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Abschied(e)
von Julian Barnes
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Erscheinungstermin 15.01.2026 | Archivierungsdatum 30.06.2026
Sprechen Sie über dieses Buch? Dann nutzen Sie dabei #Abschiede #NetGalleyDE! Weitere Hashtag-Tipps
Zum Inhalt
Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte die Kontrolle darüber behalten, wie man auf dieses Leben blicken wird.
Als Julian Barnes erfährt, dass er eine Krankheit hat, die für ihn tödlich sein kann, aber nicht sein muss, heißt das für ihn, die Dinge zu ordnen. Was zählt im Leben, welche Lebensphase war wichtig, oder trügt die Erinnerung? Er nimmt Abschied, indem er den Anfang und das vermeintliche Ende dieses außergewöhnlichen Schriftstellerlebens erzählt – und eine fiktive Geschichte, in der auch ganz viel Julian Barnes steckt.
Eine literarische, ehrliche Bilanz, ein Blick zurück und nach vorn von Julian Barnes, dem großen englischen Romancier, der sich vielleicht mit diesem Buch vom Schreiben verabschiedet. Schließlich weiß man nie, wann genau das eigene Leben endet.
Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte die Kontrolle darüber behalten, wie man auf dieses Leben blicken...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783462009194 |
| PREIS | 23,00 € (EUR) |
| SEITEN | 256 |
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Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Annegret G, Rezensent*in
Julian Barnes ist am Ende seiner schriftstellerischen Karriere angelangt und benennt dies auch ausdrücklich. Im Januar 2026 ist er achtzig Jahre alt. Nun ist es an der Zeit, das eigene Leben zu hinterfragen und zu ordnen, befindet er und wendet sich damit an seine Leser.
Barnes erzählt von den Anfängen seiner Schriftstellerei und macht einen Sprung bis an das Ende. Dazwischen steht die Erzählung von der Beziehung seiner Kommilitonen Stephen und Jean aus der gemeinsamen Zeit in Oxford.
Wie Barnes selbst schreibt, verwendet er für diesen Roman Aufzeichnungen aus Notiz- und Tagebüchern. Manches erzählt er, wie es sich zugetragen hat, in anderen Teilen verwebt er Erinnerungen mit Fiktionen. Natürlich ist dadurch ein sehr persönlicher Text entstanden.
Durch die Diagnose einer Leukämieerkrankung und sein hohes Alter macht Barnes sich logischerweise Gedanken über die Endlichkeit des Lebens und über sein eigenes Ableben. Dabei thematisiert er die Sterblichkeit und was letztlich vom Leben bleibt, in relativ gelassener Form.
Weiter befasst er sich mit wissenschaftlichen Auslegungen aus der Neurologie und den Phänomenen der Erinnerungen. Häufig geht es um seine eigenen Reflexionen. Barnes überlegt, inwieweit das eigene Gehirn in der Lage ist, alles Gewesene zu reflektieren, oder ob es langsam, aber systematisch von der ursprünglichen Darstellung abweicht. Er hinterfragt gute und schlechte Fiktionen und konstatiert an Beispielen, dass wir letztlich wohl nur positive Fantasien in uns bewahren.
Er stellt Überlegungen über die Auswirkungen von Emotionen, Gerüchen und Geschmack auf unser Gedächtnis an. In diesem Zusammenhang benennt er Marcel Prousts Madeleine-Erlebnis in dessen Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Überhaupt kommt Barnes an verschiedenen Stellen immer wieder auf Proust wie auch auf andere Literaten zurück.
Ausgiebig widmet Barnes sich seiner Erzählung um Stephen und Jean, die er einst in jungen Jahren und nun erneut im Alter zusammengebracht hat. Hier lesen wir viel über die Bedeutung von Freundschaft und von vielen Konversationen, die er mit Stephen und Jean führte.
Ein weiteres Thema mit dem Barnes sich auseinandersetzt, ist der Verlust der eigenen Identität von Demenzkranken.
Julian Barnes Thesen und weitreichenden Überlegungen lesen sich meist geistesscharf und interessant. Seine Einstellung zu seiner Krebserkrankung, sein hohes Alter und das möglicherweise nahende Lebensende bleibt milde und erstaunlich souverän. Vielleicht liegt dies daran, dass er das große Ganze nicht aus den Augen verliert. Ihm ist bewusst, dass er das große Privileg hatte, weitgehend friedlich, in Freiheit und ohne Armut gelebt zu haben.
Ein kluges Statement von einem, der das Leben kennt und liebt und den Tod dabei nicht ausklammert.
Julian Barnes hat ein stilles, kluges und zutiefst menschliches Buch geschrieben. Er wendet sich hier seinem vielleicht intimsten Thema zu, dem eigenen Leben, seinem möglichen Ende und der Frage, wie man sich selbst erzählt. Was dieses Buch besonders macht, ist seine Mischung aus Klarheit und Verletzlichkeit. Er weiß, dass die längste Strecke hinter ihm liegt, und er begegnet dieser Erkenntnis mit einer Mischung aus Ironie, Weisheit und leiser Melancholie. Der Ausgangspunkt dieser Geschichte ist die Diagnose einer Krankheit, die tödlich sein kann, aber nicht muss. Das Lesen wird bald zur eigenen Frage, was im Leben zählt, eigentlich? Welche Erinnerungen tragen? Welche trügen? Und wie erzählt man ein Leben, das man selbst gelebt hat, aber nie ganz verstanden hat? Berührt beim Lesen hat mich die Art, wie er Realität und Fiktion ineinanderfliessen lässt. Es ist ein literarischer Kunstgriff, der nicht distanziert, sondern näher heranführt. Das Buch wirkt auf mich wie ein leiser Abschiedsgruss, ohne endgültig zu sein. Barnes verabschiedet sich nicht vom Leben, sondern von der Illusion, es vollständig kontrollieren zu können. Dieses Buch bewegt, weil es verbindet Lebensbilanz, Erinnerungskunst und literarische Fiktion auf elegante Weise verbindet. Es ist ein Buch, das nicht laut sein will, sondern nachhallt. Für Leser, die Tiefe, Reflexion und menschliche Wahrhaftigkeit schätzen.
Ein wortgewaltiger (im besten Sinn) Abschied. Wie ein letztes langes, persönliches Gespräch mit dem Autor.
Julian Barnes blickt auf das Leben zurück und sinniert über Erinnerungen. Im Mittelpunkt steht dabei die Liebesgeschichte zweier seiner Freunde. Von dieser ausgehend erfahren wir sehr viel über den Autor selbst.
Das Buch enthält Literatur, Medizin, Gedankensplitter, Autobiografisches und zum Teil sicher auch so Ausgeschmücktes, dass man nicht weiß ob wahr oder der Fantasie entsprungen.
Freundschaften. Leben. Abschiede. All das verpackt Julian Barnes in einen ungezwungenen - wenn auch teils sehr philosophischen - Rahmen und man will gar nicht, dass das Gespräch endet.
Das Buch hat sehr viel in mir angesprochen. Die Angst vorm Sterben. Die Dankbarkeit für das Leben und seine Momente.
Ein Genuss und Privileg, dieses wohl wirklich letzte Buch des Autors, lesen zu dürfen.
I was fully absorbed in, and entirely entertained by, Julian Barnes latest (and unfortunately last) novel. It is vintage Barnes, interested in memory and its unreliability, in stories and the gaps in them.
It struck me that he asks many of the same questions as Ian McEwan in his latest novel: what if we could know everything? What if we could remember everything? Wouldn't it be too much? Where McEwan looks at it from a technological perspective, Barnes takes a neurological view (and a literary view drawing as usual on a range of French authors). But both reach the same conclusion.
Departure(s) consists of five parts: a theoretical start about 'involuntary autobiographical memories (IAM)', then the highly entertaining story of two lovers who reunite after 40 years with Julian acting as a matchmaker, and finally a coda that manages to be both light and deeply emotional.
I also had an IAM while reading Departure(s), as I vividly remembered reading the Sense of an Ending on a long train journey in 2012 and rediscovering the pleasure of reading.
Goodreads tells me I've read 8 of his books since (Barnes says in the novel that he wrote 44 so there are enough left).
Although part of me doesn't exclude there may be another Barnes in the future - after all he is nothing if not unreliable (and this one felt particularly fresh and sharp), I am grateful for the fabulous reading experiences he's given me - surprising, elegant, playful, precise and smart.
Buchhändler*in 1287499
Barnes verortet sein letztes (?) Gespräch mit seiner Leserschaft in einem Straßencafe bei warmem Wetter und kühlem Getränk. Ich sehe mich mit ihm (wen wundert das im Januar?) vor einem Kaminfeuer mit Tee und Scones. Danke, Herr Barnes, für Ihre klugen, humorvollen, kokettierenden und philosophischen Bemerkungen zum großen Thema Tod/Sterben/Ende!
Jacqueline M, Buchhändler*in
Roman oder Essay? Beides in einem, denn Barnes vermischt Momente der Fiktion mit Gedanken über Alter, Krankheit und Tod. Über Liebe, einen kleinen Jack Russell, über das Schreiben, über Proust ... All dies ist durchzogen von ganz feinem britischen Humor sowie ein bisschen Melancholie. Ein schmales Buch, in welchem so viel drin steckt. Für mich ein Meisterwerk.
Eine kluge, berührende und sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und dem Schreiben. Julian Barnes gelingt es, Nachdenklichkeit, literarische Eleganz und leise Selbstironie miteinander zu verbinden. Dieses Buch wirkt wie eine offene, ehrliche Einladung, über Erinnerung, Vergänglichkeit und das Wesentliche im Leben nachzudenken – ruhig, tiefgründig und lange nachhallend.
Buchhändler*in 1454805
In seinem fantastisch aufgebauten, angeblich letzten Roman, lässt uns Julien Barnes an Erinnerungen, an Liebe, Leben und Abschied teilhaben.
Der Ton teils melancholisch, teils ironisch - ein großartiger Roman!
Buchhändler*in 516281
Julian Barnes verabschiedet sich mit diesem Buch. Es sind ganz persönliche Einblicke und Sammlungen von Gedanken und ebenso Anekdoten von seinen Freunden. Seine Offenheit mit diesen Abschieden umzugehen rührt und beeindruckt zutiefst.
Buchhändler*in 2014546
Ein äußerst ernstes aber dann auch wieder humorvoll ironisches Essay, über
sein Leben- was kommt danach ??????
Inspirierend und nachdenklich, ein grandioser letzter Barnes oder auch nicht
Journalist*in 438414
Julian Barnes hat sein letztes Buch geschrieben. Sagt er. Und schreibt er in ebendiesem Buch. Das Alter ist einer der Gründe, die Angst, sich zu wiederholen, ein anderer. Aber da schwingt auch etwas Tatkräftiges und eine vitale Entschlossenheit mit. Fortan muss er nicht mehr fürchten, mitten in der Arbeit an einem Roman unterbrochen zu werden.
Sein erster Satz leistet das, wozu erste Sätze, jedenfalls viele von ihnen, bestimmt sind. Sie locken uns an, stimulieren unsere Neugier, versprechen vielleicht sogar eine Sensation. Wir wollen wissen, was da abgeht, oder doch wenigstens, ob der Text hält, was er mit seinem ersten Satz verspricht.
Hier werden aus Möglichkeiten Tatsachen. Den Anfang macht die wissenschaftliche Entdeckung eines kuriosen Phänomens. Eine Sinneserfahrung kann einen kaskadenartigen Schwall vergessener Erinnerungen auslösen. Erinnerungen, die alle diese eine Sinneserfahrung betreffen. Es könnte beim autobiografischen Schreiben hilfreich sein, mutmasst der Erzähler, um die Mutmassung gleich wieder wegzuwischen. Nein. Man will diese unwillkürlichen Erinnerungsketten gar nicht. Wenn Erinnerung unsere Identiät ausmacht, hat es vielleicht gute Gründe, woran wir uns erinnern, was wir vergessen und was wir für zuverlässige Erinnerungen halten.
Julian Barnes hat ein wunderfitzig abgründiges Buch über das Erinnern und die Lücken und Tücken des Lebens geschrieben. Es ist wieder ein hybrides Buch, das Fiktion, Essay, Biografie und Reflexion assoziativ verwebt. Es ist auch eine Geschichte, die – wie er sagt – Anfang und Ende, aber keine Mitte hat. Und doch ist sie da, diese Mitte.
For He’s a Jolly Good Fellow!
Julien Barnes’ Roman »Abschied(e)« mit Freunden, über die er natürlich nie schreiben würde
»So funktioniert das nicht«, antwortet Erzähler Jules, als seine Freunde Stephen und Jean ihn unabhängig voneinander bitten, nie über sie zu schreiben. Aber die jahrelange, manchmal jahrzehntelange Inkubationszeit literarischer Inhalte ist Nicht-Schriftstellern schwer zu vermitteln. Und seiner Verantwortung ist sich der Autor ohnehin immer bewusst: »Ich spiele mit dem Leben anderer Leute. Und machen das im Grunde nicht alle Romanschreiber?«
In »Abschiede« geht es um viel um das Wesen und die Tricks der Erinnerung und viel um den Tod, aber auf eine leichte, lebensbejahende, versöhnliche Art. Als Barnes während Corona eine zunächst diffuse Krebsdiagnose bekommt, ist seine Frau, die Literaturagentin Pat Kavanagh, schon zwölf Jahre tot. Er weiß, mit wem er es zu tun bekommt.
»Jeder Tod richtet einen Kollateralschaden an. Der Sterbende wird bald nichts mehr spüren, aber die Trauernden sind noch nach Jahren gezeichnet.« Gerade deshalb sorgt er dafür, überforderten Nachfahren keine unvollendeten Manuskripte zu hinterlassen, sondern mit »Abschiede« einen selbstbestimmten Punkt hinter sein Werk zu setzen. »So spricht man dem Tod seine Handlungsmacht ab. Wenn auch, zugegeben, in sehr bescheidenem Maße.«
Stephen und Jean sind auch schon nicht mehr am Leben, ihre Namen geändert und ihre Geschichte eine universelle menschliche Erfahrung, die literarische Betrachtung verdient.
Jules hat die beiden in der Studienzeit zusammengebracht, sie trennen sich und nehmen ihre Beziehung, wiederum mit Jules Hilfe, vierzig Jahre später wieder auf. Der Erzähler ist skeptisch. »Wiederaufnahmedilemma? Noch-mal-von-vorn-Syndrom? Das klassische Problem bei einer solchen emotionalen Neuauflage ist, dass die Beteiligten unbewusst in dieselben Verhaltensmuster zurückfallen, die schon zum Scheitern der ersten Beziehung geführt haben.«
Welches Narrativ man sich für diese Versuchsanordnung zurechtlegt, liegt beim einzelnen Paar, bzw. im Falle von Jean und Steven sogar bei den einzelnen Akteuren, da beide die Situation anders verstehen. Da sind zum Beispiel die Lebensbegleiter, die in den vierzig Jahren Beziehungspause wichtig waren. »Es hätte einfach sein sollen, da diese früheren Gefährten nun die Verlierer waren und Stephen und Jean die Gewinner. Aber man schafft es nicht immer, offen und ehrlich über frühere Liebhaber (und Ehepartner) zu sprechen, ihnen den gebührenden Stellenwert im eigenen Leben einzuräumen und dabei doch hervorzuheben, dass ihre wesentliche Funktion darin bestand, ahnungslose und unbedarfte Wegbereiter der glorreichen Gegenwart zu sein.«
Sehr elegant gelingt Barnes immer wieder der Bogen vom Liebes-Narrativ zum Vorgang des Schreibens an sich und der Verblüffung über das fertige Produkt.
»Mit der Fertigstellung verfestigt sich das Buch auch im Kopf des Schriftstellers. Man vergisst alle Fehltritte, die verlockenden, aber unergiebigen Spuren, die man verfolgt und dann aufgegeben hat; manchmal vergisst man sogar, wo die Idee ursprünglich herkam. Nach dem Erscheinen wird das Buch dann auf unterschiedliche Weise gelesen und interpretiert, die man mal großzügig zulässt, mal höflich zurückweist.«
Jennifer Kakshouri hat Barnes zum Interview getroffen und ihn ganz direkt zum Fiktionsgehalt des Liebespaars Jean und Steven gefragt. Er reagiert mit höflicher Zurückweisung »It’s for me to know, for you to not know and for my biographers to find out«
𝘿𝙖𝙨 𝙡𝙚𝙩𝙯𝙩𝙚 𝙒𝙤𝙧𝙩 𝙜𝙚𝙝ö𝙧𝙩 𝙙𝙚𝙧 𝙀𝙧𝙞𝙣𝙣𝙚𝙧𝙪𝙣𝙜
ᴀʙꜱᴄʜɪᴇᴅᴇ ᴠᴏɴ ᴊᴜʟɪᴀɴ ʙᴀʀɴᴇꜱ (ᴀᴜᴛᴏʀ), ɢᴇʀᴛʀᴀᴜᴅᴇ ᴋʀᴜᴇɢᴇʀ (Üʙᴇʀꜱᴇᴛᴢᴇʀɪɴ), ᴋɪᴇᴘᴇɴʜᴇᴜᴇʀ&ᴡɪᴛꜱᴄʜ 2026
Julian Barnes beginnt dieses Buch mit einer Ankündigung: Dies werde sein letztes sein. Eine offizielle Verabschiedung, ein selbst bestimmter Rückzug. Doch schon nach wenigen Seiten zeigt sich, dass Abschiede weniger ein endgültiges Adieu ist als ein tastendes Innehalten. Barnes schreibt nicht, um einen Schlusspunkt zu setzen, sondern um noch einmal zu prüfen, was vom eigenen Leben – und vom Erzählen darüber – Bestand haben kann.
Im Zentrum steht die Geschichte von Jean und Stephen, zwei Studienfreunden aus der Oxford-Zeit der 1960er Jahre. Barnes führt sie zusammen, trennt sie wieder und lässt sie Jahrzehnte später erneut aufeinandertreffen. Es ist eine Liebesgeschichte mit Lücken, mit einem fehlenden Mittelteil. Gerade diese Leerstelle verleiht der Erzählung ihre besondere Spannung. Barnes interessiert sich weniger für das, was geschehen ist, als für das, was erinnert, verschoben oder neu erzählt wird.
Diese Geschichte ist eingebettet in essayistische Reflexionen über Erinnerung, Zeit und literarische Selbstbefragung. Barnes denkt über Proust nach, über die Trügerischkeit autobiografischer Gewissheiten und über die Art, wie wir unser Leben im Nachhinein ordnen. Erinnerung erscheint hier nicht als verlässliches Archiv, sondern als bewegliches Material, das sich ständig neu formt. Diese Gedanken sind vertraut aus Barnes’ Werk, wirken hier aber konzentrierter, persönlicher.
Denn parallel dazu tritt Barnes selbst deutlicher hervor. Seine Krebsdiagnose wird nüchtern, ohne Pathos, fast beiläufig beschrieben. Arztbesuche, Behandlungen, das Altern des Körpers – all das wird nicht dramatisiert, sondern ruhig registriert. Gerade diese Zurückhaltung macht die Passagen eindrucksvoll. Barnes schreibt nicht gegen den Tod an, sondern denkt über das Leben mit der Endlichkeit nach. Dabei bleibt sein Ton selbstironisch, gelegentlich trocken, immer kontrolliert.
Formal ist Abschiede ein bewusst hybrides Buch. Roman, Memoir und Essay gehen ineinander über. Jean selbst äußert im Text Zweifel an dieser Vermischung – eine selbstreflexive Geste, die Barnes’ Verfahren offenlegt. Er verteidigt das Ineinander als literarisch notwendig. Leben, so legt dieses Buch nahe, lässt sich nicht sauber in Gattungen aufteilen. Warum also sollte Literatur es versuchen?
Im Kontext von Barnes’ Gesamtwerk wirkt Abschiede wie eine verdichtete Summe. Motive aus früheren Büchern kehren wieder: die Unzuverlässigkeit der Erinnerung, die Frage nach dem richtigen Erzählen, die skeptische Haltung gegenüber großen Wahrheiten. Neu ist die Gelassenheit, mit der Barnes diese Fragen nun stellt. Das Buch wirkt weniger kämpferisch als versöhnlich – ohne je sentimental zu werden.
Manche Passagen schweifen aus, manche Gedankengänge wiederholen sich. Doch gerade diese Offenheit verleiht dem Text seine Wärme. Abschiede ist kein streng komponierter Roman, sondern ein Nachdenken in Bewegung. Und dieses Nachdenken wirkt ehrlich, offen, zugewandt.
Am Ende steht kein großes Finale. Barnes verabschiedet sich leise, mit einem Blick, der mehr akzeptiert als erklärt. Ob dies tatsächlich sein letztes Buch sein wird, bleibt offen. Als literarischer Abschied jedoch ist Abschiede stimmig: ein kluges, melancholisches, überraschend tröstliches Buch über Erinnerung, Liebe und das Erzählen selbst.
Buchhändler*in 1668126
„Abschied(e)“ ist ein wirklich großartiges Buch. Barnes Schreibstil ist klug, humoristisch und gleichzeitig sehr zugänglich, ohne je belehrend zu sein. Er lässt die Leser:innen auf reflektierte Weise an seinen Überlegungen zu Themen wie Verlust, Erinnerung, Kunst und das Älterwerden teilhaben, wodurch eine Mischung aus Intimität, Nachdenklichkeit und literarischer Eleganz entsteht, die das das Buch so besonders macht. Für mich war die Lektüre sehr bereichernd und ich würde „Abschied(e)“ definitiv weiterempfehlen.
Melanie M, Buchhändler*in
Ein Buch, das sich nur schwer einem Genre zuordnen lässt. Nicht ganz Biographie, nicht ganz Roman, mit einigen Elementen, die eher in Sachbücher passen. Trotzdem oder gerade deswegen lässt es sich gut lesen. Nach einem etwas zähen Anfang findet man gut in die Geschichte(n) hinein, die alle auf die eine oder andere Art und Weise verbunden sind. Ein würdiger Abschied voll von Anekdoten und Reflexionen aus dem Leben des Autors.
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