Bitte melden Sie sich an, um Ihr wertvolles Feedback zu geben.
Jetzt anmelden oder registrieren.
Stunden wie Tage
von Shelly Kupferberg
Sie müssen sich anmelden, um zu sehen, ob dieser Titel für Anfragen zur Verfügung steht. Jetzt anmelden oder registrieren
NetGalley-Bücher direkt an an Kindle oder die Kindle-App senden.
1
Um auf Ihrem Kindle oder in der Kindle-App zu lesen fügen Sie kindle@netgalley.com als bestätigte E-Mail-Adresse in Ihrem Amazon-Account hinzu. Klicken Sie hier für eine ausführliche Erklärung.
2
Geben Sie außerdem hier Ihre Kindle-E-Mail-Adresse ein. Sie finden diese in Ihrem Amazon-Account.
Erscheinungstermin 25.03.2026 | Archivierungsdatum N/A
Sprechen Sie über dieses Buch? Dann nutzen Sie dabei #StundenwieTage #NetGalleyDE! Weitere Hashtag-Tipps
Zum Inhalt
Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich ist: eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.
Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783257073485 |
| PREIS | 25,00 € (EUR) |
Links
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1171222
Eine sehr spannende, auf wahren Begebenheiten beruhende, Geschichte in deren Zentrum eine starke, taffe „Hausbesorgerin“ in Berlin steht. Die Liebe zu einem kleinen Mädchen, viel menschliche Wärme, aber auch die gnadenlose Härte der Nazi-Zeit prägen dieses Buch.
Martha ist bewundernswert oder jeder Mensch ist anders komisch
Seit ich vor zwei Jahren „Isidor“ von Shelly Kupferberg gelesen habe, ist mir die Geschichte ihres Urgroßonkels nie mehr aus dem Kopf gegangen. Ich freute mich sehr über die Ankündigung des neuen Romans und ich wurde nicht enttäuscht. Shelly Kupferberg schreibt so poetisch, lebendig und mit so viel Empathie für ihre Protagonisten, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Ich las die Lebensgeschichte der Frau Martha immer mit Tränen in den Augen, weil ich mit ihr fühlen konnte, als wäre sie meine Verwandte. Meine Oma war auch eine Schneidertochter, machte den Haushalt und kümmerte sich um die Buchführung. Martha erinnert mich ein wenig an sie, besonders mit ihrem stolzen Spruch, mit dem sie sich bei den Brüdern Berkowitz um eine Stelle als Hausbesorgerin bewirbt »Ich bin das einzige Kind sehr gewissenhafter, frommer Menschen. Bescheidenheit, Verantwortung und Sparsamkeit wurden mir in die Wiege gelegt. Ich habe schon früh gelernt zu haushalten.« Wie schwer es ihr mit den Jahren fallen wird, allen Anforderungen gerecht zu werden, das weiß sie da noch nicht. Auch die persönlichen Verflechtungen mit der Familie Berkowitz stehen noch in den Sternen. Denn zuerst lernt Martha – die tatsächlich die begehrte Stelle erhalten hat, inklusive einer Wohnung in dem Schöneberger Mietshaus – ihren Willy kennen. Der ist Briefträger und wird nach längerem Werben dann auch ihr Ehemann. So ganz einfach hat der Willy es auch nicht mit seiner Martha, denn die pflegt die oben beschriebenen Eigenschaften nicht nur für ihr Dienstverhältnis, sie ist auch im Privatleben sehr, sehr sparsam und gewissenhaft. Aber Willy nimmt das gelassen und so verläuft die Ehe wie viele, nur leider ohne Kinder, denn nach dem ersten, verlorenen darf Martha nie wieder schwanger werden.
Kinder sind es aber, die ihren Blick oft anziehen, als ihr Dienstherr Henry Berkowitz sein Töchterchen Liane bekommt, stellt sich ein ganz besonderes Verhältnis ein. Henrys Ehefrau, russische Emigrantin und Sängerin, ist nicht die ideale Mutter; Martha ersetzt Liane zwar die Mutter nicht, aber sicher eine liebevolle Tante. Diese innige Beziehung besteht von der Geburt der kleinen Liane bis an ihr bitteres Ende.
Shelly Kupferberg beschreibt also nicht nur den Lebensweg der Martha, sondern die tragische Lebens- und Familiengeschichten der Berkowitz‘, auch der mit Berkowitz befreundeten Familie Samulewitsch, aber auch der Mitbewohner, Nachbarn und Bekannten. Mich hat dieses Buch sehr berührt, die schwersten Prüfungen, die alle, auch Martha und Willy bestehen müssen, die überleben wollen und es doch nicht immer können, das las sich trotz des angenehmen, leichten Schreibstils der Autorin überhaupt nicht leicht. Es machte mir das Herz schwer, welchen Qualen die Menschen ausgesetzt waren im Nationalsozialismus. Es sind nicht nur die Folterqualen, es ist der psychische Druck, der die Menschen nachhaltig beschädigt hat. Nicht jeder war und ist in der Lage, diese Traumata zu überstehen.
Ein Schlüsselmoment im Roman war für mich die Beschreibung des Badevergnügens von Liane und Remus im Sommer 1940, er erinnerte mich schlagartig an den Film „Hilde“, der die Geschichte von Hilde Coppi und der „Roten Kapelle“ erzählt. Ich hatte nicht, was ich sonst leider viel zu oft tue, das Nachwort zuerst gelesen. Hier wird Shelly Kupferberg die gut recherchierten Details zu diesem Roman erklären. Für mich wurden die Zusammenhänge noch während des Lesens klar, ich verrate hier keine Geheimnisse, das Schicksal von Liane Berkowitz ist öffentlich nachzulesen u. a. bei Wikipedia. Ich erinnerte mich direkt an ihren Namen beim Lesen, sie ist eine der Frauen aus dem Biografienband „Frauen gegen Hitler - Weiblicher Widerstand im ‚Dritten Reich‘“ von Christiane Kruse, erschienen 2024 beim BeBra Verlag. Und sie war eine von 50 Porträtierten, die mir so stark im Gedächtnis geblieben sind.
Zufällig ist auch in meiner weitverzweigten jüdischen Familienhälfte ein Alex Zadik Berkowitz, er hat sich diesen Namen selbst erwählt, wie einen Künstlernamen, und er starb im KZ Buchenwald. Ich habe mich lange und intensiv mit Recherchen zu Holocaustopfern und überlebenden Familienangehörigen beschäftigt, es ist sehr mühsam und aufwendig, bis so ein Buch entstehen kann. Die Hilfe von dem im „Dank“ erwähnten Johannes Tuchel und seinen Mitarbeitern kam auch meiner Arbeit zugute. Mein Vater wurde im Alter von 24 Jahren 1935 wegen Hochverrats zu zwölf Jahren Zuchthaushaft verurteilt, die nach zehn Jahren endete, weil er von der Roten Armee befreit wurde. Wäre er den Nazihäschern Anfang der 1940er Jahre in die Hände gefallen, hätte auch er ein Todesurteil erhalten. Ich hatte das während des Lesens immer im Hinterkopf, wie unsagbar tapfer Liane Berkowitz und all die anderen Widerstandskämpfer waren. Sie wussten, dass ihnen der Tod drohte. Und haben trotzdem mit ihren Aktionen nicht aufgehört.
Fazit: Shelly Kupferberg gelingt es, Menschen, die schon lange tot sind, in das Gedächtnis zurückzuholen, ihnen ein literarisches Denkmal zu setzen, der einfachen Frau Martha ebenso, wie der Widerstandskämpferin Liane Berkowitz, wie den Bewohnern dieses Schöneberger Mietshauses oder den Samulewitschs. Und es spielt keine Rolle, ob die Romanfiguren fiktiv oder real sind, ich sehe sie alle symbolisch für die Opfer des Nationalsozialismus. Der wunderbare Schreibstil lässt einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen, es fesselt bis zum Schluss. Absolute Leseempfehlung!
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
Irmi P, Buchhändler*in
Wenn man die Geschichten von Shelly Kupferberg liest, taucht man in die Zeit ein, spürt die Atmosphäre und ist einfach mittendrin.
Ich freue mich, wenn ich das Buch verkaufen darf!
Rezensent*in 658031
Ich habe schon unzählige Bücher gelesen die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen, viele davon haben mich berührt, aber wenige haben es geschafft mich zum Weinen zu bringen. Dieses ist eines davon.
Das Buch beginnt mit einer alten Frau, die durch ihre Stadt schleicht, keiner kennt sie wirklich, doch es gibt Gerüchte. Doch wer war sie wirklich?
Stunden wie Tage erzählt in leisen Worten Marthas Geschichte. Es ist die Geschichte von ganz normalen Menschen die das Pech hatten in einer dunklen Zeit zu leben. Es ist die Geschichte einer Frau die ein kleines Mädchen lieben lernt und es die Geschichte dieses Mädchens das im Nationalsozialismus erwachsen wird.
Ich habe dieses Buch an einem Nachmittag komplett gelesen, Shell Kupferberg erzählt einfach großartig. Obwohl Marha vielleicht nicht die sympathischte Person ist, ist sie doch einzigartig und irgendwie auch liebenswert. Das Buch steckt voller vom echten Leben und erzählt von den Veränderungen die die Zeit mit sich bringt und vom Mut einiger weniger.
Ein emotionaler Roman der mich sehr berührt hat.
Wer ist Martha wirklich?
Eine eindringliche Geschichte über zwei Frauen während des Krieges, deren Leben miteinander verbunden ist.
Im Zentrum stehen zwei Frauen, deren Leben sich in einem Berliner Mietshaus berühren und über Jahre hinweg miteinander verbunden bleiben. Der Roman spielt während der Kriegsjahre und später in einer Zeit, in der alte Erinnerungen nachhallen.
Martha arbeitet während des Krieges als Hausbesorgerin in Schöneberg. Sie ist ordentlich, sparsam und hält sich meist im Hintergrund. Einer ihrer Arbeitgeber ist Harry Berkowitz. Dessen Tochter Liane kommt oft zu Besuch. Sie ist neugierig und offen. Mit der Zeit wächst eine enge Verbindung zwischen ihr und Martha.
Während der Alltag in Berlin immer enger wird, erlebt Liane ihre erste Liebe und beginnt, ihre Umgebung bewusster wahrzunehmen. Ihr Weg führt sie in den Widerstand. Diese Entscheidung wirkt nachvollziehbar und ergibt sich aus der Zeit, in der Angst und Mut oft nah beieinanderliegen.
Viele Jahre später taucht Martha wieder auf. Sie zieht durch die Straßen Schönebergs, äußerlich verwahrlost, von den meisten kaum beachtet. Kaum jemand ahnt, wer sie wirklich ist und was sie erlebt hat.
Historische Fakten sind sorgfältig eingebettet und drängen sich nicht in den Vordergrund. Dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, ist spürbar, vor allem in der Zeichnung der Figuren. Sie wirken nah und glaubwürdig, mit stillen Entscheidungen und Brüchen, die man noch lange spürt.
Die kurzen Kapitel unterstützen einen ruhigen Lesefluss. Sie geben dem Text Raum, ohne ihn auszubremsen.
Der Roman wirkt nicht durch Dramatik, sondern durch seine Nähe zu den Figuren und zur Zeit, in der sie leben.
Mein Fazit:
Dieses Buch verdient meiner Meinung nach volle fünf Sterne. Es erzählt eine ruhige, eindringliche Geschichte über zwei Frauen in Berlin während des Krieges, deren Leben miteinander verbunden ist. Die Protagonisten sind glaubwürdig und die historischen Details gut eingebunden. Die Geschichte wird mir mir noch lange im Gedächtnis bleiben.
Wer historische Romane mit authentischen Figuren, leiser Spannung und einer warmen, unaufgeregten Erzählweise schätzt, wird dieses Buch lieben. Eine klare Leseempfehlung für alle, die gerne in die Zeit des Zweiten Weltkriegs eintauchen, ohne dass die Handlung übertrieben dramatisiert wird.
Martha, eine fleißige junge Frau, findet Arbeit als Hausbesorgerin in einem Mietshaus der Familie Berkowitz im Berliner Stadtteil Schöneberg. Sie ist eine fürsorgliche Seele, die sich liebevoll um alles kümmert, was ihr lieb und teuer ist – Menschen, Dinge und Tiere.
Das Buch erzählt von ihrem Leben, dem der Bewohner des Hauses und der Familie Berkowitz: dem jüdischen Vater Henry, der russischen Mutter Katharina und ihrer Tochter Liane – zwischen 1930 und 1960.
Die Figuren sind fein gezeichnet und liebenswert, mit all ihren Ecken und Kanten. Es sind ganz normale Menschen, die zur falschen Zeit leben mussten. Während des Lesens lebt und leidet man mit ihnen.
Shelly Kupferberg hat ein wunderbares Buch geschrieben. Ihr anschaulicher und bildhafter Erzählstil versetzt den Leser direkt in die damalige Zeit. Die Nazizeit wird mit all ihren Schrecken sachlich dargestellt, ohne pathetisch zu werden, was den Blick auf das Geschehen lenkt, ohne dass dem Ganzen an Empathie fehlt. Ich habe dies sehr geschätzt, selten habe ich ein Buch über die Nazizeit gelesen, das mich so in die Geschichte hineingezogen hat.
Erschreckend, aber durchaus glaubwürdig, liest man im Abspann, dass das meiste auf Tatsachen beruht und diese Schicksale wirklich passiert sind.
Ich habe dieses hervorragende Buch mit großem Interesse gelesen und empfehle es jedem, der sich für deutsche Geschichte interessiert. Es ist sicherlich nicht das letzte Buch, das ich von Shelly Kupferberg lesen werde.
Maria H, Rezensent*in
Die Geschichte erzählt von der Zeit um 1940, also die Jahre vor und während des Krieges. Martha findet eine Stelle als Hausbesorgerin in einem Schöneberger Mietshaus, deren jüdische Besitzer die Brüder Berkowitz sind. Martha ist eine sehr fleißige und gewissenhafte Frau. Sie entwickelt eine gute, fast mütterliche Beziehung zu Liane, der Tochter von Henry Berkowitz. Als Henry Deutschland verlassen muss, kümmert sie sich sehr viel um Liane, deren Beziehung zu der eigenen Mutter etwas schwierig ist. Die Geschichte erzählt von Liane, vom Erwachsenwerden und den Problemen des Nationalsozialilsmus, vom Krieg und den Entbehrungen die der Krieg mit sich bringt. Dann passieren einige schreckliche Dinge und die Möglichkeiten zu helfen sind begrenzt. Mehr möchte ich zum Inhalt nicht preisgeben.
Dies Buch hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle es wirklich sehr gerne weiter.
Christina M, Buchhändler*in
Ein sehr bewegender Roman, der anhand des Lebens der Hausbesorgerin Martha, heute würde man sie wohl als Hausverwalterin und / oder Hausmeisterin bezeichnen, das Leben in den 30er Jahren in Berlin erzählt. Nur aufgrund der distanzierten Erzählweise ist es möglich, all diese Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten gegenüber unbescholtenen Mitbürgern zu ertragen. Umso wichtiger ist es zu erwähnen, dass es Menschen wie Martha gab, die versuchten Leuchttürme der Menschlichkeit zu sein. Eine klare Leseempfehlung gerade in heutigen Zeiten!
Lisa M, Buchhändler*in
Berührend, voller Lebensfreude, mutig, tragisch.
Puh! Das war heftiger als ich erwartet hatte.
Der Einstieg ist mir etwas schwer gefallen. Woran es lag kann ich nicht genau sagen. Aber die Geschichte hat an mir gezogen und mich nicht losgelassen. Da war dieser Sog...
Ein Buch mit moralischem Kompass voller Stärke, Wiederstand im großen und im kleinen, Lebensfreude und Beständigkeit. Ein Buch über menschliches Versagen, schwere Entscheidungen und die Frage nach der eigenen Schuld.
Ein Buch über lauter positive und wünschenswerte Eigenschaften für jedermann. Martha packt an, zögert nicht, strebsam, fleißig und ordentlich. Mit Mut, Zivilcourage, Toleranz gegenüber Eigenheiten ihrer Mitbewohner,, Hilfsbereitschaft, Empathie und Durchhaltevermögen. Sehr sparsam, was in Krisenzeiten sehr positiv wirkt. Bei ihr ist noch keiner verhungert.
So sorgt Martha über Jahrzehnte für ein großes Mietshaus mit all seinen Bewohnern, kümmert sich um das Eigentum ihres Arbeitgebers und bewahrt so für viele das Dach über dem Kopf.
Erscheint es doch anfangs als entbehrungsreiches und freudloses Leben im Gegensatz zu anderen Personen in diesem Buch mit feiner Lebensart, so nötigt Martha doch allen Respekt ab, wie sie gerade mit ihrer Persönlichkeit anderen durchs Leben hilft.
Claudia F, Beschäftigte*r in der Buchbranche
Die auf wahre Begebenheiten beruhende Geschichte mit der fleißigen Martha, die Hausbesorgerin in einem Schöneberger Mietshaus wird und für die Tochter eines der Hausbesitzer eine ganz besondere Bezugsperson wird. Es ist eine toll geschriebene Geschichte über normale Menschen in einer unnormalen Zeit. Das Buch hat mich sehr berührt.
Fesselnde Geschichte
Martha fängt 1925 als Hausbesorgerin in einem Wohnhaus in Berlin Schöneberg an. Die Besitzer halten große Stücke auf sie, vorallem Henry Berkowitz. Oft bringt er seine kleine Tochter Liane zu den monatlichen Abrechnungsterminen mit und so entsteht zwischen Martha und Liane eine innige Beziehung und die Beiden verbringen viel Zeit miteinander.
Martha ist mir sofort ans Herz gewachsen. Mit ihrer bescheidenen, fleißigen und resoluten Art. Sie hatte das Herz am rechten Fleck und war für Liane eine wichtige Bezugsperson.
Ein berührende Geschichte über die Widerstandskämpfer Liane Berkowitz, die die ganze Härte der Nazizeit zu spüren bekommen hat.
Ein fesselndes Buch, das deutlich macht, daß so etwas nie wieder geschehen darf.
Rezensent*in 1805469
Shelly Kupferberg ist eine gute Erzählerin. Es ist verdienstvoll, dass sie in der unübersehbaren Menge von Naziverbrechen Einzelschicksale wie das von Liane und ihrer Familie sichtbar macht.
Buchhandlung Collibri/Federleserin
Still und eben ist diese gefühlvolle Lesestrecke, in dem es um ganz gewöhnliche – wenngleich herzzerreißende und entsetzliche – Lebensgeschichten geht. Denn Shelly Kupferberg beschreibt in "Stunden wie Tage" die Schicksale aus einem Schöneberger Haus, für Berlinerinnen wie mich, die wöchentlich dort verkehren, ganz besonders nahe.
Nahbar ist die emsige Martha, die sich um den Haushalt kümmert, tugendhaft, selbstlos und fleißig. Tragisch und schlimm auch die Geschehnisse um die Familie der Hausbesitzer.
Und so fließend und einfach und sentimental dieser Roman auch zu lesen war, fiel sie für mich leider zu flach aus – ob es an der Desensibilisierung bezüglich der Nazizeit liegt, über die schon so viel und oft geschrieben wurde oder ob Martha als Frau zu charakterlos und daher als Figur zu flach rüberkommt.
So kann ich für diese nachvollziehbar schöne Lektüre meinerseits nur eine lauwarme Leseempfehlung aussprechen.
STUNDEN WIE TAGE
Shelly Kupferberg
ET: 25.03.26
Berlin in den 1940er-Jahren: Die junge Martha bewirbt sich bei den jüdischen Berkowitz-Brüdern als Hausbesorgerin in ihrem Mehrfamilienhaus in Schöneberg. Sie gilt als fleißig, sittsam, sparsam und loyal. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Miete einzusammeln, sich um kleinere Reparaturen zu kümmern, das Treppenhaus zu pflegen und darauf zu achten, dass sich die Mieter an die Regeln des Hauses halten.
Schon bald lernt Martha den Postzusteller Willy kennen und verliebt sich in sein ruhiges, gutmütiges Wesen. Gemeinsam leben sie in der kleinen Dienstwohnung des Hauses in Schöneberg. Der Wunsch nach einem eigenen Kind bleibt jedoch unerfüllt.
Umso mehr freut sich Martha über die Besuche von Liane, der adoptierten Tochter von Henry Berkowitz, dem jüngeren der beiden Brüder. Henry bringt das Mädchen häufig zu den Hausbegehungen mit, und zwischen Martha und Liane entsteht schnell eine enge Verbindung. Bald besucht Liane Martha und Willy regelmäßig, und das Mädchen wird zu einem wichtigen Teil ihres Lebens.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zieht sich die Schlinge jedoch immer enger um die Familie Berkowitz. Der ältere Bruder erkennt früh die Gefahr und emigriert nach London. Henry hingegen will die Zeichen der Zeit lange nicht wahrhaben. Seine Frau Katharina, die bereits einmal aus Russland fliehen musste, weigert sich, noch einmal alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben in einem fremden Land zu beginnen. Während Henry vor einer folgenschweren Entscheidung steht, verliebt sich Liane – und erkennt viel zu spät, dass sie sich mitten im Umfeld einer Widerstandsgruppe bewegt.
Shelly Kupferberg gelingt es eindrucksvoll, Fiktion und historische Fakten miteinander zu verweben. Auf diese Weise arbeitet sie erneut ein wichtiges Stück Zeitgeschichte literarisch auf. Besonders der ruhige Beginn der Geschichte hat mir sehr gefallen. Zwar entfaltet sich die Handlung zunächst langsam, doch genau dadurch entsteht ein sehr lebendiges Bild des damaligen Alltags. Die vielen alten deutschen Begriffe und Formulierungen verleihen dem Text zusätzlich Authentizität – eine sprachliche Atmosphäre, die heute kaum noch zu finden ist und die ich sehr gern gelesen habe. Im weiteren Verlauf nimmt die Geschichte jedoch enorme Fahrt auf, und die zunehmende Bedrohung ist beim Lesen deutlich spürbar. Ich konnte diese beklemmende Atmosphäre sehr gut nachempfinden.
Fazit:
Ein eindringlicher Roman über Menschen und Schicksale, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen – und zugleich eine bewegende Geschichte über Mut und Widerstand in dunklen Zeiten. Eine klare Leseempfehlung.
5/5
Berlin, 1940er-Jahre: Martha E. arbeitet als Hausbesorgerin im Mietshaus der Brüder Berkowitz in Schöneberg. Zu Liane Berkowitz, der Tochter von Henry Berkowitz, entwickelt sie eine tiefe Verbindung, fast so, als wäre sie ihre eigene Tochter. Während der Krieg immer präsenter wird, verliebt Liane sich und gerät in den Widerstand...
Was für ein intensives, nachhallendes Buch. Schon auf den ersten Seiten hatte ich dieses Gefühl, dass diese Geschichte kein leichtes Ende nehmen wird. Und obwohl man vieles erahnt, hat mich die Handlung immer wieder berührt und an manchen Stellen auch überrascht. In dieser Geschichte finden so viele unterschiedliche Menschen und Schicksale ihren Platz. Es sind ganz normale Menschen, die plötzlich Entscheidungen treffen müssen, die über Leben und Tod entscheiden. Dieses Spannungsfeld zwischen Mitlaufen, Wegsehen und Widerstand wird unglaublich greifbar. Martha ist fleißig, sparsam, tief gläubig und für Außenstehende vielleicht unscheinbar, aber dennoch immer präsent. Ich fand es unglaublich spannend, die Geschichte durch ihre Augen zu erleben, weil sie genau das widerspiegelt, was vermutlich viele Menschen damals gefühlt haben. Dieses Nicht-ganz-Begreifen, dieses Mitten-drin-sein und doch irgendwie daneben stehen. Der Schreibstil ist ruhig und gerade deshalb so eindringlich. Die Geschichte wirkt nicht laut oder dramatisch konstruiert, sondern so echt, dass ich beim Lesen immer wieder dachte, genau so könnte es gewesen sein in diesem Mietshaus in Schöneberg.
Ein ganz persönliches Highlight war für mich außerdem die Begegnung mit Shelly Kupferberg auf der Leipziger Buchmesse. Im Rahmen eines Bloggertreffens hat sie ihr Buch vorgestellt und spannende Einblicke in ihre Recherchearbeit gegeben. Zu erfahren, wie viel davon auf echten Begebenheiten beruht und wie intensiv sie sich mit den Figuren und der Historie auseinandergesetzt hat, hat mein Leseerlebnis noch einmal auf eine ganz besondere Weise vertieft. Und ein kurzer persönlicher Austausch mit ihr war dann wirklich der perfekte Abschluss dieses Buches.
Shelly Kupferberg erzählt in „Stunden wie Tage“ die Geschichte der jungen Widerstandskämpferin Liane Berkowitz – und verknüpft sie mit dem Leben der Hausbesorgerin Martha. Daraus entsteht ein ruhiger, zunehmend eindringlicher Roman über Mut, Schuld und Erinnerung. Die Mischung aus historischer Genauigkeit und literarischer Erzählung gelingt so stimmig, dass die Figuren lange nachwirken.
Im Zentrum steht Martha E., die ab 1925 als Hausbesorgerin in einem Schöneberger Mietshaus arbeitet. Sie ist pflichtbewusst, sparsam und zurückhaltend – Eigenschaften, die sie für ihre Aufgabe prädestinieren. Sie organisiert den Alltag, kassiert Mieten und hält den Betrieb im Haus aufrecht, während sich die politischen Verhältnisse immer weiter zuspitzen.
Eine besondere Beziehung entwickelt sie zu Liane, der Tochter des jüdischen Hausbesitzers Henry Berkowitz. Das aufgeweckte Mädchen wächst in einem wohlhabenden, aber fragilen Umfeld auf. Mit dem Erwachsenwerden kommen erste Liebe und politisches Bewusstsein – und schließlich der Schritt in den Widerstand gegen das NS-Regime. Historisch führt dieser Weg Liane in die Gruppe der „Roten Kapelle“.
Parallel zeichnet Kupferberg Marthas Lebensweg über Jahrzehnte nach.
Die Figur Liane Berkowitz basiert auf einer realen Widerstandskämpferin. Sie wurde als junge Frau wegen Aktionen gegen das NS-Regime verhaftet, zum Tode verurteilt und 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Kupferberg hält sich eng an die historischen Eckdaten, füllt sie aber mit Leben, ohne den dokumentierten Kern zu verfälschen.
Der Einstieg ist bewusst ruhig. Kupferberg nimmt sich Zeit, das Haus und seine Bewohner zu zeichnen. Diese dichte Alltagswelt bildet die Grundlage für die spätere Zuspitzung. Mit zunehmender Verfolgung jüdischer Menschen und wachsendem Druck auf den Widerstand steigt die Spannung deutlich an – ohne dass der Ton je laut wird.
Die Sprache bleibt zurückhaltend und präzise. Kupferberg beobachtet genau und verzichtet auf schnelle moralische Urteile. Stattdessen zeigt sie, wie „kleine Leute“ zu stillen Zeugen ihrer Zeit werden – und wie schwer Entscheidungen unter extremen Bedingungen wiegen können.
Shelly Kupferberg, in Tel Aviv geboren und in Berlin aufgewachsen, knüpft mit ihrem zweiten Roman an ihr Debüt „Isidor“ an. Auch hier verbindet sie journalistische Genauigkeit mit erzählerischer Sensibilität.
„Stunden wie Tage“ ist ein leiser, aber eindringlicher Roman, der zum Ende hin durchaus zu Tränen rühren kann.
Martha muss sich etwas einfallen lassen. So geht es nicht weiter. Ihr Vater ist alt und krank. Er ist nicht mehr in der Lage, das Auskommen der Familie zu sichern. Jetzt liegt es an ihr, sich eine Arbeitsstelle zu suchen. Zaghaft und keineswegs von sich überzeugt, sitzt sie dann vor den Brüdern Berkowitz. Die suchen eine Hausbesorgerin für ihr Schöneberger Mietshaus. So viele Bewerberinnen gibt es für die Stelle. Vornehme Damen, die verächtlich auf Martha blicken, lassen sie an ihrem Vorhaben zweifeln. Sie würde gerne flüchten aber dann wird sie ins Büro gebeten. Und ja, sie bekommt die Stelle.
Martha nimmt ihre Tätigkeit sehr ernst. Die Brüder sind zufrieden mit ihr und einer der Brüder lässt sogar zu, dass seine kleine Tochter Liane ein häufiger Gast bei ihr ist. Leider wird das Leben in Berlin immer mehr von Gewalt und Ungerechtigkeit bestimmt. Seit Hitler die Macht an sich riss, sind seine Anhänger außer Rand und Band. Besonders Juden leben gefährlich und auch Homosexuelle müssen sich vor der Gestapo verstecken.
Nach ihrem ersten Roman Isidor freute ich mich sehr auf #StundenwieTage. Ich wurde nicht enttäuscht. Wieder einmal nahm mich die Autorin gefangen. Ihre Sprache ist einzigartig und niemals langweilig. Die kurz gehaltenen Kapitel handeln nicht nur vom Leben Marthas. Viel mehr beschreibt die Autorin äußerst überzeugend von Schicksalen rund um das Mietshaus. Aber auch ihre Eigentümer und deren Familie sind Thema.
Für mich kann es gar nicht genug Bücher geben, die sich mit dem Thema „Drittes Reich“ befassen. Wenn sie dann auch noch die Erlebnisse von Zeitzeugen wiedergeben, dann sind sie für mich perfekt. #NetGalleyDE
Kirsten O, Buchhändler*in
Eine interessante, weniger bekannte Geschichte einer Widerstandskämpfer in Berlin. Gut geschrieben aus der Sicht der Hausmeisterin, die die junge Frau seit ihrer Kindheit liebt und bemuttert. Am Ende ist jedoch die Spannung raus, weil man schon erfahren hat, was aus den meisten Protagonisten wurde. Was nicht zu erfahren war : Wieso der österreichische Ausdruck der Hausbesorgerin statt Hausmeisterin in einer berliner Geschichte? Klingt nett, aber es würde mich interessieren, warum.
Leona B, Buchhändler*in
Dieses aussergewöhnliche und emotional mitreissende Buch erzählt die Geschichte zweier Familien in der Zeit des Nationalsozialismus und steckt voller Hoffnung, Trauer, Glück und Resignation. Die Randfiguren sind liebevoll gezeichnet und man lebt mit den einzelnen Figuren mit. Die Sprache ist einfach und passt zu Marth, der Hauptperson, wirkt aber gerade deshalb wirklichkeitsnah. Mehr will ich hier nicht erzählen, da ich sonst spoilern würde. Aber ich kann sagen: Dieses Buch ist ein Juwel und sollte unbedingt gelesen werden.
Anja N, Buchhändler*in
Stunden wie Tage
von Shelly Kupferberg
Shelly Kupferberg ist eine beeindruckende Erzählerin, die Wahrheit und Fiktion hervorragend miteinander verwebt.
Mit Isidor hat sie mich bereits total gefesselt gehabt - hier nun, bei ihrem ersten Roman - ist man sofort in der Geschichte drinnen. Der Berliner Kiz - das Arbeiterviertel - wird sowas von lebendig von ihr beschrieben. Jede Figur ist besonders und die meisten davon gab es tatsächlich.
Martha ist Hausbesorgerin und das schon in sehr jungen Jahren. Ihre beiden Arbeitgeber, die russisch jüdischen Brüder Berkowitz sind anständige und feine Männer. Henry ist verheiratet und die Tochter Liane baut zu Frau Martha eine besonders innige Beziehung auf. Als es in den 1940er Jahren immer schwieriger wird, müssen Martha und die Bewohner des Hauses ebenso wie Familie Berkowitz viel Leid erfahren.
Viele Schicksale und Begebenheiten sind geschichtlich verbrieft, was einem die Handlung noch mehr unter die Haut gehen lässt.
Ich habe Stunden wie Tage in wenigen Stunden verschlungen!
Rezensent*in 1841784
Eine Geschichte, die mich berührt hat – und gleichzeitig frustriert. Denn der Stoff ist so reich, so bewegend, dass ich mir so viel mehr gewünscht hätte.
Martha mochte ich sehr. Ihre Geschichte ist eindrücklich und trägt einen durch das Buch. Und doch – der Schreibstil hat mich nie wirklich erreicht. So kühl, so emotionslos erzählt, dass eine Distanz entsteht, die ich nicht überwinden konnte. Genau das hat mich geschmerzt, weil das Potenzial da war.
Ein paar Tränen sind trotzdem geflossen – die Geschichte ist stärker als die Sprache. Und weil es eine wahre Begebenheit ist, trägt sie noch einmal ganz anders.
Mit Leichtigkeit und Eleganz erzählt Shelly Kupferberg in ihrem Roman "Stunden wie Tage" von einer einfachen Frau, an deren Leben sie ein dunkles Stück der deutschen Geschichte abbildet.
Die junge Martha bekommt von den Brüdern Berkowitz als Hausbesorgerin die Verantwortung für deren Mietshaus in Berlin Schöneberg übertragen. Hier ist sie Zeit ihres Lebens für alle Belange in und um das Haus und seine Bewohner zuständig. Mit ihrer bescheidenen und geradlinigen Art, sorgt sie in dieser, ihrer kleinen Welt, für Ordnung. Dabei ist sie nicht nur zuverlässig, sparsam und loyal, sondern bietet auch für Liane, die Tochter einer ihrer Arbeitgeber, ein kleines Stück Zuhause. Als die junge Frau während des Nationalsozialismus in politische Schwierigkeiten gerät, bekommt auch Marthas Welt Risse und verändert sich für immer.
Ein Buch wie aus einem Guss, mit feiner Hand geschrieben, das ohne großes Gehabe von Solidarität und Mut in Zeiten der Angst erzählt. Eine wirklich wunderbare Lektüre, mit einer bemerkenswerten Protagonistin!
Buchhändler*in 405648
Einen bewegenden Roman hat Shelly Kupferberg hier vorgelegt. Er erzählt von der Hausmeisterin Martha und ihrer Verbindung zur Familie Berkowitz von den 1930er Jahren bis etwa 1980 in Berlin. Gewissenhaft erledigt Martha ihre Aufgaben im Mietshaus der Familie. Zu deren kleinen Tochter Liane fühlt sie sich besonders hingezogen, wohl auch deshalb, weil sie selbst keine eignen Kinder haben kann. Für Liane ist so etwas wie eine Ersatzmutter. In kurzen Kapiteln begleiten wir die beiden durch die dunklen Jahre. Liane wächst zu einer jungen Frau heran, die sich heftig verliebt. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. „Stunden wie Tage“ ist ein Stück Zeitgeschichte verbunden mit dem Schicksal zweier Frauen in schweren Zeiten. Ihre innige Beziehung wurde glaubhaft herausgearbeitet. Und so trifft es Martha hart, als Lianes Leben aus den Fugen gerät. Diese Stellen sind am intensivsten. Martha ist eine interessante Protagonistin: Ihr fast schon zwanghafter Sparzwang, ihr Durchsetzungsvermögen und ihr Gerechtigkeitssinn, aber auch ihr großes Herz machen sie zu einer authentischen Figur. So steht sie auch Lianes Mutter, einer russischen Klavierlehrerin, über die Jahre hinweg bei. Ich habe das Buch ausgesprochen gerne und schnell gelesen. Es ist kurzweilig, erschütternd, hochinteressant und schnörkellos geschrieben. Zudem beruht es auf wahren Ereignissen.
🖤 STUNDEN WIE TAGE - Shelly Kupferberg - Diogenes - ET 25.03.2026 - 272 Seiten
✨Leseempfehlung!✨
Worum geht‘s?
Ein eindrucksvoller Roman über Menschen und deren Schicksale, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Fokus: Frauenschicksale, Kriegsgeschehen, Judentum, Nationalsozialismus, Widerstandskampf, 1940er-Jahre
Autorenportrait:
Shelly Kupferberg, geboren 1974 in Tel Aviv, ist in Westberlin aufgewachsen und hat Publizistik, Theater- und Musikwissenschaften studiert. Sie ist Journalistin und moderiert für ›Deutschlandfunk Kultur‹ und ›RBB radio3‹ Sendungen zu Kultur und Gesellschaft. Ihr erstes Buch ›Isidor‹ war ein Erfolg bei Publikum und Presse. Shelly Kupferberg lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Mein Leseeindruck:
Berlin, in den 1940er-Jahren: Die junge Martha aus einfachem Haus ist fleißig, fürsorglich und sparsam – Eigenschaften, die sie zur idealen Hausbesorgerin im Schöneberger Mietshaus der jüdischen Familie Berkowitz machen, welchem sie ein Leben lang verbunden sein wird. Stieftochter Liane, ein aufgeschlossenes Mädchen und Mutter einer Russin, geht gerne bei Martha und ihrem Ehemann Willy ein und aus, wird zum Ersatzkind. -„Stunden wie Tage ist ein Roman, welcher gleichzeitig Zeitgeschichte und Schicksale vereint. Kupferberg verhandelt eine ruhige, eindringliche Geschichte anhand zweier Frauen, deren Leben miteinander verwoben sind, mit glaubwürdigen, liebenswerten Protagonisten und gut eingebetteten historischen, auf wahren Begebenheiten beruhenden Details, die in Erinnerung bleibt. Wer historische Romane mit authentischen Figuren, subtiler Spannung und einem warmen, unaufgeregten Schreibstil schätzt, wird dieses Buch lieben. Eine klare Leseempfehlung für alle, die in diese Zeit eintauchen möchten, ohne dass die Handlung übertrieben dramatisiert ist.
Monika F, Buchhändler*in
Eine Seele von Mensch
Die Autorin Shelly Kupferberg habe ich das erste Mal erlebt, als sie die Moderation für die Lesung „Ungebetene Gäste“ von Ayelat Gundar-Goshen übernommen hatte. Sie hat sie sehr lebendig und kenntnisreich moderiert. Erst danach habe ich festgestellt, dass Shelly Kupferberg nicht nur Journalistin, sondern auch Autorin ist.
Shelly Kupferberg wurde in Tel Aviv geboren. Kurz nach ihrer Geburt sind ihre Eltern, die beide in Palästina geboren wurden, mit ihr nach Berlin gezogen, wo sie aufgewachsen ist und auch jetzt mit ihrer Familie lebt.
„Stunden wie Tage“ ist ihr zweiter Roman. Vorher ist 2022 ihr Roman „Isidor“ erschienen, in dem sie die Geschichte ihres Urgroßvater verarbeitet hat.
Der Klappentext führt uns Leser:innen ein wenig in die Irre. Denn die eigentliche Hauptperson ist Martha, die aus einfachen Verhältnissen stammt und streng katholisch aufgewachsen ist. Als blutjunge Frau bewirbt sie sich als Hausbesorgerin für ein Mietshaus in Schöneberg, welches den Brüdern Berkowitz gehört. Sie führt dieses Haus zur allgemeinen Zufriedenheit, denn sie ist sparsam und fleißig. Während der regelmäßigen Besuche durch Henry Berkowitz lernt Martha auch dessen Stieftochter Liane kennen. Zwischen Martha und Liane baut sich ein gutes Verhältnis auf. Martha kann Liane das geben, was ihre eigene Mutter ihr nicht geben kann.
Und so folgen wir Martha durch die Weimarer Republik, das 3. Reich und den 2. Weltkrieg.
Erst als Liane sich langsam zu einer jungen Frau entwickelt und die Liebe entdeckt, erfahren wir mehr über sie. Sie gerät in einen Freundeskreis, der nicht ungefährlich ist.
Mir hat besonders gut gefallen, wie unaufgeregt Shelly Kupferberg ihre Geschichte erzählt. Martha ist pragmatisch. Und sie interessiert sich nicht für Politik, doch sie übernimmt nach wie vor die Verantwortung für das Mietshaus und behält die Mieter im Auge. Mit den Nationalsozialisten sympathisiert sie mit Sicherheit nicht. Stattdessen hilft sie im kleinen, wo sie kann. Natürlich bekommt sie durch die Brüder Berkowitz mit, wie sich deren Leben langsam zu einem Albtraum entwickelt. Auch über einzelne Marktbeschicker aus ihrem Kiez erfährt sie einiges. Doch erst ziemlich zum Ende des Romans muss sie Stellung beziehen und aktiv werden.
Wenn man sich nicht bereits mit dem Thema des 3. Reichs beschäftigt hat, fällt einem beim Lesen vielleicht gar nicht auf, was da gerade passiert. Aber wenn man zwischen den Zeilen lesen kann, bekommt man mit, was in dieser Zeit vor sich ging.
Im Nachwort erfahren wir Leser:innen, dass es sich größtenteils um eine wahre Geschichte handelt, die natürlich für den Roman bearbeitet wurde.
Die unscheinbare Martha ist eine Seele von Mensch!
S R, Buchhändler*in
In diesem Buch lernen wir Martha kennen und begleiten sie durch ihr Leben.
Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen bekommt sie in den 1940er Jahren die Chance für die jüdischen Brüder Berkowitz als Hausbesorgerin zu arbeiten. Ein Bruder hat Frau und Kind. Liane begleitet ihren Vater, wenn dieser das Haus inspiziert und die Mieteinnahmen abholt. Zwischen ihr und Martha entwickelt sich über die Jahre ein inniges Band. Als die Brüder wegen der Nazis nach England gehen müssen, ist Martha für Liane da. Eines Tages wird Liane bei einer Protestzettel-Aktion erwischt und verhaftet....
Fein beobachtet, leise und anrührend geschrieben.
Martha ist im Berlin der vierziger Jahre fleißig und sparsam und sie ist eine Hausbesorgerin in einem Mietsgebäude der Brüder Berkowitz. Liane Berkowitz kommt aus gutem Haus, die Mitte im Krieg die Liebe kennenlernt, aber auch den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Und sie wird in ihrem Leben noch viel Leid erleben, aber auch Martha hat es in ihrem Leben nicht leicht, auch wenn sie am mehr besitzt als die meisten, die sie kennen, wissen.
Meine Meinung:
Hier wird mal wieder die gesamte Härte des Lebens unter der Kriegsherrschaft der Nationalsozialisten deutlich gemacht, besonders als es um die Familie von Liane geht, insbesondere ihrer Tochter, deren Schicksal mich ganz besonders berührt hat. Man kann sich leider ganz genau vorstellen , dass es genau solche Ereignisse gab und dieses Roman beruht ja auch noch auf wahren Begebenheiten, was die Geschichte umso erschreckender macht. Ich habe das Buch als sehr gut empfunden und sehr gern gelesen und kann es uneingeschränkt empfehlen.
Fazit:
Tolles Buch
Mit Stunden wie Tage erzählt Shelly Kupferberg eine leise, aber tief erschütternde Geschichte über Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten...
Der Roman spielt im Berlin der NS-Zeit und entfaltet seine Wirkung nicht hauptsächlich durch dramatische Wendungen, sondern durch die stillen, oft unscheinbaren Entscheidungen seiner Figuren.
Im Mittelpunkt steht Martha, eine Frau, die zunächst unauffällig wirkt, gewöhnlich.
In dieser Unscheinbarkeit liegt ihre Stärke. Martha handelt nicht aus Kalkül oder dem Wunsch heraus, mutig zu sein. Sie folgt keinem großen Plan. Stattdessen trifft sie ihre Entscheidungen intuitiv, geleitet von einem klaren moralischen Kompass. Sie hilft, wo sie kann, sieht hin, wo andere wegsehen, nicht, weil sie Heldin sein will, sondern weil sie gar nicht anders handeln kann.
Besonders eindrucksvoll ist dabei, wie der Roman zeigt, dass Menschlichkeit nicht immer laut oder heroisch sein muss. Martha bewegt sich in einer Grauzone: Sie leistet keinen offenen Widerstand, aber sie passt sich auch nicht einfach an. Ihre Handlungen sind leise, vorsichtig und doch bedeutsam.
Gerade darin wird deutlich, wie schwierig es war, im Alltag des NS-Regimes menschlich zu bleiben, ohne sich selbst unmittelbar in größte Gefahr zu bringen. Und dennoch spürt man: Ganz ohne Risiko ist auch dieser Weg nicht.
Die Stärke des Romans liegt in seiner Zurückhaltung. Kupferberg verzichtet auf Pathos und lässt die Geschichte für sich sprechen. Das macht sie umso eindringlicher.
Als Leser*in wird man nicht mit moralischen Urteilen konfrontiert, sondern mit Fragen: Wie hätte ich gehandelt? Wo hätte ich gestanden?
Stunden wie Tage ist keine leichte Lektüre. Die Geschichte ist schwer, oft bedrückend und genau deshalb so wirkungsvoll. Sie endet nicht einfach mit der letzten Seite, sondern bleibt im Kopf, begleitet einen weiter und fordert zur Auseinandersetzung heraus.
Ein stiller, tiefgehender Roman, der zeigt, dass wahre Menschlichkeit oft in den kleinsten, intuitiven Entscheidungen liegt und gerade deshalb eine so große Wirkung entfalten kann.
Marion S, Journalist*in
In ihrer dokumentarischen Romanrecherche zeichnet Shelly Kupferberg das Leben der Hausbesorgerin Martha nach. Sie wird Ende der 20iger Jahre von den Brüdern Berkowitz engagiert um sich um ihr Mietshaus in Berlin-Schöneberg zu kümmern. Sie kassiert die Mieten, hält das Haus sauber und beauftragt Handwerker für Reparaturen. Auch als sie den Postboten Willy heiratet, bleibt sie im Haus wohnen. Zu ihrem Chef Henry Berkowitz entwicklet sich eine fast familiäre Beziehung. Die kinderlose Martha beschäftigt sich liebevoll mit der kleinen Tocher Liane. Berkowitz entkommt 1938 in letzter Minute den Nazis, er läßt seine Frau und sein Kind zurück und übergibt das Haus in Marthas Obhut.
Die blutjunge Liane Berkowitz kommt über ihre Schule in Kontakt mit dem Widerstandskreis um die "Rote Kapelle", wird beim Plakatkleben erwischt und kommt - schwanger - in Haft. Sie entbindet das Kind und wird ein paar Monate später. in Plötzensee hingerichtet. Eine Tafel erinnert erinnert heute an sie am Berliner Viktoria-Luise-Platz. Martha vererbt das Haus nach ihrem Tod an die jüdische Gemeinde in Berlin.
Ene exemplarische Recherche und ein ergreifende Schicksael, ein Denkmal für eine unerschütterliche, einfache Frau..
LeserInnen dieses Buches mochten auch:
Nina George; Jens J. Kramer
Fantasy & Science Fiction, Kinderbücher
Marie-Sophie Adeoso; Bildungsstätte Anne Frank
Kinderbücher, Sachbuch, Sachbücher für Kinder
Julie Johnson
Belletristik, Fantasy & Science Fiction, Liebesromane