Lügen über meine Mutter

Roman | Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022 (Shortlist)

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Erscheinungstermin 18.08.2022 | Archivierungsdatum 04.06.2023

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Zum Inhalt

Daniela Dröscher erzählt vom Aufwachsen in einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie. Entscheidet ihr Ehemann. Und die Mutter ist dem ausgesetzt, Tag für Tag.

»Lügen über meine Mutter« ist zweierlei zugleich: die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Und es ist eine Befragung des Geschehens aus der heutigen Perspektive: Was ist damals wirklich passiert? Was wurde verheimlicht, worüber wurde gelogen? Und was sagt uns das alles über den größeren Zusammenhang: die Gesellschaft, die ständig auf uns einwirkt, ob wir wollen oder nicht?

Schonungslos und eindrücklich lässt Daniela Dröscher ihr kindliches Alter Ego die Jahre, in denen sich dieses  »Kammerspiel namens Familie« abspielte, noch einmal durchleben. Ihr gelingt ein ebenso berührender wie kluger Roman über subtile Gewalt, aber auch über Verantwortung und Fürsorge. Vor allem aber ist dies ein tragik-komisches Buch über eine starke Frau, die nicht aufhört, für die Selbstbestimmung über ihr Leben zu kämpfen. 

Daniela Dröscher erzählt vom Aufwachsen in einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783462001990
PREIS 24,00 € (EUR)
SEITEN 448

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Die autobiografisch gefärbte Geschichte einer Familiie, Vater, Mutter, Kind, im Hunsrück der 80er Jahre,
deren Thema über Jahre das (für den Vater deutlich zu hohe Körpergewicht der Mutter ist, und deren Versuche,
mit den Demütigungen umzugehen. Das Porträt einer „typischen“ Familie dieser Zeit, in der sich viel um Hausbau, Autokauf,
mehr Schein als Sein dreht und nicht zuletzt darum, „was die Leute sagen“. Das Ganze wird sehr treffend aus der Sicht der etwa 8-11jährigen Tochter erzählt. Hat mir gut gefallen.

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Hat mir sehr gut gefallen, total fesselnde Geschichte
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Bei mir kamen viele Erinnerungen an die eigene Kindheit, für mich war es also nichts Neues, teilweise eher unangenehm, daher fällt mir eine Empfehlung eher schwer

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Daniela Dröscher gibt in ihrem biografischen Roman einen Einblick in ihre Familie und ihre Kindheit. Es ist ein Familienleben, das geprägt ist von Kritik und Scham, den ein Thema ist für den Familienvater fast schon zur Obsession geworden: das für ihn zu hohe Körpergewicht seiner Frau und die daraus resultierenden notwendigen Diäten. So ist die Mutter fast täglich Beleidigungen und Diskriminierung durch ihren Mann ausgesetzt und ihr Körper wird fortwährend bewertet und kommentiert.

Dieser Roman besteht nicht nur aus chronologischen Erzählungen über das Familienleben und ihre Kindheit in einem Dorf in den 80ern. Selbst dies alleine hätte das Buch schon lesenswert gemacht. Zwischen den einzelnen Kapiteln gibt die Autorin unter anderem Gespräche mit ihrer Mutter wieder, eigene Gedanken zum Vater oder die damalige Rolle einer Hausfrau und Mutter. Es scheint, das die Autorin nach jedem Kapitel versucht Abstand zu nehmen, um so auf ihre Familie und Kindheit zurückzublicken. Sie reflektiert, versucht zu verstehen und irgendwie zu begreifen, warum die Ehe so war und ihre Mutter nicht gegangen ist, als sie die Chance hatte.

Mit diesem Roman hat Frau Dröscher ihrer Mutter eine Stimme gegeben. Sie zeigt auf, dass ihre Mutter sich eigene Bereiche geschafft, in denen sie selbstständig entscheiden konnte. Obwohl sie über ein sehr sensibles Thema schreibt, gelingt es ihr, trotz aller schmerzhaften Ehrlichkeit, nicht wertend oder gar verletzend zu sein. Ein unmögliches Unterfangen, das die Autorin trotzt ihrer anfänglichen Angst ohne Probleme schafft. Im Buch schwingt Wertschätzung, Respekt, Verständnis und Liebe für ihre Mutter mit, was mir sehr gut gefällt.

Dieser Roman behandelt Themen, die auch heute noch von immenser Bedeutung sind und zeigt auf, dass sich unsere Gesellschaft in den letzten 40 Jahren leider doch noch nicht so weit entwickelt hat, wie ich es mir wünschen würde. Body Shaming ist aktueller denn je. Die gnadenlose Kritik von Männern und auch Frauen an Körpern, allen voran Frauenkörpern ist nach wie vor vorhanden, sogar noch ausgeprägter denn je durch diverse Social-media Kanäle. Ebenso liegt die Hauptlast der Sorgearbeit immer noch bei den Frauen, die sich wie selbstverständlich um ihre Kinder und Angehörigen kümmern.

Das ist ein Roman der wütend macht, und das ist gut so! Ein wichtiges und längst überfälliges Buch, welches zeigt, was in unseren Familien und in der Gesellschaft auch heut noch falsch läuft!

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"Lügen über meine Mutter" ist ein unglaublich aufwühlendes Werk. Es beschreibt das Leben einer typisch deutschen Familie ab dem Wirtschaftswunder mit allen seinen Versprechungen von steigendem Wohlstand und größer werdender Zufriedenheit mit zunehmendem Konsum.
Man könnte es als einfachen Roman über die jüngere deutsche Geschichte lesen wenn die Autorin nicht auf geniale Weise den Finger in die Wunde eines Themas legt, das viel zu oft übersehen wird: Der gesellschaftliche Druck auf Frauen schön, repräsentabel und selten mehr als schmuckes Beiwerk zum beruflich erfolgreichen Ehegatten zu sein!
In dem Roman ist das zunehmende Gewicht der Mutter ständiges (Streit-)Thema. An manchen Stellen macht es einfach nur sprachlos mit welcher Selbstverständlichkeit die Zahl auf der Waage für die Fehlschläge des Mannes verantwortlich gemacht werden.
Trotz dieses omnipräsenten Themas ist das gesamte Werk unglaublich Facettenreich.
Ein kluger, aufrüttelnder und hoffentlich zum Nachdenken anregender Roman!

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Das Buch gehört zu meinen absoluten Lesehighlights in diesem Jahr. Es ist sehr gut konstruiert mit den Gedanken der Tochter und dem Handlungsstrang. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt und jede Buchseite genosssen. Ich werde es empfehlen, wo ich kann. Vielen Dank!

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Schockierend, fesselnd, aufwühlend. Dieses Buch hat mich an vielen Stellen wütend gemacht und am Ende nachdenklich zurückgelassen.

Ela lebt mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf im Hunsrück und erzählt aus ihrer Sicht, wie sich die Ehe ihrer Eltern über die Jahre verändert hat und warum das vermeidliche Übergewicht der Mutter alle Zukunftspläne des Vaters zunichte macht.
Zu Beginn versteht die 6-Jährige Ela nicht, warum das Gewicht ihrer Mutter ständig das Hauptgesprächsthema ist. Beim Essen wird nicht nur genau beobachtet wie viel die Mutter isst, der Vater kritisiert das Aussehen seiner Frau aufs Schärfste und zerstört damit den Familienfrieden in zahlreichen Situationen. Er beginnt sie vor anderen Leuten bloßzustellen und stellt dann immer mehr Bedingungen, um sie zum Abnehmen zu zwingen. Als wäre das noch nicht genug muss sie sich auch noch den gehässigen Kommentaren und dem abwertenden Verhalten ihrer im selben Haushalt lebenden Schwiegereltern aussetzen.

Die Mutter hüpft von einer erfolglosen Diät zur nächsten, schließt sich den WeightWatchers an, ignoriert bestmöglich das Interesse ihres Mannes für andere Frauen und versucht ihm alles recht zu machen - bis das Blatt sich eines Tages wendet und sie langsam aber sicher beginnt sich aufzulehnen und aus ihrem „Käfig“ auszubrechen.
Mir gefiel die Entwicklung, die Elas Mutter im Laufe der Geschichte durchmacht, aber auch die von Ela selbst. Der Leser begleitet ihre Familie über einige Jahre und merkt, wie sie mit zunehmendem Alter den Äußerungen ihres Vater immer kritischer gegenübersteht. Sie erzählt uns, welche Auswirkungen das „Gewichtsthema“ auf ihre Kindheit hatte, ohne dass ihre Eltern auch nur ansatzweise ahnen, wie sehr die Situation das junge Mädchen belastet.
Man spürt die Verzweiflung der Tochter, die sich einerseits mehr Zeit mit ihrer Mutter, die sich viel zu viel zumutet, wünscht und andererseits komplett zwischen den Stühlen steht und immer wieder zur Vermittlerin werden muss. Um Streitereien zu verhindern, versucht sie sogar ins Geschehen einzugreifen.

Gut gefallen hat mir, dass die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der kindlichen und der erwachsenen Ela, die ihre Mutter in der Gegenwart zu ihrer Sicht der damaligen Ereignisse befragt, geschildert wird. So erfährt der Leser, was dazu geführt hat, dass der Protagonistin die Augen geöffnet wurden und wann sie begriffen hat, wie groß das Leid der Mutter wirklich war.
Erwähnenswert finde ich auch die Großeltern väterlicherseits. Der Dialekt hat mich im Lesefluss zwar ein wenig gehemmt, aber immer wieder Schmunzeln lassen. Zumal besonders die Äußerungen der Oma meiner Meinung nach typisch für ihre Generation sind.

Auch wenn das Verhalten der Mutter mich in manchen Situationen den Kopf hat schütteln lassen, habe ich zum Ende des Buches mehr und mehr Klarheit bekommen und auch nachvollziehen können, warum sie so gehandelt hat. Was für eine unglaublich starke Frau!

Mich hat „Lügen über meine Mutter“ sehr zum Nachdenken angeregt und ich hoffe, dass dieser Roman die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Lasst euch bitte nicht vom Cover abschrecken - das finde ich leider furchtbar.

Ich habe mich etliche Male aufgeregt, habe mitgefühlt und mitgelitten. Habe gehofft, gebangt und angefeuert. Eine klare Leseempfehlung, auch wenn für mich noch ein Fünkchen zum absoluten Highlight gefehlt hat.

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Dieser Roman hat mich wirklich sehr gefesselt. Die Autorin hat in ihren Roman die Ehe ihrer Eltern versucht aufzuarbeiten. Der Mutter ging es während ihrer Ehe sehr schlecht und hat sehr stark an Gewicht zugelegt.
Mich hat die Geschichte sehr an die Ehe meiner Eltern erinnert.

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Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Leben –Zeilen zum Nachdenken!
Die Szenerie spielt in einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz in den achtziger Jahren. Ela erzählt über das Aufwachsen in einer besonderen Familienkonstellation: Ihr Vater zeigt eine tiefe Obsession, eine übertriebene Werthaltung auf Äußerlichkeiten wie einen schlanken Körperbau z.B.. Elas Mutter jedoch neigt sehr stark zu Übergewicht, das auch trotz einer Vielzahl an wiederholten Diäten keinen Erfolg zeigt. Mit diesem fülligen Körperbau erfüllt sie jedoch nicht den Wunsch des Ehemanns nach ‚gutem Aussehen‘ an seiner Seite als Kompensationsmittel für sozialen Aufstieg etc. Mit dem gewünschten Schönheitsideal der 70er und 80er Jahre, mit schlanken Blondinen mit großen Brüsten z.B., kann Elas Mutter als Kind ehemaliger schlesiendeutscher Aussiedler nichts anfangen.
Auch Gedankenspiele über die Rolle der berufstätigen Mutter bei ungleicher Bezahlung spielen eine Rolle. Wäre z.B. eine solche Ehe anders verlaufen bei gleicher Bezahlung? Werden Eheprobleme der Eltern unbewusst auf ihre Kinder übertragen durch Parentizierung? Ist (zu viel) Essen eine Art Lohn statt Geld für die Mutter, die dem ständigen Druck des Ehepartners zum Abnehmen standhält.

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Realistisch und bewegend;
Die Autorin beschreibt einige Jahre ihrer Kindheit in den 1980er Jahren und es gelingt ihr sehr gut, den damaligen Zeitgeist und die dörfliche Enge und gleichzeitige Freiheit zu beschreiben. Ihre Erinnerungen decken sich mit meinen und so konnte ich mich sehr gut in das Buch einfühlen. Die toxische Beziehung der Eltern, die echte und gefühlte Abhängigkeit der Mutter wird treffend beschrieben und Daniela Dröscher findet die passenden Worte für etwas, das man nur schwer beschreiben kann. Ich mußte oft nicken oder hätte der Mutter am liebsten Aufmunterungen zugerufen, da alles sehr glaubhaft und realistisch erzählt wird. Die Konfektionsgröße der Mutter wird nie explizit erwähnt, aber ihr Kampf mit Diäten und um ihre Gesundheit wird beschrieben. Das Problem mit dem Vater wird durch das Gewichtsthema verdeckt und man wünscht seiner gutmütigen und großzügigen Frau genug Kraft, um sich endlich zu lösen. Das Buch zeigt aber auch, wie das Aussehen von Frauen auch schon vor dem Internet ein Thema war, das Betroffene sehr belastet und viel Unterechtigkeit hervorbringt. Vielen Dank für den Mut, diese Geschichte in einem Buch zu erzählen!

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Die Geschichte wird aus Sicht der 6 jährigen Ela erzählt, die mit ihren Eltern und Großeltern im Hunsrück in den Achtzigerjahren aufwächst. Ängstlich beobachtet sie, wie die Ehe ihrer Eltern in Schieflage gerät, als der Vater eine Manie entwickelt, seine Frau würde zu viel essen und durch ihre Korpulenz würden ihm alle sozialen Förderungen und Kontakte abhanden kommen. Nachdem er im Beruf scheidert, überwacht er akribisch das Essverhalten seiner Frau und die unzähligen Diäten zu die er sie zwingt. Spätenstens als Ela's Mutter ein zweites Kind bekommt, ein Nachbarskind aufnimmt und die kranke, demente Mutter pflegt, merkt man, wie stark diese Frau doch ist.

Dieses Buch von Daniela Dröscher hat mich zusehends aufgewühlt und richtig betroffen gemacht. Nicht selten habe ich den Vater von Ela zur Hölle gewünscht, habe mit der Mutter gelitten und die Ängste der Kinder gespürt.

Die Autorin schreibt aus Sicht eines 6jährigen Mädchens. Dies nimmt man ihr sofort ab. Die Sprache und die Gefühle der Kinder sind voll identisch ohne kindisch zu sein.

Ich habe ein Buch gelesen, in dem eine verbale häusliche Gewalt immer gegenwärtig ist und man stets hofft dass diese starke Frau die Kraft besitzt sich aus diesen Zwängen zu befreien.
Dass sie nicht nur den Kampf um ein paar Pfunde zuviel gewinnt, sondern auch die Stellung in der Familie, die ihr gebührt.

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Die erwachsene Ela erzählt uns von ihrer Kindheit in den 80er Jahren im Hunsrück. Zwischen den Kapiteln sind Reflexionen über diese Zeit und was sie mit ihr gemacht hat, eingeschoben.
Elas Mutter ist eher dick, was dem Vater ein ewiger Dorn im Auge ist. Seinen ganzen Frust projeziert er auf diese Tatsache und macht seiner Frau das Leben zur Hölle.

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Zum Inhalt:
In diesem autobiografischen Roman blickt die Autorin in ihre Kindheit zurück, in der ihr Vater das Übergewicht seiner Frau für alles verantwortlich macht, was in seinem Leben schief läuft. Sie zeigt aber auch eine starke Frau, die Mutter, die immer weiter darum kämpft, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. All dies wird aus der Sicht der Tochter erzählt.
Meine Meinung:
Mir war gar nicht bewusst, dass wir hier quasi einen autobiografischen Roman haben. Genau das macht das Buch dann noch mal beeindruckender. So einen Blick zurück in eine nicht einfache Kindheit zu tun, ist sicherlich nicht einfach. Aber auch ohne die persönliche Note der Autorin fand ich das Buch enorm gut und auch sehr gut geschrieben. Der Blick in die Abgründe von menschlichen Seelen ist erschütternd aber auch sehr interessant.
Fazit:
Beeindruckender Rückblick

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Das Cover ist in seiner farbigen Gestaltung fröhlicher als der Inhalt sich beim Lesen entpuppt.
Aber der Titel lässt schon erahnen um was es geht.
Wir befinden uns in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und die kleine Ela wächst in einer Familie auf, in der der Vater immer wieder das Gewicht der Mutter thematisiert. In beinahe jeder Situation will er sie zum Abnehmen bewegen, schreckt auch vor Erpressung nicht zurück. Seine abfälligen Sätze haben mir beim Lesen schon weh getan, wie müssen sie erst einen Menschen treffen. Meiner Meinung nach kann er nur so seine eigenen Minderwertigkeitskomplexe kompensieren. Von den Schwiegereltern hat die Mutter, als gebürtige Schlesien Deutsche, in dieser ländlichen Gegend auch keine Unterstützung zu erwarten.
Der Schreibstil von Daniela Dröscher ist flüssig und leicht zu lesen. Sie beschreibt eindrucksvoll die Vergangenheit und die Gegenwart in ihren Kommentaren.
In diesem Buch haben mir auch die Sätze im Dialekt gefallen. Zumindest klangen sie für mich authentisch.
Ein lesenswertes, nachdenklich stimmendes Buch.

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In diesem Buch wird die Kindheit von Ela in den 1980er Jahren erzählt. Man liest, dass der Vater das Übergewicht seiner Frau für alles verantwortlich macht, was passiert. Sei es im Beruf, das Ansehen im Dorf oder der soziale Aufstieg. Für mich stellt sich beim Lesen viele Fragen. Was wurde hier verheimlicht und worüber wurde gelogen? Beim Lesen durchlebt man was sich in einer Familie abspielt, wo alles auf eine Person abgewälzt wird. Für mich wird hier eindrücklich die stubile Gewalt die Verantwortung und Fürsorge in einer Familie geschildert. Beeindruckt hat mich die starke Frau, welche unermüdlich für ihre Selbstbestimmung über ihr Leben kämpft. Die eingestreuten Gespräche mit der Tochter fand ich sehr interessant. Für mich ein Buch, welches mit leisen Tönen daherkommt. Das Lesen kann ich empfehlen, wenn man danach über einiges Nachdenkt.

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Flashback in die Kindheit

Worum geht’s?
Ela wächst in einem kleinen Dorf in den 1980er Jahren auf. Ihr Leben wird bestimmt von einer Mutter, die sich kleiner macht, als sie ist und von einem Vater, der das Gewicht der Mutter für alles verantwortlich macht, was ihm versagt bleibt. Doch eines Tages begehrt ihre Mutter auf und will sich nicht mehr alles gefallen lassen.

Meine Meinung:
„Lügen über meine Mutter“ (Kiepenheuer & Witsch, August 2022) von Daniela Dröscher ist ein eindrucksvoller Roman über eine Kindheit in den 1980er Jahren. Die Autorin erzählt sehr autobiografisch, ob Sie es tatsächlich so erlebt hat, geht aus dem Buch jedoch nicht hervor. Besonders spannend fand ich die unterschiedlichen Erzählperspektiven, einmal aus ihrer Sicht als Tochter der Familie und einmal aus der Gegenwart, in welcher sie die Dinge, die sie als Kind erlebt hat, mit ihrer Mutter bespricht und nachfragt bzw. Erklärungen findet. Ein anderer aber sehr faszinierender Erzählstil!

Die Geschichte selbst hat mich in meine eigene Kindheit zurückgeworfen. Die Fernsehsendungen wie Dr. Snuggles & Co., die zuckerbestäubten Bonbons – ich kann mich noch zu gut an die mit der dicken Himbeerform erinnern, die gegen die Zähne geklappert sind. Die Ballonärmel, überhaupt die Kleidung und was die Kinder gespielt haben. Die Fitnessvideos von Jane Fonda. Dauerwellen. Tschernobyl. Für mich war dieser Roman wirklich ein Flashback in die eigene Kindheit, der viele Erinnerungen wieder hochgebracht hat an Dinge, die schon in den Tiefen des Gehirns versunken waren. Die Mutter von Ela hat mir gut gefallen und zugleich auch leidgetan. Was sie alles ertragen musste und wie sie dennoch gekämpft hat, bis die angeschlagene Gesundheit ihr die Kraft geraubt hat. Und selbst dann blieb sie noch stark. Und so hart und verbissen sie auf der einen Seite war, so herzensgut und großzügig war sie auf der anderen, Hilfsbedürftigen gegenüber.

Es war spannend, Elas Geschichte und die Geschichte über ihre Familie zu lesen. Und obwohl eigentlich nichts passiert ist, hat mich das Buch dennoch auf unerklärliche Weise komplett in seinen Bann gezogen. War es der Blick hinter fremde Türen? In anderer Leute Leben? Die außergewöhnliche Art zu schreiben? Das Weiterdenken nach den Gründen dahinter? Das Verständnis für Elas Mutter, die mit ihrem Gewicht kämpft und immer wieder verliert und deren Mann ihr gerade dies immer zum Vorwurf macht? Ich weiß es nicht, aber eins kann ich definitiv sagen: Was es auch war, das Buch hat mich vollkommen gefesselt! Ob es auch späteren Generationen so geht, kann ich nicht sagen. Aber allen, die in den 1970er und 1980er Jahren junge Eltern oder Kinder waren, kann ich dieses Buch nur empfehlen – lasst euch von der Erzählung fesseln, taucht nochmals ein in eure Kindheit und gebt euch ganz den Worten der Autorin und den Erinnerungen an damals hin.

Fazit:
Obwohl Daniela Dröscher in „Lügen über meine Mutter“ nicht wirklich viel erzählt, erzählt sie doch auch auf eine ganz besondere Art alles. Ich denke, dieses Buch ist vor allem für die jungen Eltern und Kinder der 1970er und 1980er Jahre faszinierend, weil es die Vergangenheit wiederaufleben lässt und viele Erinnerungen hochbringt, an die Süßigkeiten, die damaligen Fitness- und Modetrends usw. Zugleich wird man als Zuschauer beteiligt an dem Schicksal einer Familie. Einer Frau, die mit ihrem Gewicht kämpft und deren Mann alle seine Fehlschläge auf eben dieses Übergewicht seiner Frau schiebt. Eine Frau, die sich langsam hinauskämpft und beginnt, ihre frau zu stehen. Und das alles einmal erzählt aus der Sicht der 7-10-jährigen Ela und zum anderen aus Sicht ihres erwachsenen Ich, das die Kindheitserlebnisse nochmals Revue passieren lässt und mit dem Wissen einer Erwachsenen und Nachfragen bei ihrer Mutter bewertet.

5 Sterne von mir für diesen außergewöhnliche und mitreißende Zeitreise in die 1980er Jahre!

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Daniela Dröscher hat einen ganzen Roman über ihre Mutter verfasst. Diese Frau hätte ich gerne kennengelernt, denn allem Anschein nach war sie eine liebenswerte und gütige Person. Dröschers Vater hat mit ihr eine lebenslustige, wunderschöne Frau geheiratet, mit der er unbeschwerte erste Ehejahre verbracht hat. Mit der Entscheidung, in sein Elternhaus zu seinen Eltern zurückzuziehen, ändert sich alles. 
Mutter kommt aus wohlhabendem Verhältnissen, ist trotz Kind berufstätig, eine gute Hausfrau und vor allem eine ausgezeichnete Köchin. Jetzt muss sie sich mit einer bösartigen Schwiegermutter und einem mit Minderwertigkeitskomplexen behafteten Ehemann arrangieren. Ihre Verzweiflung tötet sie mit tausenden Kalorien. Auf ihren immer üppiger werdenden Körper reagiert der Vater zunehmend gehässig. 
Der Roman ist schwer auszuhalten. Natürlich hat man auch Mitleid mit der Autorin, deren Kindheit dermaßen von Streitigkeiten vergiftet war, aber in erster Linie leidet man mit der Mutter, die wie in einer Falle sitzt, aus der ihr auch die eigenen Eltern nicht heraushelfen.
Ich will das Ende nicht vorwegnehmen, aber die Geschichte ist von Anfang an bewegend, erst recht, weil sie eine wahre Geschichte ist. 
Keine leichte Lektüre, aber eine lesenswerte.

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Überaus mitnehmend

Die Schriftstellerin Daniela Dröscher versteht es gut eine Geschichte in Szene zu setzen.
Der Roman +“Lügen über meine Mutter“ wird aus Sicht der Tochter erzählt. Schon früh bekommt sie mit, das der Vater an der Figur der Mutter rummäkelt. Der Vater versteht es auch, die Tochter zu manipulieren, so das die ihre Mutter beobachtet.
Der Vater ist richtig gemein zur Mutter. Er ist ein krasser Egoist. Als Bauernjunge hat er es zwar geschafft aufzusteigen, aber deshalb muss er ja nicht so ein Angeber zu werden.

Ich habe immer gewartet, das es der Mutter mal zu viel wird und aussteigt.
Immer wieder so erniedrigt zu werden, das kann ja keiner ab. Und die Kinder sind mittendrin und müssen das miterleben.
Der Roman ist einmalig gut und ehrlich geschrieben. Die Autorin schafft es, das man mitfiebert.
Der Roman bekommt von mir eine volle Leseempfehlung.

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Ich bin begeistert von diesem Buch und habe es kaum aus der Hand legen können.Es ist eins von den seltenen Büchern, von denen ich mir wünsche,sie würden nie aufhören.Es ist eines meiner Jahreshighlights geworden.

Ela beschreibt aus kindlicher Sicht ,die verkorkste Ehe ihre Eltern. Die Familie lebt in den 70er/80er Jahren in einem pfälzischen Dorf, wo jeder jeden kennt und es wichtig ist, das Gesicht und den Schein zu wahren. So ist es dem Vater von Ela wichtig, dass seine Frau repräsentativ und schlank ist.,weil er, seiner Auffassung nach, sonst keine Karriere machen kann. Nun ist Elas Mutter seiner Ansicht optisch nicht herzeigbar, da sie ständig mit ihrem Übergewicht zu kämpfen hat. Sie muss sich von ihm schlimme Dinge anhören und wird von ihm ständig bevormundet und gedemütigt. Das lässt sie sich glücklicherweise nicht immer gefallen. Dabei ist sie das Herz der Familie und kümmert sich (unter anderem) um ein Nachbars Mädchen im Alter von Ela, das ohne ihre Hilfe wahrscheinlich im Waisenhaus gelandet wäre. Was ich sehr möchte,waren die Zwischenkapitel, in der sich die Erzählstimme der Autorin ,kommentierend zu Wort meldet.So erfährt man z.B Dinge,die noch passieren werden.
Was für einen großartige Frau doch die Mutter von Ela ist.Ich würde mir sehr eine Fortsetzung wünschen,.Ich will doch wissen,wie es mit Elas Mutter weitergeht und mit dem Wunsch bin ich bestimmt nicht alleine.

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Dieses Buch hat mich sehr berührt- es thematisiert die psychische Gewalt in einer Ehe. Das Buch ist eine Wucht! Schnell erzählt, bittersüß bis zum Schluss. "Lügen über meine Mutter" von Daniela Droischer erscheint heute im @kiwi_verlag und wurde mir von @netgalleyde überreicht. Auch habe ich vom Verlag ein gebundenes Exemplar erhalten! Dankeschön!
Dröscher erzählt von einer Familie, in der ein Thema alles beherrscht: das Körpergewicht der Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie. Entscheidet ihr Ehemann. Einmal ist das Buch die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Und es ist eine rückblickende Analyse: Was ist damals wirklich passiert? Was wurde verheimlicht, worüber wurde gelogen?
Meine Meinung: Ja, ja & ja. Das Buch ist so spannend, weil die Erzählerin, die kleine Ela, durch ihre Beobachtungen so präzise spiegelt, was in der Ehe ihrer Eltern passiert. Wie die Mutter als Prellbock herhält für das Versagen des Vaters. Der Vater kompensiert seine eigenen Dämonen mit einem riesigen Haus, einem schicken Cabriolet und mit einer Affäre, wie er sich über den neuen Modesport Tennis neues Selbstbewusstsein holen möchte. Diese Oberflächlichkeit zu entlarven, zu sezieren, gelingt Droischer meisterhaft. 2022 kann man kaum verstehen, wie lange die Mutter diese Ehe ertragen hat mit diesem Mann, der sie nur sabotiert. Man fragt sich atemlos, wann wehrt diese starke Frau sich? Man fühlt die Enge & Alternativlosigkeit auf jeder Seite, aber auch die Liebe zur Mutter und eine stete Hoffnung.
GANZ GROß! 5/5 Sternen! #dielügenmeinermutter #netgalleyde #danieladröscher #buchblogger #bookstagramgermany #lesenswert #buchtipp #diehölledasisinddieanderen

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Ein Dorf im Hunsrück der 1980er Jahre. Ela ist noch ein Kind und versteht nicht alles, was um sie herum geschieht. Offenkundig ist jedoch, dass das Gewicht ihrer Mutter ein Problem ist. Mehr als das, es scheint die Ursache für alles Unglücks ihres Vaters zu sein. Ein Mann, der sich immer für Großes geboren sah und seiner Frau die Schuld dafür gab, dass er nicht befördert wurde, nicht über so viel Geld und Bildung wie sie verfügte, im Dorf nicht so anerkannt war, wie er sich das gewünscht hätte. Aber wie sollte er das auch erreichen, mit einer dicken, nicht präsentablen Frau an seiner Seite? Als Erwachsene Blickt Ela zurück, spricht endlich mit ihrer Mutter über das Jahrzehnte lange Martyrium, das diese stoisch ertragen hat und mit ihrer Gesundheit bezahlte.

Zugegebenermaßen hat mich erst die Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2022 so richtig neugierig auf „Lügen über meine Mutter“ gemacht. Die rheinland-pfälzische Provinz als Schauplatz fand ich eher wenig attraktiv, kenne ich sie doch zur Genüge und weiß um den Horror, der Dorfleben bedeutet. Daniela Dröscher verdichtet den Roman jedoch, die Handlung spielt sich weitgehend im Nukleus der Familie, den eigenen vier Wänden ab, die zur Kampfarena zwischen den Eltern werden mit einem Kind, das zu jung ist, um die Mechanismen des innerfamiliären Krieges zu verstehen. Eine schonungslose Milieustudie, die letztlich das Portrait einer ganzen Generation von Frauen ist.

Als Erwachsene stellt die Erzählerin fest, dass sie ihre Mutter nie verstanden hat und beginnt endlich, mit ihr über die Erinnerungen zu reden. Episoden aus der Kindheit wechseln sich so mit Analysen ab und ordnen den ganzen Schrecken ein, den die Mutter widerspruchslos zum Wohle der Töchter ertragen hat. Immer wieder läuft es darauf hinaus, dass der Vater versucht seine Unterlegenheit und Minderwertigkeitskomplexe zu überwinden, indem er die Mutter klein macht. Als Schlesiendeutsche ist sie keine richtige Deutsche, sie spricht ja nicht einmal den richtigen Dialekt! Das Geld ihrer Familie kann nur illegal erworben sein, Verbrecher müssen sie sein, nie kann man durch ehrliche Arbeit so vermögend werden. Ihre Bildung? Sie will doch nur angeben, das sind gar keine richtigen Diplome die sie hat.

Endlos ist die Liste der Angriffspunkte, zentral wird jedoch immer wieder ihr Gewicht. Vieles kann der Mann kontrollieren, wohin sie geht, wofür das Geld ausgegeben wird, aber ihr Gewicht unterliegt trotz aller Bemühungen – öffentliches Wiegen und Notieren der Zahl in einem Buch! – nicht seiner Macht. Alle Schikanen erträgt sie, frisst alles in wahrsten Sinne des Wortes in sich hinein und kümmert sich doch selbstlos um alle anderen um sie herum.

Es ist beim Lesen oftmals fast unmöglich auszuhalten, was Elas Mutter an psychischer Gewalt angetan wird und man fragt sich, weshalb sie nicht ausbricht, nicht einfach geht. Und zugleich weiß man, dass es so einfach nicht ist und erinnert sich, wie viele dieser kleingeistigen Männer man selbst erlebt hat, die sich für etwas Besseres hielten, wenn sie im ballonseidenen Jogginganzug mit dem Cabrio vorm dörflichen Tennisplatz vorfuhren und sich für den König der Provinz hielten und dabei doch nur alle Peinlichkeit zur Schau trugen.

Was in den 80ern als völlig normales Familienleben erschienen sein mag, würde man heute ganz anders einordnen, wie es die Erzählerin auch tut und womit sie ein Licht auf eine ganze Generation von Frauen wirft, die von ihren Müttern noch zum Schweigen erzogen wurden, ihren eigenen Töchtern jedoch Stimmen mit auf den weg gegeben haben.

Auch sprachlich bietet der Roman viele interessanten Facetten, weshalb er für mich ganz eindeutig ein würdiger Kandidat für den diesjährigen Buchpreis wäre, vor allem, um dem Thema die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken.

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In ihrem Herkunftsroman “Lügen über meine Mutter”, der Anfang der 1980er Jahre spielt, gibt uns Daniela Dröscher einen ungeschönten und authentischen Einblick in eine Familie, in der der Vater um gesellschaftliche Anerkennung ringt und die Schuld für den ausbleibend Erfolg bei seiner Frau sucht: Sie ist einfach zu dick. Wie in einem Kammerspiel mit nur wenigen Personen baut Dröscher eine ebenso intensive wie schonungslose Story auf, die aus der Sicht ihres jungen Alter-Egos, des Mädchens Ela erzählt wird. Tief in der hessischen Provinz lebt sie mit ihren Eltern, ihrer kleinen Schwester, den Großeltern und mit Jessy, dem gleichaltrigen Pflegekind unter einem Dach. Und sie beobachtet, dass ihr Vater ihre Mutter immer wieder mit gehässigen Sprüchen und Vorwürfen überzieht, um ihr die Schuld an seinem Versagen zu geben. In diesen manchmal bedrückenden, manchmal nur noch absurd-komischen Ablauf streut die Autorin immer wieder Interviews ein, die sie mit ihrer Mutter Jahre später geführt hat und in denen diese die damaligen Erlebnisse aus heutiger Sicht kommentiert. Daniela Dröscher ist mit “Lügen über meine Mutter” ein großartiger, lebensnaher und tragikomischer Roman gelungen, der zeigt, wie in den 1980er Jahren die Rolle der Frau im Spannungsfeld zwischen Küche und Kindererziehung, Arbeitswelt und BMI aussah und wie sehr die gesellschaftlichen Erwartungen auf das Private einwirkten – aber auch, wie eine starke Frau für die Selbstbestimmung in ihrem Leben kämpfen konnte.

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Die Autorin Daniela Dröscher setzt sich in diesem Buch mit ihrer Kindheit und der Ehe ihrer Eltern auseinander. Sie wächst in den achtziger Jahren in einem kleinen rheinland-pfälzischen Dort auf. Seit eh und je ist die Figur der Mutter das große Thema für den Vater. Er macht ihr Übergewicht verantwortlich dafür, dass bei ihm nicht alles so läuft, wie er sich das vorgestellt hat. Er zwingt seine Frau zu immer neuen Diäten, was zur Folge hat, dass sie nach kurzfristiger Abnahme umso mehr zunimmt. Ela steht zwischen den Fronten, soll Stellung beziehen und versteht doch nicht wirklich, was vorgeht.
Auch als Leser fühlt man sich in diesem Kampf hineingezogen, fühlt sich berührt und abgestoßen und weiß nicht so recht, wo das alles hinführt. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des achtjährigen Mädchens Ela. Zwischendurch gibt es Einschübe, in denen die inzwischen erwachsene Ela das Geschehen reflektiert und versucht zu verstehen.
Die Charaktere sind gut und glaubhaft dargestellt, so dass man sich in Ela hineinversetzen kann. Bei der Mutter fiel mir das Einfühlen oft schwer, denn ich habe nicht verstanden, dass sie das alles ertragen hat. Erst zum Ende hin erkannte ich, wie stark sie eigentlich war. Der Vater ist ein Versager, der seine Schwächen und Komplexe überdecken will, indem er andere herabsetzt und kleinmacht.
Dieser Roman ist authentisch, fesselnd und sehr erschütternd.

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In den letzten Tagen bin ich fleißig am #longlistlesen . Es sind aber auch wirklich interessante Bücher auf der Longlist. Daniela Dröscher schreibt über Ela (die Autorin selbst), die uns von ihrer Familie erzählt. Elas Mutter wird kontrolliert von ihrem Vater. Das Gewicht ist ständig Thema und auch Zwangsdiäten, die der Vater anordnet. Wir bekommen 3 Jahre in den 80ern aus diesem Familienleben gezeigt. Die Mutter wird wegen eines Streits angezeigt und hat Angst. Dazu muss sie sich noch um Kinder, den Haushalt, die eigene Mutter und vieles mehr kümmern. Sie wünscht sich ein besseres Leben, doch dafür müsste sie französisch lernen und ist davon nicht wirklich begeistert. Sie leidet zunehmend unter ihrem kontrollsüchtigen Ehemann, der seinen Reichtum plant. Da das ganze Buch aus Elas Sicht erzählt wird, hat die ganze Geschichte diese kindliche Naivität die Leser*innen irgendwie verzaubert und an die Seiten bindet. Manchmal übernimmt Ela die Ansichten ihres Vaters . Es scheint als wäre die Mutter nur eine Trophäe auf einem Schatzregal eines Mannes. Und man wartet auf den Moment in dem sie selbst die Kraft hat von diesem Regal aufzustehen und ein ordentliches Leben zu führen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie sie das alles aushält. Was für eine Kraft in ihr steckt auch in dem Moment indem sie ihren Mann wirtschaftlich rettet. Daniela Dröscher schafft es mit ihrer Erzählstimme zu unterhalten. Sie hat eine Heldin erschaffen, vor der man wirklich Respekt haben muss. Eine Heldin, die so vieles aushalten muss und man fragt sich wirklich - wie sie das schafft. Dröscher zeigt uns die anspruchsvolle Rolle einer Mutter in den 80ern Jahren. Man wartet auf den Moment der Emanzipation, auf den Moment an dem sich die Heldin entfalten kann. Ein Familienroman, der unsere Gesellschaft kritisiert und Mütter als das zeigt was Sie sind. Stolze Heldinnen, die viel aushalten müssen.

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Nun habe ich mich mal an einen Titel herangewagt, der auf der Nominiertenliste für den Deutschen Buchpreis steht, und wurde nicht enttäuscht, ABER gut herausgefordert. In „Lügen über meine Mutter“ begleiten wir durch die 80er Jahre hindurch die anfangs achtjährige Ela und ihre Eltern. Durch Kinderaugen betrachten wir diese Kleinfamilie,
hören hinter angelehnten Türen das Wispern und dann laute Lospoltern, wenn die Situation entgleist. Doch nach und nach sind der Essenstisch oder die Couch immer öfter Kriegsschauplatz der elterlichen Krisen.

Aber wie der Titel schon sagt, es geht vor allem um diese Mutter: Hauptstreitpunkt ist das Übergewicht der Mutter, mit dem sie den
ambitionierten Vater in der Firma und überhaupt im Leben vermeintlich daran hindert aufzusteigen.

Und laut dem Vater kann man sich sowieso nirgends mit ihr sehen lassen. Natürlich. Selbst Diäten werden ihr vom Vater regelmäßig aufgezwungen. Als zugezogene "Schlesiendeutsche“ ist sie auch der Schwiegerfamilie häufig ein Dorn im Auge. Um es kurz zu machen: Alle Schuld entlädt sich
auf den Schultern dieser Frau, die sich ohne Anerkennung die Jahre über abstrampelt, um das Familienleben aufrecht zu erhalten, wie es viele Frauen in der BRD taten. Und mittendrin Ela, die sich bemüht zu vermitteln und sich immer mehr zum Spielball der zwischenelterlichen Konflikte entwickelt und dabei selbst nicht weiß, ob der Vater recht hat oder sie sich nicht doch auf die Seite der Mutter schlagen soll.

Beim Lesen wollte ich das Buch an so vielen Stellen in die Ecke feuern (und den Vater am besten gleich mit) und losschreien. Diese himmelweite Ungerechtigkeit, die Steine, die Elas Mutter wieder und wieder und wieder
mutwillig in den Weg gelegt werden, machen mich (immer noch!) rasend.
Ein Lichtblick in diesem Roman ist der rebellische Geist, der bei der Mutter hin und wieder auflackert und sich zur Wehr setzt, sei es nur in kleinen Nuancen.

Diese Augenblicke gepaart mit dieser wunderbar flüßigen Erzählstimme und dem ungemeinen Lesesog von Daniela Drescher, ließ mich aber dennoch immer wieder in das, von außen so beschauliche, Kleinfamilienleben im Hunsrück abtauchen. In der Zeit in der ich den Roman las, ja man muss schon sagen inhalierte, kam ich gar nicht auf die Idee ihn wegzulegen oder gar ein anderes Buch nebenher anzufangen. Großartig erzählt und eine unbedingte Leseempfehlung.

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Daniela Dröschers ‚Roman‘ "Lügen über meine Mutter" ist ein seltsames Amalgam aus nüchterner Prosa und brillantem Essay. Die 1977 geborene Autorin erzählt in ihrem Buch aus ihrer Kindheit, genauer: von den Jahren 1983 bis 1986. Bereits beim Lesen der ersten Textpassage wird klar, dass es sich bei dieser Erzählung um ein seltsames Konstrukt handelt: Obgleich Dröscher von ihrer Kindheit und ihrer Mutter erzählt, macht sie hier nämlich deutlich, dass es eben doch eine fiktive Geschichte ist – eine Lüge, um beim Titel zu bleiben.

So wechseln sich folgend erzählerische und essayistische Passagen ab, letztere als Kommentare zur Erzählung, in denen Dröscher reflektiert und Hintergrundinformationen liefert. Denn – und das gehört zum Konstrukt – Dröscher erzählt die Geschichten aus ihrer Kindheit aus ihrer damaligen, also aus der Perspektive eines sechs- bis neunjährigen Kindes. Klingt kompliziert und verwirrend? Ist es glücklicherweise gar nicht, sondern vielmehr anregend, auch wenn einem die essayistischen Kommentare teils etwas kindlicher vorkommen als die Erzählung. Dabei zieht sich ein roter Faden durch Dröschers Kindheit, nämlich der Körper ihrer Mutter. Dröschers Vater, Angestellter in der einzigen Firma im Dorf, hat es geschafft: Er hat sich hochgearbeitet und konnte das Bauernleben, das seine Eltern führten, hinter sich lassen. Was ihn allerdings stört, ist seine Ehefrau, genauer: ihr Körper. Denn laut ihm ist sie viel zu dick – und das der Grund dafür, dass ihm der weitere Aufstieg (aus seiner Perspektive) versagt bleibt.

Bei jedem Streitgespräch zwischen den Eltern, in Worte gefasst in der kindlichen Ich-Perspektive Dröschers, geht es früher oder später immer wieder darum. "Du bist zu dick, du musst endlich abnehmen", sagt der Vater immer wieder zur Mutter. Die Mutter mit ihrem Körper passt eigentlich nicht in das Leben, das sich der Vater ausmalt. Umso quälender scheint diese Ehe zu werden – und die Lektüre. Denn natürlich übernimmt man die Perspektive der kindlichen Erzählerin und entwickelt Mitleid mit der gepeinigten Mutter.

Obwohl das Buch sprachlich insgesamt eher nüchtern gehalten ist, wird man mitgerissen und fiebert dem Ende entgegen: Trennt sich die Mutter endlich vom Vater und befreit sich so aus der Fremdbestimmung? Die Fragen, die Dröscher in ihrem Erzählexperiment aufwirft, sind die Fragen unserer Zeit, nämlich die nach der Klasse und der Bedingtheit des eigenen Lebens durch die soziale Herkunft. Denn bei allen dreien – Mutter, Vater, Kind – wird klar, dass sie geprägt sind durch den (sozialen) Weg, den sie genommen haben.

Was Dröscher hier bei allen Schwächen (wie bereits gesagt sind die essayistischen Passagen teils fast kindlicher als die eigentlichen Erzählpassagen, außerdem hätte man sich hier und da ein durchaus strengeres Lektorat gewünscht) abliefert, ist nicht nur das Protokoll einer Familienträgodie, in der alle gefangen sind, sondern ein beklemmendes Stück weiblicher Sozialgeschichte.

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Inhalt
Eine Familie in den 1980er Jahren im Hunsrück: Die Mutter ist viel zu dick und muss abnehmen – sagt der Vater, denn ihr Übergewicht ist angeblich schuld an allem, was (vermeintlich) in seinem Leben und im Leben der Familie schiefläuft. Ela, die Tochter, steht zwischen den beiden und versteht zwar nicht alles, was vor sich geht, auf kindliche Art aber viel mehr, als die Erwachsenen wahrscheinlich glauben.

Wird sich die Mutter aus der entwürdigenden Situation befreien können – und welche Auswirkungen hat diese Familiendynamik auch noch auf die erwachsene Ela?

Meine Meinung
Daniela Dröschers Debütroman wurde für den Deutschen Buchpreis 2022 nominiert – und das meiner Meinung nach völlig zu Recht. Ich war beim Lesen ab der ersten Seite gepackt und der sehr flüssige Schreibstil zog mich so in seinen Bann, dass ich kaum aufhören konnte zu lesen.

Das Buch ist geschickt aufgebaut: Die Erzählungen aus der Vergangenheit durch die Brille der kindlichen Ela wechseln sich mit Gedanken und Gesprächen ab, in denen Ela als Erwachsene zusammen mit ihrer Mutter das Geschehene reflektiert. Die Einstreuungen aus der Gegenwart nach jedem Vergangenheitskapitel sind für sich relativ kurz gehalten, in der Gesamtheit bilden sie aber die Brücke zwischen Elas kindlicher und erwachsener Perspektive und sind deshalb genauso wichtig zum Verstehen des Familienkonstrukts wie die Schilderungen aus Elas Kindheit.

Die vermeintlich ahnungslose Kinderperspektive im Vergangenheitsstrang übt dabei einen besonderen Reiz aus: Ela bekommt einerseits sehr viel davon mit, was um sie herum passiert, kann andererseits aber natürlich noch nicht alles davon richtig einordnen. Beim Lesen erahnt man also vieles nur, was in Ela als Kind zwar bereits ein ungutes Gefühl ausgelöst hat, ihr in voller Tragweite aber auch erst wesentlich später klar geworden sein dürfte.

Auch ist Ela selbst lange nicht bewusst, warum sie nach und nach beginnt, sich für ihre Mutter zu schämen – was das mit ihrem eigenen Körpergefühl gemacht haben dürfte, ist ebenfalls nur zu vermuten, zumal nie klar wird, wie viel die Mutter tatsächlich wiegt. Vielleicht hätte das auch zur Einordnung der Figur des Vaters noch ein wenig mehr geholfen (haben seine Aussagen zumindest noch eine realistische Grundlage oder basieren sie auf einer verzerrten Wahrnehmung?), vielleicht ist es aber auch einfach egal – kein (Über-)Gewicht der Welt würde das Verhalten rechtfertigen, mit dem er seine Frau tagtäglich schikaniert.

In diesem Sinne erzählt Daniela Dröscher auch stets sehr respektvoll von der Mutter, die keineswegs ein eingeschüchtertes „Hausmütterchen“, sondern eine durchaus selbstbewusste Frau mit eigenem Job und eigenen Zielen ist, sodass es am Anfang etwas verwundern mag, warum sie die Tiraden ihres Mannes überhaupt erträgt. Erst nach und nach wird deutlich, welche Zwänge sie in dieser unglücklichen Ehe halten – und das machte mich beim Lesen traurig und wütend zugleich, zeichnet es doch ein sehr düsteres Bild einer Gesellschaft mit verstaubt anmutenden Moralvorstellungen, die leider auch nach den 1980er Jahren noch nicht überall vollständig ausgestorben sein dürften.

Das Buch ist in 4 Teile gegliedert – jeder Teil steht für ein Jahr –, die sich im Hinblick auf den Spannungsbogen nur sehr marginal unterscheiden. Vielleicht war Teil 3 für mich insgesamt der „schwächste“, weil ich hier vorübergehend das Gefühl hatte, nicht mehr viel Neues zu erfahren. Da sich das im 4. und letzten Teil aber definitiv wieder änderte, gibt es hierfür dennoch keinen Punktabzug.

(Eine kleine Randnotiz: Trotz der sehr berührenden und traurigen Thematik sogar ein klein wenig amüsant fand ich den sehr authentisch eingefangenen Hunsrücker Dialekt der Großeltern väterlicherseits – auch wenn sie in diesem Dialekt leider ebenfalls kaum etwas Positives von sich geben. Über die eine oder andere Redewendung und Formulierung musste ich aber aufgrund eigener familiärer Verbindungen in die Gegend dennoch etwas schmunzeln. 😉)

Fazit
Daniela Dröscher hat mit „Lügen meiner Mutter“ einen teilbiografischen Roman vorgelegt, in dem wohl alle, die in den 1980ern aufgewachsen sind, etwas aus der eigenen Kindheit wiedererkennen dürften, auch wenn es sicher nicht in jeder Familie um das Thema Gewicht ging. Das ist zwar einerseits erschreckend, bietet andererseits aber ein großes Identifikationspotenzial. Mich hat die Geschichte auf ganzer Linie überzeugt und ich spreche eine große Leseempfehlung aus.

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Daniela Dröscher beschäftigt sich in dieser Autofiktion mit ihrer Kindheit in den 1980'ern, die stark geprägt war durch die toxische Beziehung ihrer Eltern. Diese kaputte Beziehung bestimmt das ganze Familienleben, aber am meisten leidet darunter die Mutter, die der Vater ständig in Rollen und Figuren zwingen will, die sie so nicht erfüllen möchte oder kann. Obwohl ihr der Ausbruch aus dieser toxischen Beziehung erst spät gelingt, ist der Umgang der Mutter damit dennoch respektabel. So schafft sie sich immer wieder kleine Inseln der Selbstbestimmung, hält mit ihrer Meinung nicht hinterm Zaun und ist den Kindern eine gute Mutter. Auch wenn man sich wünscht, dass sie den Vater früher zum Teufel schickt, ist es doch die Geschichte einer keinesfalls perfekten aber doch starken Frau.
Die ganze Tragik wird durch den kindlich-unbedarften Blick der Ich-Erzählerin etwas entschärft. Daniela Dröscher trifft hier aber genau den richtigen Ton, ohne dass das ganze anstrengend oder verharmlosend wird. Überhaupt ist das Buch sehr flüssig lesbar.
Eine gelungene Autofiktion, ein gelungener Roman!

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Das Leben von Ela, der Protagonistin aus Daniela Dröschers autofiktionalem Roman „Die Lügen über meine Mutter“, ist von mehreren Dingen geprägt: von Lügen und Versteckspielen, dem Gewicht der Mutter und der fixen Idee des Vaters, das dies an allem schuld sei, vor allem an beruflichen Misserfolgen. Bei seiner Jagd nach beruflichem und sozialem Aufstieg drangsaliert er seine Frau, zwingt sie zu Diäten und auch dazu, sich vor seinen Augen zu wiegen – und verliert im Endeffekt alles. Das Ganze spielt sich in einem fiktiven Hunsrück-Dorf ab und zeigt ein eher unschönes Bild des Kleinbürgertums der 1980er.
Aber von vorn. Oder auch nicht.
Denn das Buch dreht sich überwiegend tatsächlich darum: Aufwachsen in einer äußerst toxischen Familie, geprägt durch Ehrgeiz, Großmannssucht und Kontrollwahn des Vaters und natürlich das Übergewicht der Mutter. Daran hat der Vater immer was zu kritisieren. Dabei tut die Mutter anfangs ihr Möglichstes: sie fährt zur Kur, hangelt sich von Diät zu Diät und macht natürlich auch Sport. Aber sie befindet sich in einem Teufelskreis, auf kleine Abnehm-Erfolge folgt immer eine Gewichtszunahme. Dabei hat sie mit zwei Kindern plus Pflegekind und der Betreuung ihrer eigenen demenzkranken Mutter genug zu tun. Ela ist zu Beginn der Erzählung noch im Kindergartenalter und ist hin- und hergerissen zwischen allen Beteiligten. Sie liebt die Großeltern väterlicherseits, mit denen die Familie zusammenwohnt, ungeachtet der Tatsache, dass diese ihre Mutter ablehnen („So ä dreggisch Weibsstick.“) Sie liebt auch die Großeltern mütterlicherseits, die mit nicht ihrem Vater und schon gar nicht seinen Eltern warmwerden können. Und sie liebt ihre Mutter, auch wenn sie sich manchmal für sie schämt („Es war eine Scham zweiter Ordnung. Ich sah meine Mutter mit den Augen meines Vaters.“) und ihren Vater, obwohl er ihrer Mutter nicht guttut und die Familie mit seinen fixen Ideen ruiniert.
Der Roman ist interessant konzipiert. Daniela Dröscher beschreibt ihre Kindheit aus der Sicht des unbedarften Kindes. In kurzen Zwischen-Kapiteln ordnet ihr erwachsenes Ich dann alles für sich selbst und das Publikum ein. Ihre Protagonistin Ela wird in eine schwierige Rolle gezwängt, ihre Therapeutin wird das später „Parentifizierung“ nennen. Sie ist schon früh die Vertraute der Mutter („Ich war gerade mal zwölf oder vielleicht dreizehn, als meine Mutter mir von ihren beiden Abtreibungen erzählte, an einem unserer vielen endlosen Nachmittage auf dem Balkon, an denen wir ihre Ehe besprachen.“), die Geheimnisse mit sich herumtragen und Lügen decken muss. Diese Rolle sollte kein Kind einnehmen müssen.
Für mich war es ein berührender Roman. So viel Toxizität (und damit ist nicht nur die tatsächliche Toxizität, durch die zu der Zeit passierte Tschernobyl-Katastrophe oder die fiktive „Geschichte von den verstrahlten Schewenborn-Kindern“ gemeint, die Ela „gruselig“ fand) auf so wenigen Seiten! Oft wollte ich beim Lesen Elas Mutter packen und schütteln. Ihr sagen, dass sie eine starke Frau ist und sich nicht von ihrem Mann auf die Waage zwingen lassen, dass sie ihre Großzügigkeit nehmen und sich von ihrem Mann trennen soll. Aber man steht als Leser so hilflos daneben, wie Ela es als Kind war.
Für mich ist das Buch eine bedrückende und authentische Sozialstudie des Lebens in den 1980ern. Unglückliche Ehen, dominante Schwiegermütter, die ihre „Prinzen“ vergöttern und eigentlich gar nicht „hergeben“ wollten, vor allem nicht an eine ungeliebte Schwiegertochter, Ehefrauen zerrieben zwischen (ehelichem) Pflichtgefühl und dem Wunsch nach Emanzipation. Dabei weiß die Mutter selbst, dass sie nicht gewinnen kann. „Es reicht sowieso nie. Hab ich recht?“, antwortet sie sich selbst auf die Frage, wie dünn sie noch werden solle. Wäre sie rank und schlank gewesen, hätte er sein berufliches Scheitern vermutlich auf irgendetwas anderes geschoben.
Für mich ist es zu Recht für den Deutschen Buchpreis 2022 nominiert und ich vergebe fünf Sterne.

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Lügen über meine Mutter ist die fiktive Geschichte einer Familie in den 1980er Jahren. Und für mich fühlt es sich an, wie eine Liebeserklärung. Eine Liebeserklärung der Autorin an die eigene Mutter. Einer Mutter, die aus Kinderaugen vielleicht nicht immer gerecht, aber immer wahrhaftig agiert.

Daniela Dröscher erzählt die Geschichte, als wäre sie ihr genau so selbst passiert. Mit allen Erinnerungen an ein familiäres Zusammenleben. Im privaten, im geheimen und in dem Leben, das der Vater, das Oberhaupt der Familie, gern nach außen projiziert hätte. Da er aber immer im gefühlt "dicken" Schatten seiner Frau steht, ist ihm das nicht möglich. Das einzige, was ihm möglich erscheint, ist, seine Frau zu drangsalieren und über ihr Gewicht zu bestimmen.

Daniela Dröscher erzählt einfühlsam mit großer Empathie die Geschichte ihrer Mutter und damit die Geschichte ihrer Kindheit. Die Geschichte ist fiktiv, auf Grundlage eigener Erlebnisse und Verständnisse in der Kindheit gepaart mit dem zurückblickenden Wissen als Erwachsene.

Lügen über meine Mutter ist so warm und wahr erzählt, dass es während des Lesens bereits zu einem meiner Lieblingsbücher geworden ist. Es ist einfach für mich, dem Geschehen in der Geschichte zu folgen. Ich weiß, wie es sich anfühlt in dieser Zeit, in den 1980er Jahren als Kind heranzuwachsen. Ich weiß, aus der selben Position wie Daniela Dröscher, wie es sich anfühlt, die Rolle der erwachsenen Frau mit Kindesaugen zu sehen. Frauen, die selbstbewusst ihre eigenen Wege gehen und von ihrem Mann unterstützt zu werden. Und Frauen, die versuchen, selbstbewusst ihren selbstbestimmten Weg zu gehen und unter der Last der Meinung der Gesellschaft und im familiären Zusammenleben scheitern. Wie Frauen, dem Gefühl nachgeben, genügen zu müssen, sich fügen zu müssen, um die harmonische familiäre Welt zu erhalten.

Lügen über meine Mutter ist für mich ein wichtiges Stück Geschichte in unserer Geschichte.

Sandra Voss liest Lügen über meine Mutter so ausdrucksstark und empathisch, als würde sie die Geschichte selbst erzählen. Authentisch und nah am Geschehen. Vielen Dank!



Fazit
Lügen über meine Mutter ist für alle, die in 1980er Jahren als Kind oder erwachsene Person gelebt haben oder sich in diese Zeit und das Geschehen einfühlen möchten. Ein Geschenk fürs Verständnis und das Zusammenleben miteinander.

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Ein Buch, das mich vom Titel her direkt gepackt hat und mich keine einzige Seite lang enttäuscht hat. Dieses Buch ist so wahr, so beklemmend und so "deutsch".
So oft wollte ich der Mutter zur Seite springen, dem Vater und der Schwiegermutter meine Meinung geigen und die Protagonistin in den Arm nehmen und sagen, mach es ja besser!

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Dieser Roman hat mir so gut gefallen, dass ich nach der Lektüre des eBooks noch die Printausgabe besitzen musste. Buchhändler verstehen das.

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In "Lügen über meine Mutter" berichtet Daniela Dröscher über das Aufwachsen und ihre Kindheit in den 80ern und über ihre Familie. Vor allem über ihre Mutter, deren Übergewicht vor allem den Vater und damit auch Daniela selbst belastet. Immer wieder fordert Danielas Vater von seiner Frau neue Diäten, vergleicht sie mit anderen Frauen im Dorf und wertet sie ab. Der Roman enthält zwei Arten von Kapiteln. In den Rückblicken wird aus der Sicht einer kindlichen Daniela der Familienalltag und all seine Probleme geschildert. Nach jedem dieser Rückblicke folgt eine Reflektion der nun erwachsenen Autorin. Vor allem diese Reflektionen sind das, was das Buch ausmacht und enthalten starke Aussagen und gesellschaftliche Analysen.
Ich fand es faszinierend zu sehen, wie man selbst während des Lesens in die Realität des kleinen Mädchens abrutscht, dass beginnt die Ansichten des Vaters über die eigene Frau zu übernehmen. Vor allem ließ mich der Roman oft ungläubig und fassungslos zurück. "Lügen über meine Mutter" ist ein wichtiges und aufklärendes Buch über die Gesellschaft der 1980er, wie Fremdwahrnehmung uns selbst beeinflusst und welche Auswirkung sie auf das Innere einer Familiendynamik haben kann.

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Sehr sehr gelungen! Hoffentlich gewinnt sie den Buchpreis. Sehr bedrückend, wie sie die Situation der Mutter, aber auch des Kindes schildert. Und dann auch wieder faszinierend, dass man als Leser, so wie auch das Kind, immer mal wieder sogar Sympathien für den Vater hat. Sehr gekonnt das Thema nicht nur Schwarz-weiß darzustellen.!

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Lügen über meine Mutter erzählt über die Kindheit der Autorin im Hunsrück der 1980er Jahre, die beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt. Und zugleich ist es eine Befragung des Geschehens durch die Tochter aus heutiger Perspektive. Bis jetzt hatte ich noch keinen Text hier gelesen, bei dem es mir so schwer fällt eine Rezension zu schreiben. Nicht weil er schlecht wäre, nein, das absolute Gegenteil. Er geht mir zu nah. Er ist so gut geschrieben und geht so tief an eigene Erinnerungen, dass ich nicht mehr objektiv sein kann. Ich finde mich in vielen Situationen wieder. Deshalb lasse ich es bei einem Zitat von Frau Dröscher, der ich sehr wünsche, dass sie den deutschen Buchpreis gewinnt. „Vielleicht stimmt es gar nicht, dass mich dieses familiäre Kammerspiel nicht loslässt, weil ich Schriftstellerin geworden bin. Vielleicht muss ich den Satz umdrehen. Vielleicht habe ich überhaupt nur angefangen zu schreiben, weil ich als Teil dieses Kammerspiels aufgewachsen bin.“ Ich danke der Autorin sehr herzlich für diesen Roman, der mich aufgewühlt hat und irgendwie verloren zurücklässt, aber im positiven Sinn.

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Um dieses Buch kam man in den letzten Wochen kaum herum.
Ich habe unzählige (na gut, sie sind schon zählbar, wahrscheinlich so um die 8) Rezensionen zu
dem Buch gelesen und habe es u.a. deshalb als letztes Buch der #buchbreislonglist gelesen.
Das Buch ist geschrieben aus der Sicht der sechs bis achtjährigen Tochter. Sie lernt von ihrem Vater
jeden Tag aufs Neue, dass ihre Mutter zu dick sei. Dass Sie ihn dadurch blamieren würde und er im
Leben nicht weiterkäme, da Sie aussehen würde wie sie aussieht.
Findet die Tochter die Mutter anfangs noch toll und wunderschön übernimmt sie doch immer mehr
die Ansicht des Vaters bis auch sie ihrer Mutter sagt sie solle doch bitte abnehmen.
Die Mutter unterwirft sich dabei immer wieder den physischen Druck ihres Ehemannes, schafft es
dabei trotzdem sich selbst treu zu bleiben und ihren Weg zu gehen.
Es geht um Familie und welchen Schaden diese einem zufügen kann, um Generationskonflikte,
(vermeintliche) Klassenauf- und abstiege, Projektion und die Macht der vermeintlich „richtigen“
Ästhetik. Von Misogynie bis Selbstverletzung ist hier alles dabei und am Ende kann ich nur die
Mutter und z.T. auch die Tochter dafür bewundern, wie sie das alles überstanden haben.
Das Buch liest sich toll, aber ich muss zugeben, dass die Tochter mich mehr als einmal zur
Weißglut gebracht hat.
CN: Selbstverletzendes Verhalten, Essstörungen, Beleidigungen, psychische Misshandlung
Absolut verdienter Platz in der #buchpreisshortlist

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Lügen über meine Mutter – Daniela Dröscher
Es ist die Ehe ihrer Eltern, von der die Autorin hier erzählt. Und es ist ihre Kindheit, in der sie viel zu viel von den Problemen und Streitereien der Erwachsenen mitbekommen hat, viel zu viel darüber nachgegrübelt und zu schnell erwachsen werden musste. Diese Familie nämlich, in der Frau Dröscher aufwuchs, ist eine unglaublich dysfunktionale.
Tatsächlich (man will es kaum für möglich halten) ist das Gewicht der Mutter immer wieder Thema und wird ihr immer wieder auf unfairste Weise vorgehalten. Der Vater demütigt sie über Jahre hinweg. Teilweise kontrolliert er gar das Ergebnis auf der Waage, macht sie immer wieder vor den Kindern lächerlich. Die eigentlichen Ursachen für diese absolut nicht funktionierende Ehe liegen natürlich wesentlich tiefer und werden immer mal wieder angerissen.
Die ganze Familie befindet sich wie in einem Hamsterrad. Es gibt eingefahrene Abläufe und Reaktionen. Unglücklich sind sie alle. Als Leser fragt man sich, wie hält die Frau das nur so lange durch? Das eigentlich Interessante an diesem Buch ist jedoch die Erzählperspektive durch die Tochter. Ela hat, wie jedes Kind, zunächst einen arglosen Blick auf ihre Eltern und deren Konflikte. Ihre Unbekümmertheit wird jedoch mehr und mehr durch Vorsicht und genaue Beobachtung der Erwachsenen abgelöst.
Sprachlich liest sich dieses Werk leicht und geradezu spannend weg. Inhaltlich werden einige schwere Themen aufgegriffen. Daniela Dröscher ist ein Kind der 80er. Die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau scheint damals noch strikter gewesen zu sein, der Ausbruch aus einer unglücklichen Ehe schwieriger. Ist das so? Ich habe ein ganz ähnliches Alter wie die Autorin und bin mir dessen nicht sicher. Aber damals wie heute sind es wohl ganz individuelle persönliche Situationen, die ein Familienleben beeinflussen.
Es ist spannend, wie die Autorin ihre damaligen kindlichen Eindrücke mit heutigem Wissen durch Gespräche mit ihrer Mutter abgleicht und einordnet. Eine Familiengeschichte, die mich sehr interessiert und gefesselt hat. 4 Sterne.

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Deutschland in den 1980ern. Eigentlich will Elas Vater nur eins: ein Leben, das seinen Vorstellungen entspricht. Eine Familie, die er stolz präsentieren kann, eine Karriere mit Aufstiegschancen, Ansehen, Statussymbole. Nichts allzu großes, alles im Rahmen dessen, dass er in seinem Heimatdorf, in dem er mit Frau, Tochter (später Töchtern) und Eltern lebt, ganz oben mitmischen kann. Dass das Leben nicht immer so läuft, wie man es sich wünscht, ist für ihn inakzeptabel, daran muss irgendwer schuld sein. Jemand, der nicht er selbst ist. Und da bietet sich in erster Linie das Übergewicht seiner Frau an, eine sichtbare Erinnerung der Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität. Ein ständiger Dorn im Auge, der seine Ehe an den Rand ihrer Existenz drängt. Ein Übel, für dessen Beseitigung er auch vor drastischen Maßnahmen bis hin zur Erpressung nicht zurückschreckt.

Ein Mann, der seine Idee von der Position eines Familienvaters umsetzen will, eine Frau, die der ihr zugedachten Rolle als Ehefrau und Mutter in diesem Gefüge nur bedingt gerecht werden kann und will, eine Tochter, die zwischen die lieblosen Fronten gerät. In „Lügen über meine Mutter“ erzählt Daniela Dröscher aus Sicht der Tochter Ela von einer Ehe, die an Erwartungen und Schuldzuweisungen zu zerbrechen droht. Dabei mag das Gewicht der Mutter der Punkt sein, um den die Geschichte immer wieder kreist, aber in dem Roman geht es um sehr viel mehr. Zum einen ist er die detailgenaue Spiegelung einer Zeit, in der Frauen in Deutschland erst seit wenigen Jahren einen Job ohne die Einwilligung ihres Ehemannes annehmen konnten. In der die Rollenverteilung von der Frau am Herd und dem Mann, der für das Wohlergehen seiner Familie verantwortlich ist, noch mehr Gewicht hatte. Besonders – und hier kommen wir zu der zweiten Ebene – in einer ländlichen Gegend, einem Milieu, in der jeder Schritt beobachtet wird und klar definiert ist, was man zu tun und zu lassen hat. Wo der Aufrechterhaltung eines Wunschbildes nach Außen das Wohlergehen im Inneren an schnell mal an Wichtigkeit überbietet.

Dröschers Sprache ist eher einfach gehalten, spielt aber gleichzeitig auch eine zentrale Rolle. Eingeschobenen Passagen zwischen den Kapiteln reflektieren das Erzählte aus Sicht der nun erwachsenen Tochter, setzen sich aber auch mit dem Schreiben und der Arbeit des Schriftstellers auseinander. Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei Redewendungen zu, der Frage, wann ihre Verwendung akzeptabel ist. In den Kapiteln selbst werden sie oft kursiv hervorgehoben, was ich nicht uninteressant fand, weil man als Leser schnell dazu tendiert, sie gar nicht mehr wahrzunehmen. So ergibt sich sozusagen eine Sprachstudie innerhalb einer Gesellschafts- und Milieustudie.

Wer in den 1980ern Kind war, ist, denke ich, klar im Vorteil. Ich weiß nicht, ob ich den Roman mit der gleichen Begeisterung gelesen hätte, wenn ich mich nicht immer wieder in meine Kindheit zurückkatapultiert gefühlt hätte.

Ob „Lügen über meine Mutter“ eine Chance auf den Deutschen Buchpreis 2022 hat, vermag ich nicht zu sagen. Ich habe Zweifel, vor allem, weil das Buch stilistisch nicht aus der Menge heraussticht, keine exzentrische Stimme oder ausgefallenes Thematik hat. Gönnen würde ich es ihm trotzdem, gerade weil es unaufgeregt, aber eindrucksstark ein Stück Zeitgeschichte transportiert, die wir noch lange nicht ganz hinter uns gelassen haben. Von mir gibt es auf jeden Fall eine große Leseempfehlung und gedrückte Daumen.

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Dieses, auf der Shortlist des deutschen Buchpreises stehende, Buch hat mich gefesselt.Die subtilen Kämpfe innerhalb einer Familie, geführt mit allen zur Verfügung stehenden Waffen wie Macht, Psychologie oder Mitleid, werden schonungslos offengelegt, die früher üblichen Hierarchien innerhalb der Familie hervorragend heraus gearbeitet. . Dieses Buch muss man zweimal lesen um alle Feinheiten zu erkennen.

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Lügen über meine Mutter ist die Geschichte über Elas Mutter, die ihr Leben mit einem Ehemann verbringt, der ihr nicht gut tut. Das ist noch eine ziemliche Untertreibung.

Das Buch erzählt die Geschichte einer Familie, in der die Eltern nie zusammengepasst haben. Die Folge ist eine kaputte Frau, die es aber trotz (oder wegen) einer ruinierten Gesundheit geschafft hat, ihrer Tochter wichtige Werte zu vermitteln.

Die Charaktere sowie das gesamte Geschehen werden aus Elas Sicht beschrieben. Das Mädchen sucht die Liebe ihrer Eltern und wundert sich hin und wieder über das Verhalten der Erwachsenen. Man erhält also insgesamt eine etwas schleierhafte Sicht auf einige Geschehnisse. Das tut der Geschichte allerdings keinen Abbruch. Insgesamt ist das Buch beeindruckend und hinterlässt starke Gefühle, die nicht alle positiv sind. Leider bekommt man nicht unbedingt alles erzählt, was man als Leser noch gerne erfahren hätte, die wichtigsten Botschaften aber bleiben.

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Ganz große Klasse. Es wäre auch eine würdige Gewinnerin des Deutschen Buchpreises gewesen, aber was solls. Die Erzählung der Tochter über die Gewichtsprobleme ihrer Mutter, eingebettet in die 80er Jahre, die Probleme der Akzeptanz zwischen Geflüchteten und Einheimischen und natürlich die Spannungen zwischen Mutter und Schwiegermutter ist rundum gelungen. Mittendrin neben Mutter und Tochter, noch der Vater, der das eigentliche Problem in dieser ganzen Konstellation ist. Diesen Mann möchte ich als Leser am liebsten schütteln oder schlagen. Alles was zählt ist der äußere Schein und der Mann ist der Gebieter der Familie. Seine Mutter kann er nicht in die Schranken weisen und als seine Frau einiges erbt, macht er den dicken Max.
Ein tolles Buch, eine großartige Geschichte, die ganz viel Wahres enthält.

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Wenn Diäten das Leben bestimmen …

Ela ist etwa acht Jahre alt als sie zum ersten Mal bemerkt, dass in der Ehe ihrer Eltern etwas nicht stimmt. Der Vater kritisiert die Mutter ständig wegen ihres Gewichts, er schämt sich für sie und macht ihre Figur sogar für sein berufliches Scheitern verantwortlich. Die Mutter hingegen fühlt sich wohl in ihrem Körper, sie braucht das Essen als Ausgleich für alles, was sie täglich leistet. Sie kümmert sich um ihre Familie, erträgt die Launen ihrer Schwiegermutter, bekommt noch ein Baby, nimmt ein Pflegekind auf und versorgt auch ihre demente Mutter, währenddessen ihr Mann immer nachdrücklicher fordert, dass sie endlich abnehmen soll. Ja, er schafft sogar eine Waage an, um das Gewicht seiner Frau in demütigender Weise kontrollieren zu können. All den Streitigkeiten ist die kleine Ela ständig ausgesetzt. Sie liebt ihre Mutter, doch durch den Einfluss des Vaters beginnt auch sie, sich allmählich für den dicken Körper der Mutter zu schämen …

Daniela Dröscher ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie wurde 1977 in München geboren und wuchs in Rheinland-Pfalz auf. Nach ihrem Studium der Germanistik, Philosophie und Anglistik in Trier und London promovierte sie im Fach Medienwissenschaft an der Universität Potsdam. Sie schrieb und veröffentlichte Theaterstücke, Romane, Geschichten und Essays, für die sie zahlreiche Preise erhielt. „Lügen über meine Mutter“ schaffte es 2022 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Dass es für die Autorin sehr schmerzhaft gewesen sein muss diesen Roman zu schreiben kann man nur vermuten, denn es handelt sich, nach ihren eigenen Aussagen, um die Geschichte ihrer Eltern und die ihrer eigenen Kindheit. Über einen Zeitraum von vier Jahren erzählt sie über das Aufwachsen in dieser Familie und nennt es den „Versuch einer Rekonstruktion“, um mit zeitlichem Abstand „die Dinge anders zu sehen und besser zu verstehen“. Deshalb wird auch die Geschichte, die das Kind aus der Ich-Perspektive erzählt, immer wieder durch Rückblicke als erwachsene Tochter unterbrochen und das damalige Geschehen reflektiert.

Auch als Leser wird man von vielfältigen Emotionen gepackt. Wut und Empörung darüber, wie abwertend und abfällig der Mann über das Gewicht seiner Ehefrau urteilt und wie selbstherrlich er das Leben der Familie bestimmt, Beklemmung und Verwunderung darüber, wie klaglos die Frau sich damals in den 80er Jahren damit abfindet, und nicht zuletzt Mitleid mit dem Mädchen, das mit seinen Gefühlen ständig zwischen den beiden Elternteilen hin und her schwankt. Es kann durchaus sein, das der ein oder andere Leser oder Leserin gelegentlich an die eigene Kindheit, oder gar an seine eigene Ehe, erinnert wird.

Fazit: Ein Roman der Emotionen weckt, unter die Haut geht und in Teilen sogar wütend macht – mitreißend und aufwühlend!

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Elas Vater möchte eine Bilderbuchfamilie, doch die Mutter ist in den Augen des Vaters zu dick. Ein fesselnder Roman über eine Mutter-Tochter Beziehung aus der Sicht der Tochter, die ihre Kindheit zwischen Vater und Mutter stand, da sie keinen von beiden verletzten wollte.

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"Lügen über meine Mutter" der Autorin Daniela Dröscher ist ein Buch, welches mich lange und anhaltend bewegt.

In den 80-iger Jahren, ein Familienleben im Hunsrück. Geschildert wird dies aus der Sicht der kleinen 6-jährigen Ela, die mit ihren Eltern und den Großeltern in einem kleinen Dorf lebt. Sie steht zwischen ihren Eltern, einem Vater, der sein ganzes Versagen in allen Lebenslagen auf die Mutter abwälzt. Sie schildert ein typisches Frauenbild in den 80-igern, in dem eine Frau gesellschaftlich noch anders betrachtet wurde. Sie arbeitet, macht nebenher ein Sprachendiplom, kümmert sich um die kranke Großmutter und macht es ihrem Mann, der unter massiven Minderwertigkeitskomplexen leidet, niemals recht. Ihr Gewicht, welches mit jeder zusätzlichen Belastung nach oben steigt, nutzt er als Aufhänger für seine Tyrannei. Dennoch, oder gerade deshalb entwickelt die Mutter eine ungeahnte Stärke.

Selten habe ich bei einem Buch so oft schlucken müssen, wie bei "Lügen über meine Mutter". Eine Familienkonstellation, wie sie auch heute noch häufig anzutreffen ist, erzählt mit den Augen eines Kindes, welches manches nicht zuordnen kann und bei vielem die ungesagten Dinge viel besser versteht als so mancher Erwachsener.

"Lügen über meine Mutter" ist nmit das beeindruckenste Buch, welches ich dieses Jahr gelesen habe.

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Beim Lesen möchte man alle Charaktere eigentlich nur konstant schütteln. Großartiges Buch über den Umgang zwischen Menschen. Eigentlich sind alle Beziehungen im Buch irgendwie toxisch und eigentlich ist es echt hart zu lesen und dennoch so wichtig. Vielleicht gerne eine Triggerwarnung vorwegsetzen da Themen wie Essstörungen und Körperwahrnehmungen belastend für einige Leser*innen sein könnten

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Daniela Dröscher hat in ihrem autofiktionalen Roman über das Leben ihrer Mutter eine Geschichte geschrieben, die einen mitnimmt. Während man mit Anteilnahme und zunehmendem Entsetzen den Fortgang der unglücklichen Beziehung der Eltern verfolgt, stellt sich stets auch die Frage, ob die Wahrheit über einen Menschen ( mag er einem auch nahestehen) überhaupt erzählbar ist.

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