Zsömle ist weg
Roman | Nobelpreis für Literatur 2025
von László Krasznahorkai
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Erscheinungstermin 10.12.2025 | Archivierungsdatum 08.02.2026
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Zum Inhalt
»Zsömle trage er im Herzen« – der neue Roman des Literaturnobelpreisträgers
In »Zsömle ist weg« überrascht László Krasznahorkai mit einem Roman voll milder Melancholie, sarkastischem Humor und großer Seltsamkeit.
Wer vor der Politik flieht, den sucht sie heim. Onkel Józsi hat alles getan, um vor den Augen der Welt zu verschwinden, seine Familie und seine Herkunft hat er geheim gehalten: Er ist Spross einer jahrhundertealten Adelslinie, die auf verschlungenen Wegen bis Dschingis Khan zurückreicht. Sogar Anspruch auf den ungarischen Thron könnte er erheben, aber er will sich nicht in die Politik einmischen und lebt, wie alle seine Vorfahren, im Verborgenen.
Bis er von einer merkwürdigen Schar vermeintlicher Anhänger aufgespürt wird – von unverbesserlichen Monarchisten und verschrobenen Archivaren. Mit Ungarn gehe es bergab, der Glanz sei dahin, alles sei verloren, da sind sich alle einig. Als sie ihre Pläne enthüllen, zerreißt das Gespinst. Die Nähte des Lebens sind verschlissen, die Gedanken jagen sich im Kreis, das Glück gibt es nur noch retrospektiv. Bleibt nur die Flucht …
In seiner episch-melodischen Sprache, die sich dem Schlusspunkt verweigert und wie ein fließender Strom voranschreitet, erzählt László Krasznahorkai in »Zsömle ist weg«, seinem neuen Roman, die Geschichte eines geheimen Thronfolgers, der im politischen Wirrwarr der ungarischen Gegenwart für stabile Verhältnisse sorgen soll – und der nicht bereit ist, diese Verantwortung zu übernehmen.
»Zsömle trage er im Herzen« – der neue Roman des Literaturnobelpreisträgers
In »Zsömle ist weg« überrascht László Krasznahorkai mit einem Roman voll milder Melancholie, sarkastischem Humor und großer...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783103976670 |
| PREIS | 25,00 € (EUR) |
| SEITEN | 304 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Rezensent*in 427080
Ein König und sein Hund
Zsömle ist weg ist der neue Roman des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers.
Die Grundidee ist absurd, daher lese ich den Roman als Satire.
Ein alter Mann mit angeblich adligen Wurzeln wird als rechtmäßigen König von Ungarn angesehen und eine Schar von extremistischen Leuten wünschen ihn sich auf den Thron.
Aus deutscher Sicht habe ich nicht gerade viel übrig für fehlgeleiteten Adel, die mit Hilfe von Reichsbürgern den Umsturz anstreben um an die Macht zu kommen. Das wünscht man nicht einmal Ungarn. Doch Krasznahorkai ist ein kluger Autor und weiß, mit der Idee literarisch zu spielen.
Der 91jährige Möchtegern-Monarch dieses Buches ist aber eine ambivalente Figur. Er ist ein Rentner, ein ehemaliger Elektriker. Er will Onkel Joszi genannt werden. Mal gibt er sich bescheiden, mal majestätisch.
Vor allen liebt er seinen Hund Zsömle.
Eine weitere mysteriöse Figur taucht auf, der Wandermusiker Krasznahorkai. Aber diese Rolle bleibt relativ klein im Buch, ähnlich wie die der Umstürzler.
Wie von Laszlo Krasznahorkai gewohnt, gibt es lange, ausufernde Sätze, die dazu dienen einen Lesefluss zu erzeugen und aufrecht zu erhalten. Insgesamt hat auch dieses Buch wieder eine ganz spezifische Atmosphäre, die Krasznahorkai-typisch ist. Und mit Onkel Joszi hat der Autor eine tragikomische Figur geschaffen, die den Leser nicht kalt lässt.
Uwe S, Journalist*in
In den Jahren 1920 bis 1946 war Ungarn ein Königreich ohne König. Die im Oktober 1918 aufgelöste Monarchie hatte man im Februar 1920 nominell wieder hergestellt. Doch der Thron blieb verwaist. Die Habsburger Herrschaft wurde per Gesetz abgesetzt, das Parlament in Budapest wählte den rechtsnationalen Politiker Miklós Horthy provisorisch zum Reichsverweser. Jenen Horthy, der später mit Hitler und Mussolini gemeinsame Sache machte. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Ungarn unter den Einfluss der Sowjetunion, die Monarchie wurde formell abgeschafft.
Soweit in groben Zügen die Vorgeschichte von „Zsömle ist weg“ von László Krasznahorkai. Der Roman erschien in Ungarn 2023, nun ist er in Deutschland das erste Buch dieses Schriftstellers, das nach der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises erscheint. Im Mittelpunkt steht ein König ohne Königreich. Ein Monarch, der keiner sein will. Zumindest am Anfang dieses seltsamen Romans. Über Jahrzehnte hat der Mann, der nur Onkel Józsi genannt werden will, seine Herkunft geheim gehalten, selbst seiner Frau gegenüber, die vor zwölf Jahren verstorben ist. Der 92-Jährige lebt allein in einem Häuschen, das eigentlich seiner Tochter und deren Mann gehört, man hat sich verkracht. Die Nachbarn gehören fast alle der slowakischen Minderheit an. Menschen, die sich allenfalls für ihren eigenen Nationalismus interessieren. Nicht für die ungarische Monarchie.
Der Adelszweig, dem Onkel Józsi angeblich entspringt, weist viel weiter als auf die Habsburger Doppelmonarchie zurück. Nämlich auf die Arpaden, die erste Herrscherfamilie Ungarns, deren Angehörige das Land von 1001 bis 1301 als Könige regierten. Über Umwege fühlt sich der greise Einsiedler sogar mit Dschingis Khan verwandt. Doch „er habe neunzehnhundertfünfundvierzig beschlossen, nichts mit der Politik zu tun zu haben, und diesen Entschluss habe er bis heute verfolgt…“
So lebt er allein, fast allein. Begleiter und Trost in melancholischen Momenten ist Zsömle, sein Hund. Das ebenfalls betagte Tier stirbt zu Beginn dieser Geschichte. Der Nachfolger heißt ebenfalls Zsömle. In der Arpaden-Dynastie begegne man schließlich auch immer denselben Namen. Plötzlich entdeckt eine verschrobene Schar von ewig Gestrigen, von Archivaren und Monarchisten, seine wahre Identität. Sie versuchen Onkel Joszi dazu zu bewegen, die dem Untergang entgegentaumelnde Republik zu retten, indem er den alten Thron, der längst nur ein Museumsstück ist, besteigt.
Den 1954 in der ethnisch bunten Kleinstadt Gyula geborenen Schriftsteller und Drehbuchautor kann man kaum als Heimatdichter klassifizieren. Zu polyglott sind die Erzählungen Krasznahorkais, der seit langem internationales Ansehen genießt. Der Wohnsitze in New York und Berlin hatte, der sich in asiatischen Ländern aufhielt, was sich in seinen Werken widerspiegelt. Bei „Zsömle ist weg“ bieten sich Vergleiche an zu „Baron Wenckheims Rückkehr“, dem Roman von 2019, in dem ein verarmter Adliger auf der Suche nach seiner alten Liebe in sein Heimatstädtchen in der Puszta zurückkommt, wo man ihn fälschlicherweise als großen Hoffnungsträger begrüßt.
Erwartungen, denen sich nun auch Onkel Joszi gegenübersieht. Langsam wächst in dem alten Mann die Überzeugung, das wirtschaftlich gebeutelte Ungarn, dessen Bewohner unter der Inflation leiden, wieder auf die Beine zu bringen. Wobei seine Vorstellungen von einer möglichen Regentschaft wenig mit unserem Verständnis von Rechtsstaat zu tun haben. Als er dann aber feststellt, dass seine Gefolgsleute ein Waffenarsenal angesammelt haben für einen bewaffneten Umsturz, verweigert sich der König. Doch längst hat der Staatsapparat die Verschwörung gewittert. Es kommt zu Massenverhaftungen und einem vor der Öffentlichkeit zum Teil verheimlichten Prozess. Statt der Krone erntet Joszi einen Platz in der Heilanstalt, eine Klinik, die es offiziell überhaupt nicht gibt.
Wer hat hier eigentlich einen in der Krone, fragt man sich bisweilen beim Lesen. Es fällt schwer, diesem Autor zu trauen angesichts der vielen satirischen, ja sarkastischen Hintergedanken. Bildet sich der Erzähler, der sich, wie das alte Menschen nicht selten tun, öfters wiederholt, das alles nur ein? Kann man wenigstens ihm vertrauen, wenn schon bei den anderen Figuren Vorsicht geboten ist, selbst bei der jungen Medizinerin, die dem Weggesperrten hilft, die er lächerlicherweise sogar heiraten will, die sich dann aber als Tochter eines Richters zu erkennen gibt? Es ist nicht einfach, Krasznahorkai auf die Schliche zu kommen. Schon allein herauszufinden, wann sich die Geschichte eigentlich zuträgt, erfordert Rechenkunst. Es ist Beginn der zweiten Amtszeit Viktor Orbáns, der als Ministerpräsident die Magyaren seit 2010 zunehmend autokratisch regiert. Ein Herrschaftsstil, von Kritikern auch „Orbánismus“ genannt und gerne mit der Monarchie verglichen.
Auch die Sprache verlangt den Lesern, wie wahrscheinlich schon der Übersetzerin Heike Flemming einige Mühe ab. Ohne Schlusspunkt, so dass jedes der elf Kapitel aus einem einzigen langen Satz besteht. Man fühlt sich als Passagier auf einem Floß im Strom der Erzählung, zwischendurch anlegen und eine Pause machen, das gestaltet sich schwierig. Genauso schwer ist die Frage zu klären, ob hier wirklich der ungesalbte König am Ruder steht, oder doch eine der vielen Nebenfiguren. Etwa ein junger Mann, der László Krasznahorkai heißt, Spitzname Laci, ein Liedermacher zur Gitarre, nicht wirklich ernst genommen von den übrigen Umstürzlern, der aber im Verborgenen wichtige Entscheidungen trifft. Oft sind es eben Menschen im Hintergrund, die die Geschichte bestimmen.
László Krasznahorkai überrascht mit einem Roman voll milder Melancholie, sarkastischem Humor und grosser Seltsamkeit. Im Zentrum steht Onkel Józsi, der sich der Welt entzieht und seine Herkunft verschleiert ein Mann, der Anspruch auf den ungarischen Thron erheben könnte, es aber nicht will. Gerade dieser Widerstand gegen die Politik macht ihn zum Ziel einer Gruppe von Monarchisten und Archivaren, die in ihm die letzte Hoffnung auf ein verlorenes Ungarn sehen. Die Gedanken jagen sich, die Zeit scheint stillzustehen, und das Glück existiert nur noch in der Rückschau. Krasznahorkai zeichnet die Begegnung zwischen Rückzug und Aufdringlichkeit als ein groteskes Schauspiel, in dem die Fäden der Geschichte sich verheddern und die Figuren in einem Netz aus Illusionen und Erinnerungen gefangen sind. Es ist ein Roman, der den Leser in einen hypnotischen Sog zieht. Man liest eine eindrückliche Geschichte über das Verschwinden von Menschen, von Ideen, von Glanz und zugleich ein bitterkomisches Panorama über die Unmöglichkeit, der Politik und der Geschichte zu entkommen. Ein Werk, das nachhallt und den Leser mit seiner eigentümlichen Mischung aus Schwere und Ironie lange begleitet. Nicht verpassen.
Buchhändler*in 1454805
Die Hauptfigur in Làszlò Krasnahorkais neuem Roman "Zsömle ist weg", der alte und schrullige Onkel Jòzsi lebt mit seinem Hund Zsömle in einem kleinen, heruntergekommenen Haus. Eigentlich erwartet er nichts mehr vom Leben, glaubt aber von sich selbst der rechtmäßige König von Ungarn zu sein. Regelmäßig besucht ihn eine Gruppe Männer die an ihn als Herrscher glaubt und einen politischen Umsturz plant.
Krasnahorkai nimmt uns in seinem melodischen und punktlosen Roman mit auf eine satirische Reise in die Abgründe manch politischer Strömungen.
Ein Sprach- und Leseerlebnis!
Anja N, Buchhändler*in
Zsömle ist weg
Roman | Nobelpreis für Literatur 2025
von László Krasznahorkai
Besonders, eigenwillig, lesenswert!
Eine Lektüre die mich begeistert hat.
Zsömle heißen die jeweiligen Hunde, und ihr Herr heißt Jozsef Kada, ein 91jähriger Rentner. Über die Anlehnung an Josef K. aus Kafkas Roman „Der Prozess“ kann sich der Leser seine Gedanken machen. Joszef Kada wohnt auf dem Lande, oberhalb eines kleinen Dorfes, und er liebt den Blick von seiner Terrasse auf die Landschaft und seinen Kaffee. Von einer Kriegsverletzung hat er einen Splitter im Schädel zurückbehalten, und auch hier kann der Leser sich Gedanken machen, inwieweit diese Verletzung ursächlich ist für Joszef Kadas Überzeugung, der rechtmäßige Erbe des ungarischen Throns zu sein. Er sei der einzige lebende Erbe der Arpaden, der ersten Herrscherdynastie Ungarns.
Um Onkel Joszi, wie er sich leutselig nennen lässt, sammelt sich nun eine Gruppe von Ewig-Gestrigen auf der Suche nach einem starken Führer: Männer, die sich mit der Gegenwart nicht arrangieren können, die sich nach den vermeintlich besseren alten Zeiten zurücksehnen und Glanz und Gloria des Königreichs Umgarn wieder errichten wollen. Onkel Joszi liebt es, der Mittelpunkt dieses Kreises zu sein, und er erzählt ihnen seine Geschichten von illustren Bekanntschaften rund um die Welt, seinen Freundschaften mit amerikanischen Präsidenten, seinen Liebesbeziehungen zu Hollywood-Größen, seinen Ehren und Auszeichnungen. Auch er ist ein Ewig-Gestriger und beschwört seine Verehrung zu völkischen Künstlern. Geschmeichelt lässt er sich in die Planungen für einen Staatsstreich einspinnen.
Krasznahorkai erzählt hier eine befremdliche und groteske Geschichte, die den Leser immer wieder zum Lachen bringt, wobei ihm das Lachen aber manchmal in der Kehle stecken bleibt. Immerhin hat Onkel Joszi gute Freunde in Deutschland, wie er erzählt. Und die Entwicklung der ungarischen Demokratie unter Orban hat zwar nicht das Eruptive eines Staatsstreichs, aber dennoch ist der Abbau der Demokratie zu beobachten. Es gelingt dem Autor aber immer wieder, für Leichtigkeit und Heiterkeit zu sorgen, z. B. wenn er sich selber in dem Roman die Rolle eines verkannten Künstlers und eines unbeirrt treuen Vasallen zuweist. Diese Mischung aus Groteskem, Absurdem und Skurrilem und vor allem die unübersehbare Freude am Erzählen machen die Lektüre zu einem Vergnügen.
Krasznahorkai schreibt seinen Roman in kapitellangen Sätzen, quasi ohne Punkt und Komma. Dieses endlose Erzählen passt sicher zu den endlosen Gesprächen, die die Rückwärtsgewandten in Onkel Joszis Küche führen. Es passt auch zu den selbstverliebten Erzählungen Onkel Joszis. Aber das Erzählen wird dadurch auch sprunghaft. Bezüge wechseln, die Zeiten geraten durcheinander, Handlung und Gedanken ebenso. An einigen Stellen hätten problemlos Punkte gesetzt werden können, sodass sich mir der Sinn des Stilmittels nicht ganz erschließt.
4,5/5*
Stephanie S, Buchhändler*in
Melancholisch und seltsam - so wird das neue Buch des Literaturnobelpreisträgers Krasznhorkai beschrieben. Und es stimmt: Joszef Kada, der sich von allen nur Onkel Joszi nennen läßt, ist 91 Jahre alt und der Überzeugung, dass er der rechtmäßige Erbe des ungarischen Throns ist. Eine merkwürdige Schar von Verehrern gruppiert sich um ihn, die die ungarische Monarchie wieder errichten wollen. Bald gerät dadurch sein Leben aus den Fugen. Oder sind es nur die Phantasien eines sich verwirrenden Geistes? Krasznahorkai hat große Freude am Erzählen, die Geschichte changiert der ironischen Beschreibung der derzeitigen politischen Zustände in Ungarn und den ausschweifenden Erinnerungen eines alten Mannes, alles im stetigen Gedankenfluss, im wahrsten Sinne des Wortes ohne Punkt (Komma schon). Daher keine leichte Kost, die mich ein wenig ratlos zurückließ.