Fische

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Erscheinungstermin 11.05.2018 | Archivierungsdatum N/A

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Zum Inhalt

Fische ist ein Roman über eine obsessive Liebe, der Unwirkliches so selbstverständlich in einen Gegenwartskontext einbettet, dass es heutiger nicht sein könnte. Lucy verliebt sich in Theo, den Meermann, dessen Fischschwanz unterhalb der Lenden beginnt. Als Undine 4.0 zwingt er sie, alles, was sie über Liebe, Lust und die Bedeutung des Lebens zu wissen geglaubt hat, neu zu ordnen. 

Ein phänomenales literarisches Debüt, das schlichtweg elektrisiert. 

„Ein moderner, egalitärer und vor allem: ein ungemein emanzipierter Roman“ Die Zeit

„Was Fische zu einem aufregend-experimentellen Roman macht, ist dass Frau Broder es beherrscht, die Genres Magischer Realismus – Theo, der Meermann wird immer als real dargestellt und nicht etwa als Erscheinung — und Literarische Erotik zu verweben; stets mit einer benebelt-ironischen Distanz.“  The New York Times

„Melissa Broder ist die wahrscheinlich mächtigste Dealerin von Emotionen“ GQ

„Wäre Melissa Broder nicht so unglaublich lustig, hätte ich das ganze Buch über durchgeweint. Liebe, Sex, Abhängigkeit, psychische Störung und Kindheitstrauma nehmen sich alle an der Hand und tanzen im Kreis – zu Melissas Melodie, die sich auszeichnet durch einen unvergleichbaren Scharfsinn und einen verrückt-perfekten Zugang zu dieser furchterregenden Erdkugel, die wir alle unser Zuhause nennen.“ Lena Dunham über So Sad Today

 „Was Broder von ihren bekenntnishaften Kollegen unterscheidet, ist, dass sie – so ‚versaut‘ (sie selbst) ihre Werke auch sind, nicht daherkommt, um zu schockieren, sondern um zu überleben.“ ELLE über So Sad Today

„Broders Essays haben mich oft mit einem klaren Gefühl von weiblicher Wiedererkennung zurückgelassen. Ich las ihre Schilderungen von Herzschmerz, sexueller Frustration und Entfremdung und dachte: Genauso geht es mir auch.“ THE NEW YORKER über So Sad Today

Fische ist ein Roman über eine obsessive Liebe, der Unwirkliches so selbstverständlich in einen Gegenwartskontext einbettet, dass es heutiger nicht sein könnte. Lucy verliebt sich in Theo, den...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783550050299
PREIS 21,00 € (EUR)

Auf NetGalley verfügbar

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Meine Meinung:

„Der Ozean konnte Menschen und Boote verschlucken und suchte nicht außerhalb seiner selbst nach Erfüllung. Er nahm sich, was an seiner Oberfläche war, oder er ließ es bleiben. Niemand wusste, welche Welten in seinen Untiefen existierten. Er war selbstgenügsam. Ich sollte mir ein Beispiel nehmen. Ich fragte mich, was sich in meinen Untiefen verbarg.“

Für mich als Mann war dieses Buch schon ein besonderes Leseerlebnis, denn ihre Schilderung von „Weiblichkeit“ gestaltet die Autorin recht scharfzüngig und zügellos, gewährt dabei tiefe Einblicke in das „kaputte“ Seelenleben ihrer Protagonistin und lässt mich auf eine fast schon voyeuristische Art und Weise am Wiederaufbau dessen teilhaben.

Das Lesen dieses Buches, wird begleitet von einer Vielzahl an Emotionen. Mitgefühl und Entsetzen geben sich dabei genauso schnell abwechselnd die Hand, wie „heitere Belustigung“ und das Gefühl von tiefer Traurigkeit.

Melissa Broder ist es meisterhaft gelungen, all diese Emotionen durch nur eine Figur beim Leser hervorzurufen, was dieses Buch, obwohl es mich vom eigentlichen Plot nicht unbedingt überzeugen konnte, dennoch zu einem kleinen aber feinen Highlight macht.

Fazit:

Man versinkt beim Lesen in eine (dreckige) Brühe aus Emotionen, bei der letztendlich die Liebe als Rettungsring dient.

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Dieser Roman spaltet seine Leserschaft: die einen sind von Melissa Broders Buch Fische fasziniert, die anderen finden es zu vulgär und befremdlich.

Lucy und ihr Freund Jamie haben sich entschlossen eine Beziehungspause einzulegen. Eigentlich hat Lucy dies angeregt, aber nur, damit Jamie ihr widerspricht. Doch das hat er nicht und jetzt hat sie den Salat. Kurze Zeit später hat Jamie eine neue und Lucy ist am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Als ihre Schwester ihr anbietet, dass Lucy in ihrem Beach House ein paar Wochen auf ihren Hund aufpassen kann, während sie selbst in Europa ist, nimmt Lucy an. Sie hofft der Tapetenwechsel wird ihr guttun. Ihre Zeit verbring sie daraufhin in Gruppentherapiesitzungen für Frauen mit Pech in der Liebe. Außerdem versucht sie sich mit Männern zu vergnügen, doch der unverbindliche Sex bringt ihr nur geringe Befriedigung. Doch dann trifft sie den mysteriösen Theo, der nachts schwimmen geht und sie vom Wasser aus in Gespräche verwickelt. Lucy zieht es im Dunkeln immer öfter an den Strand um ihn wiederzusehen. Doch Theo ist nicht nur ein einfacher Schwimmer, er ist ein Meerjungmann.

Die Fische ist ein sehr offenherziges Buch, sowohl wenn es um die Gefühle und Gedanken der Hauptfigur geht, die oft gemein und abwegig sind, als auch wenn es um Sexszenen geht, die sehr detailliert und nicht immer schön beschrieben werden. Für zart besaitete Leser ist das Buch daher absolut nichts. Diese Offenheit hat aber auch etwas erfrischendes an sich, genauso wie die Tatsache, dass Lucy eher unsympathisch ist. Zwar habe ich ihre Gedanken und Handlungen gebannt verfolgt, ein Happy End habe ich ihr aber nicht gewünscht. Tatsächlich empfand ich sie dadurch aber auch als besonders interessanten Charakter. Der Schreibstil Broders ist flüssig und eingängig, das Buch ein Page Turner, den ich schnell durch hatte.

Die Fische ist erfrischend anders, eine Neuinterpretation eines Fabelwesens, alles andere als märchenhaft, modern und teilweise ziemlich bitter, aber definitiv lesenswert

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Wer den Twitter-Account von Melissa Broder oder ihre Essay-Sammlung „So Sad Today“ kennt, der ist vielleicht schon ein wenig vorgewarnt in Bezug auf ihr Romandebüt. Was dem geneigten Leser hier geboten wird, ist ein Drahtseilakt zwischen großartigen, tiefsinnigen und philosophisch angehauchten Beobachtungen und Analysen, und der schonungslos ehrlichen Realität, die das eine oder andere Mal an die Grenzen des erträglichen geht – und darüber hinaus.

Lucy, Erzählerin und Antiheldin von „Fische„, könnte unsympathischer und komplizierter nicht sein. Sie erscheint wie ein humanoides schwarzes Loch, welches den Leser und sein Umfeld mit der erdrückenden Kraft ihrer emotionalen Bedürfnisse zu verschlingen droht. Ihre Beziehung erscheint ihr langweilig und ermüdend, doch kaum hat sie eine Trennung quasi provoziert, verzehrt sie sich nach ihrem Ex-Freund wie nach einer Droge. Alles außer die Anerkennung durch ihn erscheint bedeutungslos. Lucy selbst ist ein Nichts ohne ihn.

Das Nichts und die Leere selbst sind ein zentrales Thema, nicht nur von Lucys Arbeit über die Dichterin Sappho, in der sie den Leerstellen in Sapphos dichterischem Werk eine ganz besondere Bedeutung beimisst, sondern auch in Lucys eigenem Leben. Lucy verzehrt sich nach einer wahren, großen Liebe, episch und bedeutend wie die Liebe, von der im antiken Griechenland gesungen wurde – alles verschlingend und erfüllend. Doch die Liebe in der heutigen Zeit funktioniert anders. Die Romantisierung von Natur und ihren Gewalten wird abgelöst von der Distanz und der Liebe als Konsumgut. Partnervermittlung, Dating-Apps. Liebe ist Verkaufsschlager. Aus Alt mach Neu. Passt ein Partner nicht, wartet hinter ein paar Klicks bereits eine Alternative.

Lucy als Person ist nicht in der Lage, etwas zu tun, ohne dieser Tat ihre ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Im Verlauf der Geschichte vernachlässigt sie ihre Pflichten, ohne sich mit den Folgen auseinander zu setzen. Schlägt der Worst Case zu, ist die Verzweiflung groß und stößt Lucy immer tiefer in den Strudel aus Selbstzweifeln und Bedeutungslosigkeit. Lucy lügt gegenüber ihrer Schwester und ihrer Selbsthilfegruppe, gibt nur einen Teil ihrer Gedanken und Gefühle preis. Einzig und allein der Leser sieht das gesamte Ausmaß – und das drohende Unheil.

Zwar möchte man meinen, in „Fische“ geht es in erster Linie um eine romantische Beziehung zwischen Frau und Meermann, doch Theo – der Schwimmer, der sich im späteren Verlauf als Flossenträger entpuppt – fungiert eher als künstlerisches Mittel, um Lucys Obsession zu unterstreichen. Theo ist mythologische Figur, ein unnatürliches „Monster“ welches sich nach Liebe sehnt. Hilflos, da von Lucy und ihrer Verschwiegenheit abhängig, und von Schamgefühlen und Selbstzweifeln überladen, ist Theo das mythische Spiegelbild der weiblichen Hauptperson – und genau so gefährlich für sein Umfeld wie Lucy es letztendlich ist.

Broder greift in ihrem Debütroman viele Themen auf, spricht diese direkt mit kalten, harten, gnadenlosen Beobachtungen an, oder lässt den Leser selbst hinter die Bedeutung von kleinen, fast schon bedeutungslos erscheinenden Details kommen. Lucys Co-Abhängigkeit, als würde einzig und allein die Aufmerksamkeit, die ihr durch Männer zuteil wird, sie zu einem vollwertigen menschlichen Wesen machen. Das Verlangen nach Liebe. Geltungsdrang. Der sinnlose Konsum. Das, was wir als Frauen unseren Körpern antun, um einem von der Außenwelt suggerierten Schönheitsideal gerecht zu werden, statt einfach nur das zu tun – und für uns zu tun – womit wir uns wohl fühlen. Die schönen, erfüllenden und dann die weniger schönen sexuellen Abenteuer.

Ja, „Fische“ ist anders. Es ist kein leicht verdauliches Buch und hält sich nicht zurück. Wie ein gnadenloses Feuerwerk prasselt Lucys Geschichte auf den Leser ein, mit allen Facetten, einige davon federleicht und schön, doch die meisten so grausam ehrlich, dass es fast schon weh tut. Lucy ist kein liebenswerter Charakter, im Gegenteil. Sie trifft furchtbare Entscheidungen, ist ein Unfall auf zwei Beinen, der von einem Desaster ins nächste taumelt. Und doch ist sie so unglaublich menschlich. Sie ist wir, in dem einen oder anderen Fall. Melissa Broders Talent, uns auf diese Art einen Spiegel vorzuhalten, macht dieses Buch so lesenswert.

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Worum es geht:

Nach einer Trennung und einer Ohrfeige an den Ex beschließt Lucy das Haus und den Hund ihrer Schwester in L.A. für mehrere Monate zu hüten. Dort muss sie eine Gruppentherapie machen um rechtliche Folgen wegen der Ohrfeige zu vermeiden. Neben mehreren Flirts lernt sie am Strand einen interessanten Schwimmer kennen.

Meine Meinung:

Der Stil ist sehr flüssig und direkt, oft sogar provokativ. Manche Szenen und Beschreibungen könnte man als vulgär bezeichnen, würden sie nicht so gut zu dem Charakter und den Problemen von Lucy passen. Es gibt auch viele lustige Momente, vor allem in den Gruppensitzungen.
Ich fand es sehr interessant dass fast alle Charaktere sich so total anders verhalten wie ich es tun würde.

Fazit:

Das Buch ist nicht für jeden geeignet, vor allem nicht für zartbeseitete und sensibele Menschen, wenn man aber über gewisse Szenen hinwegsieht ist es definitiv eine lohnenswerte, wenn nicht gar bereichernde Lektüre.

3,5 - 4 Sterne

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Fische von Melissa Broder ist ein Übermaß an Elend und sinnlichen Eindrücken. Trotzdem gelingt es der Autorin, durch denPlauderton ihrer Erzählung und der teilweise drastischen Figurensprache, sdas Lesen zu einem Vergnügen zu machen.

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Die Gestaltung des Covers, in der Farbe Mint hat meine Aufmerksamkeit direkt auf sich gezogen - eine Frau die sich einem Fisch leidenschaftlich hingibt hat mich zunächst eher abgeschreckt und an Mythen, alte Kulturen denken lassen.
Besonders an die Sagen der römischen und griechischen Antike, denn gerade um den Gott Zeus ranken sich ja so manche Erzählungen. Dass meine Assoziation ins Schwarze traf, nachdem ich den Klappentext las, machte mich umso neugieriger.

Lucy, 38 Jahre, ist Protagonistin dieses Romans, sie lebt in Phoenix und schreibt dort seit 9 Jahren an ihrer Doktorarbeit, finanziert durch ein Stipendium.
Lucy promoviert über Sappho, eine der bedeutensten Dichterinnen der griechischen Antike. Um Sappho ranken sich ebenso viele Sagen, wie um die alten Götter, vor allem um ihr ausschweifendes und unstillbares sexuelles Verlangen, nicht nur mit Männern sondern vor allem mit Frauen.
Dass Lucy Sappho wählt ist wohl kein Zufall, denn Sex in allen Variationen und ausführlichen, sowie insbesondere pornographischen Beschreibungen, füllen viele Seiten Broda´s Romans.
Durch eine unbedachte, provokative Aussage gegenüber ihren langjährigen Freundes Jamie, kommt es zur Trennung der beiden. Lucy wollte Gegenteiliges erreichen, doch dies ging nach hinten los und sie fällt ins Bodenlose.
Nach einem Wutausbruch und einer gebrochenen Nase von Jamie, erwirkt dieser eine einstweilige Verfügung gegen Lucy, inklusive der Auflage, sich in psychologische Behandlung zu begeben.
Lucy bricht ihre Zelte in Phoenix ab und kommt bei ihrer Schwester in Venice unter. Diese lebt dort glücklich verheiratet mit ihrem Mann, in einem wunderschönen Haus am Strand und ist anders als Lucy mit sich, der Welt und dem Universum im Reinen. Schwester, samt Gatte reisen für 3 Monate durch Europa und Lucy soll in dieser Zeit das Haus hüten und vor allem den diabeteskranken Hund Dominic, der als Kinderersatz dient, umsorgen und regelmäßig an den angeordneten therapeutischen Gruppensitzungen teilnehmen.
Dominic und Lucy wachsen eng zusammen, vor allem seine körperliche Nähe, genießt sie sehr, doch sie ist immer noch krankhaft davon besessen, Jamie wieder zurück zu wollen und das Ausmaß ihrer psychischen Konstitution wird immer deutlicher.
Zeitweise hatte ich das Gefühl, mein Kopf erleidet ein Schleudertrauma, so sehr fuhr ich auf Lucy's Achterbahn ihrer Gefühle und Gedanken mit. Der Roman wird aus ihrer Sicht geschrieben und dadurch wird die Angeschlagenheit ihrer Gefühls- und Seelenwelt und die sehr ausgeprägte Manifestation ihrer Depression sehr bildhaft und spürbar. Die Gruppentherapie kann auch keine Wunder bewirken, im Gegenteil, sie driftet immer mehr ab, meldet sich bei "Tinder" an, mit der Intention sich ein Harem anzulegen, denn sie glaubt, mehrere Männer gleichzeitig können sie davor schützen, sich wieder in einem zu verlieren.
Durch ausschweifende Sexualkontakte mit Fremden, glaubt sie die Leere in ihrem Inneren füllen zu können, dass es pure Demütigung und Masochismus ist, sieht sie nicht.
Wesentliches, wie zum Beispiel, die treue Hundeseele Dominic, verliert sie völlig aus den Augen.
Als sie eines Nachts Theo begegnet, einem Meermann, setzt ihr Hirn völlig aus und ihre Sucht nach Liebe, Bestätigung und letztlich emotionaler Abhängigkeit ist an Ausmaß kaum zu übertreffen und es kommt zu Kollateralschäden.

Ein Roman über krankhafte Liebe, Selbstaufgabe, Traumata und Anschaulichkeit, wie tief Depressionen einen Menschen sinken lassen können, wie groß Leere in Herz und Seele werden kann und wie verschoben die Wahrnehmung eines Menschen sich dadurch immer weiter von der Realität lösen kann.
Die Warnung "FSK18" müsste in die linke untere Ecke des Covers.

Der Schreibstil Broder's ist grandios. Ihr Spiel mit den Emotionen überwältigend und eine wahnsinns Sogwirkung. Manchmal schmunzelte ich, manchmal hätte ich weinen können, empfand Mitleid, Ohnmacht, Wut und Ekel (davon viel!).

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Das Buch von Melissa Broder lässt einen teils fasziniert, teils verstört zurück. Aber wenn man sich auf die Geschichte von Lucy und ihrem Meermann einlässt, wird man nicht enttäuscht.
Dieses Buch kann man nicht an jeden weiter empfehlen, doch für alle die sich gerne mit etwas schrägen Texten beschäftigen und auch über das gelesene nachdenken und angestossen werden wollen ist "Fische" ein tolles Buch!

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„Fische“ – dies ist kein Rezeptbuch mit Köstlichkeiten aus dem Meer. Dies ist ein Buch, dessen Handlung am Meer stattfindet und ja, ein Fisch kommt auch darin vor, aber so ganz anders als man anfangs denken mag. Lucy hat sich versehentlich von ihrem langjährigen Partner getrennt. Als sie ihm die Trennung aus einer Laune heraus vorschlug, war sie geschockt über seine sofortige Zustimmung. Der Bruch der Nase, seiner Nase (Ursache war ihre Faust), führt dazu, dass sie das Angebot ihrer Schwester annimmt und Hundesitterin in deren Villa am Meer spielt. Dort im hippen Venice Beach besucht sie eine Selbsthilfegruppe um sich mit anderen sexuell gefrusteten Frauen auszutauschen, kümmert sich um Dominic, den diabeteskranken Hund ihrer Schwester und macht allerhand Erfahrungen mit Männern aus einem Dating-Portal. Als ihr eines Abends Theo, der Meermann, begegnet, ändert sich ihr Leben radikal.

„Ha, ein Mann, der alles ändert.“ Könnte man denken und sich an die unzähligen Romane erinnern, in denen genau dies das Thema war; könnte man und vielleicht könnte man dann das Buch nach den ersten zugegeben etwas anstrengenden Seiten wieder weg legen; schlimmer noch, es gar nicht erst beginnen. Und das wäre schade, denn man begibt sich hier in eine Art Experiment und je tiefer man in die Handlung eintaucht, umso mehr erkennt man dies.

Anfangs ist Lucy nicht besonders sympathisch und sogar ein wenig nervig, aber genauso wird sie ja auch von ihrer Umwelt empfunden – dann auf einmal, stellt man ihren Humor fest. Der Blick der Autorin auf ihre Hauptfigur und deren Mitmenschen ist teils böse, teils urkomisch. Das Gespür, ganz alltägliche Szenen absolut lebendig zu schildern, so dass man sich zuerst selbst wieder erkennt und dann plötzlich total aus dem Ruder laufen zu lassen, ist großartig.

Tja und das darf man nicht verschweigen, die immer wiederkehrenden Szenen, in denen es „zur Sache“ geht, müssten für die eher prüden Amerikaner völlig schockierend gewesen sein. Sexszenen kommen sehr oft unfreiwillig komisch rüber, doch Melissa Broder hat ein Talent dafür, sie ohne schwülstige Ausschmückungen zu beschreiben. Das ist teilweise ziemlich versaut, dann wieder traurig, komisch aber insgesamt einfach nur realistisch.

Irgendwann fragt man sich, ob das alles wirklich geschieht, was man da gerade liest, ob man vielleicht in einem psychedelischen Traum der Protagonistin gelandet ist und versucht das Ganze für sich zu interpretieren und einzuordnen…und dann merkt man plötzlich, wie viel Spielraum die Autorin zur Interpretation zulässt.

Mein Fazit: Eine experimentelle Tragikomödie, die mich begeistert hat. Ein Buch, das mit Emotionen spielt, das einen zeitweise zum Lachen bringt und dann wieder traurig macht; verrückt, bunt und voller ungewöhnlicher Figuren. Es ist schwer, die richtigen Worte dafür zu finden. 5 Sterne für dieses außergewöhnliche Lesevergnügen.

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Eine experimentelle Tragikomödie, die mich begeistert hat. Ein Buch, das mit Emotionen spielt, das einen zeitweise zum Lachen bringt und dann wieder traurig macht; verrückt, bunt und voller ungewöhnlicher Figuren. Es ist schwer, die richtigen Worte dafür zu finden. 5 Sterne für dieses außergewöhnliche Lesevergnügen

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Von dieser Autorin habe ich noch nie etwas gelesen, es war das erste Ebook und ich bin hin und her gerissen, was die Beurteilung angelangt.

Lucy, Bibliothekarin, 38 Jahre alt und seit neun Jahren mit ihrer Doktorarbeit mehr oder weniger beschäftigt, fordert von ihrem 10 Jahre älteren Freund Jamie, den Geologen, aufgrund von Eintönigkeit eine Auszeit.
Womit sie allerdings nicht gerechnet hätte, Jamie befürwortet diese Auszeit und findet eine neue Freundin.
In ihren Depressionen gefangen, lässt sich Lucy äußerlich gehen und reist schließlich nach Venice Beach in das momentan leere Haus ihrer Schwester, um sich dort um den Hund zu kümmern. Hilfe erhofft sie sich bei einer Gruppentherapie über Sex und Liebe, aber erst der bildschöne Meermann Theo verändert ihr Leben.

Das Buch ist sehr flüssig zu lesen, aufgrund des lockeren, aber dennoch eindringlichen Schreibstils. Stellenweise eine beklemmende und melancholische Atmosphäre, welche immer wieder durch amüsante Passagen unterbrochen wird.
Die teilweise derbe Ausdrucksweise passt exakt zu den Emotionen von Lucy. Melissa Broder hat die Protagonistin Lucy
sehr ausdrucksstark charakterisiert. Die verschiedenen Emotionen der Protagonistin sind beim Lesen deutlich spürbar und ehrlich gesagt, menschlich und nachvollziehbar.
Der Roman wird hauptsächlich aus der Perspektive von Lucy erzählt.

Fazit: Dieses Buch ist lesenswert. Es kann durchaus die eigene Stimmung beeinflussen, dessen sollte man sich bewusst sein. Vielen Dank für die interessanten Lesestunden!

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Wirr, vulgär und skurril - ein ganz besonderes Buch.

»Fische« klingt zunächst nach einem klassischen kitschigen Liebesroman. Eine Frau trennt sich versehentlich von ihrem Freund, versucht daraufhin sich umzubringen, wird von ihrer erfolgreichen Schwester nach Venice Beach geholt, wo sie Hund Dominic sittet, und lernt schließlich einen Mann kennen, der alles verändert: Theo.
So einfach ist das aber nicht. Es fängt schon damit an, dass Theo ein Meerman ist und zwar einer, dessen Fischschwanz unterhalb der Lenden beginnt (»Fische« ist zwischendurch nämlich ganz schön versaut, das aber in einer Nüchternheit erzählt, dass es einfach nur realistisch wirkt und nicht übertrieben kitschig wie bei normalen Liebesromanen). Trocken und manchmal ein bisschen vulgär erzählt Melissa Broder die Geschichte einer mit sich und ihrem Leben unzufriedenen Frau, die versucht, die Lücke in ihrem Inneren mit Sex zu füllen - sogar mit Sex mit einem Meermann. Und immer wieder fragt man sich, ob Theo bloß die Wahnvorstellung eines gestörten Verstandes ist oder ob das alles tatsächlich passiert.

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Inhalt

Lucys Welt bricht zusammen, als sie die Trennung vorschlägt und ihr Partner Jamie schockierenderweise nicht heftig protestiert (wie Lucy eigentlich erwartet hatte), sondern ihr zustimmt. Für Lucy beginnt eine Zeit voller Schmerz, Selbsthilfegruppen-Treffen, Leere und Obsessionen. Als sie eines Tages bei einem Felsen am Strand den Meermann Theo kennenlernt, verändert sich abermals alles für die erfolglose Doktorandin.

Übersicht

Einzelband oder Reihe: Einzelband
Erzählweise: Ich-Erzähler, Präteritum
Perspektive: aus weiblicher Perspektive
Kapitellänge: mittel
Tiere im Buch: - Es kommt zu grober, für Menschen mit Herz für Tiere kaum zu ertragender Vernachlässigung eines Hundes, an der er schlussendlich stirbt.

Warum dieses Buch?

Ich habe im Vorfeld viel über dieses Buch gehört, es wird von Menschen auf der halben Welt leidenschaftlich geliebt oder gehasst und scheint unglaublich zu polarisieren. Manche LeserInnen raten, die Finger bloß von diesem „Schund“ zu lassen, andere legen einem Melissa Broders Debüt wiederum ans Herz. Trotz dieses Wissens bin ich so unvoreingenommen wie möglich an die Geschichte herangegangen.

Meine Meinung

Einstieg (+)

Ich fand sofort und ohne Probleme in das Buch. Sofort wallten Interesse und Neugier auf für Lucy, deren Gedankengänge von philosophisch und wissenschaftlich, über esoterisch, bis hin zu gemein und obszön reichen. Hier mein Tipp: Wer überlegt, das Buch zu lesen, sollte sich das erste Kapitel vornehmen. Wer dort schon Probleme mit der Sprache hat, die unüberwindbar scheinen, wird sie auch mit dem restlichen Buch haben.

Inhalt, Themen & Botschaften (♥)

„Fische“ hat mich trotz allem absolut unvorbereitet und voller Wucht getroffen, ähnlich einem Eisberg, der mit meinem Boot kollidierte, als ich gerade gemütlich auf dem Ozean der Bücher und des Lesens dahintrieb. Melissa Broders Erstlingswerk ist eine wahre Gefühlsachterbahn, die bei mir nicht ihre Wirkung verfehlte. Ich habe die Protagonistin bemitleidet, habe mit ihr gelitten und mich gefreut, habe geschmunzelt und amüsiert aufgelacht und war berührt von der Tiefe, Weisheit und teilweise auch Schönheit ihrer Gedanken. Ich bin aber auch ein Mensch, der sich schnell ekelt – und ich habe mich beim Lesen sätzeweise, manchmal sogar seitenweise mit Leidenschaft geekelt und fand viele der Szenen (vor allem der Sex-Szenen) mehr als verstörend. Jedoch war es für mich das alles wert, niemals habe ich auch nur eine Millisekunde darüber nachgedacht, das Buch abzubrechen. Schnell wurde mir klar: Man muss sich voll und ganz auf dieses Buch einlassen, sollte es nicht nebenher oder parallel lesen, sonst ist dieses Projekt von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Und genau das habe ich gemacht.

„Ich fürchtete, von meinen Gefühlen aufgefressen zu werden. Gefühle waren ein Luxus für die Jugend oder für Leute, die stärker waren als ich und mit dem Menschsein insgesamt besser zurechtkamen.“ E-Book, Position 225

Die Autorin kreiert ein Werk des magischen Realismus, verbindet gekonnt die Realität mit dem Phantastischen. Niemals hatte ich das Gefühl, dass beide Welten nicht nebeneinander existieren könnten, denn in diesem Roman erscheint es ganz natürlich, fast logisch, dass Theo Lucy an ihrem Felsen besucht. Theo ist sowohl ein Mittel, um Lucys Probleme und Obsessionen noch mehr in den Vordergrund zu stellen, er ist aber auch eine eigenständige Figur, die zugleich fasziniert, aber auch schwer einzuschätzen ist. Vor allem gegen Ende kommt es zu wunderbar unheimlichen Stellen, die mir eine Gänsehaut bescherten. Stellenweise wurde ich beim Lesen auch vage an den Film „Shape of Water“ erinnert.

Melissa Broder Werk ist zugleich hochromantisch und abstoßend, wissenschaftlich und ohne jede Logik. Es ist schonungslos und geht auch bei unschönen Dingen verstörend genau ins Detail. Doch nach der Lektüre kann ich sagen: Ich bereue nichts! Denn: Dieses Debüt ist eines dieser besonderen, einzigartigen Bücher, die einen nicht so schnell, vielleicht nie mehr richtig loslassen. „Fische“ ist eine intensive, tiefgründige Verarbeitung von Depression, Leere, Sucht, Obsession und der Suche nach Liebe. Und der Platz zwischen den Zeilen ist randvoll mit weiteren Bedeutungsebenen und verborgenem Inhalt vollgestopft.

Schreibstil (♥)

Den Schreibstil habe ich als angenehm und flüssig erlebt. Ich flog nur so durchs Buch. Teilweise ist die Sprache beeinflusst vom Stil, den man in einer wissenschaftlichen Arbeit finden würde, dann wieder wird es persönlich oder esoterisch. Die Sprache enthält teilweise wunderschöne, wahre, poetische Stellen und Metaphern, viele Zitate habe ich mir fasziniert angestrichen. Häufig geht es sehr ins Detail, schonungslos und ohne Rücksicht auf Verluste. Immer wieder rutscht die Autorin hierbei ins Obszöne und Vulgäre ab – Freunde und Freundinnen schöner Worte (wie ich) werden bei manchem „hässlichen“ Wort zusammenzucken. Dennoch passt die teilweise schockierende Ausdrucksweise zum Buch und zu den Figuren.

„Leider war mein Theorem absoluter Müll, nicht zuletzt, weil ich selbst an einem überkomplizierten Verhältnis zur Leere, zum Vakuum, zum Nichts litt. Mein dringendstes Anliegen war es, die Leere zu füllen, denn ich fürchtete ständig, sie könnte mich umbringen. An anderen Tagen sehnte ich mich nach totaler Auslöschung, nach einem schmerzlosen, stillen Verschwinden.“ E-Book, Position 85

Protagonistin & Figuren (♥)

Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob ich Lucy, die seit Jahren an ihrer Doktorarbeit über die griechische Lyrikerin Sappho und die Leerstellen in deren Werk scheibt und keinen Schritt weiterkommt, sympathisch oder unsympathisch finden sollte. Mit jeder gelesenen Seite fühlte ich aber mehr mit der teilweise egozentrischen, dramatischen und in ihrem eigenen Leid gefangenen Person mit und verspürte zunehmendes Mitleid. Ich hasse es eigentlich, wenn Menschen (besonders Frauen) untereinander gemein sind, jedoch fiel mir schnell auf, dass Lucy ebenso schonungslos sich selbst gegenüber ist, weshalb ich es ihr verzeihe. Auch der feine Humor, der immer wieder durchkommt, nahm mich für die Protagonistin ein. Geliebt habe ich Lucys grenzenlose Ehrlichkeit. Ihre Gedanken schildert sie oft unbedarft wie ein Kind, ohne Sinn dafür oder Interesse daran, ob eine Aussage gesellschaftlich akzeptabel ist oder sie verrückt erscheinen lässt. Sie beschönigt nichts, sondern hält ihre Eindrücke oft ohne Wertung fest. Nur für eine Sache habe ich Lucy wirklich gehasst: Für die Vernachlässigung des Hundes (auch wenn Lucy in ihrer Besessenheit und mit ihrem Tunnelblick bestimmt nicht voll zurechnungsfähig ist).

"Ich eilte die Main Street hinunter, desorientiert und nach Pisse stinkend, vorbei an Leuten, die draußen beim Brunch saßen. Ich hatte das Gefühl, sie mit den Augen einer Obdachlosen zu sehen; ich hasste sie, zugleich schämte ich mich für mich selbst. Am liebsten hätte ich ihre Mahlzeit und ihre dummen Gespräche unterbrochen und mich mitten auf den Tisch gesetzt. Ich wollte sie zwingen, sich mit mir auseinanderzusetzen." E-Book, Position 1495

Auch die Nebenpersonen zeichnet die Autorin liebevoll, gibt ihnen Eigenheiten, Macken, Stärken und Schwächen. Sogar für Personen, die nur kurz vorkamen, entwickelte ich sofort ein Gespür und wusste sie einzuschätzen. Die Beobachtungen und Beschreibungen der Protagonistin sind, was andere Figuren betrifft, meist präzise und auf den Punkt. Die wöchentlichen Treffen der Selbsthilfegruppe wurden beim Lesen für mich schnell zu einem Highlight.

Spannung & Atmosphäre (♥)

Schon auf den ersten Seiten wird die Neugier geweckt und eine vage Sorge, dass diese Geschichte, Lucys Leben, vielleicht kein gutes Ende nehmen könnte. Aus diesem und vielen anderen Gründen wurde das Buch zu einem echten Pageturner für mich. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, besonders ab dem Punkt, als der Meermann auftaucht.

Die Atmosphäre entspricht Lucys Gefühlsachterbahn, es wird abenteuerlich, melancholisch, deprimierend, amüsant (der Humor kommt oft unerwartet), verstörend und faszinierend. Der Autorin gelingt es ohne Frage, eine sehr dichte Atmosphäre im Buch zu schaffen, der man sich während des Lesens nur schwer entziehen kann. Daher auch meine Warnung: Wer gerade selbst mit Depressionen kämpft und auch sehr empfänglich für in Büchern vermittelte Stimmungen ist, sollte sich diesem Buch mit Vorsicht nähern. Lasst euch nicht von Lucy unter Wasser ziehen!

„Ich schrieb Claire:
‚Da gehe ich jetzt hin, mit einem fremden Typen aus dem Internet.‘
‚Selbst schuld‘, schrieb sie zurück.
‚Falls ich mich später nicht mehr melde, wird mein Leichnam dort zu finden sein.‘“ E-Book, Position 968

Geschlechterrollen (?)

Was die Geschlechterrollen betrifft, ist dieses Buch schwer einzuordnen. Einerseits wird mit Genderstereotypen radikal gebrochen, wenn Lucy schildert, dass für sie die Unterschiede zwischen weiblich und männlich verschwimmen, wenn sie Zeit mit Theo verbringt und wenn sie sich auf nächtliche Dates mit unbekannten Männern verabredet. Andererseits empfiehlt Lucy einer anderen Teilnehmerin der Selbsthilfegruppe, dass diese doch nur (schön formuliert) wieder einmal eine Nacht mit einem Mann verbringen müsse, um sich besser zu fühlen. Ich denke, dieses Buch kann mit normalen Maßstäben einfach nicht gemessen werden.

Mein Fazit

Der flüssige, gelungene Schreibstil, die ungewöhnliche, gnadenlos ehrliche Protagonistin, der feine Humor, die dichte Atmosphäre und die tiefgründige Behandlung ernster Themen konnten mich absolut überzeugen. Wenn man sich voll und ganz darauf einlässt, ist dieses Buch, das geschickt die Realität und die Mythologie verbindet, ein Pageturner voller wahrer, poetischer Zitate und vieler verborgener Bedeutungsebenen. Melissa Broders „Fische“ ist ein Roman, der mich mit voller Wucht getroffen hat und nicht mehr so schnell loslassen wird. Beim Lesen muss man vorsichtig sein, nicht im Ozean von Lucys Gefühlen zu ertrinken und nicht von ihren schweren Depressionen, Obsessionen, ihrer Leere und ihrer Suche nach der wahren Liebe unter Wasser gezogen zu werden. Für mich ein einzigartiges, berührendes, intensives Meisterwerk!

Empfehlung: Uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die bereit sind, sich auf etwas Neues, gänzlich Ungewöhnliches einzulassen und die sich mit vulgären, obszönen Worten/Schilderungen arrangieren können.

Bewertung

Idee, Themen, Botschaft: 5 Sterne ♥
Ausführung: 5 Sterne
Schreibstil: 5 Sterne ♥
Protagonistin: 5 Sterne
Figuren: 5 Sterne ♥
Atmosphäre: 5 Sterne ♥
Spannung: 5 Sterne ♥
Emotionale Involviertheit: 5 Sterne ♥
Geschlechterrollen: ?

Insgesamt:

❀❀❀❀❀♥ Lilien & ein Herz

Dieses Buch bekommt von mir 5 faszinierte Lilien und ein Herz und somit den Lieblingsbuchstatus!

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Fische ist ein Roman von Melissa Broder und 2018 im Ullstein Verlag erschienen.

Die 39-jährige Lucy rutscht immer weiter in eine Depression, ihr Freund hat sich von ihr getrennt und die Uni droht die Gelder zu sperren, da sie schon seit einer Ewigkeit promoviert. Um Abstand zu gewinnen, nimmt sie das Angebot ihrer Schwester an, sich während ihrer Abwesenheit um das Haus in Venice Beach und den Hund zu kümmern. Doch weder eine Selbsthilfegruppe noch unzählige Dates bringen Klarheit oder Erfüllung in ihr Leben, bis sie am Strand dem Meermann Theo begegnet...
Melissa Broder hat einen unterhaltsamen, realitätsnahen und zugleich magischen Roman über Liebe und Sexualität geschrieben. Die Geschichte einer verzweifelten und desillusionierten Frau auf der Suche nach Nähe, streckenweise recht vulgär, aber dabei so entwaffnend ehrlich und selbstironisch, dass es schon wieder komisch ist. Gekonnt flechtet Broder die fantastischen Elemente in die Handlung ein und lässt sie dabei so alltäglich und unbedeutend erscheinen, dass man sie als gegeben akzeptiert.
Ein moderner und experimenteller Roman, der zwischenmenschliche Beziehungen schonungslos ausleuchtet, mit einer egozentrischen Protagonistin, die mit trockenem Humor und einem ungeschönten Blick auf ihre Umwelt, den Leser für sich einnimmt. Lebensnah, emotional, manchmal befremdlich, aber stets unterhaltsam.

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Lucy ist in den Dreißigern und schreibt schon seit Jahren an ihrer Doktorarbeit. Aus einer Laune heraus schlägt sie ihrem langjährigen Freund Jamie vor, sich zu trennen. Dieser geht zu ihrem Erstaunen darauf ein und das Paar trennt sich. Lucy kommt damit überhaupt nicht klar.
"Ich hatte immer durchhalten und auf dem eigenen Weg weitergehen wollen, obwohl das Leben sich oft unbefriedigend und erstarrt angefühlt hatte."

Als sie immer mehr in einen Depression abrutscht, bekommt sie das Angebot ihrer Halbschwester Annika, den Sommer über auf ihr Haus und ihren Hund aufzupassen. Annika ist in dieser Zeit unterwegs. Lucy lässt sich darauf ein und geht außerdem - wenn auch mit Widerwillen - in eine Therapiegruppe. Dann trifft sie sich mit einigen Männern und lernt am Strand einen ganz besonderen Mann kennen, Theo....

Welche Entwicklung dieser Roman nehmen würde, war mir nach den ersten 50 Seiten noch nicht klar. Ich dachte das wird eine Trennungs-Überwindungs-neue-Liebe-find-Geschichte. Weit gefehlt!!! Aber ich möchte auch nicht zu viel verraten.....

Genauso wie Lucy sich voll und ganz auf den etwas anderen Theo einlassen kann, so konnte auch ich mich auf die Geschichte einlassen und ich saß hier mehr als einmal mit offenem Mund und dachte, das kann doch jetzt nicht wahr sein. Aber Melissa Broder hat mich gepackt mit ihrem emotionalen, schnörkellosen und lakonischen Stil, hat mich eintauchen lassen in ein Abenteuer der anderen Art. Und wenn ein Buch sowas schafft, ist es ein gutes Buch :-)

Lieblingszitat: "Ich spürte unendliche Weiten in meinem Verstand, in meinem Kopf. Wenn man einen so schönen und reinen Ort zwischen den Ohren trug, wollte man doch sicher immer dort leben."

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Was für ein Buch. Die Meinungen bei diversen Portalen gehen meilenweit auseinander. Ich las mir viele Rezensionen durch und stellte fest, dass die Leser diesen Roman von Melissa Broder entweder hassen oder lieben. Das verunsicherte mich und ich beschloss den Roman nicht zu kaufen, obwohl mein Bauchgefühl etwas anderes meinte.  Ich entschied mich erstmal zu schauen, ob ich ein Rezensionsexemplar bekomme. Tatsächlich: über Netgalley wurde ich fündig und durfte es mir auf meinen eBook runter laden.

Soll ich euch was sagen? Ich kauf es mir nach! Mein Bauchgefühl hatte wieder mal recht.

Natürlich ist diese Story ganz schön abgedreht.

Harmlos fängt sie an: Lucy trennt sich von ihrem Freund. Der hat gleich darauf wieder eine Neue. Um Abstand zu gewinnen, soll Lucy für ein paar Wochen von Phoenix nach Venice Beach zu ihrer Schwester ins Haus ziehen. Der Plan dort ist Jamie zu vergessen (gelingt ihr nicht), ihre Doktorarbeit endlich fertigzustellen (naja) und den Hund der Schwester zu hüten, während diese in Europa rumreist (großer Fehler). Gelangweilt und frustriert tingelt Lucy von einem Tinder Date zum Nächsten. Vernachlässigt ihre Pflichten und ihre innere Leere wächst.

Bei manchen Beschreibungen aus Lucys Sexleben musste ich ab und zu schlucken oder etwas angeekelt die Nase rümpfen, aber ich verurteile sie und ihr Verhalten nicht. Es passt zur Protagonistin und ist absolut glaubwürdig. Ich entschied mich wertfrei bis hin zu amüsiert über diese Szenen drüberzulesen.

In einer Selbsthilfegruppe kommt Lucy in Kontakt mit anderen Frauen, die scheinbar ebenso süchtig nach Liebe und Aufmerksamkeit sind und lernt dadurch verschiedene Verhaltensmuster und Schicksale kennen. Außnahmslos alle sind abhängig von Bewertungen und Verhalten anderer und machen sich somit zum emotionalen Spielball und lassen sich leichtfertig in Situationen bringen, die sie seelisch krank machen und sogar ihr Leben zerstören.

Am meisten hat mich die Psychologie in diesem Roman fasziniert. Lucy hat einen sehr komplexen Charakter: bindungsunfähig, traumatisiert, depressiv, ängstlich, promiskuitiv, suchtgefährdet, lethargisch, unzuverlässig und süchtig nach Aufmerksamkeit und Emotionen. Das ganz große Drama eben.

"...in meiner paranoiden, verzerrten Wahrnehmung, meiner Unsicherheit, meiner ewigen Angst vorm Verlassenwerden hatte ich den geringsten Mangel an Aufmerksamkeit als fatales Nachlassen seines Begehrens interpretiert. ...Ich konnte ihm nicht sagen, dass ich nicht wusste, ob ich zu wahrer Liebe fähig war."


Doch Lucy ist ebenso romantisch, poetisch, liebenswert, vergebend, emphatisch, sinnsuchend, gebildet, großzügig und tolerant.

Also wirklich, wer verliebt sich schon in einen Meermann auf den Felsen vor Venice Beach?

Jetzt kommt der magisch, mystische Teil: Lucy lernt Theo den Meermann kennen. Durch ihn erfährt sie erstmals eine allumfassende Liebe und das Verschmelzen zweier Seelen. Mir kam es so vor, dass beide im Laufe des Geschehens teilweise die Rollen tauschten, nicht nur im Sinne von Genderstereotypen. Sondern Lucy beginnt etwas Wichtiges zu begreifen: ihre innere Leere wird nach und nach gefüllt mit Selbstvertrauen und gesundem Kontakt zu sich selbst.

Ich war mir sicher, nichts zu fühlen als Liebe, und falls es keine Liebe war, sondern nur Lust und Besessenheit oder eine Simulation von Gefühl - tja, dann bitte schön. So sollte Liebe sich anfühlen. Das war die Liebe, die ich wollte. S.259

Die wissenschaftliche Doktorarbeit über Sappho - die sie zu Ende schreiben soll - wandelt sich ein Schriftstück voller Gefühle und Geheimnisse des Lebens. Und so wie sich die Sicht auf Sappho verändert, wandelt sich Lucy mit. Sie akzeptiert Dinge die man nicht erklären und ergründen kann und lernt ihren Gefühlen zu vertrauen.

Am Ende widersteht Lucy dem Sog der Dunkelheit und Leere und versucht ihr Leben in eigene Hände zu nehmen.

"Gutgemeinter Rat": wer sich als Leser psychisch in einer labilen Phase befindet, bei dem kann dieses Buch einiges in Bewegung bringen und die Stimmung beeinflussen.

Ich danke Netgalley Deutschland und dem Ullstein Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars per eBook. Dies hatte keinerlei Einfluss auf meine Meinung!

Auf meinem Blog findet ihr noch Deutungsversuche zum Verhalten von Lucy - im Bezug auf die griechische Dichterin Sappho und auf den Titel des Buches. Ihr seid herzlich eingeladen mit mir zu diskutieren!

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⭐️⭐️⭐️-⭐️⭐️⭐️⭐️ Lucy, Ende 30, hat es sich bequem gemacht in ihrem eigentlich so unbefriedigenden Leben. Und mit einem Mal fliegt es ihr um die Ohren! Mann weg, Dissertation gescheitert und verdonnert zur Gruppentherapie nach einem tätlichen Angriff auf den Ex. Die Therapie macht sie im entfernten Kalifornien, wo sie einstweilen im Strandhaus ihrer Schwester wohnt. Dort ist sie einzig dafür verantwortlich Hund und Haus der Schwester zu sitten und ihre Psyche wieder zu stabilisieren. Sie scheitert kläglich. Am Ende ist das Haus verdreckt, der Hund tot und sie verstrickt in selbstverachtende Beziehungen zu Männern, auf der obsessiven Suche nach Aufmerksamkeit und Liebe. Sei es nun eines der Tinderdates oder der mystische Meermann, der ihr den besten Oralsex ihres Lebens beschert und den sie nur haben kann, indem sie sich selbst und gar ihr Leben aufgibt...
Die erste Hälfte des Buches habe ich weggesuchtet! In der zweiten Hälfte hat mich Lucy so unheimlich genervt! Ich habe mich über so viel falsche Beharrlichkeit, Neurose und so wenig Selbstrespekt richtig geärgert. Zügig wissen wie es weitergeht wollte ich dann aber doch.
FAZIT: Ich denke dies ist absolut ein Roman unserer Zeit - Tinderdates und Selbstoptimierungswahn inklusive. Es ist wohl ein Buch an dem sich die Geister scheiden werden - teils neurotisch, nervig und zum Verzweifeln - aber lesenswert! Reread

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