschaft zeigt, wie sehr die Ereignisse einer Zeit das Leben von Menschen verändern können.
Ein Brief bringt Manno viele Jahre nach dem Ende des Krieges wieder zu den Erinnerungen zurück, die ihn nie ganz losgelassen haben. Dabei geht es nicht nur um seine eigene Geschichte, sondern auch um sechs junge Menschen, die viele Sommer miteinander verbringen und fest zusammenhalten. Doch die Jahre bringen Veränderungen mit sich, auf die keiner der Freunde vorbereitet ist.
Alle sechs Figuren bekommen ihren eigenen Platz in der Geschichte. Mit jeder Seite wird klarer, was sie bewegt und was ihnen wichtig ist. Die gemeinsamen Tage in Altaussee zeigen, wie viel ihnen diese Freundschaft bedeutet. Umso schwerer sind die Entwicklungen, die später folgen.
Die Geschichte verbindet Mannos Erinnerungen mit den Ereignissen seiner Zeit. Dabei wird spürbar, wie sich das Leben der Freunde langsam in verschiedene Richtungen entwickelt. Was früher nebensächlich war, bekommt plötzlich eine ganz andere Bedeutung und verändert den Umgang miteinander.
Die Zeit in Wien wirkt dabei glaubwürdig beschrieben. Vieles verändert sich zunächst kaum sichtbar und wird erst mit der Zeit immer deutlicher. Dadurch bekam ich ein Gefühl dafür, wie schwierig es gewesen sein muss, in dieser Zeit Entscheidungen zu treffen.
Die Sprache bleibt angenehm und passt gut zu den Protagonisten. Besonders die Gespräche zwischen den Freunden wirken natürlich und zeigen, wie sie miteinander verbunden sind. So lässt sich die Entwicklung der einzelnen Personen über viele Jahre hinweg gut verfolgen.
Zum Ende hin werden viele Zusammenhänge klar. Einige Gedanken aus der Geschichte begleiten den Leser noch nach Beendigung der Lektüre. Der Roman zeigt nicht nur eine besondere Freundschaft, sondern auch, wie politische und gesellschaftliche Veränderungen das Leben einzelner Menschen beeinflussen können.
Eine Geschichte über Freundschaft, die Herausforderungen einer schweren Zeit und Menschen, die ihren Weg finden müssen.
5 Sterne.
Historische Romane scheitern oft an derselben Versuchung: Sie erklären die Vergangenheit, anstatt sie erfahrbar zu machen. Judith Fanto wählt den klügeren Weg. Der Betrachter verzichtet auf moralische Lautsprecher und vertraut stattdessen auf die stille Wucht menschlicher Beziehungen. Gerade darin liegt die eigentliche Kraft dieses Romans.
Im Mittelpunkt steht keine Heldengeschichte, sondern ein Mann, der beobachtet, erinnert und versucht zu begreifen. Manno ist kein charismatischer Anführer, sondern ein leiser Erzähler, dessen Blick auf seine Freunde den Roman trägt. Seine Zurückhaltung wird zur literarischen Stärke. Wo andere Figuren laut Position beziehen, registriert er feine Verschiebungen: einen beiläufigen Satz, eine neue Überzeugung, einen kaum wahrnehmbaren Riss im Gefüge einer Freundschaft. Fanto zeigt eindrucksvoll, dass der Faschismus selten mit einem Paukenschlag beginnt. Er schleicht sich in Gespräche, in Gewohnheiten und schließlich in Menschen ein, die gestern noch ganz gewöhnlich erschienen.
Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent die Autorin ihre Figuren als widersprüchliche Persönlichkeiten ernst nimmt. Niemand wird auf die Rolle des Guten oder Bösen reduziert. Herkunft, Loyalität, Angst und Selbstschutz greifen ineinander und machen verständlich, weshalb selbst enge Freundschaften unter dem Druck der Geschichte zerbrechen können. Das wirkt nie konstruiert, sondern erschreckend plausibel. Gerade weil Fanto auf einfache Urteile verzichtet, entfaltet der Roman eine nachhaltige moralische Sprengkraft.
Auch sprachlich überzeugt Der Betrachter nahezu durchgehend. Fanto schreibt mit einer Eleganz, die niemals geschniegelt wirkt. Atmosphären entstehen aus wenigen präzisen Beobachtungen, Wien und Haarlem werden nicht bloß beschrieben, sondern erhalten eine spürbare Textur. Immer wieder gelingen ihr Sätze, die lange nachhallen, weil sie Emotionen nicht behaupten, sondern aus den Figuren heraus entstehen lassen.
Nicht alles ist makellos. Bis der Roman seine volle Sogwirkung entfaltet, verlangt er etwas Geduld, und gegen Ende hätte ich mir mehr Zeit für den Abschluss gewünscht. Einige Entwicklungen wirken dort überraschend abrupt, obwohl die Geschichte zuvor mit bemerkenswerter Ruhe erzählt wurde. Das schmälert den Gesamteindruck allerdings nur geringfügig.
Der Betrachter ist weit mehr als ein Roman über den Nationalsozialismus. Er ist eine kluge Untersuchung darüber, wie Freundschaften entstehen, was sie zusammenhält und woran sie scheitern können. Vor allem aber erinnert Judith Fanto daran, dass historische Katastrophen nicht abstrakt beginnen, sondern in den Entscheidungen gewöhnlicher Menschen. Genau deshalb fühlt sich dieser Roman nicht wie ein Blick zurück an, sondern wie ein Blick in einen Spiegel.
Viel mehr als nur die Geschichte einer Freundschaft
Ich liebe Krimis und Thriller, aber ich habe die Belletristik im letzten Dreivierteljahr wieder für mich entdeckt. Im Rahmen der #NetGalleyDEChallenge stand u.a. dieses Buch auf der Liste der Bücher, die man lesen kann - und mein Bauch sagte mir "Ja, unbedingt!". Hermann, genannt Manno, ist Kunstrestaurator und bekommt 1948 einen Brief - bei dem sich die Ober- und Unterlängen der Buchstaben nach rechts neigen. Manno erkennt die Schrift also sofort, wir Leser erfahren aber erstmal nicht, was im Brief steht und auch nicht, wer ihn geschrieben hat. Was wir aber sofort an Mannos Reaktion merken ist, dass der Inhalt des Briefes Manno unfassbar aufwühlt. Er geht zum Haus seiner Großeltern, dass er sonst gemieden hatte, und als ihn eine Frau fragt, ob das haus ihn an glückliche Zeiten erinnere, gibt Manno eine rätselhafte Antwort. Damit beginnt die Reise in die Vergangenheit.
Beginnend mit dem Kennenlernen seiner Eltern, von dem ihm später berichtet wurde, erleben wir aus Mannos Ich-Perspektive seine Kindheit und Jugend, die beide nicht immer einfach für ihn waren. Seine Mutter stirbt, als er 10 Jahre alt ist und er muss die Niederlande verlassen, zieht zu seiner Tante Edmonda nach Wien, der Schwester seines Vaters. Von Wohlfühlen kann dort keine Rede sein, eigentlich fühlt er sich permanent unerwünscht und verloren. Was ihn rettet, ist sein Hauslehrer, der sein großes Zeichentalent erkennt - wovon Edmonda nichts wissen will - sowie der jährliche Aufenthalt in der Sommerschule in Altaussee. Dort lernt er Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennen und es entwickelt sich gleich zu Beginn eine starke Freundschaft. Unterschiede spielen zu diesem Zeitpunkt noch keine Rolle: Béla kommt aus einer wohlhabenden Familie und macht keinen Hehl aus seiner Homosexualität, Franzi und Max sind jüdisch, Lotte ist einfach extrem hübsch und Bertl eher derb. Jahre später begegnen sich die Freunde in Wien wieder und feiern ihre Freundschaft. Doch dann beuteln die politischen Entwicklungen Österreich und den Rest der Welt, und auch die Freundschaft der fünf zeigt an mancher Stelle (zunächst) feine Risse.
Judith Fanto erzählt "Der Betrachter" aus Mannos Perspektive und lässt durch seine Augen sein Leben Revue passieren. Dabei gibt sie auf ganz großartige Weise Einblicke in eine Kindheit, Jugend und Adoleszenz, wie sie in der damaligen Zeit hätte geschehen können. Immer spielt auch Mannos künstlerische Begabung eine Rolle, nicht nur, was seinen beruflichen Werdegang angeht, sondern auch in Bezug auf die Freundschaft der Gruppe und auf die historischen Geschehnisse: Denn Manno wird Kunstrestaurator, und was im dritten Weltkrieg mit Kunst gemacht wurde, geschehen ist, sollte allseits bekannt sein.
Ohne, dass dies das Buch zu schwermütig macht, lässt Judith Fanto uns den schleichenden Werdegang einer politischen Entwicklung erleben, ohne dass dies permanent Thema ist. Und doch ist in jeder Zeile spürbar, was diese Entwicklung mit einem Menschen wie Manno und den Personen um ihn herum macht, wie Beziehungen und Menschen zerbrechen. Oder eben auch nicht - denn nicht alles zerbricht.
"Der Betrachter" ist kein durchweg trauriges Buch, sondern eines, das nachdenklich macht. Es führt uns deutlich vor Augen, wie einschneidend auch schleichende Vorgänge sein können. Alle Figuren, Manno selbst, aber auch seine Freunde und seine Tante Edmondo, sein Hauslehrer, seine Vorgesetzten als Kunstrestaurator und andere sind wie aus dem Leben gegriffen. Lediglich das erste Viertel des Buches kam mir recht "langsam" vor - was aber als Basis für die späteren Ereignisse und den Paukenschlag zum Ende des Buches sicherlich notwendig ist. "Der Betrachter" bekommt daher 4/5 Leseratten [ad/unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar] Vielen Dank an für das Rezensionsexemplar!
Herman kommt nach dem Tod seiner Mutter nach Wien, vorher in Harlem NL hatte er eine schöne behütete Kindheit. Bei seiner Tante ist er nur geduldet und ist einsam. Durch seinen Lehrer findet er Freunde gemeinsam gehen die Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft durch dick und dünn. Sie sind echte Freunde. Sie erleben die politischen Zustände in Wien nach dem 1, Weltkrieg, den Straßenkampf Sozialisten gegen die aufkommenden Nazis.
Hermann ist der Beobachter des Geschehens, er sieht und hört alles, kommentiert es nur in seinen Gedanken, selten mal gegenüber seinen Freunden. Diese Freundschaften ersetzen ihm die Familie, ist ist für ihn über lebenswichtig. Auch seine Freunde fühlen ähnlich.
Gleichzeitig sind sie Juden, Sozialisten, zukünftige Fabrikbesitzer, Anhänger der Nationalsozialisten, homosexuell, das alles ist für ihre Beziehung nicht wichtig., . Trotzdem ändert sich mit dem Anschluss auch für diese Gruppe alles.
Dieses Betrachten zeigt sich auch in dem ruhigen Schreibstil. Schreckliche Ereignisse werden durch die Augen des Protagonisten fast intensiver wahrgenommen als wenn es aus dem Geschehen heraus erzählt wird. Die Intensität nimmt zu, weil der Betrachter immer die Gefahr für die anderen sieht, mehr als sie selbst. Er sorgt sich, ist aber so dicht am Geschehen das er auch eine Art Scheuklappen trägt. Als er sie verliert, verliert auch seine Welt einen wichtigen Halt.
Wir Leser erleben durch Hermanns Augen eine schreckliche Zeit und gleichzeitig auch eine besondere Freundschaft.
Gleichzeitig haben wir durch unser Wissen eine eigene Sichtweise, ein teilweise anderes Verständnis, dadurch entstehen während des Lesens spannende Vergleiche.
Eine gelungene Aufforderung sich mal wieder mit dem Thema "Wie konnte es dazu kommen" zu beschäftigen.
DER BETRACHTER
Judith Fanto
ET:09.07.26
Habt ihr VIKTOR von Judith Fanto gelesen? Das Buch war damals ein persönliches Highlight für mich, deshalb wollte ich ihr neues Werk unbedingt lesen.
1948:
Im Mittelpunkt von DER BETRACHTER steht Hanno, eigentlich Hermann. Er ist ein ruhiger, zurückhaltender Mann, der seine Freunde lieber beobachtet, als selbst im Mittelpunkt zu stehen. Für ihn sind sie wie ein offenes Buch – er glaubt, sie genau zu kennen und einschätzen zu können, schließlich verbindet sie eine lebenslange Freundschaft.
Kennengelernt haben sie sich als Kinder in einem Feriencamp. Dort trifft Hanno auf Max, Bertl, Lotte, Franzi und Béla. Diese Freundschaft kommt genau zur richtigen Zeit: Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1916 muss Hanno die Niederlande verlassen und zu seinem Vater nach Wien ziehen. Doch dieser ist als Offizier im Ersten Weltkrieg kaum zu Hause, und wenn doch, dann meist betrunken. So wächst Hanno bei seiner streitlustigen Tante auf, der er es nie recht machen kann. Umso wichtiger werden zunächst sein einfühlsamer Privatlehrer und schließlich seine neuen Freunde.
Jeden Sommer treffen sie sich wieder, und aus der Kinderfreundschaft wird eine enge Verbindung, die bis ins Erwachsenenalter Bestand hat. Lange Zeit spielt es keine Rolle, dass sie unterschiedliche politische Ansichten vertreten oder dass Béla homosexuell ist und Max sowie Franzi jüdisch sind. Doch mit Hitlers Einmarsch in Österreich verändert sich alles. Plötzlich geraten Freundschaften, Überzeugungen und das eigene Leben ins Wanken.
Wie die Geschichte weitergeht, müsst ihr selbst herausfinden – nur so viel: Nicht alle werden das Ende erleben.
Judith Fanto hat erneut einen beeindruckenden Roman geschrieben, der in vier Teile gegliedert ist. Kaum hatte ich zu lesen begonnen, war ich mitten im Geschehen. Zwar hatte der zweite Teil für mich einige Längen, doch spätestens mit Beginn des Zweiten Weltkriegs hat mich die Geschichte wieder vollkommen in ihren Bann gezogen. Besonders gut gefallen hat mir, wie die Autorin historische und politische Ereignisse mit den persönlichen Schicksalen ihrer Figuren verknüpft. Dadurch wirken die Entwicklungen authentisch und emotional nachvollziehbar. Auch das Ende ist eindrucksvoll und bleibt lange im Gedächtnis.
Fazit:
DER BETRACHTER erzählt eindrucksvoll davon, wie selbst die tiefste Freundschaft an den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen ihrer Zeit zerbrechen kann. Judith Fanto zeigt, wie Ideologien, Ausgrenzung und Angst Menschen verändern und Beziehungen auf eine harte Probe stellen. Trotz kleiner Längen ist ihr ein atmosphärischer, bewegender Roman gelungen, den ich sehr gerne gelesen habe.
4/5
„Der Betrachter“, betrachtet die Welt in Haarlem (Niederlande) und Wien in der Zeit von 1916 bis 1946.
Herrmann, auch Manno genannt, wächst liebevoll behütet bei seiner Mutter in Haarlem auf. Manno ist gerade mal zehn Jahre alt, als diese von einem Auto überfahren wird, woraufhin ihn seine Tante väterlicherseits nach Wien holt. Danach beginnt die Zeit der Kälte, da sich niemand so richtig für ihn interessiert - auch sein Vater nicht, der 1917 unehrenhaft aus dem Militär entlassen wird, da sein bester Freund der Stroh-Rum ist.
Als er auf Anraten seines Hauslehrers nach Baden auf eine Sommerakademie geschickt wird, lernt er Béla, Bertl, Franzi, Max und Lotte kennen. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Béla entstammt einer aristokratischen ungarischen Familie und lebt von seiner Apanage. Bertl ist Sohn eines österreichischen Industriellen. Franzi ist jüdischer Abstammung und Sozialistin. Max, Sohn des Hauslehrers, ist auch jüdisch und Lotte, eine gutbürgerliche Christin.
Diese Freundschaft ist ein Wendepunkt für Manno, da er endlich eine Ersatzfamilie hat, dementsprechend hoch ist ihr Stellenwert.
Wie sich die Freundschaft im Laufe der Jahre verändert und ob sie bestehen kann, obwohl die Freunde die unterschiedlichsten ideologischen Standpunkte vertreten, behandelt das Buch.
Das Buch ist in vier Teile aufgeteilt: Seine Kindheit, Jugend, die Nazizeit in Wien und die Kriegsjahre in Haarlem.
Judith Fanto gelingt es unglaublich gut, die Zeit mit all ihren Eigenheiten einzufangen. Intensiv lebt man mit den Protagonisten mit. Sie beschreibt und richtet nicht, das überlässt sie der LeserIn. Die Protagonisten sind sehr fein gezeichnet, in sich stimmig und glaubhaft. Zum Teil musste ich laut auflachen, so witzig war das Geschriebene.
Ab der ersten Seite ist man gebannt und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Der schöne Schreibstil macht das Lesen zur reinsten Freude.
Sehr gerne empfehle ich dieses sehr interessante und gute Buch all jenen weiter, die sich für Freundschaft und Geschichte interessieren.
Rezensent*in 1040222
Der Krieg ist nur wenige Jahre vorbei und Manno hat gerade wieder als Restaurator in seiner Heimatstadt Fuß gefasst, als er einen Brief aus Österreich bekommt. Plötzlich ist er wieder in Wien in einer Zeit, in der Politik keine Rolle spielte und seine Freunde für ihn das Wichtigste auf der Welt waren.
Mit gerade mal zehn Jahren muss Manno seine Heimatstadt Haarlem verlassen und zur Schwester seines Vaters nach Wien ziehen. Er kennt weder seine Tante, noch kann er die Sprache sprechen und so ist er in den ersten Monaten isoliert. Dann verschafft ihm ein wohlwollender Lehrer einen Platz in einer Sommerschule und alles ändert sich. Plötzlich hat er Freunde: Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte, mit denen er sich jeden Sommer trifft. Dann sind diese Sommer vorbei und der Kontakt bricht ab. Aber als er Béla durch Zufall wieder trifft, kommt die Clique wieder zusammen und die Freunde fangen da wieder an, wo sie vor Jahren aufgehört haben.
Dass die Freunde sehr unterschiedlich sind, fällt auf den ersten Blick auf. Aber wo diese Unterschiede als Kinder nicht gestört haben, sorgen sie dafür, dass sich die erwachsenen Freunde voneinander entfernen. Plötzlich gibt es Neid auf den Reichtum von Béla, Bertl ist nicht ehrlich, was sein Studium betrifft und Sticheleien über politische und sexuelle Orientierungen. Auch wenn Manno ein Teil der Gruppe ist, betrachtet er sie oft wie ein Bild: er sieht diese Dinge zwar, aber nur auf der Oberfläche und nicht, was dahintersteckt und was sie für seine Freunde bedeuten.
Mit der Veränderung der politischen Lage ziehen dunkle Wolken auf. Wieder ist Manno einer der letzten der erkennt, wie sehr Béla unter Druck gesetzt wird oder wie die Bedrohung für Max und seine Familie immer näherkommt. Als er es erkennt, ist es fast zu spät und er kann nicht alle seine Freunde retten.
Auch in seinem eigenen Umfeld erkennt zu spät die Zeichen. Der Professor, der ihm seine Stelle an der Universität verschafft hat, dreht seine Fahne nicht nur nach dem Wind, sondern steht offen hinter der neuen politischen Macht. Was mir durch seine Worte schon lange deutlich war, kommt für Manno wie ein Schock. Er kann sich nicht vorstellen, dass seine Freunde und die Menschen, die ihm Wohl wollen, anders denken als er. Als er eine Stelle in Haarlem angeboten bekommt, sagt er zu, denn Wien ist nicht mehr die Heimat, die es früher einmal war.
Aber auch Haarlem bietet ihm nur eine kurze Sicherheit, auch hier marschieren die Nazis ein und zum ersten Mal öffnet Manno wirklich seine Augen und nimmt bewusst wahr, was sich um ihn herum abspielt.
Judith Fanto hat einen eindringlichen Roman geschrieben über Freundschaft und wie sie zerbrechen kann. Darüber, dass man oft auch geliebte Menschen verliert, wenn sie nicht die gleichen Werte teilen wie man selbst und auch davon, dass man nicht immer nur an der Seite stehen und beobachten kann. Trotz der schweren Themen ist der Roman für mich eines der Lesehighlights in diesem Jahr.
"Der Betrachter" spannt seine Ereignisse über mehr als 30 Jahre, von 1916 bis zu den ersten Nachkriegsjahren der 1940er. Die Hauptperson, Hermann, genannt Manno, verliert früh seine Mutter und findet, über Umwege, die tiefe Freundschaft anderer Kinder. Bertl und Max, Lotte, Bela und Franzi werden Ersatzfamilie, Rückhalt, alles. Aber man ahnt es schnell: die Kinder tragen bereits den Keim der Trennung in sich. Spannend, wie ein Tanz auf des Messers Schneide, ist die weitere Entwicklung der jungen Menschen. Das Nachkriegs-Wien der 1920 und 1930 enthält im wahrsten Sinne eine Menge Sprengstoff. Immer neue Zerreißproben übersteht die Gruppe, um dann ebenso zu scheitern wie die österreichische Republik. Letztlich hat es an dem letzten Quäntchen Mut gefehlt, seine eigenen Überzeugungen in der Freundschaft zu reflektieren. Judith Fanto entwirft ein schmerzhaft-exaktes Bild des Untergangs, nur um selbst im allerletzten Absatz zu scheitern. Es gelingt ihr nicht, in der letzten Szene die Freundschaft Sieger sein zu lassen. Schade.
Manche Bücher erzählen eine Geschichte, andere hinterlassen ein Gefühl. *Der Betrachter* gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie. Judith Fanto erzählt mit viel Feingefühl von Freundschaft, Verlust, Zusammenhalt und davon, wie politische Ereignisse das Leben einzelner Menschen für immer verändern können.
Besonders beeindruckt hat mich, wie bildhaft die Autorin schreibt. Ich hatte viele Szenen beim Lesen direkt vor Augen und konnte vollkommen in die Geschichte eintauchen. Trotz der ernsten Thematik liest sich der Roman angenehm flüssig und entwickelt eine ganz besondere Atmosphäre, die mich bis zum Schluss begleitet hat.
Im Mittelpunkt stehen die sechs Freunde, deren enge Verbindung über viele Jahre hinweg wächst und schließlich durch die politischen Veränderungen auf eine harte Probe gestellt wird. Gerade diese Entwicklung fand ich unglaublich authentisch. Man erlebt mit, wie aus unbeschwerten Sommern nach und nach Unsicherheit, Angst und Misstrauen entstehen. Dadurch wirken die Schicksale der einzelnen Figuren besonders nahbar und berührend.
Mich hat vor allem bewegt, wie eindrucksvoll persönliche Lebenswege mit den historischen Ereignissen verwoben werden. Es geht nicht nur um den Zweiten Weltkrieg, sondern um Menschen, die lieben, hoffen, zweifeln und Entscheidungen treffen müssen, deren Folgen ihr gesamtes Leben verändern.
*Der Betrachter* ist kein lauter Roman, sondern einer, der seine Wirkung ganz leise entfaltet und noch lange nach dem Zuklappen nachhallt. Gerade deshalb hat er mich so überzeugt. Die Geschichte regt zum Nachdenken an und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie kostbar Freundschaft ist und wie zerbrechlich sie werden kann, wenn Hass und Ausgrenzung ihren Platz einnehmen. Für mich ein bewegender Roman, der noch lange in Erinnerung bleiben wird und deshalb verdiente 5 von 5 Sternen erhält.
Rezensent*in 658031
Was für ein besonderes Buch.
Manno ist zehn Jahre alt als er von Harlem nach Wien zurück Familie seines Vaters zieht.
1948 ist er zurück in Harlem und bekommt einen Brief der ihn an seine Vergangenheit erinnert.
Damit beginnt eine Geschichte von sechs Kindern die 1916 zu Freunden werden und miteinander erwachsen werden. Doch die Zeiten ändern sich und es stellt sich die Frage, ob ein Freundeskreis in diesen Zeiten bestehen kann, der aus so unterschiedlichen Menschen besteht. Denn zwei von ihnen sind Juden, einer der Jungs steht auf Männer und zwei verfallen Hitlers Parolen. Mittendrin Manno der alles beobachtet und uns davon berichtet.
Judith Fanto erzählt die Geschichte einer Freundschaft die in anderen Ueiten wohl Anders ausgesehen hätte, sie erzählt tiefgründig von einer tiefen Freundschaft durch die sich langsam und schleichend ein Riss zieht. Sie erzählt wie die Zeiten das Leben verändern, denn zu Beginn ihres Romanes gibt es noch das Kaiserreich.
Ich habe bei. Lesen so viele Gefühle gehabt wie selten in einem Roman. Ich habe gelacht, gewinnt, gelitten, gehofft und gezweifelt. Die Autorin hat es einfach geschafft von einer fröhlichen Kindergruppe zu einer ernsten Erwachsenen Gruppe zu schreiben, ohne dabei die Persönlichkeiten zu verlieren.
Absolute Lese Empfehlung.
Rückblick
Der 10jährige Manno muss 1916 nach dem Tod seiner Mutter seine Heimatstadt Haarlem verlassen und zur Familie seines Vaters nach Wien ziehen. Dort fühlt er sich einsam bis er Bela, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennenlernt. Eine Freundschaft entsteht, die immer wieder erneuert wird, sechs Jahre lang. Auch außerhalb Wiens bei den Ferien in Altaussee macht es keinem etwas aus, dass Bela schwul und Max und Franzi jüdisch sind. Doch in Wien breitet siech der Antisemitismus aus, die Freundschaft wird politisch und als Hitler an die Macht kommt und in Österreich einmarschiert tun sich unüberwindbare Abgründe auf.
Meine Meinung
Das Buch ließ sich leicht und flüssig lesen, denn keine Unklarheiten im Text konnten meinen Lesefluss stören. In die Geschichte bin ich gut hineingekommen, konnte mich auch gut in die Protagonisten hineinversetzen. Die Geschichte wird in Ich-Form erzählt, und es erzählt der Protagonist Manno, der in den Niederlanden in Haarlem bis zu seinem 10. Lebensjahr aufgewachsen ist. Da seine Mutter gestorben ist und er keinerlei ´Verwandte dort hat, musste er zu seinen väterlichen Verwandten nach Wien ziehen. Er kam zu seiner Tante, wo er auch nicht unbedingt wirklich willkommen war, denn die fühlte sich als etwas Besseres. Daher war es ihr willkommen, dass sie Manno in den Sommerferien in eine Art Ferienlager unterbringen konnte, wo er mit Bela, Bertl, Max, Franzi und Lotte Freundschaft schloss. Diese Freundschaft hielt sechs Jahre, denn jedes Jahr in den Ferien sahen sie sich wieder. Auch danach konnten sie die Freundschaft aufrechterhalten. Doch dann, nach Hitlers Machtergreifung wurde es politisch, denn Max und Franzi waren jüdisch und Bela schwul. Und außerdem waren da auch noch die Nazis. Hier spaltete sich die Freundschaft. Doch was bis dahin alles geschah, und wie es dann weiterging, das muss der geneigte Leser selbst lesen. Dies ist eine Geschichte über ein Leben, in der Zeit vor und während Hitler. Die Spannung ist hier nicht allzu groß. Doch die Geschichte ist trotzdem interessant, hat mir gefallen, mich gefesselt und auch ganz gut unterhalten Ich empfehle dieses Buch gerne weiter und vergeben vier Sterne.
Rezensent*in 1816636
„Der Betrachter“ von der Autorin Judith Fanto hat mich sehr aufgewühlt.
Der 10jährige Manno muss 1916 aus einem traurigen Grund seine Heimat Haarlem verlassen und zur Familie seines Vaters nach Wien ziehen. Er fühlt sich dort nicht wohl, ist einsam und vermisst seine Heimat, zum Glück lernt er in der Sommerschule Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennenlernt. Die Kinder verbringen einen schönen Sommer zusammen, weitere sollen folgen. In den Ferien sind die Unterschiede den Heranwachsensen egal. Die Zeiten ändern sich aber, auch Wien wird zunehmend antisemitischer und so ändern sich auch die Ansichten der Freunde unter dem politischen Einfluss. Manno blickt 1948 auf die Freundschaft zurück und erzählt dem Leser davon…
Sehr anschaulich und eindringlich, dennoch mit viel Feingefühl und Liebe zum Detail erzählt uns Judith Fanto die Freundschaft in allen Einzelheiten.
Die Geschichte um die sechs Freunde hat mich wirklich in den Bann gezogen. Die Charaktere sind bis in die Tiefe dargestellt, so dass ich von jedem ein ganz klares Bild vor Augen habe. Der zweite Weltkrieg verändert sie und die Freundschaft wird auf die Probe gestellt. Die Wandlung ist der Autorin in einer eindrucksvollen Darstellung sehr gelungen. Ich konnte beim Lesen in eine besondere Atmosphäre vordringen.
Insgesamt lies sich der Roman leicht und flüssig lesen, das Thema war für mich so spannend, dass ich Seite um Seite umblätterte. Das persönliche Schicksal der Freunde im allgemeinen Gesellschaftsgeschehen war für mich gut eingebettet.
Der Roman um die Freundschaft und wieviel sie aushalten kann hat mich sehr bewegt. Es ist ein leiser Roman zum Nachdenken. An Aktualität hat er nichts verloren, im Gegenteil.
Von mir eine klare Leseempfehlung.
Nachdem seine Mutter gestorben ist, muss der zehnjährige Manno von Haarlem nach Wien zu seiner Tante ziehen. Dort ist er einsam und scheint sich nicht einzufügen. Zum Glück lernt er in der Sommerschule Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennen und eine feste Freundschaft entwickelt sich. Jahre später als Erwachsene treffen sie sich wieder und lassen die Freundschaften wieder aufleben, doch die kindliche Unbeschwertheit ist vorbei und wo früher ein festes Band war, tun sich nun Abgründe auf - 1948 blickt der Kunstrestaurator Manno zurück und legt die Freundschaft Stück für Stück frei.
Die Geschichte wird nah an Manno erzählt und durch einige Briefe unterbrochen. Die Schreibweise ist sehr bildgewaltig, aber oft auch etwas störrisch.
Mit den sechs Freunden wurden von Judith Fanto sehr diverse Figuren geschaffen, dessen Beweggründe je nach eigener Situation mehr oder weniger nachvollziehbar sein. So gibt es den Fremden im Vaterland, den Homosexuellen, Juden und Systemtreue – und es zeigt sich, dass das Leben oft einen anderen Plan hat, als man sich im kindlichen Enthusiasmus überhaupt vorstellen kann.
Mannos Rolle als Kunstrestaurator und Künstler ist dabei die des Betrachters – seines eigenes Lebensm aber auch das seiner Freunde. Sehr treffend fasst er Freundschaft wie folgt zusammen: "Stellen Sie sich dieses Gemälde als wertvolle Freundschaft vor, in der alle Freunde zusammengekommen sind, um das bestmögliche Kunstwerk zu schaffen. Nur dass diese Freunde, jeder auf seine Weise und seinen persönlichen Neigungen entsprechend, die gemeinsame Verbindung im Lauf der Zeit gefährden: Das Holz arbeitet, die Leinwand gibt nach, die Farbe zieht sich zusammen. Ganz zu schweigen von den äußeren Einflüssen!“ und schafft damit mahnende Worte, die sich alle Leser*Innen zu Herzen nehmen sollten.
„Der Betrachter“ ist ein ungewöhnliches Buch über Freundschaft, was definitiv nicht immer einfach zu lesen ist. Der geschichtlichen Zeitraum, den es umfasst tut hier ihr übriges. Dennoch hat es mich berührt und melancholisch zurückgelassen.
Ich weiß, „dieses Buch ist wichtig“ fällt oft wenn es um Geschichten mit NS-Thema geht, aber es ist so!! Judith Fanto erzählt von Hermann, genannt Manno. Bereits als 10jähriger verliert er seine Mutter, der Vater ist im Krieg, also muss Manno seine Heimat in den Niederlanden verlassen und zur Schwester seines Vaters nach Wien ziehen. Ein ziemlicher Kulturschock. 😱 Der Tante ist Manno ein Dorn im Auge, da kommt es ihr sehr gelegen, dass Mannos Hauslehrer den Besuch einer Sommerschule empfiehlt. Für Manno ein absoluter Glückgriff, denn dort lernt er seine besten Freunde Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennen. Viele Sommer ist die Sommerschule DAS Highlight für Manno. Seine Freunde sind seine zweite Familie, ihm ist es egal, dass Béla schwul ist und Max und Franzi jüdisch. Aber die Gesellschaft sieht das anders, die Nazis rücken an die Macht und das Leben der Freunde wird zunehmend schwerer. Als die ersten jüdischen Geschäfte geschlossen werden tun sich Abgründe auf, mit denen Hanno niemals gerechnet hätte.
Trotz des schweren Themas war der Roman gut und verständlich zu lesen und ich habe bei den Schulstreichen ebenso gelacht, wie ich bei dem Cliffhanger geschockt war. Hat den jemand kommen sehen?😱 Das Buch ist thementechnisch sicherlich keine leichte Kost, aber das Thema ist so wichtig!!
Rezensent*in 1504972
In „Der Betrachter“ erzählt Judith Faro von einer Freundschaft, die in Anbetracht der Geschehnisse rund um den 2. Weltkrieg vor einer Zerreißprobe steht. Für das Sechsergespann rund um den Protagonisten Manno, die er als Kind 1917 in einem Ferienlager für musikalische Erziehung kennenlernt, sind die folgenden Jahre von zahlreichen Sommern im Ferienlager geprägt, später vom Heranwachsen und Wohngemeinschaften in Wien sowie den vielen gemeinsamen Ferien im steirischen Altaussee. Doch mit Fortschreiten der Geschehnisse wird bald deutlich, dass nicht alle auf der richtigen Seite der Geschichte stehen und wem wessen Loyalität gilt.
Für mich war „Der Betrachter“ ein Roman, in den ich völlig eintauchen konnte. Man begleitet Manno (welcher aus erwachsener Sicht rückblickend von seinem Leben erzählt) und seine Freunde vom Kindesalter über mehrere Jahrzehnte bis nach Kriegsende; manche schließt man sofort ins Herz, bei anderen ist man von Beginn an skeptisch. Die Autorin schafft dabei ein sehr authentisches Bild, wie sich faschistische Entwicklungen ganz subtil und leise in unser aller Leben einschleichen und alles von grundauf verändern können. Die Entwicklungen der einzelnen Charaktere und auch, wie sich die Dynamiken innerhalb der Freundschaften verschieben, war schmerzhaft mitzuverfolgen und hat mich Emotionen fühlen lassen, wie es nur selten ein Buch schafft. Ich habe mitgefiebert, mitgelitten, gehofft, war schockiert und wurde letztlich mit einer Geschichte belohnt, die ich allen empfehlen möchte, die historische Romane dieser Epoche schätzen.
Rezensent*in 2131394
Passend zum Inhalt des Buches sowie zum Titel blickt uns vom Cover ein nachdenklich wirkender Herr entgegen.
So wie der Titel bereits verspricht, ist der Protagonist des Buches niemand, der aktiv handelt oder im Vordergrund steht. Er beobachtet, hält sich an der Seite und ist dadurch oder eher trotz allem Zeuge verschiedenster Ereignisse.
Durch den frühen spontanen Tod seiner Mutter aus seiner Heimat Holland entwurzelt, muss sich der junge Hermann bereits sehr früh in einem, ihn auf Leistung trimmenden, Haushalt zurechtfinden. Zuflucht in diesem, ihm sehr feindlich wirkenden Österreich sind dabei nur seine fünf Freunde, die er nur für ein paar Wochen als Kind sieht. Als Erwachsener treffen sie sich wieder, nun mit neuen Belastungen und anderen Erwartungen. Durch die wachsende politische Bedrohung sowie die feindliche Stimmung im Land werden bald die freundschaftlichen Bande auf einen harten Prüfstand gestellt. Wie viel bleibt von der Loyalität übrig, wenn die ganze Welt gegen einen zu stehen scheint?
In schonungslosen genauen Details erzählt der Roman von Verfolgung, von Angst und Ausgrenzung. Dabei nutzt der Roman gerade die Kunst als Metapher und unterstreicht die jeweilige Stimmung oder hebt diese nochmals hervor. Generell ist der Roman sehr bildhaft geschrieben, jeder Eindruck wohlgewählt. Gerade diese Bildhaftigkeit trägt stark zur beklemmenden Stimmung bei oder kann diese genauso leicht wieder auflockern.
Ohne dem Hauptptotagonisten in allen Entscheidungen zustimmen zu können, schafft es der Roman trotzdem, seine Beweggründe deutlich und verständlich zu machen. Alle seine Handlungen werden begründet und erklärbar, sei es auf rationale oder emotionale Weise.
Durch die Begleitung Hermanns werden auch wir als Leser zu einem Betrachter und einem Zeugen der begangenen Gräueltaten. Von meiner Seite eine klare Leseempfehlung und fünf Sterne.
Schmerzhafter Roman über eine Freundschaft, die auf die härtesten Proben gestellt wird und eindrucksvoll zeigt, dass stilles Betrachten und Wegsehen manchmal folgenreicher sind als jedes Handeln - auch heute ein aktuelles Thema!
Wie zerbricht eine Freundschaft im Sog des Nationalsozialismus?
Wie zerbricht eine Freundschaft, wenn die Welt um einen herum in den Sog des Nationalsozialismus gerät? Judith Fanto geht dieser schmerzhaften Frage in ihrem Roman „Der Betrachter“ auf so feinfühlige wie eindringliche Weise nach, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag.
Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie intensiv und greifbar die Autorin den historischen Kontext darstellt. Die schleichende Infiltration des Faschismus in den Alltag, die politischen Umwälzungen und die zunehmende Bedrohung in Österreich sind so nahbar und eindringlich geschildert, dass mich das beim Lesen tief berührt hat.
Um ehrlich zu sein: Mit dem Aspekt der Kunst (Hermann arbeitet als Kunstrestaurator) konnte ich persönlich zwar nicht ganz so viel anfangen und hätte diesen Handlungsstrang gar nicht unbedingt gebraucht – aber das hat meinem Lesegenuss zum Glück keinen Abbruch getan, da die menschlichen und gesellschaftlichen Konflikte absolut im Vordergrund stehen.
Der Roman folgt im Kern einer chronologischen Zeitstruktur, beginnend bei Hermanns Weg nach Wien in den 1910er- und 1920er-Jahren bis hin zu den dramatischen historischen Brüchen. Gekonnte Rückblenden und eine sehr gelungene reflexive Erzählweise (Hermann blickt als Ich-Erzähler nachdenklich und nostalgisch zurück) schaffen eine unheimlich intime Nähe.
Ja, die Einleitung nimmt sich Zeit, um die Figuren und die zunächst noch harmonische Wiener Freundesgruppe (Manno, Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte) detailliert einzuführen. Für manche mag das vielleicht etwas langsam wirken, aber für mich war genau diese behutsame Annäherung der Schlüssel: Man schließt die Figuren so ins Herz, dass der spätere Bruch umso härter trifft.
Wenn dann die politischen Spannungen zunehmen und vor allem Bertls schmerzhafter Wandel zum Nationalsozialismus die Gruppe zerreißt, entwickelt das Buch einen echten, emotionalen Sog. Der Höhepunkt und die anschließende fallende Handlung zeigen eindringlich, wie Verrat und der Verlust von Loyalität das Leben für immer verändern.
Judith Fanto schreibt unglaublich bildhaft und poetisch. Ihre Sprache hat eine enorme literarische Kraft, die die erdrückende Schwere der historischen Realität perfekt einfängt.
• Charaktertiefe: Keine schwarz-weißen Figuren, sondern echte, verletzliche Menschen mit inneren Konflikten und Fehlern.
• Historischer Kontext: Wie bereits erwähnt, ein absolutes Highlight – die gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit werden brillant und hochrelevant eingefangen.
• Emotionale Resonanz: Themen wie Identität, Schuld und Verantwortung hallen noch lange nach dem Umblättern der letzten Seite nach.
(Kleinere Anmerkung: Die Fülle an Themen und Charakteren verlangt beim Lesen ein bisschen Aufmerksamkeit – aber das belohnt das Buch mehr als doppelt!)
Fazit: Mit „Der Betrachter“ ist Judith Fanto ein tiefgründiger, kluger und ungemein berührender historischer Roman gelungen. Eine absolute Herzensempfehlung für alle, die komplexe Charaktere, sprachliche Eleganz und eine starke historische Einbettung lieben!
Freundschaft - und was nach Jahren davon übrig ist
Man schreibt das Jahr 1948 als der Kunstrestaurator Hermann Loch, genannt Manno, einen Brief erhält, der ihn tief erschüttert und die Vergangenheit wieder in ihm aufleben lässt. Es war 1916, er war zehn Jahre alt, als seine Mutter tödlich verunglückte und er seine niederländische Heimatstadt Haarlem verlassen und zu seiner Tante nach Wien ziehen musste. Dort war er nur geduldet, verstand die Sprache nicht und war sehr einsam, bis er in ein Sommerferienlager verschickt wird und Béla, Max, Bertl, Franzi und Lotte kennen lernt. Ab sofort verbindet die sechs eine Freundschaft, die auch über die Schulzeit hinaus anhält. Jeden Sommer machen sie gemeinsam Ferien in Altaussee und es ist ihnen egal, wer schwul, jüdisch oder anderswie orientiert ist. Ihre Freundschaft wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, nachdem 1938 die Nazis in Österreich einmarschiert sind …
Judith Fanto, geb. 1969 in Delft, ist eine niederländische Schriftstellerin. Sie studierte Rechtswissenschaften, erwarb einen Master in Medizinrecht und arbeitete als medizinische Anwältin. Judith Fanto ist Mutter von drei Kindern. 2020 erschien ihr erster Roman „Viktor“, für den sie den Hebban-Debütpreis gewann. Es folgte 2025 der Roman „Narcis“, der 2026 unter dem deutschen Titel „Der Betrachter“ im Kein & Aber Verlag erschienen ist.
Der Titel des Buches ist sehr gut gewählt, der Schreibstil ist gut verständlich, literarisch aber nicht kompliziert und lässt Platz für eigene Gedanken. Die Autorin lässt das Geschehen von Hermann selbst erzählen, der seine Erlebnisse betrachtend reflektiert, gedanklich kommentiert und an uns Leser weitergibt. Dadurch wirkt die Geschichte viel intensiver, denn man bekommt Stimmungen, Bemerkungen und Gesten hautnah mit, woraus sich eine unterschwellige Spannung ausbreitet. Der Roman lebt sehr stark von der Atmosphäre und den ziemlich ausführlichen Beschreibungen, auch schrecklicher Ereignisse, und lässt uns am Schluss recht nachdenklich zurück.
Fazit: Ein sprachlich eher ruhiger, bildhafter und psychologischer Roman zum Nachdenken – nichts zum schnellen Durchlesen.
Jasmin-Jessica G, Rezensent*in
Der Aufbau ist wirklich gut gelungen. Es wird zunächst Schritt für Schritt Hermann als Figur eingeführt und etabliert, bevor dann die Gruppe gebildet und beleuchtet wird.
Das Gefühl der Verbundenheit, der treuen Freundschaft wird sehr gut rübergebracht. Es fühlt sich fast ein bisschen an wie die Coming-of-Age Filme der 80er, 90er Jahre, obwohl es ja in einer ganz anderen Zeit spielt. Aber daraus resultiert eine gewisse Nostalgie, die mich sehr angesprochen hat.
Eine Gruppe von Freunden, die in der Zeit zwischen den Kriegen aufwächst. Eine unsichere, unstete Zeit, in der schleichend Ideologien an Macht gewinnen, die vorschreiben, wer oder wessen Verhaltensweisen akzeptabel sind und wem kein Platz mehr in der Gesellschaft zugestanden wird.
Die schwelende Gefahr wird sehr gut dargestellt. Es wird niemals plump erzählt, sondern fein und subtil und manch stille Tat sagt mehr als tausend Worte, vor allem die Allerletzte...Wow!
Buchhändler*in 2040864
Wahnsinn, wie mich dieses Buch berührt hat. Selten war ich so gefesselt und emotional mitgenommen wie bei dieser Geschichte über 6 Freunde.
Es hat mich sehr fasziniert, diese Freundschaften über 30 Jahre lang mitzuerleben.
Der Schreibstil hat mir unglaublich gut gefallen, wie erzählt wird von den Städten und Dörfern im frühen 20. Jahrhundert bis zum zweiten Weltkrieg.
Auch das Ende hat mich sehr mitgenommen, ich habe es nicht erwartet.
Besonders gefallen hat mir Bela, wie detailliert seine Arbeit mit den Parfüms beschrieben wird, unglaublich detailreich und spannend.
Gabriele K, Buchhändler*in
Ein beeindruckender Roman, ein leises Buch, ein wertvolles B,ich.
Der Roman beginnt 1916 als der niederländische Junge Manno zum Waisen wird und nicht nur seinen Großvater sondern auch seine Heimat , die Niederlande verlassen muss.
Er wird in den Haushalt seines ihm unbekannten Vater aufgenommen, der Soldat ist. Zur Tante entwickelt sich kein inniges Verhältnis, denn sie sieht in als Belastung ….auch im finanziellen. Zudem gibt es Verständigungsprobleme, denn Manno versteht kein deutsch. Er ist einsam und versucht sich einzuleben .Dies wird leichter als ein Hauslehrer ihn betreut und seine künstlerische Begabung erkennt. Im Sommertages lernt er seine Freune Bela, Bertl, Max, Lotte und Franzi kennen. Die kinderfreundlichsten hält ein Leben lang. Der Leser begleitet Manno auf seinem Weg ins erwachsen werdenund gleichzeitig durch die politischen Umbrüche Österreichs.
Immer wieder hilft ihm die Freundschaft mit den anderen - doch er selbst ist auch ein guter Freund und quasi das haltende Band zwischen allen.
Ein kurzer, sehr intensiver Roman, den man ungern aus der Hand legt
Was für ein Buch! Ein absolutes Überraschungsei und für mich ein echtes Lesehighlight!
Ich war anfangs noch unschlüssig, ob dieses Buch etwas für mich sein würde, und bin jetzt umso froher, mich dafür entschieden zu haben. Das war wirklich ein Glücksgriff!
Judith Fanto erzählt eine Geschichte über Freundschaft, die unglaublich viel Tiefgang besitzt und zugleich wichtige Fragen nach Moral, Verantwortung und persönlicher Haltung stellt.
Hermann, von allen Manno genannt, blickt auf sein Leben zurück. Schon als Zehnjähriger beginnt er zu zeichnen, um seine Beobachtungen festzuhalten und seine Eindrücke zu verarbeiten. Dieses genaue Beobachten begleitet ihn durch sein Leben und wird im Verlauf der Geschichte immer bedeutsamer.
In einer Jugendherberge für Musikpädagogik lernen sich die Freunde kennen. Sie verbringen eine fantastische, unbeschwerte Zeit miteinander, in der es für sie überhaupt keine Rolle spielt, dass zwei von ihnen jüdisch und einer homosexuell ist. Sie nehmen sich gegenseitig einfach so an, wie sie sind.
Doch fünf Jahre später hat sich vieles verändert. Das Aufkommen der Nationalsozialisten, der öffentliche Judenhass und der zunehmende Antisemitismus in Wien verändern nach und nach die Leben der Freunde und schließlich auch ihre Freundschaft. Zunächst sind es nur kleine Veränderungen, erste Irritationen und Risse. Doch die Bedrohung wird immer greifbarer und der Krieg rückt näher.
Die einst so unbeschwerte Jugendfreundschaft wird durch die politischen Extreme auf eine harte Probe gestellt.
Besonders begeistert hat mich das atmosphärische Bild, das sie vom alten Wien zeichnet. Ich konnte tief in diese Zeit eintauchen und hatte dabei das Gefühl, diese Stadt und ihre Menschen wirklich kennenzulernen.
Überhaupt sind die Figuren für mich eine der großen Stärken des Romans. Fanto zeichnet sie mit großer Sorgfalt und einer beeindruckenden Detailgenauigkeit. Selbst Figuren, die nur am Rande auftauchen, werden so sorgfältig beschrieben, dass die lebendig wirken und im Gedächtnis bleiben. Es sind wunderbar vielschichtige und glaubhafte Charaktere, die mir sehr nahegegangen sind.
Mit viel Tiefe und Feingefühl erzählt, hat Judith Fanto mich vollkommen in die Geschichte hineingezogen. Ihr Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen: atmosphärisch, detailreich und gleichzeitig angenehm ruhig.
Und ganz nebenbei vermittelt dieses Buch unglaublich viel Wissen: über die Geschichte Wiens, Kunstgeschichte und niederländische Maler, die Restaurierung von Gemälden und sogar über die Geheimnisse von Duftkompositionen. All das fügt sich so selbstverständlich in die Geschichte ein, dass es die Lektüre für mich noch bereichert hat.
Ich hatte wunderbare Lesestunden und habe Mannos Geschichte wirklich genossen. Und dieses Buch hat mich nicht nur während des Lesens beschäftigt. Einige Gedanken haben mich auch nach dem Beenden noch begleitet.
Ich möchte unbedingt noch mehr von Judith Fanto lesen.
Eine absolute Leseempfehlung von mir für dieses Lesehighlight und hochverdiente 5 von 5 Sternen! ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
In »Der Betrachter« findet man einen Roman über die Freundschaft, die Liebe, das Leben, den Neid, über Verrat und Verleugnung. Es geht um 6 Freunde die sich in Kindertagen zusammenfinden. Über eine Freundschaft die unverwüstlich erscheint, die aber wie sollte es anders sein, ihre Risse und Macken hat. Sechs Freunde und das Leben.
Hermann Loch kommt 1906 in den Niederlanden, in der Stadt Haarlem zur Welt. Sein Vater ist allerdings nicht zugegen, denn der ist Soldat in Österreich. Als Hermann zehn Jahre alt ist, kommt seine Mutter zu Tode und der Junge wird zu der Tante, der Schwester seines Vaters nach Wien gebracht. Der Junge muss erst einmal das Deutsche lernen und die Tante ist nicht die beste Lehrerin. Als sie selber zur Kur nach Baden fährt, überredet der Hauslehrer sie, Hermann mitzunehmen und in der Sommerschule anzumelden die neben dem Kurhaus jungen Menschen das Musizieren beibringen soll. Dort trifft der Junge das erste Mal auf seine zukünftigen besten Freunde. Béla den jungen Aristokraten aus Ungarn. Franzi, die Tochter eines Sozialisten, Bertl, dem Sohn eines Kartonagenfabrikanten aus Wien, Max, dem jüdischen Sohn seines Hauslehrers und Lotte. Ein bunter Haufen, der keine Vorurteile kennt.
Sie treffen sich immer wieder und später als junge Erwachsene in Wien. Sie verbringen viel Zeit miteinander und so langsam verweben sich ihre Geschichten. Hermann ist das Bindemittel, die Kittmasse, der stille Betrachter. Schon als Junge konnte Hermann wunderbar zeichnen und malen. Er kann studieren und wird zum Dozenten an der Kunstakademie, unterrichtet die jungen Restauratoren. Das Leben um ihn herum bekommt er ein bisschen vernebelt mit, sieht die Zusammenhänge immer nur dann, wenn es schon zu spät ist. So bemerkt er nicht, dass seine Freunde unter dem neuen NS-Regime genauso wie sein weiteres Umfeld immer mehr zerbricht. Hermann erzählt von seinem Leben in Wien und wie er mit den Freunden immer wieder in die Berge fährt, ist verwirrt, wenn sich wieder eine neue Situation auftut und ist der Freund, den man sich wünscht, wenn die Welt untergeht.
Der Roman »Der Betrachter« ist wirklich gut geschrieben. Hermann als Erzähler, als Freund und Betrachter. Er liebt seine Freunde, egal was sie machen und welchen Neigungen, Ideologien oder Konfessionen sie nachgehen. Er ist wie gesagt das Bindeglied. Manchmal dachte ich zwischenzeitlich, dass er ein großes Stück Naivität abgebissen hat. Er sprudelt über vor Liebe zu seinen Freunden und verzeiht viel. Aber am Ende ... Tja, das werde ich jetzt nicht erzählen. Ich war jedenfalls begeistert von diesem Buch und von der Erzählweise. Der Roman ist sehr leicht zu lesen, neben der Unterhaltung zeigt ein Finger immer wieder auf die Zustände, den Wandel der Zeit, die Entwicklung zum dritten Reich. Vielleicht war es so, dass die Menschen dachten, dass es was Gutes hat, vielleicht hofften sie auf besserer Zeiten, Wirtschaftswachstum oder was auch immer und sie machten die Augen zu. Mich hat der Roman und seine Figuren jedenfalls auf der ganzen Linie abgeholt.
Jonah R, Rezensent*in
Für mich ist dieses Buch definitiv eines der Highlights in diesem Sommer. Selten habe ich eine Geschichte gelesen, die so bedrückend und gleichzeitig so eindrücklich und atmosphärisch von einem dunklen Kapitel der Vergangenheit erzählt. Besonders mitreißend fand ich, wie Fanto die einzelnen Figuren und ihre Veränderungen zeichnet und zeigt, wie diese auch die Dynamik innerhalb der Freundesgruppe beeinflussen. Insbesondere Béla ist mir dabei als Leser ans Herz gewachsen.
Eine intensive und nachhallende Geschichte, die mich sehr berührt hat. Ein ganz tolles Buch, das auf jeden Fall eine hohe Platzierung in den Bestsellerlisten verdient hätte!
Rezensent*in 715926
Durch einen Brief, den er 1948 erhält, taucht der Ich-Erzähler tief in die Vergangenheit ein, bis zurück ins Jahr 1916. Nach dem Tod seiner nächsten Familie in der Stadt Haarlem in den Niederlanden wird er als Zehnjähriger in eine neue Umgebung katapultiert. Eine ihm unbekannte Tante holt ihn nach Wien, wo er sich nicht wohl fühlt. Erst als er im Sommercamp fünf Gleichgesinnte kennen- und schätzenlernt, wird das Leben wieder erträglich für ihn. Er erinnert sich an viele Begebenheiten, ob klein oder groß, Probleme und schöne Zeiten.
Die sehr einfühlsam erzählte Geschichte einer Freundschaft über viele Jahre und Ereignisse hat mich durch die langsame Erzählweise beeindruckt. Abstand durch das Leben in verschiedenen Ländern, Veränderungen in den politischen wie persönlichen Situationen und das Verhalten eines jeden einzelnen in diesem Freundeskreis wird uns nahe gebracht. Die Bezeichnung Betrachter für den Protagonisten ist total nachvollziehbar, denn der Rückblick wird mit einer gewissen Distanz dargestellt. Wer Bücher mit Tiefgang mag, sollte sich diese Geschichte nicht entgehen lassen.
Rezensent*in 1169160
Hermann Loch, Sohn einer Niederländerin und eines österreichischen Offiziers. Wurde in den Niederlanden geboren und wuchs dort, bis zum Tod seiner Mutter und Großmutter im Jahre 1916, auf. Nach diesem traurigen Schicksalschlag erhebt seine, in Wien lebende, österreichische Tante Anspruch darauf Hermann aufzuziehen.
Hermann konnte nie den Ansprüchen seiner Tante genüge tragen und flüchtet sich irgendwann in die Malerei. Sein Hauslehrer attestiert ihm großes Talent, dieses Talent der Beobachtungsgabe wird ihn sein Leben lang begleiten.
In der Sommerschule lernt er Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennen. Sie werden Freunde und treffen sich jedes Jahr in der Sommerschule wieder. Bis diese schließt und sie sich aus den Augen verlieren.
Durch Zufall trifft Hermann Béla in Wien wieder und auch die anderen tauchen wieder auf. Offensichtlich sind sie alle über die Jahre miteinander in Kontakt geblieben. Von nun an verbringen sie die Ferien in Altausee und Hermann wird zu ihrem Bindeglied. War es in ihrer Kindheit noch egal, dass Max und Franzi jüdisch und Béla sich zu Männern hingezogen fühlt, so beginnen diese Unterschiede in diesen Zeiten immer mehr ins Gewicht zu fallen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und die Geheimnisse, die Hermann von seinen Freunden aufgebürdet bekommt, lasten schwer auf ihn.
Ich durfte den Roman von Judith Fanto als Rezensionsexemplar lesen und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil ist flüssig und detailverliebt. Die Geschichte hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht. Zum einen die Figur des Hermanns, der zwar von seinen Freunden herzlich aufgenommen wurde, aber irgendwie immer am Rand steht und zusieht. Und zum anderen die Figuren von Bertl und Lotte, die sich für die politische Überzeugung entscheiden und welche Folgen diese Entscheidung mit sich zieht.
Ein tolles Buch, dass ich wärmstens weiterempfehlen kann.
Artur B, Rezensent*in
★★★★★ 5 von 5 Sternen
Ein Buch, das mich erst ganz leise und dann immer stärker gepackt hat. Am Anfang sind es vor allem die Freundschaften und diese besonderen gemeinsamen Sommer, die die Geschichte tragen. Manno und seine Freunde wirken dabei so lebendig, dass man schnell das Gefühl bekommt, sie schon länger zu kennen.
Und dann verändert sich alles. Was zunächst wie eine Geschichte über Freundschaft, Erwachsenwerden und gemeinsame Erinnerungen beginnt, bekommt mit den politischen Veränderungen in Wien eine ganz andere Schwere. Besonders beeindruckt hat mich, wie Judith Fanto zeigt, dass sich eine Freundschaft nicht unbedingt mit einem großen Knall verändert. Manchmal sind es kleine Verschiebungen, Wegsehen, Schweigen oder Entscheidungen, die irgendwann nicht mehr rückgängig zu machen sind.
Manno als Beobachter hat mich dabei besonders beschäftigt. Er steht mitten in dieser Freundschaft und versucht gleichzeitig, sie zusammenzuhalten, indem er Dinge lieber für sich behält. Das macht ihn nicht immer sympathisch, aber gerade dadurch fand ich ihn sehr menschlich und glaubwürdig.
Die Geschichte hat mich berührt, stellenweise fassungslos gemacht und noch nach dem Lesen beschäftigt. Besonders schön fand ich die ruhigen Momente zwischen den Freunden – gerade weil man als Leser irgendwann weiß, dass diese Unbeschwertheit nicht bleiben wird.
Für mich ein sehr eindringlicher Roman über Freundschaft, Loyalität und die Frage, wie weit man wirklich bereit ist, für Menschen einzustehen, die einem wichtig sind. Ein Buch, das nicht laut sein muss, um Wirkung zu haben.
Für mich ganz klar 5 Sterne und eine große Leseempfehlung.
Felix Alasdair D, Buchhändler*in
Das Buch hat mich total beeindruckt! Ich fand allgemein schon cool, dass man die Hauptfiguren beim Aufwachsen in dieser dunklen Zeit begleitet, und dass man sich wirklich mittendrin statt nur dabei fühlen konnte. Aber darauf, wie genau sich diese Freundschaftsbeziehungen entwickeln und was dann zum Ende hin passiert, hätte mich keiner vorbereiten können. Spannend, lehrreich, und toll geschrieben!
Rezensent*in 490470
Zuerst war ich über den deutschen Titel des Romans “Der Betrachter” ein wenig verwundert. Aber mit der Zeit hat sich die ganze Tragweite dieser Wahl schon sehr erschlossen. Ich finde ihn tatsächlich interessanterweise passender, treffender, als das niederländische Original.
Das Ende hat mich umgehauen. Das hatte eine solche Kraft. “Der Betrachter” hat mich kalt erwischt.
Manno, der sich stehts als Künstler und Beobachter wahrnimmt und sich lange auch so verhält, weil er nicht in der Lage ist aus dieser Rolle wieder aus zu brechen. Die Freundesgruppe, die aus sehr unterschiedlichen Menschen besteht, wirkte dabei auf mich so lebendig, als sei ich Teil von ihnen. Es brauchte nur wenige Seiten, um die Dynamiken zwischen ihnen zu verstehen und welche Rolle Manno sich darin selbst zuschreibt. Er liebt seine Clique. Er hat sie alle in einer Zeit kennen gelernt, in der er nicht wusste wo hin mit sich und vor allem nicht wusste, ob er je wieder zu jemandem gehören würde. Bei seiner Tante hatte er jedenfalls kein “Willkommen” erfahren und von familiärer Wärme sowieso keine Spur.
Manno ist von Freunden und Freundinnen umgeben, die von ihrer Zeit, insbesondere der NS Zeit in Österreich, ganz unterschiedlich betroffen sind. Manno bleibt auch immer wieder nur deshalb Beobachter, weil er von vielem immer nur indirekt betroffen ist. Er bleibt immer wieder nur Beobachter dessen, was in seiner Freundesgruppe passiert, was ihnen zustößt. Er bleibt passiv und merkt nicht, wie er in diese Passivität immer tiefer hineinrutscht. Er verbirgt Dinge vor den jeweils andren um die Gruppe als ganzes Zusammen zu halten. Vor allem die politischen Gräben machen es ihm aber immer schwerer. Denn natürlich erkennt er, das ein großer Teil von ihnen in immer größerer Gefahr schwebt, schiebt es aber zu lange beiseite bis er vor den Scherben steht.
Ich mochte diesen Roman so so sehr. Ich kann nicht mal genau sagen, woran es konkret lag. Ich fand das Fanto diese Geschichte in all ihren wichtigen Fassetten erzählt hat. Dabei wurde auch deutlich, warum Manno an vielen Punkten stumm bleibt. Das mag man nicht immer gut und richtig finden. Aber ich fand gerade dadurch zeigt die Autorin, was passiert, wenn man Stumm ist, beobachtend bleibt, Dinge geschehen lässt und nicht verhindert. Das schreit lauter durch den Text als alles Schlimme, was den Verschiedenen Figuren im Roman zustößt.
Bibliothekar*in 1036346
Als Manno 1916 zehn Jahre alt ist, stirbt seine Mutter. Er muss deshalb seine niederländische Heimatstadt Haarlem verlassen und nach Wien ziehen, wo die Familie seines Vaters lebt. Ihm fählt es schwer, sich in Wien einzuleben und er fühlt sich einsam. Bis er Franzi, Bela. max, Lotte und Bertl kennenlernt und sich mit ihnen anfreundet. Als sich in Wien der Antisemitismus im Laufe der Jahre immer mehr verbreitet, wird es zum Problem, dass Bela schwul ist und Franzi und Max Juden sind. Die Politik beeinflusst die Freundschaft und als Österreich durch Hitler Teil des Deutschen Reiches wird, beginnt die Zeit von Unsicherheit und Misstrauen.
Ich finde die Entwicklung zwischen den beiden Weltkriegen gut getroffen. Die historischen Ereignisse sind gut in die Handlung mit integriert. Die Figuren sind lebensnah und interessant konstruiert. Hier geht es um das Leben der einzelnen jungen Menschen und deshalb hat mich ihr Schicksal auch berührt.
Rezensent*in 1507298
Wie viel Last kann eine Freundschaft tragen?
Dem spürt Judith Fanto in ihrem Roman "Der Betrachter" aus dem Niederlänfischen übertragen von Christiane Burkhardt @keinundaberverlag nach. In Haarlem Anfang des 20. Jahrhunderts geboren, wird Hermann - genannt Manno - als 10-jähriger nach Wien geschickt, wo er bei seiner äußerst strengen und für mein Empfinden lieblosen Tante aufwächst. Ein paar Jahre vergehen, bis der Hauslehrer erkennt, dass Manno wundervolle Zeichnungen anfertigt, aber auch einsam ist. Er braucht dringend gleichaltrige in seinem Umfeld. Während der Sommerschule freundet sich Manno mit Béla, Max, Franzi, Lotte und Bertl an. Sie halten auch mach Schulabschluss Kontakt, fahren gemeinsam in den Urlaub auf Baumis Bauernhof. Doch als in Wien der ohnehin schon verbreitete Antisemitismus immer schlimmer wird, Homosexualtität unter Strafe steht, wird die Freundschaft der 6 zunehmend belastet. Da sind Geheimnisse und Lügen, welche Manno nicht verborgen bleiben. Doch wie soll er mit seinen Freundinnen und Freunden darüber reden? Béla, Max und Franzi sind immer größeren Gefahren ausgesetzt. Kann Manno sie beschützen? Und ist der Nationalsozialismus wirklich so harmlos, wie Lotte und Bertl behaupten? Dieser Roman braucht definitiv geduldige Leserschaft. Das erste Drittel hatte bei mir die Stimmung eines Heimatfilmes aus der Nachkriegszeit hinterlassen. Erst dann kam Geschehen in die Handlung. Manno habe ich dann mit jedem Kapitel mehr gemocht, konnte mich sehr gut in seine Sichtweisen hineinversetzen. Einige Charaktere waren mir jedoch eine Prise zu klischeehaft: Béla, Lotte und Bertl. Den Namen des Romanes finde ich absolut passend, denn Manno ist kein aktiver Held, tatsächlich als Zeichner/Restaurator ein zurückhaltender, dennoch äußerst feinfühliger und empathischer Charakter. Das politische und gesellschaftliche Geschehen passt erschreckend genau in die Gegenwart: die Spaltung unserer Gesellschaft - Links und Rechts prügeln erbittert aufeinander ein. Und auch die Frage, wieviel Last eine Freundschaft tragen kann, passt aus meiner Sicht auch sehr gut in diesen Kontext.
Rezensent*in 2017111
Das Thema des Buches fand ich hochinteressant. Und das Buch hat mir auch gefallen. Der Schreibstil war schön, die Sprache war authentisch und man konnte sich alles bildlich vorstellen (als ob man vor einem Gemälde steht). Leider hatte ich das Gefühl, dass die Charaktere teilweise wandernde Klischees waren - sehr eindimensional. Es war daher auch alles vorhersehbar. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.
Buchhändler*in 1477326
"Der Betrachter" spielt in Österreich (Wien) und den Niederlanden (Haalem), wo der betrachtenden Erzähler Manno jeweils die Machtübernahme der Nationalsozialisten unter dem gleichen Befehlshaber miterlebt. Vor seiner "Flucht" aus Wien sind seine jüdischen Freunde im letzten Moment nach England geflohen, der engste Freund Béla wegen Sittenwidrigkeit - also seiner Homosexualität - im KZ ermordet worden und die beiden der NSDAP folgenden Mitglieder dieser Gruppe aus Jugendfreunden als vorbildliche Familie in Wien geblieben.
Manno ist bis zu diesem Punkt in erster Linie Geheimniswahrer und das Bindemittel der sehr unterschiedlichen Freunde. Er wird nun aber zweimal aktiv: einmal um Béla zu retten und einmal, wenn er für Max das schon ausgestellte Diplom an der Universität einfordert - wenige Tage nachdem alle jüdischen Studenten exmatrikuliert worden sind. Seine eigene Flucht wird ihm zufällig im richtigen Moment von außen ermöglicht und nicht von ihm möglich gemacht.
Die Perspektive des Betrachters schwankt zwischen kalter Objektivität und punktuell fast pathetischer Wortgewalt beim Versuch die emotionale Reaktion seiner selbst einzufangen. Sprachlich wirkt der Roman älter, etwas anachronistisch, aber nach einiger Lesezeit tauchen die Lesenden ganz in die Atmosphäre der Kulturstadt Wien zwischen den Weltkriegen ein. Durch die heterogene Clique werden verschiedene Gesellschaftsebenen durch verschiedene Lebensläufe abgebildet und die Viel-Gesichtigkeit der Menschen deutlich.
Der Text saugt einen beim Lesen langsam in seinen Bann um dann mit Schilderungen historischen Grausamkeiten, existentiellen Nöten, grundlegenden Erkenntnissen zum Mensch-Sein und einer bitteren Konsequenz sich fest ins Gedächtnis einzuschreiben.
Ein großer Roman über die in ihrer Grausamkeit immer noch unglaubliche Zeit des Nationalsozialismus.
Ein kleiner Kritikpunkt ist die an manchen Stellen etwas zu pathetisch geratene Bildlichkeit in der sorgfältig gepflegten Sprache Judith Fantos, Insgesamt aber ist der Roman gelungen, nachwirkend und aufwühlend.
Ein Faden im Gewebe der Geschichte
Dieser Satz hat mich sehr beeindruckte, da ich ihn für einen Kernsatz halte. Manno, Hermann, benutzt ihn nach seiner Rückkehr nach Holland und am Ende der Nazizeit. Es ist für ihn eine wichtige Feststellung, er der der Kitt dieses Romans ist. Er der als 10-jähriger nach dem Tod der Mutter nach Wien zu seiner Tante Edmonda gebracht wird und dort aufwächst, nicht immer sehr glücklich. Doch der Aufenthalt in einer Jugendherberge zur Musikausbildung, ändert sein Leben. Dort trifft er auf seine Freunde, Lotte, Franzi, Bertl, Max und Bela, die eine verschworenen Gemeinschaft über den Aufenthalt in dieser Institution bilden. In den folgenden Jahre treffen sich die Freunde immer öfter und verbringen viel Zeit miteinander, doch die Zeiten ändern sich und so steht auch bald die Freundschaft dieser fünf auf dem Prüfstand.
Der Roman „Der Betrachter“ von Judith Fanto beschreibt einen Teil des Lebensweges des Holländers und Kunstrestaurators Hermann Loch, genannt Manno. Er durchlebt sehr intensive Zeiten in seiner Jugend und auch später mit der Übernahme der Nationalsozialisten in Wien und später in seiner Heimatstadt Haarlem. Auf dem Cover ist dieser Mensch sehr gut dargestellt, er schaut er sehr nachdenklich aus und so wird er auch von der Autorin dargestellt. Die Erzählung ist aus seiner Perspektive geschrieben und dieser Betrachter hat einiges zu erzählen. Die Freundschaften, die diesen Roman begleiten sind sehr intensiv beschrieben und alle fünf weiteren Hauptcharaktere passen sehr gut wie ein Mosaik zusammen. Sie haben alle spannende Charaktere, wie Franzi, ein Sozialistin, Max, ein Jude, Bela ein ungarischer Aristokratensohn, Bertl, ein Wiener Unternehmersohn und Lotte, die als sehr bestimmend beschrieben wird. Sie alle erleben ereignisreiche Zeiten in Wien und auf ihren Touren in die nähere Umgebung. Sie durchleben auch schwere Zeiten, denn die Naziherrschaft bricht an, was für alle Freunde eine unterschiedliche Herausforderung darstellt. Hier entscheidet sich, wie die Freundschaft gewachsen ist. Die Autorin hat einen sehr bildhaft geprägten Schreibstil, der die Erzählungen sehr gut illustriert und so kann man gut mit Manno mitfühlen.
Ich bin begeistert von diesem Roman, da ich sehr viel über menschliche Schicksale aus dieser Zeit erfahre, die mir diese schwierigen historischen Zeiten emotional näherbringen. Die Identifikation mit der Hauptfigur gelingt mir sehr gut, so dass ich zum Betrachter werden. Ein wirklich empfehlenswertes Buch.
#DerBetrachter beginnt in Wien im Jahr 1916. Der junge Hermann muss sein Elternhaus verlassen und zu seinen Verwandten ziehen. Zunächst fühlt er sich völlig deplatziert. Seine Tante ist eine strenge Frau, die ihn gängelt. Warum sie ihn überhaupt bei sich aufnahm versteht Manno überhaupt nicht. Zum Glück lernt er junge Leute kennen, die bald auch seine Freunde werden.
Bevor Hitler in Österreich einmarschierte war den sechs Freunden überhaupt nicht bewusst, wie unterschiedlich sie waren. Ihre Gemeinsamkeiten überwogen das Trennende und dies wurde erst sichtbar, als sich die Ereignisse überschlugen. Manno blickt zurück in eine Zeit der Sorglosigkeit und je tiefer er in die Vergangenheit eintaucht, desto sprachloser wird er.
Ein Buch, das mich gefangen nahm. Es zeigte deutlich, wie äußere Einflüsse eine vorher innige Freundschaft zerstören können. Interessant und gut dargestellt war die Entwicklung des Jungen namens Hermann (Manno) bis zum gestandenen Mann. Der Roman ist lesenswert und für mich war es ein weiteres Highlight in meinem Lesejahr 2026. #NetGalleyDE
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