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Buchcover für Königin Esther

Königin Esther

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Erscheinungstermin 19.11.2025 | Archivierungsdatum N/A


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Zum Inhalt

Der neue Roman vom Meister des Erzählens

 

Über sechs Millionen verkaufte Bücher in deutscher Sprache
Mit einem Auftritt von Dr. Wilbur Larch aus Gottes Werk und Teufels Beitrag
Eine hochaktuelle Geschichte, die ein ganzes Jahrhundert und drei Kontinente umspannt

 

Jimmy Winslow hat zwei Mütter. Honor, die ihn aufgezogen hat, schickt ihn als Studenten von New Hampshire nach Wien, wo er Vater werden soll. Das Wien der Sechzigerjahre ist ein Ort voller Geheimnisse und Versuchungen, und Jimmy springt kopfüber hinein und ist dabei immer auch auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter Esther Nacht. Was er erlebt, ist eine spektakuläre Achterbahnfahrt, wie sie nur das Leben in John Irvings Büchern schreiben kann – voller großer Gefühle, unglaublicher Wendungen und Figuren, die uns nicht mehr loslassen.

 

Der angehende Schriftsteller Jimmy Winslow folgt den Spuren seiner leiblichen Mutter Esther Nacht von New Hampshire nach Wien. Doch als Jimmy dort ankommt, hat Esther die Stadt längst verlassen – in Richtung britisches Mandatsgebiet Palästina, um dort in der undurchsichtigen politischen Landschaft der frühen Sechzigerjahre ihren Weg zu gehen. Jimmy aber trifft in Wien das volle Leben. Annelies, die ihm Deutsch beibringen soll und seine große unerwiderte Liebe wird, Claude und Jolanda, die wie er ein Zimmer bei der Witwe Holzinger haben und mit denen er bald einen so verrückten wie aufregenden Plan schmiedet. Denn Jimmy soll auf Geheiß seiner Mutter in Wien Vater werden, um im Kriegsfall nicht zum Militär zu müssen. Als wäre das nicht genug, warten auf Jimmy noch ganz andere Herausforderungen: ein vaterloser Junge, ein Schäferhund mit Angst vor Gewitter und das Weltgeschehen, das einfach keine Pause macht.

 

»John Irvings Bücher haben weltweit Menschen berührt, Herzen gebrochen oder zusammengeflickt und dabei auf mal wilde und mal zärtliche Weise Tragik mit Humor verknüpft.«

- Benedict Wells

Der neue Roman vom Meister des Erzählens

 

Über sechs Millionen verkaufte Bücher in deutscher Sprache
Mit...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783257073676
PREIS 32,00 € (EUR)

Auf NetGalley verfügbar

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

3 stars
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Etwas ratlos
Ich bin ein eingefleischter Irving-Fan und als solcher ist die "Königin Esther" für mich natürlich ein Muss. Der Roman erzählt die Geschichte von Esther Nacht, einer jungen Jüdin, die ein Leben lang nach ihren Wurzeln und ihrer Identität sucht, und von ihrem Sohn Jimmy. Es geht um Judentum, Antisemitismus und viel auch um Geschichte. Wie immer bei John Irving verläuft die Handlung nie geradlinig, sondern schweift ab, springt mal zurück, mal nach vorne. Die Charaktere sind, auch das wie immer, sehr individuell, sehr skurril und vor allem gibt es eine beinahe verwirrende Unmenge davon. Das wird erst in der zweiten Hälft des Romans etwas einfacher, wenn sich der Plot auf Jimmy konzentriert, aber insgesamt lässt der Roman den Leser etwas ratlos und erschlagen zurück. Toll aber, wie immer, die einfallsreichen Charakterisierungen und die wunderschöne Sprache.

3 stars
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5 stars

Königin Esther von John Irving hat mich von der ersten Seite an begeistert. Die Geschichte der Familie mit ihren Töchtern die von Waisenkindern als Aupair betreut wurden und die Suche nach dem 4 ten Kindermädchen ist spannend geschrieben. Die Jüdin Esther wird es und ihre Lebensgeschichte lässt einen nicht mehr los. Großartig.

5 stars
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König Esther ist ein echter Irving! Hatte mich sehr gefreut, als ich hörte dass ein neuer Irving erscheinen wird und ich wurde nicht enttäuscht. Seine Erzählkunst ist einfach einzigartig und wunderbar. Beim Fabulieren über die unterschiedlichsten Themen tauchst du ein in eine andere Welt. Die Geschichte um Esther, Honor und James ist verrückt und lustig zugleich. Ich werde ‚Königin Esther‘ sehr gerne weiterempfehlen

5 stars
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Etwas konstruiert

John Irving hat mit dem Roman Königin Esther wieder ein interessantes Werk geschaffen.
Als ich die Zeiten gesehen habe von denen er schreibt, dachte ich bei seinem James Winslow gleich an die Ähnlichkeiten mit dem Autor selber.
Die Familie Winslow ist schon etwas eigenartig, da kamen mir doch so einige komische abartige Gedanken.
Teilweise war ich in dem Roman gefangen, aber am Schluss war ich mir nicht mehr sicher. Es wurde alles etwas langatmig und unplausibel.
Die Figur Esther mochte ich nicht besonders. Ich weiß nicht warum sie nach Israel gegangen ist.
Irgendwie hat der Roman mich ratlos zurück gelassen.

3 stars
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4 stars
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4 stars

Besser, zwei Mütter als keine

John Irving, mein Lieblingsschriftsteller über mehr als 40 Jahre, hat nach „Der letzte Sessellift“ (ein Buch, das mir leider nicht gefallen hatte) wieder einen neuen Roman geschrieben. Ich hatte schon große Befürchtungen, dass Irving keine Romane mehr schreiben würde, immerhin ist er unterdessen 83 Jahre alt, aber mit diesen weit über 500 Seiten bewies er das Gegenteil. Und so hat man mit „Königin Esther“ noch einmal mit allen Lieblingsthemen dieses erzählfreudigen Autors zu kämpfen, denn leicht liest sich dieses Buch nicht.
In die Familiengeschichte von Thomas und Constance Winslow hinein gerät Esther, „die Jüdin“, die in einem Waisenhaus groß wird, groß auch im wahrsten Sinne des Wortes, das von einem Arzt namens Dr. Wilbur Larch geführt wird. Spätestens hier klingeln bei jedem Irving-Fan die Ohren, denn dieser Dr. Wilbur Larch war schon vor vielen Jahren in „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ eine Hauptfigur. Womit ich wieder bei den Lieblingsthemen von Irving bin, die da sind: Familien, möglich groß und weitläufig, verrückt und innig, aber auch Waisenhäuser bzw. Waisen per se, hinzu kommen feministische Kampfgeister, Abtreibungsgegner und -befürworter, lesbische oder homosexuelle Personen, gern auch bisexuell veranlagt, und nicht zu vergessen die Ringer, ihre Blumenkohlohren und ihre eigenartigsten Herkünfte und Charaktereigenschaften. Seine Lieblingsorte sind New Hampshire und Maine bis rauf nach Kanada, aber auch Wien und Amsterdam, dortige Unterkünfte, Prostituierte, Kinder mit Gewaltfantasien, immer wieder auch Hunde oder andere Tiere, Kneipen und Nachtlokale, diverse Studenten und unsympathische Vermieterinnen. All dem wird man nun noch einmal nachspüren können, Irving breitet sein ganzes Repertoire an Figuren und Szenen noch einmal wollüstig aus.
Jene oben erwähnte Esther, die auch die Titelfigur und als Kind auf dem Cover verewigt ist, nimmt aber nur einen Teil des Buches für sich in Anspruch. Die andere Hälfte belegt James Winslow, gezeugt von Esther mit einem jüdischen kleinen Ringer nur zum Zwecke der Mutterschaft von Honor Winslow, der Tochter der oben genannten Eheleute. Denn Honor möchte zwar ein Kind, aber möglichst ohne alles Unangenehme drum herum. Und Esther, die jahrelang Honors Kindermädchen war, aber trotzdem gut ausgebildet wurde und die höhere Schule besuchte, Krankenschwester aus Passion wird, gibt sich gern als Gebärmaschine her, möchte aber keine Mutterpflichten aufgenötigt bekommen. Und so kriegt erst einmal jeder, was er möchte. Der kleine James wächst heran in den amerikanischen 1940er- und 1950er-Jahren, wird natürlich auch Ringer und geht dann ins weltläufige Wien zum Studium, weil dort auch seine Zweitmutter Esther sein soll und er zudem nun richtig Deutsch lernen soll und will. Was Jimmy – Alter Ego seines Erfinders – aber über alles will, ist Schriftsteller zu werden. Und so kämpft er sich durchs Studium, schreibt und ringt, was das Zeug hält, verliebt sich auch noch in seine Deutschlehrerin und wird irgendwann (nicht von ihr) entjungfert. Hier will ich stoppen, die kuriosen Erlebnisse, die sich durchs ganze Buch ziehen, kann man auf die Schnelle nicht erzählen und die Überraschungsmomente nehme ich nicht vorweg. Davon gibt es aber wirklich ausreichend. Sie werden sich wundern…
Wie es die Art von John Irving ist, wird all das nicht in knapper Form und kurzen Sätzen erzählt, sondern manchmal recht ausufernd und weitschweifig. Auch wenn ich seine Formulierungskünste mag – besonders im englischen Original sind seine Bücher eine Freude – empfand ich vieles als überflüssig. Aber die Neugierde hielt mich bei der Stange, die Geschichte von Esther wollte ich zu Ende erzählt haben. Und auf jeder Seite blitzen die vielen Romane von Irving auf, aus denen er das eine oder andere Stückchen entleiht. Wie immer frage ich mich am Schluss, ob das das letzte Werk des großen amerikanischen Schriftstellers ist. Ich hoffe nicht!

Fazit: John Irvings neues Alterswerk, ein wenig lang, aber doch sehr unterhaltsam, wer seine früheren Bücher kennt, wird es lieben.

4 stars
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Mit Königin Esther legt der amerikanische Bestsellerautor John Irving im Alter von über 80 Jahren ein Werk vor, das alle vertrauten Zutaten seines Schreibens enthält – und doch erstaunlich leblos bleibt. Zwar blitzt hier und da jener eigentümliche Humor auf, der seine Romane seit Garp und wie er die Welt sah oder Owen Meany auszeichnet, doch insgesamt wirkt dieser späte Roman eher wie ein intellektuelles Experiment.
Irving verwebt verschiedene Schauplätze und Zeiten – Wien, Neuengland, Palästina und Jerusalem –, doch die ständigen Orts- und Perspektivwechsel zerren am erzählerischen Zusammenhalt. Das Ergebnis ist ein sprunghaft aufgebauter Text, dessen mittlere Kapitel verwirrend wirken. Die Handlung verliert sich in Nebengleisen, und die Titelfigur, Esther Nacht, bleibt erstaunlich blass. Ihr Innenleben, ihre seelische Entwicklung – all das bleibt schemenhaft, der Leser erfährt so gut wie nichts darüber.
Stattdessen setzt Irving auf ausgedehnte Diskurse. Seitenlange Passagen über jüdische Identität, Antisemitismus, Abtreibung und die Konflikte im Nahen Osten wirken weniger wie Teil einer Erzählung als wie ambitionierte Essays. Wer sich weniger für diese Themen interessiert, wird sich dabei ertappen, ganze Absätze zu überfliegen. Der Roman verliert an emotionaler Spannung und menschlicher Wärme – aus Leidenschaft wird Lehrstück.
Dabei sind die vertrauten Irving-Motive durchaus vorhanden: die Suche nach Zugehörigkeit, das Ringen mit Schuld und Glauben, die Abgründe familiärer Beziehungen. Doch gerade weil man sie kennt, wiegen sie diesmal schwerer – sie wirken wie Wiederholungen früherer Einfälle, ohne jene erzählerische Frische, die Irvings frühe Bücher unvergesslich machte.
Königin Esther ist kein schlechtes Buch, aber ein zu verkopftes. Es zeigt einen großen Erzähler, der mehr reflektiert als erzählt, mehr erklärt als fühlt. Was bleibt, ist Bewunderung für Irvings moralischen Ernst – und die leise Trauer darüber, dass sein erzählerischer Zauber in diesem Alterswerk verblasst ist.

2 stars
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Mit diesem Buch schliesst sich der Kreis. Irving kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Es gibt ein Widersehen mit Dr. Larch aus Gottes Werk und Teufels Beitrag - ich habe mich so gefreut, ihn wieder zu treffen. Wiederum kommen Ringer, kleine Männer, Wien und natürlich Prositutierte vor - das Einzige was fehlte, waren die Bären. Es scheint fast so, als philosophiere Irving über seine Zeit als (junger) Schriftsteller - wieviel wirklich autobiographisch ist, weiss ich natürlich nicht.
Er setzt sich wiederum für die sexuelle Selbstbestimmung und Frauenrechte ein und geht dieses Mal mit der Beziehung Israel - Palästina hart ins Gericht. Das wird nicht allen gefallen und es ist halt wie mit jedem typischen Irving: man hasst ihn oder man liebt ihn. Bei mir ist letzteres der Fall. Zwischendurch hatte das Buch ein paar wenige Längen, hat mir aber im Grossen und Ganzen sehr gut gefallen. Ich habe es auf dem E-Reader gelesen, werde mir aber bei Erscheinen auch noch das gedruckte Buch kaufen, denn so ein Buch gehört einfach in jedes gute Bücherregal und findet seinen Platz bei all' seinen anderen Büchern. Ich hoffe, es ist noch nicht sein letztes Buch. Aber wenn doch, ist es ein würdiger Abschluss. Vielen Dank, Herr Irving!!

5 stars
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4 stars

Ein Wiedersehen mit Dr. Larch und dem Waisenhaus von St. Clouds! Allein da ist es schon wert (Gottes Werk und Teufels Beitrag = ein Muss!!!!), diesen neuen Irving zu lesen, der sich liest, wie man ihn sich wünscht: dicht und voller Leben, ein monumentales Werk mit altbekanntem Muster und Handlungsorten (auch Wien!).
Die Geschichte des kleinen Womanizers und seiner Frau, die für die kleinstädtische Gemeinschaft zu gebildet sind, die Kindermädchen wie Töchter behandeln und dann der kleine Junge auf der Suche nach seinen Wurzeln und seiner Zukunft. Immer wieder neu schafft Irving es, diese Bilder neu zu drehen und zu wenden, andere Stimmungen aufzugreifen und die Sinne zu beschäftigen. Ganz dicht und nichts zum einfachen Feierabend-Lesen, aber wieder richtig schön und auf jeden Fall sehr empfehlenswert. Man sollte vielleicht aber nicht mit diesem Buch anfangen, um den Kosmos des Autoren zu erfahren, denn die zahlreichen Reminiszenzen an frühere Werke sind eher für Kenner. Ansonsten herrlich,

4 stars
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John Irving erzählt in Königin Esther die Geschichte der jüdischen Waise Esther Nacht, die Anfang des 20. Jahrhunderts aus Wien nach Amerika kommt und im Waisenhaus von St. Cloud’s landet – einem Ort, den Irving-Leser aus Gottes Werk und Teufels Beitrag kennen. Von dort spannt sich ihr Leben über Jahrzehnte, über verschiedene Länder und Generationen hinweg. Es geht um Zugehörigkeit, Schuld, Identität und das Überleben in einer Welt, die einem selten Heimat bietet.

Der Roman wirkt zunächst wie ein klassischer Irving: eine Mischung aus Melodram, Schicksal, schwarzem Humor und moralischer Dringlichkeit. Seine Figuren sind exzentrisch und berührend, die Sprache gewohnt detailreich. Besonders Esthers frühe Jahre, ihr Versuch, in der puritanischen Neuengland-Gesellschaft einen Platz zu finden, gehören zu den stärksten Momenten des Buches.

Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verliert sich Irving in Nebensträngen und historischen Exkursen. Die Erzählung zerfasert, und Esthers eigene Stimme rückt immer wieder in den Hintergrund. Man spürt den großen Willen, ein Jahrhundert und seine Wunden zu fassen – aber manchmal steht die Konstruktion dem Gefühl im Weg. Auch die Verbindung zum vertrauten Waisenhaus-Kosmos wirkt eher wie ein Echo vergangener Romane als wie eine neue Entdeckung.

Trotz dieser Schwächen bleibt Königin Esther ein lesenswerter, ambitionierter Spät-Irving: ein Buch über Erinnerung, Herkunft und moralische Verantwortung – nur weniger kraftvoll als seine großen Vorgänger wie Garp oder Owen Meany. Wer Irving mag, wird seine Handschrift lieben; wer eine straffe, wirklich mitreißende Familiengeschichte sucht, könnte etwas Geduld brauchen.

Fazit: ein bewegendes, aber stellenweise überfrachtetes Alterswerk – mit glanzvollen Momenten, doch ohne den erzählerischen Atem, der Irvings frühere Romane unvergesslich machte.

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Mein erster Roman von John Irving – und vielleicht nicht der beste Einstieg.



Ich wusste, was mich erwartet: ungewöhnliche Familienkonstellationen, moralische Fragen, lange Lebensgeschichten, gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen und diese typisch-irvingsche Mischung aus Pathos und Ironie.

Und ja, all das war da – aber irgendwie zu sehr. Zu konstruiert in jeder Facette.

Trotz des spannenden historischen Hintergrunds (USA, Wien, Israel, Niederlande, Frankreich) habe ich keinen Zugang gefunden. Die Figuren blieben blass, das Thema verrann zwischen all den Abschweifungen – viel Pathos, wenig Fokus.

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Trauriger Tagträumer

James Winslow wächst unter ungewöhnlichen Umständen auf, denn er hat zwei Mütter, eine leibliche, Esther, und eine Ziehmutter, Honor. Mit zweiundzwanzig Jahren reist er von New Hampshire nach Wien, ein spektakulärer Auftrag soll ihn vor einer Einberufung in den Vietnamkrieg schützen. Außerdem möchte er hier endlich seiner Königin Esther begegnen.

Es wäre wohl nicht John Irving, würde die Geschichte tatsächlich mit James, genannt Jimmy, beginnen. Nein, die Handlung setzt ein mit den Großeltern, Jimmy betritt erst etwa nach einem Viertel des Geschehens die Bühne. Von einem Thema ins nächste stürzend, erfahren wir von einem Krankenhaus und einem Waisenhaus, welche bereits in einem anderen Roman Irvings eine Rolle spielen, wird erörtert, ob beschnittene oder unbeschnittene Penisse empfehlenswerter sind und wie man wohl am besten zu einer Bescheinigung „nicht wehrdienstfähig“ kommt. James als „Honors Kind – ein trauriger Tagträumer“ [kindle Pos. 8476] steht dann doch im Mittelpunkt, denn schon vor seiner Geburt entspinnt sich ein abenteuerliches Schauspiel über seine geplante Entstehung, welche wohl nicht nur mir eine erstaunte Miene entlockt. Die Kindheit wird kurz gestreift, ausführlicher geht es dann wieder in Wien zu, wo unter anderem bekannte Lokale wie der Augustinerkeller oder das legendäre Café Hawelka erwähnt werden und das Experiment „Wehrdienstunfähig“ starten kann.

Ein detailverliebter Schreibstil, ausgesprochen ungewöhnliche Szenen und eine bisweilen derbe Ausdrucksweise kennzeichnen diesen Roman, Motive wie Verlust – einer Mutter, eines Kniegelenkes oder eines Armes –, ungewöhnliche Sexualbeziehungen und der Einfluss Charles Dickens‘ fallen ins Auge, die Charakteristik der Figuren ist bemerkenswert. Es ist durchaus interessant, einmal „einen Irving“ zu lesen, dennoch werde ich wohl kein erklärter Freund dieser Art von Literatur werden.


Titel Königin Esther
Autor John Irving
ASIN B0FPRG3F4T
Sprache Deutsch
Ausgabe ebook, ebenfalls erhältlich als Geb. Buch (560 Seiten) und Hörbuch
Erscheinungsdatum 19. November 2025
Verlag Diogenes
Originaltitel Queen Esther
Übersetzer Peter Torberg, Eva Regul

3 stars
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Ein toller Irving! Endlich hat es mich mal wieder von der ersten Seite an gepackt. Wir bekommen alles, was wir an an Irving lieben: Maine, "Gottes Werk und Teufels Beitrag", Wien, Ringer.... einfach alles.
Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht!

5 stars
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Mal wieder ein richtig guter Irving. Jedes Mitglied der Familie Winslow wird detailliert beschrieben, alle sind liebenswert und die m eisten etwas schräg. Auch dieser Roman ist voller moderner, starker Frauencharaktere. Das "Wiedersehen" mit Dr. Larch und seinen Kolleginnen beglückt beim Lesen. Die Kapitel in Wien waren manchmal etwas nervig, aber der Rest der Geschichte macht das locker wieder wett. Großartig!

5 stars
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Erzählt wird die Geschichte von James Winslow, dem Jungen mit den zwei Müttern. Es finden sich einige der zu erwartenden Zutaten wie: ledige Mütter, Wien oder Ringer, auch Dr. Larch aus St. Cloud's findet Eingang. Ein Buch über Identitäten, besonders über die jüdische Identität. Für John Irving mit knapp 400 Seiten ein erfrischend kurzes Buch, aber in den langen Passagen über die Politik Israels eben doch streckenweise ganz schön anstrengend.

2 stars
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Einer meiner Lieblingsautoren. Immer wieder fasziniert Irving mit seinen wundervollen Charakteren - aller möglichen und unmöglichen Art...

5 stars
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Königin Esther
Die Geschichte erzählt von einer Familie die vier Töchter hat. Für die Betreuung ihrer Töchter hat die Familie jeweils ein Aupairmädchen aus dem Waisenhaus. Der Roman erzählt die Geschichte von Esther Nacht, einer jungen Jüdin, die die Betreuung der vierten Tochter übernehmen soll. Esther ist auf der Suche nach ihren Wurzeln und ihrer Identität. Das Buch handelt vom Judentum und Antisemitismus und auch um viel Geschichte. Die Charaktere werden sehr gut beschrieben und das Buch ist interessant geschrieben.

4 stars
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Er hat es wieder getan.
John Irving hat mit seinem neuen Werk „Königin Esther“ ein sehr intensives, aber auch auf die typische irving‘sche Art und Weise, verschachteltes Buch zu Papier gebracht.

Seine literarische Komplexität kippt man sich nicht einfach im Vorbeigehen, bestenfalls an der Ecke einer schwach beleuchteten Hafenkneipe, hinter die Binde.

Irving zu lesen bedeutet Entschleunigung. Gemütlichkeit. Mit einem Pfeifchen zwischen den Lippen, auf deinem Lieblingsplatz. Und wenn du dann, mit diesem Buch, entspannt in deinen Kissen lümmelst, Funken deine Synapsen.

Da sitzt du also, mit deiner körperlichen Schwere, deinem feierabendlichen Zustand und deine Couch wird vor eine Feuerwerkfabrik platziert, in der sich ein Funke entzündet hat.

Neben liebenswürdigen, blassen, kaum erwähnenswerten,
bitte-erzähl-mir-mehr-von-Charakteren, tummeln sich skurrilen und starke Persönlichkeiten zwischen den Seiten. Irving fabuliert über (zumindest für die beschriebene Zeit) untypische Familienkonstellationen, Gesetzesmäßigkeiten, Geschichte, Erziehungsmodelle , gepaart mit historischen Hintergründen, der Frage nach Moral, einer großen Menge an Allgemeinwissen und der Kunst der literarischen Zeitreise.

Wir besuchen zu unterschiedlichen Perioden auch die gegensätzlichsten Orte, wandeln durch Wien, Palästina, Neuengland und Jerusalem und sind immer auf der Suche. Wonach? Der Liebe und Zugehörigkeit.

Und während wir suchen, werden wir wie im realen Leben, inhaltlich auf Nebengleise geschoben, mitunter zu Abstellgleisen transportiert, um später wieder aufgegriffen zu werden.
Da kann sich der Text samt Inhalt schonmal verlieren.

Mit seinem wirklich eigentümlichen und spitzfindigem Humor, kuschel ich mich tiefer in meine Sofakissen, doch leider klemmt und zwickt es irgendwo im Gebälk.
Thematiken wie jüdische Identitäten, dem Antisemitismus, das Abtreibungsrecht, der Nah-Ost-Konflikt, wälzen sich durch mein Gehirn, und während ich in der Geschichte, irgendwo geparkt wieder zur Weiterfahrt aufgegriffen werde, bin ich mir manchmal nicht ganz sicher, im richtigen Zug zu sitzen. Als hüpfe mein Wagon von Gleis zu Gleis. Und wenn ich nicht in meinem Kurzreiseabteil gemütlich an meinem Kaffee schlürfe, habe ich zeitweise das Gefühl, einen sehr ambitionierten und ausführlichen Text über Nebensächlichkeiten zu lesen?
Bin mir nicht ganz sicher, ob alles von Wichtigkeit ist, um die Geschichte der Familie Winslow, respektive James und seinen zwei Müttern zu erzählen?

Was bleibt also am Ende dieses Buches?
Eine wundervolle Sprache, wie nur er sie kann, absurde und liebenswerte Charaktere und wenn du dir alles merken kannst, was angesprochen wurde, eine enorme Bereicherung an Wissen.
Denn schreiben kann er.

3 stars
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Als großer Fan seiner frühen Werke und maßlos enttäuscht von dem letzten Buch trifft dieses Buch genau dieses Gefühl. Das Wiedersehen mit Wilbur Larch war eine Freude,, und auch sonst gab es einige wirklich tolle Stellen in dem Buch, aber es hatte auch wieder einige Längen durch die ich mich durchquälen musste.

3 stars
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John Irving hat mit seinem Buch "Königin Esther" eine Welt geschaffen, in die man als Leser hineingezogen wird.
Der Protagonist Jimmy Winslow zieht von New Hampshire nach Wien, um dort in seiner Suche nach seiner Herkunft und neuer Liebe gefangen zu sein.
Es ist eine melancholische Geschichte, gespickt mit Selbstzweifeln, aber durchaus auch humorig.
Es sind die Familienstukturen und Charakterstudien, die dieses Buch zu einem besonderen machen.
Eben ein Irving.

4 stars
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Zum Inhalt:
Das Buch beginnt mit der Geschichte der jungen Esther, die ihre Eltern verloren hat, dadurch im Waisenhaus landet und schließlich im Alter von 14 Jahren von den Winslows aufgenommen wird. und dort aufwächst. Im Verlauf des Buches gerät die Person Esther als solche mehr und mehr in den Hintergrund und es geht mehr um ihren Sohn Jimmy, der aber auch seine Mutter sucht.
Meine Meinung:
Ich habe mich schwer getan mit dem Buch. Ich hatte ungeheure Schwierigkeiten in die Geschichte rein zukommen und auch im Verlauf konnte mich das Buch nicht so richtig einfangen. Der Schreibstil ist gewohnt gut, das erwartet man von dem Autoren aber auch einfach. Berührt hat mich die Geschichte nicht und für mein Gefühl war das Buch viel zu lang und dadurch teilweise auch langweilig.
Fazit:
Geht so

2 stars
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John Irving ist einer meiner Literatur-Helden. Seit den Neunzigern kaufe und lese ich alles von ihm. Auch „Königin Esther“ bekommt trotz des kostenlosen E-Books einen Ehrenplatz als gebundene Ausgabe in meinem Regal.
Einen Roman von John Irving zu lesen, fühlt sich für mich an wie Heimkommen an einem kalten Wintertag: Man macht es sich vor dem Kamin mit Schoki und Buch gemütlich und ist einfach glücklich im Hier und Jetzt. Ich liebe seine Erzählweise, die verrückten Plots, aber vor allem seine Figuren: einzigartig, vielfältig, warm, mitfühlend, offen und farbenfroh. Sie sind wie Familie für mich. Mein Highlight zu Beginn von „Königin Esther“ war der Besuch im Waisenheim von Dr. Wilbur Larch aus „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Der erste Auftritt von Esther und ihre Adoption durch die Winslows sind für mich der Höhepunkt der Geschichte.
In einigen Rezensionen heißt es, „Königin Esther“ sei Irvings politischstes Buch. Für mich war er aber immer politisch: Seine Bücher behandeln Themen wie das Recht auf Abtreibung, Frauenrechte, LGBTQ+, Rassismus, Armut. Im Mittelpunkt stehen diesmal das Judentum und der Staat Israel. Ein Thema, das dem Autor spürbar am Herzen liegt, auch wenn es stellenweise etwas zu sachlich wird.
Ich hätte mir gewünscht, die Geschichte stärker aus Esthers Perspektive zu erleben. Nach Jimmys Geburt rückt sie leider zu früh in den Hintergrund. Gerade weil Esther meine Lieblingsfigur ist, hätte ich ihren weiteren Weg in Israel gern intensiver verfolgt. Auch Jimmys Handlungsstrang mochte ich sehr – mit vielen vertrauten Motiven: Wien, das Ringen, kleine Männer, große Frauen, alleinerziehende Mütter, der Wunsch, Schriftsteller zu werden, Queerness, New Hampshire, Hunde, Waisen.
Fazit: Wer John Irving liebt, wird auch „Königin Esther“ mögen. Für Einsteiger:innen empfehle ich „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, „Owen Meany“ oder „Das Hotel New Hampshire“.

4 stars
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Als ich hier vor etwa mehr als zwei Jahren «Der letzte Sessellift» besprach, dachte ich, es sei wohl das letzte Mal, dass wir einen neuen Roman von John Irving in den Händen halten. Mittlerweile ist Irving 83 Jahre alt – und hat einen weiteren Roman geschrieben. «Königin Esther» enthält alles, was einen Irving-Roman ausmacht: Geschichten aus New England und aus Wien, verwickelte Familienverhältnisse, pittoreske körperliche Details, zwei Hauptfiguren mit markanten Charakterzügen und vor allem viel Herz und Empathie für Menschen am Rand der Gesellschaft. Zum ersten Mal überhaupt lässt John Irving eine Figur aus einem früheren Roman noch einmal auftauchen: Wir begegnen noch einmal Dr. Larch, dem Leiter des Waisenhauses von St. Cloud’s aus «Gottes Werk und Teufels Beitrag» – verwirrenderweise aber zu einem früheren Zeitpunkt in dessen Leben. Denn jene Esther, die dem Roman den Titel gab, ist eine Waise, die im St. Cloud’s aufgewachsen ist. Eine jüdische Waise und das wird sich im Laufe der Geschichte als entscheidend herausstellen. In meinem 283. Buchtipp sage ich Ihnen diese Woche, warum es sich lohnt, in den neuen Roman von John Irving abzutauchen.

Die Geschichte von Königin Esther ist eine der dramatischsten Erzählungen des Alten Testaments – und das ist nicht grad arm an Drama: Esther ist eine junge Jüdin im Exil in Persien. Nach der Absetzung der Königin Waschti wird sie – ohne dass der König ihre Herkunft kennt – zur neuen Gemahlin von König Ahasveros gewählt. Ihr Pflegevater Mordechai deckt eine Verschwörung gegen den König auf, doch gleichzeitig gerät das Judentum in grosse Gefahr: Der mächtige Hofbeamte Haman plant, alle Juden im Reich auszurotten. Mordechai bittet Esther, beim König einzugreifen. Damit riskiert sie ihr Leben. Es ist nämlich verboten, sich unaufgefordert dem König zu nähern. Esther wagt es trotzdem und lädt König Ahasveros und den bösen Haman zu einem Festmahl ein. Beim Essen deckt sie ihre jüdische Identität auf und entlarvt Hamans Plan. Der König lässt Haman hinrichten und erlässt ein Schutzdekret für die Juden. Zur Erinnerung an ihre Rettung feiern Juden bis heute das Purimfest. Esther ist deshalb eine Symbolfigur für Mut, Verantwortung und Zivilcourage.

Mut, Verantwortung und Zivilcourage – das trifft auf einige der Hauptfiguren von John Irvings Romanen zu. Ich denke etwa an den kleinen Owen Meany aus dem gleichnamigen Roman, an T. S. Garp aus «Garp und wie er die Welt sah» und an Wilbur Larch und Homer Wells aus «Gottes Werk und Teufels Beitrag». Auch auf Esther im neuen Roman treffen die Eigenschaften zu. Es ist deshalb kein Zufall, heisst Esther so. John Irving stellt die Frau aber auch in die Tradition der biblischen Esther, die für ihr Volk gekämpft hat.

Aber von vorne. Eigentlich ist Esther gar nicht die Hauptfigur des Romans, sondern Jimmy Winslow. Jimmy ist der Sohn von Esther, aber sie ist nicht seine Mutter. Das heisst: Sie hat ihn zwar geboren, aber nicht aufgezogen. Jimmy wurde ihr nicht weggenommen oder so, Esther hat das von Anfang an so bestimmt. Ihre Pflegeschwester Honor wünschte sich ein Kind, wollte aber keins gebären. Bei Esther war es umgekehrt: Sie wollte das mit dem Gebären gerne mal ausprobieren, aber sie wollte kein Kind. Also schlossen die beiden Frauen einen Pakt und das Resultat davon ist Jimmy. Aber wie kam Esther zu den Winslow?

Wie immer holt John Irving weit aus. Eigentlich beginnt seine Geschichte im Jahr 1620, als ein gewisser Edward Winslow, ein separatistischer Puritaner, mit der Mayf‌lower in jenes Land segelte, das wir heute als Vereinigte Staaten von Amerika kennen. Die Winslows gehören deshalb zu den angesehenen, alt einigesessenen Familien der Stadt Pennacook in New Hampshire. Jimmy schert sich aber nicht darum. Sein Grossvater Thomas Winslow, der sein Leben lang an der Pennacook Academy Englisch unterrichtete, pflegte ihm zu sagen: «Wenn es um deine Vorfahren geht, steht dir weder Anerkennung zu, noch trifft dich irgendwelche Schuld – man kann sich seine Eltern schliesslich nicht aussuchen, oder?» Und bei diesem Satz hören Sie ihn bestimmt auch schon, den typischen Irving-Sound.

Thomas Winslow und seine Frau Constance haben vier Töchter. Faith, Hope und Prudence sind exakte im Abstand von zwei Jahren geboren. Zwei Jahre nach der Geburt von Prudence sah es ganz danach aus, als hätten die Winslows genug vom Kinderkriegen. Als Prudence, die jüngste Tochter fünf Jahre alt war, liessen die Winslows das dritte Kindermädchen ziehen. Die Kindermädchen waren allesamt Waisen. Für Constance und Thomas gehörten sie aber zur Familie. Sie behandelten sie wie ihre eigenen Kinder und die Mädchen sprachen von den Winslows auch als von ihrer Familie. Und dann stellte sich doch noch eine vierte Tochter ein. Die Winslows nannten sie Honor, also Ehre. Obwohl ihre eigenen Töchter eigentlich alt genug waren, um auf Honor aufzupassen, holten die Winslows, wie es ihre Familientradition wollte, auch für Honor eine Waise als Kindermädchen. Sie mussten ihr viertes Kindermädchen eine ganze Weile suchen und landeten schliesslich im Waisenhaus von St. Cloud’s in Maine. Auf diese Weise beschert uns John Irving ein Wiedersehen mit Dr. Wilbur Larch, dem Leiter des Waisenhauses.

Schwester Edna hörte die Winslows klopfen und ließ sie herein; sie habe sie schon erwartet, sagte sie. Sie führte sie einen Flur entlang; durch die Glasscheiben einer Doppeltür erhaschten sie einen Blick auf Babykrippen und eine Schwester mit einem Baby auf dem Arm. «Schwester Angela kommt gleich, und Dr. Larch auch, sobald er zu Abend gegessen hat. Er ist mit den Kindern im Speisesaal», erklärte Schwester Edna. Sie erläuterte so geduldig die Anlage des Waisenhauses, als würde sie mit einem frisch eingetroffenen Waisenkind reden. Das Gebäude, in dem sie sich befanden, war der Jungenbereich; die Kojen waren oben, ebenso die Waschräume. Im Erdgeschoss, wo die Säuglinge waren, gab es zwei Entbindungszimmer mit chirurgischer Ausstattung. Dr. Larch schlief im Jungenbereich, dort hatte er auch sein Büro. Das Gebäude auf der anderen Seite des Speisesaals war der Mädchenbereich. Die Jungen und Mädchen machten alles gemeinsam, aber das Schlafen und Waschen und Umziehen fand in getrennten Gebäuden statt.
Schwester Edna ließ die Winslows in Dr. Larchs Büro zurück und ging, um dem Arzt Bescheid zu geben. Als Constance die Fußstützen an dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl sah, schaute sie schnell weg. Flüsternd unterhielten sich die Winslows über den Geruch im Raum. Es roch antiseptisch oder irgendwie medizinisch. Constance glaubte, den Geruch zu kennen, konnte ihn aber nicht zuordnen. Ihr wurde davon ein wenig übel.
Das Büro war ein Labyrinth aus Büchern und Gerätschaften, aber der Schreibtisch weckte die Neugier des Lehrers. Herzstück war die Schreibmaschine. Die drumherum verteilten Papierstapel wiesen eine gewisse schriftstellerische Symmetrie auf, eine Ordnung, die Thomas Winslow an Dr. Larchs Briefe erinnerte. In diesem Augenblick trat die Schwester, die sie mit dem Baby gesehen hatten, herein und öffnete ganz automatisch ein Fenster. «Ein wenig Frischluft täte gut. Sie müssen die Winslows sein», sagte Schwester Angela. Thomas stellte sich und Constance vor, und seine Frau fragte nach dem Geruch. «Ach, das ist nur Äther», sagte Angela so leichthin, wie sie hereingekommen war. (Seite 72f.)

Wir wissen natürlich, warum es im Büro von Dr. Larch nach Äther riecht. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich hätte beinahe gesagt, Dr. Larch sei noch derselbe. Aber das stimmt natürlich nicht: Wir begegnen ihm in «Königin Esther» zu einem früheren Zeitpunkt in seinem Leben als in «Gottes Werk und Teufels Beitrag». Larch und seine bedien Krankenschwestern Edna und Angela sind noch jünger und noch kräftiger. Es ist aber zweifellos derselbe Larch. Er begrüsst die Winslows mit den Worten: «Ideal ist nichts hier in St. Cloud’s, aber wir geben unser Bestes.»

John Irving greift nicht nur Dr. Larch auf, wir begegnen in seinem neuen Roman den wichtigsten Motiven aus seinem schriftstellerischen Leben. Wieder spielen «Jane Eyre» von Charlotte Brontë und «Grosse Erwartungen» von Charles Dickens eine grosse Rolle. Esther möchte sich einen Satz aus «Jane Eyre» auf die Brust tätowieren lassen: «Je einsamer ich bin, je weniger Freunde ich habe, je weniger man mir hilft, desto mehr will ich mich selbst achten.» Niemand muss den Satz sehen. Wichtig ist, dass Esther ihn sieht.

Später wird Thomas Winslow gemeinsam mit seinem Enkel Jimmy «Grosse Erwartungen» von Charles Dickens lesen. Ein Satz ist ihm dabei besonders wichtig: «Der Himmel weiss, dass wir uns unserer Tränen nie zu schämen brauchen, denn sie sind Regen auf den blindmachenden Staub der Erde, der sich auf unseren harten Herzen ablagert.» Die gemeinsame Dickens-Lektüre mit Jimmy hat eine Folge, die Thomas Winslow nicht vorsehen konnte: Jimmy will Schriftsteller werden.

Jimmy erinnert in einigem an T.S. Garp und damit natürlich an John Irving selbst. In der Schule beginnt Jimmy mit Ringen, ist darin aber nicht sonderlich gut. Immerhin lernt Jimmy von Coach Ted (wie vermutlich John Irving es von seinem eigenen Coach gelernt hat), «auf seine Technik zu achten», wie Irving schreibt. Jimmy ist (wie Irving selbst) nicht schlecht im Ringen, aber auch nicht wirklich gut.

Coach Ted machte ihm keine Illusionen. Er war offen mit ihm, was Jimmys Chancen als Ringer jenseits der Schulliga anging. Nicht schlecht oder ziemlich gut – das würde für die nächste Stufe nicht reichen, sagte er dem Jungen. Bei Arnauds Abschlussfeier ermutigte ihn Coach Ted, tatsächlich der Schriftsteller zu sein, der er einmal werden wollte. «Wenn du das hier einmal hinter dir lässt, Jimmy, und das wirst du, dann halt dich ans Schreiben. Halt dich ans Schreiben, so wie ein Ringer sich ans Ringen halten würde», sagte Ted. (Seite 199)

John Irving hat immer wieder gesagt, dass ihm die Erfahrung aus dem Ringen beim Schreiben geholfen habe. Das Dranbleiben, das Nicht-Aufgeben – und das «auf seine Technik achten», wie Coach Ted es ausdrückt. Auch in einem weiteren Punkt macht sich Jimmy auf die Spuren seines Autors: Er wechselt 1963 für sein Auslandjahr von der University of New Hampshire nach Wien. Auch John Irving kam 1963, als 21-Jähriger, nach Wien, um ein Jahr lang am Institut für Europäische Studien zu studieren und Deutsch zu lernen. Seine Erlebnisse hat er in seinem ersten Roman «Lasst die Bären los» verarbeitet – und greift jetzt wieder darauf zurück, indem erJimmy Winslow das Wien der 60er-Jahre samt Antisemitismus erleben lässt.

John Irving lässt seine Figuren also auf seinem eigenen Lebenspfad wandeln. Nicht nur örtlich, sondern auch, was die Lektüre betrifft. So entdeckt Jimmy Winslow, als er sechzehn Jahre alt ist, das «Tagebuch der Anne Frank». Irving schreibt:

Für den jungen James Winslow war Das Tagebuch der Anne Frank das erste Buch, das ihn zum Weinen gebracht hatte, auch wenn es kein Roman war. Es berührte ihn ebenso wie die Romane des 19. Jahrhunderts, die er so liebte. (Seite 210)

Man darf annehmen, dass es ihm selbst ebenso ergangen ist.

Königin Esther dreht sich also zunächst um das jüdische Waisenmädchen Esther, das die Winslows als Kindermädchen für ihre jüngste Tochter Honor zu sich nehmen. Esther und Honor schliessen einen Pakt: Sie beschliessen, gemeinsam ein Kind zu haben. Dieses Kind ist Jimmy.

«Es ist mein Baby, aber er oder sie wird Honors Kind sein», sagte Esther gleich als Erstes. «Wenn es ein Junge wird, heißt er James oder Jimmy, und wenn es ein Mädchen wird, heißt sie Esther, wie ich!», fügte sie stets hinzu. Sie trug keinen Ring an ihren langen Fingern. Esther machte nicht nur deutlich, dass sie nicht verheiratet war, sie brachte auch ihre Zweifel darüber zum Ausdruck, ob sie es je sein würde. «Ehe und Mutterschaft sind für mich nicht vorgesehen. Ich will niemandes Frau sein oder Mutter», sagte sie rundheraus. «Ich will nur wissen, wie es ist, schwanger zu sein und ein Kind zu bekommen. Ich will das einfach mal ausprobieren», fügte sie hinzu. (Seite 159)

Um Jimmy, seine Suche nach seiner leiblichen Mutter, seiner Identität als Schriftsteller und als Mann dreht sich der zweite Teil des Buchs. Vor allem aber enthält die Erzählung immer wieder typische Irving-Stellen. Es ist ein ganz bestimmter Ton, eine Art, über Körperlichkeit, Geschlecht, Identität und Umgang der Menschen zu sprechen und zu schreiben, die den Irving-Sound ausmacht. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Esther fragt sich, ob Jimmy beschnitten werden soll. Das führt zu Ausführungen über die Geschichte der Beschneidung und Dialogen darüber, wie man sie nur bei Irving findet.

Esther erinnerte sich daran, wie in St. Cloud’s die Krankenschwestern nachgesehen hatten, ob die kleinen Penisse der männlichen Babys nach der obligatorischen Beschneidung gut verheilten. Damals wurden alle Jungen, die in St. Cloud’s geboren wurden, beschnitten, weil sich Dr. Larch an seine Schwierigkeiten im Ersten Weltkrieg erinnerte, als er unbeschnittene Soldaten «gegen dies und das» behandelt hatte. Esther gab das Streiten einfach auf.
«Ich weiß genau, was das war, ‹dies und das›: Geschlechtskrankheiten!», rief Honor Winslow. Alle in der Bücherei hörten es.
Esther meinte, sie fühle sich wohler beim Gedanken an eine medizinische Beschneidung als an eine Brit-Mila-Zeremonie. «Wenn schon jemand meinem Baby die Vorhaut abschneidet, dann soll das ein Arzt tun, kein Mohel», sagte Esther. Vollends aus der Fassung brachte sie die Tatsache, dass die Vorhaut begraben wurde. «Wenn eine Vorhaut wichtig genug für eine Beerdigung ist, dann sollten sie sie doch lieber gleich dranlassen!», verkündete Esther.
Constance las zwanghaft alles, was sie in den vermaledeiten medizinischen Zeitschriften zur Beschneidungsgeschichte fand, bis ein Artikel dem ein Ende setzte. 1935 schrieb ein gewisser Dr. R.W. Cockshutt im British Medical Journal, alle Jungen müssten als Anreiz zur Keuschheit beschnitten werden. Constance war so aufgebracht, dass sie sich mit Naomi Rosenthal darüber unterhielt. «Er heißt tatsächlich Cockshutt!», sagte sie.
«Das mit der Beschneidung ging mit Abraham los. Gib ihm die Schuld, nicht diesem Cockshutt», sagte Naomi Rosenthal nur. «Was die Beschneidung als Bund zwischen Gott und Abraham angeht, ist Esther so wenig praktizierend, wie man es als Jüdin nur sein kann. Ich liebe diese Frau!», rief Naomi.
Als Jimmy Winslow aus dem Krankenhaus nach Hause kam, stillte Esther ihn noch. Honor wechselte die Windeln und kümmerte sich um den kleinen Penis. «Das ist Sache der Mutter. Ich hab’s nicht so mit winzigen verletzten Penissen», sagte Esther. (Seite 165f.)

Das ist typisch Irving, und zwar inhaltlich und vom Ton her. Typisch Irving ist im neuen Roman auch, dass er bedingungslos Partei für jene Menschen ergreift, die in der Minderheit sind, die Ausgestossenen, die gesellschaftlich am Rand stehen. Er macht das, indem er Esther als starke Frau zeichnet, die unbeirrt ihren eigenen Weg geht.

Die vier Töchter der Winslows planten nicht so weit voraus bis ins Altersheim. Anders als ihre Eltern konnten sie sich sehr gut vorstellen, wie Esther Nazis jagte. «Unsere Esther ist nicht von der neutestamentarischen Sorte. Sie kauft niemandem die Bergpredigt ab, und sie hat es auch nicht so mit dem Matthäus-Evangelium», verkündete Faith. «Dieser Mist mit der anderen Wange ist nichts für Esther. Sie ist eher so der Typ ‹Auge um Auge›!», erklärte Hope. «Unsere Esther ist nach der Ester im Alten Testament benannt. Als Haman eine Verschwörung anzettelt, um die Juden zu vernichten, zögert diese Ester nicht, Rache an ihm zu nehmen», sagte Honor, und wieder dachten ihre Schwestern, was für eine gute Leserin sie doch war. Die Esther, die Honor kannte und liebte, war von der alttestamentarischen Sorte. (Seite 167f.)

Die Esther, die ich kennengelernt habe und jetzt liebe, ist von der Irving-Sorte. Esther und Jimmy reihen sich ein in die etwas schrulligen, aber umso liebenswürdigeren Irving-Hauptfiguren wie Owen Meany, Homer Wells, Wilbur Larch und Adam Brewster. Esther ist nicht die erste weibliche Hauptfigur, diese Ehre hatte Ruth Cole in «Witwe für ein Jahr». Und Esther ist schon gar nicht die erste starke Frau, die Irving portraitiert, denken Sie nur an die Mutter von Garp, die pragmatische Krankenschwester Jenny Fields. Vor allem aber steckt in all seinen Figuren eine gehörige Portion John Irving. Deshalb liebe ich auch seinen neusten Roman.

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John Irving ist bereits 83 Jahre alt und in seiner neuen Geschichte geht es zurück nach St. Cloud. Eine wirkliche Fortsetzung ist aber eigentlich nicht. Thomas Windslow holt Esther aus dem Waisenhaus. Ihre Eltern sind nicht mehr, die Mutter von Antisemiten getötet. Thomas Windslow selbst kein Jude, kann ihr nichts über das Judentum beibringen. Esthers Geschichte ist spannend und ganz in Irving Manier. Irgendwann tritt aber Windslows Geschichte in den Vordergrund - diese hat mich leider nicht sehr abgeholt. Man konnte keine richtige Beziehung zum Charakter aufbauen. Nicht ganz so erfolgreich wie seine vorigen Romane, meiner Meinung nach.

4 stars
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Das ist mal wieder ein typischer John Irving. Seine ganzen Themen sind hier versammelt: Abtreibung, Adoptionen, Waisenhäuser, Neuengland und seine Geschichte, Maine ... Es ist eine Freude, dieses Buch zu lesen, auch wenn es sehr verschachtelt erzählt ist und manchmal etwas lang erscheint. Dennoch ist John Irving ein großer Geschichtenerzähler. Selbst Dr. Wilbur Larch tritt hier wieder auf. Hauptsächlich ist es aber die Geschichte von James Winslow und seinen zwei Müttern. Der begibt sich auf die Suche nach seiner biologischen Mutter nach Wien ...
An die alten großen Werke kann dieser Roman nicht heranreichen, aber wer John Irving mag, wird auch dieses Buch mögen.

4 stars
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Der amerikanische Schriftsteller John Irving schreibt seit bald sechs Jahrzehnten Bücher. Sein Debüt "Lasst die Bären los" ist 1968 erschienen, weitere bekannte Werke sind z.B. "Gottes Werk und Teufels Beitrag" oder "Witwe für ein Jahr". Auch ich kenne den Autor und einige seiner Bücher schon seit mehreren Jahrzehnten. Vor diesem Hintergrund schreibe ich auch diese Buchrezension: als eine, die schon mehrere Werke von ihm gelesen hat, dadurch die Möglichkeit hatte, auch in dem neuesten Buch "Königin Esther" wiederkehrende Muster und Themen zu bemerken und die grundsätzlich dem Autor und seinem Werk wohlwollend gegenüber steht.

Wer den Autor kennt, weiß, wie er schreibt: sehr ausufernd, mit vielen Details und unkonventionellen Charakteren, die gesellschaftliche Normen durchaus in Frage stellen und sich ungewöhnlich verhalten. Themen wie das Recht auf Abtreibung, Waisenkinder, queere Liebe, sehr liberale Vorstellungen von Partnerschaft, Liebe und Sexualität, Ringen, Männer abseits der verbreiteten Schönheitsideale, die Stadt Wien und Charaktere, die selbst schriftstellerische Ambitionen haben, kommen in Werken von John Irving immer wieder vor. Wenn man sich mit der Biografie und Familiengeschichte des Autors beschäftigt, zeigen sich auch hier viele Verbindungen zu seinem persönlichen Leben auf: so hat der Autor selbst Geschwister, die homosexuell sind, Ringen war für ihn als junger Mann ebenfalls von großer Bedeutung und er scheint prägende Jahre in Wien verbracht zu haben.

"Königin Esther" führt nun viele diese Themen und offenen Fäden weiter und zusammen. Wir begegnen einer sehr unkonventionellen amerikanischen Familie Anfang des 20. Jahrhunderts, die "Au-Pair-Mädchen" für die Kinderbetreuung ihrer zahlreichen Töchter sucht. Die "Au-Pair-Mädchen" werden gut behandelt und Teil der Familie. Sie alle stammen aus Waisenhäusern, eines davon, das letzte Au-Pair-Mädchen für die jüngste Tochter Honor, wird Esther sein, die im Waisenhaus von Dr. Larch (diese sind aus "Gottes Werk und Teufels Beitrag bekannt") aufgewachsen ist, deren Mutter ermordet wurde, als sie ein Kleinkind war, und die weiß, dass sie jüdischer Abstammung ist.

Auch Esther wird ein Teil der Familie und sie wird sogar ein sehr unkonventionelles Arrangement mit Honor eingehen: da Esther eine Schwangerschaft und Geburt erleben, aber keine Mutter sein will, während Honor gerne ein Kind, aber keinerlei sexuelle Beziehung, hätte, vereinbaren die beiden Frauen, dass Esther für Honor ein Kind bekommt, das sie dieser überlässt: es wird der Junge Jimmy. Dieser wird, wie besprochen, von Honor und im Kreise der Verwandtschaft aufgezogen, während Esther sich nach einem kurzen Aufenthalt in Wien bald nach Israel begibt, um sich dort um "ihre jüdischen Angelegenheiten" in Zusammenhang mit dem Kampf für den neu entstehenden Staat Israel zu kümmern, jahrzehntelang.

Jimmy wird als junger Mann einige Zeit in Wien verbringen und währenddessen auf Anraten der Familie (um sich einer Einberufung in den Vietnamkrieg zu entziehen) ebenfalls in einer sehr unkonventionellen Konstellation, gemeinsam mit einem lesbischen Paar aus den Niederlanden, Vater einer Tochter werden.

Welche Themen verhandelt dieses sehr umfangreiche Buch neben den oben erwähnten? Jedenfalls spielen die Anfangsjahre des modernen Israels und die Frage, ob und wodurch man jüdisch wird und welche Rolle biologische Abstammung vs. soziale Elternschaft spielen, eine große Rolle. Diese Themen waren für mich beim Lesen auch sehr interessant.

Zwischendurch hatte das Buch aber einige große Längen aufzuweisen, die für mich das Lesen insbesondere im Mittelteil etwas zäh gestaltet haben. Gefühlt eine Ewigkeit lang hält sich der junge Jimmy in Wien in einer WG auf und es geht die ganze Zeit gedanklich um Sex und um den von der Familie empfohlenen Plan, schnellstmöglich eine Frau zu schwängern - und das als in dieser Hinsicht völlig unerfahrener junger Mann. Überraschenderweise gelingt dieses Vorhaben dann aber dennoch auf Anhieb, so wie auch bei Esther Ende 30. Man darf hier und auch an so manchen anderen Stellen keinen zu hohen Anspruch an den Realismus des Beschriebenen anlegen.

Was hingegen Esther genau in Israel in Verbindung mit Hagana und Mossad macht, wird immer nur kurz angedeutet. Hierüber hätte ich gerne mehr erfahren, das wäre interessant für mich gewesen. Wären manche Stellen im Buch also ausführlicher erzählt, während einiges andere gekürzt worden wäre, hätte es mir insgesamt noch deutlich besser gefallen.

Dennoch ist es in Summe ein lesenswertes, unterhaltsames Buch mit liebenswerten Charakteren, das ich insbesondere den Fans von John Irving, die seine Schreib- und Erzählweise kennen und schätzen, empfehlen kann.

3 stars
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Es ist durchaus interessant, einmal „einen Irving“ zu lesen, dennoch werde ich wohl keine erklärte Freundin dieser Art von Literatur werden.

3 stars
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5 stars

Ich habe lange gezögert diesen Band zulesen, aber John Irving hat mal wieder ein Meisterwerk abgeliefert. Im Text habe ich alle meine Lieblingsbücher des Autors wiedergefunden: Gottes Werk und Teufels Beitrag, Garb, Owen Meany, Bis ich dich finde und Das Hotel in New Hampshire.

Die ersten Kapitel waren harte Arbeit. Nach 75 Seiten hatte ich mich wieder eingerichtet und konnte genießen.
Für Menschen, die den Autor noch nicht kennen, rate ich eines der o.g. Bücher als Einstieg.

Die Charaktere sind wieder absolut besondere Menschen, in außergewöhlichen Umständen, die Extremes erleben.

Die geschichtliche Dimension ist absolut aktuell. Da aus für mich völlig neuer Persektive erzählt wird, wurde historisches Schulwissen lebendig und schmerzhaft.

Dazu passt ein Zitat aus den ersten Seiten: "Kern seines Glaubens an Literatur (war): Wenn ihr in der Lage seid, euch in andere hineinzuversetzen, kann euch das zu besseren Menschen machen"

5 stars
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3 stars
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3 stars

Viel zu viele Längen


Ich habe viele Bücher von John Irving gelesen und geliebt,  andere mochte ich nicht. Dieses gehört eher zu der zweiten Kategorie.

Die Geschichte von Esther, Jimmy und den Windslow,'s fand ich intetessant und unterhaltsam.  Die Figuren sind wie immer skurril. Der Schreibstil typisch John Irving. Die Titelgeberin "Königin Esther " macht sich jedoch im Verlauf des Buches etwas rar.

Den Lesefluss gestört haben die langen ausschweifende Seiten über Judentum,  Beschneidungen, Antisemitismus und Zionismus. Viele Seiten habe ich nur quer gelesen.  Schade,  ich hatte mich auf dieses Buch gefreut.

3 stars
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4 stars

Das Buch ist sehr typisch für den Autor. Als Leser frage ich mich öfter, warum verzettelt er sich jetzt hier und weicht so weit von der eigentlichen Geschichte ab? Aber tatsächlich werden alle Fäden wieder aufgenommen und zeichnen ein fein ziseliertes Bild. Die Geschichte zieht sich über viele Jahrzehnte und in jedes Jahrzehnt wird der Leser mit hineingenommen und man fühlt sich dort wohl, weil der Autor so gut beschreiben kann. Ein wunderbares Leseerlebnis, das jedoch ein bisschen Zeit vom Leser erfordert und nichts zum „Drüberweglesen“ ist.

4 stars
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1 star

Irgendwie ist John Irving leider alt geworden - die Story braucht länger als der Name der Rose um in Schwung zu kommen und ich habe das Gefühl, eigentlich kommt sie nie in Schwung. Abgebrochen.

1 star
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Dies war nun mein dritter Versuch mit einem John Irving-Roman und ich komme zu der Erkenntnis, dass der Autor einfach nichts für meinen Lesegeschmack ist. Obwohl das Grundsetting um die Familie Winslow durchaus Potential hat, bleibt mir jede einzelne Figur fremd. Auch der Fokus auf James und eben nicht die titelgebende Esther verwirrt mich.
Warum ich trotzdem zwei Sterne gebe: dank des Buches habe ich nun endlich Jane Eyre gelesen und das hat mir richtig gut gefallen.

2 stars
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Ein typischer Kohn Irving mit all seinen Themen. Neuengland unreine Geschiche, Wsisenhäuser, Adoption, Abtreibung.
Die Geschichte von James Winslow und seinen zwei Müttern ist absolut lesenswert.

5 stars
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Irving enttäuschte mich bei diesem Buch. Ich fand keinen Zugang. Ich kann mich dem Kritiker des NDR nur anschließen:: Eine klare Geschichte ergibt sich (…) nicht. Es fehlt mir der typische Erzählstil Irvings. Ich habe abgebrochen, das Buch lässt mich ein wenig ratlos zurück. Schade.

1 star
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Ich bin Fan des Autors seit seinem ersten Buch und freue mich auf jede Neuerscheinung. Leider hat mich dieser Roman sehr geärgert. nahezu die gesamte erste Hälfte ist gar nicht geschrieben wie ein Roman, sondern wirkt wie eine willkürlich zusammensetzte Aneinanderreihung von Informationen. Als hätte er bei Wikipedia kopiert und in den Roman eingefügt. Grauenhaft. "Königin Esther", die titelgebende Hauptperson - bleibt im Schatten, blass - und kommt kaum vor. Was schade ist, denn die Andeutung ihres Charakters birgt viel Potenzial.
Ihr Sohn (der von ihr geboren, aber von einer Stiefschwester aufgezogen wird), reist als junger Mann nach Wien, um seine Mutter zu finden. Hier ist ein Romanteil entstanden, der so klingt, wie der Irving, den ich liebe: witzig, klug und wild.
Aber das reicht leider nicht. So schade.

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Königin Esther
von John Irving

Als Irving Fan ein muss - wobei ist diesmal etwas schwanke, was meine Begeisterung betrifft.

Die Geschichte spielt während eines ganzen Jahrhunderts auf drei Kontinenten.
Jimmy Winslow, der Protagonist, der nicht nur eine Mutter hat. Da ist Honor, die ihn aufgezogen hat in New Hampshire. Als Student macht er sich dann im Wien der Sechzigerjahre auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter Esther. Ihre Spur führt ins britische Mandatsgebiet Palästina,

Die Mütter, die Frauen seiner Generation, Geschichte, Judentum… soviel, manchmal war es mir etwas zu viel.

3 stars
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Im Prinzip nichts neues, von Irving"der kleine Vater, der Lehrersjunge, die nicht vorhandene, leibliche Mutter. Und doch, jedes Mal wieder von neuem spannend, herrlich zum lesen, ein Buch zum eintauchen und erst wieder an die Oberflächle kommen, wenn die letzte Seite gelesen ist. Ich liebe Irvings Romane!

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Die Geschichte beginnt von Constanze und Thomas Winzlow und ihrer Familie aus New Hampshire zu erzählen. Ihre 4 Töchter werden von Jugendliche aus dem Waisenhaus betreut. Das jüngste Kind wird von Esther, die mit 14 Jahren zu ihnen kommt betreut. Esthers Eltern waren Juden und sind auf tragischer Weise ums Leben gekommen.
Wir erfahren viel über das Waisenhaus, über das Judentum und über das Sexualverhalten der einzelnen Schwestern und über Leute, die in diesem Roman vorkommen.
James wird geboren und hat 2 Mütter, Esther seine leibliche Mutter und Honor, die Mutter, die in aufzieht und erzieht. Honor ist die jüngste Tochter von Constanze und Thomas Winzlow.
In den 60 ziger Jahren kommt in Amerika ein Gesetz raus, das Männer mit einem oder mehreren Kindern, in einem Kriegsfall, nicht eingezogen werden. Also wollte James Mutter Honor, daß James als Gaststudent in Wien eine Frau schwängert und das Kind dann zu sich nehmen darf.

In Wien wohnt James in der Pension bei Frau Holzinger mit noch 2 weiteren Studenten zusammen. Mit Claude aus Frankreich und Jorlande aus den Niederlanden.

Die 2. Hälfte der Geschichte, als es um James geht, las sich für mich einfacher und interessanter.
Ich habe den Roman gern gelesen, aber vieles war mir zu langatmig geschrieben. John Irving ist einfach ein guter Erzähler.

3 stars
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Ein fantastischer Roman, Irving ist zurück. Wunderbar erzählt, spannende Geschichte(n) und Charaktere, wobei der Wien-Aufenthalt etwas zu ausführlich geraten ist.

5 stars
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„Königin Esther“ von John Irving ist im November 2025 im Diogenes Verlag erschienen, übersetzt von Peter Torberg und Eva Regul. Als großer Fan von John Irving habe ich diesem Buch regelrecht entgegengefiebert! Und es fühlt sich tatsächlich ein wenig an wie nach Hause zu kommen: Maine, Wien, Ringer, eine ungewöhnliche Familie, skurrile Figuren, Schriftsteller (allen voran Dickens!) und sogar Dr. Larch, das ganze Paket für uns Leser:innen! Nur die Bären fehlen…

Jimmy Wilson, die eigentliche Hauptfigur, hat zwei Mütter: Esther, seine biologische Mutter, und Honor, die ihn aufzieht und in deren Familie Esther als Au-Pair-Mädchen tätig war. Jimmys großer Wunsch ist es (na klar!), Schriftsteller zu werden, und so führt ihn sein Weg in den Sechzigerjahren nach Wien, wo er – ganz nach gewohnter Irving-Manier – reichlich skurrile Erlebnisse hat und ebenso ungewöhnliche Menschen zu seinen Weggefährt:innen werden.

Ich hatte viel Spaß beim Lesen, endlich ein neuer Irving! Dennoch bin ich zwischendurch immer mal wieder aus dem Lesefluss geraten. Die Geschehnisse werden teilweise sehr kleinschrittig und ausschweifend erzählt, dann jedoch wieder in größeren Sprüngen und nicht immer chronologisch. Das hat es an manchen Stellen für mich etwas zäh werden lassen. Aber Irving hat es immer wieder geschafft, mich zurückzuholen, z.B. durch so skurrile Ideen wie den Versuch von Honor, für ihren Sohn eine möglichst schlimme Knieverletzung herbeizuführen, damit er nicht in den Krieg ziehen muss. Als das nicht klappt, hat sie noch eine andere Idee.
Auch die Erwähnung meines Lieblingszitats sowie des (leicht gekürzten) Schlusssatzes aus „Große Erwartungen“ hat mich wieder versöhnt.
Ganz nebenbei bietet Irving noch reichlich Zahlen und Fakten zu geschichtlichen und hochaktuellen politischen Themen, was mich ebenfalls sehr angesprochen hat.

Alles in allem ist es für mich ein typischer Irving mit kleineren Schwächen, aber viel Vertrautem!

4 stars
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