Unter dem Nordlicht

Indianer aus Kanada erzählen von ihrem Land

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Erscheinungstermin 20.08.2020 | Archivierungsdatum 04.02.2021

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Zum Inhalt

»Wir wurden nicht in Kanada geboren, sondern Kanada wurde auf unserem Land geboren.«

Bären an wilden Flüssen, Ahornsirup, Eishockey, nette Umgangsformen – unser Bild von Kanada ist von Klischees geprägt. Genauso romantisiert ist unsere Vorstellung von Indianern, die immerhin einen Großteil des Landes besiedeln: Lagerfeuer, Adlerfedern, Wildpferde und ein Leben im Einklang mit der Natur. Doch wie leben sie wirklich? Der Schweizer Historiker Manuel Menrath zeigt es uns in diesem Buch. Er machte sich auf in entlegene Gebiete im hohen Norden Kanadas, dorthin, wohin keine Straße führt, und traf Cree und Ojibwe in ihren Reservaten.

Und sie vertrauten ihm, dem Europäer – dem Wemistigosh (Holzbootmensch). Sie nahmen ihn mit zu ihren rituellen Festen und zur Jagd, er lebte unter ihnen. In über hundert Interviews erzählten sie ihm von ihrem Leben – ihrem Verhältnis zur Natur, ihren Vorfahren, ihrer Geschichte – und von dem Land, das sich heute »Kanada« nennt und dessen Entstehung für sie mit großem Leid verbunden ist. Sie erzählten von verschwundenen Tieren, alten Ritualen. Und von den Grausamkeiten in den Residential Schools, in denen ihre Kinder in die Gesellschaft der Weißen zwangsassimiliert wurden. Ihre Geschichten handeln von den sozialen wie seelischen Verwüstungen des kulturellen Völkermords, von Depression, Drogen- und Alkoholmissbrauch. Allein im Cree-Dorf Attawapiskat gab es im Jahr 2016 100 Selbstmordversuche unter Jugendlichen – genau in dem Jahr, in dem Premier Justin Trudeau (viel zu spät) die Rechte der Indigenen anerkannte.

Manuel Menraths faszinierendes und tief beeindruckendes Buch berichtet vom Leben derer, die schon seit Jahrtausenden in Kanada leben – und lässt sie selbst zu Wort kommen.

»Dies ist ein wichtiges Buch, weil es unsere Stimmen enthält. Es ist gut, dass wir damit in Europa gehört werden. Denn unsere Geschichte wurde jahrhundertelang ignoriert.« Chief Stan Beardy, Grand Chief der Nishnawbe Aski Nation (2000-2012) und Chief von Ontario (2012-2015)

»Diese großartige Spurensuche in den entlegenen Cree- und Ojibwe-Reservaten Ontarios erzählt die Geschichte von Eroberung, Kolonisierung und fortdauernder Vernachlässigung aus indianischer Sicht – fundiert, überraschend und berührend zugleich.« Aram Mattioli, Verfasser von »Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700–1910«

Mehr Infos unter: https://unterdemnordlicht.de

»Wir wurden nicht in Kanada geboren, sondern Kanada wurde auf unserem Land geboren.«

Bären an wilden Flüssen, Ahornsirup, Eishockey, nette Umgangsformen – unser Bild von Kanada ist von Klischees...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783869712161
PREIS 26,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Kanada - Land der Träume und der Sehnsucht. Und auch Land der Indianer. Nur dass dieser Teil oftmals vergessen oder übergangen wird, obwohl er so wichtig ist! Dieses Buch spricht genau diesen überaus wichtigen Punkt an. Es ist eine absolute Seltenheit. Der Autor redet mit den Indianern und schildert Geschehenes aus ihrer Perspektive. Er erzählt ihre Geschichten, vermittelt ihre Kultur und schaut in ihre Seelen. Ein Buch mit Tiefgang, welches ein wahres Chaos an Gefühlen in mir ausgelöst hat: Freude, Trauer, Entsetzen, Mitleid, Wut, Furcht und so vieles mehr. Sehr zu empfehlen.

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Diese berührenden wahren Geschichten über die Ureinwohner Kanadas, ihre Geschichte , das große Leid auf sozialen und seelischen Gebieten hat mich tief ergriffen. In über 100 Interviews wird in vielen Facetten vom Leben, Glauben, dem erfahrenen Unrecht heute und früher, aber auch von der Natur und spirituellen Erfahrungen erzählt.

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Kanada – ein Land, das man mit Toleranz und Freiheit in Verbindung setzt. Manuel Menrath fügt mit "Unter dem Nordlicht" ein wichtiges Dokument zur Geschichte Kanadas, und damit zur Geschichte des gesamten amerikanischen Kontinents, hinzu. Für viele Menschen beginnt die Geschichte der Neuen Welt erst mit ihrer Eroberung durch die Europäer. Und für viele ist es eine glorreiche Geschichte, in der Helden, Kolonialisten und Missionare über das Wilde, Unzivilisierte und Heidnische siegen und quasi aus dem Nichts ein Land der großen Freiheit erschaffen. Erst in jüngerer Zeit beginnt die Aufarbeitung und Publikmachung der Schattenseite dieser Geschichte. Und trotzdem wollen viele Menschen, ganz besonders in Kanada, lieber wegsehen, weghören, sich nicht verantwortlich fühlen. Die Schattenseite: mehrere Jahrhunderte Kolonialisierung brachten den Ureinwohnern, die sich selbst First Nations nennen, Krankheiten, Ausbeutung, Vertreibung aus und Zerstörung der Natur, die für sie die Lebensgrundlage bildet. Die Zwangsassimilierung, die noch bis in die 90er Jahre stattfand, führte zu einem dramatischen Verlust ihrer Identität und ihres Selbstbewusstseins. Die First Nations leben zusammengepfercht in Reservaten und sind von Unterernährung, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie einer wahnsinnig hohen Selbstmordrate unter Jugendlichen betroffen. Menrath unternahm mehrere Reisen und scheute keine Mühen um in Kontakt mit den First Nations zu kommen. Der schweizer Historiker erzählt die Geschichte neu, diesmal aus Perspektive der Menschen, die schon Jahrtausende vor der Ankunft der Europäer das Land durchstreiften. Aus erster Hand und teils in ihren eigenen Worten erzählt, wird auch deutlich, wie anders die Denkweise, der Umgang mit Natur und Spiritualität, für die First Nations ist und warum der "Fortschritt" der Kolonialisten und deren Nachkommen für sie so einen fatalen Rückschritt zur Folge hatte. Aber das Buch macht auch Hoffnung, wie die Menschen mit einer Hinwendung zu alten Traditionen und Werten eine neue Perspektive für die Zukunft gewinnen – und vor allem eine gemeinsame Zukunft. Dafür muss die Geschichte aber von beiden Seiten aufgearbeitet werden – und dafür leistet der "neutrale" Autor mit diesem Buch einen sehr wichtigen Beitrag.

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Kanada gilt ja als das freundliche Gesicht Nordamerikas - das Land mit der atemberaubenden Natur, den freundlichen Menschen, der Politik, die sich angenehm von dem Nachbarn südlich der Grenze unterscheidet. Oder doch nicht? In seinem Buch "Unter dem Nordlicht" schildert der Schweizer Autor Manuel Menrath die dunkle Seite der kanadischen Geschichte. In diesem Jahr sollte Kanada Partnerland der Frankfurter Buchmesse sein. Coronabedingt findet die Messe virtuell statt, der "richtige" Partnerauftritt wurde auf das kommende Jahr verschoben (toi, toi, toi!). Die Verlage planten ihre Neuerscheinungen zur Buchmesse allerdings langfristig, so dass es nicht verwunderlich ist, dass derzeit viel Literatur aus und über Kanada erscheint. Sowohl in "Volkswagen-Blues" als auch in "Das weite Herz des Landes" ging es um Protagonisten mit indianischer oder teilweise indianischer Identität, im Fall von Richard Wagamese handelte es sich zudem um einen indigenen Autor. Gerade wer schon einmal in Westkanada war, hat in Städten wie Calgary oder Edmonton wohl Indianer gesehen - meist unter den Obdachlosen, und Alkohol- und Drogenabhängigen. Die Nachfahren der Menschen, die vor der Ankunft der europäischen Siedler das Land geprägt hatten, leben heute vielfach am Rande des Existenzminimums. Die Lage in den Reservaten ist keineswegs besser: Armut, Arbeitslosigkeit, hohe Selbstmordraten. Und doch - wenn vom Umgang mit den indigenen Völkern die Rede war, schien Kanada nie so in Verruf zu geraten wie (wieder mal) der Nachbar USA mit seinen Indianerkriegen, mit einer Politik insbesondere gegen kämpferische Völker wie die Cheyenne und die Lakota, die heute nur als Völkermord eingeordnet werden können. Doch war es in Kanada wirklich besser? Menrath hat im Norden Ontarios recherchiert, mit Elders, spirituellen Führern, Politikern und ganz normalen Menschen in den indianischen Siedlungen gesprochen. Er erzählt die Geschichte der Cree und Ojibwe aus deren Perspektive, schildert ihre Kultur, die Erfahrungen mit der Mehrheitsgesellschaft.Und er erinnert an den "kulturellen Völkermord" Denn in der Tat - bei Kindern, die ihren Familien entrissen, zwangsadoptiert oder in Internatsschulen brutal der eigenen Kultur entfremdet wurden, hatte ich zuvor immer an Australien und den Umgang mit den Aborigines gedacht. Dass die gleiche Politik auch in Kanada vorgenommen wurde, war mir bis dahin nicht bewusst gewesen. Dass die indigenen Völker nach wie vor keinen ernst zu nehmenden Anteil aus der Förderung von Bodenschätzen selbst aus den Reservaten erhalten, war mir bislang ebenso unklar. Von diesen Erfahrungen zu lesen, ist bedrückend, ebenso wie von den Kindern und Jugendlichen, die sich angesichts vielfältiger Probleme das Leben nehmen. Zugleich zeigt das Buch inspirierende Beispiele vom Überleben indianischer Kultur und Spirtualität, ja von einer gewissen Renaissance. Das Verhältnis zum Land, zur Natur, zur eigenen Rolle als Teil, aber nicht als Herrscher oder Besitzer von Wäldern, Flüssen und Seen erklärt das Weltbild, das Cree und Ojibwe mit anderen indianischen Völkern teilen. Wenn heute angesichts von Raubbau an der Natur und Zerstörung von Ökosystemen die Zukunftsszenarien düster aussehen, lässt sich von Kanadas Indigenen viel lernen.

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Kanada - Land der Träume und der Sehnsucht das Land der Indianer. Nur dass wir das vergessen.Das Buch spricht über diesen wichtigen Punkt in der Geschichte der Indianer. . Der Autor redet mit den Indianern und schildert Geschehenes aus ihrer Perspektive. Es gelingt ihm diese Geschichte gut zu erzählen.Er vermittelt Kultur schaut in ihre Seelen. Ein Buch mit Tiefgang, Als Leser hat es mich sehr berührt. Freude, Trauer, Entsetzen, Mitleid, Wut, Furcht und so vieles mehr. Sehr zu empfehlen.

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#UnterdemNordlicht zeigt in eindrücklicher Weise, wie wenig die oft üblichen Vorstellungen vom Leben der Indianer mit der Realität zu tun haben. Der Schweizer Autor Manuel Menrath ist Historiker und er reiste in Gebiete, die weit weg von den Ballungsräumen der Großstädte liegen. Hier leben Cree und Ojibwe in Reservaten, die ihnen von den „Weißen Herrenmenschen“ zugewiesen wurden. Herr Menrath schaffte Vertrauen zu den Menschen und sie berichteten ihm von ihrer Geschichte. Er durfte an Jagden und rituellen Festen teilnehmen und über 100 Indianer interviewen. Aus dieser gewiss auch strapaziösen Recherche konnte er dieses wertvolle Buch schreiben. Niemals zuvor las ich ein Werk, welches mich so sehr beeindruckte. Ich wusste nicht, was die Ureinwohner Kanadas erdulden mussten und dass es selbst im Jahr 2016 noch über 100 Selbstmordversuche unter Kindern der Reservate gab. Auch als Herr Menrath in ein Cree-Dorf namens Attawapiskat reiste, brachte sich kurz vorher ein blutjunges Mädchen (12 Jahre alt) um. Warum machen die Kinder das? Ein Grund kann sein, dass ihre Eltern und Großeltern in den Residential Schools „unterrichtet“ wurden. Dort erlebten sie unvorstellbare Misshandlungen und wurden bis heute nicht, damit fertig. Vielleicht sehen die jungen Menschen die Hoffnungslosigkeit der Eltern und haben Angst, dass sie die Zukunft nicht meistern können? Bis heute leiden alle Indigenen unter Behördenwillkür und Rassismus. Sie erhalten kaum Aufmerksamkeit von der Bevölkerung und die Touristen wollen nur das sehen, was sie unter dem Leben mit Indianern verstehen. Schlimm für mich war das, was die Menschen dem Europäer Menrath berichteten. Sie sollten ihrem Glauben abschwören, wurden als „Heiden“ betrachtet und oft auch versklavt. Durften nur noch das jagen, was ihnen die „Weißen“ erlaubten, ganze Siedlungen geflutet und Raubbau an ihrer Natur betrieben. Die Ureinwohner mussten mit auf den Feldern arbeiten und wertvolle Rohstoffe bergen. Den Nutzen hatten sie davon keineswegs. Im Jahr 1493 erließ Papst Alexander VI eine Bulle, in der er den Herrschaftsanspruch christlicher Nationen auf neu „entdeckten“ und „heidnischen“ Ländern. „Durch unsere apostolische Machtbefugnis, die der allmächtige Gott durch den hl. Petrus auf uns übertragen hat, schenken und gewähren wir dem spanischem Königshaus sowie deren Nachfolger auf alle Zeit sämtliche Inseln und Länder mit ihren Herrschaften, Städten und Dörfern, die gefunden wurden und noch entdeckt werden. Und zwar im Westen vom arktischen bis zum antarktischen Pol.“ (Pos. 1184) Es waren auch Priester und Nonnen, unter denen in den Schulen der Indianer die Kinder am meisten litten. Herr Menrath wollte ein Buch schreiben, das nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse aufzeigt. Auch seine persönlichen Empfindungen sollten zum Ausdruck kommen und das ist ihm hervorragend gelungen. Die originalen Fotos aus alter und neuer Zeit brachten mir die Betroffenen noch einmal näher. Nein, mehr schreibe ich nicht. Es wäre noch so viel zu berichten, was mich bewegt. Bitte, lest dieses Buch und erfahrt, welchen Völkermord (Millionen wurden vertrieben oder starben an eingeschleppten Krankheiten) die Europäer nicht nur in Kanada vollzogen. Das Leben mit und von der Natur, welches ein Merkmal der Indianer ist, kann meiner Meinung nach auch heute noch praktiziert werden. Ja, auch in Europa. Nach dem Nachwort und dem Dank folgen Glossar, Literatur- und Quellenverzeichnis sowie die Namen aller, die er interviewte. Der Hinweis auf Webseiten zum Thema, Zeitungsartikel und News sowie Filme fehlen ebenfalls nicht. Es gibt 822 Fußnoten, die am Schluss noch einmal ausführlich erläutert werden. #NetGalleyDE

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„Unter dem Nordlicht- Indianer aus Kanada erzählen von ihrem Land“ von Manuel Menrath erzählt die Geschichte der Indigenen Kanadas und wie sie sich jetzt fühlen, welchen Status sie in ihrem Land haben und wo noch Diskriminierung herrscht. Es geht um die „leeren“ Stellen in der Geschichte Kanadas. Dies ist interessant für alle Menschen, die sich für die Schattenseite von Kanada interessieren und auch für Diversität. Für Menschen mit indigenen Hintergrund ist es ein wichtiges Buch für die eigene Identität. Mir kam die Lebensweise der Indigenen etwas zu kurz. Bzw. stand das Vermitteln der Fakten im Vordergrund. Für dich Buch ist viel recherchiert wurden, was man auch beim Lesen merkt. Ebenso am Glossar, Literatur- und Quellenverzeichnis sowie die Namen von allen Interviewten des Autors. Der Hinweis auf Webseiten zum Thema, Zeitungsartikel und News, sowie Filme sind ebenfalls vorhanden. Insgesamt sind es 822 Fußnoten, die am Schluss noch einmal ausführlich erläutert werden. Ein umfangreiches Buch über die Schattenseite Kanadas.

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Was für ein wunderbares Buch! Menrath entführt auf seiner Reise nach Kanada. Eindrucksvoll wird die Lebensweise in den verschiedenen Reservaten geschildert. Doch leider kein Buch mit Happy End sondern eindringlich wird auf die Lebenssituation von Zwangassimilation bis hin zu Selbstmord im eigenen Volk. Tief berührt haben mich die einzelnen Interviews. Offen und gnadenlos wird von zerstörten Kulturen und Riten berichtet, die damit auch die Historie der Menschen zerstört. Sprachlich zeigt der Autor keine Schwächen und kann durch Wort und Schrift das Erlebte künstlerisch wiedergeben. Oft hat man den Eindruck, mitten im Interview zu sein anstatt nur die Worte zu lesen. Ein großartiges Buch über ein großes Stück Geschichte eines Landes und einer Population, die es sich zu lesen lohnt!

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Der Lebensraum der Ojibwe, Oji Cree und Cree im nördlichen Ontario ist bis heute nur schwer und kostspielig zu erreichen. In ihre kleinen, isolierten Reservate gelangt man teils nur per Flugzeug, auf dem Wasserweg oder wenn im Winter die „Winterstraße“ gefriert. Von einem Lebensraum, den ihre Vorfahren als Sammler und Fallensteller verantwortungsvoll nutzten aber nicht zerstörten, erhielten die heutigen Bewohner nur die Bereiche, in denen weiße Kanadier keine Bodenschätze vermuteten. Die Abwicklung dieser Landverteilung wirkt aus heutiger Sicht fragwürdig, weil die indigenen Bewohner einen anderen Begriff von „Land“ hatten als europäisch-stämmige Siedler und Missionare und bis dahin keine schriftlichen Verträge kannten. Bei Vertragsabschluss war ihnen nicht bewusst, dass sie mit den Weißen nicht über eine gemeinsame Nutzung des Landes verhandelten, sondern praktisch enteignet und vertrieben wurden in die Regionen, die keinen Profit versprachen. Indigene Völker konnten nur besitzen, was sie mit Händen wegtragen konnten, aber kein Land. Sie nutzten das Land gemeinsam mit anderen Gruppen und teilten seine Früchte. Sie sammelten Pflanzen, jagten Tiere als Fleisch- und Pelzlieferanten und zerstörten selbstverständlich ihre Quellen nicht. Im Jahreslauf zogen sie jeweils an bestimmte Plätze, die ihnen Fleisch, Häute, Kräuter oder Baumrinde lieferten. Dass ein Lebensraum vollständig ausgebeutet und zerstört werden kann, war den Indigenen vor der Ankunft der Weißen nicht bewusst, da auch nach schlechten Jahren die Natur und die Tierpopulation sich bisher immer erholt hatten. Der Lebensraum der Ojibwe, Oji Cree und Cree im nördlichen Ontario ist bis heute nur schwer und kostspielig zu erreichen. In ihre kleinen, isolierten Reservate gelangt man teils nur per Flugzeug, auf dem Wasserweg oder wenn im Winter die „Winterstraße“ gefriert. Von einem Lebensraum, den ihre Vorfahren als Sammler und Fallensteller verantwortungsvoll nutzten aber nicht zerstörten, erhielten die heutigen Bewohner nur die Bereiche, in denen weiße Kanadier keine Bodenschätze vermuteten. Die Abwicklung dieser Landverteilung wirkt aus heutiger Sicht fragwürdig, weil die indigenen Bewohner einen anderen Begriff von „Land“ hatten als europäisch-stämmige Siedler und Missionare und bis dahin keine schriftlichen Verträge kannten. Bei Vertragsabschluss war ihnen nicht bewusst, dass sie mit den Weißen nicht über eine gemeinsame Nutzung des Landes verhandelten, sondern praktisch enteignet und vertrieben wurden in die Regionen, die keinen Profit versprachen. Indigene Völker konnten nur besitzen, was sie mit Händen wegtragen konnten, aber kein Land. Sie nutzten das Land gemeinsam mit anderen Gruppen und teilten seine Früchte. Sie sammelten Pflanzen, jagten Tiere als Fleisch- und Pelzlieferanten und zerstörten selbstverständlich ihre Quellen nicht. Im Jahreslauf zogen sie jeweils an bestimmte Plätze, die ihnen Fleisch, Häute, Kräuter oder Baumrinde lieferten. Dass ein Lebensraum vollständig ausgebeutet und zerstört werden kann, war den Indigenen vor der Ankunft der Weißen nicht bewusst, da auch nach schlechten Jahren die Natur und die Tierpopulation sich bisher immer erholt hatten. Manuel Menrath hatte seine Arbeit über die Völker des nördlichen Ontario als Habilitationsschrift an der Uni Luzern geplant. Das Maß an Leid, von dem er in den Gesprächen mit Zeitzeugen und Stammesältesten erfuhr, machte es ihm jedoch unmöglich, sein Thema trocken wissenschaftlich zu behandeln, so dass schließlich das vorliegende Buch entstand. Der Autor kannte indianische Geschichte zuvor nur aus der Sicht europäischer Siedler, vermutlich u. a. in der klischeehaften Form, in der Plains-Indianer der heutigen USA in Filmen und Büchern dargestellt wurden. Als Gast wird er von seinen jeweiligen Gesprächspartnern in der Rolle der Wissenshüter (einige davon gewählte Chiefs) oft ähnlich einem jugendlichen Schüler aufgenommen, der erst in seine Kultur hinein wachsen und sie an sich selbst erfahren muss. Einem Eisbären muss man selbst gegenüberstehen und sich nicht nur davon erzählen lassen. Vermutlich ist der Schweizer Autor mitten in die Legenden und die Erinnerungen seiner Kontaktpersonen hineingewachsen. Menrath trifft Menschen, die etwas zu erzählen haben, die ihm Zugang zu schriftlichen Quellen und Fotos verschaffen. Besonders beeindruckend war für mich die Begegnung mit Kartografen, die traditionelle geographische Begriffe indigener Sprachen sammelten, in Karten eintrugen und so den heutigen Nachkommen ihre Geschichte zurückgaben. Der Autor hört von der Unwissenheit der weißen Händler und Siedler, die ohne Hilfe der Einwohner den ersten kanadischen Winter kaum überlebt hätten, und ihrer Ignoranz gegenüber dem höchst sensiblen Lebensraum Tundra, der rücksichtslose Ausbeutung eben nicht verzeiht. Menrath erfährt von Zwangsadoption und Zwangserziehung indianischer Kinder in christlichen Internaten (Residential Schools), von sexueller Gewalt, Kinderselbstmorden und Schülern, die bei Fluchtversuchen aus den Internaten erfroren. Das Thema Selbstmorde Jugendlicher zieht sich bis in die Gegenwart; denn die erschreckend hohe Selbstmordrate unter jungen Menschen ist neben Alkohol und Drogen bis heute eines der drängendsten Probleme in abgelegenen Reservaten. Menraths Gespräche drehen sich u. a. darum, wie es passieren konnte, dass Völker in Abhängigkeit eines – eher unwilligen – Sozialstaates gerieten, deren Vorfahren sich bisher in ihrem Lebensraum selbst ernähren und verwalten konnten. Der historische Teil um die Pelzjäger und das Entstehen der Hudson Bay Company liest sich als zentraler Teil kanadischer Geschichte hochinteressant. Ebenso wichtig ist allerdings Menrads Blick auf die heutige Lebenssituation in entlegenen Reservaten. Er verdeutlicht, warum die Lebenshaltung dort so anspruchsvoll wie kostspielig ist und warum Widersprüche zwischen einem modernen Staat und der spirituellen Lebensweise seiner Ureinwohner noch immer kaum lösbar zu sein scheint. Einer der Widersprüche war z. B. dass indigene Gemeinschaften matrilinear sein konnten oder weibliche Chiefs wählten, da ihre Führer für die jeweils anstehende Aufgabe ausgewählt wurden. Der Indian Act schien jedoch diese Traditionen gezielt zu missbrauchen, um Frauen nach ihrer Heirat mit Weißen ihren indianischen Status abzusprechen. Sie verloren ihre Ansprüche, in einem Reservat zu leben, Zugang zu Jagdquoten und Gesundheitsversorgung und nicht zuletzt wurde so rein statistisch die Zahl der Indigenen dezimiert. Manuel Menrath legt ein umfangreiches, inhaltlich bewegendes Werk zu Indigenen im nördlichen Ontario vor. Das Verhältnis sozialer, historischer und ökologischer Themen, die Kombination aus Zeitzeugenberichten, Quellen und Erlebnissen des Autors in der Gegenwart wirkt ausgeglichen. Insgesamt war es für mich eine ungewöhnlich faktenreiche, lang andauernde Lektüre, ich habe mich mit dem Buch wochenlang beschäftigt.

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Kanada ist für viele ein Wohlfühl- oder Sehnsuchtsort, bei dem man an eine offene und liberale Gesellschaft, das „bessere Amerika“, denkt. Zumindest hört und liest man das immer wieder. Aber ganz so ist es nicht. Manuel Menrath beleuchtet in seinem Buch „Unter dem Nordlicht- Indianer aus Kanada erzählen von ihrem Land“ die eher unrühmlichen Aspekte der Geschichte des Landes. Heute leben „auf dem kanadischen Territorium 634 vom Staat anerkannte indianische „Stammesgemeinschaften“, die offiziell als First Nations bezeichnet werden und die etwa 3000 Reservate besitzen.“ Dennoch treten die Angehörigen indigene Völker heute in Kanada kaum in Erscheinung, ihr Beitrag zur Geschichte des Landes wird meist schlicht ignoriert oder „vergessen“. „So entsteht der Eindruck, alles, was vorher (also vor der Besiedelung durch die Europäer) gewesen war, sei bedeutungslos.“ Manuel Menrath sieht dies anders und rollt die Geschichte der indigenen Bevölkerung Kanadas minutiös auf. Er schreibt eindrucksvoll über ihr heutiges Leben und wie es dazu kam, dass stolze und friedliche Stämme, die jahrhundertelang im Einklang mit der Natur gelebt hatten, nach und nach von den „weißen Herrenmenschen“ in Reservate verbannt wurden. Er schreibt über Zwangassimilation, darüber, wie Eltern ihre Kinder weggenommen wurden, um sie „gesellschaftsfähig“ zu machen (die Kinder wurden auf christliche Schulen, sogenannte „residential schools“ geschickt, oft misshandelt und gequält und gezwungen, alles „Wilde“ abzulegen) – die Konsequenz war oft ein Gefühl der Entwurzelung, Verzweiflung und führte in vielen Fällen zu Alkoholismus und/oder Selbstmord. Die Erlebnisse haben in der indigenen Bevölkerung teils bis in die heutigen Generationen Auswirkungen. In den meisten Ländern, die kolonialisiert wurden, kann man diese Aus- und Nachwirkungen betrachten. Sei es in den USA, Australien oder auch in Grönland. Zwar haben sich die meisten Regierungen inzwischen für das begangene Unrecht entschuldigt (oder besser: sie baten um Entschuldigung), aber wirklich viel hat sich für die Betroffenen nicht verändert, denn manche Dinge kann man einfach nicht entschuldigen oder rückgängig machen. Denn zu den Spätfolgen des erlittenen Unrechts kämpfen die Angehörigen indigener Völker (wie so viele andere auch) gegen Rassismus und Ausgrenzung. Gekonnt verflicht der Autor Geschichte mit Geschichten. Tatsachen aus Kanadas Historie (beispielsweise die Entstehung der Hudson Bay Company und der North West Company) paart er mit zahlreichen Interviews von Angehörigen indigener Stämme und der Leser erfährt praktisch aus erster Hand über zerstörte Kulturen, die bis heute zwar im Kleinen weiter am Leben erhalten werden, aber denen meistens jegliche Lebensgrundlage fehlt. Als Historiker beleuchtet Menrath natürlich auch die „Fakten-Seite“, die Geschichte des Kolonialismus seit 1493, dem Jahr, in dem Papst Alexander VI eine Bulle erließ, die neu entdeckte Länder automatisch den christlichen „Entdeckern“ zusprach. Seine Fakten untermalt er mit Zitaten und untermauert sie mit sage und schreibe 822 Fußnoten. Dennoch ist das Buch spannend, interessant und packend geschrieben, hervorragend und gefällig formuliert und daher trotz der Fülle an Information sehr gut zu lesen. Der Inhalt ist bestürzend, beschämend und macht schlicht traurig. Auch wenn manche Abschnitte schöne Geschichten, vielleicht sogar ein bisschen „Wild-West-Romantik“ enthalten, blieb in mir eine große dunkle Wolke der Traurigkeit. Vermutlich könnte dieses Buch es vielen Lesern die Augen über das ach so liberale Kanada öffnen, ein Land, in dem wesentlich mehr Diskriminierung herrscht, als vermutlich viele wahrhaben wollen. Das Potenzial zur Aufklärung hat es allemal. Eine ganz klare Lese-Empfehlung für jeden, der sich für die Geschichte hinter der Fassade interessiert. 5 Sterne.

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