Viktor

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Erscheinungstermin 18.05.2021 | Archivierungsdatum 18.06.2021

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Zum Inhalt

Wien, 1914. Der junge Viktor entwickelt sich mit seiner unkonventionellen Art zum schwarzen Schaf seiner wohlhabenden jüdischen Familie. 

Nimwegen, 1994. Die Studentin Geertje hat es satt, dass sich ihre Familie auch Jahrzehnte nach der Schoah noch immer für ihr Judentum schämt. Sie will die Mauer des Schweigens endlich durchbrechen. Denn das Schicksal ihrer Familie ist allgegenwärtig – auch das von Viktor. 

Basierend auf der wahren Geschichte der Wiener Familie Fanto, erzählt Judith Fanto in diesem preisgekrönten Debüt zutiefst berührend und zugleich humorvoll von einer Frau, die sich auf die Suche begibt: nach ihren verschütteten jüdischen Wurzeln, nach Spuren von Viktor – und nach den Mächten, die aus der Vergangenheit bis heute auf sie einzuwirken scheinen. 


Geertje weiß, dass sie Jüdin ist. Aber was bedeutet das eigentlich? In ihrer Familie erhält sie keine Antworten. Und dennoch spürt Geertje, dass es einmal ein ganz anderes Leben für ihre Familie gegeben haben muss – damals, im Wien Gustav Mahlers nach der Jahrhundertwende. 

Von den Angehörigen, die schon längst tot sind, deren Anwesenheit Geertje aber trotzdem noch wahrzunehmen meint, scheint Viktor eine besonders schillernde Gestalt zu sein. Er ist von einem Geheimnis umgeben, das nichts mit seinen Frauengeschichten und anderen zweifelhaften Machenschaften zu tun haben kann. 

Überschattet von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts, lebt Geertjes Familie noch immer so, als wäre der Krieg nie zu Ende gegangen. Geertje weiß, dass dies nicht ihr Weg sein kann. Mit aller Kraft versucht sie, sich von dem Trauma zu befreien, das ihre Familie seit Generationen gefangen hält.

Wien, 1914. Der junge Viktor entwickelt sich mit seiner unkonventionellen Art zum schwarzen Schaf seiner wohlhabenden jüdischen Familie. 

Nimwegen, 1994. Die Studentin Geertje hat es satt, dass sich...


Eine Anmerkung des Verlags

Die Autorin steht für Veranstaltungen zur Verfügung. Ausstattung: Mit Schutzumschlag

Die Autorin steht für Veranstaltungen zur Verfügung. Ausstattung: Mit Schutzumschlag


Vorab-Besprechungen

»Ein Debütroman voller Humor, Weisheit und Melancholie.«
De Telegraaf, Amsterdam

»Dieses Buch kann man nicht mehr aus der Hand legen.«
Literair Nederland


In den Niederlanden als bestes Debüt des Jahres ausgezeichnet!

»Ein Debütroman voller Humor, Weisheit und Melancholie.«
De Telegraaf, Amsterdam

»Dieses Buch kann man nicht mehr aus der Hand legen.«
Literair Nederland


In den Niederlanden als bestes Debüt des Jahres...


Verfügbare Ausgaben

AUSGABE Hardcover
ISBN 9783825152574
PREIS 24,00 € (EUR)

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Rezensionen der NetGalley-Mitglieder

Ein schöner Roman über die Geschichte einer jüdischen Familie . Die verschiedenen Zeitebenen erzeugen Spannung und führen den Leser durch die unterschiedlichen Lebenssituationen. Gut lesbar und trotz aller Tragik auch immer humorvoll.

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Eine für mich völlig neue Welt: Eine jüdische Familie wird in diesem zweisträngigen Buch begleitet. Die Auswirkungen des Judentums auf die Leben der Personen war faszinierend und fremd für mich. Die beiden Stränge spielen in unterschiedlichen Zeiten, die einen die Vorfahren der Familie in der Nachkriegszeit in Wien: Die junge Geertje, die schon unter ihrem nichtjüdischen Vornamen leidet und unter der Verleugnung des Judentums ihrer Familie. Die Kriegstraumata und ihre Folgen für die Überlebenden sickern aus dem Buch und werden in der Familie kaum in Worte gefasst, was sie umso eindrucksvoller für die Kinder wirken lässt. Was für eine Ohnmacht, die offensichtlich noch Generationen später nachhallt. Über gewisse Dinge nicht zu sprechen, vererbt das Trauma gerade weiter. Schön ist die Ablehnung einiger für uns völlig normaler Dinge beschrieben, wie z. B. das Autofahren. Auf der anderen Seite die Leidenschaft zur Musik und zur Kunst, die in Form von Hausmusik und dem Besuch von Kulturveranstaltungen aller Generationen zelebriert wird. Und dies führt bei der jungen Jurastudentin Geertje dazu, dass sie sich dem Judentum bewußt zuwendet, ihren Vornamen zu Judith ändert und so anfängt, das Jüdischsein für sich neu zu entdecken. Eine spannende Reise beginnt. Und ich habe so viel gelernt durch dieses Buch, was so sensibel und ehrlich ist und doch auch leicht und lustig.

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!ein Lesehighlight 2021! Klappentext: „Wien, 1914. Der junge Viktor entwickelt sich zielstrebig zum schwarzen Schaf seiner wohlhabenden jüdischen Familie. Nimwegen, 1994. Die Studentin Geertje hat es satt, dass sich ihre Familie noch immer für ihr Judentum schämt. Auf der Suche nach ihrer eigenen Identität will sie die Mauer des Schweigens endlich durchbrechen. Denn das Schicksal ihrer Familie ist allgegenwärtig – auch das von Viktor.“ Ich muss gestehen, ich war mir zu Beginn nicht ganz sicher, was ich von diesem Roman halten sollte, aber von Seite auf Seite nahm er mich mehr gefangen und löste ein besonderes Lesegefühl aus. Autorin Judith Fanto hat mit „Viktor“ einen sehr persönlichen Roman geschrieben und zeigt uns damit, einen tiefen Einblick in ihre Familiengeschichte. Viktor Rosenbaum war der Rebell der Familie und der Bruder von Geertjes Großvater. Über ihn sprechen? Um Himmels Willen! Aber warum wird so über ihn geschwiegen? Zart und einfühlsam erzählt uns Fanto die Geschichte von Viktor und eröffnet uns somit ihre jüdischen Familiengeschichte. Gene vererben sich in einem gewissen Rhytmus und Geertje scheint einen großen Schwung von Viktor abbekommen zu haben, denn auch sie ist eine Rebellin, die nicht versteht, warum das jüdische Familienleben so unter den Teppich gekehrt wird. Wenn sie doch Juden sind, sollen sie doch auch so leben! Doch die Zeit ist eine andere. Der Holocaust sitzt noch zu tief in den Alten und die Gefahr, sich öffentlich als Jude zu „outen“ ist immer noch eine undefinierbare. Geertje geht einen besonderen Weg und bricht aus diesem Schweigen auf besondere Art und Weise aus. Hier wird Fanto dementsprechend laut und es wird aufwühlend. Muss es aber auch, denn Geertje ist in einer neuen Zeit angekommen und die ist nunmal eben lauter und kräftiger als damals. Der größte Schrei ist ihr Namenswechsel in „Judith“. Was sie damit auslöst, ist ihr nicht ganz bewusst, aber es wird eine Reise in die Vergangenheit aber auch die Findung eines neuen „Ich‘s“. Die Zeitenwechsel sind Fanto mit ganz großem Bravour gelungen und auch die Wortwahl und der Ausdruck sind der Zeit jeweils angepasst. Es tauchen immer mehr Fragen auf und man grübelt immer mehr als Leser mit. Fragt sich, ob Judith den richtigen Weg einschlägt, was sie damit auslöst und vor allem, was es für ihre Familie wohl bedeutet. Muss man den Namen ändern um anerkannt zu werden? Versteckt sie sich denn damit nicht auch? Viele Fragen werden ganz gekonnt von Judith Fanto beantwortet, aber einige bleiben im Geheimen. Sie merken schon anhand vom Vornamen der Protagonistin und der Autorin, das es sich hier wohl um ein und die selbe Person handeln könnte...lassen Sie sich verzaubern! Das schafft ein neues Bild und das Kopfkino beginnt seine Bahnen zu ziehen. Ich bin wirklich begeistert von dieser Geschichte und hätte nie gedacht, das hier so eine Kraft darin steckt. Es ist ein Kampf von Generationen den Judith hier führt, aber wie gesagt, die Zeit ist eine andere und vielleicht ist sie reif, das endlich über Viktor gesprochen wird und über so viele andere Dinge, die Familie Rosenbaum gern „verdrängt“ und umschreibt. Fantos Schreibstil ist keine reine Biografie, aber der aufmerksame Leser kann erkennen was die Autorin hier loswerden will. Shoa - ein Wort das dieser Geschichte den roten Faden verleiht und eine zarte Bande zwischen den geschichtlichen Ereignissen knüpft. Für dieses Lesehighlight vergebe ich 5 von 5 Sterne!

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In dem Buch von Judith Fanto geht es um zwei Familienmitglieder, welche durch 60 Jahre und den Krieg getrennt sind. Es wird deren Geschichte erzählt: wie sie sich mit ihrem jüdischen Leben und Erbe auseinandersetzen, identifizieren und welchen Einfluss dieses auf ihr jeweiliges Leben hat. Das Buch wird aus den zwei Perspektiven erzählt, was anfangs ein wenig verwirrend war, schnell wird man aber in die jeweiligen Zeitstränge hineingezogen und liest fiebernd mit. Fantos Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm zu lesen. Man entdeckt in dem Werk biographische Züge, was es noch lebendiger macht und setzt sich mit der Hauptfigur Judith mit den wichtigen Fragen unserer Generation auseinander. Das Buch war ein spannendes, großartiges Leseerlebnis, bei dem ich bis zum Ende mitfühlen und -fiebern konnte. Man grübelt auch nach Beenden noch lange über die zentralen Themen nach. Sehr empfehlenswertes Buch, das man am liebsten auf einmal durchlesen möchte!

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Judith Fantos Debütroman handelt von der Geschichte ihrer Familie in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Einerseits ist da die wohlhabende jüdische Familie in Wien, die ab ca. 1914 in den Fokus des Romans gelangt – andrerseits ist da Geertje, die Studentin, die 1994 in Nimwegen verzweifelt nach ihrer Identität sucht. Ihre Familie ist jüdisch, das weiß sie, doch es werden keine jüdischen Traditionen gelebt, die Religion spielt keine Rolle und man scheint sich seiner Abstammung zu schämen. Geertje ändert zornig ihren Vornamen in Judith und versucht immer tiefer und immer verzweifelter, ihre jüdischen Wurzeln zu ergründen. Auf dem Dachboden ihrer Großmutter stößt sie auf das Familienarchiv und entdeckt so einen Teil der Geschichte ihrer Vorfahren. Immer wieder eingestreut erfahren wir von der Vergangenheit, in der Viktor und seine Familie in Wien den Einzug der Nazis erleben und wie sich ihr Leben dadurch immer mehr verschlechtert; wie aus angesehenen Bürgern plötzlich geächtete Personen werden. Viktor, das schwarze Schaf der Familie steht immer wieder im Fokus der Erzählung, er pfeift auf Konventionen und mit Charme und Abgebrühtheit stellt er sich den neuen Machthabern entgegen. Judith Fanto erzählt ihre Familiengeschichte voller Wärme und mit viel Humor trotz des ernsten Themas. Sie beschwört eine untergegangene Epoche herauf, zeigt auf, welche liebenswürdigen und interessanten Persönlichkeiten es in ihrer Familie gab und wie sie vernichtet wurden. Sie hebt sie dadurch aus der Masse der unzähligen Opfer dieser Zeit heraus und gibt ihnen ein Gesicht, zeigt auf, was Rassenwahn und Nazi-Terror angerichtet haben. Ein wunderbarer Roman, eine beeindruckende Familiengeschichte - klug und sympathisch erzählt.

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Das Buch teilt sich in zwei Geschichten, einmal in der heutigen Zeit ist Geertje, Jurastudentin und die Enkelin von geflohenen Wiener Juden. Damals in Wien ist es Viktor, eine in den Augen seiner Eltern eine verkrachte Existenz, in den Augen der Menschen die ihn ohne Bedingungen lieben einer der 36 Gerechten die die Welt vor dem Absturz ins Böse retten. Beide sind auf der Suche nach ihrer Identität. Beide begehren gegen die familiären Regeln auf, da enden die Gemeinsamkeiten. Sie kann sich mit ihrer Familie streiten, Namen ändern, weglaufen. Er kann nur versuchen für seine Familie die er trotz allem liebt das Beste zu tun. Sie vor der Shoah zu schützen, ihr Leben zu retten. Außer den beiden Hauptpersonen gibt es eben die Familie die nicht nur neben den beiden agiert sondern jeder für sich eine kleine Hauptrolle hat. Da ist mir besonders Onkel Ernst aufgefallen, er hat genauso wie Viktor die Zeichen der Zeit erkannt aber niemand will auf die beiden hören. Oder die Oma, sie kocht und sorgt auch im hohen Alter für den Trost durch das Essen. Ihr Leid aus der Vergangenheit hat sie mitgenommen, genau wie ihr Mann oder ihre Tochter Geertjes Mutter. Es ist nicht zu Ende, es ist für sie mit dem Judentum verbunden. Die unbestimmte Angst ist da. Das ist für mich eine Kernaussagen des Buchs, warum hat sich niemand gewehrt, warum sind nicht mehr geflohen. Das könnte ich natürlich in eines von vielen wissenschaftlichen Werken nachlesen, aber hier haben die Entscheidungen, Gedanken eine Person die sie ausspricht und begründet. Es gibt Szenen in dem Buch, da treffen Welten aufeinander und ich wusste nicht ob ich Lachen oder Weinen sollte. Die Autorin führt uns Leser ganz langsam in das Buch ein, ein Stammbaum zu Beginn erleichtert die Zuordnung sehr. Die Distanz zu den Personen der Gegenwart ist wie ein erstes Kennenlernen, nach und nach weicht sie einer Vertrautheit bis hin zu tiefer Freundschaft mit den Familien in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Wechselhaft erzählt, gibt es immer einen Grund warum von Geertje zu Viktor und umgekehrt erzählt wird. Es war leicht diesen Sprüngen zu folgen. Das Cover irritiert, die einzige Verbindung die ich gesehen habe ist, dass es einem Bild von Gustav Klimt ähnelt, einem bekannten Wiener Maler, der Frauen der gehobenen Gesellschaft dargestellt hat.

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Zum Inhalt: Basierend auf der Geschichte der Wiener Familie Fanta erzählt Judith Fanto die Geschichte der jungen Geertje, die sich auf die Suche nach ihren Wurzeln begibt. In der Familie schämt man sich scheinbar immer noch für ihr Judentum, das Trauma will sie durchbrechen. Besonders Viktor interessiert sie sehr, denn er scheint eine besonders interessante Persönlichkeit gewesen zu sein. Meine Meinung: Auch wenn mir das Cover gar nicht gefällt und ich in einer Buchhandlung niemals danach gegriffen hätte, bin ich total froh, dass ich die Gelegenheit hatte das Buch zu lesen, denn es ist wirklich toll. Ich fand es ungeheuer interessant, die Geschichte der Familie Fanto zu lesen. Diese direkte Sicht auf wirkliche Leben war beeindruckend und berührend. Gerade auch der Wechsel zwischen der Vergangenheit und Gegenwart machte das Buch sehr lebhaft. Der Schreibstil hat mir auch gut gefallen. Ich kann das Buch nur empfehlen. Fazit: Tolles Buch

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Jüdische Familiengeschichte Die niederländische Schriftstellerin Judith Fanto erzählt in ihrem Roman Viktor“ aus ihrer Familiengeschichte. Die Studentin Geertie van der Berg wohnt 1994 in Nimwegen. Sie weiß das sie Jüdin n ist, aber ihre Familie verschweigt viel. Es ist als wenn sie sich schämen überlebt zu haben. Ihre Großeltern waren und Urgroßeltern waren eine angesehene wohlhabende Wiener Familie. 1914 ist Viktor Fanto ein aufgeweckter wilder Junge. Er entwickelt sich zu einem verwegenen Mann, der vieles anfängt, aber aus Sicht seines Vaters es zu nichts bringt. Der Roman wechselt stets von Geerties Suche nach den Verwandten und Viktors Leben. Teils ist es ziemlich bedrückend zu lesen, wie sich das Leben der Juden nachdem Einmarsch der Deutschen so grausam ändert. Die Autorin schreibt bewegend und humorvoll über die Familie Fanto. Ich war von der Geschichte gefesselt und möchte den Roman unbedingt empfehlen.

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"Victor" oder doch eher "Das Buch Judith - Auf der Suche nach meinem jüdischen Ich". Dieses Buch liest sich trotz der Schwere der Thematik und der verhandelten menschlichen Schicksale auf großen Strecken leicht, beschwingt, ja nahezu humorvoll. Es spielt gekonnt mit Vorurteilen und Stereotypen. Kurz wird man sogar im Zweifel gelassen, ob Geertje alias Judith sich nun berechtigterweise jüdisch fühlen darf oder nicht. Und wieso ist das Familienschaf Victor eigentlich ein schwarzes? Fragen über Fragen, deren Antworten man in der Story, die etliche Jahrzehnte überspannt und neben der Jetztzeit auch das Wien zwischen den Weltkriegen berührt, suchen und finden kann .

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Basierend auf der Familiengeschichte der Wiener Familie Rosenbaum erzählt Judith Fanto ihre Familiengeschichte. In der Gegenwart Geertje van Berg 1994, Studentin in Nimwegen weiß zwar das sie Jüdin ist, kann die Hintergründe aber nicht erfassen. Zu sehr wird von ihrer Mutter die Vergangenheit ausgeblendet, Kontakt zu jüdischen Nachbarn gemieden. Auch von ihren Großeltern erfährt sie nur wenig über die Vergangenheit und die Angehörigen in Wien und die Auswanderung nach Holland. Fragen werden nur kurz abgehandelt. 'Otto – der lebt nicht mehr' So begibt sich Geertje eines Tages selbst auf die Suche nach ihren jüdischen Verwandten in Wien und stößt auf die Geschichte von Victor, einer schillernden Figur und schwarzem Schaf der Familie. In der Vergangenheit, 1914 wächst Victor in Wien auf und fällt schon früh auf als er sich für einen jüdischen Nachbarsjungen einsetzt. Kurzerhand nimmt die wohlhabende Familie Rosenbaum den kleinen Bubi bei sich auf. Victor hat seine eigenen Ziele die er verfolgt und schert sich nicht um das gesellschaftliche Ansehen der Familie. Ohne Studium und Ausbildung geht er seinen Weg. Als der Antisemitismus in Wien Einzug hält hat er dank seines Aussehens, blond und hellhäutig nutzt er alle Wege für Vorteile. Das Buch wird abwechselnd aus der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt. Überschriften hätten dem Einfinden in die unterschiedlichen Erzählsträngen etwas geholfen. Der Schreibstil ist trotz der umfassenden Dichte dieser Familiengeschichte auch locker und humorvoll und hinterlässt einen guten Einblick in ein jüdisches Leben.

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"Viktor" von Judith Fanto Viktor war einer der 36 Gerechten, die sich immer auf der Welt befinden und in deren Händen der Fortbestand unserer Welt lag und liegt. Und Viktor war ein Kleinkrimineller, der alles anfing und nichts abschloß. Wer kennt nicht wenigstens einen Menschen, der eine besondere Ausstrahlung hat, dem alles zufällt, der Frauen erobert, trotzdem er ein Schlawiner ist und der sich so - manchmal auch auf mäandernden Wegen - mit Chuzpe durch das Leben schwindelt. So war Viktor das schwarze Schaf der Familie Rosenbaum. Genau wie seine Familienmitglieder war er Jude in Wien zur Zeit des Dritten Reichs. Sein Vater Anton hatte ein steifes Bein aus dem Ersten Weltkrieg mitgebracht, für ihn war es selbstverständlich, für Österreich in den Krieg zu ziehen. Zu dieser Zeit wurde nicht nur die Kultur in Österreich von jüdischen Österreichern und Österreicherinnen getragen, sondern auch der Staat. Ärzte, Anwälte, Schauspieler, Komponisten, Literaten und und und waren zum größten Teil Juden. Ohne sie hätte es keinen Arthur Schnitzler, Gustav Mahler, Joseph Roth, Karl Kraus ... gegeben. In hohen Posten, als Beamte und Geschäftsleute im heute so genannten oberen Mittelstand überwogen jüdische Gelehrte, Mediziner, Kaufmänner, Amwälte. Die Kinder dieser Intelligenz- und Besitzendenschicht, machten selbstverständlich ihre Matura, studierten und promovierten. Und diese Schicht hatte dasselbe unerschütterlice Grundvertrauen in Staat, Gesetz und Obrigkeit, wie wir es heute nicht mal mehr in dem Maße haben. Doch Viktor war aus der Art geschlagen, zwei Studienrichtungen brach er ab, seine Geschäftsideen hatte häufig einen haut-goût, waren wenigstens zweifelhafter Natur. Als dann seine nahe Umgebung ungläubig feststellen musste, dass ihnen ihr Grundglauben entzogen wurde, war es für Viktor kein Problem "alternative Methoden" anzuwenden. Es machte ihm nichts aus, die Uniform eine SS-Oberscharführers zu tragen, um seine Eltern zu retten oder den rechten Arm hochzureissen und "Drei Liter!" zu brüllen, wenn ihm ein "jagdlustiger" Trupp SA-Männer entgegenkam. Schon seit langem versuche ich zu verstehen, wie es dazu kommt, dass Menschen - egal ob Juden, Christen oder anderen Religionen Zugehörige genau das machen, was ihnen andere "Menschen" vorgeben, obwohl sie wissen, dass die Konsequenz ihr sicherer Tod ist. "Ein SS-Mann trat mit solcher Wucht meinen Gehstock weg, dass ich stürzte. "Aufstehen, los!" brüllte er, und das wäre mir auch gelungen, hätte er mich nicht weiter ... malträtiert. Wenn ich mich an diese Szene erinnere ... ist mir ... erinnerlich, dass ich mich wunderte, denn die meisten von uns wären sicherlich in den Zug gestiegen, hätte man sie einfach nur darum gebeten." fertigte Viktors Vater vorsichtshalber ein Protokoll an über seine Deportation in ein KZ. Viktors Vater war Anwalt, der seinen Beruf liebte, aber niederlegte, nachdem im klar wurde, dass das Gesetz, so wie er es verstanden hatte, nicht mehr funktionierte. Ihm wurde mit juristischer Impertinenz erklärt, dass er grundsätzlich einen Rechtsanspruch gehabt hätte, der aber durch sein Judentum außer Kraft gesetzt worden ist. Ich will nicht zu viel verraten außer, dass das Buch im Wechsel zum einen die Geschehnisse im Wien zur Zeit des "Anschlusses" am Schicksal einer jüdischen Familie beschreibt und zum anderen aus der Ich-Erzählerin-Sicht einer jungen Frau als einer der aktuellsten Zweige am Stammbaum "Rosenbaum" um 1995. Die junge Geertje ist Tochter im Haus van der Berg, wie sich ein überlebendes Ehepaar aus der Familie Rosenbaum in Belgien und Holland nennt. Sie sind zum Katholizismus konvertiert und blenden alles, was jüdisch an ihnen wirken könnte, aus und sie blenden auch die Geschichte aus, die zu ihrem Überleben geführt hat. Geertje, die sich später Judith nennt, nimmt die versteckten Fäden des Webteppichs der Generationen "Rosenbaum" wieder auf, um ihn weiter zu weben. Und nun verstehe ich, warum Anton schrieb: "Die meisten von uns wären in den Zug gestiegen, hätte man sie nur darum gebeten." und auch, warum ein Schlitzohr, Womanizer und Kleinkrimineller einer der 36 Gerechten sein kann. Ich verstehe es, weil ich in ähnlicher Lage auch so funktionieren würde und ich zum Überleben auf einen wie Viktor und dessen Chuzpe angewiesen wäre. Es ist das Buch geworden, das mir nach Sebastian Haffners "Geschichte eines Deutschen", Stefan Zweigs "Die Welt von Gestern" und vor allem nach Elias Canettis "Die gerettete Zunge" bisher gefehlt hat. Es füllt eine Lücke in meinem Gesamtbild des 20. Jahrhunderts und es wurde in einem Stil verfasst, den ich von den älteren Kollegen her kenne und hier nun auch in zeitgemäßerer Form mag.

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Judith Fanto hat mit "Viktor" eine sehr persönliche Familiengeschichte geschrieben. Sie ist Nachfahrin einer jüdischen Familie, die ursprünglich aus Wien kommend, dann im 2. Weltkrieg über Belgien in die Niederlande geflohen und nun heimisch dort geworden sind. Allerdings werden die jüdischen Wurzeln im alltäglichen Zusammenleben ziemlich ignoiert und eigentlich ist es der älteren Generation lieber, nicht auf die Vergangenheit und den jüdischen Glauben angesprochen zu werden. Sie emfpinden es offensichtlich als Makel, jüdisch zu sein. Als die junge Studentin Geertje aber ihrer Familiengeschichte auf den Grund gehen und vor allen Dingen mehr über das schwarze Schaf der Familie, Viktor - Bruder ihrers Großvaters - erfahren möchte, bringt sie etwas ins Rollen, was nicht mehr aufzuhalten ist. Ein toll geschriebenes Buch, welches trotz der Schwere der Thematik auch humorvoll daherkommt. Eine klare Lese-Empfehlung.

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Fantos Debüt ist eine gelungene Kombination von Empathie und Scharfsinn – nicht nur auf der Figurenebene. Analytisch hat genau diese Auseinandersetzung einer jungen Frau mit ihren Wurzeln dem zeitgenössischen Diskurs zur Schoah und jüdischer Geschichte aus einer belletristischen Sicht gefehlt. Der Roman basiert auf einer echten Familienhistorie und folgt zeitgleich zwei Lebenslinien der Familie Fanto. In 1914 wächst der unkonventionelle, individualistische Viktor in Wien als schwarzes Schaaf seiner Familie auf. In 1994 befindet sich Geertje, die Enkelin seines Bruders, in Nimwegen auf der Suche nach den Spuren ihrer Wurzeln, um ihre eigene Identität zu definieren. Geertjes aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte führt sie zwar direkt über die ihr bekannten wenigen Informationsfetzen hinaus – und doch scheint sich hinter der Geschichte noch eine weitere Geschichte zu verbergen. In staubigen Schubladen und alten Fotos sucht sie nach den Wahrheiten, die ihre Großeltern ihr nicht preisgeben wollen. Denn sie ist zwar Jüdin, doch redet ihre Familie nie darüber. Dass sie auch sich selbst kritisch hinterfragt, auf welchen Wegen ihre Familie ihr schlussendlich auf ihrer Identitätssuche entgegenkommt – und wie eng sie an den 80 Jahre früher geborenen Viktor gebunden ist –, diese Aspekte sind Kern der Handlung. Auseinandersetzungen mit der Thematik sind entsprechend kritisch reflektiert und perspektivisch vielseitig. Fanto gibt mit „Viktor“ einen beeindruckenden Standard an, der bei der Lektüre mehrmals positiv überrascht. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

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Viktor ist das schwarze Schaf der Familie Rosenbaum, weil er nicht den konservativen Vorstellungen seiner Familie entspricht. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts ahnt noch niemand, welchen Nutzen die Familie daraus noch ziehen wird. In der Gegenwart ist die junge Gerrtje van der Berg auf der Suche nach ihrer jüdischen Identität, die innerhalb der Familie auf die verschiedensten Weisen verdrängt und negiert wird. Eben dieses Verschleiern macht ihr schwer zu Schaffen und so begibt sie sich auf eine Reise in die Familiengeschichte. Das es nicht immer nur schwarz und weiß gibt, sondern sich dazwischen zahlreiche Graustufen befinden, wird bei diesem Roman sehr deutlich! Und eine weitere wichtige Aussage enthält dieses Buch: Verdrängen und Schweigen erscheint auf den ersten Blick die „leichtere“ Variante, jedoch ist es für andere und vor allem für die nachfolgenden Generationen eine schwere Bürde, da Verhaltensweisen fehlinterpretiert werden. Dieses Buch ist somit nicht „nur“ ein Roman und die Aufarbeitung einer Familiengeschichte, sondern gibt auch exemplarisch einen tiefen Einblick in die Thematik „vererbte Erinnerungen“. Ein Buch das sowohl fesselt als auch zum Nachdenken anregt! Klare Leseempfehlung!

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Schon im zarten Alter von neun Jahren lernt Geertje aus Büchern von den Gräueltaten an Juden während des 2. Weltkrieges. Sie blickt mit einer Art kindlicher Naivität darauf, ist sich aber vollends bewusst, dass sie solche Bücher keinesfalls mit nach Hause bringen kann und auch keine Fragen zu stellen braucht, weil keine Antwort zu erwarten ist. Und diese Tatsache macht sie nur noch neugieriger. Je älter sie wird, umso mehr möchte sie sich mit der Vergangenheit ihrer Familie auseinandersetzen. Vor allem, weil sie sich oft nicht zugehörig fühlt und wissen möchte, wer sie eigentlich ist. Und vor allem, weil sie so großes Interesse an Viktor, dem schwarzen Schaf der Familie, hat. Warum sprechen alle nur wenig oder nur schlecht von ihm? Dabei war Viktor in seiner Zeit doch von vielen so verehrt: der schönste Mann von Wien, ein Dandy, ein hinterhältiger, aber kreativer Geschäftsmann. Was sie allerdings bei ihren Recherchen erfährt ist für die junge Frau schwer zu verdauen. Je mehr Geheimnisse sie lüftet umso weniger weiß sie, wer sie eigentlich ist. Anfangs mit einer Leichtigkeit und Freude geschrieben, ab und an sind die Figuren ein wenig melancholisch (die Großmutter, wenn sie von Wien erzählt), aber alle wirken größtenteils glücklich. Unterschwellig ist da natürlich immer zu spüren, dass die Menschen in dieser Familie auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit auch vieles durchgemacht haben, aber im Fall von Geertjes Familie eigentlich nie darüber sprechen. Die Geschichte verliert nie ihre Leichtigkeit, solange das von der Autorin nicht gewünscht ist, um eine spezielle, andere Stimmung zu erzielen. Charmante Details, die zeigen, wie sehr die Familie an Wien hängt (der Dackel heißt Wiener) bringen den Leser stellenweise zum Schmunzeln. Judith Fanto spaziert mit uns durch Wien, durch den Prater, und lässt uns verträumt auf die Fiaker, in die Kaffeehäuser und den Stephansplatz blicken ("Gott hatte es eilig, weil er in sieben Tagen die Welt erschaffen musste, aber für Wien hat er sich Zeit genommen." Kapitel 1). Und im nächsten Moment müssen sich ihre Figuren dann doch mit dem Tod, dem Krieg, Verlusten und ihrer "Andersartigkeit" auseinandersetzen. Sowohl Geertje als auch Viktor (die Hauptfiguren in diesem Roman) sind mir extrem ans Herz gewachsen. Viktor verändert sich im Laufe der Geschichte eindrucksvoll. Vom unbekümmerten, verwöhnten jungen Mann, den nichts aus der Bahn wirft, wird er zum Problemlöser und für mich zum Helden. Auch wenn nicht alle mit seinen Praktiken einverstanden sind (vor allem sein Vater), lässt er sich jedoch nie wirklich von seinem Weg abbringen. Geertjes Wissensdurst beeindruckt mich und ich bin begeistert davon, dass auch sie sich nicht von ihrem Weg abbringen lässt, mehr über ihre Familie zu erfahren. Im Grunde genommen sind sich Viktor und Geertje sehr ähnlich. Die Thematik wird und darf nie vergessen werden, normalerweise nehme ich von solchen Büchern Abstand, wenn ich ehrlich bin. Ich kenne "unsere" Geschichte und verabscheue diese abgrundtief, aber weil sich Bücher zu diesem Thema oft ähneln, gehören sie nicht zu meiner bevorzugten Lektüre. Judith Fanto allerdings hat mich mit ihrer Geschichte in einen Bann gezogen. Geertjes Wissensdurst, Viktors Leben, die Szenerie und Sprache, einfach alles an diesem Buch hat mir gefallen (wenn man das bei dem Thema so nennen darf). Eine Stelle, recht früh im Buch, hat mich ganz besonders berührt und werde ich nie wieder vergessen, weil sie so aussagekräftig und so wahr ist: Nachdem ich meine Frage in Gedanken formuliert hatte, sagte ich mit einem unbestimmten Gefühl von Erregung: "Mam, ich weiß, dass im Krieg Juden umgebracht worden sind, aber doch wohl keine Kinder, oder? Denn die haben ja nichts falsch gemacht." Schlagartig war es vorbei mit der heiteren Ruhe meiner Mutter. Sie starrte mich wütend an. " Die Erwachsenen haben auch nichts falsch gemacht! ", giftete sie. (Kapitel 1) Dieses Buch hat mich sehr begeistert und daher gebe ich eine absolute Leseempfehlung!!

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Die Studentin Geertje möchte mehr über die Vergangenheit ihrer jüdischen Familie erfahren. Es gibt so viele Geheimnisse und Tabus. Warum haben ihre Vorfahren ein solches Problem mit der eigenen jüdischen Identität? Geertje beginnt, sich mit dem Judentum auseinanderzusetzen, sie benennt sich um in Judith und engagiert sich in der jüdischen Gemeinde. In einem zweiten Erzählstrang geht es um Judiths Vorfahren zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Da sind ihre Urgroßeltern, Großeltern und auch der Bruder ihres Großvaters, Viktor. Viktor ist das schwarze Schaf in der Familie, ein Frauenheld und Lebemann. Besonders um ihn wird ein großes Geheimnis gemacht. Als Judith auf dem Dachboden ihrer Großeltern Dokumente aus der Vergangenheit findet, kommt sie den Geheimnissen nach und nach auf die Spur. Ein Buch, das nicht nur unterhaltsam und sehr gut geschrieben ist, sondern auch das jüdische Leben nach dem ersten Weltkrieg beleuchtet. Bei der Suche nach der eigenen Identität kann man sich sehr gut in Judith hineinversetzen. Sie fühlt sich nirgendwo zugehörig und findet auch bei ihrer Familie keine Hilfe, sondern stößt auf Schweigen und Unverständnis. Aber auch die Vorfahren werden sehr differenziert und facettenreich beschrieben. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das mir sehr gut gefallen hat.

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Dieser gelungene Debut- und Familienroman spielt auf zwei Zeitebenen und an zwei Schauplätzen (Niederlande und Wien) und gibt uns Einblicke in die Biografien und das jüdische Leben der 20-jährigen Studentin Geertje und ihrem Grossonkel Viktor. Viktor, der sich nicht immer an Regeln und Konventionen hält, einen Ruf als Frauenheld hat und den Erwartungen seines Vaters nicht gerecht wird, begleiten wir von Anfang des ersten Weltkriegs bis zum Anfang des zweiten Weltkrieges. In Geertjes Geschichte, die den Zeitraum zwischen 1975 und 1995 umfasst, geht es um das Leben der Juden nach dem Krieg und über das Gefühl der Schuld der Überlebenden. Geertje beschäftigt sich mit den Auswirkungen der NS-Zeit auf das Leben ihrer jüdischen Vorfahren bis in die Gegenwart hinein, macht sich an Tabuthemen, bricht Schweigen und lüftet dabei Familiengeheimnisse. Das alles, ohne rechte Hilfe von Seiten ihrer Familie zu bekommen. Während dieses Prozesses der Identitätssuche mausert sie sich zu einer selbstbewussten jungen Frau, die ihre jüdischen Wurzeln nicht leugnet. Das Buch liest sich angenehm und flüssig. Einmal damit begonnen, konnte ich es kaum mehr aus der Hand legen. Spannung, Humor und spritzige Dialoge fehlen nicht und helfen, die erschütternden Ereignisse zu verdauen. Der Familienstammbaum am Anfang des Buches hilft, die Verwandtschaftsverhältnisse zu umreißen. Ich empfehle diesen fesselnden und wissenswerten autobiographischen Roman von Judith Fanto, in dem sie sich gekonnt und feinfühlig mit ihrer jüdischen Familiengeschichte auseinandersetzt, gerne weiter!

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Welch eine Überraschung, ein solches Buch im Urachhaus Verlag zu finden. So spannend ist diese Vergangenheitsrecherche der jungen Studentin in Nimwegen, die dem schwarzen Schaf der Familie, ihrem Onkel Viktor, nachforscht. Dabei gerät sie in existentielle Zweifel an ihrer Identität und versucht diese mit der Rück-Konversion in die Israelitische Religionsgemeinschaft loszuwerden. Mit Haut und Haar verschreibt sie sich diesem Projekt, das die Verwandschaft befremdet, sind sie doch glücklich der Hölle entronnen. Es endet anders als gedacht und hoffentlich wird Frau Fanto weitere so hervorragende Bücher schreiben!!

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Der Roman erzählt von einer in Wien beheimateten jüdischen Familie, der Familie Fanto. Wie jede Familie hat auch diese ein schwarzes Schaf. In diesem Fall ist es Victor.  Victor entwickelt sich zum Helden der Familie.  Er ist ehrlich und mutig und verschließt nicht  die Augen vor der Gefahr,  die von den Nazis ausgeht. Der Roman wechselt beständig zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Geertje, Nachfahrin der Familie Fanto, spürt, dass die Familie immer noch irgendwie in der Vergangenheit lebt. Intensivst bis hin zum zeitweiligen Abstand zur Familie setzt sie sich mit der Vergangenheit ihrer Familie auseinander. Der Roman ist aus Sicht von Geertje in ich-Form geschrieben. Er ist wortgewaltig,  feinfühlig und berührt den Leser im ganz Besonderen.  Die Tatsache, dass es die Geschichte der Familie Fanto und damit der Autorin ist, macht den Roman noch ergreifender. Man leidet mit der Familie zutiefst mit. Ich kann den Roman nur empfehlen, zeigt er doch, was für schreckliche Zeiten es damals waren und welchem Druck und  Qualen die jüdischen Menschen damals bis in die Gegenwart ausgesetzt waren.

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Ein interessant geschriebener Roman,der die Geschichte einer jüdischen Famile auf zwei Zeitebenen erzählt und dabei auch den Humor, der sich im Altag ergibt, nicht vergisst.

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Ein Stück Familiengeschichte, grossartig erzählt und mit der Gegenwart verknüpft! Mir hat die Kombination von Forschung in der Familiengeschichte und Selbstfindung der eigenen Biographie sehr gut gefallen!

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Man kann sich in Viktor schon richtig verlieben. Ein wahres Schlitzohr aber wenn es drauf ankommt, kann man sich mehr auf ihn verlassen, als man denken würde. Judith Fanto konnte mich mit ihrem Roman sehr begeistern. Es passiert selten, das mir ein Geschichte mit zwei Zeitebenen in beiden Erzählsträngen gleich gut gefällt. Hier war das aber die ganze Zeit der Fall. Was bedeutet es als Nachfahr*in jüdischer Überlebender der Shoa auf zu wachsen, wie prägt dass das Leben der Enkelgeneration? Wie lässt sich eine eigene Identität finden, wenn die Erinnerung an das Vergangene das eigene Leben so stark durchdrungen hat? Die Autorin, selbst ein Teil dieser Enkelgeneration spürt diesen Fragen nach und so zeichnet der Roman nicht nur das Leben von Judiths Familie nach, sondern zeigt auch die Komplexität dahinter auf.. In Judiths Familie wird das Thema Shoa (Holocaust) nur angedeutet, oder wenn überhaupt, erzählt der Großvater eine lustige Anekdote, sodass im ersten Moment der Eindruck entstehen könnte, das die Flucht und das Untertauchen ein großes Abenteuer gewesen seien. Doch gerade dadurch versteht man die ganze Tragweite erst so richtig. Die Familie hat ihre Bewältigungsstrategie gefunden um zu überleben und nach 1945 weiter mit dem Erlebten umgehen zu können. Gleichzeitig versteht man aber auch Judiths Beweggründe, sich mit dem Schweigen und Aussparungen nicht zufrieden geben zu wollen. Sie möchte verstehen, was sie selbst ausmacht. Fragt sich, wer sie eigentlich ist. Fragt sich auch, wer Viktor eigentlich war. Zeitweise habe ich schallend gelacht. Viktor ist ein ganz schönes Schlitzohr, der so einiges auf dem Kerbholz hat. Aber er schafft immer wieder sich heraus zu winden und heraus zu reden. Der Autorin gelingt es, ihm Tiefe zu verleihen, aber ihn nicht zu überhöhen. Nicht nur er, auch die anderen Figuren wirken so lebendig und glaubwürdig gezeichnet, das ich das Gefühl hatte mit ihnen am Tisch zu sitzen. Zum Teil mag das auch daran liegen, das ich weiß, das Fanto hier auch ihre eigene Familiengeschichte mit verarbeitet hat. Aber eigentlich lag es vor allem am großartigen Erzählstil der Autorin. Dazu kommen auch innerjüdische Debatten, die man vielleicht als Außenstehender gar nicht kennt, einfach weil sie nicht nach außen dringen. Meiner Meinung nach ist es Fanto sehr gut gelungen einzufangen, in welchem Spannungsfeld sich Shoaüberlebende und ihre Nachkommen bewegen. Das Trauma jeder einzelnen Familie ist eine eigene Geschichte und hat sich auch überall sehr individuell auf die nächsten Generationen übertragen. Auch davon handelt der Roman. Von Judith und ihrer Suche, wie sie mit der Vergangenheit ihrer Familie umgehen möchte. In dem sie Zugang zu Viktors Geschichte bekommt und das Schweigen in ihrer Familie brechen kann, findet sie einen neuen Zugang zu sich und ihrer jüdischen Identität - ja sogar überhaupt erst das sie eine jüdische Identität hat.. Ja Viktor ist eine Familiengeschichte über die Shoa (Holocaust), aber auch über das weiter Leben danach. Das Ringen mit den Erlebnissen, aber auch mit den Auswirkungen die bis heute in den Familien Überlebender spürbar sind.

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Zu Beginn des Buches war ich mir doch etwas unsicher, aber je mehr ich gelesen habe um so begeisterter bin ich. Das Buch wurde auf zwei verschiedenen Zeitebenen geschrieben, zum einen 1996 ist da eine jüdische Familie in den Niederlande, die Großeltern wuchsen in Wien auf und flüchteten während der Nazi-Zeit nach Belgien, wo sie knapp den Holocaust überlebten. Die zweite Zeitschiene spielt in Wien und dreht sich um Viktor. Um zu verstehen, warum die Großeltern und auch Eltern das "jüdisch sein" ablehnen, braucht es den Erzählstrang um Viktor. Die Tochter bzw. Enkeltochterfühlt sich aber "jüdisch" und möchte in diesem Glauben leben. Das Buch nimmt zum Schluss eine kleine unerwartete Wendung. Einfach lesen und sich überraschen lassen. (Veröffentlichung auf Facebook und Instagram)

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Jüdische Identität zurückgewinnen Der Roman ‚Viktor‘ bekam in den Niederladen das Siegel: Bestes Debüt des Jahres! Und das macht natürlich neugierig und ich fragte mich: Hält es was die euphorischen Stimmen versprechen? Um es abzukürzen: Ja! Ich bin und war eine begeisterte Leserin des Debütromans ‚Viktor‘ von Judith Fanto. Judith Fanto, Jahrgang 1969, hat sich auf die Spurensuche ihrer eigenen Herkunft gemacht und wollte einfach mehr wissen, denn sie entstammt einer alteingesessenen Wiener jüdischen Bürgerfamilie. Die niederländsiche Juristin mit dem Fachgebiet Medizin ist Mutter von 3 Kindern und ist hochaktiv im sozialen Bereich, gründete mehrere Stiftungen. Und nun auch hervorragende Autorin. Aber trotz aller Parallelen und Gemeinsamkeiten ist es ein fiktives und kein biografisches Werk. Dieses Buch hat zwei Erzählstränge, zum einen im Wien des Jahres 1914 wird das Leben der jüdischen Familie Rosenbaum erzählt und hier besonders vom angeblichen schwarzen Schaf der Familie: Viktor. Ein regelrechter Aufschneider, lässt nichts anbrennen, eine Lebemann und macht was er will Scheinbar! Denn was nach außen hin als undurchdacht daher kommt hat oft einen zutiefst sozialen Kern. Der zweite Erzählstrang widmet sich Geertje, geboren in den Niederlande und 1994 Jura-Studentin in Nimwegen. Sie ist eine „nichtjüdische“ Jüdin, wie sie sich selbst bezeichnet, denn sie ist zwar Teil einer jüdischen Familie, aber die weder praktiziert noch ein Thema daraus macht. Nun will Geertje diesem Teil ihrer Wurzeln nachgehen Zum Teil auf dem Dachboden ihrer Großmutter und zum Teil in einer jüdischen Gemeinde vor Ort. Zusammengeführt werden die Stränge, da Viktor der Bruder ihres Großvater. Beide Stränge haben ihre Stärken und sind in sich schon eine Bereicherung, aber der Strang in den 90er Jahren hat mir besonders gefallen, denn Geertje setzt sich mit ihrer familiären Identität auseinander und ergründet was das für sie bedeutet! Sie will herausfinden und erspüren was es mit ihr macht und wer sie als Jüdin ist. Wirklich spannend wie die Autorin sich mit dem Judentum und den historischen Ereignissen hier literarisch auseinandersetzt und das in einer leicht lesbaren Art. Auch beschreibt sie die Orte, also das historische Wien und dengegenwärtigen Nimwegen so plastisch, dass man es sich gut vorstellen kann. Ich bin überzeugt und wünsche dem Roman sehr sehr viele Leser:innen, vor allem da es kein Roman aus einem der großen Verlagshäuser ist!

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Wien, 1914. Viktor ist der Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie. Er ist kein angepasster Typ, aber er ist empathisch und fühlt nicht nur mit anderen, sondern setzt sich auch für sie ein. Allerdings interessiert er sich wenig dafür, etwas aus seinem Leben zu machen, wie es die Familie erwartet. Nimwegen, 1994. Geertje weiß nicht viel über ihre Vorfahren, doch sie möchte wissen, warum ihre Familie mit dem Judentum ihre Schwierigkeiten hat. Es ist ein Thema, über das nicht gesprochen wird. Doch Geertje will mehr über ihre Wurzeln erfahren. Je tiefer sie in die Vergangenheit eindringt, umso mehr verbindet sie mit ihren jüdischen Wurzeln und sie nennt sich fortan Judith. Die Autorin erzählt sehr feinfühlig und interessant, wobei sie durch ihre eigene Familiengeschichte inspiriert wurde. Auch wenn viele so leicht erzählt ist, gibt es doch auch immer wieder Abschnitte, die furchtbar sind. Was mit den jüdischen Menschen vor und während des zweiten Weltkrieges geschah, wissen wir alle zur Genüge. Das ist auch an Viktor und Geertjes Familie nicht vorbeigegegangen. Das Thema wird aber nicht nur totgeschwiegen, Geertjes Eltern praktizieren ihren Glauben nicht mehr. Doch Geertje kann so nicht leben, sie muss wissen, was geschehen ist, um zu sich selbst zu finden. Mehr noch aber hat mich Viktor beeindruckt, der früh erkannt hat, was auf die Juden zukommt und Widerstand geleistet hat. Da sein Aussehen so gar nicht jüdisch ist, nutzt er dies, um zu helfen. Er ist eine wirklich interessante Persönlichkeit, der mit einer unvergleichlichen Nonchalance seinen Weg geht. Es ist ein berührender, wundervoller Roman, der einen nicht so schnell loslässt.

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Judith Fantos Debüt "Viktor" wurde in den Niederlanden sehr gefeiert. Zurecht! Der Roman ist ispiriert von ihrer eigenen Familiengeschichte und wird in zwei Erzählsträngen erzählt. Zum einen die Geschichte um Viktor, einem mutigen Lebemann und Tausendsassa, dessen wohlhabende, jüdische Familie voller Exzentriker und (Gustav) Mahler-Liebhaber in Wien zu Hause ist. Wir erleben mit ihnen den politischen Wandel im Land, die Machtergreifung der Nazis und lesen von ihrer dramatischen Flucht, die nicht allen Familienangehörigen gelingt. Der zweite Erzählstrang spielt in den 90er Jahren und war für mich persönlich der Stärkere. Hier ist Gertje, Viktors Großnichte, die Protagonistin. Sie sträubt sich gegen das Totschweigen der Familiengeschichte durch ihre Großeltern und Eltern. Das transgenerationelle Trauma ist allgegenwärtig. Sie fühlt sich nirgends richtig zugehörig, fühlt sich ihrer Identität beraubt. So tritt sie der Gemeinde einer Synagoge bei, ändert ihren Namen von Gertje in Judith und macht sie sich auf die Spurensuche ihrer jüdischen Geschichte. Dabei ist "Viktor" kein schwerer Stoff, sondern ein sehr gut konstruierter und spannend geschriebener Roman, der es mit Leichtigkeit schafft die sehr schwergewichtige Frage zu stellen, wie nachfolgende Generationen mit dem Erbe der Shoah umgehen können. Ein Buch, das wahnsinnig gut unterhält und zugleich viele Denkanstöße bietet.

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Das Buch bleibt bis zum Schluss sehr spannend. Das Thema aus einer neuen Lichtweise berührend, aber trotzdem erträglich dargestellt. Fanto versteht es Geschichten zu erzählen. Die alte Geschichte ist überzeugender als die der jungen Frau in der Jetztzeit, aber trotzdem ein guter Aufhänger! Alle Achtung für diese Arbeit!!!

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