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Grüne Welle
von Esther Schüttpelz
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Erscheinungstermin 25.02.2026 | Archivierungsdatum N/A
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Zum Inhalt
Nach dem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin setzt sich eine Frau in ihr Auto und fährt heim – bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt. Sie verpasst Ausfahrt um Ausfahrt, entfernt sich immer weiter von ihrem Zuhause, wo ihr Mann auf sie wartet. Nach einer ganzen Nacht und dem folgenden Tag wird klar: Vielleicht wäre es besser, wenn sie nie wieder zu ihm zurückkehren würde. Denn so unheimlich die Finsternis der Landstraßen und Tankstellen auch ist, die wahre Gefahr lauert dort auf sie.
Nach dem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin setzt sich eine Frau in ihr Auto und fährt heim – bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt. Sie verpasst Ausfahrt um Ausfahrt, entfernt sich immer...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | E-Book |
| ISBN | 9783257616132 |
| PREIS | 21,99 € (EUR) |
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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Weiterfahren oder umkehren?
„Grüne Welle“ von Esther Schüttpelz hatte mich vom Klappentext her stark angesprochen.
Das Buch handelt von einer (zunächst) namenlosen Frau, die nach dem gemeinsamen Kinobesuch mit ihrer besten Freundin auf der Heimfahrt mit dem Auto durch eine Umleitung vom Weg abkommt. Sie verpasst eine Ausfahrt nach der anderen und fährt immer weiter, entfernt sich immer weiter von ihrem Heim und ihrem Mann, der dort auf sie wartet. Und mit jeder Seite wird klarer, dass dort auch eine Gefahr auf sie wartet.
„Wie konnte mir das passieren, fragte die Frau sich jetzt, und sie fragte sich das tatsächlich zum ersten Mal. Was habe ich getan, und warum und womit habe ich das verdient? Den letzten Teil ihrer Frage nahm sie zurück, der war ihr zu blöd, denn natürlich wusste die Frau, dass es nichts brachte zu fragen, womit man irgendetwas verdient oder nicht verdient hatte. Was also habe ich getan und wieso? Die Frau merkte gleich, dass es für diesen Moment genug war, die Frage zu stellen, allein ihr Aussprechen sie in einen Zustand größten Selbstmitleids katapultierte, in dem sie unmöglich imstande sein würde, auch noch eine Antwort zu finden. Sie hatte sich noch nie als so etwas Kleines, Liebenswürdiges wahrgenommen wie ein Reh. Vielleicht war das einer der Gründe dafür, dass man sie auch nie so behandelt hatte, dass sie auf die ersten Gewaltakte mit aus jetziger Sicht gespenstischer Gleichgültigkeit reagiert hatte. Nein, dachte die Frau, ich habe immer gewusst, dass die Schläge, die Tritte, der Würgegriff – ihr wurde auf einmal ganz eng in der Brust –, dass das alles nicht richtig ist, dass ich das nicht verdient habe, weil es niemand verdient hat, aber was hat das schon zu bedeuten? Man kriegt eben nicht immer nur, was man verdient.“
Im Laufe der ziellosen Autofahrt sammelt die Protagonistin zwei junge Anhalterinnen auf und muss sich zudem fragen, ob es nicht besser wären, nie wieder zu ihrem Mann zurückzukehren … aber wird sie es schaffen, einfach immer weiterzufahren und neu anzufangen?
„Wo sollte sie denn bitte schön hin? Eine pathetische Künstlerin, die rote Töne in Rahmen malt, weil sie nicht ausdrücken kann, was sie eigentlich sagen will?
‚Du gehst nirgendwohin!‘, hörte die Frau eine vertraute Stimme in ihrem Inneren zu sich sagen.
Wie sollte sie jemals irgendjemandem alles erzählen, und wie sollte sie es ertragen, alles für sich zu behalten? Die Frau fühlte sich vollkommen ausgebrannt. Der Effekt von Durst, Hunger und Müdigkeit machte sich bemerkbar. Sie zitterte und hätte nicht sagen können, ob es sich dabei um eine psychische oder physische Reaktion handelte. Es war alles eine riesige Katastrophe. Sie hätte nie wegfahren sollen.
Es wird für das alles schon irgendeine Erklärung geben, dachte die Frau vage. Vor allem aber dachte sie an ihr Bett, warm und vertraut, und an den tiefen Schlaf, den sie schlafen würde, wenn sie erst einmal wieder zu Hause war. Zu Hause. Der Stau hatte sich aufgelöst. Die Frau drückte fest auf das Gaspedal. Was soll’s, dachte sie, und was sollte schon jemals etwas. Sie war eine Künstlerin und eine Frau. Eine sensible Seele. Da musste man eben Abstriche machen. Dinge in Kauf nehmen. Sich seinen Weg bahnen. Ihr Weg führte zurück nach Hause.“
Puh, gerade auf den ersten Seiten fand ich den Schreibstil wahnsinnig anstrengend zu lesen!
Sehr, sehr lange Sätze, „Wurmsätze“; der Satzbau anspruchsvoll bis schwer zugänglich.
Fast hätte ich das Buch gleich wieder abgebrochen, das gebe ich zu.
Dann war ich aber doch neugierig, wie die Geschichte weitergeht.
Am Ende des Buchs bleibe ich etwas zwiegespalten zurück. Das Buch ist ungewöhnlich, es war eine interessante Leseerfahrung. Dabei ist die Umsetzung des Themas mal was ganz anderes, konnte mich persönlich jedoch nur bedingt abholen. Mir fehlte es hier ein wenig an Emotionalität. Ich vergebe 3 von 5 Sternen
Herzlichen Dank an den dtv Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!
Rezensent*in 861419
Interessantes Motiv mit einigen Leerstellen;
Das Motiv dieses Romans hat mich direkt angesprochen. Eine spontane Fahrt, zufällig getriggert durch eine grüne Welle der nächtlichen Ampeln, das finde ich ein charmantes Thema, das so viele Möglichkeiten bietet. Hier flüchtet eine namenlose Frau, die kurz zuvor ihre namenlose Freundin getroffen hat. Der Ehemann wird als Fluchtgrund angedeutet, aber mir blieb zu viel zu schwammig. Auch das Namenlose und die Verortung der Handlung in einer unbenannten Region war auf Dauer etwas sperrig zu lesen. Man könnte denken, dass diese Details unwichtig sind und der Fokus auf den Gedanken und Emotionen der Protagonistin liegen soll und von der Autorin deshalb so gewählt wurde. Der Schreibstil ist angenehm und gut zu lesen. Mich hat dieses Stilmittel nicht so richtig abgeholt. Die Handlung, Gedanken und Emotionen der Charaktere, vor allem der Hauptfigur, fand ich in ihrer Zerrissenheit sehr gelungen und glaubhaft geschildert. Ich fand den Beginn spannend, das Ende allerdings etwas enttäuschend. Es gab einige Leerstellen, die man noch hätte füllen können und die das Ganze abgerundet hätten. Das Motiv hat ein großes Potenzial, das nur teilweise genutzt wurde.
Buchhändler*in 920508
Eine kurze Flucht nach einem Kinobesuch, ausgelöst durch die fehlende rote Ampel, an deren Stelle man sich orientieren könnte. Die Frau fährt einfach ins Ungewisse, mitten in der Nacht, und währenddessen erfährt man etwas über ihr Leben und ihre Ehe, und die Gewalt zuhause.
Kurz, eindrucksvoll, und voller Hoffnung auf die Solidarität der besten Freundin.
Eindrucksvolle Geschichte einer Frau, die eine Flucht antritt, die sie nicht nur von ihrem gewalttätigen Mann schützt. Sie findet auch wieder ins Leben zurück.
Buchhändler*in 406819
Sehr besonders. Unkonventionell erzählt. Man kann sich dem Sog nicht entziehen, von grüner Ampel zu grüner Ampel fährt man mit. Vieles wird nur angedeutet, bleibt vage und uneindeutig. Ich mochte es wirklich, breit empfehlen kann ich es in der Buchhandlung allerdings leider nicht.
Maria H, Rezensent*in
Das Cover passt gut zum Titel und der Inhalt der Geschichte. Eine Frau, die nach einem Kinobesuch nicht nach Hause fährt, sondern eine Autofahrt ohne Ziel unternimmt. Als Leser begleiten wir die Frau auf ihrer Fahrt und lernen so ihr Leben kennen. Zu Anfang spürt man direkt, wie sie auf der Flucht ist. Dies kommt durch den Schreibstil der Autorin sehr gut rüber. Dann der Unfall mit dem Reh, der dann der Anlass ist, dass die Frau ihr derzeitiges Leben reflektiert. Mehr möchte ich nicht zum Inhalt schreiben. Das Buch lohnt sich auf jeden Fall zu lesen und daher empfehle ich es sehr gerne weiter.
Die titelgebende „Grüne Welle“ bedeutet genau das, was man als erstes damit assoziiert. Fahren, ohne anzuhalten. Kein Hindernis, keine Begrenzung – kein Rahmen. Gerade diese vermeintliche Monotonie führt zu einer intensiven Erfahrung, für Protagonisten wie Leser gleichermaßen. Die Emotionen kommen und gehen. Ebenfalls wellenartig ergießen sich positive wie negative Gefühle. Zumeist ohne Ankündigung und mit einer Wucht, durch die ansatzweise deutlich wird, wieviel sich im Inneren der Frau angestaut haben muss.
Das Werk kommt mit wenigen Personen und noch weniger Namen aus. Es geht auch gar nicht darum wie die Frau oder ihre Freundin oder ihr Mann heißen. Sie sind in gewisser Weise jeder und jede. Durch die gewählte Perspektive und den dann doch wieder eng gefassten Rahmen des Geschehens, wird der Fokus sehr deutlich gelegt. Es gibt wenig, das ablenkt, denn ebenso unwichtig wie die Namen der Protagonisten, so irrelevant ist auch die Strecke, die hier zurückgelegt wird.
Hin und wieder gibt es Sequenzen, die sich abseits dieser Strecke ereignen, aber doch immer in Sichtweite. Häufig stellt sich hier unterschwellig die Frage nach der Richtung, die nach einer kurzen Rast eingeschlagen wird. Hochkonzentriert verfolgt der Leser jede Zeile, jedes Wort, um mögliche Knack- oder vielleicht sogar Wendepunkte nicht zu verpassen. Gleichzeitig driften die Gedanken aber auch zu Ereignissen das eigene Leben betreffend, man wird selbst zur Hauptfigur des Buchs.
Mit Sicherheit eine Lektüre, die polarisieren wird. In jedem Fall aber ein unglaublich bildgewaltiges Werk, trotz kaum erkennbarer Licht- und Farbquellen, ebenso wie der klaren Begrenzung des Handlungsortes. Eine Geschichte über Aus- und Aufbruch auf vielen unterschiedlichen Ebenen.
Ich war am Anfang sehr neugierig auf die Geschichte, doch fand ich den Schreibstil zunehmend nervig. Sollte es ein Stilmittel sein, dass sich immer wieder Wörter in sich folgenden Sätzen wiederholen? Falls ja, habe ich das nicht nachvollziehen können. Schlimm wäre es, wenn das Buch schlecht lektoriert wurde.
Ich hatte nach der Hälfte des Buches keine Lust mehr, das Buch zu Ende zu lesen.
Norbert W, Buchhändler*in
Ich habe mich während der gesamten Zeit gefragt, was der Sinn dieses Buches ist. Halbgare Gedanken von unfertigen Figuren, die ständige Anwendung und Wiederholung von Klischees und zudem die baldige Gewissheit, zu wissen, wie und wo diese Geschichte endet.
Ich war selten so gelangweilt.
Simone F, Rezensent*in
Die Ausgangslage von „Grüne Welle“ hat mich sofort neugierig gemacht – vielleicht, weil ich mich selbst recht häufig verfahre und ich dadurch schon an den abstrusesten Orten gelandet bin. Wie wäre es, einfach weiterzufahren, aus dem eigenen Leben spontan auszubrechen, ob für ein paar Tage oder für immer? Nach einem Kinoabend mit ihrer besten Freundin verfährt sich die namenlose Protagonistin an einer Umleitung und entfernt sich immer weiter von zu Hause und ihrem Ehemann. Je weiter sie fährt, desto geringer wird ihr Drang umzukehren oder ihrem Mann Bescheid zu geben, und desto mehr denkt sie über ihr Leben nach. Wie hat sie dieses entwickelt, was ist aus ihren Träumen geworden? Wer ist sie und wie will sie gesehen werden?
Frau, Freundin und Mann bleiben namenlos, auch die Landschaft, durch die die Frau fährt ist ohne Kontur, beliebig. So könnte jede und jeder überall gemeint sein und die Geschichte stellvertretend für viele Frauen an allen Orten stehen. Leider funktionieren die Figuren in diesem Roman für mich nicht. Zu klischeehaft werden die empfindsamen und verpeilten Künstlerinnen und der gewalttätige, Kunst nur nach dem materiellen Wert beurteilende, schon äußerlich abstoßende Ehemann gezeichnet, der natürlich Anwalt ist. Die Freundin der Frau, die sich als eine urbane Künstlerin sieht, blickt abfällig auf das Leben in einer Kleinstadt und ihre Bewohner. Die Karriere der Frau, einst ein aufstrebendes, vielversprechendes künstlerisches Talent, geriet vor Jahren ins Stocken, latent ist auch daran der Mann Schuld. Das ist mir zu einfach und zu holzschnittartig, es fehlt jegliche Ambivalenz. Dies hat zur Folge, dass mir alle drei fremd bleiben und immer unsympathischer werden, bis mir am Ende nahezu gleichgültig ist, was mit ihnen passiert. Die Gedanken und Emotionen der Frau, die über ihr Leben reflektiert, empfand ich auch nicht als besonders überraschend oder tiefgründig. So bleibt für mich am Ende vor allem Ernüchterung, da das Thema so viel Potential geboten hätte, das in meinen Augen leider nicht genutzt wurde.
"Es kam ihr vor, als schaltete innerlich eine Ampel auf Grün, deren jahrelang währende Rotphase sie bisher gar nicht bemerkt hatte."
Eines Abends gehen zwei Frauen ins Kino. Die Freundin der Frau fährt wieder nach Hause, aber für die Frau beginnt ein Roadtrip mit Folgen. Es ist nur eine Umleitung, die sie von ihrem Weg abbringt und die "Grüne Welle", die Grünphase der Ampeln, auf die sie trifft, trägt dazu bei, dass sie nicht nach Hause fährt. Vielleicht ist das auch besser so, denn der Mann, der dort auf sie wartet, ist eher kontrollierend als verständnisvoll. Passenderweise ist auch noch ihr Akku leer und so hält sie für eine lange Zeit nicht mehr an - bis ihr der Sprit ausgeht und sie notgedrungen an einer Tankstelle anhalten muss. Hier macht sie eine Begegnung, die ihr Leben verändern wird.
Ich mochte schon "Ohne mich", den Debütroman von Esther Schüttpelz, sehr, und "Grüne Welle" hat meine hohen Erwartungen definitiv noch übertroffen. Ich mochte das Rauschartige an diesem nächtlichen Roadtrip, der so atmosphärisch geschildert wird, dass man ihn sich sehr gut vorstellen konnte. Ich mochte die technische Umsetzung, den stetigen Spannungsaufbau, der auch beim Lesen für eine "Grüne Welle" sorgt.
Die Frau, von Beruf her Künstlerin, fand ich sehr interessant. Ihr Verhalten bzw. ihre Entwicklung innerhalb der Geschichte wirkte auf mich sehr nachvollziehbar und menschlich. Sprachlich fand ich es einfach herrlich, ich habe sehr viele Stellen markiert, hier noch ein Beispiel: "Wir fahren, du fährst, weiter und weiter, jetzt immer noch, weiter, und die Richtung heißt: fort."
Für mich definitiv ein Highlight!
4,5/5 Sterne
Meins war es irgendwie nicht. Habe den Sinn des Buches nicht ganz verstanden. Mochte auch die Schreibweise nicht so. Daher konnte mich diese Story nicht überzeugen obwohl ich mir viel davon versprochen habe
Anja N, Buchhändler*in
Grüne Welle
von Esther Schüttpelz
Die Idee und Thematik der Inhaltsangabe hat mich sehr angesprochen, mit der Namenlosigkeit und der anonymen Umgebung und der teilweise langen Sätzen hatte ich auf Dauer als etwas schwierig empfunden.
Nicht zu Hundertprozent mein Buch.
Christina M, Buchhändler*in
Ein Roman mit einem ungewöhnlichen Schreibstil. Die Protagonisten haben keine Namen, es gibt die Frau am Steuer, die Freundin der Frau, den Mann der Frau und zwei Anhalterinnen: die Große und die Kleine. Es gibt kaum wörtliche Rede. Wir lauschen den Gedanken der Frau. Sie fährt einfach drauflos und denkt über ihr Leben nach. Interessante Erzählweise mit Sogwirkung, denn ich musste weiterlesen auch wenn der Anfang etwas mühsam war!
Inge H, Rezensent*in
Umleitung
Grüne Welle ist ein Roman der Autorin Esther Schüttpelz.
Sie hat dem Roman einen besonderen Stil angedeihen lassen.
Die Protagonistin wird meistens als die Frau betitelt. Dann gibt es noch die Freundin der Frau und den Ehepaar der Frau. Atmosphäre.
Das gibt einen eigenartige
Nach einer Zeit habe ich mich damit abgefunden und die Frau mit Interesse begleitet.
Die Frau fährt nach einem Kinobesuch nach Hause. Durch eine Umleitung fährt sie immer weiter. Zuhause wartet wahrscheinlich ein brutaler Ehemann. Sie lässt ihre Gedanken wandern. Sie fährt immer weiter und lässt alle Abfahrten vorüber gleiten, ohne abzubiegen.
Die Autorin schildert eine Frau, die eigentlich nicht mehr zufrieden ist, die sich befreien will.
Das macht sie besonders gut.
Es geht um häusliche Gewalt und Lieblosigkeit Und um Befreiung.
Der Roman fesselt.
Nicola P, Buchhändler*in
Eine wunderbar geschriebene Geschichte über eine Frau, die nach eines Abends nicht nach Haus fährt, sondern einfach immer weiter solange die Ampeln grün sind. Dabei trifft sie interessante Menschen und denket über ihr Leben nach. Ein toller Roman!
Rezensent*in 780093
Eine gekonnt inszenierte Charakterstudie
Zunächst hatte ich das Gefühl, dass sie ein wenig verpeilt wäre. Die Frau, deren Namen man nicht kennt. Nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin fährt sie los, verpasst eine Abzweigung, auch auf der Autobahn lenkt sie ihren Golf geradeaus, versäumt Ausfahrt um Ausfahrt.
Irgendwann dann sind da zwei junge Frauen, eine Große und eine Kleine, die sie an einer Tankstelle trifft. Auch sie werden nicht weiter benannt. Die Frau wundert sich, dass es auch heute noch Anhalterinnen gibt, denn die Zeit dafür ist schon aufgrund der damaligen Vorkommnisse lange vorbei. Der Kofferraum ist schon besetzt, ihre Rucksäcke nehmen die Große und die Kleine auf ihren Schoss.
Wie entrückt kommt mir diese Geschichte vor, als ob einer einen nüchternen Blick auf die Frau und das Geschehen wirft. Eigentlich passiert nichts oder nicht viel und doch möchte man wissen, was es mit dieser Frau auf sich hat. Der Mann daheim wartet auf sie, das schimmert durch. Auch sieht die Große, die auf der Rückbank sitzt, die Frau ganz genau an. Sie spricht sie darauf an, Antwort erhält sie keine.
Das eigene Ich wahrnehmen, die Selbstreflektion einer Frau, die ihre Wirklichkeit ganz genau kennt und diese gedanklich auf dieser Fahrt durchspielt – so kommen bei mir diese Stunden im Golf der Frau an. Aus der Perspektive ihrer Gedanken, die als externer Beobachter fungieren, wird ihre Lebenswirklichkeit seziert. Es liegt an ihr, das für sie einzig Richtige aus ihrem Dasein zu machen. Nur zu oft knicken wir dabei ein, denn die eingefahrenen Bahnen zu durchbrechen – dazu braucht es Stärke und Mut.
Eine Charakterstudie, die sachlich und nüchtern das durchleuchtet, wohin das Leben uns geführt hat und was davon übrig ist. Gekonnt in Szene gesetzt, vorurteilsfrei und doch auf den Punkt gebracht. Nach den ersten Seiten, nachdem ich mich mit diesem doch ungewohnten Schreibstil angefreundet habe, mochte ich das Buch nicht mehr weglegen.
Anna v, Rezensent*in
Die Ausgangsidee von Grüne Welle hat mich sofort neugierig gemacht: Eine Frau fährt nach einem Kinobesuch nach Hause, gerät wegen einer Umleitung vom Weg ab und entfernt sich Ausfahrt um Ausfahrt immer weiter von ihrem Leben. Das kippt nicht in Action oder Thriller-Spannung, sondern in etwas Ungewisses: ein langsames Verirren, bei dem man sich fragt, ob sie überhaupt noch zurück will.
Genau das hatte für mich auch das Potenzial: ein Sog aus Orientierungslosigkeit, Müdigkeit, innerem Widerstand, dieses schleichende „Irgendwas stimmt hier nicht“, aber eher existenziell als gefährlich. Leider hat mich das Buch trotzdem kaum gepackt. Das Unterwegssein wirkt oft repetitiv, ohne dass sich daraus wirklich ein dichter innerer Druck entwickelt. Ich habe ständig darauf gewartet, dass dieses Ungewisse emotional stärker zuschnappt: dass sich das Verirren nicht nur räumlich, sondern auch psychologisch spürbarer zuspitzt.
Die Idee, dass das Entscheidende gar nicht auf der Straße liegt, sondern in dem, was zu Hause wartet, fand ich grundsätzlich spannend. Aber auch da blieb mir zu vieles zu vage oder zu wenig zugespitzt, um wirklich nachzuhallen. Am Ende war es für mich eher ein Text, der etwas andeutet, als einer, der mich konsequent hineinzieht.
Unterm Strich: Ein starkes Setup und ein Thema mit Wucht, aber für meinen Geschmack zu wenig Tempo, zu wenig Sog, zu wenig „Ich muss jetzt weiterlesen“. Gute Idee, aber leider nicht so packend, wie ich es mir erhofft hatte.
Buchhändler*in 1040445
Mit ihrem ersten Buch konnte die Autorin mich sehr begeistern, weshalb ich erwartungsvoll auf diesen Titel gewartet habe.
Nach einem Kinobesuch steigt eine Frau in ihr Auto und fährt los. Nicht etwa nach Hause, sondern immer weiter, bis sie ihre Heimatstadt weit hinter sich zurück lässt. Je weiter sie sich entfernt, desto greifbarer wird der Gedanke nicht zurückzukehren.
Esther Schüttpelz gelingt ein gutes Buch, das in seinen doch wenigen Seiten eine wichtige und aktuelle Thematik verbirgt. Es ist ein Roman über Abhängigkeit, Angst und die stille Gewalt vertrauter Beziehungen.
Für mich bleibt "Grüne Welle" jedoch hinter ihrem ersten Roman zurück.
Einige Passagen empfand ich als langatmig, weshalb sich bei mir die Begeisterung etwas in Grenzen hält.
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