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Ausradiert
Roman. Das Buch zum oscarprämierten Film »American Fiction«
von Percival Everett
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Erscheinungstermin 17.03.2026 | Archivierungsdatum 20.04.2026
Hanser Verlag | Hanser Taschenbuch
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Zum Inhalt
Percival Everett – Autor des Pulitzer-Preis-prämierten Bestsellers »James« Thelonious »Monk« Ellison ist Schriftsteller – und verzweifelt: Seine anspruchsvollen Bücher finden kaum Beachtung, während...
Eine Anmerkung des Verlags
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Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783446286221 |
| PREIS | 14,00 € (EUR) |
| SEITEN | 352 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Rezensent*in 1978449
Es ist ein literarisches Husarenstück, das uns Percival Everett mit „Ausradiert“ vorsetzt – eine intellektuelle Handgranate, getarnt als Gesellschaftssatire. Was der Roman sichtbar macht, ist das strukturelle Paradox eines Literaturbetriebs, der Authentizität einfordert – und dabei nur das als authentisch akzeptiert, was seinen Erwartungen bereits entspricht.
Im Zentrum steht Thelonious „Monk“ Ellison. Ein Name, der bereits das Programm diktiert: die radikale künstlerische Kompromisslosigkeit eines Jazz-Giganten trifft auf die intellektuelle Schwere eines klassischen Gelehrten. Monk ist ein Mann zwischen den Stühlen. Er schreibt experimentelle Prosa, liebt Aischylos und verweigert sich beharrlich dem Diktat des Marktes, der von ihm als schwarzem Autor das „authentische Ghetto-Trauma“ verlangt. Aber er verkauft keine Bücher.
Als dann Juanita Mae Jenkins mit ihrem Roman We's Lives in Da Ghetto einen Millionenerfolg landet, dreht Monk durch. Er schreibt, in weißer Wut und bitterem Sarkasmus, eine Parodie des Genres: My Pafology, später unter dem Pseudonym Stagg R. Leigh als Fuck veröffentlicht – und das Buch wird ein Bestseller.
Everett konstruiert hier ein Dilemma von existenzieller Wucht: Was passiert, wenn man als Individuum existieren will, die Welt einen aber nur als Repräsentanten einer Gruppe wahrnimmt?
Formal schichtet Everett Tagebucheinträge, literarische Collagen und die vollständige Binnenerzählung von „My Pafology“ übereinander. Dabei spiegelt die Struktur das Zerbrechen von Monks Identität wider. Er radiert sich selbst aus, bevor die Gesellschaft es für ihn tun kann. Manche Figuren in der Rahmenhandlung bleiben allerdings Schablonen, und das Familiengeschehen trägt stellenweise zu viel symbolisches Gewicht, ohne erzählerisch vollständig ausgearbeitet zu sein. Monk selbst ist als Figur brillant konzipiert, aber emotional manchmal auf Distanz gehalten, was den Roman kühl wirken lässt, wo er treffen könnte.
Aber die intellektuelle Überlegenheit, mit der er das alles verknüpft ist schon grandios. Er fragt uns: Wer darf wessen Geschichte erzählen? Und er gibt uns keine wohlfeile Antwort. Er lässt uns allein mit unserem Unbehagen. Dass dieser Roman aus dem Jahr 2001 erst durch die Verfilmung American Fiction (2023) seine verdiente Bühne fand, ist zudem die bitterste Pointe der Geschichte.
Manchmal muss man ein Buch schreiben, das man verabscheut, um das zu sagen, was man wirklich meint. Percival Everett hat genau das getan – und für mich dabei einen der scharfsinnigsten, wütendsten und komischsten Romane der amerikanischen Gegenwartsliteratur geschaffen.
Opfer des eigenen Erfolgs
Eine der glücklichsten Fügungen in meiner Lesebiographie ist der Umstand, irgendwann über Percival Everett bzw. sein Werk gestolpert zu sein. Während sein neues Werk „Ausradiert“ schon auf Lektüre wartete, stolperte ich über einen Film, den ich abgebrochen habe, als mir bewusst wurde, dass es sich um die Verfilmung eben dieses Titels handelte. Hat der Abbruch gelohnt?
Thelonious Ellison ist Schriftsteller, und zwar ein ziemlich erfolgloser, was er auf zwei Umstände schiebt: seinen literarischen Anspruch (schließlich ist er auch Literaturprofessor) und seine Hautfarbe. Mit letzterer funktionieren wohl nur „typisch schwarze Bücher“ mit einfacher Sprache und klischeehafter „Nichthandlung“. Kurzerhand schreibt er genau so eines – unter Pseudonym und wird gefeiert. Doch damit beginnen die Probleme in Thelonious‘ Leben erst so richtig …
Spontan kann einem bei der Geschichte der Sinnspruch „Überlege gut, was du dir wünschst – es könnte in Erfüllung gehen“ in den Sinn kommen. Damit träfe man Teile des Buches schon gut, würde ihm aber noch nicht gerecht, denn so einfach ist es bei Everett nicht (natürlich kam die Frage auf, ob der Roman autobiographische Züge trägt). Thelonious kommt auch in seiner Familie eine Sonderrolle zu, ist er doch das einzige Kind, das nicht in die väterlichen Fußstapfen trat. Als er feststellt, dass seine Mutter unter Demenz leidet und seine Geschwister (nennen wir es, ohne zu viel vorwegzunehmen) „ausfallen“, kümmert er sich. Nur eine Erschwernis auf seinem Weg zum literarischen Olymp – den er sich selbst ebnen könnte, schließlich sitzt er in der Jury, die über das Werk seines Pseudonyms entscheidet. Doch all das (an sich schon Geschichten Füllende) ist nur die oberflächliche Handlung, auf der Everett um den Literaturbetrieb, die Rolle der Schwarzen, kulturelle Aneignung und so vieles mehr (Demenz, Rolle in der Familie, Homosexualität) kreist. Dabei legt er den Finger in so viele Wunden gleichzeitig, dass man meinen sollte, dass die Lektüre schmerzt. Au contraire … Everett erzählt mit einer Leichtigkeit, dass man manchmal nicht einmal bemerkt, wie tief seine Kritik reicht, und die Szenen, in denen Thelonious sich vor der Öffentlichkeit zu verstecken versucht, damit sein „Doppelleben“ nicht auffliegt, sind streckenweise gar brüllend komisch. An anderen Stellen bleibt einem das Lachen im Halse stecken. So geht Satire … Wenngleich die Sprache (gerade im unter Pseudonym geschriebenen „My Pafology“) sehr derb wird, geht sich das hier aus, weil Everett wohl zeigen will, wie klischeehaft wir denken und uns den Spiegel vorhält (etwa auch, wie viel wir für Erfolg opfern würden). Kleine Längen gibt es (Fliegenfischen, Holzarbeiten, deren Sinn für die Handlung sich mir nicht so recht erschlossen hat, aber vielleicht waren das nur Momente, die Thelonius nicht abgehoben scheinen lassen sollen), nichtsdestotrotz werden die 4,5 Sterne aufgerundet und demnächst geschaut, wie gut der Film die Vorlage umsetzt.
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