Der Friedhofswärter

Roman

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Erscheinungstermin 02.05.2024 | Archivierungsdatum 08.05.2024

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Zum Inhalt

Eine hochatmosphärische Geschichte über Freundschaft und Verrat von »einem der besten lebenden amerikanischen Autoren« (New York Times)

Blowing Rock, North Carolina, zu Beginn der 1950er Jahre. Der junge Blackburn Grant, seit seiner Kindheit von einer Polioerkrankung gezeichnet, arbeitet als einziger Friedhofswärter der kleinen Stadt in den Appalachen.

Sein Leben mit den Toten passt gut zu seiner zurückhaltenden Art, und die gelegentlichen Momente des Unbehagens bringen ihn längst nicht so aus dem Konzept wie die Gespräche mit den Bewohnern der Stadt. Doch als sein einziger Freund Jacob für den Koreakrieg eingezogen wird, bekommt Blackburn die Aufgabe, sich um dessen schwangere Frau Naomi zu kümmern.

Die sechzehnjährige, mittellose Naomi und Jacob sind seit ihrer Hochzeit, die gegen den Willen von Jacobs wohlhabenden Eltern vollzogen wurde, Ausgestoßene in Blowing Rock. Naomi und Blackburn kommen sich näher, und als Jacob im Krieg schwer verwundet wird, entsteht ein Plan, der das Leben von vielen Menschen erschüttern wird …

Eine hochatmosphärische Geschichte über Freundschaft und Verrat von »einem der besten lebenden amerikanischen Autoren« (New York Times)

Blowing Rock, North...


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Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Hardcover
ISBN 9783747206072
PREIS 24,00 € (EUR)
SEITEN 241

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Im Korea-Krieg (1950-53) erlebt Jacob Hampton in eisiger Kälte nachts auf Wache den Angriff eines Einzelkämpfers, der über das Eis des Grenzflusses in den Süden kommt. Selbst schwer verletzt, sieht er den Mann im Eis versinken. Jacob wird von Dorfbewohnern gerettet; sein linker Arm jedoch wird gelähmt bleiben. „Deine Fahrkarte nachhause“, meint der Arzt im japanischen Lazarett zu Jacob. In den Appalachen North Carolinas warten Jacobs schwangere Frau Naomi auf den Veteranen und der Konflikt mit Jacobs Eltern, die ihr einziges Kind enterbten, nachdem die beiden Minderjährigen ohne Einwilligung von Jacobs Familie geheiratet hatten. Die Hamptons, denen das Sägewerk und der Laden gehören und die daher entscheiden, wer im Ort Arbeit hat und wer nicht, werden die Beziehung zwischen Jacob und Naomi mit allen Mitteln verhindern. Wie sie das anstellen wollen, fesselt wie ein Krimi.

Schwer traumatisiert kehrt David zurück. Sein Jugendfreund Grant Blackburn hat sich in seiner Abwesenheit um Naomi gekümmert. Blackburn lebt seit seinem 16. Lebensjahr als Friedhofswärter auf dem Friedhofsgelände und versorgt äußerst respektvoll im Sinn des Wortes „Care“ die Toten und deren Gräber. So schrubbt er regelmäßig die Inschriften auf den Grabsteinen, damit sie leserlich bleiben. Blackburns Werte und seine bedachte Arbeitsweise werden schließlich den gnadenlosen Kampf um Jacob entscheiden, ein Faktor, den die Eltern Hampton offenbar unterschätzten. Da Blackburn und sein Schicksal entscheidend für den Verlauf der Geschichte sind, gibt der Klappentext m. A. zu viel über ihn preis.

Wie in einem äußerst akkurat gefertigten Mosaik treffen in Blowing Rock zahlreiche für die 50er Jahre typischen Konflikte aufeinander. Die vorschnelle Ablehnung Naomis durch Jacobs Eltern, ob Jacob studieren wird, obwohl er deutliches Talent für das Sägewerk zeigt, Neid, Hohn und Missgunst im Ort, Jacobs Kriegstrauma, das offenbar von einem WK-II-Veteranen, aber nicht therapeutisch behandelt wird, Vater-Sohn-Beziehungen, sowie generell vorschnelle Urteile, mit denen die Beteiligten sich ins Unglück stürzen. Neben Ron Rashs liebevoller Zeichnung aller Figuren hat mich besonders berührt, wie der Autor von Seite zu Seite u. a. Blackburn und Naomis Persönlichkeit auffaltet, so dass ich mich der Zwangsläufigkeit von deren Handeln nicht mehr entziehen konnte.

Ein herausragender Roman, eines meiner Jahres-Highlights - so dass ich mich frage, warum Ron Rash bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurde.

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Blowing Rock

Der Friedhofswärter von Ron Rash ist ein ruhiger, sehr amerikanischer Roman und auch sehr eindrucksvoll. Das Buch wird von der ruhigen Sprache und ganz stark von den drei jungen Protagonisten geprägt. Hinzu kommt die Umgebung, den Appalachen, in den fünfziger Jahren.
Jacob ist als Soldat in Korea, während seine Freundin Naomi schwanger ist. Sein Freund, der gesellschaftliche Außenseiter und Friedhofswärter Blackburn kümmert sich um Naomi.
Jacobs wohlhabende Eltern sind sehr gegen die aus ärmlichen Verhältnisse stammende Naomi und lehnen sie als Verlobte ihres Sohnes ab.
Es gib anfangs zwei wechselnde Abschnitte, die mit Jacob im Krieg und die zu Hause. Schließlich kehrt Jacob verletzt zurück und wird dann angelogen.
Als Leser ist man nah bei den Figuren.
Rom Rash sorgfältiger Umgang mit Sprache und Figuren sowie Dialogen ist beeindruckend.
Ron Rash ist in den USA offenbar ein sehr anerkannter Autor. Hoffentlich werden in Deutscher Übersetzung noch einige seiner Romane folgen.

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In den Fünfzigern in Amerika
1951, North Carolina. Jacob, Sohn wohlhabender Eltern, kämpft im Korea-Krieg, musste seine schwangere Frau zurücklassen. Nach seiner schweren Verwundung schmieden die Eltern einen Plan, die verhasste Schwiegertochter samt Baby von Jacob zu trennen.
Ron Rash hat seine Figuren präzise ausgearbeitet, sie gut vorstellbar beschrieben, weckt Sympathie, besonders für Blackburn, den Friedhofswärter. Der kümmert sich mit Hingabe um die Toten.
Zeitgeschichte wird einbezogen, Krieg und Kinderlähmung beeinflussen das Leben der Bewohner des kleinen Städtchens.
Eine bewegende Geschichte von Verrat, Liebe und Treue.

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Ein richtig toller Schmöker, denn genau das ist dieses Buch. Bereits die erste Seite zieht den Leser in den Bann und man kann nicht mehr aufhören zu lesen. Es ist ein Buch über Familie, Krieg, Liebe und Intrigen.
Jacob ist als 3. Kind von Cora und Daniel, die ihre zwei Mädchen bereits beerdigen mussten. Jacob ist nur ihr einziges Kind und sie hüten es wie ihren Augapfel. Heute würde man wohl Helikoptereltern sagen. Doch als Jacob Naomi kennenlernt und sich verliebt, scheinen die Eltern keine Macht mehr über ihn zu haben. Er heiratet die gerade einmal 16jährige und ein Jahr später ist sie schwanger, aber Jacob wird in den Korea -Krieg berufen. Als die Nachricht kommt, dass er schwer verletzt ist, schmieden ihre Eltern eine Intrige gegen die verhasste Schwiegertochter, natürlich nur zum Wohle des Sohnes.
Bei allem dabei und sehr ruhig ist Blackburn, der Friedhofswärter, der als Kind an Polio erkrankte und danach von den Menschen ehr gemieden wurde, weil er durch die Krankheit entstellt wurde. Aber er ist der beste Freund von Jacob und kümmert sich nach dessen Aufbruch nach Nordkorea um Naomi.
Eine beeindruckende Geschichte, die ich in einem Rutsch gelesen habe. Die Sprach ist verständlich und schafft sofort Bilder im Kopf. Man wird einfach ein einen Zog gezogen, wo man nicht mehr raus kommt. Die Figuren sind echt und lebendig dargestellt und auch die Umgebung ist sehr gut vorstellbar. Ein Buch, was es zu den Highlights des Jahres schafft.

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Umwerfend;
Der Autor war mir bisher kein Begriff, aber der interessante Buchtitel hat mich neugierig gemacht und ich wurde positiv überrascht. Der Schreibstil ist ausgesprochen angenehm und niveauvoll mit einer poetischen Unternote. Auch wenn die Geschichte in den 1950er Jahren spielt, so ist sie doch irgendwie zeitlos. Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet und die gesellschaftliche Kluft zwischen den verschiedenen Personen wird in kleinen Details in die Geschichte hinein gewoben. Der Klappentext lässt den Leser eine bestimmte Entwicklung ahnen, aber es kommt doch anders. Zwischendurch dachte ich, dass ich einen Thriller lese, weil das Buch so spannend war. Mir hat besonders gut gefallen, dass der Underdog, der Friedhofswärter Blackburn, der von vielen unterschätzt wird, sich am Ende von allen Konventionen befreit und seinen inneren Werten treu bleibt. Ich fand das Ende ausgesprochen befriedigend und die Geschichte ist insgesamt eine runde Sache. Ein tolles, lesenswertes Buch über Freundschaft, Ausgrenzung, Verschwörung, familiäre und gesellschaftliche Kontrolle und die Liebe.

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Ron Rashs neuester Roman spielt im Jahr 1951 zur Zeit des Korea-Krieges in einem kleinen Städtchen in North Carolina. Jacob Hampton, ein junger Mann aus wohlhabendem Hause, hat gegen den elterlichen Willen die mittellose Naomi geheiratet. Beide erwarten ein Kind, als Jacob seinen Einberufungsbefehl erhält. Da Jacobs Eltern jegliche Unterstützung verweigern, bittet Jacob seinen Jugendfreund Gant Blackburn, sich um Naomi und das Baby zu kümmern. Dieser ist durch die Folgen einer Polio-Erkrankung gezeichnet und arbeitet als Friedhofswärter – ein einsamer Beruf, der ihm jedoch den Umgang mit Menschen und deren unangenehme Blicke erspart. Als Jacob im Korea-Krieg schwer verwundet wird, nehmen die Ereignisse eine ungeahnte Wendung…

Mehr möchte ich zum Inhalt an dieser Stelle nicht verraten, nur so viel: Die Handlung verläuft in eine gänzlich andere Richtung, als ich anhand der Kurzbeschreibung erwartet hätte, und hat mich völlig überrascht! Ich konnte das Buch anschließend nicht mehr aus der Hand legen und habe es bis spät nachts in einem Rutsch verschlungen.

Ron Rashs Roman ist spannend wie ein Krimi und spiegelt die gesellschaftlichen Strukturen und Vorstellungen in den Südstaaten der 50er Jahre wider. Die soziale Kontrolle in der Kleinstadt ist groß, Klatsch und Tratsch blühen, und über Einfluss verfügt, wer Vermögen besitzt. Die Kinder haben ihr Leben nach den elterlichen Vorstellungen zu richten, individuelle Entfaltung und Selbstverwirklichung sind Fremdworte.

Die Handlung wird abwechselnd aus den Perspektiven von Jacob, Naomi und Blackburn erzählt, wobei Blackburns Anteil am größten ist. Dieser ist mir im Lauf der Geschichte durch seine ruhige, aufrichtige Art ganz besonders ans Herz gewachsen. Insbesondere im letzten Drittel hätte ich mir jedoch gewünscht, noch etwas mehr aus Jacobs Sicht zu erfahren. Er bleibt hier leider etwas blass, obwohl seine Entwicklung und inneren Konflikte besonders interessant gewesen wären.

Ron Rash gelingt es, eine unglaublich spannende Handlung mit einer sinnlichen, nahezu poetischen Schreibweise zu verbinden. Hierbei genügen ihm wenige Worte, um Stimmungen und Gefühle einzufangen, sein Stil ist präzise und frei von jeglichem Kitsch.

Mich hat dieses Buch wirklich begeistert, und ich würde sehr gerne noch mehr von Ron Rash lesen. Ich bin etwas erstaunt, dass bisher anscheinend keine weiteren Bücher von ihm in deutscher Übersetzung erschienen sind. Das ändert sich hoffentlich bald!

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Ron Rash schreibt über einen kleinen Ort in Nord Dakota 1951. Jacob, das einzige überlebende Kind wohlhabender Eltern, verliebt sich in die arme 16 jährige Naomi, heiratet sie und brennt mit ihr durch. Bald erwartet erwarten sie ein Kind. Dann wird er zum Koreakrieg eingezogen. Seinen Freund Blackburn bittet er, sich um seine Familie zu kümmern. Blackburn ist durch Polio beeinträchtigt, Friedhofswärter, ein Außenseiter.
Meisterhaft zeigt Rash ein Gespinst von Lügen, Erpressung, Gewalt und Ausgrenzung, aber auch die Poesie der Landschaft, Treue und Freundschaft.
Ein tolles Buch

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Blackburn Grant arbeit als Friedhofswärter in North Carolina. Als sein Freund Jacob in den 1950er Jahren in den Korea-Krieg eingezogen wird (Blackburn muss wegen einer Krankheit nicht in den Krieg) bekommt er die Aufgabe sich um Jacobs schwangere Frau zu kümmern. Naomi und Jacob haben gegen den Willen von Jacobs Eltern geheiratet und sie leben deshalb am Rande der Gesellschaft. Doch Blackburn nimmt seine Aufgabe ernst und kommt Naomi näher als gedacht. Die Geschichte erzählt in 3 unterschiedlichen Sichten: Naomi, Jacob und Blackburn. Man bekommt einen guten Eindruck über die Gesellschat zu dieser Zeit und die Atosphäre ist so gut beschrieben, dass man denkt, man ist mitten drin. Ein äußerst gelungener Roman, der einen auch nicht loslässt nachdem man ihn ausgelesen hat.

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Das Buch spielt in North Carolina zum Beginn der 50iger Jahre. Im Mittepunkt der Handlung steht Blackburn Grant, der seit seiner Kindheit an Polio erkrankt ist und den Beruf des Friedhofswärters ausübt. Als sein Freund in den Krieg eingezogen wird, soll er sich um dessen schwangere Frau kümmern, dabei kommen sich die beiden näher und die Geschichte nimmt eine überraschende Wendung. Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Es war atmosphörisch dicht mit vielschichtigen und besonderen Figuren und einem tollen Schauplatz der Handlung. Auch das Cover und der Schreibstil gefallen mir richtig gut. Ich empfehle das Buch deshalb sehr gerne weiter.

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Das Buch spiegelt eine Gesellschaft in einer Kleinstadt in den Südstaaten der USA. Hier beherrschen soziale Kontrolle, Bevormundungen und Einflussnahme der Mächtigen die Bewohner. Lügen, Ausgrenzung und Gewalt gedeihen auf nahrhaftem Boden, Individualität und Selbstverwirklichung sind nicht erwünscht.
Der Friedhofswärter, mit seinem ruhigen, einfühlsamen Wesen bildet einen Gegenpol zu den übrigen Figuren.
Er lebt Treue, Freundschaft und Loyalität.
Der Roman hat mir sehr gut gefallen!

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Hochdramatisch wird hier eine Liebesgeschichte erzählt, die unter keinem guten Stern steht, und bis zur letzten Seite - denn vorher war es wirklich unmöglich vorherzusehen wie die Geschichte ausgehen wird - habe ich gebangt und gehofft, dass es für Jacob und Naomi doch noch ein Happy End geben möge, nachdem ihr Glück von Jacobs Eltern derart torpediert wurde. Einen beträchtlichen Anteil am Verlauf des Geschehens hat der titelgebende Friedhofswärter namens Blackburn, der sich als bester Freund um Jacobs Frau kümmern soll, solange dieser im Krieg ist. Blackburn ist ein durch und durch ehrlicher Charakter, doch Naomis Nähe und der perfide Plan von Jacobs Eltern stellt seine Loyalität auf die Probe.
Selten hat mich eine Geschichte derart emotional gepackt wie diese, in der das Schicksal ein ums andere Mal unbarmherzig zuschlägt und die wahre Natur der Menschen offenbart. Mit ungewissen Erwartungen bin ich spontan in die Geschichte eingestiegen und habe mich überraschen lassen. Die Überraschung ist gelungen: für mich ist 'Der Friedhofswärter' bereits jetzt eines der besten Bücher des Jahres.

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In den 1950er Jahren in North Carolina verliebt sich Jacob, das einzige Kind vermögender Eltern mit Anfang Zwanzig in Naomi, die in der Stadt als Zimmermädchen ihr Geld verdient. Beide Schwestern sind vor Jacobs Geburt an Influenza gestorben und die Eltern von Jacob erwarten, dass er das elterliche Geschäft übernimmt.
Eine tiefe Freundschaft verbindet Jacob mit Blackburn, einem Freund aus Kindertagen. Blackburn, in frühen Jahren an Polio erkrankt und seitdem hinkend und im Gesicht entstellt, stammt aus einer einfachen Familie. Er hat es nicht einfach und bekommt Dank Jacobs Eltern einen Job als Friedhofswärter, den er sehr gewissenhaft erfüllt.
Als seine Eltern Jacob enterben, nachdem er Naomi heimlich geheiratet hat, ziehen sie in ein einfaches, renovierungsbedürftiges Haus und Naomi wird schwanger. Doch der Krieg in Korea macht den beiden einen Strich durch die Rechnung, denn Jacob wird eingezogen und verwundet dort schwer. Blackburn hilft Naomi wieder nach Tennessee zu kommen, wo ihr Vater eine Farm besitzt. Doch als Jacob traumatisiert nach Hause kommt, entwickelt Jacobs Mutter einen Plan, der die Weichen aller Beteiligten in eine andere Richtung lenkt. Sie entwickelt ein Lügengebäude und hat Angst, als es zusammenzubrechen droht.

Dieser Roman war von Anfang bis Ende lesenswert und wunderbar von Ron Rash geschrieben.

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In den 1950iger Jahren im konservativen Städtchen Blowing Rock. Das Leben scheint vorgezeichnet für den jungen Jacob. Sein Vater führt erfolgreich die Sägemühle des Ortes, seine Mutter betreibt den Lebensmittelladen, all dies soll Jacob nach seinem Schulabschluss übernehmen, sogar eine Heirat mir der Tochter eines befreundeten Unternehmerpaares ist quasi beschlossene Sache. Als Jacob mit der 16jährigen Naomi durchbrennt sind seine Eltern nicht erfreut und als er kurz darauf zum Korea Krieg eingezogen wird, ist die schwangere Naomi auf sich allein gestellt, einzig Jacobs Jugendfreund Blackburn Grant kümmert sich rührend um die junge Frau.

Ich hatte bisher noch keins der Bücher des Autors gelesen, war aber von seinem Schreibstil direkt angetan. Rash erzählt seine Geschichte sehr ruhig und unaufgeregt, fast melancholisch, aber mit so viel Tiefe und Einfühlungsvermögen, dass man direkt gefesselt ist und das Buch kaum aus der Hand legen kann. Der Autor beschreibt die Bigotterie, die verknöcherten Hierarchien in der amerikanischen Kleinstadt sehr treffend, ebenso wird der Schrecken des Korea Krieges eindrücklich dargestellt, die Ängste der Soldaten vor Ort (inklusive erlittener Kriegstraumata, die ja zur damaligen Zeit eher totgeschwiegen wurden), ebenso wie die der Familien zu Hause. Sehr deutlich wird dies zb bei der Beschreibung des Telegrammboten, den die Menschen auf der Straße meiden, weil er derjenige ist, der die schlimmen Nachrichten von der Front an die Familien überbringt (hier in der Geschichte kommt ihm dann aber noch eine ganz besondere Rolle zu), aber auch in der Art und Weise, wie Jacobs Eltern ihren Status in der Gemeinde Ausnutzen um ihre Ziele zu verfolgen, ein eingeforderter Gefallen hier, die Erinnerung an eine geleistete Hilfe dort, da ein geziehlt gestreutes Gerücht, dort eine unterschwellige Drohung.

Das Buch ist aber in erster Linie eines über das Leben. Über die Liebe, die Eltern für ihre Kinder empfinden und was sie bereit sind zu tun um diese, ihre Kinder zu beschützen. Die Liebe zwischen zwei jungen Menschen, allen Widerständen zum Trotz, die tiefe Verbundenheit zwischen zwei Freunden, ein Buch über Vertrauen, darüber, das Richtige zu tun. Das Buch liefert damit eine recht einfache Botschaft, man könnte sie sogar als banal bezeichnen - der einfache Weg ist nicht unbedingt der Richtige und es ist wichtig dir selbst treu zu bleiben.

Das Buch ist von seiner ganzen Art her keines, das man an einem strahlenden Sommertag auf der Terasse liest, es ist eher eines, mit dem man sich an einem trüben Tag auf dem Sofa einkuschelt und sich dann von der besonderen Stimmung mitnehmen lässt. Egal wo und wie, lesen sollte man es aber auf jeden Fall.

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INTRIGE AUS LIEBE - INTRIGE BLEIBT INTRIGE
Kurzmeinung: Zu konservativer Nachkriegsroman
Naomi und Jack heiraten gegen den Willen ihrer jeweiligen Eltern. Zugegeben, Naomi ist schon noch sehr jung, gerade einmal 16 Jahre alt geworden. Naomis Eltern sind arme Bauern, aber ordentlich, Jacks Eltern sind die Cracks am Ort, haben sich etwas aufgebaut, die Sägemühle, den Laden, besitzen Grundstücke und helfen den Dörflern mit zinslosen Darlehen durch schwierige Zeiten; die Leute sind ihnen verpflichtet. Deshalb sagt auch niemand etwas, als die Eltern von Jack zu unlauteren Maßnahmen greifen, um die jungen Eheleute voneinander zu trennen.

Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Die erste Hälfte des Romans „Der Friedhofswächter,“ vornehmlich aus Blackburn Gants Sicht erzählt, ist warmherzig und vermittelt das Gefühl eines Heldenepos. Denn der von der Polio gezeichnete beste Freund Jacks, der wegen seiner Verletzungen nicht in den Koreakrieg eingezogen wurde, ist ein selbstloser, aufrichtiger junger Kerl, stark wie ein Bär, aber entstellt, und soll auf die schwangere Naomi aufpassen, während Jack im Krieg ist. Das macht er auch, in allen Ehren, denn Blackburn ist ein Ehrenmann. Obwohl er natürlich Naomi liebt. Logisch. Aufrichtig und selbstlos. Der Roman beginnt jedoch mit einer Kampfszene auf einem zugefrorenen See und lässt einem den Atem gefrieren. Jack ist verletzt, aber nicht tot, wie man Naomi glauben macht. Bis hierher ist alles gut. Auch die Intrige, die die Eltern zusammen mit dem Sheriff und einigen bezahlten Hilfskräften spinnen, ist nachvollziehbar, wenn auch nicht ganz glaubwürdig.
In der zweiten Hälfte lässt der Roman freilich spürbar nach. Es gibt keinen Plot-Twist mehr und keine Zeitsprünge, die geholfen hätten, das Szenario aufzufrischen. Deshalb ist das einzige Spannungsmoment die Erwartung, wann und wie das Komplott aufgedeckt wird, mit anderen Worten, der Roman hat jetzt Längen. Und natürlich, wenn der gute Blackburn nicht gewesen wäre ...
Was hätte ich für einen Plot-Twist gegeben! Hätte doch Jack Veronika geheiratet und Blackburn Naomi – und dann nach xJahren hätten vielleicht deren Kinder die Wahrheit ans Tageslicht gebracht. Oder hätte er sich umgebracht. Oder Blackburn. Oder oder oder. Der Möglichkeiten viele. Ich hab aber nix zu sagen und der Autor hat den konservativen, etwas langweiligen steinigen Weg stetiger langsamer Aufdeckung samt Happy End gewählt. Nichts dagegen einzuwenden im Prinzip, doch die zweite Hälfte ist dadurch merklich fade geworden, ein unglaublich langsames Auslaufen, nachdem der Roman doch so schön Fahrt aufgenommen hatte.

Fazit: Einer ersten glänzenden Hälfte mit echten erzählerischen Höhepunkten folgt ein ausschweifendes Endstück ohne weitere Ideen. Schade. Es wäre so viel mehr drin gewesen. Aber immer noch gute drei Sterne.

Kategorie: Gute Unterhaltung
Verlag: ars vivendi, 2024

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Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ron Rash erzeugt mit seinen Worten großes Kino im Kopf. Dafür möchte ich an dieser Stelle auch der Übersetzerin Sigrun Arenz danken!
Zuerst ist man bei Jacob auf Nachtwache im eiskalten Korea, erlebt den Angriff auf ihn und seinen Kampf ums Überleben hautnah mit - aber in einer ruhigen Erzählweise, die das ganze Buch bestimmt. Zugleich hat man schon die erste Erinnerung an sein Zuhause, an seine schwangere junge Frau Naomi, um die sich seine Eltern nicht kümmern wollen und die Jacob deshalb seinem besten Freund Blackburn Gant anvertraut, dem Friedhofswärter.
Durch die vielen Erinnerungen der unterschiedlichen Protagonisten - Blackburn, Jacob, Naomi, Jacobs Eltern, Dr. Egan - setzt sich die ganze Geschichte wie ein Puzzle zusammen. Die Personen werden dadurch sehr lebendig.
In der Inhaltsangabe steht "Naomi und Blackburn kommen sich näher, und als Jacob im Krieg schwer verwundet wird, entsteht ein Plan, der das Leben von vielen Menschen erschüttern wird …". Das erzeugt meines Erachtens eine falsche Vorstellung, wohin sich die Handlung entwickelt. Das klingt so, als würde Blackburn seinen Freund Jacob hintergehen. Doch es sind Jacobs Eltern, die einen perfiden Plan schmieden, um endlich diese Ehe zu beenden. Dass dieser Plan so lange funktionieren kann, liegt einfach an seiner Ungeheuerlichkeit.
Es ist eine fesselnde Geschichte über den Umgang mit Trauer und Kriegstraumata, Liebe und Freundschaft.
Ich werde dieses Buch sehr gerne unseren Kunden ans Herz legen!

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Ein Roman mit einem eigenen Sound, der den Leser aber packt und bis zum Ende nicht los lässt. Ein junges Ehepaar, von den Eltern nicht akzeptiert, durch den Koreakrieg getrennt und am Ende steht ein perfider Plan, um das junge Glück zu entzweien.
Wenn Eltern wissen, was für Ihre Kinder das Beste ist, drohen, lügen und Menschen gegeneinander ausspielen, zweifelt man doch an denen,die einen angeblich lieben. Glücklicherweise gibt es noch den Friedhofswärter, der am Ende zeigt, daß Freundschaft und Güte doch noch existieren und handelt ohne an sich selbst zu denken. Eine beeindruckende Geschichte von einem tollen Erzähler über das Schicksal eines einfachen Soldaten.

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Seit es Netgalley gibt kann ich meiner Suche nach neuen Autoren in vollen Zügen nachgehen. Und immer wieder finde ich Perlen, die ich sonst nie entdeckt hätte. "Der Friedhofswärter" von Ron Rash ist so einer. Das Cover des Buches hat mich sofort angezogen. Ich liebe Romane, die in den abgelegenden Gegenden Nordamerikas spielen. Ich mag diese Menschen, die so ein ganz anderes Lebensumfeld haben und die deshalb rauer, wortkarger, spröder sind, als die glatten Juppies einer Großstadt es oft sind. Die Probleme und Sorgen sind anders. Irgendwie extenzieller, direkter.

Irgendwo in North Carolina lebt Jacob. Seine Eltern haben ihm seinen Lebensweg bereits vorgezeichnet, aber er will sein eigenes Ding machen. Er liebt ein Mädchen, die 16järige Naomi. Und als die Eltern das mißbilligen, reißen die zwei aus und heiraten heimlich. Dann wird er in den Korea Krieg eingezogen und kann erst zurückkehren, als eine schwere Verwundung ihn kriegsuntauglich macht. Was hat Naomi in der Zwischenzeit zuhause erlebt, wie sollen die Beiden durchkommen, wie ihr kleines Glück finden? Die Eltern von Jacob und die Gemeinde machen es den jungen Leuten schwer.

Das Buch hat einen ruhigen, melancholischen, warmen Ton. Ron Rash versteht es wunderbar sowohl die Gefühle seiner Figuren, als auch die Geschehnisse um sie herum so plastisch und klug zu beschreiben, dass man in der Geschichte richtigen schwelgen kann.

Ich hoffe sehr auf weitere Übersetzungen dieses tollen Autors.

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Diese Geschichte spielt in den 50er Jahren in einem kleinen Ort in North Carolina. Jacob heiratet gegen den Willen seiner Eltern die sechszehnjährige Naomi. Die Eltern von Jacob versuchen alles, die jungen Leute zu trennen. Dann wird Jacob für den Koreakrieg eingezogen und bittet seinen Freund Blackburn Grant, sich um die schwangere Naomi zu kümmern. Der zurückhaltende Blackburn ist Friedhofswärter in Blowing Rock und durch eine Poliokrankheit gezeichnet.
Mir hat diese Geschichte gut gefallen, die der Autor Ron Rash wundervoll und atmosphärisch erzählt hat. Meist wird aus der Perspektive von Blackburn erzählt.
Die Charaktere sind gut und glaubhaft dargestellt. Blackburn ist ein sympathischer junger Mann. Er liebt Naomi und soll sich dann um die werdende Mutter kümmern. Aber er ist auch Jacobs Freund. Auch Jacob liebt Naomi und hat sie geheiratet, obwohl ihm bewusst war, dass seine Eltern absolut gegen diese Verbindung sind. Er kommt schwer verwundet aus dem Krieg zurück. Jacobs Eltern tun alles, um die Beziehung von Jacob und Naomi auseinander zu bringen, denn sie hatten andere Pläne für ihren Sohn. Ihnen ist jedes Mittel recht. Sie haben Geld und nutzen die Abhängigkeit der Bewohner des Ortes
Es ist eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Liebe, Verrat und Intrigen. Ich würde gerne mehr von dem Autor lesen.

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Ein wirklich besonderer Roman über die Loyalität wahrer Freundschaft und zerstörerischen Egoismus und Hochmut einer Familie. Sprachlich gekonnt und in starken Bildern erzählt, ist dieser Roman ein echtes Kleinod.

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In einer kleinen Stadt in den Appalachen der 1950er Jahre warten die Bewohner mit Besorgnis darauf, wen das Schicksal erwischen wird: Wer von ihnen wird in den Koreakrieg geschickt? Wer wird zu seinen Freunden und Familien zurückkehren, und wen wird man das letzte Mal sehen?
Einerseits ist dies eine Geschichte über das Leben in einer Kleinstadt, über die Erwartungen der Familie und anderer, über die Manipulation durch Eltern, die das "Beste" für ihre Söhne wollen, die alt genug sind, um in den Krieg zu ziehen und zu heiraten. Es ist aber auch eine Geschichte über die Reichen und die Armen und darüber, wie auf diejenigen herabgesehen wird, die kaum über die Runden kommen. Es ist eine Geschichte über Betrug und über Liebe und über die Belastungen, die der Krieg für die Überlebenden und die wartenden Familien mit sich bringt.
Rash liefert mit diesem Roman eine fesselnde Geschichte mit sehr vielen Möglichkeiten zur Introspektive: Welche Grenzen sind wir bereit zu überschreiten für die Menschen, an denen unser Herz hängt? Und tun wir dies wirklich für sie, oder für uns selbst?

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Ein großartiges, unglaublich berührendes Buch über eine Liebe, die den Eltern des jungen Mannes überhaupt nicht passt und die alles tun, um das Paar zu trennen. Dabei macht das schon der Koreakrieg. Zurück bleibt eine junge Frau, schwanger, die in ihrer Not auf die Farm ihres Vaters zurückkehren muss.
Der beste Freund ihres Manne, der Friedhofswärter, Blackburn Gant, kümmert sich auch um sie.
Ich konnte dieses Buch gar nicht in einem Stück lesen, so sehr hat es mich berührt.
Kann ich nur jedem empfehlen, der ein tolles Leseerlebnis sucht.

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Es gibt Bücher, die ich einfach sofort wegen ihrer starken Sprache liebe. Der Friedhofswächter ist eines davon.
Die Story ist simpel, die Umsetzung stark!

Jacob Hampton hat gegen den Willen seiner Eltern ein Zimmermädchen geheiratet - Naomi, wunderschön, 16 Jahre alt, zu ihrem eigenen Kummer ohne nennenswerte Schulbildung.
Von seinen Eltern enterbt und verstoßen schafft Jacob es trotzdem, für Naomi und sich ein Heim zu errichten - und zur Verwunderung der gesamten Kleinstadt bleibt Naomi bei Jacob, auch ohne dass er vom Geld seiner reichen und in der Stadt angesehenen Eltern profitiert.
Dann wird Jacob eingezogen und muss in den Korea-Krieg.

„Diese Kälte kroch nicht nur unter die Haut. Sie schloss Finger und Füße wie in Eisen ein, brachte Zähne zum Klappern wie Glas kurz vor dem Zerspringen.“

Seine mittlerweile schwangerer junge Frau muss er zurücklassen und bittet seinen besten Freund Blackburn Gant, sich um sie zu kümmern. Dieser ist der örtliche Friedhofswärter und Totengräber; von einer Polioerkrankung durch eine einseitige Gesichtslähmung gezeichnet, als Kind von den Mitschülern verspottet und gequält, ist er ein starker und herzensguter Mensch, der zudem mehr Verstand aufweist, als alle ihm zutrauen.

„Die Toten konnten nichts tun, was die Lebenden ihm nicht bereits angetan hatten.“

Blackburn steht Naomi in Jacobs Abwesenheit zur Seite, er behauptet sich auch gegen Jacobs Vater, als dieser Naomi auf offener Straße beschimpft und beleidigt; er kümmert sich darum, dass Naomi zum Ende ihrer Schwangerschaft zu ihrem Vater und ihrer Schwester kommt, die sie - zunächst zähneknirschend - wieder bei sich auf der Farm aufnehmen, die sie wegen Jacob verlassen hatte.

„»Wenn wir dann genauso aussehen wie im Leben«, hatte Blackburn erwidert, »würde ich lieber im Dunkeln bleiben.« »Vielleicht werden wir in diesem Licht nur das Gute in den Herzen der anderen sehen können, sonst nichts«, antwortete Naomi.“

Insgesamt muss man sich in die nicht leichten Verhältnisse im ländlichen Südosten der USA Anfang der 1950er Jahre hineinversetzen - ähnlich, wie in den Geschichten von Steinbeck, auch wenn seine Geschichten in der Zeit der Großen Depression zwischen 1929 und 1941 spielen. Doch erhält man hier noch den Beigeschmack dieser Zeit und eine Idee von der Einstellung und der Lebensweise der Menschen, die häufig nur von einem Jahr zum nächsten Leben können.
Nach der Depression (Steinbeck) erfolgte der zweite Weltkrieg und nur wenige Jahre später wurden die Söhne Amerikas in den nächsten Krieg geschickt - nach Korea. Und in dieses Lebensgefühl wirft der Autor den Leser; auf der einen Seite die Farmer, die mit all ihrer Kraft und ihrem Schweiß ihre Familie und ihre Farmen über Wasser zu halten versuchten - und alle Familienmitglieder mussten einen Beitrag leisten. Schulbildung und persönliches Glück bleiben da auf der Strecke.
Auf der anderen Seite die Familien, die es geschafft haben. Ein Geschäft aufgebaut, eine gewisse Bedeutung im Ort; ihr Wort, ihre Lebensweise hat Gewicht.

Und genau zwischen diesen Leben kommen Jacob und Naomi zusammen - nicht gebilligt, von beiden Seiten; hinzu kommt dann Blackburn, der ausgestossene Gutmensch, für den Freundschaft und Gerechtigkeit alles bedeutet.

Jacob wird in Korea schwer verletzt, überlebt jedoch. Seine Eltern erhalten diese Nachricht vor Naomi und allen anderen - und sie sehen ihre Chance, die beiden doch noch zu trennen. Sie schmieden einen perfiden Plan und setzen ihn um. Dabei haben sie jedoch nicht mit der Klugheit Blackburns gerechnet und nicht mit der wahren Liebe zwischen Naomi und ihrem Sohn.

„Erniedrigung, Verlegenheit, Schuld – all das hatte er in seinem Leben schon gefühlt. Aber das hier war mehr. In diesem einen Moment, in dem in Clarkes Augen das Mitgefühl aufgeschimmert war, hatte Daniel sich geschämt.“

Der Autor hat hier - wie erwähnt - eine simple Story in große Worte gekleidet, wobei er strikt und nüchtern eine Geschichte von Liebe und Freundschaft, von Trauer und Hass erzählt.

Für mich ein weiteres Highlight in diesem Jahr.

5/5 Sterne

Ich empfehle dieses Buch jedem, der die Geschichten von Steinbeck oder auch (moderner) Woodrell u.ä. mag - aber auch jedem, der einfach gute Geschichten mag, die tiefe Charaktere beinhalten, ohne sich zu sehr zu verlieren.

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Ein wirklich außergewöhnliches Buch! Eine amerikanische Klaienstadt in den 1950ern: unvorstellbar durch welch perfides Spiel Jacobs Eltern, Ihn von seiner jungen Frau trennen. Nur seinem Freund, dem Friedhofswärter Blackburn, reicht die Aussage der Eltern nicht und er macht sich auf die Suche. Dieses ganze Szenario ist in einer Zeit von Handys und Internet kaum vorstellbar, dadurch aber noch faszinierender. Absolut lesenswert!

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Laut New York Times ist Ron Rash „einer der besten lebenden amerikanischen Autoren“. Im deutschsprachen Raum läuft er vermutlich eher als „Underdog“, seine Entdeckung lohnt sich jedoch. Sprachlich schlicht, aber mit einem guten Blick für Details erzählt er die Freundschaftsgeschichte von Jacob und Gant, wobei ersterer in den Koreakrieg eingezogen wird und zweiterem die Rolle zufällt die junge schwangere Frau seines Freundes zu unterstützen. Eine unversehens geschmiedete Intrige sorgt für einiges an Spannung und gerade die letzten Kapitel ließen sich dadurch gefühlt in einem Atemzug lesen. Ein sehr gelungener Roman, ich freue mich auf mehr von diesem Autor.

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Mein Lese-Eindruck:

Der Autor versetzt uns in die 50er Jahre, in eine ländliche Kleinstadt in den Appalachen. Das Leben dort ist geprägt von bürgerlich-konservativen Vorstellungen. Dazu gehören auch die sozialen Unterschiede zwischen Arm und Reich, zwischen den Kaufleuten im Ort und den Farmern im Umland. Aus dieser Diskrepanz bezieht der Roman einen seiner Impulse.

Jacob Hampton, der Sohn reicher und dominanter Eltern, überschreitet die Grenzen in zweierlei Hinsicht. Einmal dadurch, dass er an seiner Kinderfreundschaft mit Blackburn Gant festhält, einem Jungen, der durch Polio entstellt wurde und der daher mit Hingabe und Sorgsamkeit der eher einsamen Tätigkeit eines Friedhofwärters nachgeht. Zum anderen widersetzt er sich den konkreten Zukunftsplanungen seiner Eltern und brennt mit Naomi durch, Tochter eines armen Kleinbauern. Und da Jacobs Eltern diese Aufsässigkeit nicht tatenlos hinnehmen wollen, entwickeln sie eine abenteuerliche und nicht recht glaubwürdige Intrige, die langfristig nicht funktionieren kann und auch nicht wird. Dank Blackburn Gant.

So bündeln sich in diesem Roman mehrere Konflikte: ein Generationen-Konflikt, die positiven und negativen Auswirkungen von wirtschaftlich-finanzieller Überlegenheit, soziale Kontrolle, soziale Ausgrenzung von benachteiligten Menschen, das Schicksal von Veteranen des Korea-Kriegs, die ambivalente Liebe von Eltern und vor allem die Frage der Belastbarkeit einer Freundschaft.
Wie Ron Rash das alles erzählt, ist ein Erlebnis. Ron Rash kann einfach wunderbar erzählen, und es ist eine Freude, dass der Verlag ars vivendi endlich eine deutsche Übersetzung herausbringt.

Schon die erste Szene zeigt Rashs Erzählkunst, wenn er Jacobs Angst schildert, wie er als Soldat im Korea-Krieg Wache steht, nachts in der Kälte, nur durch einen Fluss vom Feind getrennt und sich dem plötzlichen Angriff eines Partisanen ausgesetzt sieht. Rash scheut auch nicht davor zurück, die Traumatisierung der heimgekehrten Soldaten zu erzählen.

Seine Figuren sind lebendig, mit Ecken und Kanten. Z. B. die Eltern Jacobs: sie wollen ihrem Sohn mit Enterbung und Betrug ihre eigenen Vorstellungen aufzwingen und bedrohen dazu auch andere Menschen; andererseits aber pflegen sie aufopfernd ihren traumatisierten und schwer verletzten Sohn und helfen anderen Menschen aus finanziellen Engpässen. Auch Naomi ist nicht nur die selbstlos Liebende; sie sieht in der Verbindung mit dem reichen Erben auch die Möglichkeit, endlich ihre Eitelkeit ausleben zu können. Nur Blackburn ist eindeutig gezeichnet, der einzig Aufrechte, der sich nicht auf Dauer korrumpieren lässt. Er ist und bleibt der treue Freund, der sich schließlich auch über Drohungen hinwegsetzt und die Wahrheit buchstäblich ans Licht bringt. Ihm hätten einige Ecken und Kanten auch gutgetan.
Rash erzählt langsam und eindringlich. Jedes Wort ist mit Bedacht gewählt, jeder Satz sitzt. Der reduzierte Stil bringt es mit sich, dass der Leser seine Einschätzung der Figuren ausschließlich aus deren Handeln gewinnt. Dazu verwebt der Autor immer wieder sehr kunstvoll und ohne jeden Bruch die Gegenwart mit der Vergangenheit. Dieses konzentrierte und trotzdem anschauliche Erzählen zieht den Leser so sehr in die Geschichte hinein, dass er manche Unglaubwürdigkeiten und Trivialitäten der Handlung verschmerzen kann.

Es ist mir unbegreiflich, dass ein so begnadeter Erzähler am deutschen Publikum bisher vorbeiging!

4,5/5*

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Klappentext:

„Blowing Rock, North Carolina, zu Beginn der 1950er Jahre. Der junge Blackburn Grant, seit seiner Kindheit von einer Polioerkrankung gezeichnet,

arbeitet als einziger Friedhofswärter der kleinen Stadt in den Appalachen.



Sein Leben mit den Toten passt gut zu seiner zurückhaltenden Art, und die gelegentlichen Momente des Unbehagens bringen ihn längst nicht so aus dem Konzept wie die Gespräche mit den Bewohnern der Stadt. Doch als sein einziger Freund Jacob für den Koreakrieg eingezogen wird, bekommt Blackburn die Aufgabe, sich um dessen schwangere Frau Naomi zu kümmern.



Die sechzehnjährige, mittellose Naomi und Jacob sind seit ihrer Hochzeit, die gegen den Willen von Jacobs wohlhabenden Eltern vollzogen wurde, Ausgestoßene in Blowing Rock. Naomi und Blackburn kommen sich näher, und als Jacob im Krieg schwer verwundet wird, entsteht ein Plan, der das Leben von vielen Menschen erschüttern wird …“



Es war meine erste Geschichte des Autoren Ron Rash und wohl auch nicht meine Letzte. Die Geschichte rund um Friedhofswärter Blackburn Grant erinnerte mich in einigen Zügen an die Geschichte „Als wir Vögel waren“ von A. L. Banwo.

Der Friedhofswärter Blackburn scheint seinen Seelenfrieden und seinen Schutz vor der Außenwelt auf dem Friedhof zu finden. Er kümmert sich um die Toten und sie kümmern sich um ihn. Alles geschieht mir sehr viel Respekt gegenüber den Toten selbst, aber auch mit Empathie dem Tot gegenüber. Durch seine Erkrankung ist Blackburn gestraft genug. Er ist anders als die Anderen, fällt auf und wird bewusst unbewusst ausgegrenzt. Seine komplette Art scheint eine Symbiose mit den Toten einzugehen. Beide respektieren sich so wie sie sind. Anders, aber nunmal nicht wegzureden. Beide gehören nunmal in unser Leben. Rash versucht hier eine Zeit aufzuzeigen, die nich nicht offen und reif war im Vergleich zu heute. Ob wir das selbst heute sind, darf sich jeder Leser gern selbst beantworten aber fest steht, Rash bohrt in offenen Wunden der Gesellschaft. Als dann Autor Ron Rash Naomi ins Spiel bringt, erhält alles in der Geschichte eine noch rundere Form als eh schon vorhanden. Auch ihre Lebensgeschichte ist anders als die der anderen Menschen. Und wie es das Schicksal will, führt es Blackburn und Naomi zusammen. Die Geschichte der beiden ist eindringlich und definitiv lesenswert. Der komplette Verlauf der Geschichte ist mehr als gelungen und man wird als Leser genau so neugierig wie die Bewohner aus Blowing Rock selbst. Was wird mit den Beiden geschehen? Ist es wirklich zum scheitern verurteilt? Darf man sich überhaupt so darüber äußern? Steht es einem zu sich so über Menschen zu äußern? Genau solche Fragen beleuchtet der Autor mehr als eindringlich. Mal direkt und mal indirekt zwischen den Zeilen gibt es Antworten darauf. Rash weiß wo er ansetzen muss um dass man als Leser „hinhört“ ohne dabei zu belehren oder die Geschichte in Kitsch vertriefen zu lassen. Sie kommt ohne jegliche Klischees daher und aufmerksame Leser sowie die, die gern analysieren, werden hier auf ihre Kosten kommen. Nicht umsonst ist Blackburns Berufung so speziell oder gar erst sein Vorname aber auch die, der anderen Akteure gewählt. 4,5 von 5 Sterne hierfür!

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Ich mag diese ruhige Erzählungen aus dem alten Amerika, hier war es zwischenzeitlich ordentlich harter Tobak, diese Lügen dieser Verrat, ich musst schon schlucken um weiter zu lesen.
Aber die Erzählung überzeugt.
Ron Rash ist ein guter Erzähler, aber hier noch nicht so richtig bekannt. Schade.
Es hätte alles in Kitsch umkippen können, aber es bleibt ruhig und sachlich, aber nicht ganz ohne Regung bei dem Leser, der vieles vielleicht gar nicht wissen will :-)
Auf jeden Fall reinlesen.

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