Isidor

Ein jüdisches Leben

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Erscheinungstermin 24.08.2022 | Archivierungsdatum 31.10.2022

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Zum Inhalt

Das berührende Debüt der bekannten Journalistin und Moderatorin

Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.

Das berührende Debüt der bekannten Journalistin und Moderatorin

Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und...


Marketing-Plan

• Radiowerbung in ganz Deutschland über Point of Listening
• Aktionen auf Vorablesen und LovelyBooks
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• Diogenes Blog
• Presseschwerpunkt
• Frankfurter Buchmesse
• Große Lese- und Pressereise

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Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Hardcover
ISBN 9783257072068
PREIS 24,00 € (EUR)

Auf NetGalley verfügbar

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Eine besondere, jüdische Familiengeschichte, zusammengetragen aus mehreren noch vorhandenen Quellen.
Ungefähr 80 Jahre später entsteht eine Lebensgeschichte vom rasanten Aufstieg und brutalen Sturz ihres Wiener Urgroßonkels, über die damalige Zeit, die deutlich einen unbedingten Anpassungswillen, das Vertuschen der eigenen Herkunft, das unbedingte Dazugehören wollen, der Wunsch nach Anerkennung aufzeigen, geschrieben von seiner Urgroßnichte.
Der Akt der Vernichtung der Juden in Wien durch die Nazis manifestiert sich anhand bürokratischer Prozesse, die belegen, dass ein Mensch ausgelöscht wurde – zunächst materiell, dann physisch. Der ganze, kostbare Familienbesitz in Millionenhöhe ging um 1938 verloren, teils unter der Folter von Isidor, ihrem Urgroßonkel. Auch durch die Einbeziehung zahlreicher Briefe und diverser persönlicher und offizieller Dokumente bis ins Detail und Fotos aus Alben aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhält dieses Buch eine lebendige, persönliche Sicht auf Isidor und die gesamte Familie über vier Generationen hinweg.

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eigentlich kein Roman, eher eine Biografie. Mich hat es nicht so überzeugt u. ich halte es für eher schwer verkäuflich. Das Thema gabs schon mal...und die Hauptperson ist natürlich für die Autorin wichtig aber für den Leser unbekannt. Mir zu sachlich

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Shelly Kupferberg - Isidor

Meinung
Ein großartig geschriebenes Buch über einen reichen Juden und die Nazis..
So wie Isidor haben sehr viele gedacht und gehandelt.
Es ist immer wieder berührend und zugleich entsetzlich, was passiert ist.
Der Mann führte ein so schillerndes Leben und dann die Wende
Ich bin noch immer so entsetzt, das sowas möglich war.
Wirklich empfehlenswert das Buch

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Der Roman „Isidor“ von Shelley Kupferberg beginnt nicht mit der, dem Roman Namen gebenden Figur, sondern mit Walter, dem Großvater der Autorin. Im Jahr 1956 reiste dieser erstmals nach seiner Emigration nach Tel Aviv in seine Heimatstadt Wien. Er schreibt zahlreiche Briefe an seine daheim gebliebene Frau. Diese Briefe sind ein erschütterndes Zeugnis dessen, was damals geschah und was leider auch noch heute immer wieder anzutreffen ist. [„…] wenngleich das eigenartige Gefühl zwischen Wehmut und Grauen noch nicht weichen will“, schrieb Walter. Als Wienerin hat mich der Beginn dieses Buchs sofort in die folgende Geschichte gezogen, zu Isidor und vielen anderen Figuren.
Der Weg des Dr. Isidor Geller zum Berater des österreichischen Staates beginnt in einem ostgalizischen Schtetl. „Als er später zum Studieren nach Wien kam, wurde aus Israel Isidor.“ Man schreibt das Jahr 1908 und in der Wiener Luft spürte man deutlich „wie sich der Aufschwung der Moderne und der Glanz des alten Habsburgerreichs vermischten … Isidor wollte ein Teil dieser Dynamik sein.“
Dr. Isidor Geller hat es in die oberste Wiener Gesellschaft geschafft. Er ist Kommerzialrat, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler. Doch nach dem ‚Anschluss‘ Österreichs wird er sofort von den Nazis verhaftet, denunziert von seinen Angestellten. Shelly Kupferberg fragt im Nachwort zu diesem Buch, warum Isidor die Zeichen der Zeit verkannt hat, warum er nicht rechtzeitig geflohen ist. Er war überzeugt, dass ihm niemand etwas antun kann, schon gar nicht „diese vulgären Nationalsozialisten“.
Der Wiener Urgroßonkel der Autorin ist, nicht nur aus der Sicht dieser Zeit, sehr gut charakterisiert. Isidor verbirgt seine Herkunft und v.a. seiner religiösen Zugehörigkeit. Sein drängender Wunsch dazuzugehören ist gepaart mit dem dazu den notwendigen Anpassungswillen. Jeden Sonntag lädt der Onkel zahlreiche Gäste zu einem Mittagessen in die Canovagasse im 1.Bezirk ein. Er bewohnt eine Etage im Palais des Freiherrn de Rothschild. Isidor, der kinderlos ist, protegiert den Sohn seiner Schwester Walter und sieht in ihm bereits seinen Nachfolger. „Walter - steh auf mein lieber! Woher stammt die Sentenz Roma locuta, causa finita – und was bedeutet sie?“ Mit der Beschreibung der sonntäglichen Bankette, dem Ambiente, den Gästen und den ‚Prüfungen‘, die Walter zu bestehen hatte, zeichnet Shelley Kupferberg ein detailliertes und authentisches Bild der reichen Wiener Gesellschaft in der Zeit vor dem ‚Anschluss‘ 1938.
Als die Vernichtung der Juden beginnt, wird Isidor verhaftet, gefoltert und anhand seines Besitzes inventarisiert, wie seine Möbel, Gemälde, Teppiche und sogar seiner Hand- und Leintücher. Schuschniggs letzte Ansprache im Radio ‚So verabschiede ich mich in dieser Stunde von dem österreichischen Volke […]‘ markiert auch im Leben Walters einen Wendepunkt.
Shelley Kupferberg berichtet nicht nur über Isidor, sondern greift auch die Geschichte Walters, ihres Großvaters auf, dem es 1938 gelingt, Ausreisepapiere nach Palästina zu seiner Jerusalemer Familie zu bekommen. Knapper Schreibstil macht die sich zuspitzende Lage in Wien mehr als deutlich. Anspannung und Angst, wenn sich ein größeres Fahrzeug nähert, denn es könnten Häscher sein, die Juden aufladen und in ein Konzentrationslager bringen.
Kurz vor der Abreise bittet Isidor seinen Neffen einen Brief an seine Geliebte, Ilona, die bereits in die USA emigriert war aufzusetzen, um ihr sein Schicksal zu berichten und dass er bereit sei, für sie Englisch zu lernen. „Sollte er eine Last für Ilona in Hollywood sein, diktierte Isidor seinem Neffen, sei er bereit als Diener für sie zu arbeiten“.
Zwar ging der gante kostbare Familienbesitz in Millionenhöhe 1938 verloren: doch durch die Einbeziehung zahlreicher Briefe und verschiedener persönlicher und offizieller Dokumente, Fotos aus Familienalben ist ein berührender, emotionaler und bildreicher biografischer Roman entstanden, dem uneingeschränkte Leseempfehlung auszusprechen ist.

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Ich wusste nicht worauf ich mich einlasse und wurde positiv überrascht. Nach der Lektüre habe ich mir dann das Cover nochmal angeschaut und das Cover ist wirklich sehr passend gewählt.

Die Biografie, bzw. Spurensuche, liest sich wie ein Roman und hat es geschafft ein unterhaltsames und informatives Porträt über das jüdische Leben von damals zu schreiben. Mit jeder Seite wurde es beklemmender und herzzerreissender, und das Buch hat mich zum Nachdenken gebracht. Wie hätte ich wohl reagiert, wäre ich an Isidors Stelle?
Ein Buch über ein Stück Lebensgeschichte, was dazu drängt zu erinnern, was tatsächlich im Leben wichtig ist.

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Shelly Kupferberg hat eine Art Familienchronik geschrieben, anhand von Aufzeichnungen ihres Großvaters,der 1938 nach Palästina ausreisen konnte.Die Biografie ihrer Familie beginnt um die Jahrhundertwende in Galizien.Von hier aus macht sich ihr Urgroßonkel Isidor auf nach Wien , für ihn die große Welt. Er studiert ,wird ein einflussreicher Mann in der Wirtschaft , schafft sich ein Vermögen und ist " wer" im Wien der Vorkriegsjahre.Alles hat ein jähes Ende mit dem Einmarsch der Nazis in Österreich. Isidor verliert alles, sein Geld, seine Kunstschätze,aber vor allem seine Würde , und daran zerbricht er, noch bevor er das Land verlassen kann.
Eine sehr aufwühlende Biografie, die so sicherlich für tausende ähnlicher Schicksale in der Zeit stehen könnte.
Vergessen darf man nie., allein um zu verhindern, dass es wieder passieren könnte.
Ich danke dem Diogenes Verlag für die Herausgabe dieses Buches.
Karin Kersten

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Isidor. eigentlich ist sein Geburtsname Israel, in einem kleinen Dorf in der Nähe von Lemberg geboren. Klug, ehrgeizig und eloquent macht er Karriere in Wien. Als Kommerzienrat Dr. Isidor Geller ist er bekannt, beliebt und lebt aus dem Vollen, vermögend genug ist er. Bis März 1938 dann kommt der Anschluss von Österreich an das nationalsozialistische Deutschland. Als Jude ist er allen erdenklichen Repressalien ausgesetzt. Sein Vermögen wird gestohlen, er wird gefoltert am Ende ermordet. Ein Neffe von ihm schafft es nach Palästina und ist der Großvater der Autorin.
Als Journalistin ist sie mit Recherche und Berichterstattung vertraut. Sie gibt Isidor sein Leben, seine Geschichte zurück. Anhand von alten Fotos, Briefen und vor allem den Berichten und Dokumenten der akribischen Bürokratie der Nationalsozialisten konnte sie das Leben und den Untergang ihres Urgroßonkels rekonstruieren.
Alle Details kann ich als Leserin nachverfolgen. Die Begeisterung von 97% der österreichischen Bevölkerung, das Drangsalieren der jüdischen Bevölkerung. Die Sorgfalt und Genauigkeit beim bürokratischen Erfassen der Vermögenswerte und allem Eigentums der Juden, ist mit sehr vielen Dokumenten belegt.
Die Autorin erzählt auch wie ihr Großvater 1956 zurück nach Wien in seine Heimatstadt geht. Wie er Menschen trifft, die seine Familie verraten haben, er trifft Menschen in deren Wohnung er Möbel seiner Eltern erkennt.
Der Schock das sich diese Menschen immer noch keiner Schuld bewusst sind, trifft nicht nur ihn sondern auch mich als Leserin.
Dieses Buch ist einerseits eine Biographie und auf der anderen Seite, eine in meinen Augen hervorragende journalistische Arbeit. Die Autorin liefert Tatsachen, der Protagonist hat real gelebt und gelitten. Sie beschreibt seinen Aufstieg, sein erfolgreiches Leben und den Absturz den er nicht selber verschuldet hat.
Ein Buch das niemanden unberührt und auch nicht wieder los lässt.

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*Bei all meinen Recherchen und Erkenntnissen über Isidors Leben hatte ich das Gefühl, ich gebe ihm eine Geschichte – SEINE Geschichte zurück.*


Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.


Aus Bruchstücken, Überlieferungen, Recherchen und Dokumenten rekonstruiert die Autorin das Leben ihres Urgroßonkels Isidors, der es geschafft hat, aus ärmlichen Verhältnissen in einem ostgalizischen Kaff in die Wiener Gesellschaft aufzusteigen. Dabei geht es in dieser Geschichte nicht nur um Isidor, sondern auch um seine Familie, seine Brüder und seine Schwester samt Mutter, die nach Wien kommen um sich dort ihr Leben aufzubauen. Und dieses Leben verläuft erst einmal vielversprechend. Als Leser unserer Zeit weiß man allerdings, dass die immer deutlicher werdende Macht der Nazionalsozialisten auch (besonders?) gut situierte Juden bedroht.


Der Stil der Autorin variiert. Es liest sich nicht wie der angekündigte Roman. Vielmehr mischt sie Biografien, mit eigenen Eindrücken und kurzen Anekdoten. Der Erzählung merkt man ihren journalistischen Hintergrund an. Aus allem liest sich die gründliche Recherche, die selbst kleinste Erwähnungen in Register beinhaltet. Mitunter wirkt der Stil distanziert und sehr sachlich. Bei den Einblick in die verschiedenen Leben ihrer Familienmitglieder fand ich das mitunter etwas zu trocken. Aber genau das hat in Bezug auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten und deren Auswirkungen bedrückend gewirkt. Mit welchem System Juden um ihr Hab und Gut gebracht wurden, wie bürokratisch das Ganze war und welche verheerenden Folgen das auf den Einzelnen hatte, zeigt sich in dieser Erzählung.


Fazit: Das Gelesene ist nicht einfach zu verarbeiten und wirkt nach. Ich bin froh, dass sich die Autorin die Mühe der detaillierten Recherche gemacht und die Geschichte Isidors einem breiten Publikum zugänglich gemacht hat.

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Isidor - ein erzählende Sachbuch.

Biographie - Familienchronik - Roman - Zeitgeschichtliches Zeugnis

Dies sind die Schlagworte, die ich diesem eindrucksvollen Buch zuordnen möchte.

Shelly Kupferberg erzählt die Geschichte ihrer Familie beginnend mit ihrem Ururgroßonkel Isidor eigentlich Israel, welcher Ende 1800 in einfachsten Verhältnissen in einem jüdischen Dorf In Galizien aufwuchs. Isidor kam mit nichts, als seinem unbedingten Willen zur Gesellschaft dazuzugehören, nach Wien und schaffte es mit Intellekt und Geschick zum österreichischen Kommerzialrat und Multimillionär
Er war zeitlebens ein leidenschaftlicher Sammler und Freund der Kunst, Literatur und Musik. Mit dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland begann dann das schicksalhafte Ende eines schillernden Lebens.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Shelly Kupferbergs Großvater, welcher sich Mitte der 1950 Jahre auf Spurensuche seiner Familie begibt.
Der sachbuchartige Charakter des Buches rührt sicher daher, dass unglaublich viele Briefe, Fotos und Originaldokumente in der Familie, aber auch in österreichischen Archiven zum Schicksal der Familie erhalten sind.

Für mich ein sehr eindrucksvolles Buch, dass die Grausamkeiten unserer jüngeren deutschen und europäischen Geschichte aus einem interessanten Blickwinkel erzählt. Lassen Sie sich darauf ein und sie werden überrascht werden.

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Der Journalistin Shelley Kupferberg ist mit diesem Buch ein ganz wunderbares Portrait ihres Uronkels Isidor Geller gelungen. Sie zeigt seinen sagenhaften Weg aus dem ärmlichen Schtetl im polnisch-ukrainischen Galizien bis in höchste Kreise des schillernd-mondänen Wien der Zwischenkriegszeit.
Aber war seine – so scheint es leichterhand betriebene - Assimilation wirklich der richtige Weg? Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wird in seinem Freundeskreis viel darüber diskutiert, manche haben sich bereits zur Auswanderung entschlossen. Doch Isidor bleibt, zu verwurzelt ist er als Kommerzialrat mit verfeinert-intellektuellem Lebensstil in der neuen, der einzigen Heimat. Judenverfolgung und -morde will er nicht wahrhaben, weil doch nicht sein kann, was nicht sein darf und so folgt der schnelle, der unerbittliche Abstieg in die braune Hölle.

Diese Lebensgeschichte fesselt von der ersten Seite an, denn Shelley Kupferberg schreibt einfach meisterhaft. Sie liefert keine schmonzettenhaft ausgeschmückte Leier, verzichtet auf psychologisierende Aufarbeitung und enthält sich der Bewertung von schicksalshaften Entscheidungen ihres Verwandten. Und gerade das macht die Lektüre so wunderbar beglückend. Hier ist nichts überfrachtet, nichts wirkt nachträglich hinzugetan.
Mir hat dieses Buch sehr gefallen – es gehört ganz sicher zu den großen Highlights des Literaturjahres 2022.

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Dieses Buch hat mich tief beeindruckt, Shelly Kupferberg ist es gelungen, eine Geschichte zu erzählen, die über das Persönliche weit hinausgeht.
Update: Mehr als nur das Porträt eines jüdischen Lebens
Shelly Kupferberg, Journalistin, in Israel geboren, in Berlin lebend, begibt sich auf eine Entdeckungsreise. Sie beginnt, sich ihrem Urgroßonkel Isidor Geller, ehemals ein Millionär und Dandy in Wien, zu nähern. Zuerst ist es wenig, was sie in der Hand hat, aber eigentlich viel mehr, als von vielen Juden nach dem Holocaust überhaupt übriggeblieben ist. Und so startet sie eine ungewisse, oftmals überraschende und sehr traurige Suche nach den Details. Wir erleben einerseits ihre Recherche – andererseits tut sich mit Kupferbergs Hilfe eine reichhaltige jüdische Familiengeschichte auf. Das heutige Wissen, dass diese Geschichten oftmals tödlich im Holocaust oder in der leidvollen Vertreibung und Emigration enden, macht das Lesen nicht weniger spannend.
Isidor kommt als Israel im tiefsten Galizien zur Welt. Der Vater Eisik Judenfreund war ein Talmudgelehrter, die Mutter Batja Geller widmete sich nach der Heirat 1880 dem Haus-halt und den fünf Kindern, sie war es, die den Unterhalt der Familie gewährleistete. In dieser jüdisch-orthodoxen Familie wurde viel Wert auf Bildung gelegt, der Junge Israel wurde ein „Bücherwurm“, besuchte später das Gymnasium in Kolomea, das er glänzend beendete. Nun stand einem Studium in Lemberg nichts mehr im Wege, es sei denn, man ließ sich von Armut abhalten. Aber das war Israels Sache nicht. Schon 1905 war der älteste Bruder David nach Wien gezogen, 1908 war Israel nicht mehr zu halten, riss auch den Bruder Rubin mit und kam so mit gerade einmal 22 Jahren in die verheißungsvolle Kulturmetropole. Und er legte sich einen neuen Vornamen zu: Isidor, so wurde er Herr Dr. Isidor Geller.
Auch Fejge, seine einzige Schwester, geht diesen Weg nach Wien, nachdem ihre Ehe mit einer zeitigen Witwenschaft endete. Sie nennt sich fortan Franziska und beginnt mit einer Ausbildung. Schon bald wird diese ehrgeizige junge Frau ein eigenes Geschäft haben, ihre Mutter lebt dann bei ihr und kümmert sich um den kleinen Enkelsohn Munio.
Isidor entwickelt sich in Wien zu einem Geschäftsmann par Exzellenz, im Weltkrieg ist er mit seiner Lederfabrikation unabkömmlich und entgeht dem Schützengraben. Bald erhält er den erträumten Titel Kommerzialrat im k. u. k.-Reich. Er macht Geld, viel Geld, und auch das Kriegsende und der Zerfall von Österreich-Ungarn kann ihm nichts mehr anhaben. Der Mann entwickelt sich zum Multimillionär, er brauchte gar nicht nach Amerika zu gehen, um sich diesen Traum zu erfüllen. Immer mehr wendet er sich von der jüdischen Religion ab, Synagogengänge sind nun nicht mehr nötig, er hat seine „Kreise“ gefunden, gibt Feste und genießt das kulturelle Leben in Wien. Auch das Liebesleben kommt nicht zu kurz. Mit seinem Geld hilft er Verwandten und Bekannten, zeigt sich freigiebig und weltoffen. Die „goldenen Zwanziger“ werden für ihn und die seinen das Eldorado.
Aber es ziehen dunkle Wolken auf am blauen Himmel über Wien, Antisemitismus macht sich breit, der Blick ins aufstrebende Deutsche Reich und zum deutschen Kanzler vernebelt so manchem Wiener das Gehirn. Dass in den 1930er Jahren die NSDAP in Österreich verboten ist, hält gewisse Kreise nicht davon ab, den Nationalsozialismus auch in Österreich für erstrebenswert zu halten. Die Wende kommt am 12. März 1938 mit dem „Anschluss“ Österreichs, was danach geschieht, ist hinreichend bekannt.
Wie Shelly Kupferberg aber jenen Absturz Österreichs in die Barbarei beschreibt, das ist so dramatisch, bedrückend und beängstigend, das muss jeder Leser selbst lesen. Mir hat es schlaflose Nächte bereitet, obwohl ich mit der Geschichte des Holocaust und den unmenschlichen Auswüchsen bestens vertraut bin.
Shelly Kupferberg macht sich ganz am Ende des Buches auf den Weg zum Friedhof, um Isidors Grab zu besuchen. Erst hier erklärt sich das poetische Umschlagbild. Ein irgendwie tröstliches Ende.
Shelly Kupferberg hat einen angenehmen Schreibstil, sie entspricht zufällig ganz meinem Geschmack. Da sie auch noch – genau wie ich –, die Geschichte ihrer zum Teil vernichteten, zum Teil überlebenden Familie erforscht und beschreibt, fühle ich mich ihren Gedanken und Gefühlen sehr eng verbunden.
Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt jedem, der an der jüdischen, der deutschen, der österreichischen Geschichte, an Schilderungen von Wien oder Lemberg, an menschlichen Tragödien und menschlichem Großmut ebenso interessiert ist, wie an der Hölle, die Menschen anderen Menschen zu bereiten willens und in der Lage sind.
Mehr als 5 Sterne gehen leider nicht.

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Ein wichtiges Buch. "Ein jüdisches Leben" von Shelly Kupferberg ist ein wichtiges Buch. Kein Roman, sondern vielmehr das Ergebnis einer Frage an die eigene Familiengeschichte, der Versuch, Herkunft zu ergründen und schlussendlich eine individuelle Geschichte in Familien- und Zeitgeschichte einzubetten. Shelly betreibt Spurensuche. Über ihren Großvater Walter erfährt sie von Isidor, Walters Onkel, der es irgendwie geschafft hatte, sich aus ärmlichen Verhältnissen in Galizien hochzuarbeiten, hinein in einen mondänen Status innerhalb der Kulturmetropole Wien; Isidor hat seinen jüdischen Vornamen 'Israel' abgelegt, hat es zum Kommerzialrat Dr. Isidor Geller, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler geschafft; auf zwei gescheiterte Ehen folgt eine Liebesbeziehung zu einer ungarischen Sängerin. Der Bericht beeindruckt vor allem durch seine detaillierte Recherche und den Rückgriff auf Archivmaterial. Aber "Ein jüdisches Leben" ist weit mehr als lediglich die Rekonstruktion einer erstaunlichen Lebensgeschichte; die Einbettung in den historischen Kontext, die prägende Wirkung von Zeitgeschichte auf die individuelle Lebensgeschichte stechen besonders hervor: Der Anschluss Österreichs an Nazideutschland und die große Frage, die sich der zunehmend bedrohten und aus der Öffentlichkeit vertriebenen jüdischen Bevölkerung stellt - zu flüchten oder eine Form des sich Arrangierens zu finden. Ein Kontrast, welcher besonders gut herausgearbeitet ist, ist das Verhältnis der jüdischen, sehr der feinen Kultur verbundene Lebensart zu der grobschlächtigen Art der Nationalsozialisten. "Ein jüdisches Leben" ist ein Ausrufezeichen!

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Als Shelly Kupferberg einen Vortrag über die Provenienz jüdischer Raubkunst hält, fallen ihr die Geschichten ihres Großvaters über dessen Onkel Isidor ein. Existierte er tatsächlich? Und hatte er tatsächlich eine so große Sammlung an Kunst- und Wertgegenständen? Aus einer Familie von Überlebenden stammend existieren nur Geschichten und ein großer Besteckkasten... Shelly begibt sich in Europa auf Spurensuche und stößt auf einen Mann, der in schwierigen Zeiten zur rechten Zeit am rechten Ort war und darüber sehr wohlhabend wurde. Aufgewachsen in tiefster Armut in einem Stetl in Galizien haben Isidor und seine Geschwister den Weg nach Wien gefunden und dort einen bemerkenswerten Aufstieg geschafft. Die Nationalsozialisten und ihren Aufstieg nicht erst nehmend, wurde auch dieser Mann zum Opfer. Die Autorin schreibt dies unheimlich fesselnd und gerade an den grauenhaften Stellen mit einer Nüchternheit, die einen schaudern lässt. Eine bemerkenswerte Spurensuche und Biografie!

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Auf äußerst interessante Familienmitglieder, Charaktere und familiäre Hintergründe stößt die Autorin Shelly Kupferberg, als sie sich auf die Nachforschungen ihrer Familiengeschichte begibt. Angeregt wurde sie durch die Aufzeichnungen ihres Wiener Großvaters Walter, der in engem Verhältnis zu seinem Onkel Isidor (Israel) Geller, * 15.9.1886, stand, den er als Jugendlicher jeden Sonntag im Palais besuchte und beim Mittagessen ‚performen‘ musste.

Dieser kinderlose Kommerzialrat stammte aus einfachsten Verhältnissen in Galizien und folgte nach der dörflichen Talmudschule, dem humanistisch geprägten polnischen Gymnasium in Kolomea und vier Jahre Studium in Lemberg seinem großen Bruder David nach Wien. Hier fühlte er sich – ab jetzt Isidor nennend – wohl: diese altehrwürdigen Bauten, diese Kultur, diese Theater- und Opernhäuser.

Und wir können seine Karriere zum Kommerzialrat verfolgen, lesen von seinen zwei gescheiterten Ehen, wovon nur noch ein Ex Libris an seine letzte erinnerte, und die Geschichte seiner Geliebten Ilona. (Deren Lebenslauf bietet allein schon Stoff für ein ganzes Buch, besonders die Ehe und deren Ende mit Dr. Miklós Szavozd.) Isidor führt ein geachtetes Leben im Wohlstand und ist als verschwenderischer Gastgeber hochgeschätzt.
Und dann kommt der 11. März 1938, an dem der österreichische Kanzler Schuschnigg zurücktritt und noch am selben Abend die Hakenkreuzfahne auf dem Wiener Rathaus aufgezogen wurde. Was dann kam, hatten die meisten Juden, auch der Kommerzialrat Isidor Geller, nicht vermutet. ‚Er hatte seinen Glauben an Recht, Ordnung und den eigenen Aufstieg über alle Warnzeichen gestellt. Der ganze Hass der letzten Jahre und Jahrzehnte habe nichts mit ihm zu tun, dachte er immer.‘

Und ich stimme der Autorin in ihrem Interview - bezüglich ihrer gewonnenen Erkenntnisse der eigenen, teils tragischen Familiengeschichte - voll zu bei ihren Worten: „Das weiß man alles, aber wenn man es anhand eines Lebens schwarz auf weiß vor Augen hat, wird es plastisch und berührt ganz anders.“

Aufgewühlt und tief berührt schloss ich das Buch - von der ersten Seite hatte es mich in seinen Bann gezogen! Ich bedaure, dass ich nicht mehr als die Höchstzahl an Sternen vergeben kann und drücke es jedem wärmstens ans Herz, der Interesse an gelebter Geschichte hat!

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Isidor erzählt eine berührende Geschichte nicht nur eines, sondern mehrerer jüdischer Leben. Die Geschichte wird erzählt von einem Nachfahren von "Onkel" Isidor, der es in Wien zu Reichtum und Ansehen gebracht hat. Isidor ist zwar der Hauptcharakter, allerdings erfährt man als Leser auch Details aus den Leben seiner Verwandten und Freunde. Diese erfahren unterschiedliche Schicksale, die durch ihre zumeist jüdische Herkunft in der Zeit des Nationalsozialismus ebenso tragisch ausfallen, wie man es auch befürchtet.

Der Schreibstil des Buchs ist gemächlich und beinahe nüchtern. Der Aufbau des Buchs ist zwar mehr oder weniger chronologisch, jedoch machen die Ausweichungen auf andere Lebenslinien dem Lesefluss hin und wieder zu schaffen.

Insgesamt ist die Geschichte berührend und durchaus lesenswert, jedoch fehlt mir gewissermaßen der tiefere Sinn dahinter. Dass es eine Menge tragischer Schicksale zur Nazizeit gab, sollte jedem bewusst sein. Die Geschichte ist an der Stelle also nicht außergewöhnlich, was eben sehr traurig ist. Dadurch gewinnt man als Leser aber eben auch nur einen Eindruck, aber keine neue Erkenntnis.

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Eine sehr persönliche und dadurch sehr aufwühlende Familiengeschichte. Shelly Kupferberg recherchiert das leben ihres Großonkels, und heraus kommt ein beklemmendes Buch über einen Selfmademillionär, seinen harten Weg aus dem armen Galizien in eine Luxuswohnung in Wien. Bis zuletzt hat er gemeint, die Nazis wären nicht so schlimm wie ihr Ruf, bis er ihre Brutalität am eigenen Leib erlebt.
Mit viel Liebe zum Detail erweckt die Autorin ihren Verwandten und das Wien der Zwanziger und Dreißiger Jahre zum Leben und setzt ein Denkmal!

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Dr. Isidor Geller hat alles im Leben erreicht, was er wollte. Finanziell und gesellschaftlich, karrieretechnisch und privat. Doch dann unterschätzt er eine Sache gewaltig. Die Nazis. Das Buch beschreibt eindrucksvoll, wie der Weg von ganz oben nach ganz unten aussehen kann und das nur, weil man Jude ist. Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ist gesellschaftskritisch, hat gute geschichtliche Hintergründe und einen tollen Schreibstil, der detailliert und packend ist. Auch das Cover finde ich gelungen. Ein tolles Buch, das ich gerne empfehle.

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Eine spannende Familiengeschichte, die hier gut recherchiert erzählt wird. Wien war schon immer eine
multikulturelle Stadt und wurde bis zum Einmarsch der Nazis, von den vielen jüdischen Familien geprägt und finanziert. Die Welt zwischen 1900 und 1935 wird in all ihren Facetten beschrieben- und Isidor, ein reicher jüdischer Geschäftsmann ist mitten in dieser Umbruchszeit. Die Beschreibungen der verschiedenen Familienmitglieder und ihrer Schicksale ist sehr gut gelungen. Und der Holocaust mit all seinen Vorläufern zerstört eine Kultur, die wir uns heute kaum mehr vorstellen können.,Dieses Buch ist gut lesbar und vermittelt eine Ahnung davon, wie es wohl gewesen ist, bevor Millionen Menschen in Europa grundlos ermordet wurden.

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Biografisches Buch über ein jüdisches Leben

In diesem Buch schreibt die in Israel geborene, aber in Deutschland lebende Journalistin und Autorin Shelley Kupferberg über ihren Urgroßonkel Isidor, der in Wien lebte, er war ein erfolgreicher Geschäftsmann, auch der Kultur zugewandt. Als dann Österreich Nazideutschland angeschlossen wurde, bedeutete das für die Juden Schikanen. Isidor wurde verhaftet, enteignet, körperlich und seelisch gebrochen. Er starb 1838 mit nur 52 Jahren.

Sein Neffe Walter, Großvater der Autorin, konnte nach Palästina auswandern.

Das Buch, dass kein Roman sondern ein Sachbuch ist, ist so verdienstvoll, weil es die Geschehnisse anhand eines Einzelschicksals intensiv und detailliert schildert und dabei erzählerisches Geschick beweist.

Shelley Kupferbergs Text entwickelt außerdem viel Atmosphäre und man ist dichter bei den Figuren, als es bei Sachbüchern sonst häufig der Fall ist. Das Buch ist eben doch auch Literatur.

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!ein Lesehighlight 2022!

Klappentext:
„Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.“

„Isidor“ - allein der Name hat schon etwas kämpferisches, Großes und hat zudem eine besondere Bedeutung. Der Name kommt aus dem hellenistischen Griechischen und bedeutet „Geschenk der Isis“. Was hat das mit unserem Protagonisten zu tun? Eine ganze Menge, denn Isidor ist ein Kämpfer und hat mich von der ersten bis zu letzten Seite in diesem Buch beeindruckt. All das was er geschafft hat, was aus ihm geworden ist und wo er nun hier im Buch steht kommt nicht von ungefähr. Man könnte nun spekulieren, er sei geltungssüchtig. Falsch. Sein Glaube und der Kampf um diesen haben ihm zu den gemacht was wir hier erlesen dürfen/durften. Die Gesellschaft hat Isidor geprägt, seine Erfahrungen haben ihn geprägt und eben alle Erlebnisse obendrauf - und immer wieder steht sein jüdischer Glaube dabei an erster Stelle. Autorin Shelly Kupferberg hat hiermit ein wahres Lesehighlight 2022, für meine Begriffe, geschrieben! Ihre Geschichte ist weder reißerisch laut noch leise. Sie hat den Ton den es braucht perfekt gewählt und sie zeigt uns mit äußerster Sorgfalt einen Menschen, den es versuchen gilt, zu verstehen. Gelingt uns das? Oh ja! Dem Leser eröffnen sich hier fast kleine Welten jeglicher Richtung und das ist wahre Literatur! Kupferberg hat durch ihre persönliche Nähe zu „Isidor“ selbstredend einen besonderen Blick auf ihren Urgroßonkel. Sie hat eine ganz besondere Gabe und Art uns seine Geschichte zu erzählen. Alles trifft schlussendlich auch heute noch auf die Gesellschaft zu. Erschreckend? Und ob. Kupferbergs Wortwahl und auch ihr Ausdruck sind perfekt gehalten. Sie hat hier wirklich das richtige Flair an Feingefühl reingelegt und ist niemals wertend. Sie lässt dem Leser genügend Raum für eigene Gedankengänge und somit darf man auch mal kurz aufschauen beim lesen und nachdenken, ein wenig philosophieren, es wirken lassen.
Dieses Buch ist einfach brillant geschrieben und jetzt fragen Sie sich bestimmt noch was das Reh auf dem Cover zu suchen hat? Nur so viel: es passt einfach perfekt und lesen Sie die Geschichte bitte! Die Auflösung hierzu ist genial! Alles passt hier so grandios zusammen, dass es nur so ein Fest war dieses Buch zu lesen, zu genießen, zu inhalieren! Auch anderen Lesern ist dies aufgefallen und (fast) alle kamen zur selben Erkenntnis: das Reh passt einfach wie die Faust aufs Auge!
Das Buch hat mehr als 5 Sterne verdient!

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Zum Inhalt:
Der Weg zu Anerkennung war für Isidor nicht leicht, stammt er doch aus dem ärmlichsten Teil Galiziens. Mittlerweile ist er in Wien, ist Kommerzialrat, reich, Opernfan und Kunstsammler, aber er ist auch jüdischer Abstammung und der zunehmende Nationalsozialismus erreicht auch Österreich irgendwann. Doch Isidor ist davon überzeugt, dass diese ihm nichts anhaben können.
Meine Meinung:
Bücher, die bei Diogenes erscheinen sind meistens ein Garant für außergewöhnliche Geschichten. Hier trifft das ganz besonders zu. In einer Art Mix aus Roman, Biografie und Sachbuch wird die Geschichte des Urgroßonkels der Autorin erzählt in einer ruhigen, mitunter sehr sachlichen Art. Was mir ganz besonders gefallen hat, ist dass der Roman eine sehr ausgefeilte Sprache verwendet. Auch kommt so manches Wort vor, dass man nicht allzu oft in Büchern antrifft und dieser wortgewandte Umgang mit Sprache hat mich sehr begeistert.
Fazit:
Auf den Spuren der Vergangenheit

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Shelly Kupferberg bringt in "Isidor" sowohl herausragende Sprachgewandtheit als auch kompositorisches Können zu Tage. An der Rahmenhandlung, Einleitung und am Ausklang dieses erzählenden Sachbuchs gewinnt die Lektüre an Komplexität, weiter ihren Reflexionsboden aus und lässt Lesende einen persönlichen Bezugspunkt zum schillernden, unnahbaren Isidor finden.

Ob die Erzählung an sich ein wenig "knackiger" geworden wäre, wenn die fiktionale Ausarbeitung zu Isidors Biografie stärker im Fokus gestanden hätte? Mit Sicherheit – doch ist dies nie Ziel der Sache gewesen. Klappentext und Untertitel – "eine jüdische Geschichte" – weisen einstimmig auf die Thematik hin. Es geht um die Geschichte einer jüdischen Familie.

Gelungen ist Kupferberg auch die erzählerische Ausstaffierung vorhandener Fakten: sie zitiert zwecks Authentizität zahlreiche Dokumente und Briefe, nutzt diese allerdings lediglich zur Illustration der Handlung, die fließend und fesselnd beschrieben wird – sowohl bezüglich der Sprache als auch der Komposition.

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Das Cover ist typisch für den Verlag - Diogenes - und am Ende des Buches hat sich mir erschlossen, warum dies Cover gewählt wurde.
Der Titel des Buches lautet zwar 'Isidor' doch erzählt die Autorin eigentlich die Geschichte ihrer ganzen Familie in Rückblicken und Vorgriffen. Manchmal war es schwierig, dem zu folgen, da man bei den Kapiteln immer erst schauen musste, um wen es gerade geht. Doch das macht auch den Reiz des Buches aus, denn es wird nicht nur ein Charakter beleuchtet, sondern auch viele Nebenfiguren, die zu dem damaligen Leben im Wien der zwanziger und dreißiger Jahre dazu gehörten. Man erfährt viel über die gesellschaftlichen Verflechtungen des Wiener Bürgertums, den Verbindungen der jüdischen Bevölkerung untereinander und in die alte Heimat. Fast ein wenig gruselig deucht mich manches Mal das Nichtsehenwollen oder Wegignorieren der Gefahr, nur weil man 'gut situiert und anerkannt?' war. Aber das mag meiner späten Geburt geschuldet sein, die in solch einer Zeit nicht lebte. Schön auch der Stammbaum der Familie im Anhang zum besseren Verständnis.
Für mich ist ein eindringliches Buch der leisen Töne, aber es sollte unbedingt gelesen werden!

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Isidor - Ein jüdisches Leben von Autorin Shelly Kupferberg hat mich sehr überrascht. Ich habe eher mit einem Roman als mit einer Spurensuche nach der eigenen Familiengeschichte gerechnet. Die Aufmachung gefiel mir aber gut, nicht zuletzt wegen des sachlichen und doch berührenden Schreibstils der Autorin. Die Klarheit war ein passender Kontrast zu den aufgezeigten Szenen des jüdischen Lebens.
Dr. Isidor Geller ist hierbei zwar laut Klappentext Protagonist, es werden jedoch auch die Leben der anderen Familienmitglieder zumindest bruchstückenhaft mitskizziert - so entsteht ein Ausschnitt einer Familiengeschichte. Den Inhalt mag ich gar nicht so sehr bewerten - immerhin sind es Rekonstruktionen wahrer Begebenheiten. Die Aufarbeitung ist jedoch gelungen wie ich finde. Mir hat gerade die sachliche Darstellung gefallen, auch wenn dies an einigen Stellen eher einem nüchternen Bericht als einem mitreißendem Roman glich. Zitate aus öffentlichen Dokumenten, Zeitberichten und Briefen der Familie erhöhen die Authentizität enorm.
Den Schluss des Buches fand ich bemerkenswert, hier schloss sich für mich der Kreis zum Covermotiv.
Dieses Buch reiht sich ein in eine Vielzahl von Berichten der jüdischen Einzel- und Familienschicksale der NS-Zeit.

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Isidor hat es geschafft. Er stammt aus einem Schtetl in Galizien und hat es in Wien zu einem Vermögen gebracht. Er berät die österreichische Regierung. Er fühlt sich als Österreicher. Als aber die Nazis kamen, war er doch nur ein Jude.
Shelly Kupferberg hat den Roman an das Leben eines Großonkels angelehnt,
Beeindruckend! - Ich finde das Buch sollte in der Oberstufe der Schulen gelesen werden und auch von allen, die die Schule schon hinter sich haben!
Leider kann man hier nur 5 Sterne vergeben!

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In dem Buch geht es um den Urgroßonkel der Autorin, der sich aus ärmlichen Verhältnissen zu einem wohlhabenden Geschäftsmann hoch gearbeitet hat. Trotz des aufkommenden Nationalsozialismus beschließt Isidor Geller in Wien zu bleiben. Österreich ist nicht das Deutsche Reich und es wird schon alles nicht so schlimm werden. Natürlich wird es nach dem Anschluß schlimm und die Schilderungen der erduldeten Maßnahmen und Attacken der Zivilbeölkerung sind nur schwer zu ertragen. Es ist immer wieder aufs Neue unfassbar, was Menschen anderen Menschen antun können, wenn sie die Macht dazu haben. Isidor wird verhaftet, gefoltert, gedemütigt und muss den Nazis einen Großteil seines Vermögens überschreiben. Er stirbt kurze Zeit nach seiner Freilassung an den Folgen der Haft. Warum er Österreich nicht verlassen hat, als er es noch konnte, ist die Frage, die sich die Autorin stellt.
Antworten darauf findet sie leider keine, aber eine unheimlich spannende, wenn auch traurige Familiengeschichte. Wichtig ist, daß diese weitehin erzählt werden, damit die Menschen sensibilisiert werden oder bleiben. Gerade in den Zeiten des wieder erstarkenden Nationalismus, muss dieses Buch ein mahnendes Beispiel sein.

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Shelly Kupferberg, 1974 in Tev Aviv geboren, begibt sich auf Spurensuche nach Mitgliedern ihrer Familie, die unter anderem während in der Zwischenkriegszeit in Wien lebten.

Dazu recherchiert sie in zahlreichen Archiven wie dem österreichischen Staatsarchiv oder ähnlichen in Deutschland. Sie stößt auf ihren Urgroßvater Israel Geller, der aus einem Schtetl in Ostgalizien stammt und nach Zwischenstationen in Kolomea und Lemberg schließlich 1908 in Wien landet, wo er kurzerhand seinen Vornamen in Isidor ändert, Gefallen an Oper und Theater findet sowie Jura studiert und 1913 promoviert. Kurz vor Beginn des Krieges von 1914-1918 hat er eine leitende Position in einer Lederwarenfabrik inne, wird deswegen als „kriegswichtig“ eingestuft und muss nicht wie seine Brüder einrücken. Wären draußen gestorben wird, vergnügt sich Isidor in der Oper und schafft es, mit nicht immer lauteren Methoden, ein Vermögen anzuhäufen. Anders als andere Kriegsgewinnler behält er sein Vermögen in der Weltwirtschaftskrise und legt es in gut an. Wie so viele Juden seiner Zeit verkennt er den aufkeimenden Nationalsozialismus. Letztendlich wird er von seinem Personal an die Gestapo verraten, die sehr genaue Kenntnis von seinem Vermögen hat.

Meine Meinung:

Mir hat diese Biografie von Isidor Geller sehr gut gefallen. Sie zeigt einen Selfmademan, der aus bitterer Armut zum Multimillionär wird und damit die Vorurteile den Juden gegenüber wie „Kriegsgewinnler“, „reich auf Kosten anderer“ oder „Schuld an der Niederlage 1918“ schürt.

Der sachliche Schreibstil gefällt mir sehr gut. Ich kann mir die Recherchen in den Archiven sehr gut vorstellen. Sie kommt von einem ins andere, vom Hundersten ins Tausendste. Akribisch geht sie allen Hinweisen nach und fördert Erstaunliches zu Tage.

Isidor Geller ist die zentrale Figur, doch lernen wir auch seinen Neffen Walter kennen, der seinerseits Shellys Großvater ist. Der Stamm am Ende des BUches gibt einen gut Überblick über die weit verzweigte, in alle Welt verstreute Familie.

Wie ich es vom Diogenes-Verlag gewöhnt bin, ist das Buch hochwertig verarbeitet und hat ein ansprechendes Cover, das ein Reh ziert. Erst zum Schluss enthüllt sich der Konnex zum Cover. Gut gelungen!

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten Buch über das Leben Isidor Geller 5 Sterne.

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Mit „Isidor“ setzt Shelly Kupferberg ihrem Großonkel ein Denkmal. Akribisch suchte sie in Archiven und Museen nach Hinweisen auf sein Leben. Fündig wurde sie vor allem in Briefen, die sie auf dem Speicher der Wohnung ihres Großvaters in Israel fand.
Geboren 1876 und aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in einem galizischen Kaff hat sich Israel, wie Isidors Taufname lautete, zu einem Multimillionär in Wien hochgearbeitet. Er unterstützte seine vier Geschwister, war begeistert von der Kunst und lebte wie ein Dandy. Bis am 11. März 1938 die Hakenkreuzfahne auf dem Wiener Rathaus aufgezogen und Isidor nur drei Tage später verhaftet wurde. Nach und nach wurde sein Vermögen beschlagnahmt, besonders wertvolle Kunstgegenstände konfisziert. Während Kupferbergs Großvater Walter, der viel Zeit mit seinem Onkel verbrachte, noch rechtzeitig nach Palästina ausreisen konnte, verpasste Isidor den Absprung und starb am 16. November völlig entkräftet mit nur 52 Jahren. Er war zuerst materiell, dann physisch ausgelöscht worden.

Shelly Kupferberg (*1974 in Tel Aviv geboren und in Berlin aufgewachsen) ist eine bekannte Moderatorin. In ihrem Buch hat sie das Wiener Leben zu Beginn des 20.Jahrhunderts plastisch beschrieben. Sie macht uns mit jüdischen Bräuchen und Lebensgewohnheiten bekannt, bevor sie die Stimmung beschreibt, die sich während des Nationalsozialismus gegen die Juden aufbaute und in unvorstellbaren Grausamkeiten mündete.

Diese Biografie lässt sich gut lesen und gibt einen Einblick in die damalige Zeit. An manchen Stellen kam sie mir wie eine Abrechnung vor, in der die Wut über das Schicksal ihrer Ahnen größer war als der Schmerz darüber.

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Vom Sztet ins Großbürgertum

Ein Aufstieg aus ärmlichsten Verhältnissen, Leben in der großbürgerlichen Welt am Wiener Ring, nur um am Ende verfolgt, misshandelt und auf seine jüdische Herkunftsgeschichte reduziert zu werden - die Geschichte von Isidor Geller in Shelly Kupferbergs Doku-Roman "Isidor" steht für einen der sechs Millionen Opfer der Shoah. Die Autorin hat in Archiven nach der Familiengeschichte geschürft und sich vor allem auf die Geschichte ihres Urgroßonkels konzentriert.

Als Kind einer streng orthodoxen Familie in einem galizischen Stetl kannten Isidor und seine Geschwister vor allem Armut und die tiefe Frömmigkeit ihrer Eltern. Intelligent und begabt, konnten zumindest die Brüder aber einen Schulbesuch an einer weltlichen Schule und nicht nur an eine Yeshiva durchsetzen, gar das Gymnasium in der nahen Kleinstadt - und so einen Blick auf die Welt außerhalb religiöser Beschränkungen werfen, feststellen, dass es auch Juden gab, die sich von manchen alten Sitten und Traditionen getrennt hatten und aufgeschlossen für die Moderne waren.

Den jungen Isidor und seine Brüder zieht es, nach "Verweltlichung" ihrer Namen, die allzu sehr an die Chassidische Stetl-Welt erinnerten, nach Wien, das Zentrum von Lebensart und deutschsprachiger Kultur. Es ist Isidor, der am weitesten vorankommt in einer Welt, die noch so manches antisemitische Vorurteil hat, aber erfolgreiche Selfmademänner und zahlungskräftige Mäzene zu schätzen weiß. Neffe Walter, der spätere Großvater der Autorin, ist für Isidor wie ein Sohnersatz.

Ein wenig ist diese Lebens- und Familiengeschichte auch ein Zeitroman der Jeckes, der deutschsprachigen Juden, die in den 1930-er Jahren angesichts zunehmender Verfolgung und in weiser Voraussicht nach Palästina auswanderten, da aber immer fremd blieben und sich einfach nicht mit der rauen Pioniergesellschaft der Kibbuzniks und Zionisten identifizieren konnen. Die Sehnsucht nach den Opern- und Konzertbühnen in Wien oder Berlin, nach den Boulevards und Kaffeehäusern, nach höflichem Umgangston und bürgerlichem Lebensumfeld sollte sie jahrzehntelang begleiten - und im Fall von Isidor war es dieser feste Glaube an die zivilisierte österreichische Gesellschaft, die ihn alle Warnzeichen ignorieren ließ.

Je weiter die Geschichte Isidors voranschreitet, desto düsterer, erwartbarer und tödlicher entwickelt sie sich. Hätte er anders handeln sollen? Sein Leben hätte er retten können. Doch in seiner Fehleinschätzung, es werde schon nicht so schlimm kommen und die Deutschen seien doch schließlich ein Volk voller Kultur, lag Isidor nicht alleine. Die Erinnerungen aus dem Familienarchiv, Bilder aus glücklicheren Zeiten, aber auch Dokumente aus den Archivstudien lassen die Autorin einen Erzählteppich weben, der beispielhaft steht für das Schicksal Zehntausender Wiener Juden. Dass Isidor nicht auf eine Opferrolle reduziert wird, sondern ein ambivalenter und komplexer Charakter ist, dem sich Kupferberg zu nähern versucht, ist ein Gewinn für das Buch.

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Mit einer gut gelungenen Distanz beschreibt Shelly Kupferberg die Geschichte ihrer Familie, insbesondere ihren Großonkel Isidor. Isidor führt uns in das Wien der gehobenen Gesellschaft der Zwischenkriegszeit vor Augen und Kupferberg entführt die Leser:innen in das spannende und vielschichtige Leben Isidors.

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Faszinierender Lebenslauf;
Es ist der Autorin sehr gut gelungen, das Leben ihres ehrgeizigen Urgroßonkels Dr. Isidor Geller nachzuerzählen. Im Anhang des Buches findet sich ein Interview mit Shelly Kupferberg und dadurch wird klar, mit wieviel Kleinarbeit und Recherchen sie sich den Details genähert hat. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich habe einige Dinge erfahren, die mir neu waren, z. B. dass es in Polen eine Region namens Galizien gibt, die damaligen Lebensumstände dort und wie die Familie den „Anschluss“ in Wien erlebt hat. Es wird nicht nur das Leben Isidors, sondern der ganzen Familie erzählt und der plötzliche Umsturz im Leben damals ist durch das aktuelle Weltgeschehen erschreckend aktuell geworden. Passend fand ich die sachlich-neutrale Erzählweise und Sprache. Das faszinierende Leben Isidors wird in seiner Gesamtheit erzählt, aber am steht natürlich die Verfolgung durch die Nazis im Fokus, da sein Tod durch deren Inhaftierung verursacht wurde.

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Frau Kupferberg folgt den Spuren ihres Urgroßonkels, sichtet Archive, findet Briefe, Bilder, alles authentisches Material und formt daraus ein eindrückliches Portrait ihres Urgroßonkels Isidor Geller, der eigentlich anders hieß und ein wahrhaftiger Selfmade-Mann war. Auch wenn wir alle schon "alles" über die NS-Zeit wissen, so rückt durch Kupferbergs Erzählen menschliches Schicksal doch wieder so nahe, dass einem beim Lesen Gänsehaut überzieht. Diese Biographie ist nicht nur ein Kleinod für Frau Kupferbergs Familie, sondern für alle, die an Menschlichkeit interessiert sind.

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Dr. Isidor Geller wächst als Israel Geller in Galizien in ärmlichen Verhältnissen auf und zieht fürs Studium nach Wien. Dort schafft er den Aufstieg zum erfolgreichen, einflussreichen Mann und Kommerzialrat. Er sieht die Zeichen der Zeit, kann sich aber nicht vorstellen, dass ihm die Nationalsozialisten etwas anhaben können. Ein Trugschluss, wie sich leider sehr bald herausstellt.

Shelly Kupferberg ist Journalistin und Isidors Urgroßnichte. Aus Fotos, Briefen und weiteren Dokumenten hat sie das Leben ihres Urgroßonkels rekonstruiert und erzählt davon in sachlicher, distanzierter, fast schon emotionsloser Sprache.

"Isidor" ist eine Mischung aus Sachbuch und Roman, aber trotz aller Sachlichkeit und Nüchternheit vermag das Buch zu fesseln. Es berührt mich und macht mich fassungslos und sehr traurig - immer noch, obwohl ich bereits zahllose Geschichten, Berichte und Dokumentationen über die Gräueltaten der Nazis gelesen, gehört oder gesehen habe. Wie muss es da erst der Autorin ergangen sein? Für sie ist es ihr Angehöriger, für uns Leser nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein uns Unbekannter, der stellvertretend für unzählige Juden steht, die sein schreckliches Schicksal teilen.

Ein bemerkenswertes Buch, das lange nachwirkt. Klare Leseempfehlung!

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Er war der Sohn orthodoxer Eltern und wurde mit dem Namen Israel getauft. Der Ort seiner Geburt lag im habsburgischen Galizien. Sein einziger Wunsch war, dass er dem armen Elternhaus entkommt und irgendwann einmal reich wird. Dass ihm das tatsächlich gelang, lag unter anderem daran, dass er sein Elternhaus hinter sich ließ und nach Wien zog. Das war im Jahr 1908 und zu dem Zeitpunkt war die Welt in Österreich noch in Ordnung.

Isidor war der Onkel der Autorin Shelly Kupferberg. Er lebte in der Canovagasse in Wien. Durch schlaue Investitionen brachte er es zu einem beachtlichen Reichtum und konnte von den Zinserträgen seines riesigen Kapitals sehr gut leben. Zwei Ehefrauen trennten sich von ihm,
(oder er sich von ihnen). Danach heiratete er nicht mehr. Er genoss sein Leben mit hübschen Geliebten.

#Isidor ist ein unglaublich ergreifendes Buch. Die Autorin schaffte es, dass sie mich hautnah in das Geschehen rund um die Verfolgung von Juden involvierte. Sie zeichnet akribisch und nachvollziehbar auf, was damals mit ihrem Onkel geschah. Ein anerkannter und gerne besuchter Gastgeber, der niemals Kosten und Mühen scheute, seine Eingeladenen mit ausgesuchten Delikatessen zu bewirten. Er, der niemals gegen das Gesetz verstoß war plötzlich ein Verfolgter. Weder Isidor noch seine Geschwister wollten es wahr haben und trotzdem war es die Realität. Für mich unvorstellbar, das sich „Freunde“ von ihm abwandten, obwohl er ihnen nie negativ begegnete.

In eindrücklicher Art und mitreißender Sprache schildert Frau Kupferberg das Schicksal ihres Onkels. Und das nur aus Aufzeichnungen, die sie in mühevoller Kleinarbeit zusammensuchte und zu einem exzellenten Roman verarbeitete. Für dieses Buch gebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung. #NetGalleyDE

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Shelly Kupferberg kann erzählen, trotzdem hätte es mich als "richtiger" Roman vermutlich mehr begeistert. Hat mich irgendwie nicht erreicht, aber vielleicht war es auch nur eine temporäre Lesekrise.

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