Der Tagedieb
Ein London-Kultroman über das East End der Nachkriegszeit, Glücksspiel und die Suche nach dem Glück
mit Holger Hanowell (Übersetzer*in)
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Erscheinungstermin 07.10.2026 | Archivierungsdatum 03.09.2026
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Zum Inhalt
Eine Tour de Force durch das jüdische East End
Wenn Harryboy nicht sein Geld verspielt, liest er Zola, bügelt Hosen und fühlt sich seltsam aufgehoben in Hackney, dem ärmsten Viertel von London. Bis eine neue Familie in seine Pension einzieht. Aufgerieben zwischen Aufstiegsträumen und Elternschaft scheitern die Deaners auf ganz andere Weise. Doch ihm wird klar, wie eng ihr Schicksal mit dem seinen verflochten ist. Ein leeres Versprechen gerät zu einer Achterbahnfahrt in die Untiefen des East Ends, des Krieges und seiner Vergangenheit, in deren Spuren er unerwartet auf eine noch größere Schuld stößt: auf ein Leben, das nie gelebt war.
Alexander Barons wiederentdeckter Kultroman The Lowlife (1963) ist eine brillante Milieustudie voller Witz und Melancholie. Ein moderner Schelmenroman über einen Mann, der Verantwortung lernen muss – und die langersehnte deutsche Erstübersetzung eines anglo-jüdischen Klassikers.
» Der Tagedieb hat sich zum Kultbuch der Subkultur entwickelt« The Guardian
Eine Tour de Force durch das jüdische East End
...Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Hardcover |
| ISBN | 9783150116043 |
| PREIS | 25,00 € (EUR) |
| SEITEN | 304 |
Auf NetGalley verfügbar
Durchschnittliche Bewertung von 3 Mitgliedern
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Alexander Barons „Der Tagedieb“ ist ein wiederentdeckter Roman aus dem Londoner East End. 1963 erstmals erschienen, liegt „The Lowlife“ nun in der Übersetzung von Holger Hanowell erstmals auf Deutsch vor. Im Mittelpunkt steht Harryboy Boas, ein jüdischer Kriegsveteran Mitte vierzig, der in einem heruntergekommenen Boarding House in Hackney lebt. Sein Alltag besteht aus Gelegenheitsjobs, Zola-Lektüre und vor allem: Wetten.
Harryboy ist ein Spieler, ein Charmeur und ein Meister der Selbsttäuschung. Mit Witz, Wortgewandtheit und immer neuen Ausflüchten hält er sich über Wasser – während seine Schulden wachsen und er zunehmend in die Kreise von Kredithaien und Gangstern gerät. Als eine junge Familie in das Haus einzieht, übernimmt Harryboy unerwartet Verantwortung für den kleinen Gregory. Ausgerechnet der Junge bringt ihn dazu, über sein bisheriges Leben und die Folgen seiner Entscheidungen nachzudenken.
Baron erzählt mit warmem, tragikomischem Ton. Harryboys Stimme ist das große Kapital des Romans: sarkastisch, literarisch gebildet, voller Cockney-Charme und zugleich spürbar geprägt von Verletzungen und Verdrängung. Dabei entsteht ein atmosphärisch dichtes Bild des jüdischen East End, das sich durch die Ankunft karibischer Migranten und den sozialen Wandel verändert. Auch die Nachwirkungen von Krieg und Holocaust sind präsent, ohne dass Baron seine Figuren belehrt.
Die kurzen, treibenden Kapitel spiegeln den Sog des Glücksspiels. Bisweilen wirkt der Roman allerdings eher episodisch, und manche Nebenfigur bleibt blasser als Harryboy. Dafür überzeugt „Der Tagedieb“ als eigenwillige Mischung aus Schelmenroman, Milieustudie und Charakterdrama. Barbara Kortes Nachwort ordnet Barons Biografie und die literarische Bedeutung des Buches kenntnisreich ein.
Ein kluger, witziger und melancholischer Roman über Schuld, Erinnerung und die schwierige Möglichkeit, trotz eigener Fehler menschlich zu bleiben.
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1171222
Ein sehr gut geschriebener Roman über einen faulen Menschen, der einerseits spielsüchtig, andererseits aber sehr sozial und hilfsbereit ist. Empfehlenswert!
Ein ungewöhnlicher Blick auf das Leben
Ja, ist kein klassischer Roman, den man einfach nebenbei liest. Die Geschichte von Harryboy hat etwas Eigenwilliges, manchmal Skurriles, gleichzeitig aber auch etwas Melancholisches. Harryboy lebt im Londoner East End der Nachkriegszeit und scheint zunächst nicht besonders viel aus seinem Leben zu machen. Er verspielt sein Geld, liest Zola, bügelt Hosen und versucht, irgendwie seinen Platz in dieser Welt zu finden. Als eine neue Familie in seine Pension einzieht, verändert sich sein Blick auf das eigene Leben. Besonders gefallen hat mir die Atmosphäre des Romans. Das jüdische East End Londons wird nicht romantisiert, sondern mit seinen Problemen, Hoffnungen und Widersprüchen gezeig. Armut, Glücksspiel, Aufstiegsträume und die noch immer spürbaren Folgen des Krieges gehören genauso dazu wie der Humor der Menschen. Harryboy ist dabei eine ungewöhnliche Hauptfigur. Manchmal möchte man ihn schütteln, manchmal muss man über ihn schmunzeln, und dann gibt es wieder Momente, in denen man Mitgefühl für ihn empfinden. Hinter seiner scheinbaren Ziellosigkeit steckt viel mehr, als zunächst zu erkennen ist. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto stärker wird deutlich, dass es eigentlich um eine große Frage geht: **Was macht ein Leben zu einem gelungenen Leben – und was passiert, wenn man irgendwann erkennt, dass man sein eigenes Leben verpasst hat?** Gerade diese Mischung aus Witz und Melancholie hat mir gefallen. Der Roman erzählt von Menschen, die versuchen, mit ihren Entscheidungen, ihren Fehlern und ihren unerfüllten Träumen zurechtzukommen. Interessant fand ich auch, dass „Der Tagedieb“ bereits 1963 erschienen ist und nun erstmals auf Deutsch vorliegt. Man spürt dem Roman sein Alter durchaus an, gleichzeitig wirken viele seiner Themen erstaunlich zeitlos.
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