Über vier Leben
Roman. »Ein beeindruckendes Debüt. Tröstlich und schön.« – Leipziger Volkszeitung
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Erscheinungstermin 14.07.2026 | Archivierungsdatum 04.08.2026
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Zum Inhalt
»Ein feinfühliger Roman über vier Frauen und die Frage, was uns prägt« WOMAN
»Etwas ist falsch. Bloß habe ich keine Ahnung, was.«
Auf der Suche nach dem Ursprung ihres diffusen Gefühls, nirgends dazuzugehören, blickt Mirabell in ihre Familiengeschichte. Doch statt Antworten findet sie nur ein Geflecht aus Leerstellen und Halbwahrheiten, weitergegeben wie in einem endlosen Stille-Post-Spiel: Eine Urgroßmutter, die verschwand. Eine Großmutter, die nicht mehr leben wollte. Eine Mutter, die schweigt. Wie nähert man sich einer so lückenhaften Vergangenheit an? Je mehr Brüche Mirabell aufspürt, umso deutlicher ahnt sie, dass das Ungesagte bis heute fortwirkt - und dass sie ihre eigene Geschichte selbst schreiben muss.
Ein kluger, lange nachhallender Roman über vier Frauen, deren Leben über Jahrzehnte miteinander verwoben sind - und über die Frage, ob wir Wahrheit wirklich erinnern oder vielleicht erfinden müssen, um leben zu können.
»Ein feinfühliger Roman über vier Frauen und die Frage, was uns prägt« WOMAN
»Etwas ist falsch. Bloß habe ich keine Ahnung, was.«
Auf der Suche nach dem Ursprung ihres diffusen Gefühls, nirgends...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783847902430 |
| PREIS | 24,00 € (EUR) |
| SEITEN | 352 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Eine junge Frau sitzt in Leipzig bei ihrer Psychotherapeutin – hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach Nähe und Verbundenheit und dem tief sitzenden Unwohlsein, das Beziehungen für sie bereithalten. Von diesem Ausgangspunkt aus entfaltet der Roman seine eigentliche Erzählstruktur: In einzelnen Kapiteln blicken wir zurück auf das Leben ihrer Urgroßmutter, ihrer Großmutter und ihrer Mutter – und auf deren jeweilige Beziehungen.
Ein leichtfüßiges Buch ist das nicht. Vergewaltigung, Suizid und die intergenerationale Weitergabe von Traumata sind zentrale Themen, die schwer zu ertragen sein können. Die Sprache ist dabei bildhaft und tiefgründig – sie schafft es, das Unaussprechliche fühlbar zu machen, ohne ins Plakative abzugleiten. Deutlich wird: Was ungesagt bleibt, wirkt lange nach. Erst in der Generation der Protagonistin Mirabell beginnt tatsächlich eine Aufarbeitung dessen, was über Generationen hinweg verschwiegen und weitergegeben wurde.
Umso bemerkenswerter ist, wie es der Autorin gelingt, jeder Figur eine eigene, unverwechselbare Stimme zu geben. Beim Lesen entsteht eine spürbare Nähe zu jeder einzelnen Frau.
Trotz der vier biografischen Zeitebenen blieb für mich der Roman jederzeit klar verfolgbar. Besonders die Übergänge zwischen den Kapiteln sind streckenweise fein und assoziativ gestaltet – ein erzählerisches Mittel, das den Zusammenhang zwischen den Generationen spürbar macht, ohne ihn plakativ zu erklären.
Wer wissen möchte, wie Traumata über Generationen hinweg weitergegeben werden und wie sie nachfolgende Beziehungen prägen, findet hier einen sprachlich überzeugenden Roman.
Es kann beim Lesen durchaus etwas Niederdrückendes entstehen – ich hätte mir gewünscht, dass sich mehr Raum und Phantasie für Bewältigungsmöglichkeiten öffnet, ein Gegengewicht zur Schwere der Themen. Dennoch: ein sehr lesenswerter Roman. Auch die Covergestaltung ist ein echter Hingucker.
Fazit: Sprachlich stark, erzählerisch klug komponiert, inhaltlich fordernd – ein Buch für alle, die sich mit Trauma, Familie und Generationen auseinandersetzen möchten, aber auch belastende Themen aushalten können.
Antje W, Lehrende*r
Erbe der vergangenen Generationen
Pauline Hatschers Buch hat mir zum einen schon sehr gut vom Cover her gefallen. Dieses Gemälde und die gedeckten Farben spiegeln 1:1 die getrübte Stimmung des Buches wider.
Die Grundlage des Romans und die Ursache für die Befindlichkeiten der in den nächsten Generationen geborenen Frauen ist Hannchen. Hannchen wird 1930 vergewaltigt, bekommt ein Kind, welches von ihrer Schwägerin als eigenes Kind aufgezogen wird. Hannchen selbst verschwindet.
Hannchens Tochter Lisa will alles gut und richtig machen. Sie leidet an Depressionen und macht ihrem Leben ein Ende.
Lisas Tochter Sabine wächst deshalb beim Vater auf. Sie verbindet sich relativ spät für die damalige Zeit mit einem groben und gewalttätigen Mann und bekommt Mirabell.
Mirabell nun nutzt das Wissen des Großvaters und der Mutter und beginnt die Geschichte der Frauen aufzuschreiben, auch, um ihren eigenen Unzulänglichkeiten, wie sie findet, auf den Grund zu gehen.
Mit hat das leise Buch der Autorin sehr gut gefallen. Durch die kurzen Abschnitte, jeweils abwechselnd aus Sicht der vier Frauen, ist das Lesen abwechslungsreich und spannend. Ein wunderbares Buch, nicht unbedingt mental ganz leichte Kost, aber flüssig zu lesen.
"Letztendlich ist das alles wahnsinnig traurig "
Mirabell ist Single. Sie versucht sich auf Dating Apps, aber keiner der Matchs ist der Richtige. Ihre Therapeutin meint, dass könnte daran liegen, dass die Ehe ihren Eltern schwierig ist.
Mirabell fängt an Fragen über das Leben ihrer Vorfahrinnen zu stellen, bekommt aber nur wenige Antworten. Doch sie gibt nicht auf. Sie fragt ihre Mutter und ihren Großvater aus, sucht nach Bildern und Dokumenten und fragt in Standesämtern nach. Langsam ergibt sich ein wages Bild, das Mirabell mit ihren eigenen Vorstellungen abrunden.
"....Ich habe mich gefragt, was die Geschichte meiner Urgroßmutter für die folgenden Generationen meiner Familie bedeutet hat. Ich kann das nur in der Fiktion beantworten." (Aus dem Vorwort)
Schon auf Seite 12 erfährt man in kurzen Worten, die aber sehr eindringlich sind, was für Schicksale die Mutter, Grossmutter und Urgroßmutter von Mirabell aushalten mussten.
Der Erzählstil hat mir ausgesprochen gut gefallen, er ist klug und überzeugend. Der Schreibstil ist trotz der schweren Themen sehr flüssig. Die Charaktere sind glaubwürdig und ihre Schicksale berührend.
Eine große Leseempfehlung. Von mir bekommt das Buch 6 von 5 Sternen.
Rezensent*in 1900875
„Über vier Leben“ ist ein außergewöhnlich feinfühliger Roman. Obwohl die Geschichte fiktiv ist, gelingt es ihr auf beeindruckende Weise, die Erfahrungen von drei zurückliegenden Generationen aufzuarbeiten und ihre Wirkung auf die Nachfolgenden greifbar zu machen. Besonders eindrucksvoll zeigt der Roman, wie unbewusste Muster, Schweigen und ungelöste Konflikte über Generationen weitergegeben werden und Identität prägen. Mit großer emotionaler Tiefe, kluger Erzählweise und authentischen Figuren regt das Buch zum Nachdenken über die eigene Familiengeschichte an. Die wechselnden Perspektiven und die sensible Sprache verleihen der Erzählung eine besondere Intensität und machen die Figuren nahbar. Ein bewegender Roman, der berührt, zum Reflektieren einlädt und noch lange nach der letzten Seite im Gedächtnis bleibt. Absolut lesenswert.
Starke Themen, sehr ergreifend
An die schnell wechselnden Erzählperspektiven musste mich erst gewöhnen. Die sind hier natürlich strategisch platziert und eindeutig abgegrenzt, aber mein Hirn kann manchmal nicht so schnell umschalten. Trotzdem habe ich mit allen vier Frauen und ihrer Geschichte mitgefiebert.
Durch die Jahreszahlen werden die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Heirat und der Rolle der Frau nochmals untermalt. Ich fand es teilweise so schrecklich zu verfolgen und hatte beim Lesen mir als einmal einen dicken Kloß im Hals und hätte mir gehofft, dass sich vor allem Sabine und Hannchen weniger fügen, mehr für sich einstehen und ihnen jemand einen Ausweg aufzeigt.
Die Verknüpfung über die Rekonstruktion der Familiengeschichte fand ich gut gewählt und fand es trotzdem befremdlich, wie Sabine Mirabells teils fiktive Lückenfüllung aufnimmt und auch zu ihrer eigenen Geschichte keine echte Stellung bezieht. Auch, dass Mirabell mit ihrem Vater keine Aussprache sucht hat mich so ein bisschen aufgerieben.
Der Schreibstil ist großartig- emotional ergreifend, authentisch, erschütternd nüchtern in den Schilderungen von Gewalt und Schikanen. Auch wie unbarmherzig hier Frauen miteinander umgehen und wie mentale Gesundheit eher etwas rufschädigendes ist, was man im Stillen mit sich ausmacht hat mich total mitgenommen.
Starkes Buch, gespickt mit wichtigen Themen. Mir hats sehr gut gefallen.
Buchhändler*in 956792
Eine berührende Familiengschichte über vier Frauen, vier Generationen. Schicksale und Entscheidungen. Spuren die hinterlassen werden und die Nachkommen prägen.
Ein spannender Roman über Geheimnisse und die Suche nach dem eigenen Leben.
Vier Leben im Schatten eines einzigen Traumas
Manche Romane erzählen eine Geschichte. Andere versuchen zu verstehen, warum Menschen werden, wie sie sind. Über vier Leben gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Im Mittelpunkt steht Mirabell, die sich in ihrem eigenen Leben fremd fühlt. Freundschaften gelingen ihr kaum, Beziehungen scheitern, beruflich findet sie keinen Halt und eine Therapie wird zum Ausgangspunkt einer schmerzhaften Spurensuche. Nach und nach richtet sich ihr Blick auf die Frauen ihrer Familie: ihre Mutter Sabine, die in einer unglücklichen und von Gewalt geprägten Ehe verharrt, ihre Großmutter Lisa und schließlich ihre Urgroßmutter Hannchen, deren Vergewaltigung zum Ursprung eines generationenübergreifenden Traumas wird.
Besonders eindrucksvoll ist die Frage, wie sich ein einzelnes traumatisches Ereignis über Jahrzehnte hinweg in den Leben nachfolgender Generationen fortsetzt. Der Roman zeigt eindringlich, wie gesellschaftliche Zwänge, familiäre Muster und unausgesprochene Verletzungen ineinandergreifen und Menschen prägen, lange bevor sie deren Ursprung überhaupt kennen.
Die Autorin wählt dafür einen ungewöhnlichen erzählerischen Zugang. Mirabell nähert sich ihren Vorfahrinnen schreibend an, gibt ihnen in ihrer Vorstellung Stimmen, Gedanken und Gesichter. Diese fiktionale Annäherung innerhalb der eigentlichen Handlung ist mutig, konnte mich persönlich jedoch nicht vollständig überzeugen. Auch die häufigen Perspektivwechsel zwischen den Figuren machten den Einstieg zunächst anspruchsvoll und gelegentlich etwas unübersichtlich.
Sprachlich ist der Roman außergewöhnlich stark. Mit einer beinahe nüchternen Härte vermittelt er die innere Welt einer depressiv verstummten Persönlichkeit. Die Hoffnungslosigkeit, die sich durch viele Passagen zieht, wirkt greifbar und authentisch. Gerade darin liegt die große Stärke des Buches – und zugleich seine größte Herausforderung. Nur selten öffnen sich kleine Momente der Zuversicht. Über weite Strecken erscheint die Welt trostlos, beinahe feindselig. Für mich überwog diese Schwere schließlich zu deutlich, sodass trotz der literarischen Qualität eine emotionale Distanz bestehen blieb.
Über vier Leben ist kein Roman, der durch äußere Handlung fesselt, sondern durch seine intensive Innenschau. Wer sich auf psychologische Tiefenbohrungen, generationsübergreifende Traumata und anspruchsvolle Erzählstrukturen einlassen möchte, findet hier ein eindrucksvolles, zugleich aber forderndes Leseerlebnis.
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