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Buchcover für Fühlen Sie sich wie zu Hause, aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie zu Gast sind

Fühlen Sie sich wie zu Hause, aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie zu Gast sind

Roman

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Erscheinungstermin 30.07.2026 | Archivierungsdatum 29.07.2026


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Zum Inhalt

Auf der Beerdigung ihrer legendären Großmutter Sweety beschließt Anna, sich auf die Suche nach den unerzählten Geschichten ihrer Familie zu machen. Mit einem Aufnahmegerät im Gepäck reist sie nach New York und Boston, nach Arad und Haifa und besucht entfernte Verwandte, Studienkollegen und Freundinnen der Großeltern. In fremden und doch vertrauten Küchen, in kleinen Wohnzimmern und großen Pflegeheimen ist sie ganz Ohr: Jede Geschichte, die ihr anvertraut wird, handelt von Abschied, Auswanderung und den vielen verschiedenen Arten des Ankommens. Jedes Gespräch bezeugt den einzigartigen Lebensweg eines einzelnen Menschen. Und doch teilen sie alle Annas Geschichte – und bilden den Stoff eines berührenden Epochenromans sowjetisch-jüdischen Lebens im 20. Jahrhundert.

In ihrer einzigartigen Erzählweise zwischen gesprochenem Wort und sprechenden Bildern knüpft Anna Schapiro ein engmaschiges Netz aus Erinnerungen und Anekdoten, aus dem Schrecklichen und dabei überraschend Alltäglichen, in dem das Menschsein in  seinen Widersprüchen Geborgenheit findet.

Auf der Beerdigung ihrer legendären Großmutter Sweety beschließt Anna, sich auf die Suche nach den unerzählten Geschichten ihrer Familie zu machen. Mit einem Aufnahmegerät im...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783751810821
PREIS 24,00 € (EUR)
SEITEN 238

Auf NetGalley verfügbar

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Durchschnittliche Bewertung von 5 Mitgliedern


Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

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Dieses Buch überzeugt vor allem durch seine besondere und sehr eigenwillige Erzählweise. Die Geschichte entfaltet sich wie ein Netz aus Erinnerungen, Gesprächen und Fragmenten, das sich nach und nach zusammensetzt – zunächst wirkt es dabei fast ein wenig chaotisch und schwer greifbar, doch genau dieser Eindruck gehört zur Struktur des Romans dazu.

Besonders passend finde ich das Bild einer „Kiste voller Garn und Fäden“, in der alles miteinander verwoben ist. Genau so fühlt sich das Lesen an: durcheinander, lebendig und doch auf eine merkwürdige Weise verbunden. Anfangs war es für mich nicht ganz einfach, dieser Erzählform zu folgen, aber mit der Zeit ergibt sich ein klareres Bild und man findet immer besser hinein.

Sehr spannend ist dabei, wie unterschiedliche Familiengeschichten zusammenkommen und ein vielschichtiges Bild von Auswanderung, Abschied und Ankommen entsteht. Jede einzelne Stimme bringt eine eigene Perspektive mit, und doch fügt sich alles zu einem größeren Ganzen zusammen.

Insgesamt ein außergewöhnlicher, vielstimmiger Epochenroman, der durch seine Struktur vielleicht eine gewisse Eingewöhnung braucht, dafür aber mit Tiefe und Intensität belohnt.

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Ich baue mein Denkmal aus Wörtern, die aus euren Mündern fallen


Anna Schapiros Debütroman „Fühlen Sie sich wie zu Hause, aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie zu Gast sind“ hatte mich mit diesem Titel sofort angesprochen.
In dieser stark autobiografisch geprägten Geschichte beschließt die Protagonistin Anna nach dem Tod ihrer Großmutter Sweety, ihre entfernen Verwandten sowie alte Freund*innen ihrer Großeltern in New York, Boston, Haifa und Arad zu besuchen, um mehr über ihre Familie zu erfahren. Mit einem Aufnahmegerät macht sie sich auf den Weg und bekommt verschiedene Geschichten von Abschieden, Auswanderungen und unterschiedlichsten Arten des Ankommens zu hören.

„Das Aufsuchen der Freunde meiner Großeltern und meine Freunde, die mich dabei begleiten, nähren mich auf eine ganz eigene Weise. Als würden wir alle versuchen, Sinn in die Zusammenhänge zu bringen, die unsere Leben bilden, und als könnte dieser nur in Beziehungen liegen. In Freundschaft und dem Interesse aneinander, das überschwappt, auch zwei Generationen weiter trägt wie eine verlässliche Welle.“

Nach und nach erfährt Anna mehr über ihre Herkunft und ihre Familie. Gleichzeitig sind die Erzählungen auch ein Zeitzeugnis des sowjetisch-jüdischen Lebens im zwanzigstsen Jahrhundert.

„In den letzten zehn Jahren habe ich Sweety begraben, habe ich Isja begraben, habe ich Papa begraben, habe ich Fani begraben.
Habe ich mich mit euch begraben?
Habe ich Teile von mir zu euch gelegt, die nun überall unter Erden liegen, an verschiedenen Orten, nicht zur Ruhe kommen, weil sie leben?
[...]
Ihr lebt nicht mehr. Ich atme. Ich laufe. Ich trage.
Was lenkt ein Leben, einen Lebensweg?
Eine Frau fragt mich nach Zufälligkeit in meiner Arbeit. An Zufälligkeit zu glauben, meine Liebe, kann ich mir nicht erlauben, denke ich. Sage anstelle dessen: »Was ist ein Zufall, erklären Sie es mir?«
Ich habe die letzten Jahre gepflegt und meine pflegenden Eltern gestützt. Ich habe mir Erzählungen wie stützende Kleider übergeworfen, die nun von mir fallen.
Mit jedem Jahr fällt mir ein Kleid ab.
Welches soll ich nun tragen?
Welches würde mich tragen?
Ich habe bei jedem meiner Schritte die Kilometer zu euch gezählt und die Stunden, die es bedeuten würde, zu euch zu reisen, von jedem meiner Standpunkte aus.
Im Notfall.
Ich, wir, wir können den Notfall besser als das normale Leben. Das normale Leben, das Nicht-Notfallleben, scheint das Leben anderer Leute zu sein.
Dabei wiederholte ich mir meine Erzählung: So ist es. So muss es sein.
Sei dankbar, dass du es machen kannst.“

Das Buch lässt mich leider etwas zwiegespalten zurück.
Die Themen Migration, Identität und Heimat sind ein zentrales Thema, deren Umsetzung ich sehr intensiv und gelungen empfand.
Gerade zu Beginn fand ich es sprachlich wirklich sehr stark; Anna Schapiros ungewöhnliche Erzählweise hat mich hier sehr beeindruckt!

„Dann atme ich wieder diese Welt, eure Welt. Der ich ein Denkmal baue, eins, das ich in die Luft baue, weil ich keinem Boden traue. Auch wenn ich die Materialien einer Bildhauerin beherrsche: Zement und Gips mischen und auch ein Stahlgerüst für das Innen schweißen kann. Ich modelliere keine Form und nehme keine Negativ-Form ab, die ich in Blei gieße. Ich hasse diese Schwere, das Gewicht. Abformungen, die ich an den Wänden eurer Wohnungen hätte vornehmen können – ich traue keiner von ihnen. All diese massiven Denkmäler, sie erzählen von sich, von der Zeit, in der sie gebaut worden sind, sprechen die Ideologien ihrer Epochen.
Ich baue mein Denkmal aus Wörtern, die aus euren Mündern fallen.
Sie fallen mal zufällig, mal frage ich euch. Wenn ich euch frage, schließt ihr eure Münder. Wenn ihr mich füttern wollt, dann öffnet auch ihr eure Münder, und dann fällt wieder etwas aus ihnen raus.
[...]
Ich nehme eure Worte und eure Luft und übersetze sie. Aus dem Material, das eure Leben geworden sind, dem, was ihr mir darüber erzählen wollt. Eure Erzählungen sind eure Gerüste – es durchzustehen, dieses Ding, das wir Leben nennen.
Und irgendwann denke ich, dieses Ding, das ich nur als Gewicht kenne, es könnte auch leichter sein. Wie konnte ich in den Irrglauben verfallen, der Liebe mit Last verwechselt?“

Mit der Zeit verlor sich die Erzählung (für mein Empfinden) leider etwas sehr in zu vielen Personen, was streckenweise etwas verwirrend und langatmig war; hier ist große Konzentration erfordert.
Final vergebe ich 3 von 5 Sternen; hoffe aber auf jeden Fall, bald wieder etwas von Anna Schapiro lesen zu dürfen, da ich ihren Schreibstil in vielen Passagen sehr beeindruckend fand.

Vielen Dank an den Matthes & Seitz Berlin Verlag & an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Dieses Buch hat mich auf eine ganz eigene, faszinierende Weise eingenommen. Anna Schapiro seziert menschliche Beziehungen, Erwartungshaltungen und gesellschaftliche Dynamiken mit einer wunderbaren Beobachtungsgabe und feiner Ironie. Es ist keine seichte Lektüre, sondern ein Werk, das zum Nachdenken anregt und mit treffsicheren Formulierungen begeistert. Eine absolute Empfehlung für alle, die kluge, moderne Literatur schätzen!

4 stars
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