Candy Girls
Sexismus in der Musikindustrie
von Sonja Eismann
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Erscheinungstermin 01.09.2025 | Archivierungsdatum 19.12.2025
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Zum Inhalt
»Feminismus ist nicht Fun, er ist komplex und er kotzt die Leute an – und er macht Arbeit! Und die hat sich Sonja Eismann gemacht, indem sie mit Verve und Zorn und zahllosen Beispielen beweist, wie patriarchal es in der Musikindustrie immer noch zugeht.« – Christiane Rösinger
Junge Frauen und ihre Körper – selbstverständlich normschön, jugendlich, sexy – sind das Rohmaterial, aus dem die Musikindustrie und die Logik des Pop gemacht sind. Sie werden in Songtexten angeschmachtet und fetischisiert, beschimpft und degradiert, sie dienen auf der Bühne und im Backstage als Projektionsfläche. Weibliche Fans werden als kreischende Masse oder willenlose Groupies betrachtet, nicht fähig zu einem ernsthaften Interesse an der Musik oder einem ernstzunehmenden Geschmack. Und wenn eine Frau als Künstlerin auftritt, dann ist sie zunächst eine Frau und erst dann eine Musikerin, dann ist ihr Körper entweder zu dick, zu dünn, zu perfekt oder sonst wie falsch, dann ist sie entweder Hure oder Heilige, und dann – plötzlich – ist sie sowieso zu alt.
In einer so wütenden wie lehrreichen Mischung aus Analyse und Abrechnung zeigt Sonja Eismann, wie tief Sexismus und Ageismus in die Musikindustrie eingeschrieben sind, wie wir als Konsument*innen den male gaze erlernt und verinnerlicht haben, wie Missbrauch und Pädosexualität in fast allen Szenen und Genres akzeptiert werden. Sie schreibt über alte Männer, die minderjährige Sängerinnen sexualisierte Songs performen lassen, über die scheinbare Unmöglichkeit eines richtigen Alterns, sexistischen Musikjournalismus, Superstars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Peaches, über Feminizide in Songlyrics – und natürlich über Beispiele der selbstbewussten Aneignung, des Widerstands, der wütenden Mittelfinger gegen das Musikpatriarchat.
Sonja Eismann (*1973) ist Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie studierte Komparatistik in Wien, Mannheim, Dijon und Santa Cruz (USA) und war Mitgründerin des Magazins nylon und des Missy Magazine, wo sie bis heute Teil der Redaktion ist. Sie war/ist u.a. für Spex, taz, Freitag und Deutschlandfunk Kultur als Autorin und Journalistin tätig und forscht zu Genderdarstellungen im Pop. Von 2016 bis 2022 war sie Mitglied im Musikrat des Goethe-Instituts, 2024 hatte sie die Popdozentur der Universität Paderborn inne. Sie lebt in Berlin.
»Feminismus ist nicht Fun, er ist komplex und er kotzt die Leute an – und er macht Arbeit! Und die hat sich Sonja Eismann gemacht, indem sie mit Verve und Zorn und zahllosen Beispielen beweist, wie...
Vorab-Besprechungen
»Feminismus ist nicht Fun, er ist komplex und er kotzt die Leute an – und er macht Arbeit! Und die hat sich Sonja Eismann gemacht, indem sie mit Verve und Zorn und zahllosen Beispielen beweist, wie patriarchal es in der Musikindustrie immer noch zugeht.« – Christiane Rösinger
»Feminismus ist nicht Fun, er ist komplex und er kotzt die Leute an – und er macht Arbeit! Und die hat sich Sonja Eismann gemacht, indem sie mit Verve und Zorn und zahllosen Beispielen beweist, wie...
Verfügbare Ausgaben
| AUSGABE | Anderes Format |
| ISBN | 9783960544722 |
| PREIS | 20,00 € (EUR) |
| SEITEN | 200 |
Auf NetGalley verfügbar
Rezensionen der NetGalley-Mitglieder
Sonja Eismann beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Popkultur. Als Kulturwissenschaftlerin und Journalistin bei der Spex und der taz, sowie seit 2008 beim Missy Magazine, das sie mitgegründet hat.
Eismann hat viel gesehen, viel geschrieben und vermittelt in „Candy Girls“ ein klares Bild über die Musikindustrie und ihre inhärente Misogynie. Auch ihr eigenes Analysieren und Schreiben spart sie dabei nicht aus, denn den male gaze dieser Unterhaltungsmaschinerie haben wir alle internalisiert. „Die gesamte Musikindustrie basiert fast ausnahmslos darauf, dass jugendliche, normschöne Frauenkörper als quasi unendliche Ressource zur Verfügung stehen, an denen sich der öffentliche männliche Blick (den im Übrigen nicht nur Männer, sondern alle kulturell erlernt haben) labt.“
Frauenkörper sind das Rohmaterial, aus dem alles entsteht. Sie sind überall und sie sind zugleich eine Leerstelle. Zwischen pädosexuellem Verhalten und Ageismus werden Frauenkörper be- und verurteilt.
Weibliche Fans sind das Schmiermittel für die Industrie und werden gleichzeitig abgewertet (schon seit der sogenannten Lisztomania im 19. Jahrhundert!). Musiker gelten einerseits als der Gegenentwurf zur spießigen Elterngeneration/ Gesellschaft, stabilisieren allerdings andererseits das patriarchale System, indem sie Frauen ausbeuten und abwerten. Die Beispiele, die Sonja Eismann findet, nehmen kein Ende.
Die Autorin lässt endlich keine mildernden Umstände, keinen Deckmantel der „Kunst“ mehr gelten: der Zorn ist in diesem Sachbuch von vorne bis hinten spürbar. Nach dem Lesen bleibt mir gar nichts anderes übrig: ich will die Branche brennen sehen.
Die dicken, fetten Content Notes muss ich hier eigentlich gar nicht mehr erwähnen. Misogynie, Pädosexualität, sexualisierte Gewalt und Femizid werden beim näheren Hingucken in allen Genres und Zweigen der Industry sichtbar.
Verena S, Rezensent*in
Mit großen Artists wie Taylor Swift, Beyonce, Lady Gaga, Chappell Roan, Sabrina Carpenter, Charli XCX, Olivia Rodrigo... könnte man denken das goldene Zeitalter des Popmatriarchats wäre angebrochen. Oberflächlich betrachtet ist das auch so. Aber sobald man etwas tiefer gräbt, findet man (wie fast überall) zutiefst misogyne Strukturen. In Candy Girls werden diese Strukturen aufgedröselt. So geht es unter anderem darum, wie viele Pädokriminelle sich im Musikbusiness herumtreiben und wie das nicht nur vertuscht wird, sondern auch gar nicht so selten verharmlost oder gar zelebriert und somit normalisiert wird (ich kann nie wieder <i>I'm on fire</i> hören, wie früher).
Auch das Genres/Bewegungen wie Rock oder Punk, die eigentlich ein anti-establishment Image pflegen, paradoxerweise das Patriarchat hochhalten und stärken (Stichwort: misogyne Lyrics) war mir so nie bewusst.
Und dann sind da natürlich noch die Glamorisierung des Groupietums (was mich an die Glamorisierung von Playmate/Girls of the Playboy Mansion erinnert hat), dass Frauen nie richtig sind (zu alt, zu dick...), #metoo in der Musikindustrie und dass misogyne Vorurteil, dass Frauen sowieso nichts interessantes kreiren können und es sich deshalb nicht lohnt ihnen zuzuhören...
Ich habe auch eine Playlist auf Spotify kreiert, mit allen erwähnten Songs (ein paar fehlen, da ich sie nicht gefunden habe): https://open.spotify.com/playlist/1hcIU3HyrjBJu2t2WhTc7Y?si=1dA8kFozSriU1YLHn41SOw
Alles in allem super interessant. Da ich schon viel allgemeine feministische Literatur gelesen habe, war dies ein interessanter Deep Dive ins Musikbusiness.
Buchhändler*in 1231302
Erschreckend, aber doch so real. Diesen Titel habe ich (teils ungläubig vor der Absurdität) verschlungen, trotz der Gänsehaut, die ich an so einigen Stellen bekommen habe. Ich freue mich dieses Buch weiterzuempfehlen, denn das Thema ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Musikindustrie.
Buchhändler*in 1297131
Wer erst mal einen Blich hinter die Kulissen der Musikszene wirft merkt schnell, wie sehr Misogynie hier noch eine Rolle spielt. Aber auch von außen betrachtet ist es viele Menschen gar nicht bewusst wie sexistisch die Songs sind die sie hören. Ein super aufklärendes Buch das sowohl die Musikmachenden als auch die Hörer*innen auffordert mehr für Gleichberechtigung in der Musikindustrie zu tun.
Sarah L, Rezensent*in
Candy Girls startet mit einem Kapitel, bei dem sich mir direkt der Magen umdrehen wollte. „Zu jung“ thematisiert genau das, was man sich als worst case darunter vorstellt: Ältere und mächtigere Männer die in Form von Songwritern, Musikern oder Journalisten minderjährige Mädchen sexualisieren, für zweideutige „Witzchen“ ausbeuten, über ihre Jungfräulichkeit spekulieren, bis hin zu offen gelebter Pädophilie. Ein paar der „Fälle“ die Sonja Eismann hier schildert kannte ich schon, einiges war mir neu. Im Kapitel „zu alt“ geht es dann in die andere Richtung, denn bekanntlich hat Frau ja nie das richtige Alter um ohne Kritik in der Öffentlichkeit zu stehen.
Auch die Kapitel über Fans und Groupies fand ich wirklich spannend. Nochmal vor Augen geführt zu bekommen, dass Musik, die von Frauen gehört (und gemacht) wird künstlerisch erstmal weniger Wert ist hat mich stark an meine Teenie-Zeit erinnert. Ich wünschte, ich hätte damals schon die Worte dafür gehabt, die Eismann hier findet! Die schockierende Mud-Shark-Episode und die Schlüsse, die Eismann aus dieser Anekdote zieht haben schwer Eindruck auf mich gemacht.
Und wer sich jetzt fragt „Mud-Shark? Was zur Hölle?“ der sollte einfach zu diesem Buch greifen! Für ein Sachbuch liest es sich extrem flott, ich bin nur so durch die Seiten gerauscht. Auch Eismanns ironisch bis wütender Ton – der allen Zykunov-Fans sehr gefallen dürfte – hat mich schnell durch die Kapitel gezogen.
Das Einzige, das mir an diesem Sachbuch nicht so sehr gefallen hat ist, dass es meiner Meinung nach mit den größten Bangern startet und in den letzten Kapiteln nicht mehr die gleiche Stärke hat. Auch hat mir Künstlerin Peaches etwas zu oft als Gegenbeispiel herhalten müssen; andere Künstlerinnen dafür gefehlt – aber das ist bestimmt ein Fass ohne Boden.
Auch wenn viele Dinge in diesem Buch stecken, von denen man als medienaffiner Mensch irgendwann schonmal gehört hat (France Galls Lollipop, Nippelgate, Madonnas Schönheits-Ops, misogyne Songtexte und vieles vieles mehr), legt Eismann immer die strukturellen Probleme hinter diesen vermeintlichen Einzelfällen offen, was den Mehrwert dieses Sachbuchs ausmacht.
Für mich hat sich „Candy Girls“ jedenfalls zu einem meiner Lieblings-Sachbücher gemausert, das ich Musikliebhabern und -liebhaberinnen nur empfehlen kann!
Zusammenfassung:
Anhand diverser Beispiele aus der Gegenwart sowie aus den letzten Jahrzehnten der Musikindustrie macht die Autorin deutlich, wie tief der Sexismus verankert war und noch immer ist.
Persönliche Meinung:
In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen wird Sonja Eismann gefragt, wie sich Sexismus heute noch äußere, wenn doch mittlerweile Frauen, wie etwa Taylor Swift, erfolgreicher sind als Männer. Sie entgegnet, dass wir zwar bereits eine Bundeskanzlerin hatten, die Politik jedoch weiterhin ein überwiegend männlich dominiertes Feld geblieben ist – ein sehr prägnantes Beispiel in diesem Zusammenhang.
Eismann macht deutlich, dass es in der Musikindustrie nicht nur an einer ausgewogenen Repräsentation von Frauen mangelt. Sie legt zugleich die Ursachen offen und zeigt mögliche Ansätze auf, wie sich Veränderungen herbeiführen lassen.
Eindringlich verweist sie auf den allgegenwärtigen Sexismus in Songtexten und auf die gesellschaftliche Toleranz gegenüber sexueller Gewalt an Frauen.
Einige Geschichten waren für mich kaum auszuhalten. Und wenn ich meine Tochter Gitarre spielen höre, bin ich dankbar, dass sich seit Zappas Zeiten bereits manches verändert hat – und uns allen bleibt die Hoffnung, dass sich noch vieles mehr ändern wird.
Eismanns Wut ist spürbar. Eine Wut, die ansteckend wirkt und den entschiedenen Willen vermittelt, die Welt in dieser Hinsicht endlich grundlegend zu verändern.
"All diese Erlebnisse - ob sie von den Überlebenden als traumatisierend erinnert oder als intensive Begegnung verharmlost werden - zeigen uns, worum es in der Popindustrie zu großen Teilen geht: Um die Ausbeutung meist junger Frauen oder gar minderjähriger Mädchen zur Befriedigung oder Belustigung meist älterer Männer."
Ein schockierendes und wichtiges Werk über die Ausbeutung von Frauen in der Musikindustrie, die häufig vor allem auf ihren Körper und ihr Alter reduziert werden. Die zur Erläuterung gebrachten Beispiele sind erschütternd und haben mich sehr zum Nachdenken angeregt. Für alle Musikfans ein Muss, für alle anderen eine lohnende Lektüre. Sehr empfehlenswert.
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