Die andern sind das weite Meer

Der neue Familienroman der Bestsellerautorin über spätes Erwachsenwerden und Zusammenhalt

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Erscheinungstermin 29.08.2024 | Archivierungsdatum 23.09.2024

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Zum Inhalt

Familie Cramer droht die Zerreißprobe. Dass Vater Hans langsam, aber sicher in eine Demenz gleitet, wollen seine drei erwachsenen Kinder nicht wahrhaben. Zu sehr kämpfen sie an ihren eigenen Fronten. Luka ist als Fernsehreporterin kaum je zu Hause, Tom mit der Leitung seiner psychiatrischen Klinik beschäftigt, und Elena steigert sich in ihre Jugendliebe hinein, weil sie vor einer unangenehmen Wahrheit die Augen verschließt. In dem Glauben, von den anderen nicht verstanden zu werden, trägt jeder sein eigenes Päckchen – bis der Vater spurlos verschwindet.

Familie Cramer droht die Zerreißprobe. Dass Vater Hans langsam, aber sicher in eine Demenz gleitet, wollen seine drei erwachsenen Kinder nicht wahrhaben. Zu sehr kämpfen sie an ihren eigenen Fronten...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Anderes Format
ISBN 9783961611973
PREIS 23,00 € (EUR)
SEITEN 336

Auf NetGalley verfügbar

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Wow - was für eine Geschichte. Ich mochte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Julie von Kessel erzählt so wunderbar, so lebendig, man fühlt sich mittendrin in der Familie Cramer. Jeder trägt sein Päckchen und fühlt sich allein, jedoch am Ende finden alle zueinander und Verständnis füreinander.

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Lebenswege

Es gibt so Bücher, die tief im Inneren etwas bewegen. Für mich ist dieses Buch so ein Buch. Eine Familiengeschichte, die so viel mehr ist als nur das, eine Geschichte über das Leben, das Scheitern, darüber Verantwortung zu übernehmen und über Vergebung. Eine berührende Geschichte.

Zum Inhalt: Hans Cramer war mal Botschafter, jemand der was zu sagen hatte, dem man wichtige Entscheidungen anvertraute. Nun steht er vor dem Haus der Nachbarn und sucht das Schwimmbad, dass es seit über 20 Jahren nicht mehr gibt. Und während seine Welt in Vergessenheit gerät, schlagen seine Kinder ihre ganz eigenen Schlachten, die drohen an allen Fronten verloren zu gehen.

Die Geschichte wird aus den wechselnden Perspektiven der Familienmitglieder erzählt, die alle mit sich selbst und ihren eigenen Problemen beschäftigt sind. Es werden ganz unterschiedliche Lebenswege aufgezeigt, Entscheidungen und ihre Konsequenzen. Zwischen Job, Beziehung und Familie kämpfen die drei Kinder von Hans Cramer jeder für sich allein.

In feinen Nuancen werden Scheidewege aufgezeigt und sehr nahbar beschrieben, wie verloren man sich auch als erwachsene Person fühlen kann. Eigentlich ist diese Geschichte eine banale Alltagsgeschichte, aber genau das macht sie so authentisch und ergreifend.

Die kurzen Kapitel und schnellen Perspektivwechsel haben mir gut gefallen, genauso wie der Moment, an dem alles zusammengeführt wird. Der Schreibstil ist sehr angenehm, nicht überbordend, aber bildhaft und mit emotionaler Tiefe.

Hat mir richtig gut gefallen.

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Vater Hans

Die anderen sind das weite Meer, von der Schriftstellerin Julie von Kessel, ist ein interessanter Roman.
Die Autorin schreibt feinsinnig über das Thema Demenz und wie die Kinder des Kranken damit umgehen.

Hans Cramer war einst ein Diplomat und jetzt ist er mit der Demenz geschlagen. Es ist besonders innig geschrieben, wie seine Gedanken spazieren gehen. Seine Kinder haben auch alle ein Päckchen zu tragen
Von jeder Person können wir ihre Emotionen miterleben.
Es ist sehr schön, das die Autorin die Geschwister zusammen ihre Probleme verarbeiten und ihren Vater nicht allein lassen.
Die Autorin hat da einen schöne Familiengerechte geschaffen, die ich gerne gelesen habe.
Es ist eine lesenswerte Lektüre.

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Als man denkt, das Buch ist durchgelesen, die Geschichte ist auserzählt, nimmt es noch mal Fahrt auf! Toll, hat mir sehr gefallen, gerade deshalb, dass es den nicht mit der Demenz aufhört, sondern noch weitergeht in der Geschichte, fand ich ganz stark. Die Geschwister sind in ihren Charakteren sehr gut dargestellt, in jeden konnte ich mich hineinversetzen, auch der Vater mit seiner laundlenhaftigkeit und mitunter Wut war nachvollziehbar. Sehr schöne Erzählung, möchte ich gern empfehlen

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Julie von Kessel hat ein Buch geschrieben, was sicher viele LeserInnen bewegen wird.
Der verwitwete Vater lebt alleine und steuert auf eine Demenzerkrankung zu, die drei Kinder sind weit zerstreut und haben
kaum Zeit um sich zu angemessen zu kümmern, bis es zu einem schweren Zwischenfall kommt.
Bis dahin wird langsam die Geschichte der Familie und der Konflikte untereinander ebenso wie die Schwierigkeiten im aktuellen
Leben der Kinder geschildert. Bis es zu einer Annäherung der GEschwister kommt, sind viele Hürden zu bewältigen.
Eine rundum gelungene Familiengeschichte

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Manchmal fällt es schwer sich einzugestehen, was für andere so offensichtlich ist. Genau so ergeht es den Kindern von Hans Cramer. Er ist dement, seine Demenz schreitet immer weiter voran und eigentlich müssten sie sich mehr um ihn kümmern, doch jeder findet Ausreden und Rechtfertigungen, möchte die Verantwortung nicht tragen.

Während Hans immer mehr in der Vergangenheit versinkt, lebt Luka ihr abenteuerliches Leben als Journalistin und Kriegsreporterin in der Ukraine, Elena ist durch eine Erkrankung in ihren Grundfesten erschüttert und auch Tom, der als Psychiater eine eigene Klinik betreibt, befindet sich gerade nicht im besten Abschnitt seines Lebens.

Sie alle kreisen um sich selber und alle driften gerade mehr oder weniger auf eine Lebenskrise zu. Da kommt Hans mit seiner Demenz nicht vor. Es stört, daran zu denken, was aus ihm werden soll und doch kommt der Augenblick, in dem sich alle Kinder, aber auch Hans mit der Vergangenheit auseinandersetzen müssen…

Heutzutage findet das Thema Demenz immer mehr Beachtung; die Menschen werden immer älter und damit steigt die Chance, dement zu werden. Es stellt sich die Frage, wie wir als Gesellschaft damit umgehen, wie wir damit umgehen, wenn es jemanden aus unserer Familie trifft. Dieses Buch gibt zwar keine direkten Antworten auf die Frage, doch es zeigt auf, dass es sich letztlich lohnt, gemeinsam als Familie eine Lösung zu finden und den betroffenen Menschen nicht allein zu lassen.

Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen, der Schreibstil ist flüssig und ich wollte wissen, wie es mit den einzelnen Figuren weitergeht, die so lebensecht beschrieben werden und deren Erlebnisse mit sich aber auch mit dem Vater so interessant geschildert werden. Ein sehr guter Familienroman zum Thema Demenz, der sich trotz des ernsten Themas angenehm lesen lässt.

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Julie von Kessels vielschichtiger Familiengeschichte um drei Geschwister und ihren demenzkranken Vater besticht mit ihrer klaren atmosphärischen Sprache und den aktuellen Bezügen.

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Hinreißende Geschichte über die Wechselfälle des Lebens

Julie von Kessel hat mich bezaubert mit ihrem Familienroman 'Die andern sind das weite Meer'. Sinnlich und zugleich schonungslos ehrlich schreibt sie über die Familie Cramer. Aus stets wechselnder Perspektive tauchen wir ein in den Alltag der vier Protagonisten. Während Hans, der Vater, seine Tage mit fortschreitender Demenz immer weniger allein bewältigen kann, sind seine drei Kinder mit ihren beruflichen als auch familiären Herausforderungen stark beschäftigt, sind nicht immer sofort erreichbar. Dramatische Ereignisse erfordern schließlich Entscheidungen, die Kränkungen zu überwinden und Verständnis füreinander schrittweise aufzubauen haben.
Die Charaktere sind mit hervorragender Klarheit dargestellt, so dass die Geschichte trotz aller inhaltlicher Schwere zu einem Leseerlebnis wird. Der packende Schreibstil verführt dazu, das Buch nicht aus der Hand legen zu wollen. Die aktuellen, brisanten Themen unserer Zeit stimmen nachdenklich und sprechen über Wertevorstellungen.
Ich kann diesen Roman sehr gern weiterempfehlen.

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Das Buch hat mir richtig gut gefallen. Hans wird allmählich dement und verliert zunehmend die Orientierung. Seine Kinder versuchen, die Situation zu ignorieren, denn sie haben eigene Probleme. Während Luka das Lieblingskind war, konnten Elena und Tom dem Vater nichts recht machen, womit sie heute noch hadern. Erst als Hans plötzlich verschwindet, ändert sich etwas. Man spürt super die Zerrissenheit der Kinder ihrem Vater gegenüber, aber auch einen Zusammenhalt untereinander. Tolle Sprache, spannende Geschichte..... absolut empfehlenswert

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„Die anderen sind das weite Meer“ von Julie von Kessel ist ein bewegender Familienroman, der tief in die emotionalen und persönlichen Welten der einzelnen Familienmitglieder eintaucht. Der Roman schildert die Geschichte der Familie aus den Perspektiven der drei Kinder – Luca, Elena und Tom – sowie des Vaters Hans, der an beginnender Demenz leidet.
Es ist ein berührender und nachdenklich stimmender Roman, der den Leser in die Welt einer Familie entführt, die mit den Herausforderungen des Lebens und der Krankheit eines geliebten Menschen konfrontiert ist. Julie von Kessel schafft es, die unterschiedlichen Perspektiven und Geschichten der Protagonisten zu einem stimmigen und fesselnden Gesamtbild zu verweben. Dieser Roman ist eine klare Leseempfehlung für alle, die tiefgründige und emotionale Familiengeschichten schätzen.

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Verdrängung

Julie von Kessel erzählt in „Die anderen sind das weite Meer“ filmreif und mit psychologischem Gespür von der späten Annäherung einer Familie


„Neben dem Schrank hing ein Bild, das Luka vor vierzig Jahren gemalt hatte: Drei Kinder und zwei Erwachsene waren darauf zu sehen, die ganze Familie Cramer, von der winzigen Elena bis zu Maria mit den großen braunen Kringeln auf dem Kopf. Tom betrachtete es, zum ersten Mal fiel ihm auf, dass sie alle Berge bestiegen, doch jedes Familienmitglied erklomm seinen eigenen Hügel.“

Wenn Eltern älter werden, sehen sich Kinder oft mit Herausforderungen konfrontiert. Es mehren sich Krankheiten, wie die persönlichkeitsverändernde Demenz, die die Beziehungen auf den Kopf stellen. Das gilt besonders für die Konstellation von Geschwistern. Man wohnt entfernt und sieht sich selten. Wer kümmert sich, wenn der Vater oder die Mutter Hilfe benötigen? Der Notwendigkeit zu handeln steht das Abschieben von Verantwortung entgegen. Konflikte scheinen unvermeidlich.

So ergeht es Luka, Tom und Elena, als sie erfahren, daß ihr Vater zunehmend dement wird und in der Nachbarschaft herumirrt. Hans war einst als Botschafter des Auswärtigen Amts in Mexiko. Dort lernte er Maria, seine Frau, kennen, die vor Jahren verstorben ist. Er lebt allein im Bonner Einfamilienhaus, lediglich ein Pflegedienst schaut vorbei. Zu seinen Kindern unterhält der gefühlsarme Mann ambivalente Bindungen.
„Seine Sturheit, sein Mangel an Empathie, seine völlige Unfähigkeit, etwas aus einem anderen Blickwinkel zu sehen als seinem eigenen, das war schon immer dagewesen. Mit der Demenz verstand Hans im wahrsten Sinne des Wortes die Welt nicht mehr, doch im Grunde hatte er sie nie verstanden. Das Leben, das seine Kinder führten, verwirrte ihn. Toms Homosexualität hatte er immer einfach ignoriert. Und als Tom ihm mit Mitte zwanzig seinen Berufswunsch mitgeteilt hatte, war Hans voller Verachtung gewesen (»Psychiater sind doch meistens selbst verrückt«). Mit Elena war es fast noch schlimmer. Erst hatte er ihr die finanzielle Unterstützung entzogen, so dass für sie ein Uni-Abschluss irgendwann unmöglich geworden war, dann strafte er sie dafür. Als die Nachbarn einmal nach ihr gefragt hatten – »Was macht Elena eigentlich?« – hatte Hans höhnisch aufgelacht. »Macht sie überhaupt etwas?« Nur Luka war in seinen Augen unfehlbar.“

Luka, die Älteste, steht ihm am nächsten, auch wenn sie als Auslandsreporterin stets weit entfernt ist. Zu Elena hingegen, die ebenfalls in Bonn wohnt und die größte Vaterlast trägt, hat er ein schlechtes Verhältnis. Kaum mehr verbindet ihn mit Tom, der als Psychiater zwar medizinisches Verständnis für den Vater hat, den jedoch Erinnerung und Verschweigen auf Distanz halten. Tom wohnt in Berlin und leitet eine Psychiatrische Klinik, seinen Vater sieht er selten. Dieser lebt in zunehmender Verunsicherung, da er merkt, daß er sich immer stärker verliert. Orientierung bietet ihm oft nur noch die Liste, die eine Pflegerin für ihn macht. „Er spürte eine tiefe Dankbarkeit für Jadwigas Zettel, den sie jeden Abend für ihn schrieb. Ihre Liste war wie ein Anker, wenn er morgens erwachte und sich fühlte, als würde er mitten auf dem Meer treiben. Sie ließ ihn wissen, welcher Tag es war und was er zu tun hatte.“
Dies ist die Ausgangslage in Julie von Kessels drittem Roman „Die anderen sind das weite Meer“. Die Journalistin und Fernsehautorin ist selbst Tochter eines Diplomaten und lässt diese Erfahrungen in die Erlebnisse ihrer Protagonisten einfließen.
In multiperspektivischen Episoden kommen wechselweise die Geschwister Luka, Tom, Elena und Vater Hans zu Wort. Kessel gelingt dies auf spannende Weise und mit psychologischem Gespür. Neben den Erinnerungen der Erzählfiguren, die Einblicke in die Familienvergangenheit gewähren, stehen lebendige Dialoge und fast filmische Szenen. „Wut flammte in ihr auf, aber auch Verzweiflung darüber, dass niemand zu ihr hielt. Sie ballte die Hand zur Faust und drückte sie an die Scheibe, am liebsten hätte sie hindurchgeschlagen, aber zu einer solch dramatischen Geste war sie nicht fähig, zum Glück.“ Manchmal enden die Kapitel mit einem Cliffhanger. Im Falle der in der Ukraine spielenden Luka-Episoden erinnerte mich dies an Serien wie „The Morning Show“.
Die Themenvielfalt trägt dazu bei, die Lektüre interessant zu gestalten, auch wenn sie bisweilen ein wenig überbordet. Andererseits ist, wie bei guter Unterhaltung zu erwarten, für jeden etwas dabei. Da gibt es Partnerschaft und Liebe, ergänzt vom Elternsein, Bereiche, in denen per se an jeder Ecke Schwierigkeiten lauern. Kessel hinterfragt hier nicht nur das männliche Verhalten kritisch. Es folgen Krankheiten, wie mit ihnen umgegangen werden kann und wie besser nicht. Elena, die wie ihre Mutter an Brustkrebs erkrankt ist, verdrängt diesen zunächst. Verdrängung ist allen Themengebieten des Romans gemeinsam und bietet besonders den Hauptthemen des Romans, Älterwerden und Demenz, großes Potential. Luka, die aus Altersgründen um ihre Karriere fürchtet, führt erst ein fataler Fehler zur Auseinandersetzung mit dieser. Tom, der sich vom Vater nicht anerkannt fühlt, fällt es schwer zu sich und seinen Wünschen zu stehen. Hans spürt, wie die Demenz sein Selbst verändert. Dies könnte man, besonders bei den geschilderten Details als klischeehaft auffassen. Doch wer selbst Erfahrungen mit dementen Personen hat, weiß, dass Klischees leider oft zutreffen. Die Krankheit verändert Hans. Er verliert Teile seiner Persönlichkeit, aber er verliert auch seine moralische Rigidität. Eine Annäherung zu seinen Kindern scheint dadurch möglich zu werden.

Julie von Kessels Roman erzählt, wie eine Familie alles unter den Teppich kehrt, bis ein Berg entsteht, dessen Hänge unter großer Anstrengung bewältigt werden müssen.

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Geht man davon aus, dass das Meer unergründlich, gewaltig und unberechenbar ist, dann passt der poetische Titel, den Julie von Kessel für ihren 3. Roman gewählt hat, gut. Es geht um eine Familie, Mutter tot, die Kinder mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, Vater alleinlebend und wunderlich werdend. Ein in sich geschlossener Kosmos, eine Insel gewissermaßen, die den Unbill des Lebens trotzt. Als Papa, fast nackt, bei der Nachbarin klingelt und zu schwimmen wünscht. Dass die Nachbarn seit mehreren Jahrzehnten keinen Pool mehr im Garten haben - kann man doch mal vergessen. Schön ist der Aufbau des Romans, der den vier Hauptpersonen abwechselnd folgt, aus deren Erleben sich nach und nach ein Ganzes formt, die aber trotz der familiären Komponente auch jeweils ihr eigenes Leben haben, ihre eigene Geschichte. Als Kriegsreporterin, der ein tödlicher Fehler unterläuft bei dem Versuch, einen Scoop zu landen, um von den blasierten Chefs ernstgenommen zu werden, beispielsweise. Das wirkt alles so glaubhaft, so ungewollt. Auch die Kapitel vom Vater sind fantastisch, weil sie miterleben lassen, wie sich jemand fühlen mag, dem die Kontrolle über sein Hirn entgleitet. Und dessen Schicksal letztlich dazu führt, dass die Familie sich auf eine ihrer größten Stärken besinnt - den Zusammenhalt. Dringende Empfehlung.

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Julie von Kessels Buch "Die andern sind das weite Meer" hat mir gut gefallen. Drei Geschwister, die sich einander und ihrem alten Vater entfremdet haben, alle drei an einem Wendepunkt im Leben. Alle nach aussen erfolgreich, nach innen aber nicht glücklich. Und plötzlich spielt der Vater verrückt, ist offenbar dement, es muss sich gekümmert werden. Eigentlich hat aber keiner der drei Zeit, jeder ist mit sich selbst beschäftigt, ist auch geografisch zu weit weg. Bis plötzlich alles zusammenbricht, die Geschwister sich treffen, in der gemeinsamen Sorge um den Vater wieder vereint. Und alle drei erkennen, dass manchmal ein Richtungswechsel ganz gut tut, man aneinander Halt finden kann, auch wenn man sich nicht sehr nahe steht. Schön erzählt, flüssig zu lesen, unterhaltsam und doch mit langem Nachhall.

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