Da, wo ich dich sehen kann
Roman. »Ein tief berührender, sehr klarer Roman über einen Femizid — aber gleichzeitig ein Buch über das Weiterleben.« NDR Buch des Monats
von Jasmin Schreiber
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Erscheinungstermin 31.10.2025 | Archivierungsdatum 16.02.2026
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Zum Inhalt
Ein Roman über das Echo von Gewalt, über strukturelles Versagen - und darüber, wie eine Gemeinschaft ins Wanken gerät, wenn ein Femizid alles erschüttert. Erzählt aus mehreren Perspektiven entfaltet sich das Panorama einer Familie im Ausnahmezustand und einer Gesellschaft, die dem strukturellen Kern der Gewalt noch immer ausweicht.
Die neunjährige Maja wächst in einer zerrütteten Familie auf - ein tyrannischer Vater, eine liebevolle, aber unterdrückte Mutter, dazwischen viel Schweigen und Dinge, die ihr keiner erklärt. Als Frank, Majas Vater, ihre Mutter tötet, reißt er ein Loch in die Welt - für Maja, aber auch für alle anderen, die zurückbleiben.
Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr, wie es war: Zwischen Trauer, Sorgerechtsstreit und Bürokratie wird Maja zum Spielball und verliert inmitten von Anträgen und Zuständigkeiten ihre Familie, ihr Zuhause, das Gefühl von Sicherheit und die Gewissheit, zu wem sie gehört.
Ihre Patentante Liv wird Majas einziger Lichtblick: Liv arbeitet als Astrophysikerin und begeistert Maja für die Wunder des Universums. Gleichzeitig ringt sie mit eigenen Unsicherheiten, alten Ängsten und der Überforderung, plötzlich Verantwortung übernehmen zu müssen. Und doch wachsen Liv und Maja zusammen: beim Blick durchs Teleskop und beim Versuch, im endlosen Weltraum Antworten zu finden, die ihnen niemand sonst geben kann.
Die erste Auflage erscheint exklusiv mit wunderschönem Farbschnitt
Ein Roman über das Echo von Gewalt, über strukturelles Versagen - und darüber, wie eine Gemeinschaft ins Wanken gerät, wenn ein Femizid alles erschüttert. Erzählt aus mehreren Perspektiven entfaltet...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783847902232 |
| PREIS | 24,00 € (EUR) |
| SEITEN | 432 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Buchhändler*in 1181627
Ein bewegendes und aufrütteltes Buch das noch lange nachwirkt!
Ich habe schon alle Bücher der Autorin gelesen und mag ihren Schreibstil sehr!
Diesmal rüttelt sie mit dem Thema häusliche Gewalt auf und schafft es trotzdem, das man das Buch mit einen zwar nachdenklichen aber positiven Gefühl zuklappt.
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1426545
Wow, wichtig, relevant, toll geschrieben, emotional, aufwühlend, wütend machend. Auch ein wenig schmerzvoll. Das Buch tat weh, auf angemessenste Art und Weise.
Julienne S, Buchhändler*in
Wie auch schon bei Mariannengraben, hat mich Jasmin Schreiber auch hier absolut überzeugt. Sie schreibt hier so eindrücklich und emotionsgeladen, richtig authentisch über Femizide. Das Thema hat mich sehr mitgenommen und dennoch Hoffnungsvoll zurück gelassen. Meine Augen blieben auf jeden Fall nicht trocken, denn die Wahrheit in diesem Buch ist einfach so schockierend und das Thema so wichtig. Man merkt wie viel Recherche in diesem Buch steckt und wie wichtig ihr dieses Thema war.
Ein großartig ausgearbeitetes Buch über die Hinterbliebenen von Femiziden.
Lehrende*r 1197203
Da, wo ich dich sehen kann zu bewerten, ist mir wahnsinnig schwergefallen – nicht, weil es kein gutes Buch wäre, sondern weil es so weh tut. Dieser Roman ist traurig, erschütternd und gleichzeitig unglaublich eindringlich. Er hat mich tief gepackt und wird mir noch sehr lange im Kopf und im Herzen bleiben.
Im Zentrum steht die neunjährige Maja, die in einer Familie aufwächst, in der Gewalt, Schweigen und Angst den Alltag bestimmen. Als ihr Vater ihre Mutter tötet, zerbricht nicht nur Majas Welt, sondern auch die aller anderen Beteiligten. Was folgt, ist kein klarer Neuanfang, sondern ein langsames, schmerzhaftes Auseinanderfallen: Behörden, Sorgerechtsfragen und formale Abläufe ersetzen Nähe, Schutz und Zugehörigkeit. Besonders beklemmend ist, wie sehr Maja in all dem übersehen wird – als Kind, das trauert, ohne dass jemand die richtigen Worte oder den Raum dafür findet.
Ein leiser Hoffnungsschimmer ist Majas Patentante Liv. Durch sie öffnet sich ein anderer Blick auf die Welt – auf das Universum, auf Sterne und unendliche Weiten. Diese Momente sind zart und tröstlich, ohne die Schwere der Geschichte zu relativieren. Liv selbst ist dabei keine strahlende Heldin, sondern eine Figur mit Ängsten, Zweifeln und Überforderung, was die Beziehung zwischen ihr und Maja umso ehrlicher macht.
Besonders stark ist der Roman in seiner multiperspektivischen Erzählweise. Er zeigt, wie ein Femizid nicht nur ein einzelnes Leben auslöscht, sondern ganze Strukturen ins Wanken bringt – Familien, Freundeskreise, Institutionen. Die Gewalt hallt nach, und das strukturelle Versagen wird schonungslos sichtbar, ohne je sensationslüstern zu wirken.
Da, wo ich dich sehen kann ist kein leichtes Buch und kein Buch, das man „gerne“ liest. Aber es ist eines, das wichtig ist. Eines, das bleibt. Für mich trotz – oder gerade wegen – seiner Schwere ein 5-Sterne-Roman, den ich nicht vergessen werde.
Maja lebt jetzt bei ihren Großeltern. Sie kämpfen gerade um das Sorgerecht. Ganz langsam hat sich das aufgebaut, über Jahre hat er ihre Mutter physisch und psychisch manipuliert und terrorisiert, immer wieder geschlagen. Nun ist ihre Mutter tot, ermordet von ihrem eigenen Ehemann, von Majas Vater.
Jasmin Schreiber erzählt die Geschichte dieser Familie aus mehreren Perspektiven: der 9jährigen Maja, der Großeltern, der besten Freundin. Emma selbst gibt Einblicke in die Zeit vor der Tat, in ihre Ehehölle.
Ohne uns Leser zu schonen, zeigt Jasmin Schreiber die Schockstarre der Menschen, die nach einer solchen Tat zurückbleiben. Darunter gemischt werden harte Fakten, Anwaltsschreiben und Gerichtsgutachten, Zeichnungen von Maja, Therapiestunden und schwarze Seiten aus Paralleluniversen.
Auch nachdem ich versucht habe, diese Geschichte sacken zu lassen, fließt sie auch nach Tagen immer noch durch jede Vene, pumpt sich durch meinen Kopf, mein Herz ...
Zerbrochen bin ich nicht an den Schilderungen von Gewalt oder an Emmas Verzweiflung und Schmerz. Auch nicht an der Realität - wer mit offenen Augen durch diese Welt geht, weiß, dass Femizide fast täglich zur kriminellen Statistik zählen. Majas Traurigkeit war unheimlich schlimm, die Situationen, in denen sie sich selbst verletzt um all das noch aushalten zu können.
Aber wirklich zerbrochen bin ich an den schwarzen Seiten, die vor Augen führen, dass ein leises "Stimmt etwas nicht?" , ein kleines "Brauchst du Hilfe?" ganz ganz vielleicht etwas hätte ändern können...
Cornelia L, Beschäftigte*r in der Buchbranche
„Da, wo ich dich sehen kann“ ist ein sehr intensiver, aufwühlender und sehr berührender Roman mit einem leider sehr aktuellen Thema. Ich hoffe, das Buch findet viele Leser*innen und trägt dazu bei, dass wir alle beim Thema häusliche Gewalt aufmerksamer sein werden, damit Femizide verhindert werden können.
S R, Buchhändler*in
Während man beim 'Marianengraben' auch schmunzeln konnte, bleibt einem hier jegliches Lächeln im Halse stecken.
Es geht um einen Femizid und darum, wie die Hinterbliebenen - angefangen mit der 9jährigen Tocher - damit umgehen. Zu Wort kommen Angehörige und die beste Freundin. Dazwischen gibt es Zeitungsartikel und Statistiken.
Sehr heftig, sehr wichtig - LESEN!
Buchhändler*in 1611110
Dieses Buch rüttelt auf, es macht nachdenklich, und lässt einen nicht mehr los. Ein starkes, wichtiges und emotionales Werk, das mich zutiefst berührt hat und das man unbedingt gelesen haben sollte. Es lässt einen wahnsinnig viel fühlen...von Wut bis hin zur Hoffnung.
Ich werde es auf jeden Fall empfehlen!!!
Marie Z, Buchhändler*in
In ihrem neusten Roman „Da, wo ich dich sehen kann“ erzählt Jasmin Schreiber wieder einmal meisterhaft von den weitläufigen Rissen, die ein Verlust in der Familie und Freunden hinterlässt, besonders ein so schrecklicher, und doch alltäglicher, wie dieser.
Maja wohnt seit dem Tod ihrer Mutter bei ihren Großeltern Brigitte und Peer. Der Verlust hat bei ihnen allen seine Spuren hinterlassen. Seit kurzem will Maja nicht mehr in den Spiegel schauen, denn was sie dort in ihrem eigenen Gesicht sieht, kann sie kaum noch ertragen. Die Ähnlichkeit zu ihrem Vater, dem Mörder ihrer Mutter.
Auch Liv, Majas Patentante und beste Freundin ihrer Mutter Emma seit Kindheitstagen, versucht mit diesem Verlust zu leben. Immer wieder fragt sie sich, wie es nur so weit kommen konnte, wieso Emma nie etwas gesagt hat. Doch während sie selbst mit der grausamen Realität dieses Verlustes zu hadern haben, müssen diese drei Erwachsenen auch irgendwie eine Stütze für das kleine Mädchen sein, die nicht aufhören kann, sich die Schuld an dieser Gewalttat zu geben.
„Da, wo ich dich sehen kann“ dreht sich zwar um Emmas Mord durch die Hände ihres Mannes, zeigt aber fast nur seine Auswirkungen auf ihr Umfeld, die Trauer der Familie und ihren Kampf, in dieser neuen, unsicheren Realität Fuß zu fassen. Eine unglaublich wichtige Geschichte, die ein Thema beleuchtet, das so schrecklich ist, dass man sich eigentlich nie damit befassen will, aber trotzdem für so viele Menschen Alltag ist. Es ist ein Buch, das man nicht beenden kann, ohne selber einige Tränen zu vergießen. Keine leichte Kost, aber ein Buch, das Spuren in einem hinterlässt und trotz seiner emotionalen Schwere auch Hoffnung gibt, dass vielleicht sogar durch dieses Buch mehr Menschen genauer hinsehen, hinterfragen und sich Hilfe suchen werden.
Pia Sophie B, Buchhändler*in
Mich hat dieses Buch wirklich sehr berührt. Die Autorin hat dieses ernste Thema wirklich sehr gut umgesetzt!
Vanessa E, Buchhändler*in
Dieses Buch hat mich so sehr zu Tränen gerührt. Und das hat noch kein einziges Buch geschafft. Ich war unendlich traurig, wütend, gerührt.
Ein wichtiges Thema, das die Autorin hier verarbeitet hat und sehr sehr deutlich macht, dass dringend Handlungsbedarf besteht.
Monika F, Buchhändler*in
Ein ganz wichtiges Thema toll erzählt
Seitdem ich von Jasmin Schreiber „Marianengraben“ gelesen habe, bin ich ein absoluter Fan ihrer Bücher. Sie behandelt ganz unterschiedliche Titel, aber alle sind toll zu lesen und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Das Thema Ihres neuen Romans - Femizid - ist für sie eine absolute Herzensangelegenheit. Ich durfte sie bei einer Buchvorstellung zu diesem Buch kennenlernen und war tief beeindruckt, wie viel Wissen sie zu diesem Thema hatte.
Ich muss gestehen ‐ als ich den Klappentext zu dem aktuellen Buch gelesen hatte, war ich erst etwas unsicher, ob ich das Buch auch diesmal lesen wollte. Aber nach der Veranstaltung war mir klar, dass ich das Buch lesen muss! Und da ich den Klappentext eher abschreckend fand, fasse ich das Buch selbst nochmal zusammen:
Schon früh ist in dieser Geschichte klar, dass Emma, die Mutter der neunjährigen Maja tot ist. Erdrosselt von Majas Vater. Und ausgerechnet Maja findet ihre Mutter. Maja Vater kommt ins Untersuchungsgefängnis und Maja zu ihren Großeltern mütterlicherseits. Da die Großeltern nicht in der Nähe ihrer Tochter gewohnt haben, wird Maja aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen. Zum Glück wohnt aber ihre Patentante Liv, die beste Freundin von Emma, gleich in der Nähe. Wir lesen die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektive. Es kommen Maya, ihre Oma Brigitte, ihr Opa Per und die Patentante Liv zu Wort. Jede Person macht sich ihre eigenen Gedanken. Warum ist es ihnen nicht aufgefallen, dass in der Ehe von Emma etwas schief lief? Warum hat Emma keine Hilfe bei ihnen gesucht? Hätten sie den Tod verhindern können? Für Maja ist es aber ungleich schwerer. Sie liebt ihre Eltern beide. Und ausgerechnet der Vater, der alles für sie getan hat, ist jetzt weg. Ist sie schuld daran? Sie hat ihre Eltern so oft streiten gehört. Wäre es nicht passiert, wenn sie sich noch mehr Mühe mit ihren Eltern gegeben hätte?
Zwischen diesen einzelnen Kapiteln gibt es Rückblenden, aber auch fiktive Zeitungsartikeln zu anderen Femiziden. Und besonders berührend fand ich das Einsatzprotokoll der Polizei, wo Maja um 07:42 Uhr angerufen hat, weil sie ihre Mutter leblos auf dem Boden gefunden hat und nicht wusste, was sie nun tun soll.
Ich fand das Buch großartig! Der Autorin ist es so gut gelungen, einzufangen, wie es den einzelnen Menschen in diesem Buch geht. Und wie schwierig es ist, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dies gelingt Liv mit Maja am Besten. Sie hat nämlich Astronomie studiert und kann Maja Geschichten erzählen, die das Mädchen faszinieren, und die ihr Hoffnung geben.
Es ist ein Buch, mit dem Jasmin Schreiber es schafft, uns ein sehr komplexes Thema so zu vermitteln, dass man es versteht. Und doch ist es ein Buch, welches nicht nur traurig ist, sondern die Leser:innen mit einem positiven Blick in die Zukunft entlässt.
Mein momentan absolutes Lieblingsbuch!
Buchhändler*in 695498
Ein fantastisches Buch, das wütend macht aber auch immer wieder Hoffnung schenkt. Jasmin Schreiber schenkt durch die besondere Erzählperspektive allen Opfern eines Femizids eine Stimme: den Hinterbliebenden, den Eltern, der Tochter, der Freundin. Auch die Getötete selbst und die Eltern des Täters bekommen Raum.
Ein Buch, das genau zur richtigen Zeit kommt und einmal mehr Zeit: wir haben noch einen langen vor uns. Absolut lesenswert.
Buchhändler*in 478468
"Da, wo ich dich sehen kann" sollte meiner Meinung nach wirklich jeder lesen. Dieses Buch hält einer Gesellschaft den Spiegel vor, in der Gewalt gegen Frauen an der Tagesordnung ist - ein Teil der Unterhaltungsbranche. Ein feministischer Roman, der Wut und Trauer ebenso weckt wie ein Solidaritätsgefühl unter Frauen. Die Tat selbst steht hier nicht im Mittelpunkt, sondern was danach geschieht. Wie die Familie und das Umfeld mit einem grausamen Femizid umgehen, der für die Welt und die Podcasts nur einer von vielen ist, während sich ihre ganze Welt plötzlich auflöst. Die verschiedenen Perspektiven geben dem Buch eine wunderbare Tiefe und es hat mich sehr beeindruckt, wie die Autorin die Entwicklung der Figuren beschreibt, ohne dabei in schwarz-weiß-Denken zu verfallen. Die Zeitsprünge haben mich allerdings teils aus dem Lese-Fluss geschmissen und manchmal kamen die Wechsel sehr schnell, sodass ich einen Moment gebraucht habe, um mich darauf einzustellen. Das hat dem Gesamteindruck allerdings keinen Abbruch getan.
Die Dramatik des Themas wird einerseits durch Zeitungsartikel betont und drastisch vor Augen geführt, andererseits schafft Schreiber mit kleinen, zarten Momenten einen Gegenpol der Liebe und Familie. Eine wunderbare Leistung. 4,5 Sterne
Ein emotional-aufwühlendes Buch mit wichtigen Hintergrund.
Ich habe es sehr gerne gelesen. Es war sehr feinfühlig erzählt und ich mochte die verschiedene Charaktere.
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Verena N, Buchhändler*in
Tolles Buch. Sehr aufwühlend. Toll, dass dieses Thema so viel Raum bekommt. Manchmal die Charakterentwicklung etwas zu platt und manche Konversationen zu plakativ und kitschig. Aber grundsätzlich ein sehr wichtiges Buch.
Buchhändler*in 1332913
Einfühlsam erzählt Jasmin Schreiber vom Tod Emma's, einer jungen Frau, die sowohl Mutter, Tochter als auch beste Freundin war, bevor sie von ihrem gewalttätigen Mann ermordet wurde. Die Hinterbliebenen versinken in Ungläubigkeit, unendlicher Trauer, in Wut, aber auch in Schuldgefühlen. Femizide sind auch in Deutschland keine Einzelfälle. Wir dürfen nicht wegschauen, wenn eine "tollpatschige" Frau wiedereinmal die Treppe runtergefallen ist, sich am Türrahmen gestoßen hat oder zu oft blaue Flecken am Körper verstecken will. Wir sollten solche Aussagen sensibel hinterfragen und unsere Hilfe anbieten.
Frederike J, Lehrende*r
Nach meiner bestätigten Anfrage haderte ich etwas damit, „Da, wo ich dich sehen kann“ zu beginnen, weil ich große Sorge vor einer inadäquaten Darstellung des höchst komplexen Themas Femizide hatte. Wie soll sich diese Gewalt, diese gesamtgesellschaftliche Dynamik, eine differenzierte Betrachtung dessen literarisch angemessen erzählen lassen, ohne weichzuzeichnen? Ich denke, dass Jasmin Schreiber dahingehend sensibel und bestimmt vorgegangen ist. Der Fokus liegt weit ab vom Täter, was so selten der Fall ist. Geschickt reduziert stellt Schreiber die PTBS Majas und die Auswirkungen der anderen Hinterbliebenen dar. Das Gegengewicht, die heile Welt in Glauburg ist wirklich sehr heil, doch das braucht es vermutlich auch, um die Abgründe als Roman öffnen zu können, ohne dass Lesende abspringen oder abbrechen (müssen). Schreiber vollführt einen Drahtseilakt, der ihr meiner Meinung nach gelingt.
Dorothea E, Buchhändler*in
Absolutes Jahreshighlight!
Jasmin Schreiber hat einfach dieses Gespür Emotionen wiederzugeben. Emma wird von ihrem Ehemann umgebracht und hinterlässt ein schwarzes Loch. Wir erleben nun die Gefühle und Gedanken ihrer Eltern, der besten Freundin und natürlich ihrer Tochter.
Die Charaktere schwanken zwischen Wut, Trauer und vor allen Dingen Schuldgefühlen, denn warum hat denn niemand etwas geahnt?
Besonders nahe geganen ist mir dabei die Sicht der Tochter Maja, die mit viel Liebe aus der Spirale der Schuldgefühle befreit werden muss.
Es ist einfach alles so realistisch, so nah, so nachvollziehbar.
Kein leichtes Thema, aber so wichtig und einfach eine Empfehlung für alle.
Buchhändler*in 1209150
"Männer töten Frauen, weil sie es wollen und weil sie es können."
Kein leichtes aber ein sehr berührendes und wichtiges Buch. Es hat mich tief bewegt und ich habe auch einige Male geweint - danke für das Leseexemplar!
Anne J, Bibliothekar*in
Wir alle haben schon mal Artikel über Beziehungsdramen gelesen, denn häusliche Gewalt ist auch in Deutschland an der Tagesordnung.
Aber was passiert nachdem die Polizei, die Presse und die Gaffer weg sind? Wie gehen die Angehörigen damit um, dass ihre Tochter, ihre beste Freundin, ihre Mutter nicht mehr da ist?
Wie geht man mit den Schuldgefühlen um?
Dieses Buch ist erschütternd. Besonders die Kapitel aus Majas Sicht sollten Triggerwarnungen bekommen, sie gehen wirklich unter die Haut. Die immer wieder eingestreute Statistik, wie häufig so etwas vorkommt, trifft einen von einer ganz anderen Seite. Und so packt einen das Buch und lässt einen nicht mehr los.
Antje W, Lehrende*r
Bedrückender Familienroman
Da, wo ich dich sehen kann, obwohl es dich auf der Erde nicht mehr gibt, ist wohl in einem Paralleluniversum. Da will Maja ihre Mama suchen und ihren Papa, der die Mutter dort liebt und ihr nicht weh tut und sie nicht ermordet.
Ich habe diesen Roman sehr schnell lesen können, obwohl er zum Teil ans Eingemachte geht. Die Tränen saßen ständig locker, denn Jasmin Schreiber konnte das Drama um Maja und ihre Familie unwahrscheinlich vorstellbar beschreiben und darüber erzählen. Der Leser leidet mit.
Ich finde es gut, dass die Autorin das Thema des Femizids hier in Deutschland aufgegriffen hat. Für die meisten Frauen ist es wohl unvorstellbar sich derart von einem Mann behandeln zu lassen und nicht sofort die Reißleine zu ziehen, wenn sich ein Mann so darstellt. Aber ein nicht unbeträchtlicher Teil von Frauen hält aus, um der Kinder Willen, um des Geldes Willen, Angst vor Einsamkeit. Ich weiß es nicht, aber dieses Buch bringt einem das Problem näher, sensibilisiert und macht aufmerksam. Vielleicht hilft es, ähnliche Fälle zu verhindern.
Auch die rechtlichen und vormundschaftlichen Dinge um Maja und ihre Familie werden beschrieben und unaufgeregt und glaubhaft dargestellt.
Der Vater, der Mörder ist trotz seiner Tat kein Monster. Er liebt seine Tochter und lässt zu, dass Maja sich wieder finden wird, in dem er nicht auf dem Sorgerecht seiner Eltern für das Kind beharrt.
Einzig die vielen Aussagen über Therapien als Allheilmittel für Traumata mit Hilfe von Psychopharmaka halt ich persönlich für bedenklich. Aber letztendlich entscheidet jeder selbst.
Ein super Buch, spannend, emotional, aufrüttelnd.
Ein sehr bewegendes Buch,zumal wenn man den Beweggrund kennt,aus dem dieses Buch geschrieben wurde.Es passt gerade zu gut in die derzeitige Stadtbilddebatte.Gewalt gegen Frauen und Femizide geschehen in erster Linie durch Ehemänner,Exmänner,Brüder,Väter.Es ist der enge Kreis in und um die Familie herum,die Frauen fürchten müssen.
Jasmin Schreiber ist durch die multiperspektivische Erzählweise ein sehr facettenreicher und eindringlicher Roman gelungen.
Die Sprache ist einfach gehalten.Wahrscheinlich um es auch jüngeren Leser:innen zugänglich zu machen.
Buchhändler*in 1521169
Ach Jasmin, mit jedem Buch brichst du mein Herz und flickst es wieder von Neuem zusammen. Das war so schön-traurig, dass ich nach Beenden (im Pausenraum bei der Arbeit...I don't recommend) minutenlang still dagehockt bin, mit Gänsehaut auf den Armen. Ich hab mir so viele tolle, berührende Worte angestrichen und werde das diesjährige Weihnachtsgeschäft wohl hauptsächlich damit verbringen, jeder Kundin dieses Buch anzudrehen. L E S E N ! <3
Buchhändler*in 943527
Nicht zum erstenmal richtet Jasmin Schreiber den Blick auf ein Thema, wo wir gern wegsehen wollen.
Anhand der Geschichte eines Mädchens, deren Mutter von ihrem Vater nach langer, qualvoller, toxischer Beziehung ermordet wird, verhandelt das Buch nicht nur diesen einen Mord, sondern die nach wie vor fast unveränderten Strukturen des Femizids.
Nebenbei dürfen wir ein bisschen was über Astrophysik lernen, weinen, weil ein wichtiger Hund stirbt, mit den Protagonisten mitfühlen, die alle glauben, dass sie mitschuldig an dem Mord seien, weil sie nicht richtig hingesehen, hingehört und im entscheidenden Moment nicht genug nachgebohrt haben, uns selbst ein bisschen schuldig fühlen, wenn wir bisher voyeuristisch genug waren, um TrueCrime zu mögen und hoffen nun plötzlich, dass die hier erzählte Geschichte nicht wahr sein möge. Leider ist sie - wahr oder nicht - so nah an der Realität, dass man gern die meiste Zeit weinen möchte.
Dieses Buch möchte ich gern allen Lesern ans Herz legen, auch wenn man hinterher immer noch nicht genau sagen kann, wo aufmerksames Beobachten und Nachfragen endet und übergriffiges Stalken und Bohren anfängt. Das muss man vielleicht immer individuell und situationsabhängig erkennen.
Buchhändler*in 1685571
So ein wichtiges Buch! Es ist schmerzhaft, es macht traurig und wütend und es bleibt einem lange in Erinnerung. Jasmin Schreiber schildert einen Femizid aus den verschiedensten Perspektiven - aus Sicht der Tochter, der Mutter oder der engsten Freundin und zeigt dabei auch die gesellschaftlichen Missstände auf. Ein sehr einfühlsames, authentisches und stark geschriebenes Buch. Denn Femizide passieren jeden Tag und das Thema wird immer noch zu oft totgeschwiegen.
Buchhändler*in 890434
Wieder ein sehr emotionsgeladenes, nahbares Buch zu einem Thema, das leider viel zu häufig vorkommt. Die sensible und zugleich realistischen Annäherung daran haben mir sehr gut gefallen. Die Figuren wirken sehr real und menschlich, insbesondere die neunjährige Maja.
Nicole W, Buchhändler*in
Ich mag ja sowieso alles was Jasmin Schreiber veröffentlicht und so hat mich dieser Roman wieder total umgehauen. Es geht hier um ein sehr schwieriges Thema und zwar dem Femizid an Emma durch ihren Mann. Sie hinterlässt Eltern, ein gute Freundin und ihre Tochter und sie kommen alle zu Wort. Es ist kein leichtes Buch, aber umso wichtiger. Es geht nicht so sehr um den Mord an sich, eher wie es dazu kommen konnte und warum es keiner so richtig gemerkt hat. Natürlich spiet hier Schuld und das Weiterleben damit eine große Rolle. Das Thema ist gerade jetzt so aktuell und jedem zu empfehlen, der sich beruflich damit beschäftigt. Lesen!!!!
Die große Frage, die dieses Buch stellt, ist: Hätte jemand diesen Mord verhindern können? Den Mord an einer Frau und Mutter, ausgeübt von ihrem Mann? Von allen Seiten nähern wir uns damit dem Thema Femizid, mal aus der Sicht der Tochter, mal aus der Sicht der Mutter, des Vaters, der besten Freundin. Nur nicht aus der Sicht des Täters, und das ist gut so. Es ist erschreckend, wie oft Femizide in Detuschland geschehen und wie wenig die meisten darüber wissen. Daher bleibt die Hoffnung, dass ein Buch wie dieses vielleicht dafür sorgt, dass wir alle aufmerksamer werden auf Frauen in Not in unserer Umgebung.
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1567207
Ich habe bereits "Mariannengraben" sehr gerne gelesen und auch diese Buch hat mich nicht enttäuscht. Eine harte Geschichte zu einem leider viel zu aktuellen Thema - Femizid.
Geschrieben aus der Sicht der Hinterbliebenen dieses Verbrechens - den Eltern, der Freundin und der eines Kindes, dessen Vater die Mutter umgebracht hat und das jetzt bei den Großeltern aufwächst. Eine Herausforderung und beileibe kein Feelgood-Roman, aber wichtig und gut.
Buchhändler*in 1231302
Entsprechend der Erwartungen, mal wieder ein Meisterwerk aus Jasmin Schreibers Feder! Vor allem in den aktuellen Zeiten ist das Thema leider immer noch unglaublich wichtig. Berührend und sehr ergreifend!
Rezensent*in 352491
"Da, wo ich dich sehen kann" ist wie die anderen Romane von Jasmin Schreiber wieder sehr gut und einfühlsam geschrieben. Dass ich das Buch dann doch öfter aus der Hand legen musste, liegt am heftigen Thema. Dieser Roman dreht sich um einen Femizid - um die Vorgeschichte des Mordes an Emma und vor allem um die Auswirkungen auf die Hinterbliebenen. Was auch deutlich wird, ist die Ignoranz bzw der Hang zur Verharmlosung durch Gesellschaft und Politik gegenüber des Themas. Auch ohne explizite Gewaltdarstellung fand ich das alles schon recht heftig, aber auch sehr wichtig. Ausgeglichen wird das harte Thema ein Stück weit durch das wirklich liebenswerte Personal, nämlich die Angehörigen, Tochter, Eltern und beste Freundin, aus deren Sicht das Buch kapitelweise wechselnd geschrieben ist.
Keine leichte Kost, aber ein wirklich wichtiges Buch!
Ute G, Rezensent*in
Ein Femizid und seine Auswirkungen
Laut Bundeskriminalamt stirbt in Deutschland im Durchschnitt jeden dritten Tag eine Frau durch Gewalt ihres Partners oder Ex-Partners. Diesmal hat es Emma ‚erwischt‘: 30 Jahre alt, im 5. Monat schwanger, eine Tochter (gerade 9 Jahre alt geworden) und seit ca. 10 Jahren mit Frank verheiratet, der sie mit einem Elektrokabel von hinten erwürgte und ihr dabei büschelweise Haare ausriss.
Nachdem das selbst eingebaute Sicherheitssystem die Tat aufzeichnete, war ein Leugnen sinnlos und Frank wurde zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt.
Wir begleiten danach die Personen, die am meisten durch diese Tat betroffen sind, und lesen jeweils ihre Perspektive:
Maja, die Tochter, die sich die Schuld für das Verbrechen gibt, und sehr viel Angst vor ‚Ranken‘ hat, die sich um ihren Hals legen können,
Brigitte und Per, die Eltern von Emma, die ihre Enkeltochter sofort aufgenommen und vorübergehendes Sorgerecht haben bis das endgültig geklärt ist,
Liv, Naturwissenschaftlerin, die Freundin von Emma und Patentante von Maja, die auch bei Brigitte und Per mit ihrem Hund Chloé einzieht,
später noch die Eltern von Frank.
Dazwischen gibt es Rückblicke auf die Ehe von Emma und Frank und wir erkennen die narzisstischen Persönlichkeitsstörungen bei Frank und seine Manipulationen, auch gegenüber Maja.
Mir hat neben der authentischen Sprache sehr gut gefallen, wie die Geschichte ergänzt wird: mit Kinderzeichnungen, mit Protokollen (z.B. von Majas Anruf bei der Rettungsleitstelle, nachdem sie ihre Mutter gefunden hatte), einigen empathischen Alternativen - auf schwarzem Hintergrund - zu manchen Unterhaltungen während Emma noch lebte, therapeutische Gespräche z.B. zwischen der Kinderpsychologin und Maja. Und –für mich sehr wichtig! – Überlegungen, wie mit dem Thema Femizid besser umgegangen werden kann (z.B. warum Frauen mit ihren Kindern ihren gewohnten Lebensraum verlassen müssen, damit sie in Frauenhäusern geschützt sind, während die prügelnden Ehemänner frei herumlaufen und gewohnt weiterleben können oder auch das Eingehen auf die oft gestellte Frage bei diesem Thema:„Warum geht die Frau nicht einfach?“)
Ja, das Buch hat mich sehr aufgewühlt! (Liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich Mutter und Oma – auch von Mädchen – bin). Sehr sinnvoll (und notwendig) fand ich außerdem die Fürsprache für professionelle Hilfe! (Noch immer besteht hier leider bei vielen noch eine gewisse Skepsis!)
Fünf überzeugte Rezensions-Sterne vergebe ich und möchte es allen ans Herz drücken, die interessiert sind an diesem Thema und sich auch nicht scheuen, sich damit auseinanderzusetzen.
Die Autorin schreibt über Femizid, ein sehr bewegendes Thema und ich war gespannt, was mich erwartet.
Emma wird von ihrem Mann getötet und die 9jährige Tochter Maja findet ihre Mama. Sie fühlt sich schuldig, weil sie ihren Papa.doch liebhat".
Das ist harter Tobak. Ich musste beim Lesen das Buch immer mal wieder zur Seite legen. Es zerreisst einem das Herz. In unterschiedlichen Perspektiven beschreibt die Autorin in recht kurz gehaltenen Kapiteln, wie jeder mit dem unfasbaren Verlust umgeht.
Ich konnte mich gut in die Figuren hineinversetzen und litt mit ihnen mit. Auf der anderen Seite war ich sehr neugierig, wie sich die Handlung entwickelt. Rückblicke aus der Vergangenheit zeigen, wie sich die Situation zwischen Emma und ihrem Mann zugespitzt hat. Gab es Feühwarnzeichen?
Mich hat dieser Roman sehr nachdenklich gemacht und er wird mich noch eine Zeitlang beschäftigen.
DA, WO ICH DICH SEHEN KANN
Jasmin Schreiber
ET: 31.10.25
„Wenn jemand geht, fehlt nicht nur die Person, sondern auch ein Stück von jedem, der bleibt.“ (S. 49)
Emma ist tot. Sie wurde von ihrem Ehemann erdrosselt. Die neunjährige Tochter Maja findet ihre Mutter am Morgen in der Küche. Der Vater, ein angesehener Anwalt, wird verhaftet und schließlich verurteilt.
Maja kommt zu ihren Großeltern mütterlicherseits nach Süddeutschland und besucht dort eine neue Schule. Doch sie zieht sich immer mehr zurück und gibt sich selbst die Schuld am Tod ihrer Mutter.
Auch Liv, Astrophysikerin und Emmas beste Freundin seit Kindertagen, leidet schwer unter dem Verlust. Sie, die nie Kinder wollte, fühlt sich stark zu Maja hingezogen und unterstützt die Großeltern – bis eine weitere erschütternde Nachricht alles verändert …
Häusliche Gewalt erwarten wir oft „in bestimmten Milieus“, fernab unseres eigenen Lebens. Femizid scheint etwas zu sein, das uns nicht betrifft. Und doch nehmen „Meldungen über Ehemänner, die ihre Frauen erstechen, erschießen, erwürgen, verbrennen, zerstückeln oder in Säurefässer versenken“ (S. 151) erschreckend zu.
Jasmin Schreiber hat hier ein unglaublich wichtiges und zutiefst berührendes Buch geschrieben. Allein der Aufbau verdient für mich fünf Sterne: In wechselnden Perspektiven kommen unterschiedliche Figuren zu Wort, sogar Emma selbst erzählt von ihrem Leben mit einem Mann, dem sie es nie recht machen kann, der sie kontrolliert und vor der gemeinsamen Tochter bloßstellt.
Besonders beeindruckt haben mich die drei Kapitel aus der Sicht von Emmas Eltern sowie von Liv, die sich mit der quälenden Frage beschäftigen: Was wäre gewesen, wenn ich besser zugehört und nachgefragt hätte?
Fazit:
Nein, es ist kein Weihnachtsbuch. Aber Weihnachten ist ja auch bald schon wieder vorbei und dann lest dieses Buch UNBEDINGT.
Ein großes #Highlight und eine eindringliche Leseempfehlung!
5+/5
Sabrina N, Buchhändler*in
Hier erfahren wir die Geschichte der kleinen Maja. Ihre Mutter wird von Majas Vater umgebracht. Unvorstellbar wie man so ein Erlebnis verarbeiten soll. Aber die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und ist wunderbar geschrieben. Sehr berührend und trotz der traurigen Geschichte sehr hoffnungsvoll, aber ehrlich erzählt. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich hoffe es findet noch sehr viele Leser.
Ariane B, Rezensent*in
Da, wo ich dich sehen kann
Ein Mann hat seine Frau getötet. Es wird nicht als „Familientragödie“ bezeichnet, sondern klar als Femizid benannt. In Da, wo ich dich sehen kann hören wir das Echo, das in den Hinterbliebenen nachhallt. Der Roman beginnt nicht bei der Tat, sondern in der Zeit danach. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die mit dieser Lücke leben müssen: Maja, die Tochter, Brigitte, die Mutter, Per, der Vater, und Liv, die Freundin. Sie alle stellt sich die Frage: Hätten sie die Tat verhindern können?
Nur der Täter ist schuld
Der vielstimmig erzählte Roman gibt den Hinterbliebenen Raum, ihren Schmerz zu teilen. Liv hängt immer wieder in der Vergangenheit fest und öffnet so ein Fenster zu Emma, der Toten. Deren Wesen lernen wir vor allem durch Erinnerungen und Gespräche kennen. Maja, die neunjährige Tochter, trägt eine kaum erträgliche Last: Sie sieht aus wie ihr Vater, hat gesagt, sie habe Papa lieber, und ist nun überzeugt, dadurch „die Böse“ zu sein. Wie kann sie so liebevoll bei den Eltern ihrer Mutter aufgenommen werden? Wie kann sie sich selbst anschauen, wenn sie aussieht wie ihr Vater, der ihre Mutter getötet hat?
Einige Szenen haben sich mir regelrecht eingebrannt. Das Transkript des Notrufs der neunjährigen Maja hat mich komplett zerstört. Danach folgt die Leichenschau, in der die grausamen Details sachlich beschrieben werden. Im Buch folgen weitere amtliche Dokumente. Über den Tag der Tat kann niemand sprechen. Liv ist ein Star-Trek-Nerd, der Physik und Science-Fiction liebt. Daraus ergibt sich die Idee der Paralleluniversen. Einige der Personen werden sich in ein Paralleluniversum flüchten und ein „Was wäre, wenn“-Szenario durchspielen.
In den Rückblicken, Erinnerungen und Paralleluniversen lernen wir Emma besser kennen. Es ist schmerzhaft mitanzusehen, wie Emma kurz nach Majas Geburt nicht einmal in der Lage ist, all ihre Ängste um ihr Baby auszusprechen. Dazu kommen sprachlich starke Bilder wie das Zitat „Menschen hinterlassen mehr als Erinnerungen, sie hinterlassen schwarze Löcher, die dich gnadenlos anziehen und in den Abgrund reißen, wenn du ihnen zu nahe kommst“, das auch auf dem Buchrücken zu finden ist. Diese schwarzen Löcher stehen sinnbildlich für eine Trauer, die nicht nur traurig, sondern existenziell, schwer und alles verschlingend ist.
Besonders schön fand ich die kurze Perspektive der Hündin Liv, die die Menschen als „Menschlinge“ wahrnimmt: den großen Menschling und den Welpen, der nach Angst riecht. Wenn Maja fragt, ob Mama jetzt bei den Sternen ist, wie Mufasa in „König der Löwen“, und Maja jedoch selbst mit brutaler Ehrlichkeit sagt, dass Mama unter der Erde liegt und verrottet, dann verhärtet sich in ihr eine Vorstellung vom Tod, die kaum Raum für Trost lässt. Gleichzeitig gibt es diese zarten, fast verspielten Details wie Majas Liebe zu Füchsen. Sie hat Anhänger, Lampen und mehr, sodass es immer wieder kleine Inseln der Wärme in einem ansonsten von Contentwarnungen übervollen Buch gibt.
Natürlich gibt es Interaktionen zwischen den Hinterbliebenen, sodass schnell deutlich wird, wie willkommen Liv bei Emmas Eltern ist und wie kalt ihre eigene Mutter wirkt. Livs Mutter wirkt zunächst wie „die Hölle“, eine Frau, die das eigene Kind kaum zu schätzen scheint. Doch je mehr von ihrer Geschichte durchscheint, desto klarer wird, wie sehr auch sie von Erfahrungen geprägt ist, in denen Kinder zu Waffen gemacht wurden und Frauen in Beziehungen leiden mussten.
So viele Tränen, so viel Wut
Meine Lektüre war eine echte emotionale Achterbahnfahrt, doch genauso schlimm und schmerzhaft ist es, einen Verlust zu verarbeiten. Schon nach den ersten Seiten hatte ich einen dicken Kloß im Hals und mir liefen immer wieder Tränen über das Gesicht. Ich habe das Buch im Dezember begonnen, musste es dann aber über Weihnachten und Neujahr zur Seite legen, weil ich diese Trauer in den ruhigen Tagen nicht aushalten wollte. Immer wieder gab es Momente, in denen ich dachte: „Jetzt muss es doch leichter werden. Jetzt brauche ich eine Wendung.” Doch sie kam nicht so schnell, wie ich es mir für mein eigenes Herz gewünscht hätte.
Mit der Zeit verändert sich die Art und Weise, wie der Schmerz beim Lesen wirkt. Nach etwa einem Drittel hörte es auf, dass ich ständig heulen musste, auch wenn die Beklemmung blieb. Diese Leere ist so groß, dass sie einen beim Lesen einfach einsaugt. Es gibt Rückschläge und neue Schicksalsschläge, die alles wieder aufreißen und mich erneut zum Weinen bringen. Aber dazwischen schleifen sich die spitzen Kanten langsam rund. Irgendwann war ich an einem Punkt, an dem ich wieder längere Zeit am Stück lesen konnte und auch der Schmerz der Protagonisten wird weicher. Zwar habe ich zwischendurch immer noch „wie ein Schlosshund“ geweint, aber es tat nicht mehr ganz so weh, sondern eher dumpf und weich wie eine Narbe, die man noch spürt, aber die nicht mehr bei jeder Berührung aufreißt.
Besonders spannend fand ich, wie konsequent das Buch die Perspektive wechselt. Hier stehen bewusst das Opfer und die Hinterbliebenen im Mittelpunkt, nicht der Täter. Das ist ein deutlicher Kontrast zu vielen True-Crime-Formaten, die im Buch dafür kritisiert werden. Anstatt die Tat oder den Täter psychologisch zu sezieren, bleibt der Fokus auf denjenigen, deren Gefühlswelt kopfsteht und die mit den Konsequenzen leben müssen. Es wäre möglich gewesen, mehr Raum für die Eltern des Täters zu schaffen, die ebenfalls leiden. Der Roman entscheidet sich jedoch bewusst dagegen und widmet diesem Thema allenfalls einen kurzen Blick. Eine klare Entscheidung für das Opfer und gegen den Täter. Ebenso gibt es eindeutige Seitenhiebe gegen Autoren, die Gewalt gegen Frauen nutzen, um ihre Helden zu motivieren, obwohl es in der Geschichte auch ohne diese Gewalt funktioniert hätte.
Da, wo ich dich sehen kann ist damit kein Buch, zu dem man „mal eben“ greift, sondern eines, für das man bereit sein muss. Es ist voll von Themen, für die Contentwarnungen existieren: Femizid, häusliche Gewalt, die Instrumentalisierung von Kindern, Trauer, Suizidgedanken, Leichenschau, die Schuldgefühle eines Kindes, das glaubt, am Tod der Mutter mit Schuld zu tragen. Gleichzeitig gehört es zu den Büchern, die ehrlich sind und den Hinterbliebenen eine Stimme geben, die sonst oft im Schatten der Tätererzählung verschwinden. Wer die emotionale Belastung tragen kann und Geschichten sucht, die die Perspektive der Opfer ernst nehmen, findet hier einen intensiven, schmerzhaften, aber auch tröstlichen Roman, in dem die Trauer mit der Zeit ihre Form verändert, aber nicht verschwindet.
Da, wo ich dich sehen kann ...
… schafft es, dass ich als Leserin die Gefühlswelt der Hinterbliebenden durchlebe.
… ist ein klares Statement gegen Gewalt an Frauen.
… beschäftigt sich mit Trauerarbeit und Sorgerechtsfolgen.
Sarah �, Beschäftigte*r in der Buchbranche
Dieses Buch hat mich berührt, wie es schon lange keins mehr geschafft hat. Mehr als einmal war ich zu Tränen gerührt. Das Buch ist alles andere als leicht zu lesen, aber dafür behandelt es so wichtige und ernste Themen, über die wir uns alle mehr Gedanken machen sollten.
Absolute Empfehlung von mir.
Rezensent*in 370237
Emma und Liv waren einst dicke Freundinnen und ständig zusammen. Doch jetzt ist Emma tot, ermordet vom eigenen Ehemann und Liv ist in tiefer Trauer. Dann ist da noch Maja, die Tochter von Emma die ihre Mutter leblos im Wohnzimmer vorfand und den Notruf wählte. Der Vater ist jetzt im Gefängnis, Maja lebt bei den Großeltern mütterlicherseits im hessischen Glauburg. Sie kämpft mit Schuldgefühlen, da sie vorher noch böse Worte zu ihrer Mutter gesagt hatte. Eigentlich hatte sie ihren Vater viel lieber, der ihr viele Dinge erlaubte. Außerdem hat sie Heimweh, da sie in Hamburg gewohnt hat. Aber auch die Eltern von Emma, die jeder für sich trauern ohne gemeinsame Worte für das Unaussprechliche zu finden.
Ein schwieriges Buch und alles andere als ein Wohlfühlroman. Zeitweise erinnert es an ein Sachbuch, insbesondere zum Schluss hin, wo die Großeltern in Hamburg ebenso um das Sorgerecht für die 12jährige Maja kämpfen.
Der Schreibstil insgesamt wirkt ein wenig distanziert und trotz des traurigen Themas konnte ich keine große Beziehung zu den Protagonisten aufbauen. Durch die kurzen Kapitel jeweils aus der Sicht von Liv, Maja und den Großeltern weiß man jeder Zeit um wen es gerade geht. Einige Kapitel, auf schwarzem Grund sind geschrieben aus der Sicht von Emma, die ihre schwieriges Eheleben die ganze Zeit geheim gehalten hat.
Linda N, Rezensent*in
'Die Dunkelheit liegt schwer im Zimmer, als hätte jemand sie aus riesigen schwarzen eimern in den Raum gegossen.' (Seite 88)
Dieses Buch tut weh und bedrückt beim Lesen permanent. Es ist ein fiktives Buch, das aber leider voll Realitäten steckt.
Ein Femizid geschieht und die Angehörigen müssen lernen damit zu leben. Aus der Perspektive der Mutter, der Tochter und der besten Freundin lernen wir Emma kennen, tauchen in die Gefühlswelt aller Beteiligten ein und steuern auf das Unfassbare zu. Auch Emmas Vater und Emmas Schwiegermutter bekommen Raum. Teilweise konnte ich die Trauer und die Gedanken kaum ertragen und gleichzeitig die Wut und Hoffnungslosigkeit so verstehen.
Hinter allem steht ein großes Warum. Warum passiert das immer wieder? Warum nehmen sich Männer das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden? Das Warum was am sos ehr nagt und Amit fast am Schlimmsten ist: Warum habe ich nichts gemerkt? Ein Warum, das nicht sein sollte, weil es den Täter schont. Jasmin Schreiber schreibt sie eindringlich und trotz der Schwere des Themas fließt der Text so dahin, dass ich mich ihm nicht entziehen und kaum aufhören zu lesen konnte.
'Da wo ich dich sehen kann' ist nicht nur ein Roman. Er ist auch ein Zeitzeugnis. Leider. Da ist der Notruf-Dialog des Kindes abgedruckt, welches seine leblose Mutter findet, da ist ein Obduktionsbericht, da sind Gerichtsurteile zum Sorgerecht und auf schwarzen Seiten finden wir sie Gedanken der Protagonist*innen mit dem, was wäre wenn ich anders reagiert hätte. Dieses Was wäre wenn schmerzt noch einmal mehr. Auch wenn man weiß, dass diese Gedanken nicht helfen, sind sie da.
Der Täter sitzt seine Strafe ab, er bekommt hier zu Recht kaum Platz. Die Hinterbliebenen haben das Wort und sie tragen die Bürde mit dieser Schwere auf ihrem Herzen leben zu müssen.
Kann solch ein Buch ein Jahreshighlight sein? Ja, kann es. Denn das Thema bleibt wichtiger denn je und ich wünsche mir noch lange sehr viel Aufmerksamkeit für dieses Buch.
Beschäftigte*r in der Buchbranche 1728246
Das Buch war irgendwie in aller Munde. So sehr, dass ich irgendwann wirklich nicht mehr drumherum gekommen bin. Ich war mit meinen Erwartungen echt vorsichtig, weil das immer so ne Sache ist mit Büchern, die von allen abgefeiert werden. In diesem Fall springe ich mit auf den Zug auf, das Buch ist großartig. Es ist ein schweres und schlimmes und allgegenwärtiges Thema und die Autorin hat es geschafft, es genau richtig zu erzählen. Ich würde es jeder Person (die es schafft) empfehlen.
Da, wo ich dich sehen kann von Jasmin Schreiber
Dieses Buch hat mich lange nach dem Lesen beschäftigt. Jasmin Schreiber schreibt über eines der schwersten Themen überhaupt, über den Verlust eines geliebten Menschen durch einen Femizid und schafft es, alles gleichzeitig schmerzhaft real, liebevoll und zärtlich zu erzählen. Man spürt von Anfang an diesen Kloß im Hals, dieses Unausgesprochene, das zwischen den Figuren hängt und wie jede von ihnen ihren eigenen, oft widersprüchlichen Weg findet, mit der Tat und ihrer Wucht weiterzuleben.
Was mich am meisten beeindruckt hat, ist die emotionale Präzision: die hilflose Wut, die Ohnmacht, die Leere, die Momente, in denen man nur funktioniert, und die winzigen Lichtpunkte, die sich erst später zeigen. Die Autorin beschreibt all das ohne voyeuristisch zu werden und ohne das Thema zu beschönigen. Es geht nicht um die Tat selbst, sondern um die Menschen, die mit den Folgen leben müssen und genau das macht das Buch so stark.
Ich mochte besonders die Art, wie Nähe, Familie und Freundschaft hier erzählt werden: brüchig, oft unbeholfen, aber voller Echtheit. Gleichzeitig gab es Passagen, die für mich emotional schwer zu greifen waren, weil die Gefühle so eng und dicht nebeneinanderstehen. Aber vielleicht gehört genau das dazu, wenn ein Buch versucht, etwas so Komplexes wie Trauer nach einem Femizid ernsthaft zu behandeln.
Für mich ist Da, wo ich dich sehen kann ein leises, intensives und mutiges Buch. Es tut weh, es macht nachdenklich, und trotzdem lässt es Raum für Hoffnung. Ich fand es tief bewegend, wichtig und würde es definitiv weiterempfehlen.
★★★★☆ (4 von 5 Sternen)
Dies ist mein erstes Buch der Autorin, das ein bewegendes Thema aufgreift. Emma wird von ihrem Ehemann Frank ermordet. Zurück bleibt die erst neunjährige Tochter Maja. Doch nicht nur Maja ist von Emmas Tod stark betroffen. Auch Liv, die beste Freundin, sowie Emmas Eltern Per und Brigitte haben Probleme, das Geschehene zu verarbeiten.
Das Buch arbeitet ein ernstes Thema auf, das von der Gesellschaft kaum Beachtung bekommt. Dabei sind die Zahlen zu Femiziden erschreckend. Im Fokus stehen hier die Auswirkungen auf die Hinterbliebenen. Gefühlvoll wird aufgezeigt, was der Tod eines Menschen bei denen auslöst, die zurückbleiben. Schuldgefühle und Trauerbewältigung nehmen einen großen Teil der Handlung ein. Die Perspektivwechsel sowie Zeichnungen und Schreiben vom Gericht lockern die Handlung auf und bringen Abwechslung in das Geschehen. Die Gefühle insbesondere von Maja und Liv, aber auch die von Per und Brigitte sind nachvollziehbar und wirken überaus authentisch.
Ein eindringliches Buch, das Entsetzen hinterlässt, aber auch zum Nachdenken anregt.
Giselas L, Rezensent*in
Ein wichtiges Thema, in eine berührende Geschichte verpackt.
Es geht um die neunjährige Maja, die für ihre tote Mutter den Rettungsdienst anruft. Sie kann die Tatsache, dass ihre Mutter nicht mehr lebt, nicht verarbeiten und wartet auf Hilfe. Noch weniger kann sie später verarbeiten, dass ihr Vater die Mutter umgebracht hat. Der Vater, der immer liebevoll und großzügig ist, und die Mutter ständig auf ihre Fehler hingewiesen hatte. Wenn die Mutter ihr etwas verbat, wurde es ihr vom Vater erlaubt. Kann so ein toller Vater wirklich böse sein?
Bei den Großeltern mütterlicherseits lebt sie nun vorläufig. Brigitte und Per bitten die beste Freundin ihrer Tochter und Patentante von Maya, mit ihrer Schäferhündin Chloé bei ihnen zu wohnen. Sie haben bemerkt, wie gut Maya der Umgang mit der Astrophysikerin Liv bekommt und der Hund ihr dabei hilft, die gefährlichen Ranken, die ihr die Luft abschnüren, fernzuhalten.
Jasmin Schreiber hat ein sehr wichtiges Thema aufgegriffen und mit sehr viel Empathie zu Papier gebracht.
Was es mit einem kleinen Mädchen macht, dessen Vater die Mutter umgebracht hat, wird sehr feinfühlig aufgezeigt und ist beim Lesen nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Besonders die Rettungsdienstszene ging mir durch und durch.
Per und Brigitte machen sich große Vorwürfe, nicht bemerkt zu haben, in welch auswegsloser Situation ihre Tochter gesteckt hatte.
Liv vermisst ihre beste Freundin und macht sich große Vorwürfe, nicht energischer auf das veränderte Verhalten von ihr reagiert zu haben. Der Umgang mit Maya wirkt unerwartet gut auf ihren Gemütszustand. Sie schaut mit dem Mädchen in den Sternenhimmel und zusammen mit Chloé machen sie herrliche Spaziergänge.
Die Großeltern väterlicherseits bleiben überwiegend im Hintergrund.
Der magische Schreibstil und die Thematik Femizid haben für mich dieses Buch zu einem ganz besonders emotionalen Erlebnis gemacht. Es steckt so viel Kummer, Verzweiflung und dennoch Herzenswärme zwischen den Seiten. Das Leben geht ganz normal weiter, ohne Rücksicht auf das Drama, das sich ereignet hat. Vor allem die Schuldgefühle, die – wie so oft – die falschen Menschen haben, kommen sehr gut zum Ausdruck. Der Mörder selbst findet in der Geschichte wenig Beachtung, was mir total gut gefällt. Der hat schließlich schon genug kaputtgemacht und bei sämtlichen Menschen einen Scherbenhaufen hinterlassen.
"Da, wo ich dich sehen kann" ist nach "Marianengraben" das zweite Buch, mit dem mich die Autorin überzeugen konnte. Bei ihren Geschichten bin ich mit vollem Herzen dabei. In dieser habe ich stellenweise sehr viel Wut empfunden, da ich aktuell eine Frau kenne, die in Gefahr schwebt. Am Ende des Buches gibt es viele Adressen und Telefonnummern für betroffene Frauen. Die Spalte für Männerhilfe fällt vergleichsweise gering aus. Was sagt uns das? Es besteht noch viel Handlungsbedarf. Wir Frauen kommen schließlich nicht auf die Welt, um von Männern misshandelt und getötet zu werden. Wenn ich so lese und mitbekomme, was mit vielen Frauen passiert, bin ich wieder einmal sehr dankbar um meinen Ehemann.
Eine klare Empfehlung. Danke, Jasmin Schreiber
Buchhändler*in 1302932
In dem neuen Roman von Jasmin Schreiber geht es um Emma. Emma, die von ihrem Mann ermordet wurde. Doch es geht nicht nur um sie, es geht vor allem um die Menschen, die in ihrem Umfeld zurückbleiben. Um Maja, Emmas Tochter, die sich nun in einem neuen Leben zurechtfinden muss und um Liv, Majas Patentante, die plötzlich Verantwortung für ein Kind hat. Die eine verliert die Mutter, die andere die beste Freundin. Beide erleben diesen Verlust unterschiedlich und können doch gemeinsam trauern. Es gibt eingige Szenen mit den beiden, die unter die Haut gehen.
Auch die Eltern spielen eine große Rolle und bekommen jeweils eine Perspektive. Ich finde die verschiedenen Perspektiven (und Zeitungsartikel oder Gerichtsprozesse) lockern das Lesen etwas auf und es gab auch keine Perspektive, die ich nicht gerne gelesen habe.
Das Thema Astrophysik spielt eine Rolle, aber auch Garten und Gestein hat sie wieder in die Geschichte eingewoben. Ich liebe es wie sie ihre Leidenschaft für Natur und Tiere in ihre Bücher einfließen lässt und man ganz nebenbei lernt.
Es ist auch so wichtig, dass sie sich dem Thema annimmt und diesen Roman Geschrieben hat. Damit bekommen viele Frauen, Kinder und Angehörige eine Stimme. Tatsächlich habe ich für meine Verhältnisse lange für den Roman gebraucht, aber ich wollte mir auch die Zeit nehmen die ich eben benötigte, wenn ich mal eine Pause brauchte.
Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass viele Themen angerissen wurden und es sich beim Lesen manchmal nicht ganz "abgeschlossen" angefühlt hat. Das kann aber auch einfach dieser fragmenthafte Einblick sein, den wir in das Leben der Figuren bekommen. Wir begleiten sie eine gewisse Zeit lang und gehen dann wieder bzw geht deren Leben nach dem Buch weiter. Vielleicht muss auch gar nicht alles abgeschlossen sein oder perfekt zu Ende gedacht werden. Das macht die Figuren so greifbar.
Rezensent*in 1932170
Aufwühlend
"Nach siebzehn Verhandlungstagen war alles vorbei. Lebenslänglich. Für Frank bei guter Führung vermutlich nur fünfzehn Jahre, für alle anderen galt das aber wirklich."
"So beginnen wohl alle Abschiede, unspektakulär und heimlich, bis man irgendwann zurückblickt und versteht: Das war das letzte Mal gewesen."
Jasmin Schreiber zeigt in ihrem Buch sehr eindrücklich, was es für das nahe Umfeld bedeutet, wenn eine Frau durch einen Femizid aus dem Leben gerissen wird. Aus verschiedenen Perspektiven, darunter Tochter, Freundin und Eltern, erleben wir, wie alle versuchen, Emmas Mord zu verarbeiten und irgendwie weiterzumachen. Vor allem für ihre neunjährige Tochter.
Die Geschichte ist sehr emotional, manches ist nur schwer zu ertragen und die alternativen Ausgänge bescheren einen Kloß im Hals. Das Motiv des Erstickens zieht sich durch das Buch, zeigt es doch, wie ohnmächtig sich alle fühlen. Auch wird beschrieben, wie schuldig sich alle fühlen, weil sie die Tat nicht verhindern konnten, obwohl es natürlich nur einen Schuldigen gibt, nämlich den Mörder. Dieser kommt mit seiner Perspektive nicht zu Wort und ich fand es gut, dass ihm keine Bühne gegeben wurde.
Die Geschichte wird durch Anwaltsbriefe bzgl. des Sorgerechtes, den Sektionsbericht, den Anruf der Tochter beim Notarzt etc. sehr greifbar und auch wenn sie nicht real ist, ist sie ziemlich realitätsnah.
Ein sehr intensives und wichtiges Buch über ein Thema, welches mehr im Fokus stehen sollte.
📖 Da, wo ich dich sehen kann
✍🏽 Jasmin Schreiber
📚 Eichborn Verlag
📆 Erscheinungstermin 31.10.2025
Triggerwarnung: Femizid
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Emma wird von ihrem Ehemann getötet. Auffinden muss sie die 8jährige Tochter Maja. Das Mädchen ist schwer traumatisiert und hin und her gerissen zwischen einer Menge widersprüchlicher Gefühle: der Trauer um die Mutter, die Liebe für ihren Vater, der aber doch von allen als Monster gesehen wird, die Schuld, selbst mitverantwortlich zu sein für die Tat....
Maja wird von den Eltern mütterlicherseits aufgenommen - Brigitte und Per, die ebenfalls leiden unter den Verlust der Tochter. Freundin Liv springt zur emotionalen Unterstützung ein und wird wider Willen in die Position als Ersatzmutter und Ersatztochter gedrängt. Auch die Eltern von Majas Vater Frank - Simon und Antonia kommen zu Wort.
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Nach Mariannengraben nein zweites Buch der Autorin. Wieder ein besonderes Buch! Diesmal eine sehr einfühlsame tragische Geschichte aus Manipulation und Macht, psychischer und körperlicher Gewalt gegen Frauen. Eine Geschichte, die wenig spektakulär und brutal oder gar detailreich gezeichnet ist. Der Schwerpunkt liegt ganz auf der Gefühlswelt der Beteiligten. Die Eltern, die Tochter, die beste Freundin - alle erleben und verarbeiten den Verlust auf ihre individuelle Weise.
Dabei spielen auch die Abhängigkeiten und Gefühle der Hinterbliebenen untereinander eine große Rolle, ebenso wie die eingeschobenen Therapiegespräche und Gerichtsunterlagen zum Sorgerecht von Maja. Am eindrucksvollsten empfinden ich die Kapitel, die schwarz hinterlegt sind. Es sind alternative Gesprächsverläufe, die einen anderen Verlauf der Geschichte tur Folge gehabt hätten. Stilistisch und emotional eine Herausforderung!
Die Geschichte beleuchtet dabei nicht nur die Emotionsebene der Hinterbliebenen, sondern geht dabei auch auf die Frau als Opfer und Protagonistin in true Crime und Thrillern ein stellt die berechtigte Frage, warum uns die Frau in der Opferrolle so fasziniert und was das über uns als Gesellschaft aussagt - eine Frage die in mir nachklingt.
Ich gebe 4,5 von 5 Sterne für diese zarte nachdenkliche Geschichte.
Bärbel K, Rezensent*in
Maja ist neun, als Frank, ihr Vater, im Zorn Mutter Emma umbringt. Für Maja beginnt ein neuer Alptraum. Als ihre Mutter noch lebte, musste sie immer wieder den Streit ihrer Eltern miterleben. Doch jetzt, nach dem Tod der Mutter, macht sie sich Vorwürfe. Schließlich hat sie immer ihrem Vater beigestanden. Hätte sie ihre Mutter retten können, wenn sie sich nicht so verhalten hätte?
Ich habe das Buch sehr langsam gelesen, immer wieder beiseitegelegt. Es waren für mich einfach zu viele Emotionen, die da hochgekommen sind. Nicht weil ich ähnliches erlebt habe. Es sind die eindringlichen Ausführungen der Autorin, die mich ergriffen gemacht haben. Dabei fand ich es von Jasmin Schreiber sehr gut vermittelt, wie die kleine Maja mit ihren Alpträumen zu kämpfen hat. Maja spricht von Ranken, die sie zu ihrer Mutter in die Erde ziehen wollen und ihr dabei die Luft zum Atmen nehmen. Doch die Autorin fasst die Auswirkungen dieser Gewalttat noch viel weiter. Die Eltern von Emma, ihre beste Freundin Liv, alle wissen nicht, wie sie mit dem Verlust und vor allem mit der traumatisierten Maja umgehen sollen. Beide Großelternteile, väter- wie mütterlicherseits, wollen für Maja da sein und bringen das junge Mädchen damit in noch größere Bedrängnis. Mit den Zeichnungen von Maja, den Amtsschreiben um den Sorgerechtsstreit der Großeltern wird ein rundes Bild geschaffen. Was mir aber besonders gefallen hat, sind die schwarz grundierten Kapitel. Ich habe sie für mich „was wäre, wenn“ bezeichnet. Ein Gedankenspiel, das im Nachhinein das Verbrechen nicht verhindern kann. Von mir gibt’s 4 Lese-Sterne.
Rezensent*in 1296389
4.5*
Wahnsinnig gutes aber heftiges Buch. Ich war total gefesselt und konnte gar nicht aufhören.
Niemand behandelt das Thema Trauer für mich so nachvollziehbar und berührend wie Jasmin Schreiber.
Halber Stern Abzug weil ich das Gespräch zwischen Christine und Liv als sehr platt und reingeschustert empfunden habe. Auch die Namensgebung bestimmter Haustiere am Ende fand ich etwas eigenartig. Aber alles in allem super Buch.
Worum geht’s?
Seit ihr Vater ihre Mutter umgebracht hat, ist im Leben der neunjährigen Maja nichts mehr so, wie es einmal war. Zwischen einem neuen Zuhause, einer neuen Schule und ihrem eigenen Gefühlschaos ist sie völlig verloren – bis ihre Patentante Liv ihr die Sterne zeigt und Maja zum ersten Mal seit sehr langer Zeit etwas entdeckt, was sie sich nicht ganz so verloren fühlen lässt.
Meine Meinung:
Das Thema Femizid hat immer wieder traurige Aktualität, was das Buch an sich zu einer wirklich wichtigen Lektüre macht. Die Umsetzung an sich hat mich auch wirklich berührt, ich wollte die Geschichte kaum aus der Hand legen und haben vor allem mit Maja sehr mitfühlen können.
Der Schreibstil war grundsätzlich sehr angenehm zu lesen, auch wenn er mir stellenweise ein wenig platt vorkam. Das war für mich vermutlich auch der Hauptgrund dafür, dass ich vor allem Majas Kapitel nicht ganz passend für eine Neunjährige fand, da mir die Ausdrucksweisen der Figuren insgesamt ein wenig zu ähnlich waren.
Die wechselnden Perspektiven haben mir wiederum sehr gut gefallen, da ich gerade diesen Punkt für eine der großen Stärken dieses Buches halte. Durch den langsamen Aufbau der unterschiedlichen Sichtweisen, Wissensstände und Bewältigungsstrategien fand ich die Tragödie wirklich authentisch aufgebaut, auch wenn es sicherlich Figuren gab, die weniger gut gelungen waren als andere.
Auch die Unterbrechungen der Erzählung durch Gerichtsgutachten oder Zeitungsartikel fand ich ansprechend, da sie durchaus spannende Einblicke „hinter die Kulissen“ eines solchen Prozesses erlaubt und gleichzeitig die reale Komponente der Geschichte betont haben. Insgesamt hatte ich so immer auch die realen Bezüge vor Augen, was mich nie ganz in die Fiktionsschiene hat abdriften lassen.
Fazit:
Diese Geschichte hat mich auf jeden Fall sehr berührt, auch wenn es durchaus Stellen gab, die in meinen Augen noch etwas Luft nach oben bei der Umsetzung hatten. Nichtsdestotrotz finde ich das Thema unglaublich wichtig und insgesamt wirklich gut umgesetzt, weshalb das Buch definitiv jedem ans Herz legen möchte, der sich emotional in der Lage sieht, sich mit dem Thema Femizid auseinanderzusetzen.
Dafür gibt es vier Bücherstapel von mir.
Eine Geschichte über einen Femizid und dessen Folgen für das soziale Umfeld der getöteten Frau.
Jasmin Schreiber erzählt in Da wo ich dich sehen kann davon, was passiert, wenn Gewalt nicht nur ein Leben beendet, sondern viele andere zerreißt. Der Roman zeigt, wie Schuld, Wut, Sprachlosigkeit und familiäre Muster weiterwirken — lange nachdem die Tat begangen wurde.
Im Zentrum steht Maja, die Tochter der getöteten Emma, die lange mit der Angst lebt, den dunklen Anteil ihres Vaters in sich zu tragen. Schreiber zeigt sehr fein, wie sich solche inneren Glaubenssätze anfühlen — wie sie sich in den Körper einschreiben und Identität vortäuschen — und wie mühsam es ist, sie zu hinterfragen.
Kapitelweise werden Majas, Livs, Brigittes und Pers Umgang mit dem Mord, Schuld und Trauerverarbeitung präzise und liebevoll gezeichnet, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Schreiber arbeitet mit einer Mischung aus emotionaler Nähe und dokumentarischer Genauigkeit: Pathologieberichte, Anwaltsunterlagen und nüchterne Fakten stehen neben Momenten großer Verletzlichkeit. Dadurch bleibt das Geschehen greifbar.
Der Täter bleibt Randfigur — bewusst. Frank wird nicht psychologisiert oder entschuldigt. Er ist kein tragischer Mann, kein „komplexer Fall“, sondern ein Mann, der seine Frau tötet, weil er sich dafür entscheidet. Der Roman verweigert ihm jede narrative Bühne, und genau dadurch entsteht eine klare politische Haltung.
Sehr stark ist auch die Kritik an True-Crime-Podcasts und Thrillern, die das Leid von Frauen als Entertainment oder als dramaturgischen Motor für Männerfiguren verwenden. Der Roman legt offen, wie normalisiert diese Gewalt im kulturellen Konsum geworden ist — und wie entmenschlichend das sein kann.
Da Jasmin Schreiber Wissenschaftlerin und Biologin ist, lernt die Leserschaft ganz nebenbei etwas über Pflanzen (durch Brigitte) sowie über Astrophysik und Sternenkunde (durch Liv).
Die Autorin hat einen Roman über Femizid geschaffen, der mich zu gleichen Teilen wütend und traurig gemacht hat. Man fühlt so viel bei diesem Buch — eine klare Herzensempfehlung!
Rezensent*in 780093
Erschütternde Einblicke in häusliche Gewalt und deren tödliche Folgen
Ein Femizid wird als gezielte Tötung einer Frau oder eines Mädchens gesehen, dem häufig über einen längeren Zeitraum exzessive Gewalt in körperlicher und physischer Form vorausgeht. Jasmin Schreiber hat sich dieses Themas angenommen. „Da, wo ich dich sehen kann“ gibt einen Einblick in eine Familienstruktur, der erschüttert.
Vater, Mutter, Kind und beide Großelternpaare sowie die beste Freundin der Mutter, die auch Majas Patentante ist, kommen hier zu Wort, daneben sind es Anträge über das Sorgerecht für die neunjährige Maja, Gerichtsbeschlüsse, Zeitungsartikel sowie Zeichnungen und Notizzettel des Kindes, dazwischen auch sehr dunkle Kapitel, die schwarz unterlegt sind.
Es geht um Verlust, um Trauer, um Liebe und Hass und um Manipulation geht es auch. Frank, Majas Papa, war Meister darin, seine Tochter an sich zu binden und sie gleichzeitig ihrer Mutter Emma zu entziehen. Er versteht es bestens, das Bild des treusorgenden Ehemannes und Vater zu zeigen, dabei hält er Emma klein, sodass auch sie dieses Bild nach außen hin verfestigt. Nicht mal ihren Eltern vertraut sie sich an, es kommt immer häufiger zu unschönen Szenen, die in der Ermordung Emmas durch Frank gipfelt.
Nach einigem hin und her ist Maja bei Oma und Opa mütterlicherseits, bei Brigitte und Per. Zu Mamas beste Freundin Liv fasst sie Vertrauen und vor allem ist es ihre Hündin Chloé, die das Herz aller im Sturm erobert. Abwechselnd werden sie alle näher betrachtet, sie alle tragen sehr viel Trauer in sich, sie haben Schuldgefühle – warum habe ich nicht eher hingesehen, nichts bemerkt? Anzeichen gab es reichlich. Aber ist es nicht immer so, dass man hinterher nicht nachvollziehen kann, die verdeckten Hilferufe übersehen zu haben?
Es ist eine sehr intensive Erzählung, die jedoch teilweise wie entrückt daherkommt, nicht recht greifbar ist. Vor allem die Protokolle und auch die Großeltern väterlicherseits sind eher abstrakt, während ich das Gefühlschaos in Maja schon nachvollziehen kann. Ihre Gewissensnöte sind sichtbar, sie erlebt in ihren jungen Jahren häusliche Gewalt und auch, wenn sie in Therapie ist, kann sie nicht damit umgehen. Sie gibt sich die Schuld an Mamas Tod. Denkt an sie und auch an ihren Papa, der hier ansonsten stumm bleibt. Auch Livs Bemühungen um sie sowie die von Oma Brigitte und Opa Per sind ob dieser schrecklichen Situation überzeugend und warmherzig dargestellt.
Ein weiterer Fall im familiären Umfeld wird angedeutet - ein als Treppensturz getarnter Femizid. Podcasts und Thrillerautoren werden angeprangert, allerdings fehlt mir ein nicht unbedeutender Teil. Gewalt gegen Frauen ist hier Thema – so weit, so gut bzw. nicht gut. Dass es auch Gewalt gibt, die von Frauen ausgehen, wird zum Schluss auf einer halben Seite (Hilfe für Männer) schon erwähnt, was mir zu wenig ist. Denn gerade hier ist die Dunkelziffer hoch, Frauen wird unbesehen alles geglaubt, während Männer sich immer noch scheuen, Hilfe anzunehmen. Trotzdem ist es ein Buch, das mich fassungslos zurücklässt. Weltweit wird alle zehn Minuten eine Frau ermordet. Getötet, weil sie Frauen sind. Von Partnern, von Familienmitgliedern.
Kate R, Rezensent*in
„Da, wo ich dich sehen kann“ von Jasmin Schreiber
Für mich ist es das Buch der Stunde. Ein Buch, das die Misogyne Gesellschaftsstruktur sichtbar macht und ihren Einfluss auf das Private. Auf die ganz normalen Menschen, wie die besten Freundinnen Emma und Liv. Liv ist Astrophysikerin und hat wegen des Erfolgsdrucks als einzige Frau im Team in der Forschungsabteilung immer besser sein zu müssen, als die Männer, als Quereinsteigerin ins Lehramt gewechselt. Ihre beste Freundin Emma ist dagegen jung Mutter geworden und lebt mit ihrem erfolgreichen Anwaltsmann in Hamburg. Sie haben sich eine wenig aus den Augen verloren aufgrund der sehr unterschiedlichen Lebensentwürfe, und so ist es ein Schock, als Liv erfährt, dass Emma von ihrem Mann umgebracht wurde. Ein Opfer einer seit langem andauernden häuslichen Gewalt. Nun lebt ihre neun Jahre alte Tochter Maja bei Emmas Eltern und Liv, als Patentante, wird ihr eine enge Stütze. Zusammen mit ihrer alten Hündin Chloe.
Jasmin Schreiber gibt in ihrem Buch Raum für Wut, die insbesondere Liv erfasst. Wut auf die strukturelle Gewalt gegen Frauen, die Femizid noch immer herunterspielt. Auf die Medien, die in True Crime Podcasts diese Gewalttaten vermarkten und eine Gier und Nachfrage nach weiteren toten Frauen befördern.
Aber auch Trauer und die Schuldgefühle der Freundin und der Eltern werden thematisiert, weil sie nichts von der gewalttätigen Situation gemerkt hatten. Die kleine Maja ist besonders traumatisiert, hat Albträume, zerschlägt Spiegel, weil sie ihrem Vater so ähnlich sieht, und beginnt, sich selbst zu verletzen.
Es ist ein langwieriger Prozess der Trauer, der Annäherung und der Akzeptanz, und jede der ProtagonistInnen geht mit Verlust und Trauer angesichts der Gewalt anders um.
Jasmin Schreiber schont uns nicht, es ist ein Weg, gepflastert mit Rückschlägen und weiteren Verlusten. Doch irgendwie schafft sie es, die schweren Themen mit leichtfüßig vermitteltem Wissen über Sterne, Teleskope, Zeit und Universum zu kontrastieren, nicht den Täter und die Tat in den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen, sondern die engsten Angehörigen und ihre liebevoll bemühte Menschlichkeit. Die Perspektiven wechseln und sogar die Hündin Chloe wird gehört.
So gelingt der Balanceakt, Gewalt und Tod eine Liebe zum Leben, zum Universum und zueinander entgegenzusetzen, die Raum lässt für Hoffnung und Zuversicht auf Heilung.
Ein weiteres höchst gelungenes Buch dieser Ausnahme-Autorin, das ich nur zu gerne weiterempfehle.
Eichborn 2025
Merve U, Rezensent*in
Das Buch "Da, wo ich dich sehen kann" erzählt die Geschichte der neunjährigen Maja, die ihre Mutter durch die Gewalt ihres Vaters verliert.
Dass ihre Patentante Liv, eine Astrophysikerin, ihr durch das Teleskop die Weite des Weltalls zeigt, gibt der Geschichte eine ganz eigene, schmerzhaft-schöne Poesie. Wenn die Erde zu eng und zu grausam wird, bietet der Kosmos einen Ort zum Atmen.
Besonders stark ist, dass der Fokus nicht auf dem Täter oder der grausamen Tat liegt, sondern auf dem mühsamen Prozess des Heilens. Es geht um das Behördenchaos, die Wut der Großeltern und die tiefe Loyalität zwischen Frauen.
Hier wird nichts schöngeredet. Die Trauer ist kein gerader Weg, sondern ein Labyrinth aus Vorwürfen, Stillstand und kleinen Momenten, in denen man plötzlich doch wieder über einen Witz lachen darf.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
Dieses Buch hat mich auf eine unbequeme, nachhaltige Weise getroffen.
Nicht wegen expliziter Gewalt oder dramatischer Zuspitzung, sondern weil es genau dort ansetzt, wo mediale Aufmerksamkeit meist endet: NACH einem Femizid.
Im Zentrum steht Maja, die Tochter der Getöteten. Ein echtes Papa-Kind. Und genau darin liegt die Brutalität dieses Romans: Der Vater, ihr Held, hat ihre Mutter ermordet.
Was mich dabei besonders mitgenommen hat, ist wie realistisch Jasmin Schreiber die innere Zerrissenheit ausarbeitet. Maja sieht ihrem Vater äußerlich ähnlich. So ähnlich, dass sie ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr erträgt. Sie zerstört alle Spiegel im Haus ihrer Großeltern, weil sie in ihrem eigenen Gesicht nur noch den Täter erkennt. Dieses Bild hat sich wahrscheinlich für immer in mein Hirn gebrannt.
Der Roman erzählt aber nicht nur aus Majas Perspektive, sondern wechselt zwischen ihr, den Großeltern mütterlicherseits und Liv, der besten Freundin der Mutter. Alle eint der Versuch, für Maja stark zu sein. Und alle haben das Gefühl zu scheitern.
Was das Buch dabei schonungslos offenlegt ist, dass jede*r isoliert trauert. Jede*r trägt Schuldgefühle mit sich herum. Jede*r fragt sich, an welchem Punkt man hätte eingreifen müssen und eine der stärksten Aussagen des Romans war für mich: Es gibt nicht DIE EINE verpasste Schlüsselsituation, die alles hätte ändern können.
Auffällig und wohltuend zugleich ist, dass mediale Berichterstattung kaum eine Rolle spielt. Stattdessen bleibt der Fokus konsequent auf dem inneren Chaos der Hinterbliebenen. Während gesellschaftlich oft gilt: Tat passiert, Täter verurteilt, Fall abgeschlossen, zeigt dieser Roman das Gegenteil.
Mit einer Verurteilung endet nichts. Für die Hinterbliebenen beginnt erst dann ein lebenslanges Ringen mit Verlust, Schuld, Loyalität und Trauma.
Für mich liegt die größte Stärke dieses Buches in seiner klaren Haltung:
Femizid ist Mord.
Kein „Beziehungsdrama“. Kein „Familiendrama“. Keine tragische Verkettung unglücklicher Umstände. Diese Begriffe verharmlosen und genau das tut dieser Roman nicht.
„Da wo ich dich sehen kann“ ist kein leichtes Buch aber es schaut hin, wo wir als Gesellschaft oft wegsehen. Und es lässt einen nicht mit dem Gefühl zurück, etwas „abgeschlossen“ zu haben sondern mit der unbequemen Erkenntnis, dass manche Geschichten nie enden.
Das Buch hat mich sofort auf Grund des Covers und des Titels angesprochen, lässt doch beides auf einen interessanten Roman hoffen. Von der Schriftstellerin habe ich bis jetzt noch nichts gelesen, umso gespannter war ich auf dieses Buch. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Einmal in die Hand genommen, möchte man das Buch nicht mehr weglegen. Die einzelnen Personen sind mit Bedacht ausgewählt und mit entsprechenden Eigenschaften versehen.
Zur Geschichte, Maja ist neun Jahre alt. Sie wächst in einer kaputten Familie auf. Die Mutter ist sehr liebevoll, doch wird dermaßen unterdrückt, dass sie eigentlich nichts zu sagen. Als dann ihr Vater ihre Mutter tötet, beginnt für Maja eine schreckliche Zeit. Die Frage ist nun, wo sie bleiben soll, alle versuchen sie für sich zu gewinnen. Doch wie alles letztendlich endet, wird an dieser Stelle nicht verraten, damit die Spannung erhalten bleibt.
Das Buch hat mich bestens unterhalten und mir eine sehr kurzweilige, nachdenkliche Lesezeit beschert.
Ich empfehle es gerne weiter.
Schrecklicher Femizid
Als Folge eines jahrelangen Femizids wird die junge, als lebensfroh beschriebene Frau von ihrem gewalttätigen Ehemann in ihrer häuslichen Umgebung ermordet. Ihre neunjährige Tochter Maja findet ihre Mutter Emma und ruft um Hilfe bittend bei der Polizei an. Was sich aus dieser Tatsache im Weiteren entwickelt ist ein abgrundtiefer Alptraum natürlich für das Kind, welches sich zunächst völlig verschließt, für die Eltern Brigitte und Per und Emmas beste Freundin Liv. Gemeinsam versuchen Liv, Brigitte und Per der kleinen Emma Stabilität und Kontinuität im Leben zu geben, obwohl sie selbst schwer traumatisiert sind, psychiatrische Unterstützung brauchen.
Einfühlsam erzählt Jasmin Schreiber in ‘ Da, wo ich dich sehen kann‘ eine Geschichte, die eine ungeheure Tragik und Traurigkeit besitzt, in der die Hoffnung auf bessere Zeiten keine Chance zu besitzen scheint und doch ein immer weiter gehen im Leben verlangt. Herzzerreißend beschreibt sie die Gefühle, Gedanken und Tagesabläufe der Hinterbliebenen, die den größten Kampf mit sich selbst auszufechten haben. Sie geht kritisch mit den bürokratischen Verwaltungsvorgängen um und gibt berechtigter Weise dem Gewalttäter keinerlei Plattform.
Sicherlich werden sehr schwere Themen wie Schuldgefühle, Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit aber auch Angst in diesem Buch behandelt. Sie spiegeln einen Teil unserer Gesellschaft wider und rufen eindringlich zur Wachsamkeit gegenüber Femizid auf.
„Da, wo ich dich sehen kann“ von Jasmin Schreiber hat mich zutiefst berührt und nachhaltig beeindruckt. 💫📘
Dieses Buch besticht durch eine wunderbar einfühlsame, poetische Sprache, die selbst schwere Themen mit großer Sensibilität und Authentizität transportiert. Die Figuren wirken echt und nah, ihre Gedanken und Gefühle werden so ehrlich dargestellt, dass man sie lange im Herzen behält. Besonders die emotionale Tiefe und die Art, wie Verlust, Hoffnung und Verbundenheit beschrieben werden, macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem.
Die Geschichte lässt einen nicht so schnell los – sie regt zum Nachdenken an, berührt zutiefst und bleibt lange präsent. Für mich ein echtes Highlight, das zeigt, wie kraftvoll und bewegend Literatur sein kann.
Ein absolut verdienter 5‑Sterne‑Titel! 💖📖✨
Charlotte S, Buchhändler*in
Ich liebe Jasmin Schreiber und hatte hohe Erwartungen an das Buch, die sie voll und ganz erfüllt hat.
Eine großartige, wenn auch nicht ganz leichte Geschichte bei der ich viele Tränen geweint habe. Riesen Empfehlung an jeden
Tödliche Gewalt von Männern an Frauen, wird insbesondere dann als Femizid bezeichnet, wenn dies aus der Motivation heraus geschieht, dass der Mann die Frau als sein Eigentum betrachtet, und diese nicht nach seinem Willen handelt. Es passiert leider viel zu oft, dass Frauen unter der Gewaltherrschaft der Männer in den Haushalten leiden müssen. Und leider kommt es immer wieder vor, dass die Kinder diese Gewalt miterleben müssen.
Die neunjährige Maja ist ein solches Kind, das die Tötung seiner Mutter Emma durch ihren Vater Frank miterleben musste. Dieser emotional aufwühlende Roman betrachtet diese Lebenssituation des Mädchens aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven. Der Mord ist nicht nur ein traumatisches Erlebnis für das Kind, sondern für das gesamte Umfeld der ermordeten Mutter. Und sei dies nicht schon genug für das Kind, so kämpfen zusätzlich die Großeltern um das Sorgerecht des Kindes, wobei die Gerichte in ihren Beurteilungen mitnichten immer das Kindeswohl im Blick haben.
Alle Bücher, die ich bisher von Jasmin Schreiber gelesen habe, sind mir zu Herzen gegangen. Sie schafft es, sehr emotional über Lebenssituationen zu schreiben, die wir Menschen am liebsten nicht miterleben möchten. Allein die Szene, in der die Autorin vom Tod des Hundes (und wie sie im Anhang andeutet auch ihres Hundes) schreibt, kann keinen Leser kalt lassen. Die Autorin schafft es, sehr einfühlsam und empathisch zu zeigen, wie sehr das Umfeld rund um das Mädchen und natürlich Maja selbst, an dieser Lebenssituation zu knabbern haben.
Dabei kommen immer wieder auch gesellschaftliche Aspekte zur Sprache, wenn es um Gewalt innerhalb von Familien im Allgemeinen und an Frauen im Besonderen geht. Auch hier schafft es die Autorin, dass der Blick des Lesers geschärft wird für eine Realität, die leider häufiger vorkommt, als man vielleicht denken mag.
Ich fand die Idee sehr gut umgesetzt, immer wieder die Perspektive zu wechseln und auch vor Zeitsprüngen nicht halt zu machen, so dass sich nach und nach ein Bild von der gesamten Situation ergibt, inklusive tiefer Einblicke in das Innerste der Betroffenen, deren Motivationen so offen wie nur irgend möglich gezeigt werden
Fazit
Dieser Roman berührt und zeigt gleichzeitig, woran unsere Gesellschaft krankt. Ich fand aber auch die emotionale Ebene des Romans sehr ansprechend. So sehr, dass ich schon fast dazu geneigt bin, eine Triggerwarnung auszusprechen, denn dieser Roman kann schwierige Gefühle verstärken, wenn man selbst in einer ähnlichen Situation ist oder war. Ich als Leser möchte emotional angesprochen werden, und auch mit Themen konfrontiert werden, die sich nicht einfach in eine Geschichte einfassen lassen. Aber Jasmin Schreiber hat wieder einmal bewiesen, wie gut und treffsicher, sie mit Worten umgehen kann. Sicherlich ein Highlight in der Buchwelt.
„Da, wo ich dich sehen kann“ von Jasmin Schreiber
Dieses Buch hat mich nicht laut getroffen. Es war eher ein langsames, stilles Zerbrechen.
Da, wo ich dich sehen kann erzählt von einem Femizid – aber es bleibt nicht bei der Tat stehen. Es bleibt bei den Zurückgebliebenen. Bei dem Loch, das entsteht. Und vor allem bei Maja.
Maja ist neun Jahre alt, als ihr Vater ihre Mutter tötet. Und was mich beim Lesen immer wieder erschüttert hat: Die Welt geht weiter. Formulare müssen ausgefüllt werden, Zuständigkeiten geklärt, Sorgerechtsfragen entschieden. Zwischen all dem sitzt ein Kind, das gerade alles verloren hat. Jasmin Schreiber beschreibt diese Bürokratie nicht reißerisch, sondern nüchtern – und genau das macht es so schmerzhaft. Das System ist nicht böse. Es ist nur unerbittlich. Und Maja wird darin fast unsichtbar.
Die Perspektive bleibt nah, klar, unaufgeregt. Keine dramatischen Ausschmückungen, keine künstliche Emotionalisierung. Und doch war ich beim Lesen immer wieder den Tränen nah, weil so viel unausgesprochen bleibt – wie in Majas Familie selbst. Dieses Schweigen, das schon vor der Tat da war, zieht sich wie ein Schatten durch den Roman.
Besonders berührt hat mich Liv. Als Patentante wird sie Majas Rettungsanker – und ist dabei selbst alles andere als sicher. Sie ist Astrophysikerin, schaut beruflich in die Unendlichkeit des Universums, und plötzlich steht sie vor einer Aufgabe, die größer wirkt als jedes Schwarze Loch: Verantwortung für ein traumatisiertes Kind. Ihre Überforderung fühlt sich echt an. Kein Heldinnenpathos, kein „Ich schaffe das schon“ – sondern Zweifel, Angst, zaghaftes Hineinwachsen.
Und dann sind da diese Momente unter dem Sternenhimmel.
Das Teleskop wird zum Symbol für etwas, das größer ist als Schmerz. Wenn Maja ins All blickt, entsteht Raum. Raum für Fragen. Raum für Gedanken. Raum für die Idee, dass Verlust nicht das Ende von allem sein muss. Die Verbindung von Astrophysik und Trauer fand ich unglaublich stark – weil sie weder kitschig noch esoterisch wirkt, sondern wie ein stiller Trost: Wir sind klein im Universum. Aber wir sind da. Und wir sehen einander.
Was dieses Buch für mich so besonders macht, ist seine Klarheit. Es benennt den Femizid als das, was er ist. Es zeigt die strukturelle Gewalt, die Sprachlosigkeit, das Wegsehen. Und gleichzeitig erzählt es vom Weiterleben. Vom vorsichtigen Wieder-Atmen. Vom langsamen Zusammenwachsen zweier Menschen, die sich nicht ausgesucht haben – und doch füreinander bleiben.
Ich habe das Buch mit einem schweren, aber auch warmen Gefühl geschlossen.
Es ist kein Roman, der Hoffnung laut hinausruft. Er flüstert sie.
Und manchmal ist genau das stärker.
Evelyn M, Rezensent*in
Ich habe ungewöhnlich lange gebraucht, um „Da, wo ich dich sehen kann“ zu lesen. Nicht, weil mich der Roman nicht gefesselt hätte oder schlecht geschrieben wäre – ganz im Gegenteil. Sondern weil das Lesen so sehr weh tat. Diese Geschichte war für mich nur in kleinen Häppchen zu ertragen.
Nun ließe sich die berechtigte Frage stellen: Warum liest man überhaupt ein Buch, das so schmerzt? Sollte Lesen nicht vor allem Spaß machen? Für mich hängt das stark davon ab, mit welchen Erwartungen man an eine Lektüre herangeht. Ein Buch darf mich glücklich machen, zum Lachen bringen – aber es ist für mich genauso wertvoll, wenn es mich traurig macht. Hauptsache, es löst etwas in mir aus. Wer beim Lesen von „Da, wo ich dich sehen kann“ nichts spürt, spürt vermutlich auch sonst nicht allzu viel. Denn dieser Roman ist mit Abstand der schmerzhafteste, den ich seit Langem gelesen habe.
Jasmin Schreiber erzählt darin von den Angehörigen einer Frau, die Opfer eines Femizids wurde und davon, wie sie mit dieser Tat weiterleben (müssen). Zu Wort kommen unter anderem die neunjährige Tochter, die beste Freundin sowie die Eltern des Opfers, später auch die Eltern des Täters. Zudem gibt es einen erzählerischen Kniff, den ich nicht vorwegnehmen möchte, der der Geschichte jedoch eine zusätzliche, kaum auszuhaltende Tragik verleiht.
Allein der Mut, sich literarisch an dieses Thema heranzuwagen, verdient großen Respekt. Dass Jasmin Schreiber es dabei so sensibel, so klar und zugleich nicht hoffnungslos umsetzt, ist bemerkenswert. Dieser Roman interessiert sich nicht für den Täter, nicht für Details der Tat oder für Motive, wie man es aus True-Crime-Formaten kennt. Stattdessen rückt er konsequent das Opfer und die Zurückgebliebenen in den Mittelpunkt.
Wie lebt ein Kind weiter, dessen Vater die Mutter getötet hat? Wie gehen Eltern damit um, dass der Schwiegersohn, den man mochte und dem man vertraute, zum Mörder der eigenen Tochter wurde? Welche Schuldgefühle quälen eine beste Freundin, die rückblickend glaubt, die Zeichen übersehen zu haben? Diese Fragen stehen im Zentrum und sie lassen einen nicht mehr los.
Der Roman sensibilisiert dafür, genauer hinzusehen: bei Frauen, die sich „ständig stoßen“ oder „immer wieder gegen den Türrahmen laufen“. Er macht bewusst, wie häufig häusliche Gewalt im Verborgenen stattfindet und wie schwer es für Betroffene ist, ohne Unterstützung von außen einen Ausweg aus der Gewalt zu finden. Dieses Buch klagt nicht an, es schreit nicht. Gerade darin liegt seine enorme Kraft.
Mein Fazit:
Ich habe „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber sehr geliebt, doch „Da, wo ich dich sehen kann“ hat mich noch tiefer getroffen. Dieser Roman geht unter die Haut, setzt sich fest und lässt einen verändert zurück. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen dieses Buch lesen. Nicht nur wegen des wichtigen Themas, sondern auch, weil Jasmin Schreiber einen einzigartigen, würdevollen und zutiefst menschlichen Umgang damit gefunden hat. Ein schmerzhaftes, notwendiges und außergewöhnlich starkes Buch. Definitiv ein Highlight in diesem Lesejahr!
Ein Buch, das nachklingt
Die Geschichte ist ruhig gehalten und bleibt nah am Geschehen. Das Lesen benötigt Zeit und Aufmerksamkeit.
Im Verlauf bleibt diese Ruhe bestehen. Die Geschichte wird aus mehreren Blickwinkeln erzählt. Es wird nicht alles erklärt, manches bleibt einfach stehen. Das macht das Lesen schwer, aber es wirkt glaubwürdig. Denn nichts wird beschönigt.
Im Mittelpunkt stehen das Kind Maja und das, was nach der Tat übrig ist. Nicht nur Trauer, sondern auch Leere, Unsicherheit und viele offene Fragen. Der Alltag geht weiter, aber nichts fühlt sich normal an. Behörden, Gespräche und Entscheidungen laufen über Maja hinweg. Dabei wird spürbar, wie leicht ein Kind in solchen Situationen verloren gehen kann.
Mit Liv verändert sich der Ton etwas. Sie ist kein sicherer Halt und weiß selbst oft nicht weiter. Trotzdem entsteht zwischen ihr und Maja Nähe. Es sind einfache Momente, in denen sie zusammen Zeit verbringen. Gespräche, gemeinsames Nachdenken, stilles Beisammensein. Das löst nichts, aber es tut gut und gibt etwas Ruhe.
Die Geschichte wird aus mehreren Blickwinkeln erzählt. Jede Perspektive zeigt etwas anderes und ergänzt das Bild. So bekommt man ein Gefühl dafür, wie die Ereignisse alle treffen. Es gibt keine Erklärung, warum alles passiert, nur die Eindrücke der Beteiligten.
Die Geschichte hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Sie zeigt, wie Menschen auf Gewalt und Verlust reagieren. Das Lesen fordert Aufmerksamkeit, doch es lohnt sich.
Für Leser, die schwere Themen nicht scheuen und bereit sind, mit einem Kind und den Erwachsenen durch diese schwierige Zeit zu gehen, ist das Buch sehr zu empfehlen. Es berührt, ohne zu übertreiben, und bleibt lange im Kopf.
5 Sterne.
Rezensent*in 1432962
"Menschen hinterlassen mehr als Erinnerungen, sie hinterlassen Schwarze Löcher, die dich gnadenlos anziehen."
Dieses Buch habe ich nicht nur gelesen, ich habe es gefühlt. Als Frau und Mutter hat mich die Geschichte einfach durch und durch berührt.
Es geht um den Femizid an Emma und um die Auswirkungen, die dieser gewaltsame Tod auf ihr Umfeld hat. Auf ihre Tochter, die Eltern und Schwiegereltern, aber auch auf die beste Freundin.
Es ist zwar nur eine fiktive Geschichte, aber die unterschiedlichen Perspektiven der Angehörigen und ihre Gefühlswelten lassen es sehr real wirken. Unterfüttert wird die Geschichte mit gerichtsmedizinischen Berichten, Verfahrensprotokollen und Mitschriften von Psychologen. Auch tatsächliche Fälle von Femiziden werden erwähnt, wodurch die Story einen realen und aktuellen Bezug bekommt.
Das Buch ist keine leichte Kost, ich musste an vielen Stellen erstmal pausieren. Vor allem die vielen intensiven Gespräche haben mich berührt.
Fazit: ein intensives Buch, das aufrüttelt, erschüttert und berührt.
Ein schmerzhaft schönes Buch über das Echo einer Gewalttat
Jasmin Schreiber hat mit „Da, wo ich dich sehen kann“ ein Thema angepackt, das wehtut: der Femizid und die Trümmerhaufen, die er hinterlässt. Dieses Buch hat mich emotional regelrecht in die Mangel genommen, auch wenn ich zwischendurch ein wenig mit der Erzählweise zu kämpfen hatte.
Die Geschichte der neunjährigen Maja, die ihre Mutter durch einen Femizid verliert, hat mich tief berührt. Nicht nur wegen des Themas, sondern auch wegen der leisen, eindringlichen Art, wie es erzählt wird. Es geht nicht um das Verbrechen selbst, sondern um das Danach. Um die Sprachlosigkeit. Um das Funktionieren-Müssen. Und um eine Kindheit, die abrupt ihre Unbeschwertheit verliert.
Ich habe beim Lesen oft innehalten müssen. Majas Perspektive ist so fein und glaubwürdig gezeichnet, dass mir manches regelrecht das Herz zugeschnürt hat. Gleichzeitig war da die Astrophysikerin Liv, die Patentante, die plötzlich Verantwortung trägt und doch selbst zwischen Trauer, Wut und Überforderung schwankt. Diese Mehrstimmigkeit macht die Geschichte intensiv und sehr nah.
Was mich besonders berührt hat, waren die leisen Momente zwischen all dem Schmerz. Die Szenen mit dem Teleskop, der Blick in den Himmel – als würde das Universum einen Hauch Trost spenden, wenn auf der Erde alles zerbrochen ist. Diese Bilder bleiben im Kopf.
Und trotzdem: Dieses Buch ist keine leichte Lektüre. Die emotionale Dichte ist hoch, stellenweise fast erdrückend. Es gibt kaum Atempausen, kaum Momente, in denen man sich sammeln kann. Manchmal hätte ich mir ein wenig mehr Zurückhaltung gewünscht, etwas mehr Raum zwischen den Gefühlen. Nicht, weil das Thema es nicht verdient, sondern weil die Intensität dauerhaft sehr fordernd sein kann.
Zwei kleine Kritikpunkte sind anzumerken:
Der Fokus liegt auf dem „Danach“, auf dem Echo der Tat bzw. Gewalt. Das ist wichtig und richtig, aber im Mittelteil zog sich die Geschichte für mich an manchen Stellen wie Kaugummi. Die emotionale Starre, in der die Charaktere gefangen sind, ist zwar realistisch für einen Trauerprozess, machte es mir als Leserin aber manchmal schwer, dranzubleiben.
Und dann waren da so Momente, bei denen ich gelegentlich das Gefühl hatte, dass die Rollenverteilung – gerade bei den Großeltern und den Behörden – etwas zu plakativ geraten ist, um die gesellschaftliche Kritik zum Thema Femizid deutlicher zu machen.
Dennoch ist „Da, wo ich dich sehen kann“ ist ein wichtiges, aufwühlendes und handwerklich starkes Buch, das eine Stimme für die Hinterbliebenen findet. Es ist keine leichte Kost und braucht Geduld, aber wer emotionalen Tiefgang und eine bildgewaltige Sprache mag, wird dieses Buch mögen. Von mir gibt es eine absolute Lese-Empfehlung und fünf Sterne.
Rezensent*in 1697881
Ich bin wütend. Unendlich wütend. Und traurig. So verdammt traurig. Dieses Buch tut weh - auf eine leise, beharrliche Art, die einen nicht loslässt. Es erzählt von einem Femizid. Von Emma, die von ihrem Ehemann Frank ermordet wurde. Und es erzählt von denen, die zurückbleiben: von ihrer Tochter Maja, ihrer besten Freundin Liv und ihren Eltern Brigitte und Per. Davon, wie die Welt für sie stehen bleibt, während sie sich für alle anderen einfach weiterdreht. Oder vielleicht auch nicht - vielleicht dreht sie sich weiter, aber in einer anderen Geschwindigkeit, in einer anderen Realität, in der alles fremd geworden ist.
In der Geschichte heißen sie Emma, Frank, Maja, Liv, Brigitte und Per. Aber sie haben so viele Namen. So viele Gesichter. So viele Geschichten. Zwischen den Kapiteln werden reale Fälle sichtbar, die zeigen: Das hier ist keine Ausnahme. Es ist keine Fiktion, die fern von uns existiert. Es ist Realität. Für unfassbar viele Menschen. Für unfassbar viele Frauen. Und genau das macht dieses Buch so wichtig.
Wir leben in einer Kultur, in der Gewalt gegen Frauen auch in Serien und Filmen, Büchern und Podcasts allgegenwärtig ist. Zu oft wird sie als dramaturgisches Mittel benutzt - als Schockmoment oder als Antrieb für die Entwicklung eines männlichen Protagonisten. Das Leid von Frauen wird zur Spannungskurve, zur Unterhaltung, manchmal fast zur Nebensache. Wie häufig ist diese Gewalt erzählerisch wirklich notwendig - und wie oft einfach nur Gewohnheit?
Doch es geht nicht nur um Fiktion. In der realen Welt werden Frauen täglich Opfer von Gewalt und noch immer versagt die Gesellschaft viel zu oft darin, sie zu schützen. Fälle verschwinden aus den Schlagzeilen, Strukturen bleiben bestehen, Betroffene werden nicht gehört oder nicht ernst genommen. Dieses Buch stellt sich dagegen. Es zeigt die Leerstelle. Den Schmerz. Die Sprachlosigkeit. Die Wut. Die Frage nach der Schuld. Es zeigt, was bleibt. Es zeigt, dass hinter jeder Schlagzeile Menschen stehen, deren Welt zerbricht. Und dass diese zerbrochene Welt nicht einfach wieder zusammenspringt.
„Da, wo ich dich sehen kann“ ist kein leichtes Buch. Es ist schmerzhaft und unbequem. Aber genau deshalb ist es so verdammt wichtig. Es zwingt uns hinzusehen - nicht sensationsgierig, sondern menschlich. Es gibt den Zurückgebliebenen Raum. Und vielleicht ist genau das der erste Schritt: Dass wir aufhören wegzusehen. Es ist ein Buch, das wehtut. Und das gerade deshalb gelesen werden muss.
Rezensent*in 1286111
"Da, wo ich dich sehen kann" von Jasmin Schreiber ist ein Roman, der richtig weh tut. Erschienen beim Eichborn Verlag, erzählt das Buch aus unterschiedlichen Perspektiven von einem Femizid und dem Danach: von Trauer, strukturellem Versagen, Schuldgefühlen und dem verzweifelten Versuch, weiterzuleben. Im Zentrum stehen die neunjährige Maja, deren Vater ihre Mutter Emma tötet, und Liv, Emmas beste Freundin, die plötzlich Verantwortung für Maja übernimmt.
Meine Meinung
Schon die Widmung des Buches trifft mit voller Wucht: „Für meine Nachbarin, die dieses Jahr von ihrem Ehemann vor den Augen ihres gemeinsamen Kindes in ihrer Wohnung erstochen wurde. Und für alle anderen, die durch männliche Gewalt verletzt wurden …“ Man merkt sofort: Dieses Buch liegt der Autorin sehr am Herzen.
Für mich liegt das Besondere dieses Buches in seiner Vielschichtigkeit. Schreiber arbeitet mit wechselnden Perspektiven (Tochter, Patentante, Eltern, sogar die Hündin Chloé) und mit unterschiedlichen Textsorten (Notrufprotokolle, Zeitungsberichte, gerichtsmedizinische Dokumente, Was-wäre-wenn-Passagen). Gerade die "Was-wäre-wenn-Passagen" haben mich nicht losgelassen, weil sie schmerzhaft zeigen, wo seitens der Hinterbliebenen überall ein anderes Handeln möglich gewesen wäre, ohne dabei in Schuldzuweisungen zu kippen.
Die psychologische Tiefe des Buches ist enorm. Etwa, wenn Majas kindliche Selbstschuld sichtbar wird: „Sie wusste, dass es ihr Job war, auf Mama aufzupassen … aber sie war nicht gründlich genug gewesen“ (S. 206). Oder Livs Wut auf eine Gesellschaft, die weibliches Leid konsumiert: „Der tote Frauenkörper als Erzählmotor für faule oder unkreative Drehbuchschreiber …“ (S. 268).
Platz bekommt im Buch auch die Auseinandersetzung mit Mutterschaft, Ambivalenz und Überforderung. Ein Satz hat sich mir eingebrannt:
„Ich trauere der Frau hinterher, die ich hätte sein können“ (S. 130). Einfach auch um zu zeigen, Mutterschaft kann was erfüllendes sein, aber es gibt auch immer eine Frau mit ihren eigenen Träumen, von denen Mutterschaft vielleicht ein Traum ist, aber wo noch mehr dahintersteckt als nur das Mama-Dasein.
Das Buch stellt vor allem auch unbequeme Fragen: Warum werden Warnzeichen übersehen? Warum wird Gewalt gegen Frauen noch immer verharmlost, ästhetisiert, instrumentalisiert? Und wie viele Verluste kann ein Mensch eigentlich ertragen?
Fazit
"Da, wo ich dich sehen kann" ist definitiv kein leichtes Buch, aber ein notwendiges. Es fordert Empathie, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, hinzusehen. Für alle, die feministische Romane lesen wollen, die nichts für nebenbei oder zur Zerstreuung sind. Ein Jahreshighlight für mich und ein Buch, das lange nachhallt. Ich empfehle es sehr gerne weiter.
"Laut Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2023 insgesamt 180.715 Frauen Opfer häuslicher Gewalt. [..] Statistisch gesehen sind das über 495 betroffene Frauen pro Tag. Im selben Jahr wurden 360 Frauen und Mädchen Opfer eines vollendeten Tötungsdelikt."
Jasmin Schreiber schildert in diesem Buch einen Femizid, also die Tötung von Frauen oder Mädchen als extreme Form von geschlechtsbezogener Gewalt. Es geht um das Leben der Hinterbliebenen nach dieser grausamen Tat.
Maja ist erst neun Jahre alt, als ihr Vater ihre Mutter tötet. Es wird aufgezeigt, wie Maja diese Situation erträgt und wie sie bei ihren Großeltern aufwächst. Wir als Leser begleiten sie zum Beispiel zu Therapiesitzungen oder in die Schule. Es wird aus verschiedenen Blickwinkeln geschrieben: Aus der Perspektive von Majas Oma und Opa, der Therapeutin, der besten Freundin ihrer Mutter Emma und einer Hündin. Das machte das Gelesene noch viel greifbarer und gab einen guten Einblick in das Gefühlsleben jedes einzelnen. Denn jeder geht anders mit dieser Situation um.
Immer mal wieder werden zwischendrin Informationen zum Thema Femizid mit eingebracht. Wie viele Frauen jährlich sterben, und was das mit den Angehörigen macht. Welcher psychischen und physischen Gewalt die Frauen und Kinder ausgesetzt sind. Das sich viele einfach nicht von ihrem Mann scheiden lassen können, weil sie eben abhängig sind und unter Einfluss stehen.
Die Autorin schreibt mit sehr viel Gefühl. Das merkt man an der Art und Weise wie sie sich mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Der Blickwinkel des Vaters fehlt bewusst,denn dieser soll gar keine Bedeutung haben. Es hat mich berührt und traurig gestimmt.
⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen
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