Solange es eine Heimat gibt. Erika Mann

Erika Mann

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Erscheinungstermin 21.02.2024 | Archivierungsdatum N/A

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Zum Inhalt

Ein fulminante Zeitreise ins Jahr 1949 mit Erika Mann

1949: Erika, die älteste Tochter von Katia und Thomas Mann, begleitet die Eltern nach Jahren des Exils in den USA auf ihrer Europareise. Die zweifache Verleihung des Goethe-Preises an den Vater in Deutschland steht kurz bevor, als die Familie in Stockholm die erschütternde Nachricht von Klaus Manns Freitod ereilt. Während Erika beginnt, den Nachlass des geliebten Bruders zu ordnen, erinnert sie sich – an die behütete Kindheit in München, die wilden Zwanziger in Berlin, gemeinsame Werke und die Weltreise als Mann-Twins, das Engagement gegen die Nazis im Exil.

Unda Hörner verwebt die Lebenswege der Manns und die historischen Ereignisse virtuos zu einer atmosphärisch dichten Erzählung und entfaltet ein faszinierndes zeitgeschichtliches Panorama bis ins Schicksalsjahr 1949, in dem die Teilung Deutschlands für Jahrzehnte besiegelt wird.

Für alle Fans der Jahreszahlen-Trilogie »1919 – Das Jahr der Frauen«, »1929 – Frauen im Jahr Babylon« und »1939 – Exil der Frauen«.
Ein fulminante Zeitreise ins Jahr 1949 mit Erika Mann

1949: Erika, die älteste Tochter von Katia und Thomas Mann, begleitet die Eltern nach Jahren des Exils in den...

Eine Anmerkung des Verlags

Für alle Fans der Jahreszahlen-Trilogie »1919 – Das Jahr der Frauen«, »1929 – Frauen im Jahr Babylon« und »1939 – Exil der Frauen«.
Intimer Blick hinter die Kulissen der Familie Mann.
Authentisch erzählt aus Erikas Perspektive.
Fulminante Zeitreise ins Jahr 1949.
Gründungsjubiläum – 75 Jahre Bundesrepublik Deutschland.
150. Geburtstag Thomas Mann: 6. 6. 2025.
Die Autorin steht für Lesungen zur Verfügung!

Für alle Fans der Jahreszahlen-Trilogie »1919 – Das Jahr der Frauen«, »1929 – Frauen im Jahr Babylon« und »1939 – Exil der Frauen«.
Intimer Blick hinter die Kulissen der Familie Mann.
Authentisch...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783869152936
PREIS 24,70 € (EUR)
SEITEN 256

Auf NetGalley verfügbar

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Ein herrliches Buch, das tiefe Einblicke im das Leben , Denken und Empfinden Erika Manns, über ihre Beziehung zu Klaus und die Eltern, aber auch über den Krieg vermittelt. Man liest über die Einstellung zu Emigranten und die Nachkriegszeit. Berühmtheiten tauchen auf. Alles leicht und flüssig geschrieben. Ein tolles Werk

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Die Geschichte der Schriftstellerfamilie Mann ist eingebunden in die Wirren der Nazizeit. Die Tochter Erika Mann wächst mit ihrem Bruder unbeschwert in München auf, erlebt die wilden Zwanziger in Berlin und sieht die drohende Gefahr heraufziehen. Sie muss jedoch die Eltern davon überzeugen, dass die rechtzeitige Flucht ansteht, erst in die Schweiz und letztlich noch in die USA. Erika Mann wjrd als anarchisch, politisch und mutig dargestellt, für persönliches Glück bleibt wohl kein Raum. Bleiben und untergehen oder flüchten und alles zurücklassen- diese Frage mussten sich damals wohl viele stellen. Es sind für mich gelungene Geschichten, die Persönliches mit historischen Zeitbezug und Schicksal verweben.

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Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen: Im Jahre 1949 steht Thomas Mann vor einer Vortragreise über Goethe und die Frage ist, ob Erika mit ihm die Termine in Deutschland wahrnimmt. Gleichzeitig erleben wir die Biografie der Frau bis zu diesem Punkt. Und dann trifft die Nachricht vom Tod des geliebten Brudes ein ...

Wie hat mir das Buch gefallen?

Ich habe ihm Buch viele interessanten Fakten gelesen (z.B. die Affäre mit Bruno Walter) und ein besseres Gefühl für die Kämpferin Erika Mann bekommen. Ähnlich wie ihr Bruder war Erika stets getrieben vom Leben und dieses Rastlose spürt man im Buch gut. Es wirkt, als brauchte Erika immer einen Kampf.

Das Verhältnis zum Bruder nimmt ebenfalls viel Raum ein. Ich vermute, dass Erika in Klaus den fehlenden Teil gefunden hat, den Gefährten, aber auch jemanden, den sie beschützen konnte. Schwäche gegenüber Klaus zu zeigen, fiel ihr schwer und wahrscheinlich konnte Klaus nicht gut damit umgehen. Die Autorin schildert eine Episode, in der Erika mit dem Fahrrad fällt und Angst hat, aber ihr Bruder nicht weiß, wie er ihr seelisch beisteht. Klaus wiederum sah in ihr eine bessere Version seiner selbst, jemand, der all die Zweifel in etwas Positives verwandelte und nicht dem Abgrund so zugeneigt war wie er. Die Gewissheit der Einheit der beiden hat sie aber auch von den anderen Geschwistern abgegrenzt, was die Eltern indirekte gefördert haben. Monika Mann wurde z.B. verachtet, weil sie nicht so intelligent war. Wahrscheinlich duldeten die Geschwister auch keine Konkurrenz um den Patriachen Thomas Mann, der ohnehin nur geschrieben hat.

Auch das Verhältnis zum Vater ist interessant. Erika war die Lieblingstochter und war später Sekräterin und Verwalterin für den Vater. Ähnlich wie Sigmund Freunds Tochter Anna war sie eine Partnerin auf intellektueller Ebene. Sie versuchte immer, den diplomatisch agierenden Vater zu klaren Aussagen und Taten zu bewegen.

Letztlich passte sie wohl auf beide Männer auf und ich stelle mir diese Bürde sehr anstrengend vor.

Auch ihr Kampf um Deutschland und die Welt und vor allem der Glaube daran, dass sie mit Worten die Menschen aufklären kann, waren bewegend.

Die Umtriebigkeit Manns kommt im Buch gut raus und auch Kritik an ihrem Verhalten wird deutlich. Allerdings ist das Buch so sehr im Fluss der Ereignisse, dass die private Person außen vor bleibt. Vielleicht gibt es auch zuwenig Stoff, denn selbst in Briefen ist man nicht privat. Ich habe ein Gefühl für die Autorin Erika Mann bekommen, aber der Mensch blieb mir überwiegend verborgen.

Zwei Aspekte habe mich im Buch gestört: Die Zeitebenen werden teilweise binnen eines Absatzes gewechselt, und besonders am Anfang wusste ich oft nicht, wo ich mich gerade befinde. Später arbeitet die Autorin mit Absätzen, aber Zwischenüberschriften oder Jahreszahlen hätten mir geholfen. Das ist aber eine Geschmacksfrage.

Außerdem war für mich nicht klar, was fiktiv ist. Ob die Dialoge Zitaten entsprechen, wo sie geäußert wurden. Der Text liest sich ein bisschen belletristisch, ein bisschen sachlich und das Literaturverzeichnis ist umfangreich. Vielleicht ist das genre-typisch, aber ich hätte mich über eine Aussage gefreut, wie die Autorin arbeitet, damit ich das besser einordnen kann.

Und das sich das Buch auf einen dunklen Teil der Weltgeschichte bezieht, wird es nicht fröhlich. Fast das gesamte Buch erzählt von einer Welt am Abgrund und dem Versuch der Manns damit umzugehen. Das einen als Leser herunterziehen.

Fazit

Ich habe das Buch gern und schnell gelesen. Aber ich frage mich trotzdem, ob das Buch die Rezeption zu Erika Mann voranbringt. Es beleuchtet den wesentlichen Teil von Manns Leben, aber ich hatte das Gefühl, dass etwas fehlt. Der Text ist keine schlechte Lektüre, aber mir fehlte das Ganze.

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Schon wieder ein Roman über die Familie Mann. Ist das denn nötig?
Ich finde: Ja. Denn Unda Hörner stellt Erika Mann in den Mittelpunkt ihres Buches.
1949 – ein einschneidendes Jahr für die Manns. Thomas Mann soll in beiden Teilen Deutschlands je einen Goethepreis erhalten und so reist die Familie von Amerika nach Europa. Zuerst nach Stockholm und da erfahren Thomas, Katia und Erika, dass sich der Sohn und Bruder Klaus das Leben genommen hat. Eine Katastrophe, besonders für Erika. Klaus und Erika waren eigentlich unzertrennliche Geschwister.
Der eine kann nicht ohne den anderen. Und beim Ordnen des Nachlasses von Klaus erinnert sich Erika an ihre gemeinsame Lebenszeit. Die behütete Kindheit in München, ihrer wilden Zeit in Berlin der 20er Jahre, der gemeinsamen Weltreise und besonders ihr Kampf gegen die Nazis und Flucht aus Deutschland.
Unda Hörner beleuchtet dabei auch die Eltern, wie Erika und Klaus versuchten, ihre Eltern zur Flucht aus Deutschland zu bewegen, aber auch, wie die Kinder des Nobelpreisträgers durchaus ohre Privilegien auslebten. Auch der Spannung zwischen Erika und ihren Eltern zur Rückkehr nach Deutschland spürt Unda Hörner nach.
Die Einblicke in diese außergewöhnliche Biografie hat mir sehr gut gefallen. Frau Hörner schreibt mit großer Sachkenntnis, versteht es, die historischen Ereignisse immer mit einzubeziehen, dabei amüsant, nie belehrend.
Von mir gibt es 5 Sterne!

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Erika Mann, älteste Tochter Thomas Manns, steht im Zentrum dieses Buchs, aber hängt in dieser Familie alles mit allem zusammen.
1949 begleitet Erika ihre Eltern auf einer Europareise, noch wird debattiert, ob Thmoas Mann tatsächlich nach Frankfurt und Weimer reisen soll, als die drei die Nachricht von Klaus Manns Tod in Cannes erreicht.
Ausgehend von diesem Jahr verknüpft Unda Hörner geschickt und sehr lesenswert Gegenwart und Vergangenheit. Egal, ob man schon viel über die Familie Mann gelesen hat, oder aber gerade beginnt, sich damit zu beschäftigen: in jedem Fall sehr empfehlenswerte Lektüre.

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Wir treffen uns im Unendlichen

Ein Sachbuch, spannend und bewegend wie ein Roman, eine Biographie, die unter die Haut geht. Unda Hörner – die ich bisher als Autorin noch gar nicht kannte – hat sich der Lebensgeschichte von Erika Mann angenommen, sie verfolgt, erforscht, analysiert. Erika Mann, Tochter des Zauberers Thomas Mann, Schwester von Klaus Mann, dem Wilden und Verzagten, dem Mutigen und Traurigen. Nicht ganz einfach, eine solche Familienbeziehung zu beschreiben, über die schon so viel gesagt, geschrieben, gefilmt und getuschelt wurde.
Anfang des 20. Jahrhunderts wachsen Erika und Klaus, nur ein Jahr auseinander, wie Zwillinge auf, verwirren und verunsichern nicht nur Nachbarn und Spielgefährten, später auch die Lehrerschaft. Kaum den Kinderschuhen entwachsen, machen sie sich auf die Reise, erkunden und erforschen Europa und die Welt. Jeder von ihnen auch immer mit eigenen Ideen, sexuellen Erlebnissen, missglückten Ehen und unerschöpflichem Enthusiasmus. Als der Nationalsozialismus in Deutschland Tatsachen schafft, die ihnen das Bleiben nicht erlauben, beginnt die endlose Zeit der Emigration. Dass Erika zusätzlich zum eigenen Unglück auch das der Eltern und des Bruders bewältigen muss, macht ihr das Leben nicht leichter.
Erst als die Eltern in Kalifornien ein neues Zuhause gefunden haben und auch die Großeltern in die Schweiz auswandern konnten, fällt eine kleine Last von Erika ab. Aber es sind bei Weitem nicht nur die praktischen Dinge des Alltags der Emigranten, die Probleme bereiten, auch die lange und als unerträglich empfundene Zurückhaltung des Vaters gegenüber dem Hitlerregime macht ihr zu schaffen.
Erika Mann schlägt sich durch, tapfer, immer wieder von Neuem versuchend, ihre Meinung nicht nur zu verbreiten, sondern auch zu verteidigen. Gegenüber den Amerikanern, die eher skeptisch und gefühlt weitab vom Geschehen in Europa sind, ist das besonders schwierig. Erst mit Eintritt der Amerikaner in den Krieg ändert sich das etwas. Und Bruder Klaus meldet sich freiwillig zur Armee, steht zwar nicht an der Front, aber arbeitet in Propagandaabteilungen. Auch von Erika wird berichtet, dass sie in Uniform nach Europa kommt, leider wird hierzu wenig berichtet. Dass sie nach dem Ende des Krieges die Angeklagten des Nürnberger Prozesses „besichtigen“ kann, ist eine schaurige Seite ihrer Erlebnisse.
Das Buch geht gedanklich den Weg zurück vom Suizid des geliebten Bruders, der sich im Mai 1949 in Cannes ereignete, als Erika mit ihren Eltern in Schweden weilte. Erika Mann wird danach mit ihren Eltern Kalifornien verlassen, in die Schweiz ziehen und ihrem Vater bis zum Tod 1955 als Assistentin, Beraterin, Sekretärin und Vertraute zur Seite stehen. Über diese Zeit und die Jahre bis zu ihrem Tod erfährt man im Buch von Unda Hörner nichts mehr. Es endet um die Zeit ihres vierundvierzigsten Geburtstags mit den Worten „Wir treffen uns im Unendlichen, Klaus, eines Tages. Du weißt, wir reisen als Zwillinge.“
Im Anhang findet sich ein umfangreiches Literaturangebot, ein neueres Buch möchte ich noch zusätzlich empfehlen: Uwe Wittstocks Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur. Dort finden sich einige der bei Unda Hörner genannten Literaten wieder, die mit viel Mühe und unter Lebensgefahr dem Zugriff der Nazis entkommen konnten. So auch Erika Manns Onkel Heinrich mit Frau Nelly, die Werfels und die Feuchtwangers. Aus meiner Sicht eine passende Ergänzung.
Was mir am Ende etwas gefehlt hat, waren Kurzbiografien der wichtigsten Personen (Familie, Freunde) aus diesem Buch, wie sich ihr Leben nach 1945 entwickelt hat, welchen Widerständen sie zum Beispiel in Deutschland – Ost und West – begegneten. Zumindest eine kurze Beschreibung der letzten Jahre von Erika Mann fände ich unerlässlich. Sicher, man kann das alles im Internet oder den Literaturen, die genannt werden, nachlesen, aber es hätte das Buch abgerundet.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen, manchmal jedoch fand ich Formulierungen nicht ganz passend, gerade „geflügelte Worte“, die erst wesentlich später geprägt wurde, erschienen mir etwas aufgesetzt. Als Beispiele nenne ich die Banalität des Bösen, ein Begriff, der erst 1961 von Hannah Arendt geprägt wurde, oder auch die Verwandlung der Deutschen nach dem Krieg in lupenreine Demokraten.
Dass Erika Mann und auch Klaus Mann niemals ihre Heimat Deutschland wiedergefunden haben, steht sehr im Gegensatz zum Buchtitel. Die Heimat ist ihnen und auch den Eltern abhandengekommen, da halfen niemals Drogen, Alkohol und Exzesse.

Fazit: Man lernt Erika Mann und ihren Bruder gut kennen in diesem Buch. Und man versteht die unendliche Trauer und Traurigkeit, die Erika Mann nach dem Tod ihres Bruders empfand. Sie konnte ihn nicht beschützen, nicht vor der Welt und nicht vor sich selbst. Ich empfehle dieses Buch gern, wer sich für Literatur und Biografien und die Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert, ist hier richtig.

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Unda Hörner erzählt in dieser Chronik die Geschichte der Geschwister Mann, die stellvertretend für so viele Autoren der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts steht, angefangen von der unbeschwerten Kindheit im München Bogenhausen Anfang des Jahrhunderts über die wilden 1920er Jahre, wo es die Geschwister durch die Welt und schließlich ins schillernde Berlin trägt, bis hin zu ihren verschiedenen Aufenthaltsorten des Exils. Sie nimmt dabei die Perspektive Erika Manns ein, die das Geschehen im Rückblick, aus Anlass der Todesnachricht des geliebten Bruders Klaus, erzählt. Wir erleben Erika Mann als unerschrockenes, temperamentvolles und unangepasstes Kind und ebensolche junge Frau, die 1933, gerade als die Nazis in den Reichstag einziehen, mit ihrem politischen Kabarett „Die Pfeffermühle“ in Berlin Furore macht. Die schwierigen Bedingungen in Deutschland zwingen die Manns jedoch alsbald zu dauerhaften Aufenthalten im Ausland, was Erika und Klaus jedoch nicht davon abhält, weiterhin mit kabarettistischen und literarischen Vorträgen auf die Verhältnisse in der Heimat aufmerksam zu machen. Während die Eltern Katia und Thomas die meiste Zeit im vermeintlich sicheren Schweizer Exil. wie man meinen könnte, die Dinge nicht so recht wahrhaben wollen und fast ein bisschen Realitätsflucht betreiben, verstehen sich Geschwister als kritische Stimme der Exilgeneration.
Doch es geht eben nicht nur um Mut und Stärke, sondern auch um die innere Zerrissenheit der Protagonisten, die dem Druck des Lebens nur schwer standhalten, Während Erika den ruhelosen und ausschweifenden Lebensstil noch relativ gut verpackt, versinkt der geliebte Bruder immer mehr in Drogen- und Alkoholproblemen, die letztlich in seinem Freitod münden. Auch das ein Phänomen zwar nicht nur dieser Generation von Exilanten, denen der Verlust der Heimat und ihrer Sprache lebenslang zu schaffen macht.
Und gerade weil die literarische Elite Deutschlands und allen voran die Familie Mann noch zu den eher privilegierten Exilanten gehört, die aufgrund ihrer Bildung und Kultur relativ leicht in der Welt Fuß fassen konnten, so kann man nicht umhin zu denken, dass Migration, wie wir sie heute erleben, um ein vielfaches schwerer für die Betroffenen sein muss. Denn hier müssen zusätzlich zu allen traumatischen Erlebnissen ganz andere soziale und kulturelle Grenzen überwunden werden, als es dort der Fall war. Insofern kann man Unda Hörners Buch sowohl als zeitgeschichtliche Darstellung einer besonderen literarischen Generation des 20.Jahrhunderts lesen, durch die Parallele zur gegenwärtigen Zeit hat es auch unbestrittene Aktualität.

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Dieser Roman über Erika Mann bzw über die enge Bindung von Klaus und Erika Mann, ist ein gefühlvoller Versuch, die Seele, also in die Gedanken- und Gefühlswelt der Geschwister einzudringen. Absolut empfehlenswert!

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Erika Mann war mir vor der Lektüre von Unda Hörners Buch „Solange es eine Heimat gibt. Erika Mann“ nur namentlich bekannt. Das hat das Werk gründlich verändert, sympathisch wurde mir die älteste Tochter von Thomas Mann allerdings nicht, allerdings finde ich sie durchaus beeindruckend, zumindest wird sie von der Autorin so beschrieben. Das Buch ist eine Art Biografie, da darin bekannte Fakten zusammen mit fiktionalen Passagen zu einem speziellen Roman verwandelt werden. Ausgangspunkt von Unda Hörners Buch ist der 21. Mai 1949, der Todestag von Erika Manns Bruder Klaus. Mit diesem Datum als Zentrum beschreibt die Autorin Episoden aus Erikas Leben, immer verknüpft mit Klaus, aber auch mit ihren Eltern Thomas und Katia und vielen anderen Persönlichkeiten aus Literatur und Kunst.
Aber von vorn.
Thomas Mann war wohl enttäuscht, als seine Frau Katia 1905 nicht den ersehnten Stammhalter bekam, sondern eine Tochter. Aber Erika sollte bis zum Schluss dasjenige seiner sechs Kinder sein, mit dem er am innigsten verbunden war, sie war bis zu seinem Tod 1955 seine Assistentin, Beraterin, Sekretärin und Vertraute. 1906 wurde Klaus geboren und er und Erika wuchsen fast wie Zwillinge auf. Weil sie nur knapp ein Jahr Altersunterschied trennte, aber auch, weil sie ein Herz und eine Seele waren. Zu den jüngeren Geschwistern grenzten sie sich ab („[…] die sechs Geschwister drei märchenhafte Pärchen. Unter ihnen waltete allerdings eine rigorose Hackordnung. Erika und Klaus, Erimaus und Aißisohn, gaben unangefochten den Ton an.“), vor allem Monika wurde von ihnen verspottet und belächelt und, wie man heute sagen würde, gemobbt. Auch charakterlich waren sich Erika und Klaus ähnlich. Immer wild und unangepasst, exzentrisch und immer auf der Suche nach Identität, Sexualität, Freiheit, Glück, dem Platz im Leben und einer echten Heimat. Sie kämpften gegen Konventionen, ihr größter Kampf ist (neben dem gegen den Nationalsozialismus) aber der gegen Drogen und Alkohol. Letzteren verliert Klaus 1949, er begeht Suizid. Nach Klaus‘ Tod ordnet Erika seinen Nachlass, begleitet von Erinnerungen. Sie erinnert sich an die gemeinsame Kindheit, ihre Weltreise nach dem Abitur, die wilden Zwanziger in Berlin und ihr zunehmend aus den Fugen geratenes Leben mit dem Erstarken des Nationalsozialismus. Sie erinnert sich an die Emigration, das Leben im Exil, ihre und Klaus‘ unzählige unglückliche Beziehungen. In ihrer beider Leben gab es nur eine wirkliche Konstante: die enge Verbindung zueinander.
Unda Hörner verflicht in ihrem Buch Fakten mit Fiktion. Da ich die Familie Mann zu wenig kenne, fiel es mir als Leser oft schwer, Wahrheit und Dichtung zu unterscheiden, manchmal springt die Autorin für mich auch zu wild durch die Zeitebenen. Bei manchen Themen fehlt mir auch die Einordnung der Dinge, die die Autorin zwischen den Zeilen anspricht. Zur Ehe ihrer gemeinsamen Freundin Pamela Sternheim (Tochter des Dramatikers Frank Wedekind) mit dem wesentlich älteren Dramatiker Carl Sternheim sagte Erika: „»Am schlimmsten ist es, sie so unglücklich zu sehen«. »Das fatale Gesetz der Bindung an den Vater«, erinnerte Klaus. Erika war klar, warum Klaus das so genau wusste. Ein solches Gesetz herrschte über vieles in seinem Handeln. Und in ihrem.“ – was bedeutete das für sie und Klaus und ihr Leben? Machten sie den Vater dafür verantwortlich, dass sie nie wirklich glücklich wurden? Auch Erika hatte eine „verhängnisvolle Schwäche für einen Mann, der gut ihr Vater hätte sein können“, Klaus suchte die Liebe in finsteren Kabuffs „wo ihm mehr oder weniger junge Männer zu Diensten waren, um ihn richtig glücklich zu machen – meistens vergeblich.“
Aber die Autorin schreibt mitreißend. Ihre Sprache ist bildhaft und das Buch lässt sich flüssig lesen. Es ist eine Mischung aus Biografie und historischem Roman, Familiengeschichte verwoben mit Zeitgeschichte. Trotz des für mich unbekannten Terrains war es für mich eine Freude, es zu lesen, auch wenn mir die Familie Mann unsympathisch blieb.
Von mir fünf Sterne.

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