Wohin ihre Flügel sie tragen
Roman
von Susie Finkbeiner
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Erscheinungstermin 19.01.2026 | Archivierungsdatum 07.01.2026
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Zum Inhalt
1975: Die vierjährige Minh wird durch eine Hilfsorganisation aus dem vom Krieg erschütterten Vietnam in eine neue Welt gebracht – nach Amerika, wo Linda und Bruce sie voller Liebe aufnehmen. Als...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | E-Book |
| ISBN | 9783961227303 |
| PREIS | 16,99 € (EUR) |
| SEITEN | 352 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Zwischen zwei Welten und einem Zuhause
Eine ruhige Geschichte über Adoption, Herkunft und Familie
Im Mittelpunkt steht ein vietnamesisches Mädchen, das in den siebziger Jahren in den USA ein neues Zuhause findet. Die Geschichte spielt in einer Zeit, die vom Vietnamkrieg geprägt ist, und zeigt die Umstände, unter denen viele Kinder ihre Herkunft hinter sich lassen mussten.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, was der Geschichte spürbare Tiefe verleiht. Neben Minh stehen ihre Adoptiveltern Linda und Bruce im Fokus. Die Familie Matthews wächst nicht durch große Ereignisse zusammen, sondern durch Alltag, Verlässlichkeit und gegenseitige Achtung.
Mit der Zeit treten neue Fragen in den Vordergrund. Aus dem Kind wird eine junge Frau, die über ihre Herkunft nachdenkt und begreift, was sie geprägt hat. Der Wunsch, ihre eigene Geschichte zu verstehen, entwickelt sich langsam und nachvollziehbar, und die Entscheidung, sich auf die Suche nach ihren Wurzeln zu begeben, wirkt natürlich und stimmig.
Auch die Perspektive der Adoptiveltern erhält viel Raum. Ihre Liebe zeigt sich in Fürsorge, Geduld und im Aushalten von Unsicherheit. Als Minh ihren eigenen Weg geht, wird deutlich, wie schwer Loslassen sein kann, selbst wenn man weiß, dass es richtig ist.
Der historische Rahmen bleibt stets präsent. Die Evakuierungsaktion "Operation Babylift", bei der zahlreiche Kinder Vietnam verließen, bildet einen stillen Hintergrund der Geschichte. Sie wird nicht erklärt oder ausgeschmückt, wirkt jedoch nach und prägt die Lebenswege der Figuren auf unaufdringliche Weise.
Der Schreibstil ist klar, ruhig und unaufdringlich. Gefühle entstehen aus Situationen und Begegnungen, nicht aus erklärenden Passagen. Manche Abschnitte sind bewusst schlicht gehalten, was der Geschichte gut tut. Stellenweise hätte die Erzählung etwas mehr Spannung vertragen, doch der Fokus liegt klar auf den inneren Entwicklungen der Figuren.
Am Ende zeigt die Geschichte, dass Liebe nicht an Nähe gebunden ist und dass Vertrauen manchmal bedeutet, einen Menschen gehen zu lassen, ohne ihn zu verlieren.
4 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Der Titel des Buches erweist sich als äußerst treffend und gewinnt durch das Nachwort der Autorin eine besondere Tiefe. Dort heißt es, dass „Lob und Dank unserem Vater gebühren, der uns sieht, wenn wir fliegen, der sich um uns sorgt, wenn wir fallen und der jederzeit seine Hand über uns hält“. Dieser Gedanke zieht sich spürbar durch den gesamten Roman und prägt seine warmherzige, hoffnungsvolle Atmosphäre.
Die Geschichte wird aus drei Perspektiven und klar voneinander abgegrenzten Zeitebenen erzählt. Linda berichtet aus der Sicht als Mutter im Jahr 1975, als die Familie durch die Adoption der kleinen Vietnamesin Minh – liebevoll Mindy genannt – im Rahmen der Operation Babylift wächst. Kinder wurden damals aus der Gefahrenzone des Vietnamkriegs in die USA gebracht, um dort ein neues Zuhause zu finden.
Sonny, die Tochter von Bruce und Linda, erzählt aus der Perspektive ihrer Jugend im Jahr 1988. Ihre Kapitel spiegeln das Aufwachsen der Halbschwestern wider: erste Verliebtheit, familiäre Veränderungen, Unsicherheiten und Reibungen, aber auch Zusammenhalt und Ehrlichkeit. Vater Bruce ergänzt die Geschichte aus der Gegenwart, verbunden mit Rückblicken, die das Erlebte einordnen und vertiefen.
Anfangs erfordern die zeitlichen Sprünge etwas Aufmerksamkeit, bis man sich in die familiären Abläufe, Sorgen, Ängste und auch die Vorurteile von außen eingelesen hat. Ist dieser Überblick jedoch gewonnen, entfaltet die Geschichte ihre volle emotionale Wirkung.
Durch die persönliche Erzählweise wirken die beschriebenen Emotionen besonders intensiv. Vor allem Vater Bruce schließt man schnell ins Herz: Seine liebevolle, offene Art, seine Bereitschaft, Gefühle zu zeigen, und sein aufrichtiges Bemühen, für jedes Familienmitglied da zu sein, verleihen der Geschichte große Authentizität.
Beeindruckend ist zudem der Umgang der Familie mit Mindy. Ob Sonnys direkte, manchmal dickköpfige Ehrlichkeit oder die Eltern, die sich ihren eigenen Ängsten stellen und ihre Adoptivtochter nicht nur beim Aufwachsen, sondern auch bei ihrem späteren Wunsch, nach ihrer Herkunftsfamilie zu suchen, unterstützen – stets stehen Annahme, Offenheit und Zuhören im Mittelpunkt.
Die Geschichte entwickelt sich anders als erwartet: emotional, stellenweise sehr berührend, zugleich aber auch mit leichten und humorvollen Momenten. Einige im Klappentext angekündigte Aspekte bleiben vergleichsweise knapp, sodass das Ende offen wirkt und Raum für eigene Gedanken oder eine mögliche Fortsetzung lässt.
Der christliche Glaube ist dezent, aber bewusst in die Handlung eingeflochten. Besonders die Hinweise auf Gottes Güte, seine Liebe zu allen Menschen und die Botschaft, dass Herkunft keinen Unterschied im Wert eines Menschen macht, fügen sich stimmig ein.
Insgesamt ist es ein lesenswertes Buch, auch wenn stellenweise mehr Tiefe oder Spannung möglich gewesen wäre und bekannte familiäre Entwicklungen teilweise vorweggenommen werden. Zurück bleibt jedoch eine berührende Geschichte über Familie, Vertrauen und das Wissen, gesehen und gehalten zu sein.
Die vierjährige Minh wird durch eine Hilfsorganisation, 1975, aus dem vom Krieg erschütterten Vietnam in eine neue Welt gebracht. Zu Linda und Bruce, in Amerika, die sie voller Liebe aufnehmen. Als Erwachsene fasst sie den Entschluss, auf die Suche nach ihren Wurzeln zu gehen. Man liest eine zutiefst bewegende Geschichte über Familie, Identität und die heilende Kraft der Liebe, die stark genug ist, loszulassen und dennoch zu verbinden. Die Geschichte entfaltet sich mit einer sanften Intensität, die lange nachklingt, weil sie nicht nur von Verlust und Sehnsucht erzählt, sondern auch von der heilenden Kraft bedingungsloser Liebe. Mich hat das Lesen sehr schnell in den Bann gezogen. Die Adoptiveltern sind keine idealisierten Figuren, sondern Menschen, die ihre eigenen Unsicherheiten haben, Fehler machen, aber zutiefst lieben. Ihre Beziehung zu Minh ist das emotionale Herzstück des Romans. Susie Finkbeiner zeigt auf, wie Adoption sowohl ein Geschenk als auch eine lebenslange Herausforderung sein kann, für alle Beteiligten. Meiner Meinung nach ein Roman, der mit grosser Empathie erzählt, was es bedeutet, zwischen zwei Welten zu stehen und wie Liebe Brücken bauen kann, selbst über Ozeane hinweg. Für mich auch ein stilles, warmes, zutiefst menschliches Buch, das lange nachhallt. Dieses Buch kann ich sehr empfehlen.
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