Isidor

Ein jüdisches Leben

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Erscheinungstermin 24.08.2022 | Archivierungsdatum 26.07.2022

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Zum Inhalt

Das berührende Debüt der bekannten Journalistin und Moderatorin

Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.

Das berührende Debüt der bekannten Journalistin und Moderatorin

Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und...


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Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Hardcover
ISBN 9783257072068
PREIS 24,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

In diesem Buch schreibt Shelley Kupferberg über ihren Urgrossonkel isidor, der in Wien lebte,  er war ein erfolgreicher Geschäftsmann, auch der Kultur zugewandt. Als dann Österreich Nazideutschland angeschlossen wurde, bedeutete das für die Juden Schikanen. Isidor wurde verhaftet, enteignet, körperlich und seelisch gebrochen. Er starb 1838 mit nur 52 Jahren.
Sein Neffe Walter, Grossvater der Autorin, konnte nach Palästina auswandern.

Das Buch, dass kein Roman sondern ein Sachbuch ist, ist so verdienstvoll, weil es die Geschehnisse anhand eines Einzelschicksals intensiv und dedailliert schildert und dabei erzählerisches Geschick beweisst.

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Eine besondere, jüdische Familiengeschichte, zusammengetragen aus mehreren noch vorhandenen Quellen.
Ungefähr 80 Jahre später entsteht eine Lebensgeschichte vom rasanten Aufstieg und brutalen Sturz ihres Wiener Urgroßonkels, über die damalige Zeit, die deutlich einen unbedingten Anpassungswillen, das Vertuschen der eigenen Herkunft, das unbedingte Dazugehören wollen, der Wunsch nach Anerkennung aufzeigen, geschrieben von seiner Urgroßnichte.
Der Akt der Vernichtung der Juden in Wien durch die Nazis manifestiert sich anhand bürokratischer Prozesse, die belegen, dass ein Mensch ausgelöscht wurde – zunächst materiell, dann physisch. Der ganze, kostbare Familienbesitz in Millionenhöhe ging um 1938 verloren, teils unter der Folter von Isidor, ihrem Urgroßonkel. Auch durch die Einbeziehung zahlreicher Briefe und diverser persönlicher und offizieller Dokumente bis ins Detail und Fotos aus Alben aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhält dieses Buch eine lebendige, persönliche Sicht auf Isidor und die gesamte Familie über vier Generationen hinweg.

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eigentlich kein Roman, eher eine Biografie. Mich hat es nicht so überzeugt u. ich halte es für eher schwer verkäuflich. Das Thema gabs schon mal...und die Hauptperson ist natürlich für die Autorin wichtig aber für den Leser unbekannt. Mir zu sachlich

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Shelly Kupferberg - Isidor

Meinung
Ein großartig geschriebenes Buch über einen reichen Juden und die Nazis..
So wie Isidor haben sehr viele gedacht und gehandelt.
Es ist immer wieder berührend und zugleich entsetzlich, was passiert ist.
Der Mann führte ein so schillerndes Leben und dann die Wende
Ich bin noch immer so entsetzt, das sowas möglich war.
Wirklich empfehlenswert das Buch

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Der Roman „Isidor“ von Shelley Kupferberg beginnt nicht mit der, dem Roman Namen gebenden Figur, sondern mit Walter, dem Großvater der Autorin. Im Jahr 1956 reiste dieser erstmals nach seiner Emigration nach Tel Aviv in seine Heimatstadt Wien. Er schreibt zahlreiche Briefe an seine daheim gebliebene Frau. Diese Briefe sind ein erschütterndes Zeugnis dessen, was damals geschah und was leider auch noch heute immer wieder anzutreffen ist. [„…] wenngleich das eigenartige Gefühl zwischen Wehmut und Grauen noch nicht weichen will“, schrieb Walter. Als Wienerin hat mich der Beginn dieses Buchs sofort in die folgende Geschichte gezogen, zu Isidor und vielen anderen Figuren.
Der Weg des Dr. Isidor Geller zum Berater des österreichischen Staates beginnt in einem ostgalizischen Schtetl. „Als er später zum Studieren nach Wien kam, wurde aus Israel Isidor.“ Man schreibt das Jahr 1908 und in der Wiener Luft spürte man deutlich „wie sich der Aufschwung der Moderne und der Glanz des alten Habsburgerreichs vermischten … Isidor wollte ein Teil dieser Dynamik sein.“
Dr. Isidor Geller hat es in die oberste Wiener Gesellschaft geschafft. Er ist Kommerzialrat, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler. Doch nach dem ‚Anschluss‘ Österreichs wird er sofort von den Nazis verhaftet, denunziert von seinen Angestellten. Shelly Kupferberg fragt im Nachwort zu diesem Buch, warum Isidor die Zeichen der Zeit verkannt hat, warum er nicht rechtzeitig geflohen ist. Er war überzeugt, dass ihm niemand etwas antun kann, schon gar nicht „diese vulgären Nationalsozialisten“.
Der Wiener Urgroßonkel der Autorin ist, nicht nur aus der Sicht dieser Zeit, sehr gut charakterisiert. Isidor verbirgt seine Herkunft und v.a. seiner religiösen Zugehörigkeit. Sein drängender Wunsch dazuzugehören ist gepaart mit dem dazu den notwendigen Anpassungswillen. Jeden Sonntag lädt der Onkel zahlreiche Gäste zu einem Mittagessen in die Canovagasse im 1.Bezirk ein. Er bewohnt eine Etage im Palais des Freiherrn de Rothschild. Isidor, der kinderlos ist, protegiert den Sohn seiner Schwester Walter und sieht in ihm bereits seinen Nachfolger. „Walter - steh auf mein lieber! Woher stammt die Sentenz Roma locuta, causa finita – und was bedeutet sie?“ Mit der Beschreibung der sonntäglichen Bankette, dem Ambiente, den Gästen und den ‚Prüfungen‘, die Walter zu bestehen hatte, zeichnet Shelley Kupferberg ein detailliertes und authentisches Bild der reichen Wiener Gesellschaft in der Zeit vor dem ‚Anschluss‘ 1938.
Als die Vernichtung der Juden beginnt, wird Isidor verhaftet, gefoltert und anhand seines Besitzes inventarisiert, wie seine Möbel, Gemälde, Teppiche und sogar seiner Hand- und Leintücher. Schuschniggs letzte Ansprache im Radio ‚So verabschiede ich mich in dieser Stunde von dem österreichischen Volke […]‘ markiert auch im Leben Walters einen Wendepunkt.
Shelley Kupferberg berichtet nicht nur über Isidor, sondern greift auch die Geschichte Walters, ihres Großvaters auf, dem es 1938 gelingt, Ausreisepapiere nach Palästina zu seiner Jerusalemer Familie zu bekommen. Knapper Schreibstil macht die sich zuspitzende Lage in Wien mehr als deutlich. Anspannung und Angst, wenn sich ein größeres Fahrzeug nähert, denn es könnten Häscher sein, die Juden aufladen und in ein Konzentrationslager bringen.
Kurz vor der Abreise bittet Isidor seinen Neffen einen Brief an seine Geliebte, Ilona, die bereits in die USA emigriert war aufzusetzen, um ihr sein Schicksal zu berichten und dass er bereit sei, für sie Englisch zu lernen. „Sollte er eine Last für Ilona in Hollywood sein, diktierte Isidor seinem Neffen, sei er bereit als Diener für sie zu arbeiten“.
Zwar ging der gante kostbare Familienbesitz in Millionenhöhe 1938 verloren: doch durch die Einbeziehung zahlreicher Briefe und verschiedener persönlicher und offizieller Dokumente, Fotos aus Familienalben ist ein berührender, emotionaler und bildreicher biografischer Roman entstanden, dem uneingeschränkte Leseempfehlung auszusprechen ist.

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Ich wusste nicht worauf ich mich einlasse und wurde positiv überrascht. Nach der Lektüre habe ich mir dann das Cover nochmal angeschaut und das Cover ist wirklich sehr passend gewählt.

Die Biografie, bzw. Spurensuche, liest sich wie ein Roman und hat es geschafft ein unterhaltsames und informatives Porträt über das jüdische Leben von damals zu schreiben. Mit jeder Seite wurde es beklemmender und herzzerreissender, und das Buch hat mich zum Nachdenken gebracht. Wie hätte ich wohl reagiert, wäre ich an Isidors Stelle?
Ein Buch über ein Stück Lebensgeschichte, was dazu drängt zu erinnern, was tatsächlich im Leben wichtig ist.

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Shelly Kupferberg hat eine Art Familienchronik geschrieben, anhand von Aufzeichnungen ihres Großvaters,der 1938 nach Palästina ausreisen konnte.Die Biografie ihrer Familie beginnt um die Jahrhundertwende in Galizien.Von hier aus macht sich ihr Urgroßonkel Isidor auf nach Wien , für ihn die große Welt. Er studiert ,wird ein einflussreicher Mann in der Wirtschaft , schafft sich ein Vermögen und ist " wer" im Wien der Vorkriegsjahre.Alles hat ein jähes Ende mit dem Einmarsch der Nazis in Österreich. Isidor verliert alles, sein Geld, seine Kunstschätze,aber vor allem seine Würde , und daran zerbricht er, noch bevor er das Land verlassen kann.
Eine sehr aufwühlende Biografie, die so sicherlich für tausende ähnlicher Schicksale in der Zeit stehen könnte.
Vergessen darf man nie., allein um zu verhindern, dass es wieder passieren könnte.
Ich danke dem Diogenes Verlag für die Herausgabe dieses Buches.
Karin Kersten

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Isidor. eigentlich ist sein Geburtsname Israel, in einem kleinen Dorf in der Nähe von Lemberg geboren. Klug, ehrgeizig und eloquent macht er Karriere in Wien. Als Kommerzienrat Dr. Isidor Geller ist er bekannt, beliebt und lebt aus dem Vollen, vermögend genug ist er. Bis März 1938 dann kommt der Anschluss von Österreich an das nationalsozialistische Deutschland. Als Jude ist er allen erdenklichen Repressalien ausgesetzt. Sein Vermögen wird gestohlen, er wird gefoltert am Ende ermordet. Ein Neffe von ihm schafft es nach Palästina und ist der Großvater der Autorin.
Als Journalistin ist sie mit Recherche und Berichterstattung vertraut. Sie gibt Isidor sein Leben, seine Geschichte zurück. Anhand von alten Fotos, Briefen und vor allem den Berichten und Dokumenten der akribischen Bürokratie der Nationalsozialisten konnte sie das Leben und den Untergang ihres Urgroßonkels rekonstruieren.
Alle Details kann ich als Leserin nachverfolgen. Die Begeisterung von 97% der österreichischen Bevölkerung, das Drangsalieren der jüdischen Bevölkerung. Die Sorgfalt und Genauigkeit beim bürokratischen Erfassen der Vermögenswerte und allem Eigentums der Juden, ist mit sehr vielen Dokumenten belegt.
Die Autorin erzählt auch wie ihr Großvater 1956 zurück nach Wien in seine Heimatstadt geht. Wie er Menschen trifft, die seine Familie verraten haben, er trifft Menschen in deren Wohnung er Möbel seiner Eltern erkennt.
Der Schock das sich diese Menschen immer noch keiner Schuld bewusst sind, trifft nicht nur ihn sondern auch mich als Leserin.
Dieses Buch ist einerseits eine Biographie und auf der anderen Seite, eine in meinen Augen hervorragende journalistische Arbeit. Die Autorin liefert Tatsachen, der Protagonist hat real gelebt und gelitten. Sie beschreibt seinen Aufstieg, sein erfolgreiches Leben und den Absturz den er nicht selber verschuldet hat.
Ein Buch das niemanden unberührt und auch nicht wieder los lässt.

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*Bei all meinen Recherchen und Erkenntnissen über Isidors Leben hatte ich das Gefühl, ich gebe ihm eine Geschichte – SEINE Geschichte zurück.*


Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.


Aus Bruchstücken, Überlieferungen, Recherchen und Dokumenten rekonstruiert die Autorin das Leben ihres Urgroßonkels Isidors, der es geschafft hat, aus ärmlichen Verhältnissen in einem ostgalizischen Kaff in die Wiener Gesellschaft aufzusteigen. Dabei geht es in dieser Geschichte nicht nur um Isidor, sondern auch um seine Familie, seine Brüder und seine Schwester samt Mutter, die nach Wien kommen um sich dort ihr Leben aufzubauen. Und dieses Leben verläuft erst einmal vielversprechend. Als Leser unserer Zeit weiß man allerdings, dass die immer deutlicher werdende Macht der Nazionalsozialisten auch (besonders?) gut situierte Juden bedroht.


Der Stil der Autorin variiert. Es liest sich nicht wie der angekündigte Roman. Vielmehr mischt sie Biografien, mit eigenen Eindrücken und kurzen Anekdoten. Der Erzählung merkt man ihren journalistischen Hintergrund an. Aus allem liest sich die gründliche Recherche, die selbst kleinste Erwähnungen in Register beinhaltet. Mitunter wirkt der Stil distanziert und sehr sachlich. Bei den Einblick in die verschiedenen Leben ihrer Familienmitglieder fand ich das mitunter etwas zu trocken. Aber genau das hat in Bezug auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten und deren Auswirkungen bedrückend gewirkt. Mit welchem System Juden um ihr Hab und Gut gebracht wurden, wie bürokratisch das Ganze war und welche verheerenden Folgen das auf den Einzelnen hatte, zeigt sich in dieser Erzählung.


Fazit: Das Gelesene ist nicht einfach zu verarbeiten und wirkt nach. Ich bin froh, dass sich die Autorin die Mühe der detaillierten Recherche gemacht und die Geschichte Isidors einem breiten Publikum zugänglich gemacht hat.

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Isidor - ein erzählende Sachbuch.

Biographie - Familienchronik - Roman - Zeitgeschichtliches Zeugnis

Dies sind die Schlagworte, die ich diesem eindrucksvollen Buch zuordnen möchte.

Shelly Kupferberg erzählt die Geschichte ihrer Familie beginnend mit ihrem Ururgroßonkel Isidor eigentlich Israel, welcher Ende 1800 in einfachsten Verhältnissen in einem jüdischen Dorf In Galizien aufwuchs. Isidor kam mit nichts, als seinem unbedingten Willen zur Gesellschaft dazuzugehören, nach Wien und schaffte es mit Intellekt und Geschick zum österreichischen Kommerzialrat und Multimillionär
Er war zeitlebens ein leidenschaftlicher Sammler und Freund der Kunst, Literatur und Musik. Mit dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland begann dann das schicksalhafte Ende eines schillernden Lebens.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Shelly Kupferbergs Großvater, welcher sich Mitte der 1950 Jahre auf Spurensuche seiner Familie begibt.
Der sachbuchartige Charakter des Buches rührt sicher daher, dass unglaublich viele Briefe, Fotos und Originaldokumente in der Familie, aber auch in österreichischen Archiven zum Schicksal der Familie erhalten sind.

Für mich ein sehr eindrucksvolles Buch, dass die Grausamkeiten unserer jüngeren deutschen und europäischen Geschichte aus einem interessanten Blickwinkel erzählt. Lassen Sie sich darauf ein und sie werden überrascht werden.

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Der Journalistin Shelley Kupferberg ist mit diesem Buch ein ganz wunderbares Portrait ihres Uronkels Isidor Geller gelungen. Sie zeigt seinen sagenhaften Weg aus dem ärmlichen Schtetl im polnisch-ukrainischen Galizien bis in höchste Kreise des schillernd-mondänen Wien der Zwischenkriegszeit.
Aber war seine – so scheint es leichterhand betriebene - Assimilation wirklich der richtige Weg? Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wird in seinem Freundeskreis viel darüber diskutiert, manche haben sich bereits zur Auswanderung entschlossen. Doch Isidor bleibt, zu verwurzelt ist er als Kommerzialrat mit verfeinert-intellektuellem Lebensstil in der neuen, der einzigen Heimat. Judenverfolgung und -morde will er nicht wahrhaben, weil doch nicht sein kann, was nicht sein darf und so folgt der schnelle, der unerbittliche Abstieg in die braune Hölle.

Diese Lebensgeschichte fesselt von der ersten Seite an, denn Shelley Kupferberg schreibt einfach meisterhaft. Sie liefert keine schmonzettenhaft ausgeschmückte Leier, verzichtet auf psychologisierende Aufarbeitung und enthält sich der Bewertung von schicksalshaften Entscheidungen ihres Verwandten. Und gerade das macht die Lektüre so wunderbar beglückend. Hier ist nichts überfrachtet, nichts wirkt nachträglich hinzugetan.
Mir hat dieses Buch sehr gefallen – es gehört ganz sicher zu den großen Highlights des Literaturjahres 2022.

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Dieses Buch hat mich tief beeindruckt, Shelly Kupferberg ist es gelungen, eine Geschichte zu erzählen, die über das Persönliche weit hinausgeht.
Update: Mehr als nur das Porträt eines jüdischen Lebens
Shelly Kupferberg, Journalistin, in Israel geboren, in Berlin lebend, begibt sich auf eine Entdeckungsreise. Sie beginnt, sich ihrem Urgroßonkel Isidor Geller, ehemals ein Millionär und Dandy in Wien, zu nähern. Zuerst ist es wenig, was sie in der Hand hat, aber eigentlich viel mehr, als von vielen Juden nach dem Holocaust überhaupt übriggeblieben ist. Und so startet sie eine ungewisse, oftmals überraschende und sehr traurige Suche nach den Details. Wir erleben einerseits ihre Recherche – andererseits tut sich mit Kupferbergs Hilfe eine reichhaltige jüdische Familiengeschichte auf. Das heutige Wissen, dass diese Geschichten oftmals tödlich im Holocaust oder in der leidvollen Vertreibung und Emigration enden, macht das Lesen nicht weniger spannend.
Isidor kommt als Israel im tiefsten Galizien zur Welt. Der Vater Eisik Judenfreund war ein Talmudgelehrter, die Mutter Batja Geller widmete sich nach der Heirat 1880 dem Haus-halt und den fünf Kindern, sie war es, die den Unterhalt der Familie gewährleistete. In dieser jüdisch-orthodoxen Familie wurde viel Wert auf Bildung gelegt, der Junge Israel wurde ein „Bücherwurm“, besuchte später das Gymnasium in Kolomea, das er glänzend beendete. Nun stand einem Studium in Lemberg nichts mehr im Wege, es sei denn, man ließ sich von Armut abhalten. Aber das war Israels Sache nicht. Schon 1905 war der älteste Bruder David nach Wien gezogen, 1908 war Israel nicht mehr zu halten, riss auch den Bruder Rubin mit und kam so mit gerade einmal 22 Jahren in die verheißungsvolle Kulturmetropole. Und er legte sich einen neuen Vornamen zu: Isidor, so wurde er Herr Dr. Isidor Geller.
Auch Fejge, seine einzige Schwester, geht diesen Weg nach Wien, nachdem ihre Ehe mit einer zeitigen Witwenschaft endete. Sie nennt sich fortan Franziska und beginnt mit einer Ausbildung. Schon bald wird diese ehrgeizige junge Frau ein eigenes Geschäft haben, ihre Mutter lebt dann bei ihr und kümmert sich um den kleinen Enkelsohn Munio.
Isidor entwickelt sich in Wien zu einem Geschäftsmann par Exzellenz, im Weltkrieg ist er mit seiner Lederfabrikation unabkömmlich und entgeht dem Schützengraben. Bald erhält er den erträumten Titel Kommerzialrat im k. u. k.-Reich. Er macht Geld, viel Geld, und auch das Kriegsende und der Zerfall von Österreich-Ungarn kann ihm nichts mehr anhaben. Der Mann entwickelt sich zum Multimillionär, er brauchte gar nicht nach Amerika zu gehen, um sich diesen Traum zu erfüllen. Immer mehr wendet er sich von der jüdischen Religion ab, Synagogengänge sind nun nicht mehr nötig, er hat seine „Kreise“ gefunden, gibt Feste und genießt das kulturelle Leben in Wien. Auch das Liebesleben kommt nicht zu kurz. Mit seinem Geld hilft er Verwandten und Bekannten, zeigt sich freigiebig und weltoffen. Die „goldenen Zwanziger“ werden für ihn und die seinen das Eldorado.
Aber es ziehen dunkle Wolken auf am blauen Himmel über Wien, Antisemitismus macht sich breit, der Blick ins aufstrebende Deutsche Reich und zum deutschen Kanzler vernebelt so manchem Wiener das Gehirn. Dass in den 1930er Jahren die NSDAP in Österreich verboten ist, hält gewisse Kreise nicht davon ab, den Nationalsozialismus auch in Österreich für erstrebenswert zu halten. Die Wende kommt am 12. März 1938 mit dem „Anschluss“ Österreichs, was danach geschieht, ist hinreichend bekannt.
Wie Shelly Kupferberg aber jenen Absturz Österreichs in die Barbarei beschreibt, das ist so dramatisch, bedrückend und beängstigend, das muss jeder Leser selbst lesen. Mir hat es schlaflose Nächte bereitet, obwohl ich mit der Geschichte des Holocaust und den unmenschlichen Auswüchsen bestens vertraut bin.
Shelly Kupferberg macht sich ganz am Ende des Buches auf den Weg zum Friedhof, um Isidors Grab zu besuchen. Erst hier erklärt sich das poetische Umschlagbild. Ein irgendwie tröstliches Ende.
Shelly Kupferberg hat einen angenehmen Schreibstil, sie entspricht zufällig ganz meinem Geschmack. Da sie auch noch – genau wie ich –, die Geschichte ihrer zum Teil vernichteten, zum Teil überlebenden Familie erforscht und beschreibt, fühle ich mich ihren Gedanken und Gefühlen sehr eng verbunden.
Ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt jedem, der an der jüdischen, der deutschen, der österreichischen Geschichte, an Schilderungen von Wien oder Lemberg, an menschlichen Tragödien und menschlichem Großmut ebenso interessiert ist, wie an der Hölle, die Menschen anderen Menschen zu bereiten willens und in der Lage sind.
Mehr als 5 Sterne gehen leider nicht.

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Ein wichtiges Buch. "Ein jüdisches Leben" von Shelly Kupferberg ist ein wichtiges Buch. Kein Roman, sondern vielmehr das Ergebnis einer Frage an die eigene Familiengeschichte, der Versuch, Herkunft zu ergründen und schlussendlich eine individuelle Geschichte in Familien- und Zeitgeschichte einzubetten. Shelly betreibt Spurensuche. Über ihren Großvater Walter erfährt sie von Isidor, Walters Onkel, der es irgendwie geschafft hatte, sich aus ärmlichen Verhältnissen in Galizien hochzuarbeiten, hinein in einen mondänen Status innerhalb der Kulturmetropole Wien; Isidor hat seinen jüdischen Vornamen 'Israel' abgelegt, hat es zum Kommerzialrat Dr. Isidor Geller, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler geschafft; auf zwei gescheiterte Ehen folgt eine Liebesbeziehung zu einer ungarischen Sängerin. Der Bericht beeindruckt vor allem durch seine detaillierte Recherche und den Rückgriff auf Archivmaterial. Aber "Ein jüdisches Leben" ist weit mehr als lediglich die Rekonstruktion einer erstaunlichen Lebensgeschichte; die Einbettung in den historischen Kontext, die prägende Wirkung von Zeitgeschichte auf die individuelle Lebensgeschichte stechen besonders hervor: Der Anschluss Österreichs an Nazideutschland und die große Frage, die sich der zunehmend bedrohten und aus der Öffentlichkeit vertriebenen jüdischen Bevölkerung stellt - zu flüchten oder eine Form des sich Arrangierens zu finden. Ein Kontrast, welcher besonders gut herausgearbeitet ist, ist das Verhältnis der jüdischen, sehr der feinen Kultur verbundene Lebensart zu der grobschlächtigen Art der Nationalsozialisten. "Ein jüdisches Leben" ist ein Ausrufezeichen!

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Als Shelly Kupferberg einen Vortrag über die Provenienz jüdischer Raubkunst hält, fallen ihr die Geschichten ihres Großvaters über dessen Onkel Isidor ein. Existierte er tatsächlich? Und hatte er tatsächlich eine so große Sammlung an Kunst- und Wertgegenständen? Aus einer Familie von Überlebenden stammend existieren nur Geschichten und ein großer Besteckkasten... Shelly begibt sich in Europa auf Spurensuche und stößt auf einen Mann, der in schwierigen Zeiten zur rechten Zeit am rechten Ort war und darüber sehr wohlhabend wurde. Aufgewachsen in tiefster Armut in einem Stetl in Galizien haben Isidor und seine Geschwister den Weg nach Wien gefunden und dort einen bemerkenswerten Aufstieg geschafft. Die Nationalsozialisten und ihren Aufstieg nicht erst nehmend, wurde auch dieser Mann zum Opfer. Die Autorin schreibt dies unheimlich fesselnd und gerade an den grauenhaften Stellen mit einer Nüchternheit, die einen schaudern lässt. Eine bemerkenswerte Spurensuche und Biografie!

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