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So, in etwa, ist es geschehen

Roman

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Erscheinungstermin 29.04.2026 | Archivierungsdatum 28.06.2026


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Zum Inhalt

Der neue Roman der Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo

 

Sie sind auf dem Weg nach Timmendorfer Strand: Amata Haller und ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat, sie mit dem Auto dorthin zu fahren. Amata ist in Eile, ihre Mutter wartet, wie jedes Jahr am 3. Mai. An diesem Tag jährt sich der Untergang der Cap Arcona, jene Katastrophe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, die ihr Großvater nur knapp überlebt hat. Die Hitze drückt auf die überfüllten Straßen, die Fahrt wird immer länger, Brockhaus redet ununterbrochen, und Amata verliert die Fassung. Am Ende des Tages wird Brockhaus nicht mehr leben, und Monate später wird Amata vor Gericht stehen. 

Der neue Roman der Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo

 

Sie sind auf dem Weg nach Timmendorfer Strand: Amata Haller und ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat, sie mit dem Auto dorthin...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783103977059
PREIS 22,00 € (EUR)
SEITEN 144

Auf NetGalley verfügbar

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

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Nach dem Lesen des Klappentextes war für mich klar: dieses Buch muss ich lesen! Die Protagonistin Amata, trifft sich jedes Jahr am 03. Mai mit ihrer Mutter in Timmendorfer Strand, um ihrem Opa zu gedenken, der den Bombenangriff auf die Cap Arcona 1945 überlebte. Aufgrund mehrerer Ereignisse, wird Amata in diesem Jahr von ihrem Chef Brockhaus zu dem Treffen mit ihrer Mutter gefahren und aufgrund mehrerer Ereignisse ist Brockhaus am Ende des Tages tot, von Amata ermordet.
Das Buch beginnt einige Zeit später. Man erfährt von ihrer Haft und Gerichtsverhandlungen. Ihre Freundin Nkechi ist die Herausgeberin eines bzw. des Buches, in dem sie die Briefe, die sie von Amata erhalten hat, in denen sie schildert, wie es zu dem Mord an Brockhaus gekommen ist und andere Aufzeichnungen teilt. Amata holt darin immer weiter aus, geht immer tiefer in ihre Vergangenheit und die ihrer Familie zurück. Es handelt von familiären Traumata, die über Generationen bestehen bleiben und weitergegeben werden, davon als schwarze Frau in Deutschland zu leben und leben zu bleiben und von all den inneren und äußeren Konflikten, die damit einhergehen.
Im letzten Teil des Buches kommt Brockhaus selbst zu Wort und es war ganz schwer zu ertragen. Die Autorin hat auf diesen Seiten eine Sammlung all der Charaktereigenschaften und Aussagen erstellt, die die größte Wut und den größten Schmerz auslösen.
Das Buch ist so gut geschrieben. Ich konnte es nicht zur Seite legen, musste noch die nächste und nächste und nächste Seite lesen.
Eine große Leseempfehlung!

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Dieser Roman ist eigentlich kein Roman sondern das Geständnis einer Mörderin. Es steigert sich in drei Abschnitten und scheint trotz der Ankündigungen, nichts als die Wahrheit zu erzählen, nicht immer zuverlässig.
Die dreißigjährige Schwarze Amata hat ihren Chef, den dreiundsechzigjährigen Heinz Brockhaus erwürgt. Er hatte sie zu einer Verabredung mit ihrer Mutter von Berlin zum Timmendorfer Strand gefahren und dabei ununterbrochen gemansplaint. In einem weiteren Teil des Textes ist die Audiodatei seines Geschwafels abgedruckt, seine Selbstherrlichkeit, seine überhebliche Besserwisserei, sein Chauvinismus und Rassismus. Aber ist das ein Grund, diesen alten weißen Mann gleich umzubringen?
Wenn es um die Idee, die Blaupause einer solchen Person geht, dann hat Otoo sehr recht, sie ist eine Art Dinosaurier und zum Aussterben(Tod) verurteilt.

Mich hat vor allem der familiäre Teil von Amata berührt, die Beziehung zu ihrer Großmutter und die Geschichte, wie ihr Großvater das KZ und den beschossenen Transport überlebte.Die afrikanischen Vorfahren, die versklavt wurden, bevölkern ebenso ihre Gedanken, während Brockhaus wie nebenbei erzählt, seine Oma habe in einem KZ gearbeitet.

„Alles, was ich mitbrachte, war der Schmerz vieler Generationen, den ich seit meiner Geburt mit herumschleppe. Für eine Person ist er zu groß, er muss sich irgendwann Bahn brechen.“

Der Text ist kurz, die historischen Anspielungen zahlreich. Liebevoller Humor in der Familiengeschichte und karikaturhafte Überzeichnung von Brockhaus‘ Penetranz tragen zum durchaus gegebenen Unterhaltungswert dieser Mordgeschichte bei, deren Unversöhnlichkeit einem dennoch den Atem stocken ließe, gäbe es nicht das Nachwort der fiktiven Herausgeberin dieses Geständnisses. Und natürlich die vorangestellten, herzergreifenden Zeilen von May Ayim.

Insgesamt ein eindrucksvoller Text, der nachhallt, insbesondere weil er auf die Relativität der subjektiven Wahrnehmung und individueller Wahrheiten abhebt.

S.Fischer 2026

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Brockhaus ist tot. Ermordet von seiner Kollegin Amata Haller, die in der JVA Lübeck ein Geständnis zu Papier bringt.

Auf nur 128 Seiten konstruiert Sharon Dudoa Otoo einen Fall in seiner ganzen Komplexität, der Themen wie transgenerationales Trauma, Reparationen, afrodeutsche Geschichte, Kolonialismus und mehr streift.

In ihrem Geständnis lässt die Täterin in fast kindlicher Sprache den Tag des Mordes Revue passieren und holt dabei immer weiter aus: das geplante, jährlich stattfindende Treffen mit ihrer Mutter am Ostseestrand zum Gedenken an den Großvater, der von der Cap Arcona fliehen konnte, auf der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ca. 4600 KZ-Häftlinge getötet wurden. Amatas Vorgesetzter bei der NGO „Essen für Afrika“ Brockhaus, der dieser seine Chauffeurdienste aufdrängt. Die unerträgliche Fahrt von Berlin nach Timmendorfer Strand in brütender Hitze, mit ausgefallener Klimaanlage, Stau und endlosen Monologen.

Über fast 50 Seiten müssen auch wir den Redeschwall des Opfers Brockhaus ertragen, seine letzten Worte sind paternalistisch, vorwurfsvoll, egozentrisch, latent rassistisch.

Otoos Novelle ist bitterböse, sarkastisch, ein Roadtrip aus der Hölle ohne Dialog und mit schwerem Ballast. Leicht verdauliche Antworten gibt es nicht, Otoo stellt Fragen wie diese in den Raum: Wie lange können Betroffene es aushalten, zu reden, zu erklären, um Anerkennung, Reparationen, Umbenennungen etc. zu bitten?

„Alles, was ich mitbrachte, war der Schmerz vieler Generationen, den ich seit meiner Geburt mit mir herumschleppe. Für eine einzelne Person ist er viel zu groß, er muss sich irgendwann Bahn brechen, er muss irgendwohin ausweichen.“

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Eigentlich soll es für Amata Haller nur nach Timmendorfer Strand gehen, wo ihre Mutter auf sie wartet. Jedes Jahr am 3. Mai treffen sie sich dort, um Amatas Großvater zu gedenken, der zu den Überlebenden der Cap Arkona gehörte – einem Schiff, das am 3.5.1945 mit 7500 KZ-Häftlingen an Bord von der britischen Royal Air Force bombardiert und versenkt wurde. Für diese wichtige Verabredung hätte Amata einen Mietwagen reservieren sollen, es aber vergessen. Doch dann bietet ihr Chef Heinz Brockhaus an, sie mit dem Auto dorthin zu fahren. Die beiden kommen ins Gespräch (naja, eigentlich spricht nur Heinz), stehen im Stau, halten an Raststätten – und am Ende ist Heinz tot und Amata im Gefängnis, wo sie auf ihren Gerichtstermin wartet.

Der Ausgang ist uns schon bekannt, wenn wir beginnen, Sharon Dodua Otoos neusten Roman „So, in etwa, ist es geschehen“ zu lesen. Der Titel beschreibt dabei sehr genau, was uns erwartet; in dieser Geschichte geht es jedoch nicht darum, „was“ passiert ist, sondern vielmehr „wie“ und vor allem „warum“. Die Handlung ist dabei sehr raffiniert aufgebaut. Zunächst ist da ein Brief von Amata an die fiktive Herausgeberin des Buchs, Nkechi. Dann folgt Amatas Schilderung der Ereignisse und schließlich zwei Anhänge: ein Transkript einer Audiodatei - denn Amatas Handy hat versehentlich alles aufgezeichnet – und ihr Geständnis.

Der Roman löst vielerlei Reaktionen in mir aus. Zunächst bin ich überrascht über Amata, die fast schon stolz auf den Mord an ihrem Chef zu sein scheint. Sie bereue nichts, sagt sie, doch ihre Schilderung des Tages bleibt zunächst recht sachlich. Ja, Brockhaus war sicherlich anstrengend, doch ihn gleich umbringen? Erst das Transkript der Audiodatei und ein Rückblick auf ihr bisheriges Leben enthüllt einen Teil des riesigen Berges an Mikroaggressionen, Diskriminierung bis hin zu Hass, den Amata als Schwarze Frau erfahren musste. Und plötzlich erscheint es beinahe folgerichtig, dass Heinz nicht mehr am Leben ist.

„So, in etwa, ist es geschehen“ ist ein bedeutsames Buch und ich habe das Gefühl, nicht klug genug zu sein, um all seine Anspielungen und Implikationen zu verstehen. Einen kleinen Ausblick kann ich erhaschen, als ich in einer Satzkonstruktion eine Parallele zu Paul Celans bekanntestem Gedicht „Die Todesfuge“ entdecke. Ich wette aber, es ist noch viel mehr in diesem nicht einmal 150 Seiten langen Text versteckt. Und wir alle sollten, nein müssen, ihn lesen!

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Ein Mord ohne Reue! Ich habe mich riesig auf das neue Buch von Sharon Dodua Otoo gefreut, schon alleine aufgrund der fehlenden Reue des Mordes der Protagonistin Amata. Diese eindringliche Geschichte erzählt historische Details, wie den Untergang der Cap Arcona 1945, und zeigt eindrücklich wie Traumata über Generationen weitergegeben werden. An vielen Stellen muss man sehr schmunzeln: Trotz der Schwere des Themas gelingt es Otoo immer wieder, mit feinem Humor und gezielt eingesetztem Sarkasmus aufzulockern, aber auch auf Alltagsrassismus aufmerksam zu machen. Die Verweise auf afrodeutsche und Schwarze Autor*innen wirken außerdem wie bewusstes Erinnern und Würdigen. Ein literarisches Gedenken, das dem Text zusätzliche Tiefe verleiht. Das Buch empfehle ich auf jeden Fall weiter! Danke für das Rezensionsexemplar.

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Ein Geständnis

Ich durfte wieder einen Roman von Sharon Dodua Otoo, genießen.

„So, in etwa, ist es geschehen“ ist ein besonders gelungenes Werk geworden.
Der Roman beginnt mit einem Brief der Amata Haller an ihre Herausgeberin.
Es wird zu einem Geständnis.
Sie hat ihren Kollegen Heinz Brockhaus erdrosselt.
Die Autorin hat das sehr gut umgesetzt.
Den Heinz hat sie , als eine Labertüte dargestellt. Wenn man so jemanden von der Fahrt von Berlin bis zum Timmerdorfer Strand mitmachen muss, kann man leicht durchdrehen.

Das Alles ist mit einem besonderen Sound gestaltet.
Diesen Roman habe ich gerne gelesen und kann ihn weiter empfehlen.

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Sharon Dodua Otoo Roman ist mir wegen dem Cover aufgefallen. Dieser Roman hat mich sehr beeindruckt, weil er eine alltägliche Situation, eine Autofahrt, ein heisser Tag, zwei Menschen, die sich kaum kennen, in etwas Unausweichliches verwandelt. Sharon Dodua Otoo schreibt mit einer Ruhe, die fast trügerisch wirkt. Unter der Oberfläche brodelt jedoch alles. Geschichte, Schuld, familiäre Last und die Frage, wie viel ein Mensch ertragen kann, bevor etwas in ihm bricht. Amata ist eine Figur, die mich sofort berührt hat. Ihre Eile, ihre Pflicht gegenüber der Mutter, die jährliche Erinnerung an die Cap Arcona Katastrophe, all das trägt sie wie ein unsichtbares Gewicht. Und dann sitzt sie neben Brockhaus, einem Mann, der redet, redet, redet, ohne zu merken, wie sehr er sie bedrängt. Die Spannung baut sich langsam auf, dass man fast vergisst, dass man auf eine Katastrophe zusteuert. Was mich besonders fasziniert an diesem Roman ist, dass er nicht urteilt. Er zeigt, wie ein Tag, eine Hitze, ein Gespräch, ein Leben voller unausgesprochener Erwartungen zu einem Moment führen können, der alles verändert. Amatas Zusammenbruch wirkt nicht wie ein Krimiereignis, sondern wie ein menschlicher Kollaps, der sich schon lange angekündigt hat. Für mich ist es ein Roman, der weniger erklärt als spürbar macht und gerade deshalb lange nachhallt.

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4 stars

Eine junge schwarze Frau, die sich Gedanken über ihr Leben in Deutschland und Rassismus macht.
Ein alter, weißer Mann, der sich selbst als weltoffen und verständnisvoll empfindet, aber gerade dies nicht ist.
Zusammen fahren sie stundenlang in einem Auto. Der alte, weiße Mann redet und redet und redet...bis die junge Frau die Nerven verliert.
Die Art, wie Sharon Dodua Otto, ihren Roman geschrieben hat, lässt Fiktion mit Realismus verschwimmen, so dass man sich als Leser immer wieder daran erinnern muss, dass die Erzählstimme nicht gleich Autorin ist. Toll gemacht!

4 stars
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